Ausgabe 
11.2.1938
 
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ttr. 55 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Zreitag, U. 8ebruar 1938

Gietzener Anzeiger

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granifvrt am Main 11686

Regierungswechsel in Rumänien.

Das Kabinett Goga zmückgetreien. Patriarch M ron Christea an -er Spitze eines Kabinetts -er Zusammenfassung aller Kräfte. ' x

Bukarest, 10. Februar. (DRV.) Die Regie­rung Goga hat am Donnerstagabend ihren Rücktritt erklärt, den der König ange­nommen hat. Der Rücktritt der nationalchrist- licheu Regierung Goga hat außen-, innen- und wirtschaftspolitische Gründe. Durch das neue Regierungsprogramm ist der haushalt stark belastet. Line Ueberbrückung mit Hilfe der Rationalbank erwies sich als unmöglich. Die demokratischen Oppositionspar-. t e i e n suchten den König davon zu überzeugen, daß nur eine Regierung, die alle nationalen Kräfte vereinige, dem Lande Ruhe bringen könne, da die kommenden Wahlen sonst sehr blutig werden könnten.

Unter dem Vorsitz des Königs tagte noch am Donnerstagabend ein Kronrat, an dem alle früheren Ministerpräsidenten und alle Parteiführer außer Lodreanu (Eiserne Garde) teilnahmen. Anschließend betraute der König den Patriarchen 2U i r o n Lhri- stea mit der Bildung einer Regierung, die alle Kräfte zusammenfassen soll. Die neue Re­gierung ist noch in der Rächt gebildet worden. Gegen 3 Uhr früh wurde folgende Zusammensetzung bekannt:

Ministerpräsident: Patriarch MironLhristea, Llaatsminister: Die ehemaligen Ministerprasiden- ten Dr. Angelescu, Marschall Averescu, Prof. Iorga, Mironescu, Vaida V o e v o d, vaitoianu, Tatarescu, gleichzeitig Außen­minister. Finanz und vorläufig Justizminister: Lancicoo (Üb.); Gesundheitsminister: Losti- uescu (Nb.); Kultus und Unterricht: Jam and i (Nb ); Verkehrsminister: Dr. Angelescu (Rumä­nische Front); Arbeitsminister: Mihescu (Rumä­nische Front); Industrie- und Handelsminister: A r - getoianu (Präsident der Agrarpartei); Land­wirtschaft: Prof. Jonescu-Lis es chti (Ver­trauensmann von Prof. Jorga); Innenminister: Lalinescu (ehemals Ratiovalzaranist); Minister für Krieg. Marine, Luftfahrt: General Ion A n t o - nescu; Unterstaatssekretär: General Paul Theo­do r e s c u.

Der Ministerpräsident Patriarch MironChri - st e a , der im 72. Lebensjahre steht, ist seit 1925 Oberhaupt der rumänisch-orthodoxen Kirche und war vorher Bischof im Banat. Der Patriarch genießt ein außerordentlich großes Ansehen im rumänischen Volk Von den ehemaligen Ministerpräsidenten sind nur Goga. der Führer der nationalchristlichen Partei, und M a n i u, der Führer der nationalzara- nistischen Bauernpartei, nicht! n d a s K a b m e t t ein getreten. Die liberalen Minister und der Landwirtschaftsminister haben dem Kabinett Tatarescu angehört. General A n t o n e s c u, der Kriegsminister im Kabinett Goga war, hat das Marine- und Luftfahrtministernim noch hinzu ge­nommen. Außer ihm hat noch der ^nnenmim ter Lalinescu der Regierung Goga angehort. Der frühere n°ti°nalr°ranistilch- Mim t-rpra ftöenlM t - ronescu war Unterrichtsmmrster im Kabinett Jonescu im Jahre 1921. Während d-s WeUkrieges betätigte er sich als Z-itungsherausgeber m Paris (8a Roumame"). Dabei trat er für Rumamens Beteiligung am Weltkrieg auf feiten der Latente ein Mironescu, der sich besonderer Beziehun- aen zu französischen Politikern und Militärs er­freut ist vor wenigen Tagen aus Paris zuruckge- kehrt.' Sein Bericht ist auf den Reglerungswechse nickt ohne Einfluß gewesen. bnfc

Aus unterrichteten Kreisen wird ve^ichert.daß die Verfassung auf eine noch zu bestimmende DauLVi! fgehobe nund die W ah l e n auf un­bestimmte Zeit verschoben werden. , f Velagerungizuffand verhängt.

Der König kündigt Revision der Berfassnng an.

Bukarest 11 Febr. (DNB. Funkspruch.) Di- S'sväsSs B? ä' L ÄS M « iS?: s

weilen ausgesetzt. Das Pa Sämtliche LS ä

Bei^ der ' Eidablegung des neuen K^lnetts hat König Carol eine Rede gehalten, m der er aus- ia; A; irJsSÄ dem Irrtümer der"Vergangenheit mit größter Ener.

er Boykott der Fall gebracht, denn 0 v. H. d e s r u -

die Juden hätten noch 8

not-

London, 11. Febr. (DRV. Funkspruch) ücktritt der rumänischen Regierung hat in bei

Der

mänischen Handels in der Hand. Zudem hätten Frankreich und die Tschechoslo­wakei gedroht, Rumäniens Aufrüstung

der Eisernen

wachsenden Volkstümlichkeit

gie und mit Nachdenken verbessert werden müßten, l tritt Gogas geführt haben. Im Bukarester Bericht Der König hat auch einen Aufruf an das des Daily Telegraph heißt es, der Boykott der

Volk gerichtet, in dem er davon spricht, daß Un-Juden habe die Regierung zu s.....

düng des Minderheitenschutzes auf die Juden ge­fordert.) In der Bukarester Meldung derDaily Mail" heißt es, das Goga-Kabinett sei gestürzt we­gen der Spannung mit den Sowjets, wegen der inneren Schwierigkeiten infolge der

ruhe und Verwirrung in das Leben und in die Seele des rumänischen Volkes eingekehrt seien. Sie verlangten nach einer Entscheidung. Rumänien müsse gerettet werden, und er sei entschlossen, dies zu tun. Aus diesem Grunde habe er eine neue Re-

Rücktritt der rumänischen Regierung hat in berLau- Garde und wegen der finanziellen Kri- doner Presse starke Beachtung gefunden. Die Blät- j s i s als Folge der Stellungnahme gegen die Juden, ter versuchen bie Gründe zu erfassen, die zum Rück- ----

Ueberzezlgung zu gehen, daß er für das Land wendig sei.

Das Echo in London.

nicht weiter zu unterstützen und alle Lieferungen zu gierung unter der Präsidentschaft des rumänischen sperren.

Patriarchen berufen, eine Regierung vonj Daily Herald behauptet, nach den Genfer Bespre- Männ ern der Verantwortung. Diese Re- chungen zwischen Eden, Delbos und Micescu fei gierung werde das Verwaltungsleben des Landes König Carol mitgeteilt worden,daß die britische entpolitisieren und sich eine Revision und die französische Regierung auch weiterhin der Verfassung nach den Notwendigkeiten des unbefriedigt von der Haltung der Goga-Re- Landes Vorbehalten. Er, der König, habe sich ent- gierung gegenüber den Minderheitsverträ- schloffen, diesen PZeg mit aller Energie und mit der gen sei." iParis und London hatten die Anwen-

Die Gründe für den Rücktritt Gogas.

polnische preffestimmen.

Warschau, 10. Febr. (DNB. Funkspruch.) Ob­wohl die Blätter zum Rücktritt der Regierung Goga im einzelnen noch nicht Stellung nehmen, geht aus den Ueberschriften doch hervor, wie starken Anteil man in Warschau an dem Regierungswechsel in Rumänien nimmt. Einzelne Blätter veröffent­lichen eine Meldung aus Bukarest, in der auf die Gründe des Regierungswechsels einge- gangen wird. Einer der Hauptgründe fei .wohl die Spannung gewesen, die sich zwischen der Eiser­nen Garde, bie immer einflußreicher unter der Bevölkerung werde, und anderen Politi­kern entwickelt habe. Daß die Eiserne Garde sich der Wahlpropaganda enthalten habe, habe zwar die Gefahr ^iner Verschärfung der innerpolitischen Lage fürs erste beseitigt, aber eine endgültige Klärung nicht erleichtert. Weiter wird darauf hin- gewiesen, daß die von Goga geförderte Entwicklung besonders in Frankreich und England unliebsam verfolgt worden sei. Die neue Regierung werbe vielleicht einen autori­tären Charakter tragen und werde sich auf das Vertrauen und den Willen des Königs stützen. Es fei aber nicht unmöglich, daß sie ^nur einen Uebergangscharakter trage und ihre Aufgabe dann für beendet halten werde, wenn sich die Oesfentlichkeit beruhigt habe.

Der regierungsfreundlicheKurjer Poranny" schreibt, es sei zunächst noch schwer, über die plötz­liche Umstellung in Rumänien ein Urteil zu fällen. Es sei keineswegs ausgeschlossen, daß in der Haupt­sache äußere Schwierigkeiten den Rücktritt der Regierung Goga veranlaßt haben. Das Blatt verweist hierbei auf die Machenschaften des internationalen Judentums in Genf. Man könne aber auch barauf Hinweisen, daß mit keiner besonderen Aenderung in der Außenpolitik Rumäniens zu rechnen sei. Sie unter­stehe der persönlichen Kontrolle des Königs und fei infolgedessen unabhängig von den gerade im Amt befindlichen Außenministern. Die Außenpolitik Antonescus fei von Micescu fortgesetzt worden, und

mit Gewißheit werde auch der neue Außenminister bie gleiche außenpolitische Linie ein­halten.

Oer Fall Bu-ento.

AlsJournalistgetarnterGPU.-AgeulHaupt- schuldiger an der Beseitigung Budenkos.

Bukarest, 10. Febr. (DNB.) Die vom marxi- stischenDaily Herald" ausgegebene ungeheuerliche Lügenmeldung, daß Budenko von rumäni­schen Faschisten entführt worden fei, stammt von dem Bukarester Vertreter der sowjet- russischen Nachrichtenagentur Taß, Bodrow. Die­ser angebliche Journalist, der G P U. - S p i tz e l ist, hatte die Lüge verbreitet, Budenko sei vonrumä­nischen Rechtskreisen beiseite gebracht worden." Hieran schloß er noch die freche Behauptung, daß der ganze Fall auf die Eingebung deut­scher Kreise zurückgehe, die Unfrieden zwi­schen Sowjetrußland und Rumänien stiften wollten. ' Bodrow war mit dem kürzlich aus Bukarest abge­reisten Sowjetgesandten O st r o w s k i und auch mit dem jetzt verschwundenen Geschäftsträger B u - denko auf das schärfte verfeindet und hat beide ständig bespitzelt. Budenko hat auch wieder­holt geäußert, daß er sich von Bodrow be­droht fühle. Bodrow spürt, daß seine Täter- schäft erkannt ist und versucht, die Polizei auf falsche Fährten zu locken. Er hat auch alle Papiere, die über die Person Budenkos irgend­wie Aufschluß hätten geben können, vor dem Er­scheinen der Polizei beseitigt.Cuoantul" und Curentul" weisen darauf hin, daß es sich bei Bu- I denko gar nicht um einen Diplomaten, sondern um einen im Dienste der GPU. stehenden sowjetrussischen Flieger Smirnow handele, der in Rumänien ganz andereals diplo- | matische Aufgaben erfüllen sollte. Dabei habe er sich die Ungnade der GPU. zugezogen.

Oer Straßburger Sender.

Elsaß-lothringischeDevölkerung wehrtsich gegen Mißbrauch zur politischen Hetze.

Paris, 2. Febr. (DNB.) In elsässischen Blat­tern wird auf den politischen Mißbrauch hingewie- sen, der mit dem regionalen Straßbur­ger Rundfunksender getrieben wird. Der Straßburger Sender färbe seine politischen Nach­richten, schreibt derElsässer", oftmals sehr tenden­ziös im Sinne der Volksfront und werde in letzter Zeit sogar in den Dienst des Klgssen- fampfes und der Auslandshetze gestellt. Die ForbacherBürgerzeitung" erklärt: Unsere Be­völkerung ist in ihrer großen Mehrheit gegen eine solche mißbräuchliche Verwen­dung des Straßburger Senders. Das fei bereits durch einen zweimaligen Hörerentfchei d be­wiesen bei dem die meisten Stimmen der zur Mei- nungsabgabe Aufgeforderten auf den Dirigenten des Straßburger Domchors, Hoch, fielen, der sich um die S)ebung des künstlerischen Umfanges der Programme viele Mühe gebe. Seme Befugnisse seien aber leider durch spezielle Bestimmungen der Pariser Zentralregierung stark eingeengt. Diese ließen nämlich Leut- ans Straßburger Mikrophon, die nicht dahm gehörten und ine von der Mehrheit der elsällischen Bevölkerung ab- gelehnt würden. Di- Oessentlichkeit wendet sich besonders gegen di- marxistische Agi° tation, die Woche um Woche der Sekretor der marristischen Gewerkschaften, Mersch, in Mul° häufen vor dem Straßburger S-nder treibt und die unter der Flagge einerfokalen und ««werk-

schaftlich-politischen Aufklärung" die Gipfel einer gemeinen Massenoer hetzung erklom­men hat. Das elsässische BlattDer Bote" schreibt: Was nützen die Ministerreden über Ordnung und Bürgerdisziplin, wozu der Appell zur Eintracht und zur geheiligten Union, die das Land und die Demo­kratie retten sollen, wenn der staatliche Sender Straßburg selber in den Dien st einer u n - zweideutigen Bürgerkriegshetze ge­stellt wird, die den Haß von Klasse gegen Klasse und die Klassendiktatur predigt und verherrlicht?

DieElsaß-Lothringer Zeitung" wendet sich gegen diePariser Berichterstattung" durch Emi­granten aus Deutschland, die regelmäßig das Programm des Straßburger Senders unter­brechen. Was man da an dreisten Verdrehungen der Tatsachen zu hören bekomme, übersteige das Maß des Erträglichen. *

Es ist bemerkenswert, daß nun die elsässische Hei­matpresse selbst, die die Stimmung der Bevölkerung zweifellos am besten kennt, gegen den gefährlichen Mißbrauch des Straßburger Rundfunksenders durch politische Giftmischer und notorische Greuelmärchen- fabrifanten Stellung nimmt. Der Straßburger Sen­der, dessen Mikrophon schon seit Jahren emigrierten deutschen Hetzern zur Verfügung gestellt worden ist, hat bereits sehr viel Unheil, angerichtet und die zwi­schenstaatlichen Beziehungen stark belastet. Wie we­nig befugt diese jüdischen Lügenapostel sind, sich auf

die öffentliche Meinung, die zu vertreten sie vor­geben, zu berufen, beweist die scharfe Absage der elsässisch-lothringischen Bevölkerung von solchen ver­brecherischen Machenschaften. Daß auch das deutsche Volk von Diskriminierungen eines anderen Landes nichts. wissen will, braucht nicht unterstrichen zu werden. Es kann, wie auch derElsässer Bote" fest­stellt, für das deutsch-französische Verhältnis nur höchst nachteilig wirken, wenn die auf leidenschafts­losen Ausgleich abzielenden Bemühungen verant­wortlich handelnder Männer immer wieder durch eine törichte Hetze und durch die Verbreitung dum­mer Lügenmeldungen mittels eines staatlichen fran­zösischen Rundfunksenders gestört werden dürfen.

AgarW-polniUeMl-oM

Dradlberichi unseres Sr. K.-B richterstcftiers.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Warschau, 10. Februar 1938.

Die ungarischen Gäste haben die polnische Haupt­stadt wieder verlassen, föie politischen Erträge dieses Staatsbesuches des ungarischen Reichs­verwesers, der von seinem nun schon fünf Jahre amtierenden Außenmini st er begleitet war, liegen auf dem Gebiet der Realpolitik. Das hat nicht gehindert, daß die Anreise der Gäste und ihr Empfang in Krakau in den romantischen Rahmen gemeinsamer alter geschichtlicher Erinne­rungen gefaßt wurden. Hierin drückt sich in der Tat die Verwandtschaft der Wesensart der beiden Völker am deutlichsten aus, daß sie aus dem Ge­fühlkomplex uralter Erinnerungen die Kraft für neue traditionsgebundene Gestaltung schöpfen und dabei einen recht gesunden Sinn für die Wirklichkeiten der Gegenwart entwickeln. Aus dieser geistigen Einstellung heraus ergibt sich auch das Verhältnis beider zur Tschechoslowakei, die weder eine geschichtliche Vergangenheit noch ein ausreichend starkes nationalpolitisches Fundament besitzt, um überhaupt den Grundstein zu einer traditionsgebundenen geschichtlichen Entwicklung legen können.

Welch: Fülle gemeinsamen geschichtlichen Erlebens stieg dagegen in Krakau aus der Vergangenheit herauf, als der Stadtpräsident dieser alten Kultur­stadt auf dem Barbakan, dem prachtvollen lieber« rest mittelalterlicher Festungswerke dem ungarischen Reichsoberhaupt auf silbernem Teller Brot und Salz darbrachte. In der Krypta unter den silbernen Glocken ruhen in der Nähe des Sarkophages des Marschalls Pilsudski die Gebeine eines großen Un­garn, Stefan Batorys, der, ehe er 1575 zum König von Polen gewählt wurde, Fürst von Sie­benbürgen war. Es gab einmal eine polnisch-unga­rische Personalunion, und polnische Freischärler haben in großer Zahl auf ungarischem Boden ihr Blut für die Freiheit der Magyaren vergossen. Daran erinnerte auch das Schwert aus der Zeit des Polenkönigs Johann Sobiefki (167496), das dem hohen ungarischen Gaste von der polnisch­ungarischen Gesellschaft als Geschenk überreicht wurde. In Warschau wurde ein Straße nach Niko­laus von Horthy benannt und eine andere nach dem ungarischen Dichter und Freiheitskämvfer Alexander P e t ö f i, einem Freunde des polnischen Generals Bem, der in Ungarn getänwft hat. Solche Erinnerungen reichen bis in die Zeit des Weltkrieges' zurück, während dessen sich schon un­garische Staatsmänner wie Graf Andrassy, Tisza und Apponyi für die Errichtung eines selbständigen Polen eingesetzt haben. Aus dem Grunde dieses gleichgerichteten, politischen Denkens bedurfte es des­halb auch keiner besonderen Bündnisse und diplo­matischer Akte, um die Gemeinsamkeit des Handelns zu sichern. Das bat bereits der vorstorbene unga­rische Ministerpräsident G ö m b ö s feststellen kön­nen, als er im Jahre 1934 zu Besuch in Warschau weilte. *

In der gemeinsamen Umschau, die die ungarischen und polnischen Staatsmänner auf dem Gebiet ihrer Beziehungen zu Genf, zum Donauvroblem und zu ihren Nachbarn gehalten haben, durften sie mit Be­friedigung einen erheblichen Zuwachs an Freund­schaft bei dem rumänischen Nachbarn fest­stellen. Hier zeichnet sich deutlich eine Stärkung des von Ungarn und Polen gebildeten Walles gegen die rote Flut ab. Das wurde auch ungarischerseits er­kannt und läßt die Erwartung zu, daß schon die kommende Zeit eine Klärung des ungarisch- rumänischen Verhältnisses bringen wird, wenn nicht der soeben überraschend erfolgte Regie­rungswechsel in Bukarest erneut Verzögerungen und Schwierigkeiten im Gefolge haben wird.

Das zweite Hemmnis liegt in Pr a a. ftür dieses Schlüsselloch zur Tür der Doncnwerständigung ist der rechte Schlüssel noch nicht gefunden. Die fran­zösische Konstruktion hat sich als hinderlich erwiesen, aber immer deutlicher spürt man in Warschau und Budapest, daß die wiedererwachten Lebenskräfte des deutschen Volkes geschweige eine Beeinträchti­gung des Lebensraumes der Nachbarn zu bedeuten, gerade den mit Deutschland freundschaftlich ver­bundenen Staaten die Selbständigkeit und Freiheit der Entscheidung in der durch die Machtoerschiebung neu zu beurteilenden .zentral- europäischen Lage verstärkt und gesichert haben. Weder Polen noch Ungarn wollen länger die hilflosen Gefangenen der verhängnisvollen und in Agonie befindlichen Nachkriegsordnung bleiben. Auch gegenüber der jeder vernünftigen Verständi­gung abgeneigten Tschechoslowakei haben sich ihre Handlungsfreiheit wiedergewonnen. Dis Tschecho­slowakei .ist beharrlich ihre Sonderwege gegangen, der Pakt mit Moskau war auch nach Ansicht Polens und Ungarns die bewußte Eintreibung des bolsche­wistischen Keils in die ohnehin erschütterte mittel­europäische Harmonie, er war eine Provokation für diejenigen, die in der Fernhaltung der Sowjets