widmet, und manch kühner „Saltospringer" stellte sich heraus.
7IE>.-Lehrerbund, Kreis Welterau.
Fachschaft 2, Arbeitsgemeinschaft für Mathematik und Naturwissenschaften.
Dienstag, 11. Januar, findet im Physiksaal der Langemarckschule (Realgymnasium) ein Experimen- talvortrag von Studienassessor H e u s s e l über die Phvtozelle statt. Alle Erzieher sind dazu eingeladen. Der Vortrag geht von 16.30 bis 18 Uhr. Von den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft wird vollzähliges Erscheinen erwartet. Gleichzeitig ist in derselben Schule eine Ausstellung physikalischer Geräte der Physikalischen Werkstätten Göttingen. Sie ist durchgehend geöffnet von 15 bis 18.30 Uhr. Erziehern, die mittags am Kommen verhindert sind, empfehlen wir den Besuch desselben Vortrags im Physiologischen Institut von 20.15 bis 21.45 Uhr.
Am nächsten Sonntag Gau-Gtraßensammlung.
NSG. Wie im letzten Jahr, findet auch 1938 im Gau Hessen-Nassau wieder eine Gau-Straßen- sammlung statt. Herrliche, farbenftohe Nelken kommen auf den Straßen zum Verkauf. Die Handwerker mit ihren Gesellen und Lehrlingen, die Beamten und Lehrer, die Schwestern, Helfer und das Sanitätspersonal des Roten Kreuzes, ehemalige Kriegsteilnehmer und Frontkämpfer des Kyffhäu- serbundes, Helfer und Warte des Reichsluftschutzbundes haben in diesen Wintertagen den Verkauf der Blumen übernommen und wollen damit auch ihr Teil dazu beitragen, daß die dringendsten Sorgen von den Türen aller unserer Volksgenossen fernbleiben. Jeder muß helfen, ihnen die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, um auch der Gau- Straßensammlung am kommenden Sonntag einen vollen Erfolg zu bescheren.
Frau Elisabeth Streng f.
Im Alter von 94 Jahren ist in Gießen Frau Elisabeth Streng, geb. Mettenheimer, die Witwe des am 7. Januar 1897 verstorbenen Gießener Mineralogen und Geologen Geh. Hofrats Professor Dr. August Streng, gestorben. Die Heimgegangene war am 15 September 1843 geboren; sie entstammte einer alten Gießener Familie. Im Alice- Frauenverein vom Roten Kreuz, dem sie seit einer Reihe von Jahren als Ehrenmitglied angehörte, war sie bei der Vereinsgründung beteiligt, seitdem wirkte sie als Mitarbeiterin an allen Entwicklungen und Arbeiten des Vereins eifrig mit Während des Weltkrieges stellte sie in der Liebesgaben-Abteiluno dieses Vereins in aufopfernder Tätigkeit ihre Kräfte dem Vaterland zur Verfügung, zugleich widmete sie sich mit mütterlich mitfühlendem Herzen unermüdlich der Pflege der Verwundeten, von denen keiner ungetröstet und unversorgt von ihr ging. Der Alice- Frauenverein vom Roten Kreuz und mit ihm viele, denen die gütige Frau in warmherziger Weise Helferin und Trösterin war, haben ihr die allezeit freudig geleistete Hilfe und Mitarbeit stets herzlich gedankt, und sie werden auch über das Grab hinaus diese echt deutsche Frau in dankbarer Erinnerung behalten. .
Kapitänleutnant Birnbaum spricht in Giehen.
Demnächst werden in unserer Stadt Vortragsveranstaltungen von besonderem Reiz stattfinden. Kapitänleutnant Birnbaum, ein gebürtiger Laubacher, der in Gießen zur Schule gegangen ist, wird am Montag, 17. Januar, 20 Uhr, und am Dienstag, 18. Januar, um 10 Uhr, jeweils im Cafe Leib, Vorträge halten, die viel Interesse finden werden. Der Redner spricht aus reichem Wissen über die wiedererstandene deutsche Marine und über die jüngste Weltreise des Schulschiffes „Schleswig-Holstein", die er mitgemacht hat. Gleichzeitig wird von dieser Schulschiff-Weltreise ein Film gezeigt. Es sei daran erinnert, daß der „Gießener Anzeiger" fortlaufend eingehende Berichte über diese Reise aus der Feder des Vortragenden veröffentlichte.
Die Vortragsveranstaltung am Montag abend ist jedermann kostenfrei zugänglich, insbesondere wird sich die reifere männliche Jugend dafür interessieren. Die VortragsveranstaUung am Dienstagvormittag ist dem Besuch durch die Gießener Schulen, insbesondere der höheren Schulen und der Berufsschule, vorbehalten.
Das Modell einer Adolf-Hitler-Schule.
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Samstag wird in Waldbröhl in Anwesenheit des Reichsjugendführers und des Reichsorganisationsleiters die Grundsteinlegung für 10 Adolf-Hitler-Schulen vorgenommen. Unser Bild zeigt das Modell der Adolf-Hitler-Schule in Heiligendamm im Gau Mecklenburg. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Oie Wettkampfgruppenleiter des Gaues werden aus gerichtet.
NSG. Bevor die praktische Durchführung des Berufswettkampfes aller schaffenden Deutschen beginnt, werden die Orts- und Gruppenwettkampfleiter in den Kreisen des Gaues Hessen-Nassau noch einmal für ihre Aufgaben vorbereitet. Es finden sieben Tagungen statt, zu denen jeweils mehrere Kreise zusammengefaßt werden und bei denen alle Gauwettkampfleiter sprechen werden. Sonntag, 23. Januar, kommen die Wettkampfgruppenleiter aus den Kreisen Wetzlar, Oberwesterwald, Oberlahn-Usingen und Dillenburg-Biedenkopf nach Wetzlar. Für den 30 Januar sind Tagungen in Gießen für die Kreise Wetterau und Alsfeld-Lauterbach und in Gelnhausen für die Kreise Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern und Büdingen-Schotten vorgesehen. ,
Langemarckschule in Gießen.
Unserem Bericht vom Samstag über die Feier der Umbenennung des Realgymnasiums in „Lange- marck-Schule" ist nachzutragen, daß im Rahmen der Feier.kurz vor deren Schluß Schulrat Nebe- l i n g für das Stadtschulamt und für die bei der Feier anwesenden Vertreter der Polks-, Berufsund der Höheren Schulen der „Langemarck-Schule" zu dem neuen Namen herzliche Glückwünsche aussprach. Er betonte in seinen kurzen Ausführungen, daß es nun Aufgabe der Schule sei, im Geiste dieses Namens zu wirken. Für die Lehrerschaft bedeute es eine hohe Verpflichtung, diesem Geiste entsprechend zu lehren, für die Schüler aber unter dem Gedanken derer von Langemarck zu lernen und sich stets des großen Opfers bewußt zu sein, das deutsche Jugend in jenen schweren Stunden brachte. Den Helden von Langemarck nachzustreben sei große Aufgabe.
Zug verpaßt - ^00 Mark gewonnen!
Zufall und Glück äußern sich manchmal in merkwürdigen Launen Gestern gegen Abend verpaßte der in Gießen beschäftigte Justus Finger aus Hayna im Kreise Frankenberg den Eisenbahnzug, den er zur Heimfahrt benützen wollte. So wandte er sich denn zur Stadt zurück und traf in der Marktstraße auf einen der grauen Glücksmänner der Winterhilfelotterie. In. raschem Entschluß griff er zu und zog ein Los. Es lautete auf einen 100-Mark-Gewinn! Sicherlich war in Anbetracht dessen der glückliche Gewinner über-ben verpaßten Zug nicht ungehalten. — Nach dem
500-Mark-Gewinn vom Sonntag nun wieder ein schöner Gewinn! Gewiß ein lebhafter Anreiz, den grauen Glücksmännern auch einmal in den Kasten zu greifen.
Ein weiterer 100-Mark-Gewinn wurde gestern in den Abendstunden in Lollar gezogen. Der glückliche Gewinner ist der Bahnarbeiter Schneider, der im Bahnhof Gießen beschäftigt ist.
Ernstes und heiteres Alt-Gießen.
Am morgigen Mittwochabend spricht Amtsgerichtsrat i. R. Franz Gros in der Universitätsaula über „Ernstes und heiteres Alt-Gießen" (mit Lichtbildern). Die alteingesessenen, wie die zugezogenen Bürger unserer Stadt werden an der Schiwerung der denkwürdigen Persönlichkeiten unserer Stadt und an den heiteren Episoden des alten Gießen ihre Freude haben. Der Redner, ein Sohn unserer oberhessischen Heimat, ist weit über unsere Stadt hinaus als vorzüglicher Kenner unserer heimischen Verhältnisse in Gegenwart und Vergangenheit bekannt. Der älteste Gießener Gesangverein „Liederkranz" wird den Vortrag mit heimatlichen Chören umrahmen. Der Besuch dieses Heimatabends, an dem auch Partei, Wehrmacht und Behörden teilnehmen, kann der gesamten Bürgerschaft bestens empfohlen werden.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 11. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Yi kg 1,57 Mark, feine Molkekeibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10 Pf., Wirsing grün, Vi kg 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelberüben und Karotten 10 bis 12, rate Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat, Vio 9 bis 10, Zwiebeln, Vi kg 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 40, Aepfel 10 bis 20 Pf., junge Hähne 1.— bis 1,20 Mark, ausländ. Kühlhauseier Stück 11 Pf., Blumenkohl 45 bis 50, Endivien 10 bis 12, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30 Pf., Kartoffeln, Zentner 3,25 bis 3,45 Mark.
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** Silberho ch z e i t. Am heutigen Dienstag, 11. Januar, töftnen Wilhelm Schiefer st ein und Frau Katharine, geb. Repp, Gutenbergstraße 2, das Fest der silbernen Hochzeit feiern.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 «Uhr. Samstagnach- mittag geschloßen
Aus der engeren Heimat.
Oie Maul- und Klauenseuche
in Watzenborn-Steinberg.
* Watzenborn - Steinberg, 11. Jan. In der Hofreite des Karl K l o o s I. in Watzenborn- Steinberg ist die Maul - und Klauenseuche estgestellt worden Die Gemarkung Watzenborn- Steinberg wurde zum Sperrgebiet, die Gemarkun- gen Hausen, Garbenteich, Gröningen und Leihgestern zum Beobachtungsgebiet erklärt.
Hilfswerk für die brandgeschädigten Holzheimer Bauern.
Die Bauern von Eberstadt haben den durch den Brand geschädigten Bauern von Holzheim zwei große Wagen voll Stroh gespendet, um den Geschädigten die Möglichkeit zu geben, ihr Vieh zu versorgen. — Zu einer gleichen Maßnahme haben sich auch die Bauern von Lang-Göns entschlossen. Mehrere Wagen, mit Heu und Stroh beladen, wurden dieser Tage nach Holzheim gefahren. Das Hilfswerk stellt einen schönen Beweis praktischer Volksgemeinschaft dar.
Einem Unglücksfall zum Opfer gefallen.
* Friedelhausen, 11.Jan. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß auf dem BahnhofFriedel- Hausen die 24jährige Elisabeth Röhrsheim von Odenhausen totaufdemBahnsteig aufgefunden wurde. Nach eingehenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Gießen in Zusammenarbeit mit der Gießener Bahnpolizei wurde fest- gestellt, daß die Bedauernswerte den Umständen nach einem Unglücksfall beim Ausstei - gen zum Opfer gefallen ist. Ein Verbrechen liegt also nicht vor.
Verhängnisvoller Schuß.
* Büdingen, 10. Jan. Im benachbarten Diebach a. H. ereignete sich dieser Tage ein schwe « rer Unfall. Der 17jährige Landwirtssohn Frdr. Dörr hantierte mit einem Jagdgewehr. Dabei ging eine Schrotschußladunglos und traf den jungen Mann ins Gesicht. Der Verunglückte mußte zunächst in die Augenklinik und dann in die Chirurgische Minik nach Gießen eingeliefert werden. Er verlor das rechte Auge und hat außerdem erhebliche Gesichtsverletzungen erlitten. Er liegt in bedenklichem Zustande darnieder, man hofft jedoch, ihm das Leben erhalten zu können.
Landkreis Gießen.
<£ Leihgestern, 11. Jan. Seinen 85. G e« burtstag kann am morgigen Mittwoch, 12.Januar, der Zweitälteste Einwohner unserer Gemeinde, der Zimmermann und Landwirt Johannes E i f f I., Hindenburgstraße 30 wohnhaft, begehen. Seit kurzem Zeit erkrankt, konnte er sich bis dahin einer guten Gesundheit erfreuen und nahm an allem Zeitgeschehen lebhaften Anteil.
△ Leihgestern, 10.Jan. Der hiesige Gesangverein ,Liederkranz" hielt am Samstagabend in seinem Vereinslokal „Zum Löwen" seine ordentliche Hauptversammlung ab. Nach Begrüßung der sehr zahlreich erschienenen Mitglieder gedachte der Vereinsführer zunächst der im letzten Jahre verstorbenen drei Sangesbrüder, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Dann gab er einen kurzen Rückblick über das abgelaufene Vereinsjahr. Die vom Rechner vorgetragene Jahresrechnung wies geordnete Kassenverhältnisse und einen ansehnlichen Ueberschuß auf. Dem Sangesbruder Jakob Schmelz wurde anläßlich seines 25jährigen Sängerjubiläums die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen.' Der Verein, der unter der vortrefflichen künstlerischen Leitung des Reallehrers Blaß steht und annähernd 100 Sänger zählt, kann in diesem Jahre auf sein 75jähriges Bestehen zurückblicken. Die weiteren Verhandlungen des Abends betrafen die Vorbereitungen zur Feier dieses 75jährigen Jubiläums, das mit einem größeren S3ngerfest am 24. und 25. Juli stattfinden soll. Es wurden hierzu bereits die Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse bestimmt. Zu diesem Fest hat der Gesangverein „Rheingold" Hagen bereits seine Teilnahme zugesagt. Dieser Verein, mit dem seit zehn Jahren gute sangesbrüder- liche Beziehungen bestehen, will mit seinem Besuch eine Sängerfahrt verbinden. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise geschlossen. Dann hielt
Mamanten-Konwdie
JRomon von Horst Biernath.
27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Olefson schielte nach Martinis Hand, nach den Knöcheln insbesondere. Es war eine gesunde, feste und weder geschwollene noch allzu fleischige Männerhand. Seine Angriffslust aber war trotz Martinis warnendem Hinweis und trotz der Erinnerung an die böse Niederlage der beiden Detektive ungebrochen.
Zanten jedoch gab chm einen Wink, sich wieder zu setzen.
Martini schlug die Beine übereinander. „Man fährt wirklich gemütlich auf Ihrem Schiff! Ich werde die .Catharina' in meinen Bekanntenkreisen wärmstens empfehlen..."
Noch stand Olefson hinter ihm und ballte die Fäuste. „Es wäre eine Wohltat--!" murmelte
er und sah Zanten fast flehentlich an, er möge das Zeichen zum Losschlagen geben. Er war ein kleiner Kerl und diesem stämmigen Martini ohne Frage gänzlich unterlegen, aber er besaß die Zähigkeit und Kampflust eines Terriers.
„Also Sie haben von dem Diamantenraub keine Ahnung?" stieß Zanten wütend heraus.
„Schrecklich! Schrecklich!" murmelte Martini mit höchstem Bedauern. „Sie wollen damit doch nicht etwa sagen, daß eine der Damen an Bord ein Halsband vermißt?"
Humphrey brachte einen Ton hervor, der zwischen dem Wiehern eines jungen Hengstes und dem Liebesseufzer eines Jünglings im Stlmmbruchalter lag. „Sie haben Konsul Barrett erzählt, daß sich ein Diamantentransport der Minerva-Mine an Bord befindet!" schrie er.
„Eine hervorragende Illustration zu dem Thema, wie aus der Mücke ein Elefant wird. Ich habe Konsul Barrett nur darauf aufmerksam gemacht, daß sich zwei Herren der Minerva-M'ne an Bord der .Catharina' befinden — einen Umstand, der fast darauf schließen lasse, daß sie zur Bedeckung eines Diamantentransportes mitführen.. "
„Aber Sie wußten doch", unterbrach Humphrey
ihn gereizt, „daß der Transport der Minerva-Mine längst überfallen und geraubt war!"
„Weiß man denn, ob es der echte war?" fragte Martini mit verblüffender Offenheit. „Das wäre ja schließlich nicht der erste Fall in der Geschichte der Diamantentransporte, daß man die wertvolle Ladung auf mehreren Wegen zum Ziel gehen läßt."
Humphrey stand mit hängenden Armen an der Wand. Sein Gesicht sah aus, als werde er im nächsten Augenblick in Tränen ausbrechen.
„Wo waren Sie während des Diners?" forschte Zanten scharf. Er kam mit dieser genau geformten Frage wieder aufs wesentliche.
„Jawohl!" rief auch Humphrey mit neuem Wind in den Segeln. „Wo waren Sie während des Diners?"
Martini warf einen Blick auf feine Armbanduhr: „Ah, es genügt Ihnen wohl nicht, wenn ich Ihnen sage, daß ich in meiner Kabine war? In unserer Kabine, selbstverständlich!" fügte er, mit einer entschuldigenden Geste gegen Humphrey, hinzu.
„Nein, das genügt uns nicht!" antwortete Humphrey laut.
Martini zog langsam einen länglichen, mehrfach gefalteten Zettel aus der äußeren Brusttasche und glättete ihn auf seinem Knie. „Was für ein merkwürdiger Zufall", sagte er, selbst überrascht, ,Haß ich Ihnen über jede Minute zwischen sieben und halb neun Ausschluß geben kann! Wirklich ein reiner Zufall, daß ich dieser Liebhaberei auch heute frönte. Es ist nämfich eine alte Angewohnheit von mir, die Sie vielleicht für töricht halten werdest — aber Sie sehen, wie nützlich manchmal solche Torheiten sein können —, in Hotels und auf Schiffen aus reiner Langweile übkr meine Zeit sozusagen Buch zu führen. Gleichzeitig ergibt sich daraus eine recht lehrreiche Nachprüfung der Wartezeit auf die Bedienung. Ich führe sozusagen eine Rekordliste. Oh, es gibt da Hotels, in Bombay hauptsächlich, die ganz obenan stehen, während Kapstadt leider auch nicht annähernd an die Spitzengruppe heranreicht. "
„Der Kerl macht mich krank!" stöhnte Olefson verzweifelt.
„Ihnen und der .Catharina' mein Kompliment, Kapitän!" führ Martini mit zermürbender Geschwätzigkeit fort. „Sehen Sie nur an! Eine Minute nach fieben: Nach dem Steward geläutet. Sieben Uhr vier: Der Steward erscheint... Fast ein
Rekord — Sie werden mir das zugeben, wenn Sie jemals in einem Kapstadter Hotel eine Viertelstunde auf die Bedienung gewartet und schließlich Ihre Schuhe selber geputzt haben... Sieben Minuten nach sieben: Der Steward bringt mir die Speisekarte. Sieben Uhr neun: Ich gebe meine Bestellung auf, Pasteten, Königinsuppe, Rotzunge auf holländische Art — übrigens ausgezeichnet..."
„Hören Sie auf!!!" brüllte Zanten, zitternd vor Wut. Er verlor nicht oft die Nerven, aber dieser plätschernde Redestrom brachte ihn um.
Martini bat, aufrichtig betroffen um Vergebung. Er gestand, die Aufstellung solcher Daten fei wahrlich wohl eine blöde Angewohnheit und es müsse natürlich jedweden Außenstehenden höchlichst langweilen, zu hören, was er, Martini in feiner freien Zeit treibe ...
Zanten spreizte die Beine. Er sah gefährlich aus. Gerade deshalb, weil er so ruhig war — weil er, nach dem plötzlichen Ausbruch feines Zorns, wie ein Bild aus Stein dastand. „Noch ein Wort in diesem Ton, Martini", sagte er fast flüsternd, aber deutlich artikuliert, „und Sie fliegen über Bord! Ich verspreche es Ihnen feierlich! Und ich halte meine VersprechiMgen immer — und wenn ich mich selbst dem Gericht stellen müßte."
Martini sah sich protestierend und hilfesuchend im Kreise um.
Bei Tweedle begegnete er eisiger Kühle, aber auf allen anderen Gesichtern stand nackt und klar das brennende Verlangen nach Lynchjustiz.
Er bewegte unsicher die Lippen und duckte sich leicht. Man hatte das Gefühl, er suche einen Fluchtweg.
„Also: Wo haben Sie die Steine versteckt?" fragte Humphrey messerscharf. Vielleicht war das jetzt der fruchtbare Moment, um ein Geständnis zu erpressen?
„Und wo haben Sie Ihre Beweise, daß ich die Diamanten gestohlen habe?" fragte Martini jred) dawider.
„Und wenn es nur die Tatsache wäre", schnaubte Zanten, „daß Sie im letzten Augenblick an Bord gesprungen sind!"
Martini sah ihn gespannt an. „Weiter! Weiter!" drängte er lauernd „Oder ist das alles?"
„Bei Ihrem Ruf mürbe es schon genügen, um Sie dem nächsten Gerichtshof auszuliefern!" knurrte
Zanten. Aber man merkte ihm plötzlich an, daß er unsicher wurde. Nein, er wußte wahrhaftig nicht weiter!
Eine peinliche* Pause entstand. Tweedle rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl herum und sah zu Zanten mit einem Blick auf, als zweifle er nun endgültig nicht mehr daran, daß es um dessen Verstand und Stellung geschehen fei.
Auch Oleffon riß die Augen auf.
„Also los, Humphrey!" fuhr Zanten auf und wischte sich die Stirn. „Sie hatten doch alles beisammen!"
Aber bevor Humphrey dazu kam, das Register aufzuzählen, meldete sich der Steward Curry an der Tür und überreichte Zanten einen Zettel, den Dr. Wilkens ihm zur Beförderung übergeben hatte. Curry entschuldigte sich für die Verspätung der Uebergabe, aber er hatte Zanten zu dieser Zeit eher im Maschinenraum oder auf der Brücke als in seiner Kabine zu finden erwartet. Zanten warf einen flüchtigen Blick auf das Papier. „Verdammte Klaue!" Er suchte nach seinem Einglas und klemmte es sich ins Auge, um die fürchterliche Handschrift zu entziffern.
„Das ist ja toll! Das ist ja nicht möglich!" sagte er schließlich kopfschüttelnd." Er wandte sich in augenscheinlicher Verlegenheit an Martini.
„Und nach dem Dinner waren Sie wphl die ganze Zeit mit Fräulein Hollerthau zusammen?" fragte er fast verstört.
„Allerdings."
Zanten gab dem Steward einen Wink: „Laufen Sie zum Doktor und melden Sie ihm, ich käme sofort!" Er wartete ab, bis der Mann die Tür hinter sich geschlossen hatte. Dann -ging er zu Martini hinüber. „Sie können ebenfalls gehen!" sagte er knarrend belegt und ließ die Hände hängen. „Aber ich rate Ihnen in Ihrem eigenen Interesse dringend davon ab, irgend jemand an Bord etwas von den hier zur Sprache gekommenen Dingen zu erzählen! Wenn Sie sich von mir grundlos beleidigt fühlen, dann steht es Ihnen frei, im nächsten Hafen Ihr Fahrgeld zurückzuverlangen und mich zu verklagen. Bis dahin muß ich, im Hinblick auf die allgemeine Sicherheit, Ihr Wort haben, daß Sie schweigen. Wenn Sie sich weigern, wäre ich leider zu Gewaltmaßnabmen gezwungen.,.."
(Fortsetzung folgt)


