Ausgabe 
11.1.1938
 
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Nr. 8 Zweites Blaff

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag,U.3anuar 1938

Aus der Stadt Gießen.

Mach's gut!

Es klingt wie eine Ermunterung, den Tücken des Alltags zu trotzen. Bis zum nächsten Wiedersehen halte dich tapfer, bleibe munter und unverdrossen, mit einem Wort:Mach's gut!" So wünschen wir guten Freunden, netten Bekannten und den Arbeits­kameraden. Jedenfalls im allgemeinen jenen Men­schen, die uns sympathisch sind. Und ganz gleich, ob diese letzten Worte vor dem Abschiedsgruß an der Straßenecke, aus dem Bahnsteig, oder beim Aus­einandergehen im Versammlungsraum gesprochen werden, immer hinterlassen sie den Eindruck eines herzlichen Gefühls, sofern sie eben nicht nur mecha­nisch gesprochen werden.

Denn es soll ja nicht nur eine Redensart sein. Genau so wenig, wie jene FrageWie geht's?" nur eine Lippenübung sein sollte, hinter der sich die Ge­dankenleere verbirgt. Es gibt Menschen, die mit die­ser Frage schablonenhaft jedes Gespräch einleiten, ohne jemals zu erwarten, daß die Frage auch eine Antwort erheischt. Daß sie damit nicht nur gegen den guten Geschmack verstoßen, sondern auch die kras­seste Unhöflichkeit bezeugen, scheint ihnen nicht zum Bewußtsein zu kommen. Wenn überhaupt jenes Wie geht's?" ausgesprochen wird, und allzu häufig sollte das niemand tun, dann muß es klingen wie eine ehrlich gemeinte, freundliche Erkundigung, die eine ebensolche Erwiderung verdient.

Gewiß, es ist nicht schwer, den Menschen, die uns besonders nahestehen, in solcher Weise zu begegnen. Für sie haben wir schon leicht ein gutes Wort be­reit, und wäre es auch nur jenesMach's gut!", mit dem wir sie auf die Reife schicken. Denn ebenso wie der Ton die Musik macht, so entscheidet der Klang über den inneren Wert des Wortes. Aber wenn wir durch den Alltag gehen und ein wenig aufmerken, wird uns offenbar, wie wenig doch im allgemeinen das gute Wort mit seinem herzlichen Klang ertönt. Kein Zweifel, der Alltag ist nicht immer vergnüglich, und viele Disteln wachsen an seinem Wege, den wir von einer Woche zur anderen gehen müssen. Um so erfreulicher wäre es aber, häufiger ein gutes Wort zu hören, das für den Augenblick das graue Einer­lei zerreißen und die Seele erfrischen würde.

H. W. Sch.

Vornoiizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.45 UhrDie Geisha". Gloria-Palast (Seltersweg):Mutterlied" Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Der Berg ruft."

Skadtlheaker Gießen.

Heute abend findet eine Wiederholung des gro­ßen OperettenerfolgesDie Geisha" von Jones statt. Musikalische Leitung und Gesangstexte Joa­chim Popelka, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Lei­tung und Einstudierung der Chöre Heinz Mark­wardt. Tänze Irmgard Zenner. Die Vorstellung findet^als 15. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

Das Meister-Sextett im Stadttheater.

Das Meister-Sextett, früher genannt Comedian Harmonists, gibt am Donnerstag, 13. Januar, im Stadttheater einen heiteren Abend mit völlig neuer Vortragsfolgei Die Vorstellung findet außer Miete statt.

Schädlingsbekämpfung im Obstbau.

Der Oberbürgermeister veröffentlicht heute eine Reichsverordnung zur Schädlingsbekämpfung im Obstbau, durch welche die Polizeiverordnung des Kreisamtes Gießen Über Schädlingsbekämpfung im Obstbau vom Februar 1934 ersetzt wird. Die Eigen­tümer und Nutzungsberechtigten von Obstbäumen und Obststräuchern mögen diese Bekanntmachung sehr genau beachten, da diejenigen, die die Reini­gung ihrer Obstbäume und -str'äucher bis 1. März jedes Jahres nicht durchgeführt haben, Strafanzeige gewärtigen müssen, außerdem die Arbeiten auf Kosten der Reinigungsoerpflichteten durchgeführt werden.

Baumverjüngung in Gießener Anlagen.

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Gegenwärtig werden in den städtischen Anlagen umfangreiche Baumver» jüngungs-Maßnahmen durchgeführt. Eine statt­liche Anzahl Bäume an den Fußwegen wurden ihrer Kronen und vieler Aeste beraubt, so daß jetzt nur die Stämme und einige Aststumpen. kahl und hart in ditz Luft ragen. Wenn der Anblick auch jetzt nicht sonderlich schön ist, so werden die Bäume doch im Frühjahr mit neuer Kraft austrei- den und in wenigen Jah­ren wieder volle Kronen gebildet haben. Unser Bild zeigt die gestutzten Bäume am Hindenburg- wall.

Vortragsabend im Goldatenbund

Standort Gießen.

Der Standort Gießen des Soldatenbundes gab seiner Arbeit im neuen Jahre am gestrigen Montagabend einen bedeutungsvollen Auftakt durch einen wehrwissenschaftlichen Vortrag, zu dem sich mit den Kameradschaften des Soldatenbundes auch die Kameraden des Reichstreubundes und die Ver­treter der Wehrmacht zusammenfanden, denen der Standortführer, Steuerinspektor Oberleutnant d.R. Schwender, den Willkommensgruß entbot. Der Vortragende,

Oberst o. O. GreaoroviuS, Meiningen, sprach überDie Kriegsgeschichte als das beste Erziehungsmittel des deut­schen Mannes". In prägnanten Ausführungen entwickelte er an Hand eines reichen Karten­materials die Aufmarschpläne zu den entscheidungs- vollen Schlachten von Jena und Auerstädt, von Wörth und von der Entscheidungsschlacht gegen Rumänien bei Bukarest, und zwar vom Standpunkt beider jeweiliger Gegner aus, um zu beweisen, daß genaue Beurteilung der Lage und entschlossenes Handeln in operativer und taktischer Hinsicht die Grundlagen der Feldherrnkunst sind. An dem Bei­spiel der Schlacht von Jena machte er die Enschluß- kraft Napoleons klar, der durch entschlossenes Han­deln und durch die für die damalige Zeit außer­gewöhnlich schnelle Uebermittlung seiner Anord­nungen den Beweis seines Feldherrntalentes lie­ferte. Die Schilderung der Schwierigkeiten des Feld­zuges gegen Rumänien gipfelten in der Feststellung, daß es keine Schwierigkeiten gebe, die nicht durch den einigen Willen deutscher Männer überwunden werden könnten.

In instruktiver Art zeigte Oberst Grego- r 0 d i u 5 dann die Notwendigkeit für jeden deut- chen Mann, sich eingehend mit kriegsgeschichtlichen Betrachtungen und Studien zu beschäftigen, um die eigene Phantasie zu befruchten, um den Geist leben­dig zu erhalten und dieWedanken zu schärfen. Durch diese geistige Auseinandersetzung wird erst der Mann zum einsatzfähigen Soldaten, der nicht nur eine technischen Handhabungen kennt, sondern auch im entscheidenden Moment zu handeln versteht. Sehr eingehend machte der Vortragende verständ­lich, wie viele kleine und doch so entscheidende Vor­arbeiten, wie die Nachricht über den Gegner, die Kenntnis des Wetters und dks Geländes, die Ein­schätzung der Einsatzbereitschaft der eigenen Truppe u. a. erst den Entschluß reifen lassen und die Tat herausfordern. Dazu ist erforderlich, daß sich auch

der einzelne Mann mit soldatischer Lektüre befaßt und mit innerer Anteilnahme die Geschichte der für das Volk von schicksalhafter Bedeutung gewor­benen Kriegshandlungen studiert, so als wäre er heute noch mitverantwortlich für die damaligen Entscheidungen. Alle großen deutschen Männer haben immer wieder betont, daß die Kriegsgeschichte das beste Erziehungsmittel des wehrhaften Deut­schen ist. Das gilt nicht nur für den Feldherrn, son­dern auch für jeden einzelnen Mann. Aber nicht nur der Soldat, sondern auch der in seiner Alltags­arbeit stehende Mann braucht eine solche Vertiefung in die Geschichte schicksalsschwerer Geschehnisse seines Volkes, um barautz die Kraft und die Anregung zu neuem Lebenskampf zu schöpfen. Napoleon hat mit feinem Ausspruch, daß Politik unser Schicksal ist, recht behalten, solange es Staaten gibt. Darum ist es notwendig, daß unser Volk politisch und mili­tärisch-politisch geschult wird. Denn die Unkenntnis wichtigster Dinge und kriegsgeschichtlicher Zusam­menhänge kann durch den einzelnen einem ganzen Volke zum Verhängnis werden. Der Sprung vom Wissen zum Können ist kleiner, als der vom Un­wissen zum Können.

Anschließend würdigte der Vortragende die Ver­dienste der Historiker um die Erweckung des Lebens- und Freiheitswillens des Volkes, wie es in treff­licher Weife die Erforschung der Kriegsschuldlüge bewiesen hat, und er wies nach, daß aus ihrer Arbeit auch die Freude am Vaterlande erwächst.

Der Standortführer, Kamerad Schwender, dankte dem Vortragenden, für die mit starkem Bei­fall aufgenommenen Ausführungen.

Anschließend berichtete Kameradschaftsführer Kaufmann

Oberleutnant a. O. Vöhr

über den Stand der Arbeit des Gießener Soldatenbundes. Er dankte zunächst den Kameraden Kreß, Hirth und Bandis für die umfangreiche Mitarbeit und überreichte Kamerad Steuersekretär Hirth nachträglich ein Geschenk als Anerkennung. Er besprach dann das starke An­wachsen des Bundes, das eine Aufteilung in weitere Kameradschaften erforderlich gemacht hat. Der Standort Gießen umfaßt nun die 1. Soldaten­kameradschaft Gießen, die sich aus Kameraden vom Reichstreubund zusammensetzt, die 2. Soldaten- kameradschaft Gießen, die alle ehemaligen Infan­teristen, sofern sie keine 116er bzw. 15er und 36er waren, umfaßt und die von Leutnant d R. Der-!

waltungsussistent H. Bohn geführt wird, weiter­hin die 1. Infanterie-Kameradschaft, bestehend aus ehemaligen 116ern, 15ern und 36ern, unter Füh­rung von Oberleutnant d.R. Röhr, und schließ- lich die Artillerie-Kameradschaft. Der Dienstbetrieb der einzelnen Kameradschaften erfolgt getrennt, er besteht aus theoretischen und praktischen Aufgaben.

Die Erfassung aller für den Soldatenbund in Frage kommenden Männer schreitet rüstig vor­wärts. Gleichzeitig wurden die Anfänge zu einer brauchbaren Bibliothek gelegt, die durch freiwillige Spenden ausgebaut wird. Dank vielseitiger Unter­stützung ist die Arbeit auf dem besten Wege, so daß auch noch die letzten Schwierigkeiten überwunden werden, um die noch notwendigen Gebrauchsgegen­stände für die Ausweitung des Dienstbetriebes bet schaffen zu können. Kameradschaftsführer Röhr appellierte an alle ehemaligen Soldaten zur Mit­arbeit und Mithilfe.

Das Schlußwort sprach der Standortführer, Kamerad Schwender, der die Ausführungen des Kameraden Röhr unterstrich und auf die weitere Zusammenarbeit im gleichen Geiste hinwies^ BNM- u.LM.-Untergan 116, Gießen.

Dienstbefehl!

Berichtigung. Der Spielschardienst am Diens-, tag, 11. Jan., im Singsaal des Lyzeums, findet schon ab 17.30 Uhr, und nicht, wie gestern mitgeteilt, um 18 Uhr statt.

Betr.: Führerappell der NSDAP^ Am 16. Januar findet der Führerappell der

Mn gähnst^* a-ündUch, ohne

den Zahnschmerz

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NSDAP., vormittags um 11 Uhr im Cafe Leib, statt. Es spricht der Gauleiter und Reichsstatthalter von Frankfurt aus. Alle M.- und JM.-Gruppen- führerinnen, sowie sämtliche Stabsmitglieder und Schulungsmädel treten um 10.30 Uhr am Cafe Leib an. Nachmittags findet in der Untergaudienst, stelle eine wichtige Besprechung der M.- und JM.- Gruppenführerinnen statt, an der sich alle ohne Ausnahme zu beteiligen haben. Verpflegung für den ganzen Tag ist mitzubringen.

Wochenendschulung

im tlnterbann 1/116.

Zur ersten Wochenendschulung im Jahre 1938 war die Führerschaft des Unterbannes 1/116 (Gie­ßen) am Sonntag vor dem Heim der Marine-HI. angetreten. Nach Meldung an den Unterbannsührec Dr. Schneider und der Flaggenparade konnte! die Arbeit im Heim beginnen Gleich zu Beginn dec Arbeitstagung war Bannführer Rohrbach er­schienen, um sich an Hand von Fragen über den Stand der Ausbildung bei Führerschaft und Ein­heit zu erkundigen. Einführende Worte des Unter­bannführers und ein Abschnitt ausMein Kampfs leiteten zu einem Vortrag von Scharführer Born-, m e r über, der es an Hand wissenschaftlicher Grund­lagen verstand, die zersetzenden und zerstörenden Eigenschaften des jüdischen Gastoolkes herauszustel- len. Anschließend sprach HI. - Truppenarzt Dr. T s ch a ck e r t über das ThemaErste Hilfe bei Un­glücksfällen im Dienst." Jedem der anwesenden Füh­rer wurde es klar, wie wichtig gerade dieses Thema für einen Einhietsfuhrer ist. Mit dem Einholen der Flagge war die Arbeit des Vormittags beendet. Der Nachmittag sah die Führerschaft in der Turn­halle des VfB.-Reichsbahn, um sich auf dem Ge­biete der Leibesübungen weiterzubilden. Gefolg- schaftsführer Körner verstand es vorbildlich, den Aufbau eines HI.-Turnabends zu erklären und das Ganze an praktischen Beispielen zu erläutern. Besonderes Interesse wurde dem Bodenturnen ge-

Oer Berg rüst."

Lichtspielhaus.

In freier Anlehnung an Carl Haensels Tctt- sachen-RomanDer Kampf ums Matterhorn" schrieben Luis T r e n k e r, der auch selbst Regie führte, Hanns S a ß m a n n und der österreichische Dramattker Richard B i l l i n g e r* das Drehbuch zu dem FilmDer Berg ruft", der ein richtiger Trenker- Film geworden ist nicht allein des Stoffes we­gen, der ja in fein filmisches Spezialgebiet führt, sondern auch deswegen, weil Trenker in der drei­fachen Eigenschaft als erster Drehbuchautor, als Spielleiter und als Träger der Hauptrolle recht eigentlich die Seele dieses schwierigen und impo­santen Unternehmens genannt werden muß, wie man bald empfinden wird, wenn man die Folge der Bilder und die Entwicklung der Handlung auf sich wirken läßt: das Ganze ist so typisch für Tren­ker, daß man sich fast wundern muß, wieso er erst jetzt den Zugang zu diesem Stoff gesunden hat. Es handelt sich um eine der großartigsten Leistun­gen und auch um eine der schwersten Katastrophen in der Geschichte der internationalen Alpinistik: Arn 13. Juli 1865 gelang dem Engländer Whymper mit einer kleinen, Sorgfältig ausgewählten Gruppe von erfahrenen Alpinisten die Erstbesteigung des ge­fürchteten Matterhorngipfels. Auf dem Abstieg ge­schah das Unglück: das Seil riß, und vier Mann stürzten in den Abgrund ...

Dieser Tatbestand konnte der Anlaß werden zu einem Bergfilm, wie es vor diesem nicht eben we­nige gegeben hat. Trenker kam aber über die bloße Reportage des Vorganges hinaus, in dem er nicht nur ,den Borgang an sich darstellte, sondern ihn gleichsam von mehreren Seiten beleuchtete und ihn so in den Voraussetzungen würdigte, welche die Matterhornbestssigung von 1865 zu dem außer­ordentlichen Ereignis in den Annalen der Alpi­nistik gemacht haben. Es wird also zunächst, wie sich's versteht, die sportliche Seite des Falles ms rechte Licht gesetzt, die für damalige Verhält­nisse hervorragende bergsteigerische Leistung: fer­ner, damit eng zusammenhängend, die menschlich­politische, die sich einerseits aus der geographischen Grenzlage des Objektes zwischen der Schweiz und Italien ergab: der Kampf um die erste Eroberung des Gipfels war, wie man bald begreift, im Hin­blick auf die Fremdenindustrie hüben und drüben, zu einem sehr wesentlichen Teile von geschäftlichen Interessen bestimmt, außerdem natürliche auch von sportlich-nationalem Ehrgeiz, jo daß sich die

gleichzeitige Ersteigung von zwei Seiten schließlich zu einem mehr als verwegenen Wettlauf zweier Nationen zuspltzte. der englijchen Gruppe (von der Schweizer Seite) unter Führung Whympers und der italienischen unter Carrel Andererseits wird dieses Wettrennen auf den Gipfel durch die von Mißverständnissen und Intrigen getrübten persön­lichen Beziehungen zwischen Whymper und Carrel verschärft, den wiederum die Bauern seines Dorfes aus plausibel gemachten Gründen mit gehässiger Feindschaft verfolgen: ein natürliches Gegengewicht hierzu bildet die kleine Liebesgeschichte zwischen Carrel und Felicitas Favre, die sich allen Anfein­dungen zum Trotz tapfer zu Carrel bekennt und an seine Leistung glaubt. Endlich ergibt sich auch ein juristisch - kriminelles Motiv aus dem Um­stande. daß Whymper nach der Katastrophe beschul­digt wird, das Seil, an dem seine Kameraden beim Abstieg hingen, im kritischen Augenblick zerschnitten zu haben, um sich zu retten: aber während einer hochdramatischen Gerichtsverhandlung ersteigt Car­rel den Gipfel noch einmal, allein, findet und bringt das Seil das nicht zerschnitten, sondern einfach gerissen ist. (Eine böse Versuchung, im Sturm auf dem Gipfel selbst einen Schnitt im Seilende anzu­bringen, hat Carrel schnell überwunden.)

Trenker, der selbst den Carrel gibt, hat in seiner Spielleitung alle diese Elemente der Handlung auf­gezeigt und zu einem dramatisch sich steigernden, menschlich eindringlich vertiefte!», Gesamtbilde zu­sammengefaßt. Sein Carrel ist im nationalen wie sportlichen Typus vorzüglich erfaßt: er denkt und bandelt ohne ein Wort zuviel geradlinig- und überzeugend. Aus der Untadeligkeit des Charak­ters und der Besessenheit von der Idee, diesen Berg bezwingen zu müssen, allein und jedenfalls als erster, ergibt sich das runde und klare Bild des Mannes Carrel. Die sportliche Leistung wird der Fachmann besser zu würdigen wissen als der vor steilen Bergwänden nur stumm und starr staunende Kunstbetrachter: es ist hier übrigens nicht nur an Trenkers eigene Leistung gedacht, sondern auch an die der ganzen Gruppe von den Darstellern, soweit sie an diesen entscheidenden Abschnitten des Films beteiligt sind. Hervorragendes, technisch vor allem wie auch bildmäßig, leisteten die Kameraleute, von denen Sepp Allgeier und Walter R'ml die bekanntesten sind. Aus dem großen Ensemble: Heidemarie Hatheyer, eine von Trenker ent­deckte junge Darstellerin, hübsch, anmutig und ganz weiblich: Herbert Dirmoser gibt den Whymper, zäh und ehrgeizig, sympathisch und phrasenlos. Die Höflich und die Koppenhöfer in ein paar kleinen, eindringlich geformten Szenen (Mut­

ter Carrel und Frau Croz); in der Gerichtsver­handlung: Walter Franck, Ernst Legal und Erich Ziegel mit vortrefflichen Leistungen. Dr. G. B e c c e schrieb, wie schon zu manchem früheren Trenker-Film, die Musik. (Terra.)

Vom Vorprogramm sind ein Rückblick der Ba- Daria auf das Jahr 1937 und ein Vorspann zur Kameliendame" mit der Garbo hervorzuheben.

Hans Thyriot.

Der Maler Christian Vohlfs f.

Im Alter von 88 Jahren ist der Maler Professor Christian R o h l f s , Ehrenbürger der Stadt Hagen und Ehrendoktor mehrerer Universitäten, in Hagen an einer Lungenentzündung g e ft o r b e n. Rohlfs wurde am 22. Dezember 1849 in Niendorf im Holsteinischen als Sohn eines Bauern geboren. Als 15jährige traf ihn ein schwerer Unfall: er verlor ein Bein und mußte darauf verzichten, den väter­lichen Hof zu übernehmen. Seine außerordentliche malerische Begabung zeigte sich früh. Durch Ver­mittlung Theodor Storms kam er nach Berlin, von dort nach Weimar, wo ihm Graf K a l ck r e u t h ein Freiatelier verschaffte. Wesentliche Anregungen empfing er von den französischen Impressionisten, vor allem von Monet: Karl Ernst Ost Haus brachte Rohlfs an die Malerschule Folkwang in Hagen, deren Leiter er später wurde. Auch als die Folkwang - Schule nach Essen übersiedelte, blieb Rohlfs in Hagen, wo er, mit kurzen Unterbrechun­gen in München und in Soest, den größten Teil feines Lebens verbrachte. Rohlfs' Schaffenskraft blieb bis in die letzten Lebenstage hinein unge­brochen. Das entscheidende Merkmal seiner Malerei war das Erlebnis der Farbe: was es damit auf sich hatte, wird nur ermessen können, wer einen Einblick in die gesamte Breite upb Fülle seines Werkes gewinnen konnte, wie ihn etwa die große Jubiläumsausstellung zum 75. Geburtstage im Ber­liner Kronprinzenpalais vermittelte. Mit Recht hat man Rohlfs den Maler der Türme und der Blumen genannt. Die imposanten Folgen seiner Städte­bilder aus Soest, Erfurt und Dinkelsbühl vor allem werden dem Beschauer so unvergeßlich bleiben wie die großen Blumenkompositionen, deren farblicher Glanz und Reichtum etwas von der Leuchtkraft alter Kirchenfenster besitzt. Die Gießener Kunst­freunde werden sich einiger Teilausstellungen er­innern, die der Oberhessische Kunstverein in den letzten Jahren aW Rohlfs' Schaffen veranstaltet hat.

hth.

Das älteste Tintenfaß.

In einer Ausstellung chinesischer Kunst in London wird em Tintenfaß aus Bronze gezeigt, das nicht nur künstlerischen, sondern wegen feines Alters auch geschichtlichen Wert hat. Es wurde in einem Grabe in der Provinz Anhwei gefunden und erst im vori­gen Jahre von einem Händler in Schanghai nach England verkauft. Das Gefäß zeigt, daß 'die Tinte kn China schon zu früherer Zeit in Gebrauch mar als bisher bewiesen werden konnte. Nach der Ueber- steferung soll Tien Chin, der im 3. Jahrtausend o. Ehr. lebte, die Tinte erfunden haben, die oot Erfindung des Papiers zum Schreiben auf Bam­bus und Knochen benutzt wurde, aber es gab feinen tatsächlichen Beweis, daß es schon vor der Han- Dynastie Tinte gab. Das Bronzegefäß besteht aus einer kreisrunden Scheibe von 11 Zentimeter Durch­messer, die von drei Füßen getragen und von einet schön geformten niedrigen Glocke bedeckt wird. Es ist ein Meisterwerk in der einfachen Linienführung und hervorragenden Ausführung. Es diente wahrschein- stch für pulverförmige Tinte, eine Art Ruß, der auf Stein ausgebreitet und mit Wasser besprengt wurde, das dünne Gemisch wurde dann mit dem Pinsel aufgetragen. Nach dem Stil stammt das Gefäß aus der Zeit um 300 o. Ehr.

Sochschulnachrichien.

Professor Dr. Kretschmer, Direktor der Unk- versitat-Nervenklinik Marburg, ist von der Ge­sellschaft für Neurologie und Psychiatrie in B u enos Aires zu ihrem korrefpondierenden Mitgsted gewählt worden Ferner ist Professor Kretschmer von der Gesellschaft für medizinische Psychologie in Paris zu ihrem Mitglied gewählt worden.

Der ao. Professor Dr. Lothar Kreutz in Berlin wurde zum Ordinarius für Orthopädie an der Universität Berlin ernannt. Der ao. Professor Dr. Hans Kopfermann in Kiel wurde zum Ordi­narius für experimentelle Physik an der Universi­tät Kiel ernannt.

23on den amtlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden die ordentlichen Professoren Dr. Heinrich Drost (Straf- und Völkerrecht) an der Universität Münster, auf eigenen Antrag, und Dr. G. En- d erle in (Bakteriologie) an der Universität B er- l i n.