Ausgabe 
10.8.1938
 
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den Vorschriften des NeichstierschuKgesehes zuwider und machen sich strafbar. Sie handeln ober auch gegen ihren eigenen Vorteil, weil durch Schmerzen geplagte Tiere bei ihrer Arbeit weniger leistungs­fähig sind, als gesunde und unbehinderte.

Rundfunkprogramm

Donnerstag. 11. August.

5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym­nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nur Koblenz- Tner: Nachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Eine ungewöhnliche Sprech­

stunde. Von Friedrich Gold-Guntram. 12: Mittags- konzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15: Für unsere Kinder: Don Blumen und Tieren. 16: Nach- mitagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.50: Unsere Kolonien. Dor klaren Entscheidungen. 19: Wolken und Wogen. Funkbogen vor einer Nordlandfahrt. 20: Nachrichten. 20.15: Unser sin­gendes, klingendes Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.20: Europameisterschaften im Schwimmen. Wasserball, 400 Meter (Männer), Entscheidung, 200 Meter Brust (Männer), Ausscheidung. 22.45: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik.

Aus der engeren Heimat.

Das Neurath-Haus in Alsfeld.

LPD. Alsfeld, 9. Aug Das Neurath- Haus in der Rittergasse kann in diesem Jahre ein Jubiläum feiern, denn 2 5 0 Iyhre sind ver­gangen, seit es erbaut wurde. Im Jahre 1688 wurde es durch einen Ahnherrn des jetzigen Präsi­denten des Geheimen Kabinetts, Konstcmttn Frei­herr von Neurath, erbaut. Der Erbauer hi?ß eben­falls Konstantin; er war Major bei dem Landaus­schuß, Amts- und Stad'tschultheiß und Fürstlicher Kontributionserheber.

Die Familie Neurath wohnte ursprünglich in der Hersfelder Gasse. Ihr Wohnhaus wurde jedoch im Dreißigjährigen Kriege zerstört. In der Folgezeit, noch dem großen Kriege, gab es in Alsfeld drei Neurath-Häuser. Das älteste derselben, das Neu­rath-Haus am Markt, das von 1625 bis 1646 Apotheke gewesen war, wurde im Jahre 1659 durch genannten Major Konstantin Neurath für 800 fl. käuflich erworben. Er hat es bis an fein Lebens­ende 1719 bewohnt.

1688 erbaute er das Neurath-Haus in der Ritter­gasse, wo bislang zwei Häuser standen, Neurath er­warb beide Grundstücke und errichtete an ihrer Stelle den jetzigen stattlichen Bau. Das dritte Neurath-Haus am Schnepfenhain, die spätere alte Stadtschule, erwarb Neurath 'um das Jahr 1700. Noch dem Tode des Majors Neurath wurden die Besitztümer an die Erben verteilt.

Das letzte Wohnhaus der Neurathschen Familie war das Hous am Schnepfenhain. 1795 verkaufte Friedrich Albrecht Konstantin von Neurath dos Haus für 200 fl. Seit dieser Zeit ist die Familie Neurath aus Alsfeld verschwunden.

Schotten als Paradies der

KdJ.-Zahrer."

s Schotten, 9. Aug. Die KdF.-Urlauber haben gestern unsere Stadt wieder verlassen. Ueber 400 Betriebsangehörige der Firma Opel aus Rüsselsheim und Umgegend waren über eine Woche unsere Gäste und fühlten sich im schönen Vo­gelsberg und bei der gastlichen Schottener Bevölke­rung recht wohl. Diese Freude und der Dank für die Gastfreundschaft kamen bei dem Abschiedsabend am Sonntag in der Turnhalle zum Ausdruck. Orts­gruppenleiter Z e s ch k y und Kreisgeschoftsführer Bullmann sprachen ihre Freude über die schön verlaufene KdF.-Fahrt aus, die auch ein Werk un­seres Führers sei. Ihm galt dos freudig aufgenom­mene Sieg-Heil. Ein Mitglied der Belegschaft sprach den Donk oller Urlauber aus, feierte Schotten als Paradies der KdF. - Fahrer und überreichte eine Dankadresse an Bürgermeister Menge l, der in humorvollen Worten erwiderte. An die Firma Opel, die diese Fahrt ermöglicht hat, ging ein Dankschreiben der Stadt. Bei Musik, heiteren Vorträgen und Tanz verflogen die Ab­schiedsstunden sehr schnell. Rüsselsheimer und Schot­tener Sänger vereinigten sich zu einem Gesongsckor- verein und trugen gemeinsam mehrere herrliche Lie­der vor. In zwölf Autobussen fuhren die Urlauber am Montagfrüh wieder ihrer Heimat zu. Die Stadt hofft, im Herbst nochmals KdF.-Urlauber zu erhalten. Mehrere L i ch t f l u t e r hat die Stadtverwaltung am Rathaus und in der Umgebung angebracht, so daß dadurch eine wunderbar wirkende A n st r a h- l u n g der altehrwürdigen Stadtkirche, des Rat­

hauses und der alten Fachwerkhäuser ermöglich ist. Die Anstrahlung wird bei passenden Gelegenheiten oorgenommen. Am Samstagabend fand zur Freude der Bevölkerung die erste Anstrahlung statt, die all­gemein gefiel.

Brand im Transformatorenhaus.

* Krofdorf, 10.Aug. Im hiesigen Trans- formatorenhaus geriet am gestrigen Diens­tagmittag ein Oelschalter in Brand. Die Gießener Feuerwache wurde zur Bekämp­fung des Feuers herbeigerufen und war sehr schnell zur Stelle. In knapp halbstündiger Arbeit konnten die Feuerwehrmänner den Brand löschen und damit alle Gefahr beseitigen. Der Brand ist wahrscheinlich durch Selbstentzündung entstanden.

Landkreis Gießen.

4- Grünberg, 9. Aug. In einer vorbereiten­den Sitzung des Gallusmorkt-Ausschus- s e s wurde mit der Kreiswaltung der NS.-Gemein- schäftKraft durch Freude" über die Aus­gestaltung des Gallusmarktes beraten. Die Herren orientierten sich, in welcher Weise seither der Gal- lusmarktausschuß für Belebung und Hebung des Marktes durch allerlei Veranstaltungen und Aus­gestaltung des Volksfestes gearbeitet hat. Von ihrer Seite wurden ebenfalls Vorschläge verschiedener Art gemacht, u. a. konnten sie auf eine erfolgreiche Aus­gestaltung des Friedberger Herbstmarktes, der Stein- furter Rosenschau u. a. Hinweisen. In einer weiteren Sitzung in nächster Zeit soll das endgültige Pro­gramm für den diesjährigen Gallusmarkt festgelegt werden. Anschließend wurde von der Kreiswal­tung noch auf die am Samstagabend stattfindende FreilichtaufführungDer Widerspenstigen Zähmung" durch die Rhein-Mainische Landesbühne hingewiesen. Diese Aufführung soll als Werbung für eine hier zu bildende N S. - K u l t u r ge­rn e i n d e gelten. Wie Bürgermeister Krämer mitteilte, ist die Stadt dem Rhein-Mainischen Ge- meindekulturverbond als Mitglied beigetreten, und Grünberg wird in d^n Spielplan der Rhein-Maini­schen Landesbühne ausgenommen.

* Obbornhofen, 9. Aug. Da der seitherige Beigeordnete Heinrich Glockengießer sein Amt niedergelegt hat, wurde nunmehr Ortsbauernführer Heinrich K u l l m a n n zum Beigeordneten bestimmt und von Kreisleiter Backhaus in sein Amt ein­geführt und verpflichtet. Der Gemeinderat be­schloß in seiner jüngsten Sitzung den Bau eines H I. - H e i m e s. Der Rohbau soll noch im Laufe dieses Jahres fertiggestellt werden. Am vergan­genen Montag verließ die einzige hier noch lebende Iudenfamilie unser Dorf. Das freigewordene An­wesen wurde von Otto Kammer käuflich erworben.

Holzheim, 10. Aug. Am morgigen Don­nerstag kann unser Mitbürger Hartmann Jäger in körperlicher und geistiger Frische seinen 82. Ge­burtstag feiern. Seine Ehefrau Klara, geb. Somes, konnte vor einiger Zeit ihren 80. Geburtstag feiern.

Todessturz aus dem Fenster.

Frankfurt a. M., 9. Aug. (Lpd.) In einem Hause am Affentorplatz im Stadtteil Sachsenhausen stürzte am Dienstagvormittag eine dreißig­jährige Frau beim Reinigen der Flurfenster vom vierten Stockwerk in den Hof und war sofort t o t.

Zuchtfohlenversteigerung in Hungen.

* Hungen, 9. Aug. Die P f e r d e z ü ch t e r - Vereinigung Oberhessen hielt hier in Verbindung mit dem Tierzuchtamt Gießen eine Zuchtfohlen-Dersteigerung, verbunden mit dncr Prämiierung, ab. Zum Auftrieb kamen 16 Stut- und 20 Hengstfohlen des Kaltblutes und 7 Stut- und 18 Hengstfohlen des Warmblutes aus den ober- hessischen Zuchten. Es handelte sich größtenteils um ein- bis eineinhalbjährige Jungtiere von den be­kannten oberhessischen Zuchthengsten. Der Besuch der Veranstaltung war trotz der augenblicklichen Erntearbeiten sehr gut. Aus der Tatsache, daß zwei Drittel der Tiere prämiiert werden konnten, ergibt sich schon die gute Qualität des aufgetriebenen Zucht­materials. Eingangs der Versteigerung begrüßte der Vorsitzende der Pferdezüchtervereimgung, Bauer Walther (Reichelsheim/W.) die Züchter und Bauern und wies auf den guten Fortschritt der oberhessischen Pferdezucht hin. Er betonte, daß durch diese zweite oberhessische Fohlenversteigerung den Züchtern die Möglichkeit geboten werden sollte, noch die später geborenen Fohlen zur Versteigerung zu bringen. Er dankte ollen für die Beteiligung und ermunterte die Züchter, in den Bestrebungen zur Hebung der oberhessischen Zucht fortzufähren. Die anschließende Versteigerung verlief langsam, aber dennoch wurde der größte Teil des aufgetriebenen Zuchtmaterials abgesetzt. Käufer waren die heimi­schen Züchter und der Aufkäufer aus der Ucker­mark, der allein etwa 15 Tiere erstand. Die Preise erreichten nicht ganz die Höhe der Veranstaltung in Reichelsheim, sie bewegten sich aber noch in den für die Verkäufer erträglichen Grenzen. Der Spitzen­preis erreichte fast die Höhe von 600 Mark.

Das Ergebnis der Prämiierung:

Kaltblut:

Stutfohlen : 1. Preise: Züchter: Jakob

Häuser I., Nieder-Weisel; Anton Wettner, Rocken- berg. 2. Preise: Friedrich Aßmuß, Wallernhausen; Otto Wolf, Wohnbach; Otto Belzer, Borsdorf; Rudolf Eifer, Ober-Widdersheim. 3. Preise: Ludwig Bach. Kirch-Göns; Heinrich Rahn, Angersbach; Ad. Beutel, Wallernhausen; Wilhelm Dern III., Leihgestern; Gustav Schmalz, Hungen; K. Kölsch, Weckesheim; Heinrich Leidner, Dillingen.

Hengstfohlen: 2. Preise: Heinrich Rühl IV., Echzell; K. Weisel, Gambach; Wilhelm Sonntag, Inheiden. 3. Preise: August Petry, Hattenrod; Georg Huber, Nieder-Weisel; Reinh. Fritz II Wwe, Langd; Hch. Seipp III., Muschenheim; O. Arnold, Leihgestern; Alwin Kleinkurt, Langsdorf; Wolter Georg Jung, Leihgestern; Hch. Hirzinger, Bors­dorf; K. Kölsch, Weckesheim; Ludwig Zoll, Rodheim.

Warmblut:

Stutfohlen: la-Preis: Konrad Gerhardt, Langd; Ib-Preis: Herrn. Doll, Dillingen; Ic-Preis: Karl Häuser, Atzenhain; 2. Preis: Ferd. Iochenh Dillingen; 3. Preis: Otto Koch, Nonnenroth.

Hengstfohlen: la-Preis: Georg Blum, Melbach; Ib-Preis: Heinrich Grieb, Gambach; 2. Preise: Rudolf Küfer, Blofeld; Wilhelm Hubeler, Melbach; Adolf Bort, Langd. 3. Preise: Otto Kröll IV., Rodheim; Jakob Krämer, Rockenberg; August Kling, Rockenberg; Hermann Knorr, Birklar; Friedrich Aßmuß, Wallernhausen. »

VM. aus Hessen-Aassaii erlebt Passau und Linz

Mit der Obergauführerin bei den Fahrtengruppen des BOM. in der Bayerischen Ostmark.

NSG. Passau, 9. Aug. Es ist am ersten Abend. Fünf Gruppen sind nach unserem Plan unterwegs nach Linz, da fahren, wir rasch nach der Jugend­herberge in Kalteneder, drei Stunden hinter Passau. Wir staunen nach einer wundervollen Fahrt über die Höhen, über das helle, freundliche Haus, das uns hier aufnimmt. Die Mädel, es sind Mainzer, kommen eben mit lustigem Singsang vom Schwim­men. Passau, das sie am Dortag anfuhren, hat einen großen Eindruck auf sie gemacht. Sie sind am Spätnachmittag herübergewandert und haben nun gleich die ganze Fülle landschaftlicher Kostbarkeiten erlebt: die alte Dreiflüssestadt an der Donau, die Ueberraschungen dieser herben, großzügigen Land­schaft, deren weite Höhen und grüne Täler doch mit keinem Teil Hessen-Nassaus zu vergleichen sind. Es ist, als hätte ein altes Volkslied Gestalt ange­nommen: in den kleinen, verlorenen Tälern bleibt es still und ernst, ganz in sich verträumt und ver­sonnen, während die Höhen die heitere Obermelodie spielen, als wüßten sie mehr von dem befreienden Glück der Menschheit, oder als könnten alle Stürme ihnen nichts von ihrer Himmelsnähe rauben.

Wir sitzen lange, singen und lassen uns erzählen. Die Verständigung ist manchmal nicht ganz ein­fach. DaßAffe" hierMuckel" heißt, und daß der Stotionsbeamte gar kein Verständnis dafür hat, daß Mädel. bei ihmAffen" hinterlassen wollen, wos sich dann aber nach kurzem Anschauungsunter­richt in freundliches Gewähren auflöst. Auch von dem Ernst und den Sorgen der Menschen hier im kargen Grenzland haben sie etwas erfahren, und sie haben den großen Willen, nichts zu übersehen und viel Freude mitzubringen.

Aus der Rückfahrt finden wir Passau ganz ver­wandelt; hell strahlen Burg und Festung aus dem Dunkel, am Ufer der Ilz ranken sich bunt« Lam­pion- und Lichterketten um dichte Menschenmauern, schwimmende Lichter und heitere Musik zaubern ein Bild ausgelassener Lebensfreude. (Man feiert eben mit echt bayerischer Gemütlichkeit dasIlzener H a f e r l f e st".) Die klingt auch am nächsten Mor­gen es ist ein Sonntag mit viel Sonne und Musik, mit feiertäglich gestimmten Menschen und

gleitenden Booten über das Dreiflüsse-Eck, das uns wie die alte Burg mit ihrem Museum bannt und begeistert.

So geht es auch den fünf Fahrtengruppen, die wir in der Jugendherberge treffen. Sie haben eine herrliche Donau fahrt bis Linz und zu­rück erlebt und meinen, daß etwas Schöneres wohl kaum noch kommen könnte. Darmstädter, Gelnhäu- ser, Hanauer und Wiesbadener Mädel haben da ihre ganze Fröhlichkeit entfaltet und olles an Bord mitgerissen. Der Kapitän des Dampfers hat sie vor­bildlich betreut und sich gefreut, wieder Hessen- Nassauer auf der Fahrt in die Ostmark zu treffen. Nach einem frischen Bad wurde dann Passau be­sichtigt: das Ober- und Niederhaus mit seinem stol­zen Blick über dos Drei-Flüsie-Land, das malerische Innufer, alte Gäßchen und breite, wohlhabende Barockbauten. Ueberall begegnet uns wechselvoll Ge­schichte, Treue zum Alten und Offensein für die Welt. Mittags lauschen mir dann dem Spiel der Domorgel, dem größten Instrument der Welt und erfahren voll Bewunderung die fast unbegrenzte Genialität eines deutschen Menschenwerkes, das die toten Steinhallen und mystischen Bildwerke mit der ganzen Innigkeit und Kraft deutschen Empfindens belebt.

Passau hat wohl allen Kameradinnen in den kurzen Stunden nicht nur das eindrucksvolle Bild einer deutschen Grenzstadt vermittelt, sondern mar darüber hinaus verheißungsvolles Tor zum Erleb­nis unerschöpflichen deutschen Lebens. E. P.

Oer ZSZ.ASL.-Kindergarten eröffnet

NSG. Kettenbach, 9. Aug. Nachdem erst vor menigen Wochen mitgeteilt werden konnte, daß der 350. Kindergarten der NSV. im Gau Hessen-Nassau eröffnet wurde, können mir bereits heute von der Weihe des 353. Kindergartens berichten, der am letzten Sonntag in Ke11enbach im Kreise Unter- taunus Gauamtsleiter Haug übergeben wurde. 42 Kinder der Gemeinde Kettenbach werden den neuen NSD.-Kindergarten regelmäßig aufsuchen und sich von Tante Moren betreuen lassen.

Zwei hinter Gisela.

Vornan von Hans Hifchammer. Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa. 21 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)

Da hoben Sie recht!" stimmte Fräulein Hinter­huber zu, aufs angenehmste berührt. Sie gelangte zu der Einsicht, daß sie Herrn Weißflohs wahre Natur bisher verkannt hatte. Der war ja gar nicht der griesgrämige, fade, Brockern für den sie ihn ge­halten hotte, sondern ein ganz honetter Mensch, nichts dagegen zu sagen.

Herr Weißfloh seinerseits kam zu ähnlichen Er­kenntnissen. Sieh mal an, Fräulein Hinterhuber! Man hatte sie, wie es schien, ganz zu Unrecht für eine bissige alte Jungfer gehalten. Sollte man sich getäuscht haben? Sein vereinsamtes, trostbedürftiges Herz mar geneigt, sich von Fräulein Mertens ab- zuwenden und mit fliegenden Fahnen ins bayrische Lager hinüberzuwechseln.

Warum nicht? Fräulein Mertens nein, von ihr war nichts zu erhoffen. Ein junges, leichtfertiges Geschöpf, das sich seine Kavaliere anderswo suchte, wie der Augenschein nur allzu deutlich gezeigt hatte. Schade um die kleinen Aufmerksamkeiten, die man nutzlos an die junge, eingebildete Dame verschwen­det hatte!

Hingegen Fräulein Hinterhuber, war sie nicht eine edle Seele, wenn auch herb und verschlossen? War sie nicht auch vom Leben enttäuscht, sehnte sie sich nicht gleich ihm nach Trost und verstehender Zweisamkeit? Nach dem beglückenden Druck einer Freundschaftshand?

Herr Weißfloh begann weittragende Entschlüsse in seinem Busen zu walzen.

Gisela konnte nicht ahnen, daß das Bekanntwer­den ihrer Beziehungen zu Herrn Radegast solch heftige Wirkungen verursachte. Sie ließ ihre Finger über die Tasten der Maschine springen, nahm den offensichtlichen Abfall der beiden zur Kenntnis und war entfchlo fen, ihren Ingrimm und den der ge­samten übrigen Welt mit vollkommener Gleichgül­tigkeit über ich ergehen zu lassen.

Was ihr bedeutend mehr Kopfzerbrechen machte, war das Rätsel, das jener Brief ihr aufgab.

Dieser Bries war eine Drohung, bedeutete eine Gefahr, die irgendwo in einem Winkel lauerte und eines Tages über sie hereinbrechen würde.

Nach langem Für und Wider kam sie schließlich zu dem Ergebnis, daß es doch am besten und ein­

fachsten war, wenn man mit Walter über die Sache sprach. Vielleicht wußte er mehr als sie. Vielleicht vermochte er ihr zu erklären, was es mit diesem Bries für eine Bewandtnis hatte.

Es mar vereinbart, daß Walter sie wieder ad- holen sollte, denn heute stand die Besichtigung der Wohnung auf dem Tagesprogramm.

Als es dann aber soweit mar, fand sie nicht gleich den Mut, mit ihren Neuigkeiten herauszu­rücken. Herr Radegast hatte sich vom Hausverwal­ter die Schlüssel geben lassen und zeigte ihr nun nicht ohne Stolz die hellen freundlichen Räume. Die Wohnung befand sich in einem Neubaublock und bot alle erdenklichen Bequemlichkeiten.

Ich habe bereits gemietet. Wenn du Lust hast, kannst du schon jetzt deiner Frau Kretschmar Lebe­wohl sagen und dich hier einrichten, in diesem neuen Heim. Die Möbel sind bann schnell beschafft. Ich kann mif vorstellen, daß es dir Spaß machen würde, einmal dein eigener Herr zu fein, in deiner eigenen Wohnung schalten und walten und auf niemanb aufpassen zu müssen."

_ Sie standen auf dem Balkon, die untergehende Sonne tauchte Giselas Gesicht in eine Flut von Licht.

Sie blickte über den Rand des Balkons auf die Straße hinunter.Ich habe gestern eine Freundin besucht", begann sie unvermittelt, und dann er­zählte sie, welche Umstände dazu geführt hatten, daß sie jenen Brief auf dem Schreibtisch las.

Es war dein Name, der mir in die Augen fiel, und du kannst dir meine Bestürzung, meinen Schreck vorstellen, als ich diese unerwartete Entdeckung macht«. Da ich allein war, siegte die Neugierde. Ich nahm den Brief an mich und las ihn."

Gisela hatte den Brief noch gut im Kopf, und so konnte sie ihm mit ziemlicher Genauigkeit wieder­holen.Der Brief stammt aus einem Notariat in Breslau, stell dir vor! Ist das nicht komisch?" ~ Sie löste ihren Blick keine Sekunde von dem Schauspiel, das das Leben und Treiben unten auf der Straße bot. Darum bemerkte sie auch nicht die Veränderungen, die auf Radegasts Zügen vor sich gingen. Die Farbe feines Gesichtes wechselte. Die Augen bekamen einen Ausdruck von Gehetztsein und maßlosem Grauen.

Notariat in in Breslau? Allerdings sehr komisch! Ich verstehe kein Wort von allem! Wie kommen diese Leute dazu, sich sich mit mir zu beschäftigen? Kennen sie mich denn?"

Nicht die Spur! Ich bin doch mit der jungen Dome selber erst kurze Zeit bekannt!" Gisela 'er­zählte, wie Fräulein Stoll eines Tages im Büro erschienen mar.Es kommt mir beinahe fo vor,

als wenn die beiden aus einem ganz bestimmten Grund meine Bekanntschaft gesucht hätten. Sag, Walter, hast du denn früher einmal in Breslau ge­wohnt?"

Radegast, auf solche Weise überrumpelt, überlegte verzweifelt, was er antworten sollte. Einfach leug­nen, daß er aus Breslau kam? Das wäre am besten gewesen, aber es schien ihm zu gefährlich. Denn, es würde sich anläßlich des Aufgebots wohl nicht vermeiden lassen, daß Gisela in seine Papiere Einblick erhielt und sie durste keineswegs, unter gar keinen Umständen, Verdacht schöpfen.

Es war also doch klüger, wenn man Breslau zu- gab. Schön, man war dort geboren, man hatte zeit­weise dort gewohnt. Dagegen mußte die Tätigkeit im Notariat um jeden Preis unterschlagen werden.

Allerdings!" antmorete er.Habe ich es dir noch nicht gesagt? Ich bin dann aber nach Berlin übergesiedelt, das für einen Kaufmann doch ganz andere Möglichkeiten bietet."

Und was hältst du von diesem merkwürdigen Brief?"

Er ist mir vollkommen rätselhaft. Ich verstehe nur soviel, daß diese Stolls darauf aus find, dich mir abspenstig zu machen und dich zu bewegen, daß du Herrn Stoll deine Aufmerksamkeit zuwendest. Warum das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Vielleicht verfügst du über heimliche Reich­tümer, non denen ich nichts weiß."

Mach dir keine Hoffnungen! Ich bin arm wie ein« Kirchenmaus."

Dafür hast du andere Reichtümer, Reichtümer des Herzens, die mir wertvoller sind." Er griff nach ihrer Hand und küßte sie.

Was soll ich tun?"

Tja, Gisela, ich habe kein Recht und auch nicht die Absicht, dich zu beeinflussen, aber wenn ich dir einen Rat geben darf: ich würde an deiner Stelle diese Beziehung ein für allemal abbrechen. Aber wie gesagt es bleibt dir überlassen. Tu, was du für richtig hältst!"

Gisela bohrte den Finger in die ausgetrocknete Erde des Blumenkastens. Hätte sie bloß diesen häß­lichen Brief nie gelesen! Heli Stoll hatte ihr so gut gefallen.

Du hast recht, Walter! Fräulein Stoll wird mich nicht mehr zu Gesicht bekommen. Nötigenfalls habe ich eine plausible Ausrede: die Vorbereitungen zur Hochzeit, die Einrichtung der Wohnung, eine Menge Arbeit, die meine Zeit vollkommen in Anspruch nimmt!"

Großartig, Gisela! Ich wußte ja, daß du zu mir halten würdest! Und wann willst du dein neues S>eim beziehen?"

Am liebsten würde ich es schon morgen tun!" Ausgezeichnet! Da wallen wir gleich heute noch die Möbel aussuchen. Komm!"

24.

In Wirklichkeit war Walter Radegast keineswegs so zufrieden, wie er sich Gisela gegenüber den An­schein gab. Er erkannte die ungeheure Gefahr, die seinen Plänen von jener Seite drohte, und er glaubte auch zu wissen, aus welchen Gründen man Gisela von ihm wegzulocken versuchte.

Wie aber waren dies« Leute hinter sein Geheim­nis gekommen? Aus welche Weise hatten sie er­fahren können, daß er sich um Gisela Mertens be« mühte?

Da er nicht wußte, wie harmlos alles zugegan­gen war, glaubte er sich geheimnisvoll von Spio­nen umlauert, und seine Angst steigerte sich ins Krankhafte.

Es bedurfte des Aufwandes seiner ganzen Kraft, um sich vor Gisela nicht zu verraten. Zum Glück war sie vom Auswählen der Möbel so in Anspruch genommen, daß sie wenig auf ihn achtete.

Aber als der Kauf getätigt und schnellste Liefe­rung vereinbart mar, schickte er Gisela nach Hause, indem er vorgab, zu einer geschäftlichen Zusammen­kunft verabredet zu sein.

Als sie sich verabschiedet hatte, war er einem Zu­sammenbruch näh«. Seine Nerven zeigten sich der starken Spannungsprobc nicht gewachsen und droh­ten ihm den Dienst zu versagen. Er war eben nichts weiter, dieser Walter Radegast, als ein armseliger kleiner Gelegenheitsdieb, eine lächerliche, feige Krea­tur, die bei der ersten Gefahr den Kopf verlor.

Er eilte zu Frau Malick, überzeugt, daß sie Rot wissen und ihm helfen würde. Schließlich war es ja ihr Geld, das auf dem Spiele stand. Mochte sie zusehen, wie sie sich vor Verlust bewahrte.

Er traf die gute Dorothea in der abscheulichsten Stimmung an. Jener Mann, Holz, war in feiner Verzweiflung auf den naheliegenden (Einfall gekom­men, sich kurzerhand an die Polizei zu wenden, und nun schwebten höchst peinliche Ermittlungen. Frau Malick hatte nämlich die Unvorsichtigkeit begangen, für das gewährte Darlehen einen Zinssatz zu for­dern, dessen Höhe sich mit den Gepflogenheiten eines ehrlichen Maklers nicht recht vereinbaren heft.

Das hat man nun für fein Entgegenkommen! zeterte Frau Malick.Er war ja eirroerftanoen. Wenn er ein Wort gesagt hätte, daß ihm zehn Pro­zent zu hoch sind

(Fortsetzung folgt!)

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