Ausgabe 
10.8.1938
 
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Mittwoch, lO.August 1938

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 185 Drittes Blatt

er

Neuner, Gießener Anzeiger.)

Die auf ein

tif auskosten, eine Woche lang ein fremdes Schein­dasein zu leben. ,

Ich will mich in einem fremden Schaukelstuhl wiegen und die Geschichte dieser Wohnung aus ihrer Einrichtung, aus den vielen kleinen Narben und Merkmalen an Wänden und Möbeln entziffern.

Ich möchte vor allem ein einziges Mal in das kleine Atelier im Turm des Nachbarhauses ein­dringen. Dort wohnt eine kleine Malerin, die mit einer großen Mappe fest unterm Arm und mit einer kleinen Nase hoch in der Luft täalich an mir vorbei ging. Sie hat die Vorhänge vor den schrägen Dachfenstern oorgezogen und ist in die Ferien ab­gefahren.

Einmal möchte ich in dieses kleine Atelier, am liebsten mit einem selbstgeschmiedeten, verweaenen Nachschlüssel! Ich würde mich auf den Divan setzen, das kleine Grammophon anftellen, das immer so schrill aus ihrem offenen Fenster tönte, und den Sonnenkringel betrachten, der durch einen schmalen Lichtspalt fällt, und langsam, der Sonne "entgegen, von Westen nach Osten wandert über ihr Bett, ihren Stuhl, ihren Arbeitstisch, über die bunte Strohmatte, über ihre kleine verlassene Welt hin­weg...

und Anerkennung auslösen. Die trauernde Witwe und die Kinder des Forschers gedenken dankbar der pietätvollen Maßnahme der brasilianischen Regie­rung.

Obersturmbannführer Paul Wolff t-

NSG. Am Samstag, 6. August, verstarb an den Folgen einer Operation her Pionierreferent der SA.-Gruppe Hessen, Obersturmbannführer Paul Wolff.

Obersturmbannführer Wolff, der am 19. Mai 1893 in Posen geboren wurde, trat im März 1911 als Fahnenjunker in das rheinische Pionierbatail­lon 8 in Koblenz ein. 1914 rückte Wolff mit dem Feldartillerie-Regiment 20, Posen, ins Feld und wurde während des Krieges mehrmals verwundet und ausgezeichnet. Im November 1918 wurde er als Leutnant der Reserve aus dem Heeresdienst entlassen.

Bis 1933 war Obersturmbannführer Wolff aktiv im Stahlhelm tätig. Kurz nach der Eingliederung des Stahlhelms in die SA. wurde er mit der Führung der damaligen SA.-Standarte 25, Frank­furt a. M., beauftragt. Aus dieser Zeit ist Ober­sturmbannführer Wolff als guter Kamerad und ge­rechter SA.-Führer vielen Kameraden in Erinne­rung. Durch berufliche Überlastung aber war er

Sorgfältige pflege der Haustiere im Sommer.

Bei heißer Witterung brauchen die Zugtiere öfter frisches Trinkwasser. Es darf abefc nicht zu kalt sein, und die Tiere müssen bald nach dem Trunk wieder in Bewegung gesetzt werden. Auch die Stall­tiere und das Geflügel sowie Katzen und Hunde brauchen täglich mehrmals frisches Wasser, be- anders die angeketteten Hofhunde und die Zieh- Hunde. Stubenvögel und Vögel, die sich bei Häusern angesiedelt haben, versorge man gleichfalls mit er» rischendem Wasser zum Trinken und Baden. Für Letzteres eignen sich am besten große Blumentopf­untersetzer aus rauhem Ton.

Wichtig ist erhöhte Körperpflege zur Entfernung von Schweiß und Staub durch Putzen, Waschen oder Baden. Auch hierzu darf das Wasser nicht eis­kalt, sondern es muß lau sein. Begießen mit kaltem Wasser, wie es ost bei Pferden geschieht, ist sehr schädlich. ,

Die starke Vermehrung des Ungeziefers im Som­mer erfordert größte Sauberhaltung der Ställe durch mindestens tägliche Entfernung des Düngers und ständige Durchlüftung der Ställe zur Ver­treibung der die Tiere plagenden Fliegen u. bergt Zur ihrer Fernhaltung ist das Bestreichen der Fenster mit blauer Wasserfarbe zweckmäßig, die im Herbst durch Abwaschen leicht entfernt werden kann. Tiere, die im Stalle wegen der Plagegeister keine richtige Ruhe finden, lassen in der Arbeits­leistung, im Milchgeben und im Fortschreiten der Mast bedeutend nach. Durch sorgsame Pflege und tägliche Bewegung in freier Luft bewahrt der Be­sitzer feine Tiere vor unnötigen Quälereien, sich selbst vor Schaden, und er dient außerdem in er­höhtem Maße der allgemeinen Ernährungswirtschaft.

Ausweise bei sich führen'

ORäume ohne Menschen

Don per Schwenzen.

Fliegender Hamburger" fahrplanmäßig Gießen passiert

Ehrung für den Forscher Dr. Koch, Grünberg.

Dem bedeutenden Sohne der Stadt Grünberg, dem Forscher Dr. Theodor Koch, der im Jahre 1924 auf einer seiner Forschungsreisen am oberen Rio Branco vom Tode ereilt wurde, ist nun nach­träglich eine besondere Ehrung zuteil geworden. Wie wir derDeutschen Rio-Zeitung" (die in Rio de Janeiro erscheint) entnehmen können, wurden vor einigen Wochen die sterblichen Ueberreste des Forschers, der bisher im Urwald am oberen Rio Branco begraben lag, nach Manäos, der Haupt­stadt des Staates Amazonas (Brasilien), überfuhrt Mit der Grablegung feiner sterblichen Hülle wird gleichzeitig dem deutschen Forscher und Wissen­schaftler ein Gedenkstein gesetzt, der die Erinnerung an ihn in ferne Zukunft wachhalten wird. Dr. Theodor Koch hat sich insbesondere um die Er- sorschung des Wesens, der Sitten und der Kultur der Urbevölkerung (Indianer) von Amazonien un­sterbliche Verdienste erworben. Die Deutschbrasi­lianer haben diese nachträgliche Ehrung, die von staatlicher Seite aus erfolgte, mit großer Freude und Dankbarkeit aufgenommen. Auch in Grünberg, der Geburtsstadt des Forschers, wie in ganz Ober­hessen, dürste die Tatsache dieser Ehrung Freude

Zeitschriften.

lieber die Auslese für das Ehrenbuch der kinder­reichen Familie berichtet Dr. Wolfgang Knorr vom Rassepolitischen Amt der NSDAP, im Auguftheft der MonatsschriftV o l k u n d R a f s e" (I. F. Leh­manns Verlag, München 15.) Seine Ausführungen zeigen, wie gründlich und sorgfältig bei dieser Aus­wahl vorgegangen wird, für die allein die durch Le­bensbewährung und Lebensleiftung bewiesene Erb- tauglichkeit als Richtschnur dient. Mit dem Ge­genstück, den kinderlosen bzw. linberarmen Ehen be­faßt sich der anschließende Aufsatz von Dr. Heinz Wülker, Berlin. Der Verfasser untersucht an Hand statistischer Unterlagen die Frage:Abkehr vom Zweikindersystem?" Heber ein neues wichtiges Teilgebiet der Erblichkeitsforschung, diespontane und experimentell ausgelöste Erdänderung", berichtet Dr. F. Schwamtz, Müncheberg.

Das neue Heft der(Sirene", der bekannten Luftschutz-Illustrierten, zeigt in einem Bilder-Artikel, wie der Pariser Luftschutz arbeitet, und berichtet von den Aufgaben, die noch zu losen sind. Die neueSirene" enthält außerdem interessante Bild­berichte über die Große Deutsche Luftschutz-Aus­stellung in Breslau und über die Front in Spanien. Dazu bringt das Heft allerlei fesselnde Artikel, viel Unterhaltung und die Mitteilungen des Reichslust­schutzbundes.

auch auf, rasch kam er näher, unheimlich, weil fast ohne jegliches Geräusch fuhr und kaum em Schienenschlag zu hören war. Und im Nu war der Schnelltriebwagen, der genau genommen aus zwei Wagen besteht, den Blicken entschwunden. Immer­hin doch nicht so schnell, daß er mit der Kamera und mit Hilfe einer 500fteI Sekunde Belichtung nicht doch hätte erfaßt werden können. Unser Bild zeigt denFDD in den Augenblicken, da er punkt g Ühr durch den Gießener Bahnhof fuhr. Die Wagen waren von etwa 40 Personen besetzt. (Aufnahme.

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Verlassene Wohnungen gleichen Schlafenden. Seele weilt irgendwo in köstlicheren Gefilden Urlaub. Der Staub des Vergessens fallt wie leiser Regen des Todes durch die eingefchlosiene Luft, aber wenn man den Atem anhält, kann man das leise Leben der Dinge spüren, die in stummer Ergebenheit auf ihre Lebenden märten...

Die Geräusche und Stimmen des Alltages hängen verzaubert in der dumpfen Luft, wie betäubte Falter beim ersten frischen Luftzug, beim ersten Türschlagen werden sie erwachen. y<

Die Räume liegen wie ausgestorbenJas einmal als Kind. Ich sah sofort unsere städtische Bildergalerie vor mir, mit dem alten Wachter, der wie ein Regengott mit langem, uieliertem Bart m der Tür stand. Sah die atemlose Flucht der Sale, gekreuzt von einer lautlosen alten D°me mi Staffelei und Palette. Ich nahm lmmer die Mutze ab, wenn ich in die Galerie ging. Die Feierlichkeit der Grüfte und Mausoleen hauchte mich an,. ange- sichts dieser reihenweis aufgehang en und irgend, wie sinnlos versammelten Werke, ledes von einem Lebenden für einen belebten Raum 9?schaff ; Menschen, Tiere und Landschaften im ach s Saal wirkten wie verhaftet...

Besuche in Geburts- und .Sterbezimmern Haven immer etwas Unheimliches für mich. ®*aiJ9^ zwischen Andacht und Neugier umher und kann kein klares Gefühl gewinnen, was man eigentlich mit dieser pathetischen Indiskretion bezweckt.. . Die es zwiespältige Gefühl entschied sich beuthd), mal ein kleines Mädchen, das man unnötigerweise in das Sterbezimmer Goethes mitgenommen haue,

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Ach, eine Sommerreise ist ein Problem für Leute, die eine große Wohnung haben. Ich habe eine ganz kleine. Ich mache auch keine Sommerreise. Dielleuht fahre ich irgendwohin, an die See, oder ms Ge­birge. Aber das ist keine richtige Sommerreise, denn das tue ich nur so und ganz ohne Aufwand... ich fahre eben einfach ab ...

Ader der richtige Zauber der Aktion mit Vor­freuden und Organisationssorgen, mit dem ganzen, lieben, aufregenden Kram, mit Gegenseitigkeitsver- trägen im Blumenbegießen und Staubwischen das bleibt mir versagt.

Da sitze ich, schrecklich nüchtern und weltgewandt. Mein Koffer liegt auf dem Schrank und blickt mich oon oben herab mit vielen ehrlich erworbenen Hotelzetteln an:Fahren wir, alter Knabe....

Ich blicke zum Fenster hinaus mit tiefem Miß­trauen in die seit Tagen so herbstliche^Sommerluftt Drüben im zweiten Stock werden die Rouleaus herabgelaffen, eins nach dem anderen, die ganze Wohnungsfront, und es ist doch zehn Uhr vor­mittags! Also, die Leute verreisen. Weiß und steif stehen die Sessel. Fremde Sorgen beunruhigen mich: Ist der Haupthahn der Gasleitung auch abgestellt. Haben sie alles gut eingemottet9 Äst ^e Portiers- (rau aud) suoerläflig? Wird fie regelmäßig lüften? hoffentlich platzen keine Einmachgläser

Ich hätte die größte Lust Einhüter der verlassenen Wohnungen zu werden, die so einsam und dienst, willig chrer Herren harren. Ich mochte die Roman-

NSG. Der Reichsstatthalter in Hessen, Landes­regierung, Abteilung II (Polizei), teilt folgendes mit:

Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiefen, daß nach dem Paßgesetz von 1867 Reichsangehörige und Ausländer verpflichtet find, sich auf amtliches Erfordern jederzeit über ihre Person genügend aus­zuweisen. Reichsangehörige über 15 Jahre kommen dieser Ausweispflicht zweckmäßig durch Vorzügen irgendeines gültigen amtlichen Lichtbildauswelses nach, da sie andernfalls Gefahr laufen, bis zur Feststellung ihrer Person polizeilich festgehalten zu werden. Für Ausländer ist diese Ausweispflicht durch die Paßverordnung von 1919 zum Paßzwang erweitert worden, d. h. alle Ausländer müssen beim Aufenthalt im Reichsgebiet, wenn sie sich nicht nach der Paßstrafoerordnung von 1923 strafbar machen wollen, einen gültigen Heimatpaß ober einen nach deutschem Recht anerkannten Paßersatz bei sich führen.

** Goldene Hochzeit. Am morgigen Don­nerstag, 11. August, können der Besitzer und Direktor der Aßlarer Hütte Carl B e r k e n h o f f und Frau Antonie, geb. Theeaarten, Bismarck- straße 43 wohnhaft, in guter Gesundheit im Kreist oon drei Kindern und acht Enkeln das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Dem Jubelpaar auch unseren herzlichen Glückwunsch.

** Schlechte Geschirre bei Zugtieren führen z u strafbarer Tierquälerei. Durch nichtpaffende, unsachgemäß geflickte stark rei­bende oder hart gewordene Geschirre entstehen am Körper der betroffenen Tiere Druck- ober Reibungs­stellen, an benen nicht allein bie Haut abgeschürft wird, sondern auch tiefe, eiternde Wunden erzeugt werden. Hierdurch haben die Tiere dauernh erheb­liche, unnötige Schmerzen zu erleiden. Tierbe.ltzer, die dies dulden ober keine Abhilfe schaffen, hanbeln

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Amerikanisches Auto-Allerlei.

In Neuyork gibt es einen Polizisten, dessen Dienst besteht aus folgender Beschäftigung: er fährt kreuz und quer durch die Stadt und prüft aus dem Ge­dächtnis die Nummerschilder sämtlicher Autos, denen er begegnet. In seinem Kopf hat er nämlich die Nummern oon rund tausend gestohlenen Wagen, die er mit den Kennzeichen der vorbeifahrenden Limou­sinen,. Tourenwagen und (Kabrioletts vergleicht. Auf diese Weise ist es ihm bisher aelungen, 190 vermißte Wagen aus dem Verkehr zu holen.

*

In den Zufahrtsstraßen einer kleinen amerika­nischen Stadt steht eine Tafel mit folgender Auf­schrift:Wenn Sie langsam fahren, werden Sie un­tere Stadt kennenlernen. Sie ist sehr schon und wird Ihnen bestimmt gefallen. Wenn sie schnell fahren, werden Sie unser Gefängnis kennenlernen. Es ist finster und unfreundlich. *

Manche amerikanischen Automobilfabriken gewäh- ren ihren Kunden verblüffende Kredite. Bei diesem Wettrennen der Unternehmen nach den für das Publikum günstigsten Zahlungsbedingungen erreichte folgendes Angebot, das kürzlich imWeekly Report zu lesen war, den Rekord. Dort hieß es: Zahlen Sie uns auf diesen herrlichen Wagen dreihundert Dollar an Geben Sie uns bann einen Wechsel auf ben Rest, zahlbar am Tage Ihrer Testamentseröffnung. Wir gestatten Ihren Erben Prolongation bis zum Tage bes jüngsten Gerichts." *

Da bie großen amerikanischen Ueberlanbstraßen kilometerlang schnurgerade burch unbewohnte Ge- genben führen unb bie Fahrer infolgebeffen Gefahr laufen, am Lenkrab einzuschlafen ober zum niinbeften nicht mehr bie nötige Aufmerksamkeit beim Steuern aufbringen, ist man dazu übergegangen, in geringen Abstänben große Schilber am Straßenraub aufzu­stellen Auf diesen Flächen steht dann in weithin les­baren Buchstaben irgendein Rätsel, ein Witz ober sonst ein Scherz. Da bie Aufschriften wirklich amu- saut unb unterhaltenb finb, freut sich ber Fahrer jebesmal auf bas nächste berartige Plakat. Um bas Interesse befonbers wachzuhalten, hat man auf eint» , gen Schilbern Scherzfragen gestellt, bereu Lösungen : erst zwei Kilometer weiter angegeben werben. Von biefer immerhin originellen Belebung bes eiuschla- . fernben Fahrens auf ben enblofen Straßen haben - aber nicht nur Automobilisten etwas, bie die Straßen . zum erstenmal befahren, sondern auch die täglichen I Fahrer freuen sich darüber: denn die Aufschristen - werden alle Zwei bis drei Monate durch neue ersetzt.

M. W.

bald gezwungen, die Führung der Standarte 25 abzutreten. Dennoch setzte er sich weiterhin als Pionieroffizier aus der Kriegszeit für das Plomer- wesen der SA. ein unb stellte seine Kraft unb sein Können bis zu feinem Tobe als Pionierreferent ber SA.-Gruppe Hessen der SA. zur Verfügung.

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Blumen in ben Kästen unb Topfen waren halb vertrocknet. Auf bem schwarzen Piauobeckel konnte man mit dem Finger Männchen in den Staub malen. Frau Rehbein unter uns, die von der Tante immer die Schlüssel bekam, hatte die stellvertretende Gießkanne und den Vize-Staubwedel nur die ersten vierzehn Tage lang geschwungen. Die letzten vier­zehn Tage fuhr sie regelmäßig unter Mitnahme ber Schlussel zu ihrer Tochter, bie m Graudenz verheiratet war. Dann fetzte bie arme Tante bei der Rückkunft bas Plaidpaket auf den nackten Fuß­boden und sich selbst in den Plüschsessel, der be­scheiden in feinem weißen Neglige bereitftanb, und eufzte:Man kann doch nicht einmal verreisen ...! Draufhin ging ein Ruck durch die ganze Wohnung, es knackte in Den Wänden, als streckten sie sich nach gesundem Schlaf, die Tassen im Schrank flirrten, bas Wasser lief in bie Babewanne und die alte Lina mit einem Eimer planlos auf bem Korridor hin und her, der Onkel ging in den Zigarrenlaben, um den Kanarienvogel aus der Pension zu holen, und ich türmte auf die Gardinenleiter, holte den toten Brummer aus der Gazewolke und bestattete ihn in einer Streichholzschachtel auf bem Hof.

ängstlich zu meinen begann

Deutlich kann ich mich in die erwartungsvolle Erregung ber Kindheit zurückversetzen, wenn umständlichen Vorbereitungen ber Wohnung I die große Sommerreise getroffen wurdem Teppich mit dem Hellen und dunklen Schachmuster, den fetten und mageren Weiden meiner Lau 1 9 tiere, wurde aufgerollt und in die Ecke und mit ihm das ganze heiße Quartal von DI bis Michaelis. Die Plüfchmöbel bekamen Hemden an und sahen aus wie Leute, die in Hellen Lein - jaden im Parkkaffee sitzen. Der Kronleuchter ymg wie eine erloschene Sonne in einer Gazewo . Lange sah ich dem unseligen Brummer zu,der j cy in bie Umhüllung verirrt hatte. Sein Summen wurde müder und müder. Als wir {pater ®ieZ> .' tarnen, lag er auf dem Rücken und war tot. d

Nachdem gestern abend derFliegende Hambur-' ger", der neue Schnelltriebwagen auf der Linie KarlsruheHamburg, unseren Bahnhof noch ein­mal in einer Probefahrt passiert hatte, durchfuhr der Zug heute morgen zum ersten Male den Bahn­hof Gießen fahrplanmäßig allerdings mit sieben Minuten Verspätung. Der Schnelltriebwagen, der eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 Kilometer je Stunde zu halten hat, durchfuhr unseren Bahn­hof mit etwas beschränkter Schnelligkeit, die von zwei Kurven bestimmt wird, die er im Dienst­bereich bes Bahnhofs zu passieren hat. Der Trieb­wagen würbe gespannt erwartet. Bald tauchte er

Aus der Stadl Gießen.

Eisenbahnwagen im Wald.

Ich sah dich aus einem D-Zug-Fenster im Wald, Waggon 3. Klasse, einsam am Rand eines dichten Gehölzes. Die Räder waren dir abgehackt, du warst grau von vielen Sommern, die über dich hingegan- gen, von vielen Gewittern, die ihre Blitze um dich -ucken ließen, vom Regengeprassel der dunklen Herbstnächte, du standest im schütteren, gilbenden Gras, Knabenkraut wuchs um dich, die Blume Akelei, breiter Wegerich und Tausendgüldenkraut.

Kaum zehn Meter von dir weg flogen die D-Züge vorbei, schaukelten langsam die Bummelzüge ins lichterhelle, sommerglühende Land. Du warst zur Ruhe gesetzt, ein Pensionär, vielleicht wohnten Bie­nen in dir, die Waldarbeiter hatten vielleicht ihre Gerätschaften in dich versteckt, aber du warst ein­mal neu und flogst funkelnd mit gelben Sitzen und glänzendem Dach mit vielen Kameraden durchs Land. Schicksal hat in dir gesessen.

Witwen mit vergrämten Augen. Die Liebespaare, die zu einem Sonntagsausflug fuhren und nichts sahen außer sich selber und staunend entdeckten, daß sie im Auge des andern wie im Spiegel das eiaene Bild gewahrten. Die Schulmädchen schmetterten seuf- I zend ihre Mappen auf deine Bänke. Landsleute hoben schwere Rucksäcke auf deine Netze. Hühner, gackerten für eine kleine Stunde aus einem Korb, wenn Onkel Heinrich zu seinem Sohn in die große Stadt fuhr. Reisende hast du viele beherbergt:

Männer, die sich freuten, fette Aufträge im Notiz­buch zu haben. Sonntagsgäste, die mit dicken Dah- lienfträußen in schwieligen Händen dahinfuhren, um einen Verwandten im Krankenhaus aufzusuchen. Soldaten und die früh zur Arbeit fahrenden Männer mit den kurzen Tabakpfeifen. Müde, alte Manner, die zum letztenmal Eisenbahn fuhren und wußten es noch nicht. Junge Mädchen, die zum erstenmal in die steinerne Stadt reisten, ängstlich, neugierig, bang.

I Die singenden Wanderer, die früh schon aus der heißen Stadt aufgebrochen waren, Sehnsüchtige nach Wiesen und Kiefernduft und den wiegenden Wipfeln der Buchen im Wind.

Wieviel Gespräche gingen burch diese Abteile! Lachen und Schreien, stilles Weinen, hastiges Flü­stern, wieviel Versprechungen, Wagen, hast du ge­hört! Wieviel Wünsche hat man sich ausgedacht in deinen kleinen, hölzernen Räumen, Abteil um Abteil. Nun stehst du allein. Nun hast du Ruhe. Nun hast du die gleißenden Stränge aus Stahl verlassen. Die Mücken brummen um dich, die Sommervögel sitzen auf deinem Dach, Schmetterlinge flügeln blau und zitronen und leicht wie der Wind vorbei, Admiral und Pfauenauge, Kohlweißling und winziger Bläu­ling und der dicke, seltene Totenkopf. r. k.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast (Seltersweg):Signale nach Lon­don".

BOM-Untergau 116 Gießen.

Dienstbefehl

für die BDM.-Werkgruppen Gießen-Stadt.

Mit dem 15. August beginnt wieder der regel­mäßige Dienst. Die Scharführerinnen ber Arbeits­gemeinschaften setzen sofort ben ersten Dienst an unb benachrichtigen durch bie Schaftsführerinnen ihre Mädel.

Außerdem treten alle Schar- und Schaftsführe­rinnen Geldverwalterinnen der Arbeitsgemem- schaften am Sonntag, 14. August, um 8 Uhr, am Universitäts-Sportplatz an, um den Untersuhrerm- nen-Dreikamps abzuleisten. Turnzeug ist mitzu­bringen. t ,

Die Führerin bes Untergaues: gez. Käthe Pfeffer, Untergauführerin.