Ausgabe 
10.6.1938
 
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Hongkong, Vorposten der britischen Reichsverteidigung. Don unserem Or. B.-Äerichferstatter.

Hongkong, Frühsornmer 1938.

Hongkong wird eine der edelsten Perlen in der Krone des britischen Weltreiches genannt, und diese Auszeichnung verdient es wegen seiner außerordent­lichen Naturschönheit. Von einem anderen Stand­punkt aus betrachtet, dem des Wirtschaftlers, ist es ein ungemein wertvoller Handelshafen. Dem rei­chen südlichen China vorgelagert hat der Handels-, Hasen Hongkong einen Rang erworben, der ihn unter die ersten Welthäfen einreiht. Der japanisch-chinesische Krieg hat ein übrigens getan und seit Mitte August 1937 das große Schang­hai, die Seepforte zum gesegneten Jangtsetal, fast völlig lahmgelegt. Schanghais Schaden aber ist der Nutzen Hongkongs geworden: die Stadt blüht in diesem Kriege wie nie zuvor. In Hongkong fließt der Strom unermeßlichen Reichtums durch eine enge Schleuse; Schleusenwächter aber ist Eng­land!

Von einem dritten Standpunkt betrachtet, dem des Machtpolitikers, ist Hongkong das vorgescho­benste, fernöstliche Bollwerk der briti­schen Reichsverteidigung. Ein Bljck auf die Karte genügt, begreiflich zu machen, daß Hong­kong nicht an einer der Hauptadern des Weltreiches liegt, an der das Empire tödlich verwundbar wäre. Seine politisch-militärische Bedeutung ist tatsächlich die der vorgeschobenen, befestigten Stellung und nur zu ermessen im Hinblick auf das mächtige Singa­pur, dessenAußenwerk" Hongkong ist. Singapur ist die Hauptstellung, die stärkste Seefestung der. Welt, der bestausgebaute Flottenstützpunkt des Em­pire, das Panzerschott, das die westlichen Meere mit dem östlichen Weltmeer verbindet und sie voneinander trennen kann.

Die Tatsache, daß Hongkong nicht zum Hauptver- teidigungsgürtel des britischen Reiches gehört, schmälert seine militärpolitische Bedeutung nicht. Ein gutplacierter", befestigter Vorposten kann von der größten Wichtigkeit sein. Hongkongs strategischer Wert liegt darin, daß es von einem aus dem Osten vorstoßenden Feind nicht einfach liegen gelassen werden kann. In seinem Rücken wäre es gefährlich: es muß also genommen werden, ehe man an Singapur Herangehen kann. Das bedeutet eine we­sentliche Verzögerung >des Angriffs auf die britische Hauptstellung, eine Verzögerung, die im britischen Aufmarschplan als unbedingt notwendig vorgesehen ist. Hongkong soll den Feind im Anmarsch Hin­halten, chm Zeit rauben, nicht seinen Ansturm auffangen und seine Wucht ganz brechen. Die Zeit­spanne des Hinhaltens ist sogar ziemlich genau fest­gelegt, nämlich auf mindestens einen Monat; bis dahin soll dann der britische Aufmarsch bei der Hauptstellung Singapur durchgeführt sein, insbe­sondere also die Heranziehung einer starken Flotte.

Entsprechend dieser ihm zugedachten Aufgabe ist Hongkong mit Verteidigungsmitteln ausgestattet. Ortsfest sind die mit schweren und schwersten Schiffskanonen, aber auch mit Steilfeuerhaubitzen und einer außerordentlich starken Luftabwehr be­stückten Forts, die auf den von der Natur wie zu einer Festungsanlage geschaffenen steilen Bergen und anderen Hängen liegen. Von diesen Bergen aus, mit diesen Geschützen, ist die See bis weit

hinaus zy beherrschen; einer noch so starken Flotte würde der Versuch, die Einfahrt in einer der vielen Buchten oder gar die Landung von Truppen er­zwingen zu wollen, teuer zu stehen kommen. Es ist sogar anzunehmen, daß ein solcher Forcierungs­versuch selbst unter den größten Opfern zum Scheitern verurteilt wäre; denn man weiß ja, wie es den alliierten Flotten im Jahre 1915 vor den Dardanellen ergangen ist, deren Befestigun­gen und Geschütze mit denen des modernen Hong­kong überhaupt nicht zu vergleichen waren. Von See her kann Hongkong als gesichert gelten.

Anders auf der Land feite, wo das Fest­landsgebiet der Kolonie in die chinesische Provinz Kwangtung übergeht. Hier grenzt Hongkong an die Bezirke Sanon und Waiyeung. Sanon, im Nordwesten von Hongkong, am riesigen Delta des Kantonflusses, hat zwei gute Buchten, die Hauhoi Wan oder Tiefe Bucht und die Taichan-Bucht. Waiyeung, im Nordosten, besitzt die große, insel­reiche Mirs-Bucht und die noch bessere Bias-Bucht, Sowohl im Nordwesten wie im Nordosten Hong­kongs, besonders auf chinesischem Gestlandsgebiet, wären Truppenlandungen sehr wohl möglich. Der britische Generalstab hat diese Möglichkeit natür­lich in Rechnung gestellt und seine Maßnahmen entsprechend getrosten. Nach einer Landung bietet Hongkongs Festlandsseite einem Angreifer schwie­riges, dem Verteidiger günstiges Gelände. Die Ketten hoher Berge sind durchzogen von tief ein­geschnittenen, unregelmäßigen Tälern. Das Gelände ist besonders gut geeignet zur Anlegung von Fallen", betonierten Maschinengewehrnestern, Ge­schützstellungen, Gräben und Verhauen, und ist ent­sprechend gut. ausgenützt.

In allen Richtungen ist das Hongkonger Gebiet von ausgezeichneten Schnellverkehrsstraßen durch­zogen. Sogar übet die hohen Berge führen feste Fahrwege, nur zu militärischen Zwecken gebaut, und leicht kann es dem Spaziergänger, derso für sich hin" geht, begegnen, daß er unversehens von einemHerrn in Zivil" angehalten und freund­lichst darauf aufmerksam gemacht wird, daß er besser daran täte, umzukehren; denn hier dürfte man nichtungestraft unter Palmen wandeln". Daran merkt dann der bisher Unbefangene, daß er wohl ganz nahe bei einer wichtigen Festungsanlage fein müsse. Das geht alles ganz unauffällig vor sich, so wie es dem Engländer liegt. Ebenso unauffällig ist die Modernisierung der Festung Hongkong in den letzten Jahren vor sich ge­gangen. Vor kurzem noch plauderte eine der Hong­konger Zeitungen vergnügt darüber, wie man doch so gar nichts von dem Einbau der schweren Schiffs- geschütze gemerkt hätte: bei Nacht wären sie ent­laden, bei Nacht auch von dem fernen Hafenbassin in Leichtern bis nahe zu chrem Bestimmungsort und von da aus auf die hohen Berge transportiert worden: kein Hongkonger hätte eine Ahnung davon gehabt!

Die Landverteidigung Hongkongs ist einer Streit­macht von knapp 10 000 Mann anoertraut. Sie setzt sich zusammen aus Festungsartillerie und Jngemeur- truppen, Gebirgs- und mittelschweren Haubitzbatte­rien, Signalkorps, regelmäßig fünf Bataillonen In­

fanterie, und dem Hongkonger Freiwilligen-Ver- teidigungskorps. Dieses letztere besteht aus zwei Feldartillerie-Batterien, fünf Maschinengewehr­kompanien, Kraftfahrkolonne, Signalkorps, Pionier- korps, Eisenbahnhilfstruppe, u. a. m. Geführt wird das Freiwilligenkorps, wie auch jede seiner Ein­heiten von britischen Offizieren; seine Mannschaften und Unteroffiziere aber setzen sich zu­sammen aus Briten, Chinesen und Por­tugiesen, es sind sogar Ausländer anderer europäischer Nationalitäten darin. Seit Ausbruch der Feindseligkeiten mit Japan hat ein außer­ordentlich starker Zustrom von Chinesen eingesetzt, die eine militärische Ausbildung genießen und im Notfälle ihre Hongkonger Heimat mitverteidigen wollen.

Die Luftverteidigung Hongkongs hat ihr Hauptquartier im Hauptflughafen Kai Tak, auf der Festlandseite, unmittelbar östlich von Kowloon, der eigentlichen Hafenstadt Hongkongs. Neue Flug­plätze sind im Inland teils fchon fertiggestellt, teils noch im Ausbau begriffen. Eine Schätzung über die in Hongkong stationierte Luftwaffe ist kaum mög­lich; es wurde vor einiger Zeit von rund 150 Flug­zeugen gesprochen, jedoch dürfte diese Zahl über die nüchternen Tatsachen hinausgehen. Die Erdvertei­digung gegen Luftangriffe ist zweifellos vorzüglich ausgebaut. Bei zwei nächtlichen Luftschutzübungen Anfang dieses Jahres war insbeosndere der Eindruck der Scheinwerferarbeit stark; ihrem rastlos suchenden Kreuzfeuer entging keines der motorlos-leisean- schleichenden" Flugzeuge. Batterien traten bei diesen Uebungen nicht in Tätigkeit, doch sind schon weitere Hebungen größeren Ausmaßes angekündigt, bei denen auch neueste Brandbomben vorgeführt werden sollen.

Hongkongs Verteidigungszustand wurde auch in diesem Jahre in ausgedehnten Manövern einer rigorosen Prüfung unterzogen. Die Stärke der Lan­dungstruppen wurde mit zwei Regimentern (sechs Bataillonen) angenommen. Von der Tief bucht stieß der Feind landeinwärts vor und kam erst nach Einbruch der Dunkelheit mit Hongkongs Derteidi- gungsmacht in Fühlung, konnte aber ihre Stellun­gen nicht durchbrechen. Am gleichen Nachmittag landete ein weiteres feindliches Bataillon im Tolo- Hafen, zu dem man von der nordöstlichen Mirs- Bucht durch den Tolo-Kanal gelangt, einen an der schmälsten Stelle etwa 1200 Meter breiten Meeres­arm. Durch blitzschnelles Heranschasten von Verstär­kungen, insbesondere durch Einsetzen von Panzer­wagen und der motorisierten Maschinengewehr­abteilung des Freiwilligenkorps, konnte die durch die unerwartete nordöstliche Landung ensttandene schwere Gefahr gebannt werden.

Am darauffolgenden Tag traten dann auch die Küstenbatterien in Tätigkeit, und zwar bei Fort Shelter, das an der südöstlichen, inselreichen Bucht des Hongkonger Festtandes liegt. Dort wur­den unter dem Schutz feindlicher Seestreitkräfte Truppentransporter herangebracht. Da sich Kriegs­schiffe wie Transporter unter der Feuerdeckung der hohen Küste hielten, gelang das Manöver, die Land­batterien waren machtlos, die Küstenwache zu schwach. Es wurden Truppen gelandet, sie stießen energisch einige Meilen ins Innere vor, bis Taipo Tsai, wo sie auf stark befestigte Maschinengewehr­nester stießen und später von den Kumaon-Schützen (einer Truppe aus dem indischen Pundjab) im Ge­genangriff geworfen wurden. An den beiden letzten Manövertagen machte der Feind an den verschie­denen Fronten noch eine Reihe Tages- und Nacht­angriffe, wurde aber an allen Stellen in Schach ge­halten. Flotteneinheiten griffen die Forts am äuße­

ren östlichen Haseneinang an, während andere Ein­heiten mit den ortsfesten Batterien der Festung zu­sammenarbeiteten. In der Kritik wurden die Manö­ver als äußerst befriedigend bezeichnet. Das britische Kommando ist überzeugt, daß Hongkong die ihm vom Reichsgeneralstab gestellte Aufgabe erfüllen, d.h. sich selbständig auf mindestens einen Monat verteidigen kann.

Oberkommandierender aller Streitkräfte des Bri­tischen Reiches im Fernen Osten ist der jeweilige Oberkommandierende der Marinestation China, ein Admiral, gegenwärtig Sir Percy Noble, der in der britischen Marine einen so großen Ruf 'ge­nießt, daß es heißt, er wäre im Kriegsfälle zum Oberkommandierenden der gesamten Flotte auser­sehen. Zur China-Flotte gehören zur Zeit das vierte Kreuzergeschwader, ein großer Flugzeugträger, eine Zerstörer-Flottille, fünf Geleitschiffe, das U-Boot- MutterschiffMedway" mit einem Begleitzerstörer und fünfzehn U-Booten, ein Vermessungsschiff, fünf Flußkanonenboote auf dem Westfluß (Kantonfluß), und fünf Hilfsschiffe. Das vierte Kreuzergeschwaüer besteht aus sechs großen Kreuzern, von denen jedoch gegenwärtig drei auf Heimatwerften liegen, und zwei leichten Kreuzern, von denen einer dieBir­mingham" ist, der gerade in Dienst gestellte, mo­dernste Kreuzer der Flotte. Es , wird angenommen, daß die britische Admiralität im Falle eines kriegeri­schen Konfliktes mit Japan das Hongkong-Geschwa­der auf Singapur zurücknehmen wird, daß also Hongkong sich ohne Unterstützung durch Seestreitkräfte halten soll, bis starker Entsatz herangezogen ist.

Die Versorgung Hongkongs ist auch auf den Fall einer länger dauernden Blockade insoweit ge­sichert, als es sich um Kriegsmaterial, Brennstoffe und Wasser handelt. Hongkong lebt nur von Re­genwasser, das in großen, offenen Bassins gesam­melt wird, die an vielen Stellen auf den Anhöhen und in Bergeinschnitten angelegt sind. Befürchtun­gen, daß diese Bassins im Kriegsfall durch Bomben­angriffe zerstört werden könnten, sind nicht sehr ernst zu nehmen. Ein Luftangriff auf die Wasser­bassins hätte nur am hellen Tage einige Aussicht auf Erfolg, und da ist die starke gut verteilte Luft­abwehr zu ihrem Schutze bereit. Eine andere, viel ernstere Frage ist, wovon zwei Millionen Menschen leben sollten, die jetzt auf Hongkonger Gebiet woh­nen, wenn die Kolonie von der Seeseite blockiert und durch eine Landung starker Truppenkräfte von dem sie versorgenden chinesischen Hinterland abge­schnitten werden sollte. Dieses Problem mag auch dem britischen Stab zu denken geben.

Wetterbericht

Die Schönwetterlage in Mittel- und Ostdeutsch­land, die am Donnerstag ihren Höhepunkt erreichte, kann als beendet angesehen werden. Von Westen eindringende immer kühlere Staffeln feuchter Meeresluft brachten auch in unserem Bezirk nach anfänglicher großer Schwüle vielerorts gewittrige Niederschläge mit beachtlicher Abkühlung. In größe­rem Ausmaße kommen die Niederschläge besonders in Süddeutschland vor. Wohl wird sich von Westen her rasche Wiederaufheiterung durchsetzen, doch ist das Aufkommen niederschlagsfreien Schönwetters und starker Erwärmung vorerst unwahrscheinlich.

Vorhersage für Samstag: Veränder­lich mit häufiger Aufheiterung, aber noch Neigung zu einzelnen schauerartigen Niederschlägen, mäßig warm, westtiche Winde.

Vorhersage für Sonntag: Vielfach aufheiternd, aber nicht beständig.

Frau Marie Schäfer, geb. Textor

im 53. Lebensjahr von uns gegangen.

Leihgestern, den 9. Juni 1938.

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Die Beerdigung findet am Samstag, dem 11. Juni, 13% Uhr statt Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen.

In tiefer Trauer:

Obersteuerinspektor Wilh. Schäfer und Kinder.

Todesanzeige.

Nach kurzer, schwerer Krankheit ist heute meine liebe Gattin, unsere herzensgute, treubesorgte Mutter und Schwiegermutter

Krofdorf, den 9. Juni 1938.

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Die Beerdigung findet Samstag, den 11. Juni, nachmittags 2 Uhr statt.

In tiefer Trauer: Familie Heinrich Amend nebst allen Angehörigen.

Am 9. Juni, 8% Uhr, verschied nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwieger­mutter und Großmutter

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