Ausgabe 
10.6.1938
 
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von schönen Arbeitsstätten und schlechten und un­gesunden Wohnstätten auf die Dauer geben. Das Haus ist die Stätte, an der sich das Familien­leben, die Keimzelle gesunder Volks­kraft, entfaltet. In der Reichsarbeitskammer wurde am 1. Mai 1938 die Arbeitsgemeinschaft für Wohnungswesen gebildet, deren Aufgabe es ist, Fragen von grundsätzlicher Bedeutung durch Sach­verständige aus allen Kreisen des öffentlichen Le­bens eingehend zu untersuchen und auf die woh­nungspolitische Entwicklung Einfluß zu nehmen.

Der nallonalfpanische Vormarsch

Salamanca, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.)

Wie der nationalspanische Heeresbericht meldet, wurden an der Teruel-Front im Abschnitt Puerto Mangalos weitere Ortschaften sowie im Ab­schnitt Camarena verschiedene wichtige Höhen be­setzt. Auch an der Castellon-Front rückten die Nationalen weiter vor. Durch ein Unwetter sind, hier jedoch die Telephonoerbindungen gestört, so daß die augenblicklich erreichten Stellungen nicht angegeben werden können. Nur die Einnahme der Ortschaft Useras ist bisher bekannt geworden. An der P y r e n ä e n f r o n t eroberten die Trup­pen im Abschnitt Cinca mehrere Gebirgsstellungen in über 2400 Meter Höhe, sowie die Ortschaft San Juan de Plan. Der Feind erlitt hohe Verluste.

Dor einigen Tagen saßen, wie französische Kriegs­berichterstatter ihren Blättern mitteilen, die natio­nalspanischen Angriffskolonnen vor den auf Befehl des sowjetspanischen Generals Miaja in fieber­hafter Eile ausgebauten Verteidigungsstellungen der Bolschewisten fest. Es war nicht gelungen, wesent­lich über die Linie Mora de RubielesRubelos de MoraSarrion hinaus vorzudringen. Ebenso saß der nationalspanische Angriff auf der Straße T e - r u e l Sagunto bei Puebla de Valverde fest. General Franco entschloß sich deshalb, um den Feind aus seinen Stellungen zu vertreiben, was mit größeren Verlusten verbunden gewesen wäre, diesen nicht unmittelbar anzugreifen, sondern zu umgehen. Auf seinen Befehl rückten die natio­nalen Truppen durch das Gebirge weiter nach Süden vor und nahmen vor allem das Bergmassiv von Pena Golosa, das eine Höhe von stellen­weise 1800 Metern erreicht und sich halbwegs zwi­schen dem Turia-Fluß und dem Meer befindet. Das Massiv beherrscht mit seinen Ausläufern und den voir ihm ausgehenden Flußtälern ein weites Gebiet. Durch die Einnahme dieses Gebirges sind die Na­tionalen teilweise schon weit in den Rücken der feindlichen Stellungen gelangt. Der Feind hat nach dem Bericht von Ueberläufern und Gefangenen der neu eingetretenen militärischen Lage Rechnung ge­tragen und beginnt die Stadt Castellon de la Plana von der Zivilbevölkerung zu räumen.

Zapunische Fortschritte im Kaifeng-Abschnitt.

Schanghai, 9. Juni. (Europapreß.) Die Räumung Hankaus durch die chinesische Zentral- regierung ist beendet worden. Die Mehrzahl der Ministerien wurde nach Tschungking am oberen Jangtse, dem Sitz des Präsidenten der Re­gierung, übergeführt. Das neue Hauptquartier Tschiangkaischeks befindet sich an einem nicht näher bezeichneten Orte in der Provinz Honan. In Han- fau sind nur einige höhere Beamte der verschiede­nen Ministerien zurückgeblieben. Auch der Auszug der Zivilbevölkerung aus Hankau hat begonnen. Inzwischen haben die japanischen Truppen im Kaifeng-Abschnitt weitere Fortschritte gemacht. Tschenatschau ist noch in chinesischer H a nd , doch heißt es, die Chinesen räumten auch diese Stadt, da der Widerstand als aussichtlos gelte. Nach chinesischer Darstellung sollen die chinesischen Truppen bei Tschengtschau noch starke Verteidi­gungsstellungen halten.

Oie Schlagkraft der schweizerischen Armee.

Bern, 9. Juni. (Europapreß.) Der Ständerat hat den Vorlagen über die restliche Verwendung der Währungsanleihe sowie über die Verlängerung der Wiederholungskurse auf drei Wochen einhellig zugestimmt. Der Restbetrag des Währungsanleihe- fonds beläuft sich auf 41,4 Millionen Schweizer Franken; davon entfallen . 26 Millionen auf die Mehrkosten der Landesverteidigung infolge der Abwertung und der Rest auf neue Bedürfnisse der Armee. Zur Verlängerung der Wiederholungskurse erklärte der Berichterstatter des Ausschusses, nach­dem die Schweiz vor kurzem ihre Neutralität zu- rückgewonnen habe, läge kein Grund zu der An­nahme vor, daß irgendeiner dqr sie umgebenden Staaten die Schweiz angreifen wolle. Trotzdem müsse die Schlagkraft der Armee aufs Höch st e gesteigert werdey.

Kunst und Wissenschaft.

Oie Reichstheaterfestwoche in Wien.

In einer Pressekonferenz im Reichspropaganda- «mt Wien wurde das umfangreiche Veranstaltungs- Programm für die Reichstheaterfe st woche in Wien bekanntgegeben. Die Veranstaltung, die am 12. Juni beginnt und im ganzen Reich ein außerordentliches Interesse findet, wird die größte ihrer Art sein. Die einzelnen Arbeitstagungen wer­den einen großen Teil der deutschen Theaterdirek­toren und Verleger sowie zahlreiche Bühnenautoren und darstellende Künstler als Teilnehmer sehen. Im Mittelpunkt des Programms steht eine große p r o - ?;rammatische Rede des Reichsmini- ters D r. Goebbels, die auf aste deutschen Sender übertragen werden wird. Im weiteren Ver­lauf der Reichstheaterfestwoche wird u. a. eine Reihe von Arbeitssitzungen der FachschaftBühne", der Bühnenautoren und Verleger, des Bühnennach­weises und der Bühnenoermittler sowie der Ver­sorgungsanstalt deutscher Bühnen stattfinden. An Festlichkeiten sind ein Empfang im Rathaus, eine Einladung der Tagungsteilnehmer auf dem Kahlenberg durch die Gemeinde Wien und ein Künstlerfest im Schloß Schönbrunn- vorgesehen.

Der Internationale Kongreß für Kinderschuh in Frankfurt.

NSG. DieAssociation Internationale pour la Protection de 1* Enfance veranstaltet gemeinsam mit demReichszusammenschluß für öffentliche und freie Wohlfahrtspflege" vom 12 bis 18. Juni einen I n - ternationalen Kinderschutzkongreß in Frankfurt a. M. Reichsminister Dr. F r a n k hat die Schirmherrschaft übernommen. Das Programm der Tagung beginnt mit einem Empfang der Kongreß­teilnehmer, unter denen sich auch 500 ausländische Delegierte als Gäste der Reichsregierung befinden, wobei Reichshauptamtsleiter Hilgen jeldt und

ie Lord Msfield entführt werden sollte.

Ein phantastischer plan. Gensationsprozeß in London.

Vor dem Polizeigericht in Oxford begann die öffentliche Voruntersuchung gegen den 50jäh- rigen John Bruce Thornton, der beschuldigt wird, die Entführung des bekannten Automö- bilindustriellen Lord Nuffield, eines der reich­sten Männer Englands, vorbereitet zu haben, mit der Absicht, von ihm ein L ö s e g e ld von 100 000 Pfund (rund 1,2 Millionen Mark) zu erpressen. Thornton, war Ende Mai in der Nähe der Morris-Automobilwerke bei Oxford verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte auf die Angaben eines ehemaligen englischen Offiziers, des Majors a. D. Ramsden, den Thornton als Mittäter ge­winnen wollte, der aber sofort die Polizeibehörden unterrichtet hatte. Auf deren Anweisungen hin ging 1 Ramsdon scheinbar auf die Pläne Thorntons ein.

Die nach zehnstündiger Dauer vertagte Vorunter­suchung ergab ein phantastisches Bild von diesem Entführungsversuch, dem ersten in der Kri­minalgeschichte Englands, über den die Abendblät­ter seitenlange Meldungen veröffentlichen. Die Pläne Thorntons gingen dahin, als amerikanischer Jour­nalist sich in das Amtszimmer Lord Nuffields einzu­schmuggeln, sein Opfer mit vorgehaltenem Revolver zu entführen und es auf eine gechar­terte Jacht auf der Themse zu bringen. Hier sollte Lord Nuffield gezwungen werden, Thornton An­weisungen auf eine kontinentale Bank in Höhe von 100 000 Pfund zu unterzeichnen. Während Thorn­

ton mit diesen Anweisungen nach Paris fahren wollte, sollte Ramsden mit Lord Nuffield auf der Jacht zurückbleiben und, falls die Bankanweisungen nicht eingelöst werden sollten, Lord Nuffield über Bord werf en. Für den Fall, daß Thorn­ton das Geld erhalten hätte, war geplant, Lord Nuffield die Augen zu verkleben und ihn an einem einsamen Platz an der englischen Ostküste abzusetzen.

Alle diese Pläne waren von Thornton bis in die kleinsten Einzelheiten ausgearbeitet und von Ramsden an die Polizei weitergegeben worden. Thornton glaubte, jeder Möglichkeit Rechnung ge­tragen zu haben. Wie sich aus den Zeugenaussagen ergab, hatte Thornton Lord Nuffield schon seit längerer Zeit beobachtet und war sogar auf dem aleichen Schiff mit ihm nach Australien gefahren. Aus Australien hatte sich Thornton auch P e - rücken, falsche Schnurrbärte und sonstige Verkleidungsgegenstände mitgebracht. Einen schnel­len Wagen zur Entführung seines Opfers, sowie Fesseln und Ketten, falsche Nummernschilder usw. hatte er in London gekauft.

Ueber das Vorleben Thorntons werden keine Mitteilungen gemacht. Verschiedene Andeutungen lassen darauf schließen, daß Thornton, der mit reich­lichen Geldmitteln ausgestattet war, einer i n t e r - nationalen Verbrecherbande angehörte und in der Londoner Gesellschaft verkehrte.

Um die Goldschätze derLutine".

Das Geheimnis einer britischen Fregatte. Ein Riesenbagger durchwühlt den Meeresgrund.

Amsterdam, Anfang Juni.

In einer der letzten Nächte um 2 Uhr verließ der größte Zinnbagger der Welt, dieKarimata" der Gemeenschappeliste Mijnbouw Maatschappij Bil- liton, die Werft in Kinderdijk. SobaldLutine- Wetter" einsetzt, d. h. Ostwind weht, wird der Rie­senbagger nach jener gefährlichen Stelle zwischen Terschelling und Vlieland geschleppt werden, wo das Grab derL u t i n e" ist. Eine Boje bezeich­net es. Auf 18 Meter Tiefe, 12 Meter unter Sand, ruht hier das Wrack oder das, was noch von jener einst stolzen englischen KriegsfregatteLutine" im Laufe der verflossenen 139 Jahre übriggeblieben ist. In diesem Wrack sucht man nach Gold.

Am 11. Oktober 1799 veröffentlichte dieTimes" folgende Notiz:Die Hamburger und Bremer Post vom 4. dieses Monats ist von Parmouth aus mit der ,Lutine' nach Cuxhaven versandt. Die ,Lutine' ist heute morgen mit Passagieren und Gold- und Silberbarren an Bord in See gegangen." DieLu­tine", ein damals modernes, von Admiral Hood von den Franzosen erbeutetes Kriegsschiff mit 32 Ka­nonen und einer Besatzung von 240 Mann, ist nie in Cuxhafen angekommen. Schon im Augenblick des Times"-Berichtes war sie nicht mehr. In der Sturmnacht vom 9. zum 10. Oktober war sie auf der Höhe von Terschelling gestrandet und un tergegangen. Ein einziger von den rund 400 Menschen an Bord überlebte die Nacht. Man sagt, daß in jenen Tagen 240 Leichen angespült wurden, die man dann in dem Doodemanskisten, einem kleinen dunklen See in dem alten sagenum­sponnenen Wäldchen auf Terschelling begraben hat. Unter den Ertrunkenen befand sich ein Herzog von Chatillon, ein Herzog von Montmorency und manch anderer Träger eines klingenden Namens der da­maligen englischen Gesellschaft. Am 29. Oktober be­richtet dieTimes":Von der britischen Fregatte ,Lutine' sind keine weiteren Berichte eingetroffen." Lloyds bezahlte die Versicherungssumme von rund 15 Millionen Mark, und Eng­land schickte anderes Geld nach Hamburg. Frankreich und Holland waren damals gegen die britische Al­lianz in Krieg; britischerseits hatte man den Ver­lust offiziell als Kriegsfolge hingenommen. Lloyds hat bisher nur die Schiffsglocke erhalten, die seit­dem alsT o t e n g l o ck e der Schiffe" geläu­tet wird, wenn der Totalverlust eines bei Lloyds versicherten Schiffes bekanntgegeben wird.

Aus dem Munde des einzigen Ueber» lebenden erfuhr die Welt von den großen Schätzen an Gold, Silber und Münzen, die an Bord derLutine" gewesen sein sollen. Man zog auf Suche aus. 1801 fischte man unter anderem tatsächlich 58 Goldbarren von zusammen 323 Kilo­gramm, 35 Silberbarren von zusammen 879 Kilo­gramm, 1510 Pilare, Piaster und spanische Matten und 179 Golddublonen auf. Genug, um die Phan­tasie anzureizen. Im Verfolg wurden ungezählte Bergungsversuche gemacht, teils in aller Oeffentlichkeit mit jedermanns Wissen, teils geheim. Das Wrack gehörte kraft Kriegsrecht der holländi­

schen Regierung, die ihrerseits mit deck damaligen Bürgermeister von Terschelling einen Bergungsoer- trag auf halb und halb gemacht hatte. 1823 schenkte König Wilhelm I. das Wrack dem englischen König, der die Rechte seinerseits an Lloyds weitergab. Ein großer Bergungsversuch wurde 1857 gemacht, wo­bei im Schutze günstiger Umstände die Hebung von 17 Goldbarren und 34 Silberbarren gelang. Ein anderer groß angelegter Versuch wurde 1886 mit Tauchern unternommen, der gleichfalls nicht ohne materiellen Erfolg war. Alte Terschellinger behaup­ten, daß damals auf dem Meeresgründe gründlich aufgeräumt worden sei, wobei die letzten Goldreste vom letzten Taucher mit einem Besen zusammen­gefegt wurden.

Was dieLutine" an Schätzen tatsächlich an Bord hatte, ist nie bekanntgeworden. Die Unter­lagen bei Lloyds sind verbrannt. Es gibt viele, die annehmen, daß das Wrack im Laufe der Zeit vollkommen ausgeplündert ist. Schon die bekannten Bergungsversuche brachten für mehrere Mil­lionen Mark Werte ans Tageslicht. Andere meinen demgegenüber, daß wahrscheinlich viel höhere Beträge an Gold und Goldeswert an Bord waren, als die Versicherungssumme ahnen läßt. So sollen auch große Summen Bargeld derLutine" mitgegeben worden sein, die für den Sold der bri­tischen Festlandsarmee bestimmt waren. Man belegt diese Meinung mit dem Hinweis, daß andernfalls kaum ein so großes Schiff, ein Dreadnought feiner Zeit, für den Transport eingesetzt worden wäre. Die Organisatoren der jetzigen Bergungsaktion nei­gen jedenfalls der letzten Auffassung zu, und diese Organisatoren sind Lloyds und die Gemeenschap- pelijke Mijnbouw Maatschappij Billiton, ein soge­nannter gemischt wirtschaftlicher Betrieb, an dem auch der niederländische Staat beteiligt ist. Man muß bedenken, daß bei dem heutigen Unternehmen immerhin ein Bagger im Werte von rund vier Mil­lionen Mark eingesetzt wird. Dieser Bagger ist zum Zinnschürfen auf Billiton bestimmt und soll mög­lichst im Herbst noch nach Niederländisch-Jndien ge­schleppt werden. Das Risiko ist also ziemlich groß. Der mögliche Fund wird unter den beiden Gesell­schaften und noch ein paar Fundberechtigten ver­teilt, wobei die Billiton Maatschappij 70 Prozent erhält.

DieKarimata" kann 30 Meter tief baggern. Falls das Wetter günstig ist, kann sie in ununter­brochener Tag- und Nachtarbeit innerhalb vierzehn Tagen den ganzen Meeresboden auf der bezeichne­ten Stelle umpflügen und durchsieben. Theoretisch kann ihr dabei nicht mal ein Nagel entgehen. Zu­dem ist der Bagger so schwer konstruiert und so hubkräftig, daß ihm selbst Wrackreste von größe­rem Umfang keinerlei Schwierigkeiten machen dürf­ten. Man wird also diesmal ganze Arbeit leisten. Vom Wrack wird nichts mehr übrig bleiben, so daß man von dem letzten Angriff auf dieLutine" sprechen kann. Gold ober fein Gold auf jeden Fall sind die Tage derLutine" gezählt.

Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger die Gäste begrüßen werden. Bei der feierlichen Eröff­nung wird Reichsminister Dr. F r a n k sprechen. Für die anschließende Vollsitzung hat Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Fritz Reinhardt das Hauptreferat übernommen. Die sozialmedizinische, die sozialjuristische und die sozialpädagogische Sektion führen Sondertagungen durch, auf denen namhafte Fachleute über die Erfahrungen in ihrer Arbeit be­richten werden. An die wissenschaftlichen Tagungen schließen sich Fahrten der Kongreßteilnehmer nach Süd- und Norddeutschland an, die mit Besichtigungen von Kindererholungsstätten der NSV., Krüppel­heimen und anderen Einrichtungen des Kinderschutzes verbunden sind.

Aus aller Welt.

Oer zweite Mörder des Weimarer tt-Mannes in der Tschechoslowakei festgenommen.

Graz, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.) In der Nähe von Hirschenstand bei Neudek im Erzgebirge wurde am 29. Mai beim Grenzübertritt ein verdächtiger Mann festgenommen, der bei nähe­rer Überprüfung der Personalien jetzt als der von den reichsdeutschen Polizeibehörden gesuchte Mör­der des ^-Mannes Kallweit, namens Peter Forster erkannt wurde. Dieser Forster, der 1911 in Geisheim in Bayern geboren wurde und nach Amberg zuständig ist, steht im Verdacht, zu­sammen mit dem inzwischen in Weimar Hingerich­teten Emil B a r g a tz k y den ^-Rottenführer Kall­weit eines Konzentrationslagers bei Weimar, der beide bei der Arbeit bewachen sollte, von rück­

wärts überfall en und mit einer Schaufel oder einem ähnlichen Werkzeug ,e r f ch l a g e n zu haben. Während es gelang, Baraatzky zu ergreifen, konnte sich Forster allen Nachforschungen entziehen. Nunmehr befindet er sich bis zur weiteren Entschei­dung in der Auslieferungshaft beim Kreisgericht in Eger.

Allgemeine Erregung über den neuen Kindesmord in Dm rika.

Die Aufdeckung des grauenhaften Todes des neuesten amerikanischen Entführungsopfers hat in den Vereinigten Staaten Abscheu und Entsetzen her­vorgerufen. Die Blätter veröffentlichen ausführliche Meldungen über die Auffindung der Leiche des fünfjährigen Söhnchens James des Tankstellenbe­sitzers Cash. Die Leiche wurde etwa zwei Kilo; meter von der Elternwohnung in Princetown (Florida) entfernt gefunden; sie konnte lediglich an den Kleidern des Kindes identifiziert werden. Als Todesursache wird Ersticken oder Erwürgen angenommen.

Der Mann, der unter dem Verdacht, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein, verhaftet wurde, heißt Franklin M a c C a l l. Er ist 21 Jahre alt und hat sich, offenbar, um feine Mittäter zu ver­bergen, an der tagelangen Suche nach dem entführ­ten Kinde eifrig beteiligt. Nach einer Mitteilung des Chefs der Unterfuchungsbehörde hat er bereits ge­standen, die drei Erpresserbriefe geschrieben und das von den Eltern bezahlte Lösegeld von 10 000 Dollar empfangen zu haben. Er bestreitet jedoch, an der Entführung ober an der Ermordung des Kindes teilgenommen zu haben. Tatsächlich ver­mutet die Kriminalpolizei, daß noch weitere Per­sonen in den Lall verwickelt sind. Das L ö s e g e l d

wurde inzwischen an der von MacCall bezeichneten Stelle in voller Höhe gefunden, MacCall war bis zum April dieses Jahres im Hause des Tankstellen­besitzers Cash beschäftigt und ist ein Bruder des derzeitigen Pfarrers von Princetown. Angesichts der Tatsache, daß es sich um den zweiten Fall von Kindesentführung mit tödlichem Ausgang in einem Zeitraum von wenigen Wochen handelt, hat sich weiter Elternkreise in Amerika große Beunruhigung bemächtigt. Zahlreiche Zuschriften erschütterter Zei­tungsleser betonen, daß europäische Länder keine Verbrecher dieser Art aufzuweisen haben, und fra­gen verzweifelt nach Mitteln zur Bekämpfung die­ses auf die Vereinigten Staaten beschränkten grauenhaften Verbrechens.

Oie Tombola auf dem Frühlingsfest der Nhein-Mainifchen presse.

Die Tombola ist auf dem Fest der Rhein-Maini- fchen Presse in den letzten Jahren stets ein be­sonderer Anziehungspunkt gewesen. Eine unüber­sehbare Fülle von wertvollen Gewinnen werden auch diesmal aufgebaut sein. Die Tombola stellt einen Querschnitt des wirtschaftlichen und kultu­rellen Schaffens des Rhein-Main - Gebietes dar. Unser Gaugebiet bestreitet auch heute noch über die Hälfte des gesamten deutschen Automobil- absatzes: deswegen der Hauptgewinn ein A u t o. Bei uns sind die Erfinder und die ersten Förderer der Kältetechnik zuhause. Daher der zweite Hauptgewinn ein Kühlschrank. Offenbach hat Weltruf - in seinen Lederwaren. Daher der dritte Hauptgewinn ein Ausrüstungskoffer. Die gesegneten Gaue des Rheins schufen als erste den- deutschen Schaumwein. Daher auch die vielen wertvollen Packungen von Schaumwein. Besonders Frankfurt entwickelte Schreibmaschine und Fahrrad. Beides ist auf der Tombola zu ge­winnen. Auch was rhein-mainischer Erfindergeist, angeregt durch den Vierjahresplan, als deutsches Kulturgut schuf, winkt als Tombolagewinn, (Plexi­glas, Cellophan, Werkstoff-Kunstharz usw.), schließ­lich all das, was der ausklingende Frühling und die Badesaison für Damen und Herren fordern. Die elektrotechnische Industrie ist mit einer Reihe wertvoller Gegenstände auf der Tombola vertreten.

Heues Motorschiff auf dem Rhein.

Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrts-Gesell- schäft wird Ende dieses Monats ein neues M o - torschiff in den Dienst stellen. Das Schiff, das einen ganz neuen Typ in der Rheinflotte darstellt, erhält den NamenKöln" und ist 12 Meter breit und 70 Meter lang. Das Schiff soll in der Lage sein, zu Berg 17 und zu Tal 28 Kilometer in der Stunde zurückzulegen. Zwei Dieselmotoren bewerk­stelligen den Antrieb.

Schwere Bergunfälle im Kaisergebirge.

Im Kaisergebirge haben sich, wie aus Kufstein gemeldet wird, drei Bergunfälle ereignet. Die Münchener Zahnärztin Marianne Staubitzer stürzte bei einer Wanderung zur Baumgartenalm etwa 40 Meter tief ab und trug eine Gehirnerschüt­terung sowie Kopfverletzungen davon. Bei einer Kletterfahrt auf die Elmauer Halt stürzte der Berg­steiger Richard D u b g e n infolge Ausbrechens eines Steines zweihundert Meter tief ab. Bis Hilfe zur Stelle eilte, war er bereits tot. Beim Abstieg von der Elmauer Halt rutschte die 21jährige Mün­chenerin Gertrud K r e i s, die sich in Begleitung ihres Bruders und einer Freundin befand, auf einem Schneefeld in der Roten Rinnscharte aus und stürzte 30 Meter tief ab. Das Mädchen wurde mit Kopfverletzungen und Rißwunden nach Kuf­stein eingeliefert.

Die dänische Königin von einem Hund angefallen.

Kopenhagen, 9.Juni. (Europapreß.) Königin Alexandrine wurde am Mittwochabend in der Nähe ihres Sommerschlosses Stagen von einem Hund angefallen, der ihr eine schwere Bißwunde beibrachte, als sie versuchte, ihn von ihren kleinen Hunden fernzuhalten. Die Königin mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben und in ein Kran­kenhaus eingeliefert werden, wo die Bißwunde nach einer Serum-Injektion genäht wurde. Später konnte die Königin das Krankenhaus wieder verlassen. Mit Rücksicht auf den Unfall wird ein für nächste Woche in Stockholm geplanter Besuch zum achtzigsten Ge­burtstag König Gustavs von Schweden wahrschein­lich abgesagt werden.

Sechs Todesopfer

des Flugzeugunglücks in Südafrika.

Wie jetzt feststeht, sind sämtliche Insassen des vor einigen Tagen a u f dem Flug von Rhodesien nach Südafrika verunglückten englischen Militärflugzeuges tot. Das Flugzeug beförderte eine Mannschaft von Ama­teurboxern der britischen Luftwaffe. Bergungs­mannschaften haben sich jetzt durch den Busch bis an die Flugzeugtrümmer heranarbeiten können. Durch Signale meldeten sie die Austindung von sechs Leichen.

Banditen erbeuten eine Million Franken in Nizza.

In Nizza wurde ein dreister Raubüberfall begangen. Drei elegant gekleidete junge Leute näherten sich in einem schnittigen weißen Luxus­auto zwei Bankboten, die einen Handwagen vor sich herschoben, in dem sie eine Million Franken Bargeld zur Post brachten. Ehe die Boten ahnten, was ihnen bevorstand, wurden sie von den Banditen durch Hiebe mit Pistolenknäufen niedergestreckt. In wenigen Augenblicken hatten sich die Räuber des Geldes bemächttgt und waren verschwunden.

Die Riesenschlange und die Blindschleiche.

Die von starken Polizeikräften unter großer An­teilnahme der Oeffentlichkeit durchgeführte Jagd nach der in einem Londoner Vorort angeblich entwiche­nen 4% Meter langen Riesenschlange endete nach 24stündiger Aufregung mit einer Ueberraschung. Eine erneute Durchsuchung des Hauses des Besitzers der Riesenschlanae ergab, daß diese überhaupt nicht das Weite gesucht, sondern sich nach dem Ausbruch aus ihrem Käfig im Keller verkrochen hatte. Kurz zuvor hatten Polizei und Feuerwehr einen Garten umstellt, weil angeblich die Riesenschlange darin ge­sichtet worden war. Diese Angaben erwiesen sich jedoch als ein falscher Alarm, denn ein Aengstlicher hatte eine 60 Zentimeter lange Blindschleiche für die Riesenschlange angesehen.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Unioerfitätsbrucferei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der

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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.