Die
Der Marschall des Fernen Ostens als „Antistalinist" verdächtigt.
London, 10. März. (DNB. Funkspruch.)
Stalin wütet unter seinen Mitarbeitern
Aufschlußreiche Erklärungen des entflohenen Chefs des sowjetrussischen Militärspionagebüros.
Trauerbeflaggung am Heldengedenktag
Berlin, 9. Marz. (DBB.) Aus Anlaß des heldengedenklages fordert der Reichsminifter für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, am Lottnlag, dem 13. März 1938, Trauerbeflaggung zu fetzen. '
Front. Die Verluste der Rationalen sollen autzer- ordenllich gering sein.
Nationalspanien dankt für die Rettungsarbeit englischer Matrosen.
London, 10. März. (DNB.) Der nationallpa- nische Hauptagent in London, Herzog von Alba, sprach am Mittwoch im englischen A u ß e n a m t vor, um ein Schreiben seiner Regierung zu überbringen, in dem diese der britischen Flotte für ihre R e ttu n g s a rb e it nach der Torpedierung des nationalspanischen Kreuzers „Ba- leares" ihren Dank ausspricht.
chen habe man in der Sowjetpreffe bekanntgegeben, daß Slutzki „unerwartet" gestorben sei. Es sei jedoch völlig sicher, daß Slutzki entweder hinterrücks von den Leuten Jeschows ermordet wurde oder den Befehl erhielt, sich selbst das Leben zu nehmen. Gorki und Menschinfki habe Stalin selbst vergiftet. Stalin werde Rußland ins Unglück stürzen. Mehr als 75 v. H. der Leiter der Industrie- und Bergwerksunternehmungen seien verhaftet werden. Die befähigsten Offiziere der Armee feien in die Verbannung geschickt oder hin gerichtet worden, so daß heute die wichtigsten militärischen Po st en mit Analphabeten besetzt seien. Das russische Volk könne zwar die schwersten Leiden ertragen, eines Tages aber werde es doch das Blutbad des roten Diktators nicht weiter dulden.
Wann kommt Mcher an die Reihe?
Budapest, 9. März. (DNB.) Der „Uj Nernze- dek" veröffentlicht eine Unterredung mit dem kürzlich aus Sowjetrußland geflüchteten früheren Chef des sowjetrussischen Militärspionagebüros, Wladimir K r i w i-tz t i. Dieser betonte, er habe einwand- reie Angaben in der Hand, daß Kirow von Stalin selbst umgebracht worden sei. Sta- ün habe später seine Gegner des Mordes an Kirow angeklagt, um sich vor den Massen für die Hinrichtung Kirows zu decken. Stalin sei in der Irreführung der Massen sogar so weit gegangen, daß er nach Leningrad reiste, um persönlich die Untersuchung im Falle der Ermordung Kirows zu leiten. Als dann Jagoda die wahren Zusammenhänge des Mordes entdeckte, sei gegen ihn e i n Anschlag verübt worden, der jedoch fehlge- chlagen sei. Als Stalin auch Bucharin und Rykow „überflüssig und schädlich" empfand, habe er auch gegen sie die Anklage wegen des Mordes an Kirow erhoben. Auf Anordnung Stalins seien Rykow und Bucharin vor den Zentralausschuß der Kommunistischen Partei gerufen morgen,. Er selbst, Kriwitzki, erinnere sich, daß damals schon die beiden Angeklagten in einem unbeschreiblichen Rervenzu stgnd vor dem grünen Tisch erschienen, hinter dem Stalin thronte. Bucharin habe mit Tränen in den Augen und gebrochener Stimme erklärt, daß er niemals irgendeine Rolle bei der Ermordung Kirows gespielt habe. Stalin sei unbeugsam geblieben. „Dies ist keine eines Revolutionärs würdige Verteidigung", habe Stalin erklärt, „bring mir Beweise, dann werde ich dir glauben. Für die Beschaffung der Beweise ist das Gefängnis, der beste Platz. Du bleibst solange dort, bis du die Beweise beschafft hast."
Zwei Monate später habe Jeschow die Verhaftung Jagodas angeordnet. . Gleichzeitig seien sämtliche höheren Beamte der GPU., die unter Jagoda arbeiteten, „liquidiert" worden. Rur Slutzki, der Ehef der europäischen GPU., sei begnadigt worden, da die gesamte ausländische GPU.-Organisation in seiner Hand lag. Später habe sich jedoch auch sein Schicksale erfüllt. Vor zwei Wo-
Die lehien Angeklagten im Verhör
Der siebente Tag der Moskauer Zustizkomödie.
Salamanca, 10. März. (DRV. Funkspruch.) Die der Heeresbericht mitteilt, durchbrachen die natiouatfpanischen Truppen an der Aragon- Front die feindlichen Linien in vier Abschnitten und überrannten alle bolschewistischen Stellungen einschließlich der Reservestellungen. Sie drangen bis zu einer Tiefe von acht Kilometer vor. Zahlreiche Ortschaften wurden beseht und viele Gefangene gemacht. Umfangreiches, noch nicht zu übersehendes Kriegsmaterial wurde erbeutet. Der Vormarsch dauert an. Die Frontberichterstatter des Hauptquartiers bestätigen in ihren Meldungen, daß die nationalen Truppen bereits am ersten Tage der Offensive die für drei Tage gesteckten militärischen Ziele erreicht haben. Der Angriff wurde am Mittwoch früh durch heftiges Geschühfeuer und Bombenabwürfe der nationalen Fliegerverbände auf die bolschewistischen Stellungen eröffnet. Um 10 Uhr hatten die Truppen des Generals Davila, der den Oberbefehl führt, bereits die wichtigsten Ziele e r r e i cstt. Die erstürmten Stellungen zählen zu den am stärksten befestigten an der ganzen
In einer offiziösen Mitteilung erklärt die nationalspanische Regierung weiter, die Welt habe erneut einen Beweis für die unmenschliche Kriegsführung der Bolschewisten erhalten, die die Schiffbrüchigen mit Maschinengewehren einzeln abzuschießen versuchten, während die nationalen Matrosen z. B. bei der Versenkung des roten U-Bootes 96 durch den Zerstörer „Velasco" unter eigener Lebensgefahr den Gegner in Sicherheit brachten.
allmächtigen Jagoda den Tod MenschiNskis durch Heilpräparate eigener Erfin^ düng beschleunigt haben, die er „Lysate" nennt und deren Wirkung er noch jetzt lebhaft verteidigt.
Als letzter „Angeklagter" wird Maximow vernommen, dessen kurze Aussagen das „Verhör" der „Angeklagten" abschließen. Maximow behauptet, daß Jenukidse ihm 1932 die Stellung als Privatsekretär bei Kuibyschew vermittelt habe. Maximow will von Jenukidse und Jagoda den Auftrag erhalten haben, bei dem Anschlag auf Kuibyschew mitzuwirken, indem er das von den Aerzten vorgeschlagene falsche Heilverfahren bei dem Kranken unterstützte sowie jeweils bei den akuten Anfällen des Herzleidens Kuibyschews die ärztliche „Hilfe" hinauszögerte. Die nächste Sitzung, die bereits das „Plädoyer" des Staatsanwalts bringen dürfte, wird für Donnerstag erwartet. Danach dürsten die Anwälte der „Angeklagten" sprechen, am Freitag kann mit dem Schlußwort und mit der Verkündung des „Urteils" gerechnet werden.
Aalionalspamsche Offensive an derAragon-Fronl
Bereits am ersten Tage beachtliche Erfolge.
letzte noch überlebende und zugleich auch mächtigste Säule Sowjetrußlands, Marschall Blücher, der die rote Fernost-Armee befehligt und über ein Gebiet regiert, das größer ist als China, scheint durch den Moskauer Schaupxozeß nun auch i n s Wanken zu geraten. Wie der „Daily Expreß" aus Warschau berichtet, hat die GPU. das Hauptquartier Blüchers in Cbaßarowsk vergangene Woche durchsucht, eine Änzahl Dokumente beschlagnahmt und einsn engen Freund des Marschalls, Wareikis, verhaftet. Wareikis, der Sekretär der kommunistischen Partei für den Fernen Osten war, werfe man vor, mit Rykow und Bucharin, die in dem augenblicklich spielenden Tbeater- Prozeß verwickelt sind, zugunsten fremder Mächte Spionage getrieben zu haben. In ganz Sowjetrußlond frage man sich, ob Blücher der nächste sein werde, der als „Antistalinist" abgeführt werde.
Frankreichs Kurs in Aordafrika.
Von unterem pp.Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, Februar 1938.
Den Wert seiner nordafrikanischen Besitzungen hat Frankreich immer vorwiegend darin gesehen, daß diese Gebiete wie im Weltkriege tüchtige Soldaten liefern. Ausschließlich diesem Gesichtspunkt ist z. B. die Eisenbahnpolitik untergeordnet. Don Casablanca am Atlantischen Ozean nach Biserta nördlich von Tunis gehen die großen Linien, so daß die Truppen entweder von Casablanca nach Bordeaux, falls der Weg durchs Mittelmeer gefährdet ist, oder von den Mittelmeerhäfen nach Marseille geschafft werden können. Mit zuverlässigen Kolonialtruppen kann Frankreich aber nur rechnen, wenn es die Eingeborenen gut behandelt und diese sich wohl fühlen. Deswegen muß Frankreich in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht alles tun, damit nie Unzufrieden
schreiten der Grenzen von Algerien nach Tunis und von Algerien nach Marokko den Eindruck hätte, wie künstlich diese Grenzen seien und wie wenig sich die Natur und die Menschen unterscheiden. Bei der Bildung des Ausschusses wurde auch oft in der Presse bemerkt, daß nun ein entscheidender Schrit? im Interesse der einheitlichen Zusammenfassung des Kolonialreiches geschehen sei. Vieles deutet also darauf hin, daß Frankreich sich hier ein geschlossenes Imperium schaffen möchte, in das dann auch die anderen afrikanischen Besitzungen eingeschlossen würden, wobei der entscheidende Gesichtspunkt der der Erhöhung des militärischen Wertes dieser Kolonien ist.
Cboulemvs trist vor ht> Kammer
Paris, 9. März. (DNB.) In der innerpolitischen Entwicklung ist es auch am Mittwochabend noch zu keiner Entscheidung gekommen. Heber die Ausmaße des Ermächtigungsgesetzes erfährt man aus radikalsozialen Kreisen, daß die Altersversorgung für die Arbeiter nur oufgeschoben werden soll, lediglich aus finanziellen Gründen, und daß die Ausnahme von der 4 0 - St undenwoche sich nur auf die Rüstungsindustrie und auf zwei Ueberstun-
Moskau, 9. März. (DNB.) Am Mittwoch ollen zunächst die Aussagen der übrigen „angeklagten" Aerzte das „Verbrechen" Jagodas vollends abrunden. Der Herzspezialist Professor P l e t n j o w behauptet,., daß Jagoda ihn 1934 gezwungen habe, sich an der Beseitigung Menschinskis und Gorkis zu beteiligen. Pletnjow läßt weiter erkennen, daß im Falle Gorkis und Kuibyschews von den behandelnden Aerzten sticht etwa Gifte oder unzulässige Medikamente angewendet worden seien, andern ein falsches, in den einzelnen Fällen „unpassendes" Heilverfahren. Als Pletnjow von seiner „40jährigen fleckenlosen medizinischen Tätigkeit" spricht, erinnert ihn der Staatsanwalt an eine Skandalgeschichte. Pletnjow soll sich an einer Patientin vergangen haben. Pletnjow erklärt, er habe schon damals in einer geheimen Gerichtssitzung diesen Vorfall bestritten und halte auch jetzt daran fest.
Der „Angeklagte" Kasakow, der eher den Eindruck eines Variete- und Zauberkünstlers erweckt als den eines Arztes, versucht, ganz in} Sinne des Staatsanwalts, Jagoda weiter zu bezichtigen. Er will aus „gemeiner Furcht" vor dem
heit aufkommt. In den hetzten Jahren hat Frankreich aber in wirtschaftlicher Hinsicht vieles unterlassen, so daß seine Kolonien von der Krise weit schwerer betroffen wurden als andere Telle der Welt und nun schon seit Jahren vorwiegend sozial und wirtschaftlich bedingte Unruhen unentwegt aufeinander folgen, und die . schon sell längerem bestehenden Unabhängigkeitsbewegungen, wie die marokkanische Aktion, die algerische Volkspartei und der Destur in Tunis, immer mehr an Einfluß gewinnen, insbesondere unter der gebildeten Jugend Nordafrikas. Der Vizepräsident der kolonialen Kommission der Kammer faßte vor einiger Zeit sogar seine Betrachtungen über die französische Nordafrikapolitik in einem Artikel in der AM mit den Worten zusammen: „Nordafrika war jahrhundertelang eine wichtige Kornkammer des römischen Weltreiches. Nie dürfen mir zulassen, daß es heute unter der Oberherrschaft Frankreichs im Zeichen der Hungersnot, des wirtschaftlichen Elends und der politischen Aufstandsbewegung steht."
Die letzten Unruhen haben die französische Regierung veranlaßt, eine neue Körperschaft zu bilden, 2ftn nordafrikanischen Ausschuß, der unter dem Vorsitz des früheren Ministerpräsidenten und führenden französischen Kolonialpolitikers Albert ©ar raut alle Bemühungen zur Bekämpfung der nordafrikanischen Schwierigkeiten und zur Schaffung ausreichender Lebensoerhältnisse einheillich zu- fammenfassen soll. Zu diesen Beratungen hat Sar- raut vor allem ten Gouverneur von Algerien Le Beau, den Generalresidenten von Tunis
lönqerte Krisen. Das Geschwür müffe schnell geW werden. Der sozialdemokratische Parteworsitzende Leon Blum schreibt im „Populaire" spitz, . glaube nicht, daß die Stellungnahme der sozial« demokratischen Kammergruppe ‘für Ministerpräsident Chautemps eine Ueberraschung bedeutet habe. Die Ausführungen Blums lassen dabei die Verärgerung durchblicken, die man in dem sozialdemokratischen Lager darüber empfindet, daß Chautemps nicht schon gestern abend z u r ü ck g c t r e t c n ist, andern die 'Kammeraussprache abwarten will.
Protest gegen die Gewährung der Staatsbürgerrechte an 200 000 algerische Eingeborene.
Paris, 9. März. (DNB.) Die Zahl der aus Pro« test gegen den Gesetzentwurf über bie Gewährung der französischen Staatsange» börig Feit an 200000 Eingeborene zurückgetretenen Bürgermeister und Stadtverordneten Algeriens nimmt täglich zu. Bis Mittwoch vormittag hatten bereits 92 Bürgermeister und über 100 Stadtverordnete in den drei algerischen Departements hren Rücktritt erklärt. Unter den Zurückgetretenen ind besonders die Bürgermeister von Algier und Constantine zu nennen.
Reichsaußenminiffer von Ribbentrop in London.
London, 9. März. (DNB.) Der Reichsministev des Aeußeren von Ribbentrop traf mit feiner Frau am Mittwochnachmittag in London zu dem angekündigten Abschiedsbesuch ein. Der deutsche Geschäftsträger, Gesandter Woermann, hatte ich zu seiner Begrüßung in Dover eingefunden. In London wurde der Minister von den Mit« gliedern der deutschen Botschaft, dem Landes- gruppenleiter Karlowa unb zahlreichen Angehörigen der deutschen Kolonie am Bahnhof empfangen. U. a. hatte sich zur Begrüßung des Reichsaußen* ministers auch der österreichische Gesandte in London, Baron Franckenstein, am Bahnhof eingefunden. Am Nachmittag gaben Herr und Frau von Ribbentrop in der deutschen Botschaft einen Abschiedsemp fang für die Deutschen Londons,
Oie Stärke
der englischen Lustwaffe.
London, 9. März. (DNB.) Der Unterstaats- ekretär im Luftfahrtministerium Muirhead gab im Interhaus die Stärke der englischen Luftwaffe bekannt. Am 1. März 1937 habe England über 25 Kampfgeschwader, 63 Bombengeschwader, zehn Geschwader, die mit der Armee zu* ammenzuarbeiten haben, 14 Aufklärungsgeschwader und vier Torpedobombengeschwader verfügt. Dazu kämen noch die 20 Geschwader der Luftwaffe der Flotte. Seit dem 1. März 1937 eien neu hinzugekommen : 5 Kampfgeschwader, 20 Bombengeschwader,- 5 Geschwader zur Zu- •'ammenarbeit mit der Armee und drei Aufklärungsgeschwader, eines davon aus Flugbooten bestehend. Die Anzahl der Flugzeuge wurde nicht genannt.
Anfragen im Unterhaus.
England hält seine Rechte auf die Pazifik- Inseln aufrecht.
L o ndon, 9. März. (DNB.) An den Premierminister Chamberlain wurden im Unterhaus Anfragen wegen der Behauptungeil im Moskauer Schauprozeß gerichtet, daß der englische Geheimdienst eine unterirdische Tätigkeit gegen die Sowjetregierung entfaltet haben solle. Der Premierminister erklärte, er bezweifle, daß man diesen Behauptungen, die völlig unwahr seien, irgendwo außerhalb der Sowjetunion Glauben chenken werde. Keiner von denen, die in Moskau als im Dienste des britischen Geheimdienstes tehend genannt worden feien oder eine unterirdische Tätigkeit gegen, die Sowjetregierung aus- geübt haben sollen, fei im Diernst der britischen Regierung gewesen. Lady Muriel- Paget (die in dem Moskauer Schauprozeß genannt worden ist) habe nichts mit dem britk schen Geheimdienst zu tun. Jeder, der ihre Arbeit kenne, wisse, daß sie rein humanitärer Art fei. '
Chamberlain wurde weiter wegen der Tatsache befragt, daß die Vereinigten Staaten die Pazifik-Inseln Kanton und Enderbury unter ihre Souveränität genommen hätten. Chamberlain sagte, im vergangenen Jahre hätten dis Vereinigten Staaten die Gültigkeit des britischen Anspruchs auf die Inseln der Phönixgruppe bestritten, zu denen auch Kanton und Enderbury gehörten. Der britische Bot* schafter in Washington habe der amerikanischen Regierung mitgeteilt, daß seine Regierung die juri- stische Lage trotz der amerikanischen Landung auf der Kanton-Insel als unverändert ansehe. Diese Insel sei von der englischen Regierung am 5. August 1937 tatsächlich okkupiert worden: es herrsche jetzt dort ein Derwaltungsbe- amter. Die englische Regierung halte auch alle Rechte auf die Phonix-Gruppe aufrecht. Man wolle der amerikanischen Regierung Vorschläge unterbreiten, die hoffentlich eine Basis für eine beide Seiten befriedigende Rege« l u n g bilden werden.
Keine überflüssigen Einmischungen.
Lord Beaverbrook fordert britische Zurückhaltung in Mitteleuropa.
London, 10. März. (DNB. Funkspruch.) Lord Beaverbrook, einer der drei großen englischen Zeitungsmagnaten, veröffentlicht im „Daily Expreß", mit 2,5 Millionen Exemplaren eine der größten Londoner Tageszeitungen, einen Artikel, in dem er sich zunächst energisch für eine Politik der Isolierung Englands einsetzt und gleichzeitig auf eine Verständigung mit Deutschland drängt. Beaverbrook erklärt, daß das englische Weltreich — selbst im Kriegsfall — völlig unabhängig von len Ereignissen int übrigen Europa fei. Verpflichtungen in Mitteleuropa z. B. könnten England nur lächerlich machen und ihm schaden. Jeglicher Plan aber, England durch überflüssige Einmischungen in - einen Krieg htneinzuziehen, müsse glatt zurück« , gewiesen werden. Zwischen Deutschland und i England stehe nur eine Frage, nämlich die der -1 früheren deutschen Kolonien» Hierüber aber
G u i 11 o n und den Generalresidenten von Marokko ; General Nogues sowie maßgebliche Militärs, Beamte und Politiker hiiizugezogen. Die Ausgaben ; dieses Ausschusses hat Garraut dahin umschrieben, daß die Ordnung wiederhergestellt und gegen alle Agitatoren eingeschritten werden müßte. , Die Frage, wer die Unruhestifter sind, wird Sarraut kaum näher zu untersuchen brauchen, denn er hat sich darüber schon 1931 in seinem Buche über die Kolonictlpolitik ausgelassen. Wir lesen dort: „Das neue Unruhemoment ist der russische Bolschewismus, der mit einer geschickten Propaganda sich überall einnistet, in Asien und in Afrika, in der Türkei und in Japan, in Aegypten und in Marokko. In Afrika, ist die Politik des Bolschewismus nicht die ungeschickteste. Er agitiert unter den Eingeborenen mit dem Hauptschlagwort, daß die Kolonialbevölkerung durch den Imperialismus der Herrscher-Nation zu einem Sklavendasein herab- aewürdigt wurde." Sarraut erwähnt, wie er sich schon damals gegen diese Propaganda gewandt hat. Seitdem hat diese keineswegs an Bedeutung eingebüßt, sondern eher zugenommen.
Wichtige Organisationen der Eingeborenen tragen einen stark kommunistischen Charakter, wie z. B. die oben erwähnte algerische Volkspartei, die nach der Auflösung des „Nordafrikanischen Stern" dessen Erbe antrat. Die Volksfrontregierungen Blum und Chautemps tarnen diesen kommunistischen Agitatoren sehr gelegen, denn diese von den Kommunisten abhängigen Regierungen können nicht so energisch einschreiten und liefern andererseits wichtiges Agitattonsmaterial. Die Wiederherstellung der Ordnung wäre verhältnismäßig einfach, wenn Sarraut die Absicht hätte, gegen diese kommuni- ftischen Unruhestifter vorzugehen, und wenn er als Mitglied der Volksfrontregierung diese Absicht verwirklichen könnte. Aber Wiederherstellung der Ordnung allein genügt nicht, sondern notwendig ist auch die Beseitigung der Ursachen dieser Aufstände. Sarraut scheint erkannt zu haben, daß die Fragen der Sanierung Afrikas vorwiegend wirtschaftliche sind. In den Vordergrund wird er dabei die Hebung der landwirtschaftlichen ' (Erträge und die Besserung der Wohnverhältnisse in den im amerikanischen Tempo aufgeschossenen Städten sowohl wie auf dem Lande stellen.
Wichttg ist aber vor allem die Frage, ob Frankreich mit . der Bildung dieses Ausschusses vielleicht auch die Schaffung eines einheitlichen nord- afrikanischen Kolonialreiches anstrebt. Ein Teil der nordafrikanischen Schwierigkeiten ist z. B. daraus zurückzufübren, daß die verwaltungsmäßige und politische Organisation der drei Gebiete Höch st unterschiedlich ist. Algerien ist eine in drei Departements aufgeteilte französische Provinz, die dem Innenministerium unterstellt ist. An der Spitze von Tunis und Marokko stehen dagegen die bärtigen souveränen Fürsten, so daß es sich nur um Protektorate handelt, die vom Auswärtigen Amt kontrolliert werden. In der Begründung der Gesetzesvorlage über die Bildung des neuen Ausschusses wird nun auffallend stark unterstrichen, daß die Souveränität der Fürsten von Marokko und Tunis und die mit diesen geschlossenen Verträge durch diesen Ausschuß nicht berührt werden und daß es nicht die Absicht der Regierung sei, aus diesen drei Gebieten ein einheitliches zu machen.
Ferner ist bemerkenswert, wie neuerdings in den Berichten der französischen Presse über Nordafrika ausführlich bargelegt wird, baß man beim Ueber-
den in der Woche, die mit einem um 25 v. H. höheren Lohn bezahlt werden sollen, beschränken würden.
Ministerpräsident Chautemps kündigte an, daß die Regierung beschlossen habe, am Donnerstaqvor- mittag v o r die Kammer zu treten. Im Kabinettsrat stritten zwei Hauptmeinungen heftig gegeneinander. Ein Teil der Minister sprach sich für den sofortigen Rücktritt der Regierung noch am Mittwochabend aus, der andere Teil dagegen wollte die Kammeräussprache abwarten. Nach vielem Hin unb Her setzte sich schließlich der Standpunkt Chautemps durch und die Regierung beschloß, sich der Kammer zu stellen. Chautemps will hier eine Erklärung über die Gründe geben, bie ihn zur Beantragung bes Ermächtigungsgesetzes veranlaßt haben. So- zialbemotraten unb Kommunisten werben also gezwungen werden, ihre ablehnende Haltung gegenüber der Regierungsforberung auseinander zu setzen. „Epoque" sagt zu dem Beschluß des Kabinetts, die Kammeraussprache abzuwarten, das sei immerhin noch mehr wert als eine nächtliche Demission. Es besteht bie Aussicht, baß das Land wach gerüttelt werde unb bie dramatische Lage erkenne, in der es sich befinde. „Matin" erklärt, jetzt sei nicht der Zeitpunkt für politische Manöver und ver-


