Ausgabe 
10.3.1938
 
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Die

Der Marschall des Fernen Ostens alsAntistalinist" verdächtigt.

London, 10. März. (DNB. Funkspruch.)

Stalin wütet unter seinen Mitarbeitern

Aufschlußreiche Erklärungen des entflohenen Chefs des sowjetrussischen Militärspionagebüros.

Trauerbeflaggung am Heldengedenktag

Berlin, 9. Marz. (DBB.) Aus Anlaß des heldengedenklages fordert der Reichsminifter für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, am Lottnlag, dem 13. März 1938, Trauerbeflaggung zu fetzen. '

Front. Die Verluste der Rationalen sollen autzer- ordenllich gering sein.

Nationalspanien dankt für die Rettungsarbeit englischer Matrosen.

London, 10. März. (DNB.) Der nationallpa- nische Hauptagent in London, Herzog von Alba, sprach am Mittwoch im englischen A u ß e n a m t vor, um ein Schreiben seiner Regie­rung zu überbringen, in dem diese der britischen Flotte für ihre R e ttu n g s a rb e it nach der Torpedierung des nationalspanischen KreuzersBa- leares" ihren Dank ausspricht.

chen habe man in der Sowjetpreffe bekanntgegeben, daß Slutzkiunerwartet" gestorben sei. Es sei jedoch völlig sicher, daß Slutzki entweder hinter­rücks von den Leuten Jeschows ermordet wurde oder den Befehl erhielt, sich selbst das Leben zu nehmen. Gorki und Menschinfki habe Sta­lin selbst vergiftet. Stalin werde Rußland ins Unglück stürzen. Mehr als 75 v. H. der Leiter der Industrie- und Bergwerksunternehmungen seien verhaftet werden. Die befähigsten Offiziere der Armee feien in die Verbannung geschickt oder hin gerichtet worden, so daß heute die wich­tigsten militärischen Po st en mit An­alphabeten besetzt seien. Das russische Volk könne zwar die schwersten Leiden ertragen, eines Tages aber werde es doch das Blutbad des roten Diktators nicht weiter dulden.

Wann kommt Mcher an die Reihe?

Budapest, 9. März. (DNB.) DerUj Nernze- dek" veröffentlicht eine Unterredung mit dem kürz­lich aus Sowjetrußland geflüchteten früheren Chef des sowjetrussischen Militärspionagebüros, Wladi­mir K r i w i-tz t i. Dieser betonte, er habe einwand- reie Angaben in der Hand, daß Kirow von Stalin selbst umgebracht worden sei. Sta- ün habe später seine Gegner des Mordes an Ki­row angeklagt, um sich vor den Massen für die Hinrichtung Kirows zu decken. Stalin sei in der Irreführung der Massen sogar so weit gegangen, daß er nach Leningrad reiste, um persönlich die Un­tersuchung im Falle der Ermordung Kirows zu leiten. Als dann Jagoda die wahren Zusam­menhänge des Mordes entdeckte, sei gegen ihn e i n Anschlag verübt worden, der jedoch fehlge- chlagen sei. Als Stalin auch Bucharin und Rykow überflüssig und schädlich" empfand, habe er auch gegen sie die Anklage wegen des Mordes an Ki­row erhoben. Auf Anordnung Stalins seien Rykow und Bucharin vor den Zentralausschuß der Kom­munistischen Partei gerufen morgen,. Er selbst, Kriwitzki, erinnere sich, daß damals schon die bei­den Angeklagten in einem unbeschreib­lichen Rervenzu stgnd vor dem grünen Tisch erschienen, hinter dem Stalin thronte. Bu­charin habe mit Tränen in den Augen und gebro­chener Stimme erklärt, daß er niemals irgendeine Rolle bei der Ermordung Kirows gespielt habe. Stalin sei unbeugsam geblieben.Dies ist keine eines Revolutionärs würdige Verteidigung", habe Stalin erklärt,bring mir Beweise, dann werde ich dir glauben. Für die Beschaffung der Be­weise ist das Gefängnis, der beste Platz. Du bleibst solange dort, bis du die Beweise be­schafft hast."

Zwei Monate später habe Jeschow die Ver­haftung Jagodas angeordnet. . Gleichzeitig seien sämtliche höheren Beamte der GPU., die unter Jagoda arbeiteten,liquidiert" worden. Rur Slutzki, der Ehef der europäischen GPU., sei begnadigt worden, da die gesamte ausländische GPU.-Organisation in seiner Hand lag. Später habe sich jedoch auch sein Schicksale erfüllt. Vor zwei Wo-

Die lehien Angeklagten im Verhör

Der siebente Tag der Moskauer Zustizkomödie.

Salamanca, 10. März. (DRV. Funkspruch.) Die der Heeresbericht mitteilt, durchbrachen die natiouatfpanischen Truppen an der Aragon- Front die feindlichen Linien in vier Abschnitten und überrannten alle bolschewistischen Stellungen einschließlich der Reservestellungen. Sie drangen bis zu einer Tiefe von acht Kilometer vor. Zahlreiche Ortschaften wurden beseht und viele Gefangene gemacht. Umfangreiches, noch nicht zu übersehendes Kriegsmaterial wurde erbeutet. Der Vormarsch dauert an. Die Frontberichterstatter des Hauptquartiers bestätigen in ihren Meldungen, daß die nationalen Truppen bereits am ersten Tage der Offensive die für drei Tage gesteckten militärischen Ziele er­reicht haben. Der Angriff wurde am Mittwoch früh durch heftiges Geschühfeuer und Bombenabwürfe der nationalen Fliegerverbände auf die bolsche­wistischen Stellungen eröffnet. Um 10 Uhr hatten die Truppen des Generals Davila, der den Oberbefehl führt, bereits die wichtigsten Ziele e r r e i cstt. Die erstürmten Stellungen zählen zu den am stärksten befestigten an der ganzen

In einer offiziösen Mitteilung erklärt die natio­nalspanische Regierung weiter, die Welt habe erneut einen Beweis für die unmenschliche Kriegsführung der Bolschewisten er­halten, die die Schiffbrüchigen mit Ma­schinengewehren einzeln abzuschießen versuchten, während die nationalen Matrosen z. B. bei der Versenkung des roten U-Bootes 96 durch den ZerstörerVelasco" unter eigener Lebensgefahr den Gegner in Sicherheit brachten.

allmächtigen Jagoda den Tod MenschiNskis durch Heilpräparate eigener Erfin^ düng beschleunigt haben, die erLysate" nennt und deren Wirkung er noch jetzt lebhaft ver­teidigt.

Als letzterAngeklagter" wird Maximow vernommen, dessen kurze Aussagen dasVerhör" derAngeklagten" abschließen. Maximow be­hauptet, daß Jenukidse ihm 1932 die Stellung als Privatsekretär bei Kuibyschew vermittelt habe. Maximow will von Jenukidse und Jagoda den Auftrag erhalten haben, bei dem Anschlag auf Kuibyschew mitzuwirken, indem er das von den Aerzten vorgeschlagene falsche Heilver­fahren bei dem Kranken unterstützte sowie jeweils bei den akuten Anfällen des Herzleidens Kuiby­schews die ärztlicheHilfe" hinauszögerte. Die nächste Sitzung, die bereits dasPlädoyer" des Staatsanwalts bringen dürfte, wird für Donnerstag erwartet. Danach dürsten die An­wälte derAngeklagten" sprechen, am Freitag kann mit dem Schlußwort und mit der Verkündung des Urteils" gerechnet werden.

Aalionalspamsche Offensive an derAragon-Fronl

Bereits am ersten Tage beachtliche Erfolge.

letzte noch überlebende und zugleich auch mächtigste Säule Sowjetrußlands, Marschall Blücher, der die rote Fernost-Armee befehligt und über ein Gebiet regiert, das größer ist als China, scheint durch den Moskauer Schaupxozeß nun auch i n s Wanken zu geraten. Wie derDaily Expreß" aus Warschau berichtet, hat die GPU. das Haupt­quartier Blüchers in Cbaßarowsk vergangene Woche durchsucht, eine Änzahl Dokumente be­schlagnahmt und einsn engen Freund des Mar­schalls, Wareikis, verhaftet. Wareikis, der Se­kretär der kommunistischen Partei für den Fernen Osten war, werfe man vor, mit Rykow und Bucha­rin, die in dem augenblicklich spielenden Tbeater- Prozeß verwickelt sind, zugunsten fremder Mächte Spionage getrieben zu haben. In ganz Sowjetrußlond frage man sich, ob Blücher der nächste sein werde, der alsAntistalinist" abgeführt werde.

Frankreichs Kurs in Aordafrika.

Von unterem pp.Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, Februar 1938.

Den Wert seiner nordafrikanischen Besitzungen hat Frankreich immer vorwiegend darin gesehen, daß diese Gebiete wie im Weltkriege tüchtige Soldaten liefern. Ausschließlich diesem Gesichts­punkt ist z. B. die Eisenbahnpolitik unter­geordnet. Don Casablanca am Atlantischen Ozean nach Biserta nördlich von Tunis gehen die großen Linien, so daß die Truppen entweder von Casa­blanca nach Bordeaux, falls der Weg durchs Mittelmeer gefährdet ist, oder von den Mittelmeer­häfen nach Marseille geschafft werden können. Mit zuverlässigen Kolonialtruppen kann Frankreich aber nur rechnen, wenn es die Eingeborenen gut behandelt und diese sich wohl fühlen. Deswegen muß Frankreich in politischer, kultureller und wirt­schaftlicher Hinsicht alles tun, damit nie Unzufrieden­

schreiten der Grenzen von Algerien nach Tunis und von Algerien nach Marokko den Eindruck hätte, wie künstlich diese Grenzen seien und wie wenig sich die Natur und die Menschen unterscheiden. Bei der Bildung des Ausschusses wurde auch oft in der Presse bemerkt, daß nun ein entscheidender Schrit? im Interesse der einheitlichen Zu­sammenfassung des Kolonialreiches geschehen sei. Vieles deutet also darauf hin, daß Frankreich sich hier ein geschlossenes Imperium schaffen möchte, in das dann auch die anderen afrikanischen Besitzungen eingeschlossen würden, wo­bei der entscheidende Gesichtspunkt der der Er­höhung des militärischen Wertes dieser Kolonien ist.

Cboulemvs trist vor ht> Kammer

Paris, 9. März. (DNB.) In der innerpoliti­schen Entwicklung ist es auch am Mittwochabend noch zu keiner Entscheidung gekommen. Heber die Ausmaße des Ermächtigungsgesetzes er­fährt man aus radikalsozialen Kreisen, daß die Altersversorgung für die Arbeiter nur oufgeschoben werden soll, lediglich aus finan­ziellen Gründen, und daß die Ausnahme von der 4 0 - St undenwoche sich nur auf die Rüstungsindustrie und auf zwei Ueberstun-

Moskau, 9. März. (DNB.) Am Mittwoch ollen zunächst die Aussagen der übrigenange­klagten" Aerzte dasVerbrechen" Jagodas vollends abrunden. Der Herzspezialist Professor P l e t n j o w behauptet,., daß Jagoda ihn 1934 ge­zwungen habe, sich an der Beseitigung Menschinskis und Gorkis zu beteiligen. Pletnjow läßt weiter er­kennen, daß im Falle Gorkis und Kuibyschews von den behandelnden Aerzten sticht etwa Gifte oder unzulässige Medikamente angewendet worden seien, andern ein falsches, in den einzelnen Fällenun­passendes" Heilverfahren. Als Pletnjow von seiner40jährigen fleckenlosen medizinischen Tätigkeit" spricht, erinnert ihn der Staatsanwalt an eine Skandalgeschichte. Pletnjow soll sich an einer Patientin vergangen haben. Pletnjow er­klärt, er habe schon damals in einer geheimen Ge­richtssitzung diesen Vorfall bestritten und halte auch jetzt daran fest.

DerAngeklagte" Kasakow, der eher den Eindruck eines Variete- und Zauberkünstlers er­weckt als den eines Arztes, versucht, ganz in} Sinne des Staatsanwalts, Jagoda weiter zu bezichtigen. Er will ausgemeiner Furcht" vor dem

heit aufkommt. In den hetzten Jahren hat Frank­reich aber in wirtschaftlicher Hinsicht vieles unterlassen, so daß seine Kolonien von der Krise weit schwerer betroffen wurden als andere Telle der Welt und nun schon seit Jahren vor­wiegend sozial und wirtschaftlich bedingte Un­ruhen unentwegt aufeinander folgen, und die . schon sell längerem bestehenden Unabhängig­keitsbewegungen, wie die marokkanische Aktion, die algerische Volkspartei und der Destur in Tunis, immer mehr an Einfluß gewinnen, ins­besondere unter der gebildeten Jugend Nordafrikas. Der Vizepräsident der kolonialen Kommission der Kammer faßte vor einiger Zeit sogar seine Be­trachtungen über die französische Nordafrikapolitik in einem Artikel in der AM mit den Worten zu­sammen:Nordafrika war jahrhundertelang eine wichtige Kornkammer des römischen Welt­reiches. Nie dürfen mir zulassen, daß es heute unter der Oberherrschaft Frankreichs im Zeichen der Hungersnot, des wirtschaftlichen Elends und der politischen Aufstandsbewegung steht."

Die letzten Unruhen haben die französische Re­gierung veranlaßt, eine neue Körperschaft zu bilden, 2ftn nordafrikanischen Ausschuß, der unter dem Vorsitz des früheren Ministerpräsidenten und führenden französischen Kolonialpolitikers Albert ©ar raut alle Bemühungen zur Bekämpfung der nordafrikanischen Schwierigkeiten und zur Schaf­fung ausreichender Lebensoerhältnisse einheillich zu- fammenfassen soll. Zu diesen Beratungen hat Sar- raut vor allem ten Gouverneur von Algerien Le Beau, den Generalresidenten von Tunis

lönqerte Krisen. Das Geschwür müffe schnell geW werden. Der sozialdemokratische Parteworsitzende Leon Blum schreibt imPopulaire" spitz, . glaube nicht, daß die Stellungnahme der sozial« demokratischen Kammergruppefür Ministerpräsi­dent Chautemps eine Ueberraschung bedeutet habe. Die Ausführungen Blums lassen dabei die Ver­ärgerung durchblicken, die man in dem sozialdemo­kratischen Lager darüber empfindet, daß Chautemps nicht schon gestern abend z u r ü ck g c t r e t c n ist, andern die 'Kammeraussprache abwarten will.

Protest gegen die Gewährung der Staatsbürgerrechte an 200 000 algerische Eingeborene.

Paris, 9. März. (DNB.) Die Zahl der aus Pro« test gegen den Gesetzentwurf über bie Gewäh­rung der französischen Staatsange» börig Feit an 200000 Eingeborene zurück­getretenen Bürgermeister und Stadtverordneten Al­geriens nimmt täglich zu. Bis Mittwoch vormittag hatten bereits 92 Bürgermeister und über 100 Stadt­verordnete in den drei algerischen Departements hren Rücktritt erklärt. Unter den Zurückgetretenen ind besonders die Bürgermeister von Algier und Constantine zu nennen.

Reichsaußenminiffer von Ribbentrop in London.

London, 9. März. (DNB.) Der Reichsministev des Aeußeren von Ribbentrop traf mit feiner Frau am Mittwochnachmittag in London zu dem angekündigten Abschiedsbesuch ein. Der deutsche Geschäftsträger, Gesandter Woermann, hatte ich zu seiner Begrüßung in Dover eingefunden. In London wurde der Minister von den Mit« gliedern der deutschen Botschaft, dem Landes- gruppenleiter Karlowa unb zahlreichen Angehörigen der deutschen Kolonie am Bahnhof empfangen. U. a. hatte sich zur Begrüßung des Reichsaußen* ministers auch der österreichische Gesandte in Lon­don, Baron Franckenstein, am Bahnhof eingefunden. Am Nachmittag gaben Herr und Frau von Ribbentrop in der deutschen Botschaft einen Abschiedsemp fang für die Deutschen Londons,

Oie Stärke

der englischen Lustwaffe.

London, 9. März. (DNB.) Der Unterstaats- ekretär im Luftfahrtministerium Muirhead gab im Interhaus die Stärke der englischen Luftwaffe be­kannt. Am 1. März 1937 habe England über 25 Kampfgeschwader, 63 Bombengeschwa­der, zehn Geschwader, die mit der Armee zu* ammenzuarbeiten haben, 14 Aufklärungs­geschwader und vier Torpedobombengeschwader verfügt. Dazu kämen noch die 20 Geschwader der Luftwaffe der Flotte. Seit dem 1. März 1937 eien neu hinzugekommen : 5 Kampfgeschwa­der, 20 Bombengeschwader,- 5 Geschwader zur Zu- 'ammenarbeit mit der Armee und drei Aufklärungs­geschwader, eines davon aus Flugbooten bestehend. Die Anzahl der Flugzeuge wurde nicht genannt.

Anfragen im Unterhaus.

England hält seine Rechte auf die Pazifik- Inseln aufrecht.

L o ndon, 9. März. (DNB.) An den Premier­minister Chamberlain wurden im Unterhaus An­fragen wegen der Behauptungeil im Moskauer Schauprozeß gerichtet, daß der englische Geheimdienst eine unterirdische Tätigkeit gegen die Sowjetregierung entfaltet haben solle. Der Pre­mierminister erklärte, er bezweifle, daß man diesen Behauptungen, die völlig unwahr seien, irgendwo außerhalb der Sowjetunion Glauben chenken werde. Keiner von denen, die in Mos­kau als im Dienste des britischen Geheimdienstes tehend genannt worden feien oder eine unter­irdische Tätigkeit gegen, die Sowjetregierung aus- geübt haben sollen, fei im Diernst der briti­schen Regierung gewesen. Lady Muriel- Paget (die in dem Moskauer Schauprozeß genannt worden ist) habe nichts mit dem britk schen Geheimdienst zu tun. Jeder, der ihre Ar­beit kenne, wisse, daß sie rein humanitärer Art fei. '

Chamberlain wurde weiter wegen der Tatsache befragt, daß die Vereinigten Staaten die Pazi­fik-Inseln Kanton und Enderbury unter ihre Souveränität genommen hätten. Cham­berlain sagte, im vergangenen Jahre hätten dis Vereinigten Staaten die Gültigkeit des bri­tischen Anspruchs auf die Inseln der Phönixgruppe bestritten, zu denen auch Kanton und Enderbury gehörten. Der britische Bot* schafter in Washington habe der amerikanischen Re­gierung mitgeteilt, daß seine Regierung die juri- stische Lage trotz der amerikanischen Landung auf der Kanton-Insel als unverändert ansehe. Diese Insel sei von der englischen Regierung am 5. August 1937 tatsächlich okkupiert worden: es herrsche jetzt dort ein Derwaltungsbe- amter. Die englische Regierung halte auch alle Rechte auf die Phonix-Gruppe auf­recht. Man wolle der amerikanischen Regierung Vorschläge unterbreiten, die hoffentlich eine Basis für eine beide Seiten befriedigende Rege« l u n g bilden werden.

Keine überflüssigen Einmischungen.

Lord Beaverbrook fordert britische Zurückhaltung in Mitteleuropa.

London, 10. März. (DNB. Funkspruch.) Lord Beaverbrook, einer der drei großen englischen Zeitungsmagnaten, veröffentlicht imDaily Expreß", mit 2,5 Millionen Exemplaren eine der größten Londoner Tageszeitungen, einen Artikel, in dem er sich zunächst energisch für eine Politik der Isolierung Englands einsetzt und gleich­zeitig auf eine Verständigung mit Deutsch­land drängt. Beaverbrook erklärt, daß das eng­lische Weltreich selbst im Kriegsfall völlig unabhängig von len Ereignissen int übrigen Europa fei. Verpflichtungen in Mitteleuropa z. B. könnten England nur lächerlich machen und ihm schaden. Jeglicher Plan aber, England durch überflüssige Einmischungen in - einen Krieg htneinzuziehen, müsse glatt zurück« , gewiesen werden. Zwischen Deutschland und i England stehe nur eine Frage, nämlich die der -1 früheren deutschen Kolonien» Hierüber aber

G u i 11 o n und den Generalresidenten von Marokko ; General Nogues sowie maßgebliche Militärs, Beamte und Politiker hiiizugezogen. Die Ausgaben ; dieses Ausschusses hat Garraut dahin umschrieben, daß die Ordnung wiederhergestellt und gegen alle Agitatoren eingeschritten werden müßte. , Die Frage, wer die Unruhestifter sind, wird Sarraut kaum näher zu untersuchen brauchen, denn er hat sich darüber schon 1931 in seinem Buche über die Kolonictlpolitik ausgelassen. Wir lesen dort:Das neue Unruhemoment ist der russische Bol­schewismus, der mit einer geschickten Propa­ganda sich überall einnistet, in Asien und in Afrika, in der Türkei und in Japan, in Aegypten und in Marokko. In Afrika, ist die Politik des Bolschewis­mus nicht die ungeschickteste. Er agitiert unter den Eingeborenen mit dem Hauptschlagwort, daß die Kolonialbevölkerung durch den Imperialismus der Herrscher-Nation zu einem Sklavendasein herab- aewürdigt wurde." Sarraut erwähnt, wie er sich schon damals gegen diese Propaganda gewandt hat. Seitdem hat diese keineswegs an Bedeutung einge­büßt, sondern eher zugenommen.

Wichtige Organisationen der Eingeborenen tragen einen stark kommunistischen Charakter, wie z. B. die oben erwähnte algerische Volkspartei, die nach der Auflösung desNordafrikanischen Stern" dessen Erbe antrat. Die Volksfrontregierungen Blum und Chautemps tarnen diesen kommunisti­schen Agitatoren sehr gelegen, denn diese von den Kommunisten abhängigen Regierungen können nicht so energisch einschreiten und liefern andererseits wichtiges Agitattonsmaterial. Die Wiederherstellung der Ordnung wäre verhältnismäßig einfach, wenn Sarraut die Absicht hätte, gegen diese kommuni- ftischen Unruhestifter vorzugehen, und wenn er als Mitglied der Volksfrontregierung diese Absicht ver­wirklichen könnte. Aber Wiederherstellung der Ord­nung allein genügt nicht, sondern notwendig ist auch die Beseitigung der Ursachen dieser Aufstände. Sarraut scheint erkannt zu haben, daß die Fragen der Sanierung Afrikas vorwiegend wirtschaftliche sind. In den Vordergrund wird er dabei die Hebung der landwirtschaftlichen ' (Erträge und die Besserung der Wohnver­hältnisse in den im amerikanischen Tempo auf­geschossenen Städten sowohl wie auf dem Lande stellen.

Wichttg ist aber vor allem die Frage, ob Frank­reich mit . der Bildung dieses Ausschusses vielleicht auch die Schaffung eines einheitlichen nord- afrikanischen Kolonialreiches anstrebt. Ein Teil der nordafrikanischen Schwierigkeiten ist z. B. daraus zurückzufübren, daß die verwaltungs­mäßige und politische Organisation der drei Ge­biete Höch st unterschiedlich ist. Algerien ist eine in drei Departements aufgeteilte fran­zösische Provinz, die dem Innenministerium unterstellt ist. An der Spitze von Tunis und Marokko stehen dagegen die bärtigen souveränen Fürsten, so daß es sich nur um Protekto­rate handelt, die vom Auswärtigen Amt kontrol­liert werden. In der Begründung der Gesetzesvor­lage über die Bildung des neuen Ausschusses wird nun auffallend stark unterstrichen, daß die Souverä­nität der Fürsten von Marokko und Tunis und die mit diesen geschlossenen Verträge durch diesen Aus­schuß nicht berührt werden und daß es nicht die Absicht der Regierung sei, aus diesen drei Ge­bieten ein einheitliches zu machen.

Ferner ist bemerkenswert, wie neuerdings in den Berichten der französischen Presse über Nordafrika ausführlich bargelegt wird, baß man beim Ueber-

den in der Woche, die mit einem um 25 v. H. hö­heren Lohn bezahlt werden sollen, beschränken würden.

Ministerpräsident Chautemps kündigte an, daß die Regierung beschlossen habe, am Donnerstaqvor- mittag v o r die Kammer zu treten. Im Kabi­nettsrat stritten zwei Hauptmeinungen heftig ge­geneinander. Ein Teil der Minister sprach sich für den sofortigen Rücktritt der Regierung noch am Mittwochabend aus, der andere Teil da­gegen wollte die Kammeräussprache ab­warten. Nach vielem Hin unb Her setzte sich schließlich der Standpunkt Chautemps durch und die Regierung beschloß, sich der Kammer zu stellen. Chautemps will hier eine Erklärung über die Gründe geben, bie ihn zur Beantragung bes Er­mächtigungsgesetzes veranlaßt haben. So- zialbemotraten unb Kommunisten werben also ge­zwungen werden, ihre ablehnende Haltung gegen­über der Regierungsforberung auseinander zu set­zen.Epoque" sagt zu dem Beschluß des Kabinetts, die Kammeraussprache abzuwarten, das sei immer­hin noch mehr wert als eine nächtliche Demission. Es besteht bie Aussicht, baß das Land wach ge­rüttelt werde unb bie dramatische Lage erkenne, in der es sich befinde.Matin" erklärt, jetzt sei nicht der Zeitpunkt für politische Manöver und ver-