London
Siotieni
fylt selbstverständlich kein Mensch ge-
ausgestreut!
Aber das glaubt.
Wenn man erst die Zone der großen Stadt hinter sich hat, spürt man die Landluft, und Annas hübsche blaue Augen strahlen dann. Bis jetzt hat sie es noch keinem Menschen anvertraut, wie gern sie auf dem Lande lebte. Was hätte das auch für Zweck? Man würde nicht verstehen, daß sie, die so ganz allein stand im Leben, nicht heilfroh war, so gut und sicher untergekommen zu sein. Aber die Sehnsucht nach dem Landleben mußte ihr wohl als Erbteil von Mutters Vater her im Blute stecken, dessen schöner Hof an Fremde gefallen war.
Einige Male halle man bei solchen Fahrten den Besitzer Krekow besucht, ausgezeichneter Kunde und zuverlässig in seinen Zahlungen. Als Anna Mewes zum ersten Male die Kontobücher durchstudierte, war ihr sogleich ausgefallen, daß sich auf den Krekowschen Seiten nie ein Debet befand. Auch auf dem Hof und in den Ställen blitzende Sauberkeit und tadellose Ordnung. Und ein netter fröhlicher Mensch war dieser Heinrich Krekow zudem. An die Vierzig wohl schon, aber mit jungen Augen und straffem Gang.
„Heiraten? Ach nee! Vorläufig noch nicht!" halle er einmal zu Annas Chef gesagt, als der ihn in ihrer Gegenwart scherzhaft fragte, ob er denn auf dem Hof und in der Wirtschaft und überhaupt ohne Frau ausküme. Mit ernstem Gesicht hatte er dann zum Stubenfenster gedeutet, wo ein weiblicher Kopf sich über eine Handarbeit zu beugen schien. „Solange meine Schwester kein anderes Unterkommen findet, muß ich für sie sorgen. Tue es gern! Gott -sei Dank ist sie ihren Schuft von Mann jetzt los! Geschieden. Und zwei Frauen auf dem Hof? Lieber warten, bis meine Schwester innerlich so weit ist, daß sie sich nach einer neuen Ehe umsieht."
Das war damals. Seitdem ist Anna Mewes wohl noch ein oder zweimal mit Heinrich Krekow zusammengetroffen, immer in Begleitung des Cl)efs, und viel geredet hat niemand mit ihr. Aber gedacht hat sie oft an alles, an die Arbeit da draußen und an seine luftigen blauen Augen. „Schwer haben's doch wir Mädels! Nicht einmal merken lasten dür-
ft Hugo Eckener, «tonnte deutsche M Rriebssührer des L Michshafen, volle ’O. Lebensjahr.
tums gegen die Mittelmächte gewinnen muhte. Als Belohnung wurde damals Palästina nicht nur den Arabern, sondern auch den zionistischen Juden versprochen. Den in diesem doppelten Versprechen liegenden Konflikts- möglichkeiten glaubte England künftig dadurch begegnen zu können, daß es die bekannte Devise des „Teile und herrsche" auch in Palästina zur Anwendung brachte. Denn es stand in London von vornherein fest und wurde durch die Nachkriegsentwicklung noch bekräftigt, daß Palästina in Wirklichkeit weder den Juden, noch den Arabern, sondern den Engländern gehören müsse. Als Landbrücke nach Indien, wie als Schlüsselstellung des Seeweges nach Ostasien hat Palästina in der Tat eine lebenswichtige Funktion im Rahmen des Empire zu erfüllen. Das ganze strategische System des größten Reiches der Erde müßte zusammenbrechen, eine der stärksten Bastionen der weißen arischen Rasse überhaupt würde verschwinden, wenn England die politisch-militärische Oberaufsicht über das kleine Land am Jordan verlöre. Ist es da ein Wunder, daß sich an einem solchen Schnittpunkt weltweiter Interessen die glimmenden Funken eines verheerenden Kleinkrieges sehr leicht entzünden können?
Man könnte sich vorstellen, daß Eygland, um die dauernden, seine militärische Kraft und sein moralisches Ansehen erheblich belastenden Unruhen ein für allemal zu beseitigen, gleich Alexander dem Großen, den gordischen Knoten einfach so durchschlüge, daß Palästina entweder den Juden oder den Arabern zugesprochen wird. Die machtpolitischen Voraussetzungen für eine derartige Radikallösung wären wohl vorhanden. Wenn die Londoner Regierung trotzdem diesen Weg nicht einschlägt, sondern mit Kompromißversuchen, Teilungsplänen, Drahtverhauen und polizei-militärischen Vergeltungsmaßnahmen ziemlich unglücklich operiert, so liegt das eben daran, daß England auch heute noch — oder heute erst recht — auf beide Teile, auf Juden und Araber, Rücksicht nehmen zu müssen glaubt. Es fehlt in London der Mut zur Entscheidung. Fehlt auch die Fähigkeit dazu?
Diese Frage kann und soll hier nicht beantwortet werden. Es ist aber gewiß, daß der jüdische E i n fluß, der während der letzten Jahre an man-
„Na, Fräulein Mewes? Sie schlafen wohl?" ertönt plötzlich des Chefs belustigte Stimme. Sie schreckt auf, stammelt eine Entschuldigung und dann gleitet ein strahlendes Leuchten über ihxe Züge: neben dem Chef steht Heinrich Krekow! „Das einzige Mannsbild, das aufzutreiben war", sagt der Chef,' „und nu' mal ran!" Schon bückt er sich zum defekten Hinterrad herab. So sieht er nicht, mit welchem Ausdruck von glückhafter Ueberraschung die beiden sich die Hände reichen.
Später haben sie immer geschmunzelt, wenn von Reifenpannen gesprochen wurde, und an ihrem Polterabend ist in einer Ulkrede behauptet worden, Heinrich Krekow habe an jenem Tage spitze Nägel
fen wir es uns, wo wir hinmöchten, w^nn wir fühlen, wo unser Platz wäre im Leben, den wir ausfüllen könnten mit Begeisterung und mit echter und aufopfernder Liebe." —
Seit die neue Reichsautostraße das Dorf umgeht, nimmt der Chef immer den kürzeren Weg. Keine Hoffnung, daß man bloß mal so zum Guten-Tag- Sagen bei Heinrich Krekow mit heranführe. Krekow bestellt immer rechtzeitig, außerdem hat man Eile, es gibt genug Säumige, denen man sich in Erinnerung bringen muß, wenn man Geschäfte
Neuerwerbungen des Frankfurter Goethehauses.
Oie Panne.
Von Charlotte Kühl.
Anna Mewes ist nun schon sechs Jahre bei Müller & Sohn, Düngemittel en gros und en detail. Dem Chef ist ihre Kraft unentbehrlich, und manchmal nimmt er sie mit hinaus auf die Dörfer. Sie sitzt dann neben ihm im Auto und notiert immer gleich die aufgegebenen Bestellungen.
scheidung ersucht haben.
Wieder jüdische Terrorakte.
Jerusalem, 8.Aug. (DNB.) In Tiberias waren heute wieder j ü dische Terrorist e n
die Geldmacht des Internationalen Judentums mit seinen bolschewistisch-chaotischen Neigungen ein besserer Bundesgenosse für das Empire sein wird als die noch ungebrochene Volkskraft der arabischen ---- Ev.
Fast täglich liegen Berichte vor über Mordtaten, Feuergefechte, Terroraktionen, Bombenattentate und Ueberfälle in Palästina. Mehr als 150 Tote und viele hundert Verwundete stehen allein auf der Verlustliste des vergangenen Monats. Diele tausend Mann britisches MUitär bereiten sich zu einer neuen Expedition ins „gelobte Land" vor, und dennoch nimmt die Spannung in diesem Unruheherd immer noch zu. Nach einer Meldung aus Kairo find jetzt die gesamten arabisch-rnuselmanr- chen Völker zum 7.Oktober zu einem Allarabl- chen Palästina-Kongreß in die Hauptstadt Aegyptens gerufen worden, wo über die Lage in P a - löst in a beratschlagt werden soll und wo man Hilfsmaßnahmen für die unterdrückten.Araber be- chließen will. Nicht nur die englische Regierung, andern die ganze Welt blickt auf den verstärkten Aufmarsch der Gegner, auf diesen Zusammenprall völkischer Leidenschaften und machtpolitischer Interessen in einem kleinen orientalischen Land, das neben fruchtbaren Niederungen auch große öde Wüstenflächcn aufweist und dennoch nicht größer ist als die deutsche Rheinprovinz.
Die Hartnäckigkeit und Erbitterung, mit der die drei streitenden Parteien — Engländer, Araber und Juden — um die Vorherrschaft in Palästina kämpfen, wird sofort verständlich, wenn man sich an den Ausgangspunkt dieses Problems erinnert. Die P a - lüstinafrage, wie sie sich heute darstellt, entstand in einem der kritischsten Augenblicke, die die Geschichte des brllischen Imperiums aufzuweisen hat, nämlich im Weltkrieg, als England, um die höchste Gefahr für seine Existenz abzuwehren, gleichzeitig die Hilfe des internationalen Judentums und des Araber-
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Landon, 9.Aug. jung des auftralistl ja seine (Finör; t! bei den London« knben. Die „Tini < ’ittcis über Deutsche ■ verständnisvoller tonet als Beispie K hassen könne, d men Weltteiles 2 limm ohne finnij jtonaffityafiffldje W M sie sich in fyen Jipen englifd)en
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friedliebende Sudetendeutsche, andererseits haßerfüllte Gegner — nicht zu kraß, um überhaupt an eine Vermittlung denken zu können.
Hier ist schließlich auch nicht mehr ein Minderheitenproblem zu lösen, denn es geht um die Ordnung, die Verfassung des Staates als solchen, die derartige Zustände zulaßt.
Dank der Tschechen ist das „Minderheiten- problem" eine europäische Frage großen Stils geworden, eine Angelegenheit der Zivilisation, ja ein Problem des Friedens der Welt.
Tief muß in diesen Staat und seine Ordnung hin- eingegriffen werden, wenn man neues und größeres Unheil vermeiden will.
üunciman studiert Dokumente.
Prag, 9. Aug. (DNB.) Lord Runciman ist am Montag von Schloß Saar, wo er das Wochenende verbrächte, nach Prag zurückgekehrt. Am Nachmittag studierte er mit seinen Mitarbeitern die der Mission vorgelegten Dokumente. Der Ministerpräsident veranstaltet zu Ehren des englischen Vermittlers und seines Stabes am Dienstag ein Diner. Mr. Ashton Gwatkin, sowie der englische Gesandte in Prag, Newton, verbrachten das Wochenende in Karlsbad.
Scharfe Kampfansage an Prag.
Pittsburger Dokument nach Amerika mitgenommen.
Preßburg, 9. Aug. (DNB.) Arn Montag trat der Führer der slowakischen Abordnung aus Amerika, Dr. H l e t k o, von Rosenberg aus die Rückreise nach Amerika an. Das Original des Pittsburger Vertrages führt er wieder mit sich. Vor seiner Abreise nahm er Abschied von dem greisen Führer der Slowaken, Pater Hlinka.
Dr. Hletko stellte beim Abschied fest, er habe die Verhältnisse gründlich studiert und festgestellt, daß die Beschwerden der Slowaken in der Tschecho-Slowakei vollkommen berechtig seien. Es sei notwendig, den Kamps noch schärfer zu führen. Er werde die Slowaken in diesem Kampf durch verschärfte Aktionen aus Amerika unterstützen.
Pater Hlinka erwiderte darauf: „Wir müssen hier noch kämpfen, denn das slowakische Volk ist ohne Rechte. Man beschmutzt uns, man schlägt uns, aber trotzdem gehen wir nicht in die Knie. Gerade jetzt erheben wir.das Wort, die Waffe für unser Recht. Wenn es notwendig sein wird, werden wir uns auch schlagen. Wir haben ein klares Ziel und sind einig. Ein Ziel, ein Dolkswille führen uns, und wir werden siegen!"
Fährt Krosta nach Neuyork?
^Morgen begann MfS, wo er wfni Hj® und Sta t30 Sammer und
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chen hohen Amtsftellen in London vorherrschend gewesen ist, nicht wenig dazu beigetragen hat, die Lage in Palästina zu v e r s ch a r s e n. Bezeichnend für die gegenwärtige Situation im gelobten Lande ist das überaus starke Anwachsen der sogenannten Neuzionisten, einer redikalen jüdischen Bewegung, die eine jährliche Einwanderung von 150 000 Juden fordert und nicht nur ganz Palästina, sondern auch das benachbarte Trans jo rdani en für die jüdische* „Besiedlung" beansprucht. Die Neuziomsten ober Revisionisten, die angeblich über 700 000 Anhänger verfügen, und öffentlich die Anwendung von G e w a l t, d. h. also den Terror predigen, haben übrigens eine starke moralische Unterstützung durch den bekannten englischen Labour-Abgeordneten Oberst Wedgwood erfahren, der es mit feiner Würde als ehemaliger Minister und Mitglied des Geheimen Staatsrates für vereinbar hielt, durch einen Brief die Palästina-Juden zum passiven und illegal bewaffneten Widerstand gegen die englischen Behörden aufzufordern! An der zunehmenden Zahl der jüdischen Terrorakte und der arabischen Todesopfer läßt sich die Wirkung dieses in hunderttausend Flugblättern verbreiteten Schreibens deutlich genug
siegt diese Quelle einmal, so wäre der ganze Juden st a a t im Handumdrehen pleite. Dazu kommt der Widerstand des Arabertums, bas sich von den Juden weder ausplündern, noch als Bedien st etenvolk mißbrau- ch e n, noch seinen Grund und Bodenbesitz abkaufen lassen will. So sind der jüdischen Expansion im vorderen Orient, die ja auf nichts anderes als auf die Ausbeutung berbort wohnenden Döl- Eer hinzielt, natürliche Grenzen gezogen, die auch England berücksichtigen muß. Denn hinter den valä- stinensifchen Arabern steht die ganze islamische Welt, die zwar politisch nicht geeinigt ist — die panarabische Idee ist immer noch ein bloßes Schlagwort — die aber doch von einem eigenen, über alle Staatsgrenzen hinweg reichenden Nationalismus schon erfüllt ist. Mit diesen Ländern und Mächten, mit Aegypten, Transjordanien, Hedschas, fernen, Syrien und Irak wie auch mit den mohammedanischen Indern, aber darf England es nicht verderben, wenn es den Durchgang durch die zwischen Afrika und Asien liegende Ländermasse auf die Dauer sichern will.
Der Kamps um Palästina hat sich jetzt so zuge- spitzt, daß man in London um eine Entscheidung in dem einen oder anderen Sinne nicht mehr her umkommen wird. Dabei ist es sehr die Frage, ob
gen erlitten. Unmittelbar daraus explodierte in einer anderen Straße eine wettere Bombe, durch die jedoch glücklicherweise niemand verletzt wurde. Eine dritte Bombe konnte noch vor der Explosion un-
ganze Reihe wichtiger Goethe-Erinnerungen envom den und dem Museum einoerleibt werden. Doi Goethes Malerfreund Philipp H ackert, dem er in Italien begegnete und von dem er mehrfach 1 schrieb, konnte ein frühes, aber sehr gutes Bild | erworben werden. Es ist ein Meerstück „Hafen von i Neapel" mit gut komponierten lebendigen Gruppes- Ferner ist neu das Bildnis eines Mannes aus ban Kreis Goethes. Es ist der Berghauptmann vo-i Tebra, den Anton Graff 1808 gemalt hat. Dsc Berghauptmann, der auf dem Bild feine schmM schwarze Berghauptmanns-Uniform trägt, war be geologische Berater Goethes. Neu sind auch M gute Landschaften von Friedrich Preller (kJ* bis 1878). lieber das eine der beiden Bm>k „Bäume im Sturm", das die Stimmung des U*' j wetters wiedergibt, Ijat Goethe sich zu Eckermono 1 geäußert: „Ich bin gewiß, daß Prellern einst oc» Ernste, Großartige, vielleicht auch das Wilde gM vortrefflich gelingen wird." Als lebendige CEtin** | rung an Goethes Weimarer Zeit wurde ein von Ferdinand Jagemann (1780 bis 182*J' . „Spielende Kinder im Weimarer Park", erworben j Als Leihgabe, deren Erwerb aber vorgesehen 1 sieht man noch ein Bildnis Johann Heinr. 3Uf *' b e i n 5 , „Der Maler mit seinen Töchtern", (Hw Ebenfalls als Leihgabe bewundert man eine ®uii* von Clemens Brentano, die Friedrich Tieck o* macht hat. Es ist eine Porträt-Plastik, die ju H schönsten der klassizistischen Zeit zählen dürfte. Aut andere kleine Erinnerungsstücke wurden dem Pu»'^ kum erstmalig zugänglich gemacht. So sieht m3T jetzt die von dem Geigenbauer Eugen Spre»j q e r in Frankfurt wieder hergestellte Gitarre b- Marianne von Willemer, die chr auf der lienreise geschenkt wurde. Sie hat sogar Saiten erhalten und-ist spielbar wie zu Marianne- Zeiten. Ebenfalls ganz neu ermatten ist ein ru zückendes Porzellan-Service aus Weimar. Die go c ( umrahmten Taffen, Kanne, Dose und Milchkanr zeigen alle auf der Vorderseite schöne farbige * anfichten von Weimar und bedeuten eine mertoc Bereicherung der Porzellan-Sammlung des Hauses. Im kürzlich originalgetreu hergenchte- Comeliazimmer hat man eine Büste der Lili aufgestellt. Die jeden Beschauer unmtttel^ anrührende Plastik ist das Werk des Munch Künstlers Heinrich Wirsing.
' »«, 8. Nug. (2 ! -Icheu Armeekorps । Em in der fofffi * Aufbau der 2
Hexenkessel Palästina - ernste englische Sorge
Oie schweren Folgen eines doppelseitigen Versprechens.
machen will.
Anna Mewes klopft richtig das Herz, als der Kirchturm auftaucht. Kurz vor dem Dorf wird also der Ches links abbiegen. Immer unruhiger wird sie. Soll sie doch noch schnell einen Vorschlag machen? Aber welchen?
Die nächsten Sekunden müssen die Entscheidung bringen. Ihr Blick ist unablässig aus das Steuerrad geheftet. Jetzt, jetzt gleich wird sie wissen, ob sie Heinrich Krekow wiedersieht oder nicht! — Da ... vollziehen des Chefs kräftige Hände die Drehung nach — links, — und schon gleitet man auf der neuen schönen Prachtstraße dahin. Das Dorf bleibt rechts liegen.
Eine merkwürdige Leere entsteht in Annas Herz. Es soll aber nicht sein, denkt sie, fühlt sich plötzlich erschöpft und müde, ach, so müde. Schlafen während der langen Fahrt! Und für ein Weilchen schließt sie die Augen, gibt sich dem Gefühl des Gleitens hin, diesem Rhythmus der vollendet gebauten Straße. Es soll nicht sein, es soll' nicht sein, denkt sie unaufhörlich.
Plötzlich ein scharfer Knall, die Bremsen kreischen, ihr ganzer Körper wird nach vorn geworfen. „Panne", brummt wütend der Chef, reißt auch schon die Tür auf und klettert hinaus. Als Anna sich umsieht, bemerkt sie, daß man keine fünfzig Schritt vor dem Gaschos gelandet ist, dort, wo die alte Straße in die neue mündet. Drüben, jenseits des Roggenfchlags, liegt Heinrich Kretows Gehöft.
„Bleiben Sie beim Wagen, Fräulein Mewes", sagt der Chef. „Mal sehen, ob in den .Drei Linden' ein paar kräftige Arme aufzutreiben sind!"
Anna steht jetzt auch draußen. Sie hat die Mütze von den blonden Haaren gestreift und läßt sie im Winde flattern. Ihre Augen suchen Krekows Haus. Rauch steigt aus dem Schornstein. Ob er zu Haus sein mag? Was würde mir das nützen! Wir müssen ja jetzt doppelt schnell wetter. Sie fetzt sich auf den blumigen Grabenrand, schließt von neuem die Augen, genießt andächtig den Lerchenjubel, der vom sommerblauen Himmel herniederperlt.
Prag, 8.Aug. (Europapreß.) Blättermeldungen zufolge soll Außenminister Dr. K r o f t a in der zweiten Augusthälfte nach N e u y o r k reifen.
Deutschfeindlicher Hetzer kauft Betriebe auf.
Prag, 9. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die lange Liste der F ab r i k v e r k äu se jüdischer Industrieller aus sudetendeutschem Gebiet an Tschechen ist durch eine neue Transaktion bereichert worden: Die Firma Bata A G. in Zlin hat die Maco- Spinnerei Cichorius & Co. AG. in Crazau erworben. Dieser Verkauf erweckt naturgemäß nicht nur bei der Arbeiterschaft des Unternehmens, das in letzter Zeit etwa 300 bis 350 Arbeiter beschäftigte, sondern auch in der ganzen sudetendeutschen Oesfent- lichkett neuerlich berechtigte Befürchtungen. Bekanntlich ist der Inhaber der Schuhfirma Bata AG. in Zlin erst vor kurzem durch übIe deutschfeindliche Aeußerungen in der Presse bekannt geworden. __________________________
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„Kranke Briefe.^
Bei der Londoner Post gibt es eine Abteilung „Kranke Briefe", deren Beamte jetzt um eine Gehaltserhöhung eingenommen sind, indem sie auf die besondere Schwierigkeit ihrer Arbeit hinwiesen. Es handelt sich um die Briefe mit unleserlicher oder ungenügender Anschrift, deren Unterbringung viel Scharfsinn und Mühe erfordert. Zur Begründung ihres Wunsches nach höherem Gehalt haben sie eine Anzahl Beispiele mit eingereicht. Es sind wahre Hieroglyphen, mit denen sie da zu tun haben. Uebri- gens hat das Postamt, in dessen Bezirk das Britische Museum liegt, die größte Zahl von solchen „kranken Briefen"; in manchen Fällen werden diese einfach zur Bibliothek des Museums geschickt, und die Bibliothekare, die an das Entziffern schwieriger Handschriften gewohnt sind, stellen Nachforschungen nach dem Absender an. Eine große Schwierigkeit machen auch die Anschriften auf Briefen von Ausländern, die sich mit den Tücken der englischen Orthographie nur sehr schwer abzufinden wissen, mit denen die Untertanen Ihrer Britannischen Majestät häufig genug auch zu ringen haben. Den Postbeamten ist es aber schon ganz geläufig, daß, wenn „flifta" geschrieben ist, ,Leicester" gemeint fein soll, und „Glosta" lesen sie ohne weiteres als „Gloucester"; aber eines Tages brach ihnen doch der Angstschweiß aus, als sie lange ratlos vor „Arijaba" standen, bis ein besonders Kluger eine Erleuchtung hatte, daß „Harwich Harbour" damit gemeint war. Es gibt nicht viele Postbeamte, die für diesen schwierigen Dienst geeignet sind, und sie müssen eine Prüfung bestehen, ehe sie eine solche Stellung erhalten.
schÄllich gemacht werden. Ueber die Altstadt von Tiberias ist ein 42stündiges Ausgehverbot verhäng! worden. Im Norden von Jerusalem wurde ein jüdischer Terrorist durch Schüsse schwer verletzt.
Sin lahmer Aufruf.
Derartige Worte hat man schon oft gehört.
Jerusalem, 8. August. (DNB.) Der eng» lische Oberkommissar für Palästina richtete am Montagabend einen Rund f unkap p ell an. die Bevölkerung Palästinas, in beim er sie zum Frieden aufforöerte.
Der gegenwärtige Augenblick, so erklärte erti scheine geeignet, einen besonderen Appell an alle Menschen dieses Landes zu richten, alles in ihre» Macht stehende zu tun, um den Frieden wieder herzu st eilen. Dieses Ziel könne nur er reicht werden durch die aktiven Bemühungen uB das ernste Mitarbeiten aller gemäßigten Männei und Frauen, welcher Nationalität und welche« Glaubens sie auch seien. Diejenigen, die Gewalt anwendeten, so betonte er, erwiesen der Sache, dir, ihnen selbst am meisten am Herzen liege, ber schlechtesten Dienst. Wenn sie der Welt b# weisen wollten, daß sie fähig seien, sich selbst 3W regieren, so bewiesen sie jetzt durch die Tat, daß fiü hierzu nicht fähig seien. Wenn sie nicht berett feiern, von ihren vollen Forderungen abzugehen, zwänge» sie die Regierung, nicht nachZugebeU Es werde nicht möglich sein, in der HauptpoM! des Landes vor Ablauf der nächsten Monate end.» gültige Entscheidungen zu treffen. Er wisse nicht was die Kommission empfehlen und bie_ britisch - Regierung beschließen werde, doch sei er überzeugt, daß das Andauern der Gewalttaten feinen Einfluß hierauf haben werde, sondern nur den Tätern selbst Schaden bringen werde.
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Die radikaljüdische Lösung des Palästinaproblems ist jedoch schon aus dem Grunde nicht möglich, weil die zu wirklich kolonisatorischer Arbeit nicht fähigen und nicht bereiten jüdischen Einwanderer sich in eigenem Staat nur solange halten könnten, wie der von außen kommende Kapitalzustrom anhält. Ver- Völker.
London, 8. Aug. (DNB.) Wie in unterrichte-1 am Werk. Durch einen Bombenwurf auf ben fen Kreisen erklärt wird, dürfte Ministerpräsident Markt von Tiberias würbe eine Araberin schwer Chamberlain, der seinen Urlaub unterbrochen | verletzt, während mehrere Araber leichte Derletzun- hat und zur Behandlung Zeines Nasenkatarrhs nach----*----«*<"****• '« —
London zurückgekehrt ist, die Gelegenheit zu Besprechungen mit Außenminister Lord Halifax und Kolonialminister Macdonald benutzen. Lord Halifax trifft zu einem der vorgesehenen wöchentlichen Besuche im Foreign Office ein, mal)- rend Macdonald am Mittwoch von seiner überraschenden Reise nach Palästina in London zurückerwartet wird. Diese Reise war bei einer Besprechung, die Macdonald mit Chamberlain in der ver- gangenen Woche kurz vor dessen Abreise nach Schottland hatte, beschlossen worden. In gut unterrichteten Kreisen wird darauf hingewiesen, daß die außenpolitische Lage immer noch B e - forgnismomente in sich berge. Lord Halifax werde daher Chamberlain wahrscheinlich über die Lage in Spanien und im Fernen Offen, sowie über die Mission Lord Runcimans eingehend unterrichten. Am zuversichtlichsten werde in britischen amtlichen Kreisen die f e r n ö st l ich e Lage beurteilt, und man hoffe immer noch, daß der sowjetrussisch-japanische Streit lokalisiert werden könne. Macdonald werde dem Premierminister wahrscheinlich aus erster Hand seine in Palästina gewonnenen Eindrücke wiedergeben. Es sei noch nicht abzuschen, so wird hinzugefügt, wie lange Chamberlain in London bleiben werde.
Die Verbindung zwischen der Palästina- frage und der Rückkehr des Ministerpräsidenten sieht der diplomatische Korrespondent des „Daily Herold" in der Forderung der englischen Mandatsbehörde nach sofortiger Verhängung des Belagerungszustandes über ganz P a- 1 ä st i n a. Wie es heißt, soll Kolonialminister Macdonald sich während seines Wochenendaufenchal- tes in Palästina diese Forderung zu eigen gemacht und den Ministerpräsidenten um eine sofortige Ent-


