Ausgabe 
9.3.1938
 
Einzelbild herunterladen

führt zu werden, würde eine Neuordnung der internationalen Pressebeziehungen nach den Vor­schlägen Dr. Dietrichs am allermeisten begrüßen. Denn er ist selber das häufigste Objekt der auslän­dischen Lügen- und Kriegshetze. H. Evers.

ZweiterWanderbund"-prozeß vor dem KattowitzerAppellationsgericht. Schwere Strafen gegen jugendliche Deutsche wegenGeheimbündelei" bestätigt.

Kattowitz, 7. März. (DNB.) Nachdem, wie schon berichtet, erst vor wenigen Tagen das Katto- witzer Appellationsgericht in der Berufungsver­handlung in dem Kattowitzer Wanderbund-Prozeß das Urteil der ersten Instanz gegen 34 angeklagte jugendliche Deutsche bestätigte, ging vor dem glei­chen Gericht nun der zweite Teil dieses Prozesses zu Ende. Die Staatsanwaltschaft Tarnowitz dehnte nach Abschluß des ersten Wanderbund-Prozesses im November 1936, in dem 41 jugendliche Deutsche we­gen angeblicher Geheimbündelei auf der Anklage­bank saßen, das Verfahren auf w e i t e r e 2 6 Per- fönen durchweg im jugendlichen Alter aus, die gleichfalls den inzwischen aufgelösten deut­schen JugendvereinenOberschlesischer Wanderbund Kattowitz" undTarnowitzer Wanderbund" ange­hörten. Auch in diesem Fcllle erblickte der Anklage­vertreter das Dorliegen derGeheimbündelei" darin, daß diese beiden Vereine untereinander ge­heime organisatorische Verbindungen und Untergliederungen aufrecht erhalten hätten. Außerdem sei in den Vereinenpolitische Er­ziehungsarbeit im geheimen geleistet worden.

Von den 26 Angeklagten wurden im ersten Pro­zeß sechs zu je einem Jahr Gefängnis und acht zu Gefängnisstrafen von zwei bis zu sechs Monaten verurteilt. Bei elf Angeklagten unter 17 Jahren wurde die Unterbringung in einer Er- ziehungsanstalt angeordnet. Nur in einem Fall kam das Gericht zu einem Freispruch. Neun minder­jährigen Jungen und Mädchen wurde eine Bewäh­rungsfrist von drei bzw. vier Jahren zuerkannt. Das A p p e l l a t i o n s g e r i ch t, das sich auf Grund des Einspruchs der Verteidigung und der Anklagebehörde mit der Angelegenheit erneut zu befassen hatte, bestätigte auch hier die Urteile der ersten Instanz in vollem Umfange. In der Urteilsbegründung wurde erklärt, daß die Schuld der Angeklagten außer Frage stehe und jeder einzelne entsprechend seiner gesetzwidrigen Betäti­gung in den oben genannten Jugendvereinen be­straft werden müsse.

Erleichterte Bereitstellung von Land für Kleingärten und Kleinsiedlungen.

Berlin, 8. März. (DNB.) Bisher konnte Land zur Errichtung von Kleingärten nur für Erwerbs­lose enteignet werden. Die Beschaffung von Klein­gartenland ist nun allgemein erleichtert worden, damit der sich immer stärker bemerkbar machende Mangel an neuem Kleingartenland be­hoben und Ersatzland für die Kleingartenanlagen beschafft werden kann, deren Räumung sich infolge dringender Bauaufgaben nicht vermeiden läßt. Weiter fft bestimmt, daß auch bereits klein- gärtnerisch genutztes Land, das die Eigentümer anderen Zwecken zuführen wollen, gegen angemessene Entschädigung enteignet werden kann, um es dauernder kleingärtne- rischer Nutzung zu erhalten. Die Finanzierung der Landbeschaffung wird dadurch erleichtert, daß die Enteignungsentschädigung in wiederkehrenden Lei­stungen gewährt, also allmählich aetilgt werden kann, wenn hierdurch die Lage der Ent­schädigungsberechtigten nicht unbillig erschwert wird. Der Reichsarbeitsminister kann mit Zustimmung des Reichsministers der Finanzen die Reichsbürg­schaft für die Zahlung der wiederkehrenden Leistun­gen übernehmen.

Großzügige Meliorationen in Nord-Hannover.

Diepholz, 8. März. (DNB.) Der Oberpräsi­dent der Provinz Hannover, Stabschef Lutze, unternimmt eine Besichtigungsfahrt durch den Nor­den der Provinz. In Diepholz besichtigte der Ober­präsident die Vorarbeiten zu dem Projekt der Duemmer-Hunte-Regulierung. Immer wiederkehrende Ueberschwemmungen machten hier bisher jeden Fortschritt der Landbevölkerung zunichte. Von dem von Ueberschwemmungen geschützten Acker­land können 51 000 Zentner Roggen geerntet werden. Die jährlichen Mehrerträge des geschützten Grün­landes werden über 51 Millionen Liter Milch oder 3,8 Millionen Pfund Butter betragen. Wenn man die Mehrerträge auf die gewonnene Gesamtfläche umrechne, würden damit 21 000 Hektar Neuland ge­schaffen werden. Ein Gebiet im Gesamtumfange von 47 000 Hektar, also größer als die Pontinischen Sümpfe, soll jetzt in Kulturland umgewandelt wer­den. Die Kosten für die Wasserregulierung betragen rund neun Millionen Mark, die zu 90 v. H. vom Reiche übernommen werden. Weiterhin sind noch 30 Millionen erforderlich, um die Flächen, die durch die dauernden Ueberschwemmungen völlig versauert sind, in wertvolles Pflanzenfuttergelände zu ver­wandeln.

Arbeitstagung der deutschen Anwaltschast/

Berlin, 7. März. (DNB.) Die Arbeitstagung der Reichsgruppe Rechtsanwälte des Nationalsozia- liftischen Rechtswahrerbundes hat folgende Ergeb­nisse gehabt: Der Ausbau des Gesetzes zur Ver­hütung von Mißbräuchen auf dem Gebiete der Rechtsberatung wird lebhaft begrüßt. Ferner müh­ten weitere Bereinigungen des Ein­ziehungswesens erstrebt werden. Einer un­angemessenen Ausbreitung der Schiedsgerichtsbar­keit sei entgegenzutreten. Das Verhältnis des Syn- dikus-Anwalts mit der Beschränkung der Prozeß­vertretung zum freien Anwalt sei weiter zu sichern. Beste Erfahrungen sind mit den Fortbiloungskur- sen des Arbeitswertes des NSRB. gemacht worden. Aus den Erfahrungen mit dem amtlichen Probe- und Anwärterdienst wurden Vorschläge über eine zweckmäßige Auswahl der für den Beruf Geeig­neten mitgeteilt und eine Angleichung der Assesso­ren des anwaltlichen Probe- und Anwärterdienstes und der Notariatsassessoren angeregt. Nach den An- ordnunaen des Reichsministers Dr. Frank, sind die Mitglieder der Reichsgruppe Rechtsanwälte die alleinigen Träger der NS.-Rechtsbetreu- u n g. Diese erstreckt sich bisher in der Regel nur auf die Rechtsberatung. Die Reichsgruppe erklärt sich zur Ausgestaltung dahin oereit, daß die Anwälte in Armensachen vor den Amts- gerichten kostenlos die Prozeßvertretung übernehmen, soweit das Armenrecht nur für die Gerichtskosten bewilligt wird.

Herbert Hoover in Berlin.

Oer Führer empfängt den ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Schacht begrüßt Hoover als Vorkämpfer internationaler Zusammenarbeit.

Berlin, 8. März. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing den auf seiner Europa­reise in Berlin eingetroffenen ehemaligen Präsi­denten der Vereinigten Staaten von Amerika, Dr. Herbert Hoover, der von dem amerikanischen Botschafter in Berlin, Mr. Wil­son, begleitet wurde.

Die Vereinigung Carl Schurz veran­staltete zu Ehren des früheren Präsidenten einen Empfang, an dem zahlreiche Vertreter von Partei und Staat teilnahmen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hob hervor, daß Präsident Hoover schon frühzeitig den geistigen Kontakt mit Deutschland gefunden habe. Er gedachte hier­bei insbesondere der Zusammenarbeit bei der Sicher­stellung der Ernährung der belgischen Bevölkerung während des Weltkrieges. Präsident Hoover habe ferner nach dem Waffenstillstand die Leitung der Hilfsorganisation übernommen, die sich der vorn Hunger bedrohten Kinder in Ost- und Mitteleuropa annahm. Aus demselben Ver­antwortungsgefühl heraus habe sich Hoover als Präsident der Vereinigten Staaten im Jahre 1931 während der allgemeinen Wirtschaftskrise entschlos­

sen, entscheidende Schritte zu unternehmen, um end­lich die Weltwirtschaft von den Folgen des Krieges zu befreien und den Weg zu einer inter­nationalen Verständigung zu bahnen. DasHoover-Moratorium" führte zu dem Lausan­ner Abkommen von 1932 und damit zum Ende derReparationen.

Präsident Hoover dankte für den herzlichen Empfang, den ihm die Vereinigung Carl Schurz bereitet habe. Ausgehend von seinem Interesse für die technischen Errungenschaften habe er schon ftüh- zeitig eine große Bewunderung für die führende Rolle erhalten, die die deutsche technische Wissenschaft seit 500 Jahren innehabe. Es habe seiner Auffassung von der Notwendigkeit inter­nationaler Zusammenarbeit entsprochen, wenn er sich mit allen seinen Kräften für die Wiederherstel­lung der durch den Krieg unterbrochenen inter­nationalen Beziehungen eingesetzt habe. Gerade die Arbeit, Die die Vereinigung Carl Schurz leiste, sei von besonderer Bedeutung für die freundschaftlichen Beziehungen der Völker unter­einander.

Die italienische Flottenparade vor dem Führer.

Vorführungen von mehr als 200 Schiffseinheiten im Golf von Neapel.

Der Führer wird die Parade zusammen mit dem Duce an Bord des Admiralschiffes Conte di Cavour" abnehmen, das unser Bild zeigt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

4

WB

Rom, 8. Marz. (DNB.) lieber die große Flotten­parade zu Ehren des Führers im Golf von Neapel wurden interessante Einzelheiten ver­öffentlicht. An der Parade nehmen über 200 Schiffseinheiten teil, darunter die zwei um­gebauten 25 000-Tonnen-LinienschiffeC a v o u r"

undCesare" sowie 90 U-Boote. Der Führer wird zusammen mit dem Duce an Bord des AdmiralsschiffesCavour" die Parade abnehmen. Der erste Teil der Parade spielt sich im Hafen von Neapel ab, wo das gesamte erste Geschwader in geschlossener Formation den Führer erwartet. Nach den vorgeschriebenen Ehrenbezeugungen wird das

Der Golf von Neapel. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Geschwader geschlossen den Hafen verlassen. Der zweite Teil zerfällt in eine Reihe von Kampf­handlungen, die unter Teilnahme der ge­samten U-Boot-Flottille des zweiten Geschwaders unter weitgehender Einnebelung ihrer Formationen und unter starkem Einsatz von Bombenge­schwadern bis auf die Höhe der Insel Ischia durchgeführt werden. So werden U-Boot- und Torpedo angriffe auf die beiden LinienschiffeCa­vour" undCesare^ stattfinden. In einer weiteren Phase werden Scharfschießübungen auf das funkentelegraphisch gelenkte ZielschiffSan Marco" ausbeführt. Später wird auf der Höhe der Insel Ischia ein Durchbruchsmanöver einer Torpedobootsflottille durchgeführt, an­schließend werden die Linienschiffe von Flug- geschwadern mit Bomben- und Lufttorpedos aus geringster Höhe angegriffen werden.

Ein gewaltiges Schauspiel wird die Schlußphase bilden, während der sich sämtliche Einheiten der beiden Geschwader fächerartig vom Fuße des Vesuvs bis hinüber nach dem Posilippo verteilen und in vollem Flaggenschmuck auf einer Front von über 10 Kilometer Anker leaen. An dieser Front werden alsdann die geschlossenen IttBoots- Formationen vorbeifahren, während gleichzeitig die Schnellboote mit größter Geschwindigkeit im ganzen Hafen ausschwärmen und die Flugzeuge noch ein­mal über dem Golf erscheinen. Abends werden die Kriegsschiffe festlich illuminiert werden und den ganzen Golf mit dem Spiel ihrer gewaltigen Scheinwerfer beleben.

Krisenstimmung in Paris.

Chautemps will ein finanzielles Ermächtigungsgesetz fordern.

Paris, 9. März. (DNB.) Ministerpräsident C haut em ps soll im Kabinettsrat, bevpr er ein Ermächtigungsgesetz in finanziellen und sozialen Fragen anregte, erklärt haben, er sei bereit, zurückzutreten und die. Regierung einem Kabinett zu überlassen, das aus angesehenen politischen Persönlichkeiten, wie z. B. ehemali­gen Ministerpräsidenten, gebildet werde. Der Kabinettsrat fei aber auf diesen Vorschlag nicht eingegangen. Er habe es für besser erachtet, durch eine Kammerdebatte d a s Parlament zu ver­anlassen, zu den von der Regierung vorzuschlagen­den Maßnahmen selbst Stellung zu nehmen. Sollte ich im Verlauf der Verhandlungen mit den Partei- ührern Herausstellen, daß nicht nur die Kommuni- ten, sondern auch die Sozialdemokraten dem Mi­nisterpräsidenten Chautemps das Ermächtigungs­gesetz nicht bewilligen wollen, Dann würde Chautemps die Feststellung treffen, daß feine Re­gierungsmehrheit zerbrochen ist und unverzüglich den Rücktritt des Gesamtkabinetts er­klären, ohne die Kammeraussprache abzuwarten.

DieEpoque" erklärt, die plötzliche Ver­schärfung der innerpolitischen Lage werde in der Öffentlichkeit einiges Erstaunen Her­vorrufen, doch habe man eine solche Entwicklung erwarten können. Chautemps mache heute das alciche wie die meisten seiner Vorgänger in den letzten Jahren: er verlange Sondervoll­machten. Der finanzielle Mißstand, die Frank­krise und die Unmöglichkeit, eine Anleihe der natio­nalen Verteidigung ohne vorherige Bereinigung der Lage aufzunehmen trieben Chautemps zu dieser Forderung. Mit dem heutigen Tage werde ein Kampf von unvorhergesehener Tragweite rund um das Kabinett Chautemps einsetzen.

De la Roque schreibt, die Volksfront habe nunmehr bewiesen, daß sie nichts Dauerhaf­tes schaffen könne. Der Senat müsse jetzt die Initiative zu einem Waffenstillstand ergreifen. Der M a t i n" aber glaubt, Kammer und Senat wür­den heute ober morgen doch das Ermächti­gungsgesetz annehmen, ohne daß das Land aus dem augenblicklichen Chaos nicht herauszubrin­gen ff. Ein radikalsoziales Blatt schreibt, in dem bisherigen Zustand der Ungewißheit und der Un­ruhe könne man nicht weiter leben. Ein Ermächti­

gungsgesetz ist in französischen parlamentarischen Kreisen nicht beliebt. Zwar sind die Radi­kal s o z i a l e n bereit, dem Volksfrontkabinett, das unter der Führung eines der Ihren steht, alles zu bewilligen, was es nur fordern möchte, jedoch haben die Sozialdemokraten trotz ihrer Zugehörig­keit zur Volksfrontmehrheit keine große Lust, ge­rade einem Volksfrontkabinett, das nicht unter ihrer, sondern unter radikalsozialer Füh­rung steht, durch Bewilligung eines Ermächti­gungsgesetzes große Handlungsfreiheit zu geben. Die Die Regierung ja auch auf Dem Gebiet Der Arbeits­gesetzgebung benutzen könnte. Andererseits sind die Oppositionsparteien Der Mitte unD Der Rechten, Die Der Regierung | ür Lan - DesverteiDigungszwecke zwar gern Voll­machten erteilen wiirDen, zu einer Unterstützung Des Ermächtigungsgesetzes keineswegs fest ent­schlossen, Denn sie haben ohne Ausweitung Der Regierungsmehrheit nach rechts, nicht Die geringste Möglichkeit, zu überwachen, was Die Regierung mit ihren Befugnissen anfangen wird. So stehen Die Vorverhandlungen für Das Ermäch­tigungsgesetz weitgehenD unter Dem Zeichen einer Vertrauenskrise.

Protest gegend ie doktrinäre Außenpolitik der Labour Party.

L o n D o n, 9. März. (DNB. Funkspruch.) Nach­dem bereits vor acht Tagen Lord Arnold, Mit­glied Des Oberhauses Der Labourparty, aus Der Partei ausgetreten war, hat nun auch Lord Sunderson die marxistische Partei ver­lassen Als Begründung führte er an, er fei mit der Außenpolitik Der Labourparty nicht einverstanden. Denn sie stelle eine Kriegsvorbereitung im Namen Der kollek­tiven Sicherheit bar und sei somit eine B e - Drohung des Weltfriedens. Lord Sünder- fon, der in der englischen Marxisten-Partei eine füh­rende Rolle gespielt hat, war bereits 1936 wegen des Sanktionskrieges gegen Italien, den er ver­urteilte, aus dem Vollzugsausschuß der Partei aus- geschieden.

Sie Aeichsbank berichtet...

Im Verwaltungsbericht Der Reichsbank für das Jahr 1937 sind wieder zahlreiche volkswirtschaftlich bedeutsame Feststellungen getroffen. Die B a n - kenstutzungspolitik, die im Sommer 1931 in der großen Zahlungskrise zur Vechütung grö­ßeren Uebels eingeleitet werden mußte, ist im Jahre 1937 in aller Horm abgeschlossen worden. Der Verwaltungsbericht Der Reichsbank fagt hier­über, Daß größere Beträge von Aktien einiger Großbanken, Die Das Reich sechs Jahre lang in Be­sitz gehabt hatte, in PrivathanD übergefuhrt wurden Nach Der im nationalsozialistischen Deutschland Durchgeführten Bankenpolitik bestehen gegen Die Preisgabe solcher Reichsbeteiligungen an privaten Großbanken keine BeDenken mehr.

Im Kapitel über Finanzierungen steht der Satz an Der Spitze, daß Der Geldmarkt und die Kreditpolitik der Reichsbank auch im Jahre 1937 ihr Gepräge im wesentlichen durch Art und Umfang Der kurzfristigen V o r f i n a n zi er u n g d e r großen Reichsvorhaben erhielten. Wenn es auch im Jahre 1937 gelungen ist, einen größe­ren Teil der kurzfristigen Schulden in langfristige umzuwandeln, als Dies tn frühe­ren Jahren möglich war, so konnte doch diese Um­wandlung mit den großen Aufwendungen nicht Schritt halten, die das Reich im Interesse Der Landesverteidigung und des inneren Aufbaues machen mußte. Der Gesamtbettag an f e ft ver­zinslichen langfristigen Reichsan- lei h e n, die feit 1934 begeben worden find, hat sich im Jahre 1937 auf mehr als 8V2 Milliarden Mark erhöht. Bemerkenswert gering war die Ver­mehrung des Banknotenumlaufs, nämlich um nur 11 v. H. auf nahezu 5,5 Milliarden Mark. Es bedarf keines Beweises, daß die Steigerung der deutschen Erzeugungskraft und auch die Erzeugung selber im Jahre 1937 erheblich mehr gestiegen sind als um 11 v. H.

In der allgemeinwirtfchastlichen Einleitung deS Reichsbankgeschäftsberichtes wird die Tatsache ert wähnt, daß die Erzeugung und die Umsätze deÄ Jahres 1937 Ü6 er Denen der Konjunktiirjahrs 1928/29 lagen. Es wird hinzugefügt, daß die mei­sten Wirtschaftszweige bei der vollen Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind, daß alsü nicht nur von der personellen, sondern auch von Der materiellen Seite her eine Art Sättigungs- und Beharrungszustand erreicht ist. Der Bericht der Reichsbank folgert aus diesem Sachverhalt, daß auch für die Möglichkeiten des Kreditaufwgndes eine veränderte Lage geschaffen sei. Nachdem jahrelang die Entwicklung von Der Geldseite her vorwärts ge­trieben worden war, wird Die Weiterentwicklung künftig entscheidend von Der Güterseite her getragen werden. Die Zeit, in der die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten die wichtigste Rolle spielte, ist vorüber und wird auch sobald nicht wiederkeh­ren, da in den nächsten zehn Jahren Die neu ins berufsfähige Alter eintretenDen oberen Volksschulklas­sen entsprechend dem Rückgang der Geburtenzahlen von 1924 bis 1933 eine rückgängige Tendenz haben werden. >

G e s ch ä f t l i ch hat die Reichsbank nicht weniger günstig abgeschnitten als im Vorjahr. Sie steht zwar unter staatlicher Aufsicht und wird vonBeamten" geleitet, hat aber trotzdem Den Charakter einer pri- vatwirtschaftlichen Aktiengesellschaft. Auf Das Kapi­tal von 150 Millionen Mark werDen wie im Vor­jahr 8 v. H. Dividende gezahlt, während das Reich mit 18,1 Millionen Mark, also etwa um die Hälfte mehr, an Den Erträgen Des Unternehmens beteiligt ist. Allerdings kommen Den Anteilseignern Der Reichsbank weitere 2 v. H. zugute, die jedoch zu­nächst jenemAnlethestock" überwiesen werden, der aus Übergewinnen wirtschaftlicher Unternehmun­gen gespeist und mit dem eine kursstützende Nach­frage nach festverzinslichen deutschen Papieren ge­schaffen wird. Die in Den Jahren 1934, 1935 und 1936 aus Dem Reingewinn Der Reichsbank an Den Anleihestock gezahlten Beträge werden jeDoch gleich­zeitig frei und ermöglichen" Die Auszahlung eines Betrages von 11,90 je 100 Mark Reichsbankanteil, und zwar in Form von Steuergutscheinen. Die an den Anleihestock überwiesenen Gewinnteile fließen also nach zweijähriger Betätigung im Anleihestock an Die Anteilseigner zurück.

Es ist selbstverständlich nicht Das geschäftliche Ziel der Reichsbank, ihre Umsätze nach Möglichkeit zu steigern. Sie ist als Trägerin des Reichsbank­notenmonopols ein bevorzugtes, mit staatlichem Sonderauftrag ausgestattetes Institut, dessen Auf­gabe es ist, die im Laufe des Geschäftsjahres an­fallenden Ausgaben zu lösen. Wenn trotzdem die Gesamtumsätze Der Reichsbank von rund 920 Mil­liarden Mark im Jahre 1936 auf 1130 Milliarden. Mark ttn Geschäftsjahr 1937 gestiegen sind, so er­klärt sich das aus dem Erstarken Der Wirtschaft und Der Dadurch hervorgerufenen verstärkten Kapital- unD Geldbewegung. Bei dem starken Anteil, den Die Leitung Der Reichsbank bei der Abwicklung des deutschen Waren- und Zahlungsverkehrs hat, ist es verständlich, Daß sich Der Bericht auch mit Den Ver­besserungen Der verschiedenartigen, zum Teil recht kurzfristigen Abkommen beschäftigt, Die Deutschland mit fremden Ländern abgeschlossen hat. lieber Die Auslandsverschuldung, für Die Reichs­wirtschaftsminister Funk in seiner Eröffnungsrede auf Der Leipziger Frühjahrsmesse vom letzten Sonn­tag einen deutschen Schritt zur Konsolidierung und Abtragung anfünDigte, sagt der Reichsbankbericht nur, daß sich Der Zinsen- und TilgungsDienst unter Aufrechterhaltung Der vor Jahren festgelegten Ueber- weffungseinschränkungen vollzog. Die kurzfristigen Auslandsschulden soweit sie durch Stillhalteabköm- kommen gebunden sind, sind im Jahre 1937 unter Die Milliardengrenze gesunken. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat bei verschiedenen Anlässen Die Kurzfristigkeit Der mit Dem Ausland getrof­fenen Waren- und Zahlungsabkommen als eines Der Hauptübel bezeichnet, die es verhindern, daß die Deutsche Ausfuhr prozentual die gleiche Steige­rung erfährt, wie sie etwa Die Ausfuhr Großbri­tanniens und anderer europäischer Länder erfahren hat. rt.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsminister Dr. Goebbels sprach im Ossi- ziersheim des Wachregiments vor Offizieren

Berlin. Die Rede, in der Dr. Goebbels die politischen Fragen des Tages, die brennenden Probleme der Innen- uni Außen- pnhhf klar unb eindeutig umriß, fand die lebhafte Zustirmnung der Offiziere des Standortes. An- schließend verweilte der Minister noch mehrere Stunden ,n angeregter Aussprache im Kreis- des Offizierskorps. 1

*

R-ichsstatthalter Genera, Ritter non Epp ist von Neapel aus zu einem mehrtägigen Aufenthalt in der italienischen Hauptstadt eingekroffen.