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(88. Jahrgang
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lgeheiterten Lungen-
Sie „Palastrevolution" im Kreml
wegen. Bei einem Grippeanfall hätten ihm „die Angeklagten" dann täglich 40 Kampferspritzen und die stärksten das Herz angreifenden Medikamente verabreicht. An den Folgen dieser Behandlung sei auch Gorki gestorben. Lewin beendet seine „Geständnisse" mit dem Hinweis auf den furchtbaren Zwang, unter dem er gehandelt habe. „Jagoda bedrohte mich, ich mußte gehorchen. Ich bin ein Arzt, ich verstehe nichts von aller Politik. Jagoda war in meinen Augen der allmächtige Mann. Er drohte, mich und meine Familie zu vernichten. Ich selbst bin ein alter Mann, ich hätte mein eigenes Leben geopfert. Aber ich hänge an meinen Kindern und an meiner Familie. So bin ich auf die Befehle Jagodas eingegangen."
Verhör genommen. Er bemerkl, die ganze Tätigkeit des Oppositionsblocks fei dadurch überhaupt erst möglich geworden, daß er sich mit seinem Apparat zur Verfügung gestellt habe. 3m Gegensatz zu den unverbesserlichen „Schwähern" in der Art der meisten Oppo- sitionsverlreler, die nach wie vor an den „An- sinn" der Vorbereitung eines Massenaufstandes" festhielten, habe er, zusammen mit Ienukidse, die Frage der Palastrevolution auf die Tagesordnung gesetzt. Man habe die Kreml- Wache gewinnen und durch einen raschen Hand- streich die Regierung überrumpeln, verhaften und beseitigen wollen. Warum dieser — im Laufe des Prozesses bereits mehrfach erwähnte — Plan nicht gelang, weiß freilich auch Jagoda nicht zu sagen. Seine landesverräterische Tätigkeit habe darin bestanden, daß er im GPU.-Apparat selbst Spione geduldet habe. Auch die phantastische Bezichtigung, daß Jagoda an Trotzki bedeutende Geldsummen aus dem GPU.-Fonds (4- bis 5mal je 20 000 Dollar) weitergeleitet habe, nimmt Jagoda bereitwilligst auf sich. Nur die Anschuldigung der aktiven Spionage weist Jagoda für seine eigene Person zurück. „Wenn ich Spion gewesen wäre', so bemerkt er, „so hätten Dutzende von auswärtigen Staaten ihre Nachrichtendienste auflösen können!" Das Gericht geht zur Vernehmung des Angeklagten Krjutschkow über, der bereitwillig seine Mittäterschaft an der Beseitigung Gorkis und dessen Sohnes Peschkow eingesteht. Darauf wird die Sitzung unterbrochen^
Jagodas Mordaufträge an die Leibärzte des Kreml.
Wie Gowjetgrößen zuTode kuriert wurden.—Neue,,Geständniffe"imMoskauerGchauprozeß
den. Der Triumph Stalins über seine Feinde und ihre Vernichtung müsse unaufhörlich gefeiert werden. Die so geschaffene Furcht erzeuge eine Art krampfhafter Hysterie, die von Zeit zu Zeit dramatisiert werden müsse, und diese Dramtisierung werde durch die Schauprozesse erreicht.
Bevor das Gericht zur Vernehmung Jagodas schreitet, wird dessen früherer Privatsekretär Bulanow verhört, eine dunkle Existenz, die während vieler Jahre von dem allmächtigen GPU.-Chef zu allen möglichen schmutzigen Aufträgen verwandt worden ist. „Ich war eine Kreatur Jago- d a s", so beginnt Bulanow. „Ich hatte mich daran gewöhnt, alles mit den Augen Jagodas zu sehen. Er hatte vor mir keine Geheimnisse, seine Verbrechen hat er vor mir nicht verborgen." Schon 1931 will Bulanow von Jagoda die Andeutung gehört haben, daß Jagoda sich der illegalen Oppositionsgruppe Rykows und Bucharins angefchlossen habe. Die Politik der bolschewistischen Partei, so habe Jagoda schon damals gesagt, führe das Land zum Ruin. Für sich habe Jagoda im Falle des Putsches die Rolle des Ministerpräsidenten reserviert. Neben ihm sollten Tomski und Rykow dem „Kabinett" angehören. Die Rolle des Staatspräsidenten sei Je- nukidse zugedacht gewesen. Tuchatschewski sollte Kriegsminister werden. Die Nachfolge Stalins als Generalsekretär der Bolschewistischen Partei hätte Bucharin übernehmen sollen.
Hier unterbrach der Staatsanwalt Bulanow mit der Frage, ob das „neue Regime" eine ArtF a- sch ismus hätte darftellen sollen. Bulanow erwiderte auf dieses Stichwort, damit der Sowjetagitation ein neues Thema liefernd, mit dem ominösen Satz: Jagodas Benehmen wies darauf hin." Als GPU.-Chef habe Jagoda jahrelang feine schützende Hand über die Opposition gehalten. Es sei ihm gelungen, die Untersuchung trotzkistischer und anderer Umtriebe zu unterdrücken.
Unter der gespanntesten Aufmerksamkeit des Saales wird darauf Jagoda selbst ins
„Am wenige Benschen können die Qualen in sowjeirnUchen Gefängnissen überstehen." Ein Engländer berichtet über den Stalinschen Terror.
London, 9. März. (DNB. Funkspruch.) Der „Daily Telegraph" bringt Ausführungen des Engländers Malcolm M u g g e r i d g e, der einige Zeit in Sowjetrußland gelebt hat und die letzt vor Gericht stehenden früheren Bonzen gut kennt. Selbst Robespierres Methode zur Beseitigung seiner Freunde sei nicht mit den sowjetrussischen Prozessen zu vergleichen. Nie zuvor habe sich etwas ähnliches in der Geschichte zugetragen und es sei unwahrscheinlich, daß sich in irgend einem anderen Lande derartiges jemals ereignen könne. Der Laie frage sich, was diese Prozesse bedeuteten und ob etwas wahres an den phantastischen Aussagen sei. Wenn nicht, wie sei es möglich, daß die früher so zähen Männer solche Eingeständnisse machten. Bucharin sei jahrelang der erste Theoretiker der „reinen bolschewistischen Doktrine gewesen. Man habe seine Schriften andachtsvoll gesammelt. J a- goda sei bis vor kurzem noch das allmächtige Haupt der GPU. gewesen. Man habe seinen Namen mit Beben genannt. Nun aber stehe er vor der Richterbank und behaupte hartnäckig, daß er seit Jahren der Führer einer ausländischen Spionage gewesen sei. Es können gar keine Zweifel darüber bestehen, daß die umfangreichen Selbstanklagen d e r größte Schwindel fei. .
Muggeridge versucht nun, das Geheimnis 511 lichten, das über den unglaublichen Eingeständnissen liegt, die vielfach aufgeworfenen Theorien über die Anwendung von Drogen, Hypnose die sowzetrus- sischen Methoden und dos Martyrium der Gesänge- nen. Nur wenige Menschen, fo schreibt er, könnten die Dualen aus st eh en, denen ste in den bolschewistischen G e f a n gni \ f e n ausgesetzt seien. Bemerkenswert sei auch, daß die Zeit der Haft ganz von der Widerstandskraft der einzelnen Gefange- n e n abhänge. So sei Bucharm beispielsweise wie Radek verhaftet worden. Er werde aber erst jetzt vor Gericht gestellt, weil er widerstandsfähiger gewesen sei. Diele Gefangenen warteten auf den Richterspruch, andere versuchten Selbstmord. Wieder andere seien eines Tages spurlos verschwunden. Malcolm Muggeridge stellte abschließend die Frage, warum diese Schauprozesse . überhaupt stattfinden. Selbst wenn keine Verschwörungen in Sowjetrußland vorhanden waren, so antwortet er, müßten sie geschaffen werden. Sie seien untrennbar mit dem Regime verbun-
ist ihm nicht gedient.
Damit bildet aber die deutsche Leserschaft den festesten Grundstein, auf dem sich jener inter- nati 0 nale Pressefrieden aufbauen kann, der von Reichspressechef Dr. Dietrich in seinem Vortrag beim Außenpolitischen Amt der NSDAP, gefordert wurde. Daß andere Völker noch nicht reif sind für eine so positive Einstellung zur Weltmacht Presse, ist weniger ihre Schuld als die ihrer Zeitungen. Die deutsche Zeitung ist ein Bildungs- mittel und kein flüchtiges Reizmittel, wie es die demokratischen Blätter zum großen Teil find, die ja meist nicht im festen Abonnement bezogen, sondern mit einem Höchstaufwand von anreißerischer Reklame im Straßenverkauf vertrieben werden. In Paris, London, Neuyork ist die „headline“, die Schlagzeile, alles, auf die Richtigkeit des Inhalts kommt es wenig oder gar nicht an. Deshalb kennt der Journalist in den demokratischen Ländern kein Berufsethos, er liefert dem Verleger feine Nachrichten und Artikel wie eine Ware, die auf Bestellung angefertigt wird. Der Verkaufserfolg allein ist entscheidend. Den Passanten soll der Groschen aus der Tasche gelockt werden. So wenig der Journalist in diesen Ländern eine eigene Meinung vertreten darf, so wenig besitzt deshalb auch das Publikum eine eigene und begründete Meinung über die Geschehnisse in der Welt. Jeder, der sich in den Vereinigten Staaten oder England längere Zeit aufgehalten hat, kann die erschreckenden Folgen dieser Pressepolitik an dem geistigen Niveau und der politischen Unwissenheit der breiten Masten ablesen.
Die sogenannte Pressefreiheit ist hier wirklich ein Phantom, was drüben auch von einigen ehrlichen Leuten zugegeben wurde. Dr. Dietrich hat in seiner Schrift „Weltpresse ohne Maske" einige Beispiele dafür gegeben. So ließ sich beispielsweise der Schriftleiter der „Times", Kennedy, im Augustheft 1937 der Zeitschrift „The Nineteenth Century and After“ folgendermaßen vernehmen: „Unter dem Deckmantel unserer vielgerühmten Pressefreiheit geht ein großer Teil eigenmächtiger Tätigkeit der Verleger und Direktoren vor sich, die das Gegenteil wahrer Freiheit ist. Wir hier in England pflegen die strenge Kontrolle zu kritisieren, die in weniger demokratischen Ländern auf die Presse ausgeübt wird. Doch sind wir berechtigt,- unsere .Pressefreiheit' zu rühmen, wenn Nachrichtenorgane ihre eigene Politik und sogar eigene Sittlichkeit besitzen, die ihnen aber von anonymen Finanzgruppen im Hintergrund vorgeschrieben wird?"
Kennedy steht mit dieser Ansicht nicht allein da. Unsere Leser mögen in der Schrift Dr. Dietrichs die gewiß unverdächtigen Zeugnisse demokratischer Pressepolitiker nachlesen und daran erkennen, wie es in Wirklichkeit um die Meinungsfreiheit bei den Franzosen und Angelsachsen bestellt ist. Und doch kann dieses andersartige Pressesystem in eine echte Friedenspolitik nutzbringend eingespannt werden, wenn nur die jeweilige Staatsführung den Journalisten von dem auf ihn lastenden Zwang zur unwahren Berichterstattung befreien würde. Der deutsche Leser, der sich glücklich schätzen darf, nicht mehr von unsichtbaren Mächten hinters Licht ge-
Reichsaußenminister von Ribbentrop in London.
Berlin, 8. März. (DRV.) Der Reichsmimsier des Auswärtigen von Ribbentrop begab sich heute abend mit dem fahrplanmäßigen Zuge zu einem kurzen Aufenthalt nach London. In London wurde amtlich bekanntgegeben, daß Reichs- auhenminister von Ribbentrop am Donnerstagvor- mittag dem englischen Außenminister Lo r d Halifax einen Besuch abftatten wird. Die Abendpresse berichtet von dieser Absicht in größter Aufmachung, z. T. in ganzseitigen Schlagzeilen auf der ersten Seite. Die Blätter fügen hinzu, daß der Reichs- auhenminister auch den englischen Premiermini st er sehen werde. <
Oie Verhandlungen in Rom
Rom, 8. März. (DNB.) Der englische Botschafter Lord Perth ist vom italienischen Außenminister Graf C i a n 0 empfangen worden. An der nahezu einftünbigen Unterredung nahm auch der Leiter der Abteilung Südeuropa im Foreign Office, Ingram, teil. Es wurde eine vorbereitende Prüfung aller zur Erörterung stehenden Fragen vorgenommen. Die Besprechungen werden fortgesetzt.
Die Londoner Presse betont, daß es sich bisher lediglich um V 0 r b e s p r e ch u n g en handele. Erst am Freitag würden, so schreibt „Times", die eigentlichen Verhandlungen ausgenommen werden. Britischerseits wünsche man, daß ein evtl. Abkommen mit einer Bereinigung der Spanien- Frage verbunden sein werde, während Italien in erster Linie die Anerkennung des Aethio- pischen Kaiserreiches verlange.
Ou und die Weltpresse.
Wenn von der Weltmacht P r e s s e und ihrer Be- deutung für die internationale Politik geredet wird, dann ist das kein Problem der hohen Staatskunst allein, sondern eine Angelegenheit, die jeden einzelnen unserer Leser betrifft. Denn aus der deutschen Familie ist die Zeitung nicht fortzudenken. Sie gehört zum täglichen Leben. Sie liefert die regelmäßige geistige Nahrung, die nicht auf dem begrenzten Feld der Berufsausübung ober ber privaten Mußeftunbe, fonbern auf bem großen allgemeinen Acker bes Gemeinschaftslebens wächst. Dies war von jeher ihre natürliche Aufgabe. Da aber jebe Gemeinschaftsfrage eine politische Frage ist so steht die Tagespolitik auf bem Hauvtblatt ber deutschen Zeitungen. Daran fchließen sich die anderen Ausdrucksformen der Po- litik: die Lokalseite, die Unterhaltung und die Beilagen. Diese Einteilung hat im Prinzip immer in ber beutschen Presse bestauben. Sie beweist, baß im Grunbe genommen — trotz aller Amerikanisierung unb Jnbivibualisierung vor unb nach bem Kriege — bas nationale Interesse in der öffentlichen Meinung Deutschlands stets den Vorrang vor dem Einzelinteresse gehabt hat.
Als der nationalsozialistische Staat dieNeu 0 rd » n u n g bes deutschen Pressewesens in die Hand nahm, den Beruf des Schriftleiters zu einem öffentlichen Amt erklärte und die Zeitungen zu Mittlern zwischen Führung und Volk, zum publizistischen Gewissen ber Nation erhob, ba war bies in der Tat eine Reinigungsaktion, die bem tiefsten Verlangen ber beut- chen Leserschaft entsprach. Jene emigrierten Schreiberlinge jüdischer Herkunft und ihre ausländischen Freunde, die von der Unfreiheit ber beutschen Presse im nationalsozialistischen Staat sprechen, haben nie eine Ahnung gehabt von bem inneren Zusammenhang bes beutschen Lesers mit seiner Zeitung. Sie haben wohl eine tolle Schwinbel- unb Asphaltpresse hochgezüchtet unb bamit ihren Rebbach gemacht, aber die Seele der deutschen Männer und Frauen haben sie nicht gewonnen. Wären sonst die Spuren chres Wirkens so schnell verweht? Nein, ber beutsche Leser, ganz gleich ob er seine tägliche Zeitungslektüre hinten auf ber Anzeigenfeite ober mit bem Leitartikel beginnt, will nun einmal eine solide, wahre und'an ständige Zeitung vor Augen haben, ein Blatt, bem er restlos vertrauen kann, bas ihn in bie Probleme ber Innen-, Außen-, Kultur- unb Wirtschaftspolitik mit beutscher Grünblichkeit und Gewissenhaftigkeit einführt, das ihn einwandfrei . unterrichtet und gut unterhält. Mit pikanten Ent- , hüllungen unb aufgepulverten Sensationen, bie schon beim bloßen Hinfehen wie Seifenblasen zerplatzen.
kulös, und Kuibyschew, der schwer herzleidend sei. Lewin gibt an, Peschkow fei im angeheiterten Zustand dazu gebracht worden, sich eine Lungen- entzündungzu holen. (!) Lewin, Pletnjow und Kasakow hätten ihn dann systematisch mit einer Fülle falscher Medikamente, die die Herztätigkeit des Kranken übermäßig anregten, zu Tode kuriert. Bei Menschinski wäre durch
Jagoda, aufgefordert, die Aussagen Lewins und Kasakows zu bestätigen, antwortet mit leiser Stimme: „Ich habe den Arzt Kasakow überhaupt zum erstenmal auf der Anklagebank während dieses Prozesses gesehen! Auch an Lewin habe ich niemals die von ihm erwähnten Aufträge gegeben. Ich bekenne mich zwar schuldig, die Beseitigung Kuibyschews und Gorkis in die Wege geleitet zu haben, aber mit dem Tod des Sohnes Gorkis und Menschinskis habe ich nicht das geringste zu tun". — Aufgeregt schnellt der Staatsanwalt von seinem Stuhl und richtet an Jagoda die Frage: „haben Sie nicht in der Voruntersuchung ganz andereAus- jagen abgegeben?" — Darauf Jagoda: „Ja, in der Voruntersuchung habe ich die Unwahrheit gesprochen, aber jetzt spreche ich die Wahrheit!" — Wyschinski verliest darauf aus den Akten der Voruntersuchung die damals von Jagoda abgelegten „Geständnisse" und fragt Jagoda erneut: „Warum haben Sie während der Voruntersuchung die Unwahrheit gesprochen?" Rach langer Pause antwortet Jagoda, Wyschinski mit dem Blick eines verwunde- ten Tigers fixierend: „Ich ersuche den Bürger Staatsanwalt, mir die Antwort auf diese Frage zu erlassen."
Noch einmal mobilisiert jetzt Wyschinski die übrigen „Angeklagten", die bereite)tflia ihre Aussagen zur Belastung Jagodas wiederholen. Dazu bemerkt Jagoda nur noch monoton: „Lewin lugt, Kasakow lügt, Krjutschkow lügt!" Nach diesem Zwi- schenfall wird Lewin aufgefordert, seine Aussagen fortzusetzen. Im Jahre 1934 habe Jagoda ihm den dritten Mordauftrag gegeben, der diesmal Gorki selbst und das Mitglied des Politbüros Kuibyschew betraf. Lewin soll dem Zunächst widerstrebt haben. Jagoda habe erklärt: In der bolschewistischen Partei bestehe bie größte un- zu friedenheit mit der Parteileitung. Ueberall im Lande hätten sich starke Opposttlons- gruppen gebildet. Um diese Strömung zu unterstützen, müsse man einige Persönlichkei ten aus dem Wege schaffen, und zwar müsse man, um alles Aufsehn zu vermeiden, mit solchen Persönlichkeiten beginnen, von denen man bereits wisse, daß sie krank seien, wie Gorki, der tuber-
Moskau, 8. März. (DNB.) Dienstag wird der frühere Oberarzt des Moskauer Kreml-Krankenhauses, Lewin (!) vernommen. Er findet es selbstverständlich, daß der allgewaltige PGU.-Chef Jagoda ihm, seinem Leibarzt, besondere „Aufmerksamkeiten" zuteil werden ließ, so z. B. ihm wertvolle Geschenke, ein wohl eingerichtetes Landhaus, französische Weine, zollfreie Einfuhr ausländischer Waren usw. zur Verfügung stellte, ja ihm sogar mehrmals die Erlaubnis für Auslandsreifen erwirkte. Lewin ist ferner bei Gorki als Hausarzt aus- und eingegangen. In der Villa Gorkis unweit Moskaus traf Lewin oft mit Jagoda zusammen, der dort ein häufiger Gast gewesen sei.
3m 3ahre 1932 habe Jagoda ihm, Lewin, den ersten verbrecherischen Auftrag gegeben: den Zahn Gorkis, Waxim Peschkow, aus dem Wege zu schaffen., Als der Arzt seinen allgewaltigen Auftraggeber entsetzt nach den Gründen fragte, habe dieser nur geantwortet, Gorkis Sohn sei ein unnützer Mensch, ein Alkoholiker. Er könne der Stellung seines Vaters nur schaden. „Sie wissen, ich trage die Verantwortung für das Leben der leitenden Männer und Regierungsmit- glieder", so habe Jagoda zu Lewin gesagt. „Ich habe Veranlassung, Ihnen diesen Vorschlag zu unterbreiten. Beachten Sie im übrigen, daß b e l Nichterfüllung meines Auftrages S ie selbst und Ihre Familie sich in große Gefahr begeben." Auf diese furchtbare Drohung hin will Lewin versprochen haben, den Tod des Peschkow herbeizuführen.
Der zweite Mordauftrag Jagodas habe sich auf Menschinski, Jagodas Vorgänger in der Leitung der GPU., bezogen, der zu biefer Zeit schon ein totkranker Mann gewesen fei. Jagoda habe, fo „gesteht" Lewin jetzt, ihn rufen lassen und zu ihm gesagt: „Menschinski ist bereits ein lebendiger Leichnam. Es ist besser, sein Ende zu beschleu- n i g e n. Uebernehmen Sie das." Lewin will darauf geantwortet haben, daß Menschinski noch unbestimmte Zeit um sein Leben kämpfen könne. Darauf habe Jagoda lediglich bemerkt: „Es ist notwendig, Menschinski umzubringen." Lewin habe bann darauf hingewiesen, daß es ihm notwendig erscheine, auch den Hausarzt Menschinskis, den Angeklagten Kasakow, in das Komplott einzubeziehen. Jagoda habe darauf ihm, Lewin, den Auftrag gegeben, Kasakow zu bearbeiten, und diesen nach kurzer Zeit auch selbst ins Gebet genommen. Der Angeklagte Kasakow, daraufhin vom Staatsanwalt aufgerufen, „b e ft ä t i g t", daß Jagoda ihn im Jahre 1933 zu sich zitiert und mit den gräßlichsten Drohungen zur Teilnahme an der Beseitigung Menschinskis gezwungen habe. „Völlig terrorisiert" sei er, Kasakow, darauf eingegangen.
entsprechende Arzneien eine Angina pectoris her- Dorgerufen. In ähnlicher Weise sei auch Kuibyschew zu Tode behandelt worden, indem sie ihm kräftige Bewegung statt Bettruhe verordneten und durch ungeheure Mengen von Medikamenten nachhalfen. Gorki hat man gleichfalls veranlaßt, sich trotz seiner schwerkranken Lunge übermäßig viel zu be-1


