Ausgabe 
9.2.1938
 
Einzelbild herunterladen

Soldaten Helsen dem WKW.

Dis neue große Hilfsaktion unserer Wehrmacht für das Winterhilfswerk, die am 19. u n b 2 0. Februar durchgeführt wird und über die wir in großen Zügen vor einigen Tagen bereits berichteten, rückt immer mehr in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Es zeigt sich in zahlreichen Fragen aus der Bevölkerung, daß deren Interesse an dlesem gemeinnützigen Unter­nehmen unserer Soldaten sehr rege ist. Die 23er» anstaltungsfolge bringt eine Reihe von Ereignissen, die alle auf den guten Zweck der Hilfeleistung für das WHW. eingestellt sind, zugleich aber auch den Volksgenossen ein schönes Erleben bieten sollen.

Die Hilfsaktion unserer Soldaten wird am Samstag, 19. Februar, nachmittags mit einem Propagandamarsch eines ganzen Bataillons unserer 116er mit sämtlichen Fahrzeugen und mit der Regimentsmusik an der Spitze eingeleitet. Dieses Bataillon, das in voller Ausrüstung ausschließlich für den Zweck der Wer­bung für das WHW. marschiert, wird um 15 Uhr von der Bergkaserne abrücken. Es wird folgende Straßen durchschreiten: Licher Straße, Ludwig- straße, Bleichstraße, Horst-Wessel-Wall, Bahnhof­straße, Marktstraße, Marktplatz, Schulstraße, Son- nenstraße, Seltersweg, Hindenburgwall, Hitlerwall, Moltkestraße, .Kaiserallee zur Kaserne zurück. Sammler der NSV. werden mit Wzeichen (Achsel­klappen der Soldaten darstellend) den Werdemarsch

begleiten und dabei die Spenden der Volksgenossen für das WHW. entgegennehmen.

Am Abend dieses Tages wird ein Großkon- zert von vier Musikkorps mit Spiel­mannszügen in der Volksholle stattfin­den. Diese Veranstaltung wird den Besuchern ein besonderes musikalisches Erleben bieten, denn es ge­schieht nicht allzu häufig, daß wir in Gießen derartige Großkonzerte unter Einsatz einer so stattlichen Zahl von Musikern erleben. Daher dürften es sich wohl auch die Volksgenossen von Stadt und Land nicht entgehen lassen, bei diesem einzigartigen Konzert zu- g'egen zu sein. Es werden Eintrittskarten zu 1, und zu,50 RM. ausgegeben. Der Kartenverkauf wird von der NSV. durchgeführt werden, die bestrebt sein will, alle Karten bereits im Vorverkauf abzusetzen. Es dürfte sich daher empfehlen, sich früh­zeitig in den Besitz der Eintrittskarten zu bringen, da die Einrichtung von Abendkassen in der Volks- Halle nicht vorgesehen ist. Konzertprogramme zum Preise von,10 RM. werden gleichzeitig mit den Eintrittskarten abgegeben. Es versäume also nie­mand, bei einer Dienststelle oder bei seinem Block- walter der NSV. frühzeitig Karten zu erwerben.

Zur Generalprobe für dieses Konzert, die am Samstag, 19. Februar, vormittags in der Dolkshalle stattfindet, hat der Standortälteste die gesamte HI. von Gießen eingeladen.

Aus -en Gießener Gerichtssälen.

Schöffengericht Gießen.

Gestern l)atie sich die E. D. aus Stockhausen vor dem Schöffengericht wegen versuchter Abtreibung au verantworten. Die Hauptoerhandlung, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand, ergab, daß die Angeklagte mehrere Abtreibungsversuche unter­nommen hat. Das Urteil lautete auf vier W o - chen Gefängnis.

Unter der gleichen Anklagte hatten sich die I. Sch. aus Gedern und der F. P. aus Frankfurt zu ver­antworten. Beide Angeklagten waren geständig. Der Angeklagte P. erhielt drei Monate Gefäng­nis, wahrend die Sch. mit sechs Wochen Ge­fängnis davonkam.

Die nächste Anklage richtete sich gegen den E. B. aus Reichelsheim. Sie lautete auf Urkunden­fälschung und Betrug. Der Angeklagte hatte im vorigen Jahre während der Erntezeit seinem Arbeit­geber vorgespiegelt, er habe für 30 Mark Kar­toffeln gekauft und legte auch eine diesbezügliche Bescheinigung des angeblichen Lieferanten vor, die er selbst gefälscht hatte. Hierdurch veranlaßte er seinen Brotherren, ihm 30 Mark Vorschuß zu geben, die er nach und nach mittlerweile wieder abgezogen hat. Der Angeklagte war restlos geständig und be­hauptete, in großer wirtschaftlicher Not gehandelt zu haben. Es wurde auch festgestellt, daß der An­geklagte das Geld nicht vertan, sondern für feine Angehörigen je ein Paar Schuhe damit gekauft hat. Deshalb billigte ihm das Gericht im weitesten Maße mildernde Umstände zu und erkannte wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Be­trug auf die gesetzliche Mindeststrafe von einer Woche Gefängnis.

Sodann stand die G. Sch. aus Borsdorf wegen übler Nachrede vor dem Schöffengericht. Die An­

geklagte hatte bei einem Zeugen zwei der ange­sehensten Bürger von Borsdorf strafbarer Hand­lungen bezichtigt. Die Angeklagte war restlos ge­ständig und behauptete, sie habe diese Aeußerun- gen, die sie selbst als Gerücht gehört habe, nur in einem ganz vertrauten Kreise erzählt. Trotzdem hielt das Gericht mit Rücksicht auf die Schwere der Be­leidigung eine Freiheitsstrafe für angebracht und erkannte auf einen Monat Gefängnis.

Amtsgericht Gießen.

Der I. B. aus Roßdorf hatte wegen Ueberttetung der Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl über 30 Mark erhalten. Auf feinen Einspruch hin kam die Sache gestern zur Hauptverhandlung. Der Angeklagte fuhr im September vorigen Jahres mit seinem Omnibus frühmorgens, als es noch stark neblig war, von Gießen nach Steinbach. An der Straße wurden damals Bauarbeiten vorgenommen, und aus diesem Grunde war sie nur auf der einen Hälfte befahrbar. Als der Angeklagte sich bereits in dem engen Teil befand, merkte er plötzlich, daß ihm ein anderes Fahrzeug, ein Dreirad, entgegen» kam. Er bremste daraufhin sofort ab und gab dem anderen durch Lichtsignale ein Haltezeichen. Trotz­dem konnte dieser sein Fahrzeug nicht schnell genug zum Stehen bringen, so daß es zu einem ganz leichten Zusammenstoß kam. Die Feststellungen er­gaben, daß der Angeklagte nicht weit genug rechts gefahren war. Hätte er dies getan, so wären die beiden Fahrzeuge ttotz der Verengung der Fahr­bahn noch glatt aneinander vorbeigekommen. Denn kurz darauf fuhren an derselben Stelle zwei Last­kraftwagen ohne besondere Schwierigkeiten anein­ander vorbei. Es blieb daher bei der im Straf­befehl festgesetzten Strafe.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen.

A Großen-Linden, 7. Febr. In den ersten Jahren nach der Inflation waren in unserem rasch sich vergrößernden Orte die Neubauten wie Pilze aus der Erde geschossen, so daß einmal im Laufe eines Jahres 17 Häuser errichtet wurden. In den folgenden Krisenjahren aber war die Bautätig­keit fast vollständig erloschen, während sie sich nun allmählich wieder belebt. Im abgelaufenen Jahr sind wieder sieben neue Wohnhäuser entstanden; so bauten in der Horst-Wessel-Straße der Schlosser Wilh. Junker, Richard Schneider und Wilh. Seth, in der Frohnhofstraße der Landwirt Friedr. Engel, in der Lindenstraße der Arbeiter Joh. Dietz, in der Alten Heerstraße August Rinn und in der Ludwig- straße Phil. Magnus. Das Haus des Zahnarztes

Dr. Römer in der Bahnhofstraße geht feiner Fer­tigstellung entgegen.

<£ Leihgestern, 7. Febr. Im großen Saale der WirtschaftZum Löwen" gab der Gesang­vereinLi e d e r k r a n z" am Samstagabend ein Konzert. Nach einem einleitenden Musikstück hieß der stellvertretende Vereinsführer Karl F a der jr. die Gäste und Mitglieder willkommen. Er wies in feiner Ansprache darauf hin, wie der Ver­ein stets im Männergesang das deutsche Lied ge­pflegt habe und bezeichnete den Abend als ersten Auftakt zur 75-Jahrfeier des Vereins, die am 24. Juli begangen werden soll. Der Chorleiter, Real­lehrer Blaß (Gießen), gab zu den Chören, außer den Volksliedern, eine kurze Schilderung über Ent­stehung und Inhalt des jeweiligen Liedes. Befon-

Dekan Gußmann 70 Jahre alt.

Am morgigen Donnerstag, 10. Februar, kann der in Gießen im Ruhestand lebende frühere Dekan des Dekanats Gießen Ludwig Gußrnann in bester Frische feinen 70. Geburtstag begehen.

Der Jubilar ist ein Oberhesse, der am 10. Februar 1868 in Hirzenhain geboren wurde. Seine ganze Amtstätigkeit als Geistlicher verbrachte er in Ober­hessen, wo er vom 1. April 1894 bis 31. Mai 1896 als Pfarroerwalter in Gettenau (Kreis Büdingen) wirkte, anschließend vom 1. Juni 1896 bis 1897 Pfarroerwalter in Kirchberg bei Lollar, feit 1897 dort definitiv war. Im Dezember 1912 wurde er Dekan des Dekanats Gießen mit dem Pfarramts­sitz in Kirchberg, bis er im Mai 1936 nachdem er einige Zeit vorher von dem Amt des Dekanats zurückgetreten war auch als Seelsorger in den Ruhestand trat.

Um die evangelische Kirche und um die Gemein­den feiner Pfarrei hat sich Dekan Gußrnann große Verdienste erworben. Er war lange Zeit Mitglied des früheren Landeskirchentages, Gründer und langjähriger Vorsitzender des VereinsKinder­freund" zu Lollar und Daubringen, welche die dortigen Kleinkinderschulen und Krankenschwestern­stationen unterhalten, Gründer und Vorsitzender der Heimatoereinigung Staufenberg zur Erhaltung der Burg Staufenberg, ferner ist er seit Jahren Vor­sitzender des Oberhessischen Mis'sionsoereins für Bafel und Vorstandsmitglied der hessischen Mis­sionskonferenz und des Verbandes evangelisch-kirch­licher Frauenoereine in Hessen.

Durch sein allezeit hilfsbereites und liebenswür­diges Wesen, verbunden mit großer persönlicher Bescheidenheit, und durch feinen vornehmen Cha­rakter, wie auch durch sein starkes deutsches Emp­finden hat er sich in weiten Bevölkerungskreisen unserer Heimat und darüber hinaus größte Wert­schätzung und viele Freunde erworben. Dem Ju­bilar bringen auch wir unsere herzlichen Glück- wünsche dar.

** Dienstjub iläen. Am 5. Februar waren es 25 Jahre, daß Fräulein Frieda Leonhardt als Haushälterin und Aufsichtsperson in den hie­sigen Bahnhofgaststätten tätig ist. Bei piner kleinen Feier wurden ihr Dank und Anerkennung für chre treuen Dienste durch den Betriebsführer ausgespro­chen und ein Diplom der Industrie- und Handels­kammer und ein namhaftes Geldgeschenk überreicht. Fräulein Leonhardt ist die zweite von 37 An­gestellten der Bahnhofgaststätten, die diesen Ehren­tag begehen konnte. Im Januar waren es fünf­undzwanzig Jahre, daß das Gefolgschaftsmitglied Karl Schneucker bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Gießen erngetreten rft. Der Betriebs­führer Direktor Dr. Schneider beglückwünschte den Jubilar zu seinem Ehrentag namens der gan­zen Gefolgschaft und sprach ihm Dank und Anerken­nung für seine treue Dienstzeit au$.

** Halbseitige Straßensperrung. In den nächsten Wochen, mutmaßlich bis Anfang März, wird die Marburger Straße vom Wingert bis zur Karlsruhe" halbseitig gesperrt fein. Die Straße wird auf dieser Strecke verbreitert. Der Verkehr wird vor­übergehend eine Beschränkung erfahren.

** Winterhilfespende. Der Lokomotiv- führer-Gesangverein hat aus Anlaß seiner Generalversammlung am Sonntag, über die wir am Montaa bereits berichteten, eine Sammlung für das Winterhilfswerk durchgeführt Der gespendete Be­trag wurde der Bezirkssparkasse Gießen für das WHW. überwiesen.

** Zurückgelegte Eintrittskarten zu

Lp r e ß" a b h o l e n ! Die bei den Vorverkaufs­kassen reservierten Einttittskarten sind bis Freitag­abend abzuholen, da sonst anderweitiger'Verkauf er­folgen muß.

Raubüberfall auf einen Postbeamten.

Lpd. Darmftabt, 8. Febr. Am Montag um 21 Uhr wurde ein Postbeamter auf dem Weg von N i e d e r r a m st a d t nach dem Bahnhof Nie- debramstadt von zwei Männern üb er fallen, niedergeschlagen und beraubt. Der Be­amte hatte einen Postsack mit einer Anzahl Briefe voip Postamt Niederramstadt nach ~bem Bahnhof an den Zug zu bringen. In der Mitte des Fuß­pfades, der von der Hauptstraße nach dem Bahn­hofsgebäude führte, ging der Beamte an zwei dort stehenden Männern vorüber. In diesem Moment sprangen die beiden auf den Postbeamten zu, rissen ihn rückwärts zu Boden und mißhandelten ihn durch Faustschläge ins Gesicht. Alsdann flüchteten die Täter und na hm en den Po st sack mit.

Brahms-Feier

des Musikwchenschaftticherr Seminars.

Wenn das Musikwissenschaftliche Se­minar der Universität Gießen in seiner Brahms-Feier neben dem Jnstrumentalmusiker Johannes Brahms auch den Dokalmusiker zur Geltung brachte, so bestätigte es damit die beiden Wurzeln feines Schaffens und fein Auswirkungs­feld. Das H - d u r = I r i o o p. 8 wie auch die vier­stimmigen A-cappella=9ßerte lassen aufs deutlichste die geistigen Grundlagen späterer Werke erkennen.

Zumal das H-dur-Trio gibt ein deutliches Abbild seiner Schaffenseigenheit. Der junge Brahms (noch nicht 21jährig) hatte es im Januar 1854 in Han­nover niedergeschrieben. In dieser Fassung ist es ein Abbild seines romantischen Drängens geroorben, das durch die flutende Vielheit feines Erlebens einer Ausweitung der Form zustrevt, um alles ihn innerlich Bewegende zu erfassen. Daß er in späteren Jahren nicht völlig mit dieser Formgestalt einver­standen war, zeigt schon die Tatsache, daß er ge­legentlich einer Aufführung des Trios in Wien (1871) einen Teil der Durchführung streichen ließ; Ende der 80er Jahre unterzog er es einer gründ­lichen Umarbeitung, die das Abschweifende, Episo­dische zugunsten formal-geistiger Straffheit beseitigte und so mit den beiden vorliegenden Fassungen einen Einblick in die geistige Werkstatt gestattet wie kaum ein anderes Werk. Es ist erstaunlich, wie der Meister in feiner Reife das Lebenskräftige unter­streicht; beispielsweise das Scherzo bis auf das klangliche Entschwinden in der Coda unangetastet ^t, aber wiederum im ersten Satze das Seiten­thema neu formuliert, die Durchführung stärker zu­sammendrängt und namenllich den früheren Fugen­teil ganz fallen laßt. Das Adagio wurde ebenfalls thematisch stark durchgeformt, insbesondere der be­wegte Tell der allen Fassung gestrichen. Ebenso er» hielt das Finale an Stelle des vom Cello getrage­nen Gefangsthemas ein neues Seitenthema. Das Ganze in der endgültig vorliegenden Gestalt läßt in der Gründlichkeit und geiftigen Verantwortlich­keit des Schaffenswillens nirgendwie die Umarbei­

tung als solche erkennen; ein jugendfrischer Geist erscheint in reifster Fassung und logisch gestraffter Durchdringung; ein Erleben wurde zum Bekennen.

Das bestätigte auch die diesmalige Aufführung des Werkes durch Profefsor Dr. Gerber (Violine), Ernst Schneider (Solocellist des Städtischen Orchesters) und stud. phil. Hans W. Guth (Kla­vier), die in fachlichem Aufgehen im Werk und mirfikalifchem Hingegebensein die in ihm ruhenden Kräfte weckten. Voll besonderer Stimmunasge- bundenheit war das Adagio mit der feinen Klang- lichkeit der Streichinstrumente; das Scherzo war sinnig akzentuiert und von schwelgender Melodik im Trio. Die Themen des erften Satzes wurden roeitatmig im Bogen gespannt, und im Finale wurde die treibenbe Kraft ber rhythmischen Ener­gien bestimmen!) für fein Klangwerben.

Die praktischen Erfahrungen seiner Detmolder und Hamburger Zeit hatten Brahms auf die Chormusik hingesührt, und in\ gründlichen Studien der älteren, unbegleiteten Vokalmusik hatte er sich diese Satzweise in allen ihren grundlegenden Be­dingungen zu eigen gemacht. So werden die d e u t- s ch e n Volkslieder für g e m i s ch t e n Chor wie auch die M a r i e n l i e d e r in ber Reinheit ihres Satzes, in ber Feinheit ihrer Stimmführung und nicht zuletzt durch die Beherrschung der darauf beruhenden Ausbruckswerte zum Ausgangspunkt der späteren großen Chorschöpfungen. Wenn sich auch Brahms ber klanglichen und . satztechnischen Mittel früherer Perioden bedient, so bedeuten seine Chöre doch nicht nur ein Nachahmen alten Stiles, sondern mannigfache Züge lassen erkennen, daß er die weitere Entwicklung ber musikalischen Aus- bruckssähigkeit dazwischenliegenber Zeiten in seine Darstellungsart hineinzubeziehen vermochte.

In seinen Volksliedern hat Brahms die Melo­dien und Texte, darunter auch volksliebartige Nach­schöpfungen, bearbeitet, die ihn in ihrer Unmtttel- barkeit fesselten und ihn zu neuer Formung, wie z. B. in dem unvergleichlichenIn stiller Nacht", anregten. Die Marienlieder op. 22 kennzeichnete er in einem Briese an Simrok:Die Gedichte sind schöne alte Volkslieder und die Musik etwa in ber alten Weise ber Kirchen- und Volkslieder."

Die Klarheit des Klanges in diesen gemischten Chören ift ebenso wirksam auf den Hörer wie sie dem Ausübenden eine befonbere Stellung zum

Werk gibt. Brahms fordert in diesen Sätzen ein beträchtliches Maß chorischer Disziplin und klang­licher Ausgeglichenheit; befonbers aber ift. mit ber Vielfalt bes texlichen Inhalts eine befonbers cha­rakterisierende Deklamation bedingt.

So wurden unter Profesfor Gerbers Leitung die einzelnen Lieber zu geschlossenen Stimmungs- bilbern, unter benen sich das am Eingang stehende In stiller Nacht" undDie Wolluft in den Maien" hervorgehoben. Mit feiner Stimmlicher Bewegung er­schloß sichDort in den Weiden"; nur hätte das von Brahms vorgeschriebene Jeggiero noch mehr Beachtung finden können. Die Marienlieder erschienen durchweg klanglich noch geschlossener und vertiefter in den dynamischen Abstufungen. Von besonderer Innigkeit war die letzte Strophe bes englischen Grußes. Die Glockenszene im Kirch­gang war fein ausgeftimmt unb wirksam in ihrem Abklingen. Der Schluß derWallfahrt" war groß im Ausdruck, Schön das klangliche Fließen imNuf zur Maria". Vortragende waren Elsbeth M u e l - ler-Leutert (Alt) und das Collegium musicum (Madrigalchor) der Universität.

Um dos Gebotene dem Hörer nahezubringen unb ihn dafür empfänglich zu machen, gab Professor Gerber zu Beginn der Veranstaltung Einblicke in Brahms persönliche Erscheinung unb seine künst­lerische Eigenart. Die einbrucksvollen Vorträge wur­den von dem vollbesetzten Auditorium dankbar ge­würdigt. Dr. Hermann Hering.

Derlehte Flug."

Während ihres letzten unglücklichen Fluges hat die amerikanische Fliegerin Amelia Earhart von jeder Station durch Radio ausführliche Berichte nach Hause gesandt, so daß mir die Schilderung ihrer Reise aus ihrem eigenen Munde besitzen. Diese Berichte sind jetzt in Buchform unter dem Titel Der letzte Flug" veröffentlicht worben, zusammen mit ihren Schilderungen früherer Flüge. Da ift zum Beispiel die Geschichte ihres erften Atlantik- fluges, bei dem ihre Ankunft in Burry Port so gut wie unbemerkt vor sich ging. Ebenso die Beschrei­bung ihres zweiten Atlantikfluges, wo fie allein flog. Schon diefe Berichte zeigen den Abenteuersinn ber Fliegerin,

deren Beifall lösten basBerefinalied" unb der Solbat auf Posten" aus. Den Schluß der Vor­tragsfolge bilbeten ebenfalls zwei Solbate«lieber mit Trompeten- dzw. mit Orchesterbegleitung, die wiederholt werden mußten. Den musikalischen Teil des Abends beftritt die Kapelle Schleuse in vor­trefflicher Weise.

* Watzenborn-Steinberg, 9. Febr. Am heutigen Mittwoch, 9. Februar, feiert Herr Georg Burger I. in Watzenborn-Steinberg seinen 78. Geburtstag. Der Jubilar ift noch sehr rüstig unb erfreut sich noch im Kreise seiner Kinder, Enkel und Urenkel einer guten Gesundheit. Wir gratulieren.

8 Alten-Bufeck, 6. Febr. Am Samstaa- abenb veranstaltete die Wißmarer Spiel- und Tanzgruppe in dem bis auf den letzten Platz befetzten Saale von Ph. Einhäufer einen erfolgreichen Dolkstumabend. Nachdem Herr Sarg (Alten-Bufeck) einige Worte über bas Wesen einer volksgebunbenen Kunst gesvrochen unb des Mannes gedacht hatte, der diese Kunst wieder auf ihren ureigenen Weg führte, begrüßte der Leiter der Wißmarer Gruppe die Erschienenen und sprach über Zweck unb Ziel ber volkstümlichen Tänze unb Spiele. Im Laufe bes Abends folgten ein Märchenspiel und ein bäuerliches Lustspiel von Hans Thoma, von denen besonders das Letztere große Heiterkeit hervorrief. Der Abend wurde be­reichert durch die schön vorgetragenen Volkslieder und gut aufgeführte alte Volkstänze ber Wißmarer Trachtengruppe, bie mit größtem Verstänbnis aus­genommen unb reich mit Beifall belohnt würben.

# Staufenberg, 8. Febr. Postschaffner Kraft unb Frau von hier feierten biefer Tage bas Fest ber Silbernen Hochzeit. Wir gratu­lieren.

* Ruttershausen, 9. Febr. Am 11. Februar begeht ber Kamerab in ber NSKOV. Joh. Phil. Will von hier in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag. Wir gratulieren.

wg. Großen-Bufeck, 7. Febr. Der lanb- wirfichaftliche Arbeiter Heinrich Balser konnte in biefen Tagen auf eine 2 5jährige Tätig­keit im Dienfte des hiesigen Hofgutpächters Ri­chard E f a u Wwe. zurückblicken. Er hat sich durch Fleiß unb Gewissenhaftigkeit das Vertrauen ber Betriebsführung und der ganzen Gefolgschaft er­worben.

* Reiskirchen, 8. Febr. Bei großer Beteili­gung der Kameraden unb ihrer Angehörigen fand hier am Samstag der Generalappell der Kriegerkamerabfchaft statt, der in echter Kameradschaft und Fröhlichkeit mit einer harmo­nisch verlaufenen Familienfeier endete an der auch ber Kreisverbandssührer Dr. Monnard mit sei­nem Stabe teilnahm. Unterverbanbssührer Glaub erhielt das Kyfshäuser-Ehren-Zeichen 1. Klaffe, Ka­meradschaftsführer Mengel das Ehrenzeichen 2. Klasse für langjährige treue Dienste. Am Sonn­tag Sprach Major a. D. RietSch (Hanau) vor den im Unteroerbanb Reiskirchen vereinigten Kamerad­schaften Reiskirchen, Bersrod, Saasen, Hattenrod und Burkhardsfelden. Unterverbandsführer Glaub begrüßte den Redner des Abends, sowie den Adjutanten des Kreisverbandsführers, Kamerad Weber, auf das herzlichste. Nach einigen kurze« Worte« über bas Fronterlebnis des deutsche« Sol­daten und nach einem Rückblick auf die überwun­dene Systemzeit erteilte er Major Rietsch das Wort, ber in feffelnber Weife über unsere neue Wehrmacht berichtete. Am Schlüsse seiner lehrreichen Ausführungen betonte ber Vortragende, daß jeder beutsche Volksgenosse bie Pflicht habe, sich wehr- polittsch und weltanschaulich so zu schulen, daß er feinem Daterlande an dem Platz dienen könne, an den er gestellt werde. Eine Reihe ausgezeichneter Lichtbilder aus dem Leben der jungen Wehrmacht vervollständigte den ausgezeichneten Eindruck des Vortrags. Unterverbanbssührer G l aub dankte dem Redner für seine beherzigenden Worte. Kreisver- bandsadjutant Weber schloß den Abend mit dem Gruß an den Führer.

0] Saasen, 6. Febr. In der jüngsten Bür­gerversammlung beschäftigte man sich mit dem ThemaD o r f v e r s ch ö n e r u n g". Im Zu­sammenhang damit sollen die Ortsstraßen, die sich in schlechtem Zustand befinden, ntu eingedeckt werde«.

00 Bo 1 lnbach, 6. Febr. Bei Gastwirt Wag­ner hielt biefer Tage der bekannte U-Bootfahrer Kratz aus Freienseen einen Vortrag. Er fdjitberte eine Fülle seiner Erlebnisse während bes Weltkrie­ges unb feine Fahrten im U-Boot. Der lebendige Vortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit ver­folgt.

Rückschauend", heißt es da,kommen mir weniger anaenehme Erinnerungen an diefe Nacht über dem Atlantik. Zum Beispiel, wie ich die Flammen aus dem abgenutzten Kollektor Schlagen sah und so nebenbei Darüber nachdachte, ob es wohl angenehmer wäre, zu ertrinken ober zu ver­brennen. Oder die fünf Stunden Sturm mitten während der Schwärzesten Nacht, als ich allein auf­recht bei den Instrumenten wachte, hin- unb her- gefchleudert wie nie in meinem Leben. Und dabei nicht zuletzt bas Gefühl wunderbarer Einsamkeit unb bie Erkenntnis, daß die Maschine, die ich flog, ihr Bestes hergab unb von mir bas Beste verlangte, was ich zu geben hatte." Dann kommt die Ge­schichte ihres Fluges über den Pazifik, als sie stundenlang in Rabiooerbinbung mit Honolulu war, mit ihrem Mann sprechen konnte und bas seltsame Erlebnis hatte, während sie allein mitten über dem Pazifik war, zu hören, wie ber Ansager meldete, daß fie unterwegs nach San Franzisko wäre. Dann verstummten die Stimmen allmählich.Nach Mitter­nacht ging ber Monb unter unb ich war allein mit ben Sternen."

Ihr Flug um bie Well war sorgfältig vorbe­reitet worden unb begann mit einem unglücklichen Start. Sie änberte ihren Kurs, startete von San Franzisko, flog von Neuorleans nach Brasilien, von dort nach Dakar, über das afrikanische Festland und dann in einer großartigen Tour vom Roten Meer nach Karachi. Weiter von Rangoon nach Bangkok unb dann nach Singapur und Australien. In Lae in Neuguinea sah fie den Pazifik wieder, den sie in San Franzisko verlasse« hatte: ,Vor nicht viel mehr als einem Monat war ich auf ber anderen Seite bes Pazifik unb blickte westwärts. Heute abend schaute ich ostwärts über ben Pazifik. In ben rasch vergehenden Tage«, bie bazwischen lagen, war die Welt in ihrer ganzen Weite an uns vor- übergefloaen mit Ausnahme dieses weiten Ozeans. 5ch werbe froh sein, wen« wir bie Ge­fahren seiner Ueberquerung hinter uns haben."

Dies ift die letzte Eintragung in ihr Tagebuch.

Hochschulnochrichten

Professor Dr. Karl Pieper, Extraorbinarius für Zahnheilkunde an der Universität München, wurde zum Ordinarius ernannt . ------------

l

§ gueckln rortrafl des Ortsgrupp tretende Leite einem erklären Haften Erorde seinen Doltsge Bau von W zahlreich vertr Land die De' schließend san schutzhauswar der Ortsbem Anweisungen dem Vortrag rungen und nicht zum RL nerte an die gegenüber feil Sieg-Heil auf

J1K N

O *1 i*td) lle

«US liefe01.8 7-»®tl,t

*

6a5

M-bezieh-0 gt»iefe°.

be° Sb--' 20 5tlb" Ausgabestellen

Parole fi esse« wir Soldaten! DhD-l

> Ettin f Paulus Walti lustschutzb zeigt. Gemeir berg) erläutei Filmbilder. : sprach anschlie schuhschulung. sich noch recht schutzbund ans

< Rodhe N/M.147

1 Kameradschaft nächst eine fi | ineinsam ge-fur gen und untei Musikalische Dc

Di bei i

, WS. 3ic Ip-ele der Eli, in den Hander der Obersten ausgeschrieben frouillenlauf j | patrouillenlau

El- C über 12 |1X 8 km. b) (

11 drei Man aus der ln p Mannschaf

I ten nn?fd)afl °n. Standarte orte 30 in

I S E>ner komb I Seiten.

hechten Schne, "NS nichts

! heutigen ' fe

W

Khen -

* ÄS

Äh

eint