am 13. November, dem zweiten Ein-
(Nachdruck verboten!-
27. Fortsetzung.
Sie nämlich nii
„Grüß Gott! Grüß Gott! Schau, schau! Der Herr Doktor persönlich! Hat man jetzt ja sehr, sehr selten die Ehre!"
„Gott sei Dank!" knurrt Meßdorff. „Sonst waren
„Aber Herr
„das ist ... das ist ja .
„Soll's auch sein!"
In seinem Arbeitszimmer trifft er seinen Schwie- gervater.
Generaldirektor Didriksen ist zu seiner Stellung gekommen, weil sein Vater sie chm so gesichert hatte, daß auch ein Kind diesen Platz hätte ungefährdet einnehmen können. Vom ersten Tage an hat er sich dabei nicht besonders behaglich gesichtt. Alles, was mit Geschäft zusammenhängt, ist chm ein Greuel, er betrachtet es nur als eine unumgängliche häßliche Notwendigkeit. Sein ganzes Leben gehört eigentlich der Musik. Dabei ist er selbst nur ein recht mäßiger Klavierspieler, weil es ihm an der nötigen Energie fehlte, sein Können mit seinem Wollen in Einklang zu bringen.
So beschränkt er sich nun auf das Zuhören, hat eine Loge in der Oper als Dauermieter, kennt alle bekannten Sänger und Sängerinnen persönlich, sammelt mit bewundernswertem Eifer Schallplatten und hat sich als Lebensziel gesetzt, junge unbekannte Talente zu fördern.
Das ist sein eigentlicher Lebensinhalt, wobei chn nur eine gelegentliche Sitzung stört, die er notgedrungen leitet, nachdem ihn sein Schwiegersohn vorbereitet hat.
„Gut, daß ich dich treffe, Schwiegervater", begrüßt ihn Meßdorff. „Es tut mir zwar sehr leid, aber ich habe das Gefühl, als wenn wir noch Arbeit bekä- men. Darf ich bitten, daß du dich für morgen ganz frei hältst und übermorgen zu einer Unterzeichnung in die Verwaltung kommst?"
Das Gesicht des alten Herrn verzieht fid) zu einer Miene, als habe ihm jemand zugemutet, Essig zu trinken.
„Muß denn das fein?"
„Es läßt sich leider nicht umgehen. Ich habe in deinem Namen morgen eine Aufsichtsratssitzung ein- berufen."
Art sein können.
An erster Stelle steht am kommenden Eintopf- sonntag Graupensuppe mit Mohrrüben und Hammelfleischeinlage. Drei besonders wertvolle und schmackhafte Erzeugnisie in einem Eintopf. Man braucht kein Prophet zu sein, um diesem Gericht besonders reichen Zuspruch vorauszusagen. Aber auch das zweite Gericht wird in allen Gaststätten seine Freunde finden: Weiß- oder Wirsingkohl mit Rindfleisch. Dieser Eintopf ist schon in den vergangenen Jahren
Was gibts am Eintopfsonntag?
Oer Speisezettel der Gaststätten am 13. November.
Kaninchen-die deutschen Pelzlieferanten
Lolalfchau des Kaninchenzuchtvereins Gießen.
Fahrzeugführer mit 2 Anzeigen und 5 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Radfahrer mit 10 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Fußgänger mit 2 gebührenpflichtigen Verwarnungen.
"* Buchführungsarbeitsgemeinschaften im Einzelhandel. Die Kreisgruppe Gießen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel weist nochmals auf die in den nächsten Tagen beginnenden Buchführungsarbeitsgemeinschaften hin und empfiehlt chren Mitgliedern, im Hinblick auf die Buchführungspflicht ab 1.1.1939, dringend die Teilnahme.
** Noch gut -abgegangen. Gestern nachmittag ereignete sich an der Ecke Frankfurter Straße und LiebiAtraße ein Derkehrsunfall. Dort stießen ein Auto und ein Radfahrer zusammen. Dabei ging es noch glimpflich ab, denn der Radfahrer erlitt außer einigen leichten Kopfverletzungen nur geringe Hautabschürfungen.
miierung verbunden, die folgendes Ergebnis Zeitigte:
Den Reichsfachgruppen-Ehrenpreis für Weiße Wiener erhielt C. Hoffmann (Dorf-Gill). Adolf Stieber erhielt für Groß-Chinchilla eine silberne Ehrennadel. Emil Kern wuroe mit einem silbernen Becher ausgezeichnet. Heinrich Becker (Gießen) erhielt für Angora-Tiere und Pelze eine silberne Nadel, bzw. die Bewertung „sehr gut". Für die verschiedenen Rassen wurden folgende Preise vergeben:
Angora: Heinrich Becker erhielt einen Ehrenpreis, Albert Nuhn einen 4,., L. Kreiling einen 2. und Frau Schneider einen 1. Preis.
Deutsche Widder, grau: K. Simons einen Ehrenpreis und vier 2. Preise; Chr. Hüttenberg einen Ehren- und einen 2. Preis; Ferd. Schellhaas einen 1. Preis.
Französische Silber: Ehr. Hüttenberger einen 2. Preis.
Groß-Chinchilla: A. Stieber einen Ehrenpreis, zwei 1. und einen 2. Preis. Fritz Vogel erhielt einen Ehrenpreis und G. Harig einen 2. Preis.
Weiße Wiener: E. Kern zwei Ehrenpreise, zwei 1. und zwei 2. Preise; O. Stroh einen Ehrenpreis, einen 1. und einen 2. Preis; C. Hoffmann (Dorf-Gill) zwei Ehren- und einen 1. Preis; Gg. Schellhaas einen Ehren- und 1. Preis; Adolf Stieber einen 1. und einen 2. Preis; Fritz Vogel einen 1. Preis.
Blaue Wiener: Gg. Schellhaas einen Ehren- und einen 1. Preis; Otto Dörr einen 3. Preis.
Klein-Chinchilla: L. Kreiling zwei Ehrenpreise und einen 2. Preis; H. Stroh einen 2. Preis und K. Simons einen 3. Preis
Klein-Silber: Karl Nuhn einen 2. Preis.
Am Sonntag veranstallete der Kaninchenzuchtver- ein Gießen im „Burghof" eine Kaninchenschau, die sehr sehenswert war und auch einem lebhaften Interesse begegnete. Zahlreiche Besucher fanden sich im Lause des Tages ein und bewunderten die prächtigen Tiere, die zur Schau gestellt waren. Insgesamt war die Schau mit 110 Tieren beschickt, die ausschließlich aus den Beständen der Mitgli^er stammten. Außerdem Handelle es sich fast nur um Tiere der anerkannten Wirtschaftsrassen. Man begegnete in dieser Schau dem prächtigen Angora-Kaninchen, den schweren grauen deutschen Widdern, dem Groß-Chinchilla und der Raste Französisch-Silber. Allein 40 Tiere der Raste „Weiße Wiener" waren vertreten, die der Verein besonders pflegt Schließlich sah man noch die schönen blauen Wiener, das Klein-Chinchilla und als Liebhaberzüchtung, das Lux-Rex-Kaninchen. Die Schau ließ erkennen, daß man im Kaninchenzuchtverein Gießen mit großem Eifer und mit bestem Erfolg in bewußter, züchterischer Tätigkeit arbeitet. Die Bedeutung dieser Arbeit wird klar erkenntlich, wenn man hört, daß fast 90 v. H. aller Pelze, die in Deutschland getragen werden, aus Kaninchenfellen veredelt wurden.
In welch vollendeter Weise diese Veredelung vor sich geht, bewies eine Sonderschau von Fellen und Pelzen, die das Kaninchenfell als Ausgangsmate- rial hatten und in überraschend vielen Formen veredelt wurden. Vom Maulwurf bis zum Leopardenfell, waren schlechterdings aus der Tierwelt alle jene Gattungen von Pelztieren nertreten, die ihr Fell für Pelzwaren geben müssen. Die Ausstellung in ihrer Gesamcheit bewies, daß auch in aller Stille und in kleinerem Kreise wertvollste Arbeit geleistet werden kann.
Mit der Ausstellung war gleichzeittg eine Pra-
-cht mehr hier."
Doktor ..." stammelt der Verdutzte, .. eine Beleidigung!"
Widder, weiß: Ferd. Schellhaus einen 1. ttn5 zwei 2. Preise. . _
Lux-Rex (Kurzhaar): Professor O. Urstadt einen Ehren- und einen 1. Preis.
Amtsgericht Gießen.
Der bereits bejahrte A. D. aus Gießen wollte am 4. Juli bei den Eheleuten Sch. Geld einfaffieren. Er traf aber nur die Ehefrau Sch. an, die die Rech- nun nicht bezahlen konnte. Anstatt sich zu entfernen, um später das Geld bei dem Ehemann Sch. zu er« heben, blieb der Angeklagte und stellte der Ehe« frau Sch. unsittliche Anträge. Die in chrer Ehre gröblichst verletzte Frau erstattete gegen den damals offensichtlich angetrunkenen D. Strafanzeige. Durch Strafbefehl erhiell er eine Geldstrafe in Höhe von 80 Mark. Er beruhigte sich aber nicht bei dieser Strafe. In nichtöffentlicher Sitzung verhandelte des« halb gestern das Amtsgericht gegen den Angeklagten. Es verurteille ihn wegen Beleidigung (§ 185 StGB.) zu einer Geldstrafe von 100 Mark. Im Nichteinbrin« gungsfalle hat D. für je 5 Mark einen Tag Gefängnis abzusitzen. Für die Höhe der Strafe war maßgebend, wie der Vorsitzende in der öftenllichen Ur- teilsbegrünbung hervorhob, daß der Angeklagte nicht das Unerlaubte seines Tuns einsehen wollte. Da der Angeklagte verurteilt ist, hat er auch die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Der O. St. aus Alten-Bufeck, der bis jetzt noch nichts mit dem Strafrichter zu tun hatte, zechte im Mai auf der Ludwigsburg bei Wieseck. Er versäumte aber, seine stattliche Zeche zu begleichen, und erhielt deswegen gemäß § 263 StGB. (Betrug) unter Zubilligung mildernder Umstände einen Strafbefehl in Hohe von 50 Mark. Gegen diesen Strafbefehl legte St. gleichfalls Einspruch ein.- In der gestrigen Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Angeklagte, der in dem genannten Lokal Stammgast war, inzwischen seine Schuld beglichen hat. Eine plötzliche Verschlechterung seiner Vermögenslage, bedingt durch einen Arbeitsplatzwechsel, hatte damals den Angeklagten gehindert, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Geschädigte betonte, daß er fein Interesse an der Bestrafung des Angeklagten habe. Das Gericht machte von der Möglichkeit des § 153 lü StPO. Gebrauch und stellte mit Zu- ftimmung des Vertreters der Anklage das Verfahren gegen St. ein.
Ein böses Stück hatte sich wieder der bereits einschlägig vorbestrafte H. R. aus Allendorf a. d. Lda. geleistet. In der Zeit von Ende Juni bis zum 19. Juli öffnete er im Arbeitsraum der Reichsbahnarbeiter fortgesetzt die Spinde zweier Arbeitskameraden, aus deren Kleidern er im ganzen 10 Mark entwendete. Zur Oeffnung der Spinde hatte sich der Angeklagte fremder Schlüssel bedient. Obwohl der noch in jungen Jahren stehende Angeklagte bereits . einschlägig vorbestraft ist, gewährte ihm das Gericht noch einmal mildernde Umstände. Es verurteilte ihn wegen Verbrechens gegen § 243 Absatz 1, Ziffer 3 StGB, (schwerer Diebstahl) zu einer Gefängnis- strafe von neun Monaten. Außerdem erging gegen den Angeklagten Haftbefehl.
Das Urteil
int Frankfurter Schlachthofprozeß.
LPD. Frankfurt a.M., 5. Nov. Die Dritte Strafkammer beendete am Samstag die Verhandlung-gegen die 13 Angeklagten, die der Leber- und Fleischdieb st ckhle im Schlachthof angeklagt waren. Das Gericht folgte den Anträgen der Staatsanwaltschaft nur insoweit, als es sich um Eigentumsdelikte handelte, dagegen lehnte es aus subjektiven Gründen eine Verurteilung der Angeklagten wegen Vergehens gegen das Lebensmittelgesetz und das Fleischbeschaugesetz ab. Das Verfahren gegen einen Angeklagten wurde auf Grund der Amnestieverordnung eingestellt. Der Hauptbe- schuldigte Arnold Schönewolf wurde wegen Diebstahls, Dollstreckungsbruchs gemäß § 137 StGB, und Hehlerei zu 15 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von neun Monaten einer Woche Untersuchungshaft verurteilt. Von den übrigen elf Angeklagten, die in der Mehrzahl des Diebstahls und VoÜstreckungSbruchs schuldig befunden wurden, erhielten drei an Stelle verwirkter Gefängnisstrafen Geldstrafen von 120 bis 150 Mark und acht Gefängnisstrafe von zehn Wochen bis sechs Monaten.
„Du lieber Himmel!" Der Alte schlägt in hellem Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen. „Du willst doch nicht etwa irgend etwas Neues unternehmen?"
„Nein, Papa", beruhigt chn Meßdorff lächelnd. „Diesmal habe ich nur eine alle Rechnung beglichen. Die ,Vereinigten^ ... du weißt, die Leute, die uns damals mit dem Patent so betrogen haben, sind fällig. Darüber wollen wir morgen beschließen; ich bin überzeugt, daß man mein Manöver versteht. Weil ich meinen Bankkredit ein wenig scharf an- spannen muß, ist mjr's lieber, der Aiifsichtsrat ist dabei, obgleich er neben dir nichts zu melden hat!"
„Oje!" Ein komischer Seufzer entringt sich der Brust des Allen. „Und gerade morgen singt einer meiner Schützlinge in der Oper vor. Schade. Der junge Mensch hat einen Bariton, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt."
„Du wirst doch pünkllich sein, Vater?"
„Beruhige dich! Beruhige dich! Ich bin pünktlich auf die Minute. Schließlich muß ich ja auf irgendeine Weise dankbar fein, daß du mir den ganzen Kram so vorbildlich abgenommen hast. Aber ... jag mal, wird das nicht ein bißchen viel?
Nein, nein, du mußt nicht gleich aufbrausen! Es greift dich doch niemand an. Ich sehe bloß, wie du verwegen mit dem Geld der ,Union' umspringst. Du hast viel ausgegeben ..."
„Deine Tochter ist nicht billig!"
„Nu ... nu ..." beschwichttgt der Alle. „Brauchst nicht gleich zu beißen! Ader wenn du eines Tages einmal Schwierigkeiten hast, mein Junge?"
„Sei unbesorgt, Papa, ich verderbe mir so schnell nicht den Magen. Aber da kommt Irene ..."
In der Tür steht Irene Meßdorff, sehr schlank, fast ein wenig zu groß. Die mandelförmigen Augen in einem sehr großgeschnittenen, etwas scharfen Gesicht, blauschwarz das Haar, zu einem schweren Knoten in den Nacken gelegt. Ein Kleid, das so einfach erscheint, wie es nur eine Künstlerin entwerfen kann: ein Bild von einer Frau in einem Rahmen, der wie geschaffen für sie ist.
Meßdorff küßt ihr die Hand.
„Du bist die schönste Frau in der ganzen Stadt, Irene! Wenn du nur nicht die vielen Menschen um dich hättest!"
„Ach geh? ... Sonst hast du Gesellschaft recht gern! Aber beruhige dich! Sie sind längst foxt- Du siehst ... ich gehorche deinen Winken!" Dabei fährt sie ihm leicht über das Haar. „Seid ihr beide bei Geschäften? Oder führt dir Papa seine neuen Schall- platten vor?"
„Wir sind leider bei Geschäften, mein Kind! Dein Mann belegt mich für die nächste Zeit völlig mit
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Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau l. Sa.
** Ein Sechsundsiebzigjähriger. Am heutigen Dienstag, 8. November, kann der Rentner Georg Schmidt, Ebelstraße 41, seinen 76. Geburtstag feiern. Leider ist der hochbetagte Mann feit Monaten durch Krankheit an das Bett gefesselt. Beste Wünsche zum Geburtstag und für baldige Genesung!
** Schülerinnen spenden für sudetendeutsche Kinder. Die Schülerinnen der Oberschule für Mädchen haben als Spende für die sudetendeutschen Kinder hepte 209 felbftgearbeitete Wäschestücke an die Kreisamtsleitung Wetterau der NSV. abgeliefert Die Sachen sind zum großen Tell durch Umarbeiten älterer Wäsche- und Kleidungsstücke, oder aus Stoff- und Garnresten entstanden.
""Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 28. Oktober bis 3. November ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 5 Anzeigen und fünf gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen sonstige
Beschlag. Du kannst deinem Vater glauben, es ist schrecklich, Generaldirektor zu sein, wenn man nichts von seinem Geschäft versteht. Ich gäbe was dafür, wenn ich mir ein Haus am Mannsee kaufen könnte und Franz Schulze hieße, der mit niemand etwas zu tun hat."
„Aber Vater ...! Charly nimmt dir doch alle Arbeit ab! Du darfst dich doch nicht beklagen."
„Tu ich auch gar nicht, Kind!" Er lacht freundlich und gibt ihr einen kleinen Klaps auf die Backe. ,Hch muß nur von Zeit zu Zeit meinem Herzen einmal Luft machen. Gib mir Bescheid, Meßdorfs, wann ich antreten muß und wo. Was ich zu tun und zu sagen habe, bitte in gewohnter Weise bis heute abend, nicht?"
„Alles in Ordnung, Papa."
Er blinzelt seinen Kindern zu und geht. Nach kurzer Pause hört man ganz leise das Tannhäuser- Vorspiel. Der Herr Generaldirektor ist für die nächsten zwei Stunden nicht zu sprechen. Er weilt bei seinen Schallplatten.
Meßdorff erstattet seiner Frau Bericht. Er geht mit großen Schritten dabei auf und ab. Das ist so gewesen in den ersten Tagen ihrer Ehe, das ist noch heute so. Er vertraut sich, wie er sagt, keinem Menschen an als nur seiner Frau. Sie weiß das sehr zu schätzen, und ihr Rat hat chm schon viel geholfen. Irene fft ein Mensch, der sich zwischen Zahlen außerordentlich wohl fühlt.
Dock) heute fällt ihr zum erstenMale eine gewiße Zerfahrenheit auf. Das gefällt ihr nicht. Als er seinen Bericht geendet hat, wartet er auf ihre Zustimmung. Aber die bleibt seltsamerweise aus.
„Du sagst gar nichts?" fragt er endlich erstaunt. „Scheint dir Der Plan nicht ganz einleuchtend? Ich lege die unangenehme Konkurrenz still und nütze unsere eigenen' Betriebe voll aus. Es ist ein Geschäft, das man fast ohne Papier ausrechnen kann."
„Mir ist nicht wohl dabei, Charly. Und ... du verheimlichst mir etwas. Es fft kein Geschäft, was du zu Ende bringen willst, sondern deine Rache. Arme Karola! Schade, daß ich sie nicht kenne. Muß ich eifersüchtig auf sie sein, daß du dir noch immer soviel Mühe um dies Mädchen machst? — Charly ... du darfst mich nicht betrügen! Hörst du? — Man sagte unten in der Gesellschaft auch etwas von einer Charlotte ... und dein Name wurde dabei genannt." Aus halbgeschlossenen Lidern sieht sie ihn an.
In seinem Gesicht regt sich kein Muskel. Unhörbar ahnet Irene auf.
„Blödsinnige Eifersüchteleien!" sagt er. „Ich habe diesen Namen nie gehört. Du solltest über solch Geschwätz lachen, Irene."
wiederhott bei den Gintopffonnfagen genannt wor- den, und stets haben die Gaststätten gute Erfahrungen mit diesem einfachen Gericht gemacht. An dritter Stelle steht, wie immer, das Fischgericht. Wenn nicht plötzliche Stürme unseren Fischern die Arbeit auf See erschweren, wird die Fischversorgung auf allen Märkten ausreichend sein. Entscheidend ist aber immer das Wetter. Warum aber sollte nicht auch einmal der Matjeshering beim Eintopfsonntag zu großen Ehren kommen?
Der Gemüseeintopf nach Wahl oder vegetarisch läßt den Gasfftätten in den einzelnen deutschen Gauen alle Möglichkeiten offen. Da die Blumenkohlversorgung in diesem Jahre besonders gut und S-oß ist, wird dieses Erzeugnis sicherlich an vielen rten berücksichtigt werden.
Alles in allem: einige der besten und schmackhaftesten Erzeugnisse unserer Ernährungswirtschaft stehen zum 13. November bereit. Gäste und Gastwirte werden zuftieden sein.
2Iutff l... —-----------
topffonntag 1938/39, stellen weit über 200 000 Gaststätten ihren Gästen wieder ä,en beliebten Eintopf vor. Wie bisher, hat die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergunasgewerbe im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand zwei Eintopfgerichte reichseinhecklich festgelegt, während zwei weitere Gerichte den landsmannschaftlichen Wünschen und der Markttage in den einzelnen Gebieten des Reiches Rechnung tragen sollen, also verschiedener
In Wahrheit verwünscht er jenen niederträchtigen Schwätzer, der da voreilig ein Stichwort in sein Spiel gebracht hat, das ihm ganz und gar nicht vaßt. Er hütet sich aber, nur einen einzigen Ton davon laut werden zu lassen.
„Wenn ich erführe, daß du mich betrügst, Charly ..hört er seine Frau sagen.
„Du bist nicht recht ausgeschlafen, Kind. Ich habe gejehen, wie lange du noch gelegen hast!" gibt er ärgerlich zur Antwort.
„Unsinn. Charly! Kein Ablenkungsmanöver! Mir fft's ernst. Du bist ein Genie, aber die »Union AG.' nimmt einen Umfang an, den bald kein Mensch mehr übersehen kann. Ich möchte nicht wis- jen, wie hoch unser Bankkredft ist."
„Ich auch nicht!" lacht er. „Und er wird noch höher. Ich habe die Bank durch ihren Direktor in der Hand."
„Charly, das ist ... Leichtsinn! Das ist noch schlimmer als nur Leichtsinn."
„Es ist ein hartes Spiel, das weiß ich!" Sein Mund wird schmal und scharf. ,Ein Spiel, das uns sehr gefährlich werden kann. Aber wer in der Wett gewinnt etwas ohne Einsatz? Niemand. Und nur die Spießbürger lieben ein Leben ohne Gefahr. Ick nicht. Ich wage es ... und, verlaß dich drauf, ich gewinne auch."
,Hch wünsche bir's."
„Dir auch, Irene. Ju weißt, ich denke immer nur an dich! Alles, was ich tue, geschieht für dich allein!"
„Ach, Charly ... du sagst, du tust es für mich .. < und ich will dir glauben! Und du denkst auch an keine andere?"
,Zch denke immer nur daran, daß ich dich liebe."
„Der große unheimliche Doktor Meßdorff ist verliebt in ein törichtes Frauenzimmer... ach, Charly, dos fft schön! Das fft wunderschön!"
Sie legt chm die Arme um den Hals und küßt ihn.
Er läßt es wie abwesend geschehen.
„Ich danke sehr. Somit wäre der Kaufvertrag in Kraft getreten. Heute mittag um zwölf Uhr gehen Grundstück, Gebäude und Maschinen, Aktiva und Passiva der »Bereinigten Chemischen Werke^ in Radevormwald in den Besitz der »Union AG/ über. Darf id) Sie, gnädiges Fräulein, und Sie, Herr Justizrat, zu einem bescheidenen Mahl bitten?
Karola streift die Hattdschuhe über.
,Lch danke, Herr Doktor. Es steht Ihnen frei, Herr Justizrat
Doch auch Wangenherm lehnt ab. Er habe noch einige Dinge geschäftlicher Art zu erledigen.
Der Abschied ist steif und sehr kühl.
(Forffetzung folgt!)
iionalsozicckistffchen Gedankens und der national- sozialistischen Erziehung seien.
Mit einem gemeinsamen Lied, einem zwecken Trio von Corelli und dem Treuegelöbnis an den Führer wurde die eindrucksvolle Feier geschlossen.
Musikalische Abendfeie,-.
Die Bedeutung der musikalischen Abendfeiern, die in unserer Stadt zu einer ständigen Einrichtung geworden sind, wird dadurch wesenttich gesteigert, daß den einzelnen Folgen stets eine besondere Grundidee eigen ist. Musik und Wort ergänzen und verdeutlichen sich dabei gegenseitig in erfreulichster Weise.
Der vergangene 31. Oktober war dem Gedenken des großen Wittenberger Reformators gewidmet. Auch die 29. musikalische Abendfeier am vorigen Sonntag in der Johanneskirche stand in seinem Zeichen. Lucher, der selbst ein bedeutender Musiker war, dessen Choralmelodien auch heute noch nichts von chrer Eindruckskrast verloren haben, hat nachweisbar fruchtbringend auf das Schaffen der Komponisten seiner Zeit und die einer späteren Zeck eingewirkt. Auch der große Leipziger Thomaskantor Ioh. Seb. Bach hat sich dem Einfluß Lochers gern und willig hingegeben. Dieser Tatsache verdanken wir eine Reihe höchst wertvoller Werke. Auf dem Gebiet des Orgelchorals steht Bach als der überragende Schlußstein einer vorangegangenen Entwicklung da, deren bedeutendste Stufen wohl in Buxtehude und Pachelbel erscheinen. Sein Schaffen bewegt sich auf diesem Gebiet in mannigfach verschiedenen Formen, vom einfach kolorierten oder fugierten Choral fortschreitend bis zum Choralvorspiel, zur Choralfantasie und Choralvariation. Die über Luchersche Wersen und Texte geschriebenen Werke dieser Art gehören zum großartigsten, was der Meister geschaffen hat.
So vor allem das am Sonntag als erstes der Choralvorspiele erschienene „Aus tiefer Not", das mit seinen sechs meisterhaft geführten realen Stimmen, von denen zwei im Pedal liegen,, ein Meisterwerk musikalischer Satzkunst darstellt. Ebenso tres- fend im Ausdruck ist „Nun freut euck lieben Chri- stengmein" mit den über dem im Pedal erscheinenden Choral hinellenden freudigen oberen Stimmen. Bon eindringlichster Wirkung ist auch „Ein feste Burg" mck seinem gewaltigen Drgelpuntt am Schluß. Organist I. Nebeling war diesen Werken ein liebevoller und sicherer Ausbeuter, der be« sonders durch eine treffliche Registrierung dem musikalisch-dichterischen Inhalt voll gerecht wurde.
Diese im Mittelpunkt des Geschehens stehenden Stücke wurden umrahmt von der Tokkata und Fuge in C-dur und dem Präludium und Fuge in a-moll, an der Bach nachweisbar am .längsten unb_ eindringlichsten gefeilt und gearbeitet hat. Dafür ist aber auch ein Werk entstanden, das in der Geschlossenheit und Verbundenheit der Grundidee und in der meisterhaften Form unter Bachs Werken mit an der Spitze steht. Auch diese beiden Werke fanden durch den Spieler eine würdige Wiedergabe.
Die Schrift- und Lutherworte des Geistlichen waren, wie schon gesagt, in feinsinniger Weise dem musikalischen Teil anaepaßt, so daß diese Abendseier in ihrer Geschlossenheit von tiefstem Eindruck war.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 8. Nov. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche seine Molkereibutter, kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, % kg 6 bis 9 Pf., 50 kg 5 bis 6 Mark, Weißkraut 4 bis 6 Pf„ 50 kg 4 Mark, Rotkraut, % kg 7 bis 8 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mark, gelbe Rüben und Ka- rotten, kg 7 bis 10 Pf., rote Rüben 10, Spinat 15, Römischkohl 10, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 15 bis 38, Feldsalat, lko 8 bis 10, Tomaten y2 kg 28 bis 30, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 8 bis 9, Kartoffeln, kg 4 Pf., 5 kg 35 bis 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 30 bis 42 Pf., Birnen 25 bis 40, Nüsse 45 bis 50 Pf., junge Hahne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, bas Stuck 10 bis 45, Salat 8 bis 10, Salatgurken 45 bis 50, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5. bis .10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 10 bis 20, Radieschen, bas Bünbel 8 bis 12 Pf. _________________________________


