Ausgabe 
8.4.1938
 
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Kr.85 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

8reitag.8.Aprilltz38

Gruß an unsere Flieger

bewahrt.

unver.

Kinder aus Oesterreich! Herzlich willkommen!

Negimentsappell

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witz und das Mundwerk: das ist hier schon viel

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Se­in alle

Halle und Wartesaal unseres Gießener Bahnhofes waren gestern, wieder einmal Schauplatz und Rah­men für ein Ereignis nicht alltäglicher Art. Kinder aus der wieder mit dem Reich vereinigten Ostmark, Kinder aus Oesterreich, aus Wien, kamen im fahr­planmäßigen Personenzug, der um 14.52 Uhr in Gießen von Frankfurt her einläuft, hier an. Sechs. Wagen waren dem Zug zusätzlich angehängt, voll mit einer fröhlichen Kinderschar, die zwar schon

etwas müht war von der langen Reise, aber spannt den Ereignissen entgegensah, die sie Gießen erwarteten. Aber sicherlich haben sie

hohe Stimmkultur, leichte Beweglichkeit, wie eine empfindsam folgende, äußerst differenzierte Aus­druckskraft fordern. Helene Fahrni (Leipzig) ließ die Partie der Hanne mit ihrem schönen Sopran lebendig werden in gefühlsgebunden sich schmiegen­der und voll ausschwingender Linienführung, mit Weichheit des Klanges und Nachgiebigkeit, mit mu­sikalisch beseelter Kunst. In ihrer Aufgeschlossenheit für die Situation erhob sich jede Wendung des Textes in persönlicher Durchbildung zum Eigenwert mit mannigfacher Abstufung.

,215er auch die beiden Männerstimmen müssen ein hohes Maß an Koloraturfähigkeit erfüllen. Dem entsprach Anton Knoll-Frankfurt (Tenor) in seinen Zwiegesängen mit Hanne mit anziehender, gewinnender stimmlicher Frische und schlichter Ur­sprünglichkeit. Mit feinem Akzent gestaltete er die Rezitative, die Wander-Arie wuchs wohl ausdrucks­voll aus dem Szenischen heraus und angesichts der stimmlichen Mittel auch bei ausgeglichenem musika­lischem Figurenwerk: aber die Klippe des hohen H am Schluß dieser Arie hätte er vielleicht um­gehen können.

Sinn- und werkgemäß ließ Erich Meyer- Stephan, Frankfurt (Baß) die Ackermann-Arie in plastisch geprägter Koloratur, mit gesättigter, ausgeglichener Farbe seines Organs, das sich im Laufe der Zeit sehr glücklich entwickelt hat, erstehen: die Jagdarie war in ihrer bildhaften Kraft durch­lebt. In dem zur Besinnung mahnenden Schlußteil schwang zwingende Kraft, verstärkt durch den per­sönlichen Akzent.

Die besondere Wichtigkeit, die Haydn dem Or­chester mit seiner reich bedachten Eigensprache zu­meist, wurde überzeugend in den Einleitungen der einzelnen Teile, die sich zu schönster klanglicher Bin­dung und deutlicher Ausdrucksprägung entwickelten. Die vielen Momente sinniger Kleinmalerei (z. B. Wachtel-, Grillen- und Froschruf), die mufikalisch-

und fast die Hauptsache; da sie im ganzen weicher angelegt ist, als die Figur im Buche sich gibt, er­scheint auch die innere Wandluna, die hier neu ist, psychologisch glaubhaft. Die ebenfalls erheblich aus- gebaute Rolle des Wehrhahn spielt George, und er macht die knallende Karikatur eines beleibten, hackenschlagenden, krähenden preußischen Landjun­kers daraus, der von Beschränktheit, Anmaßung und fehlgeleitetem Amtseifer strotzt, stimmlich in manchen Szenen bis an die äußerste Grenze for­ciert. Für die Adelheid war Rotraut Richter gerade die richtige Beletzung: sie gibt ein frühreif gewecktes Früchtchen, eine halb freche, halb trotzige Göre von unverfälscht spreeländischer Kreszenz, ein echtes Kind ihrer tüchtigen Mama. Eine prächtige Figur, ganz wie bei Hauptmann, gibt Albert F l o- r ath als Schiffer Wulkow; mit scharfem Charakter­umriß zeichnet Ernst W a l d o w das üble Subjekt Motes. Ganz schlicht und menschlich wirken Sabine Peters und Heinz von Cleve als Leontine und Dr. Fleischer, die bei Hauptmann nur flüchtig chargiert erscheinen. Mit hübschen Leistungen in kleineren Rollen: Ewald Wenck (Wolff), Ode- mar (der Fürst) und die S t o b r a w a (f^au Wul­kow). (Märkische-Panorama-Schneider.)

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einen so großartigen Empfang, wie er ihnen in Gießen bereitet wurde, kaum erwartet. Das Musik­korps des Infanterie-Regiments 116 stand in voller Stärke auf dem Bahnsteig, als der Zug einfuhr, und alsbald erklang ein schneidiger Marsch. Rasch wurden dann die Kinder in kleinen Gruppen zu­sammengestellt und fast in einem Triumphzug ging es durch die Sperre, durch die Halle und in den Wartesaal. Die Bahnhofshalle -war mit Menschen dicht gefüllt, und die Pimpfe des Jungvolks mußten energisch Absperrdienst leisten; um den Kindern den Weg vom Bahnsteig zum Wartesaal zu sichern. Den

bildbafte Ausdeutung der Rezitative bezeugten ebenso liebevolle Eingehen, rote die Einzel-Jn- strumente des Großen Städtischen Orchesters bestim­mende Träger für das Gesamtgeschehen wurden, vornehmlich die Hörner im Jagdchor, das Hornsolo in der Hirtenarie und die von Haydn reichlich be­dachte Oboe. Immer war die geschlossene Einheit zwischen Chor, Orchester und Solisten gewahrt in der Betonung des Thematischen, in der Rundung

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kleinen Brüdern und Schwestern aus Oesterreich hatten sich gleich Jungmädel und Mädchen des BDM. zugesellt und übernahmen das nicht allzu schwere Gepäck der kleinen Gäste. Zum Empfang der Kinder aus Oesterreich hatten sich zahlreiche Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, an ihrer Spitze Kreisleiter B a ck h a u s , eingefunden. An dem Empfang nahmen ferner Kreisdirektor Dr. Lotz und der neue Rektor unserer Universität Pros. Dr. ©eifer lebhaften Anteil.

Inzwischen war im Wartesaal des Bahnhofes alles vorbereitet worden, um den Kindern eine würdige, kurze Feier des Empfangs zu bereiten. Auf allen Tischen standen in Reih und Glied Teller und Tassen, mit großen Butterbrötchen belegt. Der Saal war mit vielen Fahnen geschmückt. Das Musikkorps nahm Aufstellung und eröffnete die Empfangsfeier mit einem Musikstück. Sodann hielt Kreisleiter Backhaus eine kurze Ansprache. Der Kreisleiter sagte u. a.: Meine lieben Kinder aus Oesterreich! Ihr habt soeben schon auf dem Bahn­steig gesehen, mit welcher Liebe und starker An­teilnahme euch die Partei und ihre Gliederungen empfangen hat. Nun ist es mir Herzensbedürfnis, hier noch einmal zum Ausdruck zu bringen, wie glücklich wir find, daß wir so viele Kinder aus Oesterreich hier haben können und wir uns freuen, daß ihr nun aus eurer Heimat hierhergekommen seid in das große Deutschland, damit ihr euch über­zeugen könnt, mit welchem Idealismus wir an euch gedacht haben. Ihr seid nun noch kleine Kinder und könnt es noch nicht ermessen, wie groß die Ge­schehnisse sind, die sich in der letzten Zeit abgespielt haben. Ihr erfühlt nur das deutsche Mutterland. Ihr habt Not und Elend mitgemacht, eure Eltern und Großeltern haben viel Leid auf sich genommen und doch ist ihnen der Glaube an Deutschland nicht verloren gegangen. Und auch ich kann euch sagen, daß so, wie unser Herz für Deutschland schlägt, so hat es auch stets für Oesterreich geschlagen. Mögen- diese Tage, die ihr hier in Gießen und in der Umgebung verlebt, euch stets in eurem ganzen Leben eine wundervolle Erinnerung sein. Das ist der Wunsch, den wir hier alle haben. Und die Pflegeeltern, die euch setzt füt vier Wochen auf­nehmen, werden euch pflegen, wie ihre eigenen Kinder. So wünschen wir euch das Allerbeste, da­mit ihr zuhause recht viel erzäblen könnt von all dem, was ihr hier erlebt habt. Mit einem herzlichen Gedenken des Führers schloß der Kreisleiter seine Rede.

Anschließend wurden die Kinder mit Schokolade bewirtet, und schließlich nahmen die Pflegeeltern, die sich sämtlich eingefunden hatten, die Kinder in

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v. Rinder 64 (205) 176 (172) Schweine n Lebend« ! bis 45),

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Rotraut Richter, die imBiberpelz" die Adel­heid spielt, und die wir früher inMeiseken", im Krach im Hinterhaus" und alsVeilchen vom Potsdamer Platz" erlebten, war gestern auf der Durchreise zwischen Frankfurt und Chemnitz in Gießen zu Besuch. Wir. lernten sie zunächst im kleinen Kreise am Kaffeetisch kennen: ein schmales, unwahrscheinlich blondes Persönchen, übrigens aus­fallend still und zurückhaltend, keine Spur von dem Mundwerk, das man nach ihren bisherigen Rollen erwarten konnte. Erst auf der Bühne im Lichtspiel­haus, nach dem Film, wurde sie munter, begrüßte ihre lieben Gießener", erzählte vom Frühling, von der Berliner Muttersprache und vom Berliner Gemüt und gab ein kesses Berliner Chanson zum Besten; konnte zum Schluß freundlichen Beifall und Blumen entgegennehmen. Dann gab's Autogramme.

Hans Thyriot.

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Hochsckulnacbrichien.

Der ao. Professor Dr. Kl. Deichgräber an der Universität Marburg wurde zum Ordinarius für klassische Philologie an der Universität Göt­tingen ernannt.

, Professor Dr. Otto Schlüter, Ordinarius für Geographie an der Universität Halle, ist von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.

und sie nach der langen Reise zur Ruhe zu bringen. Erst allmählich und erst als auch die letzten der kleinen Gäste aus Oesterreich an der Hand ihrer neuen Pflegeeltern das Bahnhofsgebäude verlassen hatten, wurde es wieder stiller in der Bahnhofs­halle.

Insgesamt waren etwa 220 Kinder aus Oesterreich angekommen. 128 dieser Kinder wurden bei Gieße­ner Familien untergebracht. Die übrigen Kinder wurden mit Anschlußzügen in die nähere und wei­tere Umgebung unserer Stadt weitergeleitet.

Oberbürgermeister Gitters Brief an die Ettern in Wien.

Oberbürgermeister Ritter hnt aus Anlaß der glücklichen Ankunft der Kinder aus Wien an die Eltern einen Brief folgenden Wortlautes gerichtet: Liebe Eltern!

Soeben hatte» wir Gießener die Freude, Ihr Kind am Bahnhof in Empfang nehmen zu kön­nen. lieber vier Wochen soll nun Ihr Kind sich in unserer Stadt erholen, aber auch sich mit eige­nen Augen von der Ordnung und Schönheit der Stadt des Dritten Reiches überzeugen. Damit Sie sehen, wo sich Ihr Kind zur Zeit aufhält, erlaube ich mir, in der Anlage einen Prospekt unserer Stadt beizufügen. Möge der Aufenthalt Ihres Kindes in Gießen mit dazu beitragen, die schwere Zeit des vergangenen Systems in Oesterreich bald vergessen zu lassen. Heil Hitler!

Ritter, Oberbürgermeister.

Ehemalige 116er heraus!

Vom Infanterie-Regiment 116 in Gießen wird uns geschrieben:

Am Tage nach der Volksabstimmung werden an den Anschlagsäulen, an den Straßen, Plätzen und in den Gaststätten der Städte und Dörfer Plakate mit der Ankündigung des Regimentsappells unseres Infanterie-Regiments 116 am 1 8. / 2 O. Juni erscheinen.

Die Plakate sind Erzeugnisse unseres heimischen Gewerbefleißes. 7Oer Regimentskommandeur Oberst Herrleiu hatte einen hiesigen Fachmann mit der Herstellung eines Plakatentwurfes beauftragt, und dieser gelangte nun durch eine hiesige Firma zur Ausführung.

Das Plakat ist geschmackvoll gehalten und hat eine gute propagandistische Wirkung. Im Kopf trägt es das machtvolle Hoheitszeichen des Reiches. Darunter die beiden Schulterklappen des Regiments

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Augenblicksbild von der Empfangsfeier im Wartesaal des Bahnhofes.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Meister alle Ehre macht. Der Schlüssel zeigt in I Empfang, um sie sofort mit nach Hause zu nehmen kraftvoller künstlerischer Gestaltung das Hoheits­zeichen des Reiches und ist in einem festen mit dunkelgrünem Plüsch ausgeschlagenen Kasten auf=

Innenstadt ein und brachten mit ihren blauen Uni­formen die neue Farbe in das Bild unserer Gar­nisonstadt. Die Truppe führte ihre Fahne mit. Die Mannschaften hinterließen mit ihrem geschlossenen und diszipliniertem Auftritt den denkbar besten Ein­druck. Die Fliegertruppe marschierte durch eine Reihe von Straßen, um über die Kaiserallee den Trieb zu erreichen, wo um die Mittagsstunde der feierliche Empfang stattfindet.

Oer Schlüssel

für den Fliegerhorst Gießen.

Am heutigen Freitag wird in feierlicher. Form durch die Bauleitung der Luftwaffe Gießen der Fliegerhorst an die Fliegertruppe übergeben. Bau­leiter Eichholtz wird bei dieser Feier den Schlüssel bes Horstes an den Fliegerhorstkvmmanbanten Oberstleutnant Lackner überreichen. Unser Bild zeigt diesen Schlüssel, der etwa 25 Zentimeter lang ist und ein erhebliches Gewicht hat. Es handelt sich um eine Kunstschmiedearbeit, die in sorgfältigster und schwieriger Handarbeit entstanden ist und dem

Der verfilmteBiberpelz".

Rotraut Richter im Lichtspielhaus.

Gerhart HauptmannsBiberpelz" ist noch immer eines der besten, rundesten Lustspiele der neueren deutschen Dichtung. Eines der klassischen, Der zerbrochene Krug", ist kürzlich ebenfalls in die Bilderwelt des Filmes eingegangen; aber während man sich da peinlich genau und wortgetreu an Kleists unübertrefflichen Text hielt, hat die Diebs­komödie (Georg C. Klaren schrieb das Drehbuch) vor der Kamera eine tiefgreifende Verwandlung erfahren: die Konzentration der drei Akte bei Haupt­mann ist mächtig und fast romanhaft in die Breite gegangen; neben der ursprünglichen Charakterkomik behaupten volksstückmäßige wie scharf satirische Ele­mente das Feld. Die Beweglichkeit der Kamera wurde zu einem schnellen und häufigen Szenen­wechsel ausgenutzt, was übrigens (im Vergleich zur erwähnten Konzentration bei Hauptmann) nicht allenthalben besonders glücklich schien. Es sind fer­ner auch Nebenfiguren, wie Leontine und Motes, beträchtlich in den Vordergrund gerückt, ja ganz neue, wie der Fürst August Sigismund oder etwa die Frau Wulkow, hinzugenommen worden. End­lich, was am wesentlichsten scheint,: die Wand­lung der Wolffen als der Hauptperson, die mo­ralische Pointe, die bei Hauptmann fehlt: auf der gleichen Linie liegt die Entwicklung der Leontine, die den Dr. Fleischer liebt und zuletzt mit ihm Hochzeit macht; Wehrhahn bekommt einen Orden; der Denunziant Motes wird als Wilderer entlarvt; und die Wolffen, was bei Hauptmann keineswegs ausgemacht mar, wird künftig weder Holz noch Biberpelze stehlen: sie hat einen heilsamen Schrecken davongetragen, als ihre Leontine, die aus Kummer über die Zustände im elterlichen Hause ins Was­ser ging, mit knapper Not gerettet wird Der Regisseur Jürgen von Alten war sichtlich be­strebt, den Aktionsradius der Kamera auszunutzen; er betonte auch alle Züge, die das Drehbuch vom Lustspieltext unterscheiden, die volksstückmäßige Breite, die satirische Schärfe, die moralische Wand­

Gießener Konzertverein.

Haydn:Die Jahreszeiten."

Durch die Vielseitigkeit der stilistischen Mittel und iie Unmittelbarkeit des Ausdrucks in seinen man­nigfachen Abwandlungen geben dieJahreszeiten" len Aufführenden besonderen Anreiz und lösen, mehr vielleicht als manches andere große Chorwerk, fchtliche Freude am Mitschaffen bei allen Beteilig­ten aus. Eine Tatsache, die zumal im Chor alle Kräfte frei werden läßt und zu letzter Entfaltung beschwingt.

Das bestätigte auch die hiesige Aufführung. Ver- schjedene Gruppen (der Akademische Gesangverein, tet Sängerkranz Gießen Dirigent: Albert K a - s' e n> das Friedberger Doppelquartett und der S riebberger Frauenchor Dirigent: Hermann Haustein) hatten sich hier zu einem Ganzen zu- stmmengeschlosfen, und das gemeinsame Wollen er­möglichte unter der Führung von Universitätsmusik- dcrektor Professor Dr. Temesvary einen Klang­körper von prächtiger Fülle, intensivem Ausgleich (abgesehen von zeitweisem, allerdings zahlenmäßig bedingtem Ueberwiegen der Frauenstimmen)\ Hin- tpbe und vollem Einsatz der reichen Mittel, dem Dirigenten bis zum letzten nachgehend. Stets be­reit, der wechselnden Ausstimmung der einzelnen Sufgaben zu folgen, in den Momenten hochschäu­menden Lebensgefühls ebenso wie im Besinnlichen. 2 er Jagdchor, die Winzerszene waren so von lust- iinb frohsinngetragener Ursprünglichkeit, befonbers ober ber Weinchor erhob sich in bionysischem Schwung zu naher Unmittelbarfeit, unb boch stets mit bewußter maßhaltenber Zügelung; ein stän- d ges Wachsen im Auskosten des Impulses. Dazu in Gegensatz bie Situationen innerer Sammlung, des Gebets unb ber Eindringlichkeit im Schlußchor, verheißungsvoll war der Lenzes-Chor mit seinen klanglichen Kontrasten ber Frauen- unb Männer­st mmen: monumental ber Sonnenaufgang in seiner dynamischen Auswirkung, strahlenb ber Sonnen- hymnus; von realistischer Kraft ber Gewitterchor, enpfinbungsgetragen die Abenbszene. Ständig aber mar die musikalische Durchgliederung von plastischer Klarheit unb straffer innerer Gespanntheit bes thematischen Verlaufes in ben zahlreichen polypho­nen Sätzen.

Die enge Verknüpfung bes Chorischen mit ben Solopartien würbe in bem gegenseitige^ Aufein- aadereingehen zu einem lebenswichtigen Moment dir Aufführung. Die Solisten sehen sich in ben Jahreszeiten" vor Aufgaben gestellt, die ebenso

bigkeit. l--D*.........

So mußte bas Werk den Hörer erfassen, inner- ter Wolff hat nicht bie schlesische Robustheit, bie sich beschwingen ihn erheben. Das kündete nicht etwa bie Höflich in btefer Rolle unübertrefflich enbenroollenber Beifall als Zeichen bantbarer An- brachte; aber sie hat bie Gerissenheit, ben Mutter- erfennung Dr. Hermann Hering. x

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Der 8. April 1938 wirb in ber Geschichte unserer Gießener Fliegertruppe, aber auch in ben Erinne­rungsblättern ber Stadt Gießen für alle Zeiten einen befonberen Platz einnehmsn. Er ist ber Tag, an bem unsere Fliegertruppe ihren neuen Flieger­horst Gießen bezieht, für unsere Stadt Gießen be­deutet er die Aufnahme eines weiteren Truppen­teils unserer nationalsozialistischen Wehrmacht.

Gießen als Soldatenstadt mit reicher Tradition weiß die hohen Werte des Soldatentums zu schätzen. Auf der Grundlage dieser Tradition hat sich seit vielen Jahren ein enges Band der Gemeinschaft zwischen Soldaten und Bevölkerung geknüpft. Diese Verbundenheit hat nicht nur die Jahre der militä­rischen Dienstzeit des einzelnen Soldaten beherrscht, sondern sie ist weit darüber hinaus lebendig fort­wirkende Kraft geblieben. Dafür zeugt die Freudig­keit, mit der die alten Soldaten der Gießener Garnison bei soldatischen Feiern und auch bei An­lässen anderer Art immer wieder gern in ihrem früheren Garnisonort Einkehr halten. Wir haben es oft erlebt, daß selbst Männer im grauen Haar noch gerne als alte Gießener Soldaten mitmarschier­ten, wenn es im einstigen Standort galt, die alten Soldatentugenden der jungen Generation ror Augen zu führen. Es ist uns aus zahlreichen Er­eignissen aber auch in Erinnerung, jnie gern die alten Gießener Soldaten immer wieder frohe Stunden in Gemeinschaft mit den alten und jungen Kameraden in unserer Stadt begangen haben.

In diese gute Gemeinschaft der durch beste Tradi­tion miteinander verbundenen Gießener Soldaten unb ber Gießener Bevölkerung tritt nun mit dem heutigen Tage unsere Fliegertruppe ein. Welche große Bedeutung dem Dienst bei dieser Waffe zu- fommt, wissen wir alle. Insbesondere die alten Frontkämpfer, die ost genug in ben Schützengräben ober in ben Batteriestellungen Augenzeugen bes fchneibigen Kampfgeistes unserer beutschen Kriegs­flieger waren, wissen nur in Worten höchster Wert­schätzung von ber Militärfliegerei zu reben. Seit dem Wiebererstehen ber vom Führer neugeschaffe­nen unb von bem Generalfelbmarschall Hermann Göring aufgebauten jungen Luftwaffe können aber auch alle anberen Volksgenossen, vor allem die junge Mannschaft, täglich aufs neue sehen und hören, welche bewundernswerten Leistungen unsere Luftwaffe im Geiste der Fronttradition bisher schon vollbracht hat und mit jedem Tage neu erstehen läßt. Wir alle wissen, daß unsere deutsche Flieger- truppe ein scharfes und in höchster Einsatzfreudig­keit allezeit schlagbereites Schwert i"h der Hand unseres Führers zum Schutze von Volk und Vater­land ist.

An der militärischen Erziehung der jungen Jahr­gänge jederzeit mit allen Kräften mitzuarbeiten, ift der Stolz der Offiziere, Unteroffiziere und Mann­schaften, bie heute ihren Einzug in ihre neue Garnisonstabt Gießen halten. Die Gießener Bevölke­rung würdigt in dankbarer Anerkennung des Schutzes, den auch sie für ihre friedliche Arbeit durch unsere Wehrmacht genießt, die hohe Be­deutung des Dienstes' unserer Fliegertruppe für Führer, Volk unb- Vaterlanb. In diesem Bewußt- i<in und mit dem Wunsche, daß unsere Gießener Flieger sich allezeit in ihrer neuen Garnison Gießen (»ei fruchtbarer Arbeit unb bei guter Erholung in dienstfreien Stunden wohlfühlen mögen, heißt bie Bevölkerung ber alten Solbatenstadt Gießen ihre jiingfte Garnison, ihre Flieger von ganzem Herzen willkommen!

Einzug der Fliegertruppe.

Zur vorgesehenen Zeit hielt heute vormittag bie Fliegertruppe bes Fliegerhorstes Gießen ihren Ein­zug in unsere Stabt. Rasch ließ jebermann rür einige Minuten bie Arbeit liegen, als bie Märsche bes Musikkorps ber Flieger hörbar würben, «nd eilte an bie Straße, bie bie Truppe passierte. So folgten viele Volksgenossen bem großartigen Schauspiel bes Einzugs. Die Flieger marschierten i>om Wernerwall her burch die Dammstraße in die

hing; es kam ihm darauf an, den ursprünglich engen Kreis zu erweitern, Zusammenhänge zu kon- uct ^uhu x.yciHuuiuyv.., ... _________y firmeren und ans Licht zu ziehen, was bei Haupt-

bes Klanglichen unb in ber Leuchtkraft ber Far-1 mann zwischen ben Zeilen steht, hinter ber Szene ..... liegt ober auch völlig fehlt. Iba Wüst als Mut-

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Jahre Aif.-Regk.