Nr. 56 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Dienstag, 8. März 1938
Lrlchetnr täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle MonatS'vezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzeu
Postscheckkonto:
Zrantfurt am Main 11686
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühlsche Uuiversttätrdruckerei «.Lauge in Siehrn. Schristleltvng und SeschSftrftelle: Lchulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags
Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Test- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach oorh.Dereinbg.25O/o mehr.
ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins», gemein« nützige Anzeigen sowie ein» spaltige Gelegenheitsonzei» gen 5 Rpf.,Familienanzei» gen, Bäder», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Oer letzte Versuch?
Ein Diplomat hat uns kürzlich aus die Frage nach dem Unterschied zwischen der Politik Edens und der Chamberlains folgende Antwort gegeben: Eden war der Auffassung, daß die Uhr der europäischen Politik schon nach zwölf ist, während Herr Chamberlain die Ansicht vertrete, es sei fünf Minuten vor zwölf. Diese Formel erschöpft sich — wenn man die jüngsten Entwicklungen der englischen Politik betrachtet — nicht in einem Wortspiel, sondern berührt offensichtlich den Kern der Dinge. Auch die erneuerte britische Regierung unterstreicht zwar aus im einzelnen noch nicht recht ersichtlichen Erwägungen, wie ernst ihr die gegenwärtige Lage erscheine, aber sie reagiert darauf jedenfalls ganz anders als Herr Eden.
Um dies zu erkennen, braucht man nur die letzte Rede Sir Samuel Hoares nachzulesen, in der er sich für Chamberlains „mutigen Versuch einer Politik der Versöhnung, ehe es zu spät ist", einsetzte. Dieses Bekenntnis ist, so sehr es auch von der nämlichen ernsten Grundstimmung getragen war, zweifellos ein Verdienst. Denn nichts konnte entmutigender, aber auch gefährlicher erscheinen, als der in den letzten Wochen so verbreitete Hang eines wichtigen Sektors der ausländischen öffentlichen Meinung, von der Unvermeidlichkeit eines offenen Aufeinanderprallens der Interessen und Bestrebungen der Mächte zu sprechen und die Unabwendbarkeit höchst kritischer Entwicklungen an die Wand zu malen. Es ist nicht unwichtig, daß sich gegen diese unsinnige fatalistische Stimmung, als deren Exponent Herr Eden nachträglich immer mehr in Erscheinung tritt, die Kräfte der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes durchgesetzt haben. Was not tut, ist in der Tat das Anpacken der brennenden Probleme, mit dem Willen zur Heilung und Meisterung, nicht aber eine Art Abdankung der Staatsmannskunst und der Verzicht auf jede Initiative, „weil es schon zu spät sei". *
Die gegenwärtige britische Regierung stellt ihre aktivistische Politik ganz betont unter die Losung: „ehe es zu spät ist". Aber ist nicht auch diese Formel, der gewissermaßen „letzte Versuch", so vorteilhaft sie sich auch von dem lähmenden Pessimismus des ehemaligen englischen Außenministers abhebt, allzu schwarzseherisch? Wir halten eine Klärung und Bereinigung der europäischen Gegensätze und Spannungen, sowohl in psychologischer wie in materieller Hinsicht, nicht nur für notwendig, sondern auch für durchaus möglich. Ueber- blickt man alle aktuellen Fragen und Schwierigkeiten, so ist wirklich nicht ersichtlich, wo und warum nicht mit friedlichen Mitteln ein vernünftiger Ausgleich im Schnittpunkt der wohlverstandenen Interessen und naturgegebenen Forderungen möglich sein sollte. Denn fast alle Spannungszustände sind nicht so sehr in den tatsächlichen Verhältnissen begründet, als in dem allzu langen Ausweichen vor ihrer zweckdienlichen Behandlung einerseits und in dem Beharren im Irrtum so mancher Staaten andererseits.
Sir Samuel Hoare sprach von den „Risiken und den Möglichkeiten des Fehlschlages". Es ist notwendig, den englischen Minister dahin zu ergänzen, daß solche Risiken allein von jenen drohen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen und längst überfällige oder notwendige Korrekturen entweder nicht vornehmen oder nicht zulassen wollen. In den Ansprüchen und Forderungen der sogenannten „dynamischen Mächte" ist jedenfalls, wenn man ehrlich und unvoreingenommen ist, nichts zu entdecken, was zwangsläufig zum Fehlschlag wirklicher europäischer Befriedungsbemühungen fuhren müßte. ..
Von den verschiedenen jüngsten Willensäußerungen der französischen Politik z. B. wird man das gleiche nicht ohne weiteres sagen können. Wenn man in Paris auf der Ansicht beharrt, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs am besten durch die Einmischung Frankreichs gewährleistet sei, wenn man Prag den Rat gibt, auf die Unterdrückung fremden Volkstums, im Vertrauen auf die Rückversicherung der Bündnisse, zu beharren, dann ist das ein Bekenntnis zu jenem Geist der Herrsucht und der Unverträglichkeit, der in all den Nachkriegsjahren so unheilvoll sich auswirkte,, weil er nicht Unrecht beseitigen, sondern es ganz im Gegenteil mit all seinen zwangsläufigen Spannungserscheinungen verewigen möchte. Schon vor einem Jahr, so erklärte dieser Tage der ungarische Ministerpräsident D a r a n y i, habe Ungarn seine Bereitschaft ausgesprochen, seine Beziehungen mit allen Staaten auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der natürlichen Bedürfnisse und Forderungen zu klären. Auch hier ist der angebotene Wille ungenützt geblieben, und wenn Ungarn letzt schließlich aus eigenem Antrieb „Die innere und äußere Sicherheit des Landes auf feste Grundlagen stellt" und wenn damit entgegen den Kräften der Verneinung eine ebensolche Ünnatürlichkeit Europas in Fortfall kommt, wie sie einst das wehrlose Deutschland der demokratischen Republik darstellte, so verrät das nicht nur die erfreuliche Erstarkung der befreundeten ungarischen Nation, sondern beleuchtet auch die — ohnmächtig gewordenen — Kräfte des schlechten Willens in Europa.
Noch krasser liegt der Fall Tschechoslowakei. Warum ist sie ein europäisches Problem geworden und warum ist Prag in den Brennpunkt der internationalen Aufmerksamkeit geruckt? Weil man in Prag sich noch immer nicht von der Wahnvorstellung lösen will, daß die europäische Kon- stellation am Ausgang des Weltkrieges, der die Tschechen ihre Staatwerdung verdankten, c-ich heute noch und in alle Ewigkeit gegeben sei. Man muß einmal yne DeMchMen Nachlesen, mit denen
Oie presse im Dienst der Völkerverständigung.
Reichspreffechef Or. Dietrich fordert internationale Zusammenarbeit der presse.
Berlin, 7. März. (DNB.) Reichspressechef Dr. Dietrich sprach auf einem Empfangsabend für die ausländische Diplomatie und Presse auf Einladung des Reichsleiters Rosenberg im Hotel Adlon über „Die nationalsozialistische Pressepolitik". Die politischen und diplomatischen Kreise der Reichshauptstadt waren der Einladung in Überaus großer Zahl gefolgt. Reichsleiter Rosenberg gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Thema des Vortrages sowohl aktuell als auch ernst genug sei, daß sich die Verantwortlichen mit diesem alle berührenden Problem beschäftigen müßten. Darauf nahm der Reichspressechef Dr. Dietrich das Wort zu seinem Vortrag.
Die Presse im nationalsozialistischen Staat hat nicht die Aufgabe, die individuelle Meinung des einzelnen gegenüber dem Ganzen zum Ausdruck zu bringen und etwas als „öffentliche Meinung" vorzutäuschen, was keine ist. Sondern sie hat umgekehrt die Pflicht, die gemeinsamen Schicksalsfragen unaufhörlich dem ein- zelnen gegenüber zu vertreten und sie ihm begreiflich zu machen, wenn er sich ihrer nicht bewußt ist. Hier wird die Zeitung zum täglichen Mahner der Nation, zur Schule des politischen Denkens, die jedem Volksgenossen das Bewußtsein vermittelt, Glied einer Gemeinschaft zu sein, der er auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Die öffentliche Meinung, das ist bei uns der wirkliche Volkswille, den der Nationalsozialismus durch feine lebendige Verbundenheit mit dem Volke an feiner Quelle unmittelbar erfaßt. Oeffent- liche Meinung wird bei uns nicht gemacht, sondern erforscht! Die deutsche Presse verfügt in den selbstverständlichen Grenzen, die ihr das Lebensinteresse der Nation setzt, über ein höheres Maß von Freiheit, als die liberale Presse sie je besessen hat. Sie nimmt sich sogar die Freiheit, die „Pressefreiheit" zu kritisieren, die uns mit aller Leidenschaft als eines der heiligsten Güter der Menschheit gepriesen wird. An diese sogenannte „Pressefreiheit" wagt selbst die freieste Feder des Liberalismus nicht zu rühren. Unsere Kollegen in den Redaktionen der „freiesten Demokratien der Erde" dürfen es nur nicht sagen, weil es eine so peinliche Offenheit mit ihrem höchst unfreiwilligen Berufswechsel oerbun- den wäre. Die Presse ist immer abhängig und immer irgend jemand verpflichtet. Es fragt sich nur, wem? Ob unverantwortlicher Geschafts- unb Parteipolitik, ob den anonymen Möchten des Geldes und der Zerstörung aller menschlichen Ordnung und Moral, oder den für das Leben der Völker verantwortlichen Staatsmännern und politischen Instanzen der Nation.
Das Schriflleitergefeh hat aus echt nalionalsozialiflischem Geiste heraus die persönliche Verantwortung für den redaktionellen Teil, d. h. für den geistigen und politischen Inhalt der Zeitung weithin sichtbar herausgestellt. Es entspricht dem Grundsatz der absoluten Verantwortlichkeit des einzelnen gegenüber dem Volksganzen, daß d e r.j e n l g e, d e r in der Zeitung schreibt, auch dem Staat und der Oeffenttichkeit für feine Tätigkeit verantwortlich ist. Ls ist ein großer Irrtum, zu glauben, wir wollten in Deutschland eine mechanisierte Staatspresse, die den Schriftleiter zum bloßen handlanger und Tinlenkuli der Staatsorgane macht! keineswegs! wir wollen die lebendige Volkspreffe, die die Persönlichkeit des Schriftleiters frei entwickelt und fein journalistisches Pflichtgefühl zur schöpferischen Entfaltung für das wohl seines Volkes bringt. 2Hif der radikalen Trennung von Geschäft und Politik, die das deutsche Schriftleitergeseh vollzog, ist die Voraussetzung geschaffen worden für die Gesundung unserer Presse. Denn dieses staatliche Gesetz hat in der Bruff jedes deutschen Iournalisten das innere Gesetz jener höheren Pressefreiheit lebendig werden lassen, die den journalistischen Beruf als einen durch nationale Verantwortung geadelten Beruf vor vielen auszeichnet. Die Presse ist eine Macht im Leben der Völker, die größer ist, als sich die bürgerliche Weisheit mancher Zeitgenossen träumen läßt. Die Presse gilt als die öffentliche Meinung, weil sie die öffentliche
Masaryk und Benesch während des Weltkrieges den Kampf für die tschechische Eigenstaatlichkeit geführt haben. Aus den eigenen Erfahrungen hat man damals sehr richtige und. wichtige Erkenntnisse für Die Behandlung der Nationalitätenprobleme geschöpft, hat man Die Schweiz als V 0 r bi Id proklamiert und die Gleichberechtigung und Selbstverwaltung der Nationalitäten als Voraussetzung des Bestandes zu gründenden Vielvölkerstaates bezeichnet. Aber dann kam der Rausch von Versailles, in dem alle Erkenntnisse und guten Vorsätze untergingen. Unter Verkennung aller Realitäten zielte man nun auf einen „N a t i 0 n a l st a a t" ab, in dem die fremden Völker bestenfalls schlecht und recht geduldet werden sollten. Und dann schloß sich der verhängnisvolle Zirkel, in dem man bis auf den heutigen Tag befangen ist. Um eine unmögliche, ge- chichtswidrige und gefährliche Rolle spielen zu können. die jedes Gleichgewicht des Staates verhindert.
Meinung auf das stärkste beeinflußt. Und deshalb kann man sie als das Barometer derWelt- Politik bezeichnen, dessen Ausschlag und Zeiger- stand sicherlich die Entschlüsse vieler Kabinette in den letzten Jahrzehnten stärker und unmittelbarer beeinflußt hat, als mancher zu ahnen vermag.
Wie oft hat die Vergiftung der öffentlichen Meinung durch die bewußte Presse lüge und durch verantwortungslose Sen- sationsberichterstattung die schwersten Gefahren für den Frieden der Völker heraufbeschworen. Der Führer hat in seiner letzten Reichstagsrede den Finger an diese offene Wunde im Zusammenleben der Völker gelegt. Er hat Den Regierungen zugerufen, daß es ein verdienstvolles Werk fein würde, wenn es gelingen könnte, nicht nur den Abwurf von Gift-, Brand- und Sprengbomben auf die Bevölkerung international zu verhindern, sondern vor allem Den Vertrieb von Zeitungen zu beseitigen, die auf die Beziehungen von Staaten schlimmer
suchte man Ersatz in den Bündnissen, und die Berufung auf dienstbereite fremde Bajonette sollte das ersetzen, was allein die innere Befriedung und Harmonie verschaffen kann.
Hand in Hand damit läuft die vor allem m London von dem Sohn Masaryks betriebene tschechische Propaganda. Sie arbeitet mit Dem auf Publikums- Wirkung ab gestellten Argument, daß Die „kleine" Tschechoslowakei durch den Druck der Großmacht Deutschland „bedroht" sei, wobei zunächst ganz vergessen wird, daß auch Polen und Ungarn genau d i e gleichen Beschwerden wie Deutschland vorbringen. Die grundsätzliche Brüchigkeit dieser Argumentation, Das wird heute erfreulicherweise in London nicht mehr geleugnet, liegt aber in der Tatsache, daß es weder den Deutschen, noch Den Ungarn und Polen in der Tschechoslowakei gut gebt. Das ist der Kernpunkt Des Problems Tschechoslowakei: anstatt Den Ursachen Der Beschwer
wirken, als es Gift- oder Brandbomben je zu tun vermöchten.
Wie sehr man auch in den parlamentarischen Demokratien die Bedeutung dieses Problems erkannt hat, zeigen die zwar vorsichtigen, aber eindeutigen Aeußerungen vieler ihrer verantwortlichen Staatsmänner. So richtete der Präsident Der französischen Republik Den ersten Warnruf an die französischen Schriftleiter, die sogenannte Pressefreiheit nicht zu mißbrauchen. Noch vor wenigen Tagen sprach sich der französische Außenminister D e I b 0 s gegen die Gewohnheit falscher oder tendenziöser Nachrichten aus. Die Presse müsse mehr für Die Aussöhnung und Einigung Der Völker als für die Trennung eintreten. Und niemand anders als Herriot fordert ein Gesetz gegen Die Derleumdungs presse mit folgenden Worten: „Es ist unerträglich, daß in einem anständigen Lande wie Dem unseren Lügen ungestraft verbreitet werden Dürfen."
Den nachzugehen und unerträglich gewordenes Un« recht aus Der Welt zu schaffen, pocht man auf Die Waffenhilfe.
Daraus ergibt sich die Verantwortung der französischen und der englischen Politik. Gerade Dem Aktivismus, Der sich jetzt in London abzeichnet und auf europäische Klärungen drängt, öffnet sich hier ein wichtiges, wenn nicht entscheidendes Feld der Betätigung. Aktuell ist nicht die Beteuerung Der Hilfe „im Falle Der Gefahr", aktuell und notwendig ist vielmehr eine entsprechende Einwirkung auf die, die es angeht, die Ursachen aus der Welt zu schaffen, Die einen Gefahrenzustand heraufbeschwören. Nur in dieser Richtung kann eine wahrhaft europäische Friedenspolitik verlaufen. Ob man aber mit der Formel vom „letzten Versuch, ehe es zu spät ist", auf dem richtigen Wege ist, — Das allerdings erscheint sehr fraglich.
Dr. H. von Maloitkk
Entgiftung der politischen Atmosphäre.
Stellen Sie sich vor, wie friedlich die Welt fein würde, wenn nicht nur über den Frieden geschrieben, sondern in den Zeitungen selbst Frieden gehalten würde! Seit 20 Iahren bemüht sich ein Völkerbund um die internationalen Beziehungen. Wieviele Konferenzen sind aufgewandt worden. Das Ergebnis ist kläglich. And ist nicht gerade die Enttäuschung Über die Fruchtlosigkeit der Bemühungen der Hauptgrund für den politifchen Defaitismus, der so viele europäische Länder ergriffen hat? Wie anders könnten die Völker zueinander stehen, wenn fie die Bedeutung der Presse und ihre Wirkungsmöglichkeit für eine verständnisvolle Zusammenarbeit erkennen und die positive Wacht der Presse für dieses hohe Ziel voll einsehen würde! Es ist keine Utopie, wenn ich sage, daß sie in einer durch die Presse geschaffenen Atmosphäre der gegenseitigen Achtung und des gegenseitigen Verstehens in wenigen Wonaten das erreichen würden, was sie auf anderem Wege in Jahrzehnten nicht erreichen konnten.
In Deutschland und in Italien sind durch eine moderne Pressegesetzgebung zum ersten Male überhaupt die praktischen Voraussetzungen zu internationaler Pressezusammenarbeit geschaffen worden. Die deutsche Pressepolitik versucht, durch zweiseitige Pressever - einbarungen von Land z u Land schrittweise Den Weg zur Vernunft und zur Verständigung auf dem Gebiet Des internationalen Pressewesens anzubahnen. Aber es gibt hier Grenzen, nicht unseres guten Willens, sondern Der Verhandlungsmöglichkeiten überhaupt, Grenzen der Pressemoral, Die in anderen Ländern liegen. Es hat sich im Ausland Die seltsame Gewohnheit eingebürgert, Die deutsche Regierung für jedes Wort, das in deutschen Zeitungen steht, verantwortlich zu machen, von der deutschen Presse aber bis zur Selbstentäußerung jene Zurückhaltung zu verlangen, zu der man s i ch selbst im Zeichen einer falschverstandenen Pressefreiheit nicht i m gering ft en verpflichtet fühlt. Das ist eine wenig faire Spekulation auf unsere Anständigkeit, mit der man Dem Ziel eines Pressefriedens um keinen Schritt näherkommt.
Auch wir können unseren Beitrag zum Presse- frieden nur ZugumZug leisten. Wan kann von uns nicht erwarten, daß wir die Pseile unserer Presse im Köcher lassen, wenn von allen Seilen gegen uns die Dreckschleudern in Bewegung gesetzt werden. Der Abbau der hetz- und Verleumdungsschranken zwischen den Völkern, der den Interessen aller Rationen und dem Wohle aller Völker dient, wird um so schneller kommen, je eher die verantwortlichen Staatsmänner in allkn Ländern den Willen ihrer Völker in dieser Frage begriffen haben und den Wut aufbringen, diesem Wollen Geltung zu verschaffen. Die angebliche „Pressefreiheit", die sie glauben dabei ver
teidigen zu müssen, ist ein Phantom, „Das nicht mehr Wacht hat als der Schrecken, den es einjagt". Der Iournalisi, der im praktischen Beruf steht, hat das wahre Gesicht dieser seltsamen Pressefreiheit, die für ihn keine ist, längst erkannt. Er weiß, um mit den Dorten eines Amerikaners zu sprechen: In der Theorie ist die Presse frei, in der Praxis ist jedoch diese Freiheit durch die Wacht des Geldes beseitigt.
Journalistische Fairneß und nationale Verpflichtung lassen sich in Der Pressearbeit Der AuslanDsjourna- listen gut miteinander vereinbaren. Wir verlangen lediglich, Daß Der Ausländskorrespondent der Wahrheit dient, seiner journalistischen Anstandspflicht nachkommt, und, ebenso wie Der Diplomckt im Ausland, seine Mission von der verantwortlichen Warte der Pflege der Beziehungen von Volk zu Volk, sieht. Gewiß, ganz ohne Sensation ist eine Zeitung nicht zu machen. Aber bieten Die Leistungen Des nationalsozialistischen Deutschlands auf so vielen Gebieten nicht übergenug Stoff zu sensationeller Berichterstattung? Man sollte nicht mit Fleiß nur das Negative suchen, wo so viel Positives vorhanden ist. In der Uebertreibung um der Sensation willen liegt Die Gefahr, Dem Gerücht und dadurch Der Unwahrheit zu verfallen. Bismarcks Wort: „Ich kann aus einem tüchtigen Redakteur eher einen Staatssekretär des Aeußeren oder Inneren machen, als aus einem Dutzend Geheimräten einen gewandten und brauchbaren Journalisten", dieses Wort gilt — so fuhr Dr. Dietrich fort— auch heute noch. Und es gilt sicherlich auch für Sie, meine Herren von der Auslandspresse in Deutschland. Ich sehe in Ihrer Arbeit nicht ein destruktives, sondern ein aufbauenDes Element zur Verwirklichung jener pressepolitischen Notwendigkeiten, die zu einem der Drängendsten Probleme der internationalen Politik geworden sind. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich Sie stets und ausnahmslos zu denen zählen darf, die wissen, daß sie ihrem Volke am besten dienen, wenn sieDerWahrheit den Weg zu ihm bereiten.
Untergang des Kreuzers „Baleares".
Salamanca, 7. März. (DNB.) Von zuständiger Seite wird gemeldet. Daß Der nationalfpanifdjc Kreuzer „Baleares" am Sontagfrüh im Morgengrauen auf überlegene r 0 tspanische Kräfte gest 0 ßen fei, Die aus einem sowjetspanischen Kreuzer und vier Torpedobooten bestanden. Es entwickelte sich ein Seegefecht, bei dem Die rot- spanischen Schiffe schwere Treffer erhielten. Die „Baleares" erhielt nur einen einzigen Torpedo- treffer. Der aber unglücklicherweise in Die Munitionskammer ging. Auf Dem Schiff entstand ein Brand, Den Die Besatzung vergeblich zu löschen versuchte. Einige Stunden später, als sich Die rotspanischen Schiffe schon längst zurückgezogen hatten, sank die „Valeare s". 300 Mann Der Be-


