volles Weihnachtsfest bereiten, ihr Dinge schenken, die sie sich immer schon lange wünschte uni) wovon sie selbst etwas yatk Vielleicht helfen wir ihr Zu dieser Gelegenheit die Arbeit in der Hauswirt' fchast erleichtern, indem wir sie mit einem praktischen Küchengerät erfreuen Nun glaubt mancher Vater — „Ja, von solchen Sachen habe ich keine Ahnung" —. Da braucht er nur in einem Haus- haltungsgeschäst nach Geräten mit dem Sonnenzeichen zu fragen. Diese sind ausprobiert und sehr
praktisch, sie werden der Mutter bestimmt Zusagen. Es muß nun auch nicht immer etwas für Den Haushalt sein! Würde iyr eine hübsche Handtasche oder gar Schmuck aus deutschen Halbedelsteinen in schöner handwerklicher Form und Fassung große Freude machen? Es gibt ja so vieles, worüber ein Mutterherz glücklich sein kann! Doch alle Dinge wollen mit Ruhe gewählt fein. Wer richtige Weih- nachtsfreude bereiten will, wird schon die rechte Wahl treffen.
Bücher unter Dem Weihnachtsbaum
Seid Optimisten!
— Dr. Johannes Neumann: Optimismus macht lebenstüchtig.! Ein praktischer Führer zum Optimismus für jung und alt. 154 Seiten. Gebunden 3,80 RM. Verlag Karl Christ, Gießen 1938. — (358) — Das neue Buch des Gießener Psychotherapeuten steht in einem wesentlichen Zusammenhang mit feiner kürzlich hier eingehend besprochenen psychologischen Seelenheilkunde „Leben ohne Angst"; die vorliegende Schrift über den Optimismus als anzuerziehende und erstrebenswerte seelische Haltung darf als eine Weiterführung und Nutzanwendung der dort entwickelten Gedankengänge gelten. Der Wert des Buches beruht, wie uns scheint, in erster Linie auf dem Umstande, daß es aus der Praxis für die Praxis geschrieben ist; d. h.: es verliert sich nicht in bloße Spekulationen und blasse Theorien über den Optimismus, sondern der Verfasser wirkt bewußt aus die Anwendung der Erkenntnisse hin, die sich aus der Erfahrung ergeben. Die Erfahrung wird ebensogut in der Kinderstube wie im Sprechzimmer der Psychotherapeuten gewonnen, und es ist nützlich, daß dem Leser eine ganze Reihe charakteristischer und aufschlußreicher „Fälle" mitgeteilt wird. Die Schrift geht systematisch folgerichtig vom Gegensatz aus; sie erkennt den Pessimismus als eine Haltung, die lebensuntüchtig macht, und gelangt von hier aus zu Kernfragen der Erziehung, zu den Erziehungsfehlern, Erziehungsschwierigkeiten und Er- ziehunasaufgaben. Hier werden eine Fülle lehrreicher Beobachtunaen und Erfahrungen ausgewertet. Die positiv entscheidenden Abschnitte handeln dann von der Erziehung (vor allem auch Selbsterziehung) zum Optimismus, der mit Recht als ein wesenswichtiges Element der Volksgemeinschaft und eine Forderung unserer Zeit erkannt und gewertet wird. — Das hübsche Bild des lachenden Hesienmädels auf dem Umschlag lädt mit einer gewissen Suggestivkraft dazu ein, sich mit dem vielfach anregenden Buche zu beschäftigen. Hans Thyriot.
Deutsche Erzähler.
— Georg Bri11ing: „D a s gerettete B i l d" Erzählungen. Preis biegsam gebunden 2,20 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. — (398) — So unscheinbar und alltäglich die Geschehnisse sind, die im Mittelpunkt dieser Geschichten stehen — es findet sich dennoch keine einzige darunter, die nicht die geheimen und unheimlichen Mächte des Daseins schaudernd ahnen ließe. Ob es die seltsamen, von wirren Herzen verschuldeten Vorgänge um das bei einem Gefallenen gerettete Bild seiner Geliebten sind oder ob ein Liebespaar in seinem Glück 'unwissentlich einer sterbenden Seele zum Vollstrecker des göttlichen Willens wird: immer steht hinter diesem Spiel des Zufalls das unerbittlich richtende Schicksal, das in seiner Dämonie den Menschen überwältigt und grausam zerbricht oder läutert und reif macht zum wirklichen Leben.
— Theodor von Hanfs st enael: Armer Vati L-ideü und Freuden eines Ehemannes 223 Seiten Geb RM 4,—. Buchwarte-Verlag Lothar Blanvalet Berlin. — (515) — Wenn der Leser erfährt, daß dieser arme Vati fein „Einzelvati" sei, sondern der Vertreter einer aanzen Legion von Vatis — also „ein Ringer ohne Muskeln, ein Borer ohne Kinnhaken, ein Ritter ohne Sporen" —, wenn er ferner vernimmt, dieses Buch fei gewidmet allen, denen es nicht bester geht", und wenn er endlich die Umschlagzeichnung eingehend und liebevoll betrach- tet. dann wird er willen, was er hier zu gewärtigen
hat: die beiden Titelwarte sind umringt von einem Kranz durchaus alltäglicher Erscheinungen: Zigarren und Bierglas, Brille und Pfeife, Trauringe und Zylinderhut, Spielkarten und Pantoffeln, Tornister und Gewehr, sogar ein Baby mit Milchflasche ist dabei. Hoffen wir, daß der Leser Humor genug hat, sich an den kleinen Abenteuern und Alltagstrauerspielen in dieser Geschichte so arglos zu ergötzen, wie sie gemeint sind. hth.
— Erwin W111stock: „... abends Gäste Gestalten und Geschichten. Preis in Leinen gebunden 5,50 RM. Verlag Albert Langen /Georg Müller, München. — (407) — Wer sich den Sinn für Geschichten bewahrt hat, dem werden die Gestalten dieses Buches sehr bald ein vertrauter Umgang sein. Einerlei, ob Wittstock von der vergnüglichsten aller Bärenjagden erzählt oder von dem Fuchsfang Onkel Fliehas, dessen Tierliebe sich bis ins Groteske steigert, einerlei auch, ob die Rede ist von den ausgelassenen Abenteuern in einem fidelen Gefängnis oder von der verzaubernden Wirkung einer uralten Hexensalbe: immer versteht Wittstock das Ernste heiter und das Heitere mit einem hintergründigen Ernst darzustellen und zugleich die zu hellem Lachen oder zu jähem Schaudern herausfordernden Vorgänge so vielsagend zu schildern, daß die geheimnisvollen Beziehungen des Lebens darüber deutlich sichtbar werden.
Politik.
— Kolonialprobleme de r Gegenwart, herausgegeben im Auftrage des Instituts für Meereskunde, Berlin, von Georg Wüst, mit Bei- trägen von Professor N. C. Troll, Professor Dr. A. O. Meyer, Dr. Paul Rohrbach, Professor D. Westermann, Professor Dr. E. Obst, Leg.-Rat Gun- zert, O. Martens. Preis 4,80 Mk. Verlag E. S. Mittler 8z Sohn, Berlin SW 68. - (473) - Dieses allgemeinverständliche Buch über die Kolonialprobleme der Gegenwart, wie sie sich von feiten der Wissenschaft darstellen, aus der Feder hervorragender Sachverständiger gibt neben einem gut unterrichtenden Heber« blick über die neuen Probleme wissenschaftlicher Ko- loniaftorschung und einem Rückblick auf die weltgeschichtliche Bedeutung der überseeischen Kolonisation in sieben fesselnden Beiträgen eine Erörterung all jener Fragen die Afrika vom Standpunkt der Besiedlung, der Bevölkeruna, der Geographie, Wirtschaft, und Schiffahrt der Kolonialwifferftchast bietet. Der große Vorzug des Buches — dem Leser in einer klaren und volkstümlichen Darstellungsweise auch mit Hilfe von Bild und Karte die mannigfachen wissenschaftlichen Fragen näherzubringen — sei besonders hervorgehoben.
— Ernst von Salomon: Die Geächteten. 25. bis 84. Tausend. Volksausgabe. Preis Leinen 3,75 Mark. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. —(485)— Wer waren jene Versprengten, die im Chaos der ersten Nachkriegszeit am Anna- berg und im Baltikum ihr Geben für ein todwundes Deutschland in die Schanze schlugen? Die den Kleinkampf um Rhein und Ruhr auf sich nahmen und in den Freikorps gegen Spartakus und Separatisten standen? Wer waren jene Geächteten, die man als Fememörder in den Tod hetzte oder als Putschisten vor die Gerichte zerrte und durch die Gefängnisse schleifte? Fünf Jahre seines Lebens verlor Der hinter Zuchthausmauern, der uns mit diesem unheimlich sachlichen Erlebnisbericht voll Leidenschaft in den tollen Wirbel jener schmachvollen Tage hineinstößt. Sein Buch ist ein erschütterndes Dokument des Wollens und der
wagenden Tat jener Einzelnen, die damals das Gewissen Deutschlands waren.
Reffebücher.
— MaxNiehaus: Sardinien. Eine Reise. 32 Bildseiten und eine Karte Ganzleinen 5,40 Mark Sozietäts-Verlag Frankfurt a. M — (408) — Der Verfasser greift aus die uns vielfach fremden geschichtlichen Zusammenhänge zurück und knüpft die Verbindung zwischen Landschaft, Charakter und Seele. Wanderungen durch wilde Gebirge, an Meer und Sümpfen entlang wechseln mit Betrachtungen von Kunstwerken, Kirchen und Palästen. Das bewundernswerte Kunstgewerbe der Insel wird vor uns aus- gebreitet. Strahlende Lichterprozessionen ziehen vorüber, afrikanisch anmutenbe Tänze, feierliche Hochzeiten und endlich die Totenklage, der letzte Rest Der berühmten Blutrache Wir klettern in phantastische von Seehunden belebte Märchengrotten und steigen auf die rätselhaften Nuraghen, die Wohnungen der Urbewohner der Insel. Die Anschaulichkeit der Schilderungen unterstützen die vielen Aufnahmen des Verfassers und die feinsinnigen Zeichnungen des Malers Curt Lahs
— Herbert Rittlinger:' Ich kam die reißenden Flüsse herab. Ganz allein zum Amazonas. Mit 77 Abbildungen und einer Karte. Preis geheftet 5,50 Mark. Leinen 6,50 Mark Verlag F A. Brockhaus in Leipzig. Ein junger froher Mensch hatte den Wunsch, als erster die Quellflüsse des Amazonas im Kajak zu befahren Er ist ein alter Wasserhose, der kühn und unbekümmert schon manches Bravourstückchen geleistet hat. Herbert Rittlinger weiß genau, wenn ihm sein Faltboot, der treue Ionas, verlorengeht, ist es auch mit ihm vorbei. Aus dieser Urwelt eines Waldes, der größer als Europa ist, gibt es zu Fuß keinen Ausweg. Hart am Abarund muß er einen hinterlistigen Gesellen Niederschlagen, da ihm sein Leben lieb war. Drei finstere Caballeros trugen sich mit Mordabsichten, sie vertrieb er mit Schreckschüßen Auch fiel chn Malaria an, todeselend schob er sein Boot stundenlang vor sich her, bis zum rettenden Wasser. Aber die schönen Stunden, die ihm diese Wildnis schenkte, lohnten die Mühsal. In den Zweigen sangen kleine Affen so zart, daß er sie für Vögel hielt; Ruinen alter Inkabauten erzählten vom Glanz eines längst dahingegangenen mächtigen Reiches. Besonders schön sind die prächtigen Aufnahmen, die Herbert Rittlinger heimgebracht hat.
Für untere Kinder.
— „Auf guter Fahrt." Ein Jahrbuch für unsere Jungen. 4. Folge. Unterhaltung und Lebenskunde, Natur, Technik, Sport, Spiels Heimat und Dolk. 368 Seiten. Mit einer farbigen Kunstdrucktafel „Querschnitt durch ein 0-Boot". einer farbigen Tafel „Vom Steinschleuderer zum modernen Ge- chütz", einem Vierfarbendruck und mehr als 200 Photos und Zeichnungen. Seinen 6,00 RM. Verlag Kösel - Pustet, München. — (477) — „Auf guter Fahrt" ist mannigfaltig, spannend und lehrreich. Es ist ein Buch für den ganzen langen Winter, das immer wieder hervorgeholt, in dem immer wieder mit Freude und Begeisterung gelesen, studiert und gearbeitet wird.
— Gerhard Scholtz: Der kleine Giese. Die Geschichte eines unbekannten Soldaten Mit Vignetten von Fritz Kredel. Halbleinen RM 1.20. K. Thinemanns Verlag, Stuttgart. — (402) — 1917 erfolgte der Abtransport aus der Garnison ins Feld. Ein junger Offizier ritt vor der Marschkolonne. Das Ausrücken des Nachschubs ging still vonstatten Der kleine Giese dachte an fein Heimatdorf, als sich der Zug in Bewegung setzte Nach dreiundzwanzig Stunden erfolgte die Ausladung. Alles war anher?, als sich die Jungen das vorgestellt hatten. Von der Front war nichts zu bemerken. — Wenig später liegt der kleine Giese im Grab Nummer 468 auf dem Ehrenfriedhof Hooglede. Don den paar Monaten dazwischen berichtet diese Geschichte, von dem Heldentum des jungen Soldaten, der selbst im Grauen der Schlacht nicht versagte.
— Hugo Ramm- Die Eisfahrt. Von Seedüweln und Bangbüxen. Mit Zeichnungen von
Rolf Wilde. Halbleinen RM. 1,20. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. — (404.) — Ein Buch von der Jugend reifer Männer, die einst als Schulkameraden sich versprachen, im 40 Lebensjahr wieder in der heimatlichen Stadt am Meer zusammenzukommen. Hugo Ramm, einer der Zurückgekehrten hat die humorvollen und dabei doch in die Tiefe gehenden Geschichten und Erlebnisse aus der Jugendzeit auf« geschrieben, an die sich die Freunde bei ihrem Wiedersehen erinnerten. Wie sie als Jungen auf einer Eisscholle fast ins Meer abgetrieben wurden. Wie sie allerhand Schabernack erfanden und die große Schlacht am Ententeich ausfochten In schlichter Weise läßt Ramm das Wesen und Unwesen der Seedüwel und Bangbüxen, der Weggenossen seiner Jugendzeit vor uns erstehen (Für 14« bis 18jäh. rige.)
— Karl Theodor Haanen: Der Flie. aer-Münchhausen Freiherr von Münchhau- fen erzählt unglaubliche Fliegerabenteuer. 80 Seiten. Mit einem Titelbild und neun Vollbildern von Werner Chomton. Ganzleinen 2,50 RM. (Herold- Verlag, Stuttgart). — (442.) — Es war ein glücklicher Gedanke des durch seine Fliegerbücher rasch bekannt gewordenen Verfassers, einen „Münchhausen der Gegenwart" zu schreiben und den berühmten Stoff mit der sehr zeitgemäßen Fliegerei zu verbinden. Man muß zugeben, daß er diese Aufgabe mit Witz und Phantasie gelöst hat, so daß besonders die flugbegeisterte Jugend ihre Freude an dem Buche haben wird.
— Hedwig Lohß: Hildigund und Hildulf. Eine Erzählung aus deutscher Vorzeit. Kleinoktav. 112 Seiten Mit einem Titelbild und fünf Vollbildern von Willy Planck. Ganzleinen 2,50 RM. (Herold-Verlag, Stuttgart.) — (450) — Zwei- tausend Jahre zurück führt uns diese Geschichte von Hildigund, der jungen Suedin, und von Hindulf, dem treuen und tapferen Bruder. Sie erzählt von altem Brauchtum jener Zeit, von Schmerz und Freude unserer germanischen Ahnen, von Not und Leid, die über die Sueben kamen, als Ariovist, ihr König, mit seinem tapferen Heer drunten im Elsaß von Cäsar geschlagen wurde.
— Sofie Schieker- Ebe: Karin und ihr Ring. Eine Engadin-Novelle. Mit Zeichnungen von Gunter Böhmer. Halbleinen RM. 1,20. K Thienemanns Verlag Stuttgart. — (403.) — Die Autorin selbst sagt darüber: Die Geschichte, die ich hier erzählen will, liegt schon lange an meinem Wege und wartet darauf mitgenommen zu werden. Ich habe sie dann und mann mit einer begehrlichen Hand aufgehoben, habe sie von allen Seiten betrachtet und habe mich wohl auch für kurze Zeit immer wieder betören lassen von ihrem vielfältigen und bunten Schimmern. „Niemand wird dir diese Geschichte glauben", sagte ich zu mir selbst. „Und wenn du zehnmal beteuerst, daß es keine erfundene Geschichte ist!" Nun sind Jahre darüber hingegangen und ich sehe heute das wahre Angesicht dieser Geschichte, die uns so seltsam und unwahrscheinlich bünfen_mag, solange mir nur nach dem äußeren Schein verlangen. Schauen mir hinter ihn, erblicken mir die unoermorrene, ernste und schlichte Wahrheit. (Für 14- bis 18jährige.)
— Elisabeth Dreisbach: Wilhelma und ihre Gäste. Eine Erzählung aus dem Schwarzmald für junge Mädchen. 168 Seiten. Mit einem Titelbild und 27 Bildern im Text von Lotte Oldenburg-Wittig. Ganzleinen 3,50 RM. (Herold- Verlag, Stuttgart.) — (449.) — Das Buch erzählt, wie ein junges Menschenkind lernt, mit arbeitswilligen Händen und aufrichtigem Herzen durchs Leben zu gehen, dadurch Wertvolles leistet und bn’-nn selbst froh wird. Die herrliche Natur des Schwarz- waldes umrahmt die unterhaltende Erzählung.
— Joseph-ine Siebe: Fritz Jmmer- f r o h. Eine heitere Dorfkinder-Geschichte. 96 Seiten. Mit zwei farbigen Vollbildern und 27 Text-- bildern von Prof. Hermann Stockmann. Ganzleinen RM. 3,—. Herold-Verlag, Stuttgart. — (443) — Lebenswahr und aus großer Liebe zur Heimat gestaltet die Dichterin die ländliche Umwelt von Fritz Immerfroh mit ihren Menschen, Tieren und täglichen Geschehnissen. Wir lesen mit Schmunzeln von luftigen Abenteuern und Streichen, die die übermütige Jugend verübt und machen die Bekannt- schaft vieler prächtiger Menschen.
Fregattenkapitän Peter Straffer.
Führer der deutschen Marinelustschiffe im Weltkriege.
Vorüber sind die Zetten der Kriegsluftschiffe. Ein schnelleres und wendigeres Fahrzeug beherrscht heute den Luftraum: das Flugzeug in allen seinen Größen, Stärken und Geschwindigkeiten, mit seinen beinahe grenzenlosen Möglichkeiten nicht nur für Den Frieden, sondern auch für Zeiten des Krieges und des Kampfes. Wenn unsere Blicke heute den Jägern in den Lüften, den Bombern und den Beobachtungsflugzeugen folgen, wenn mir sie bei einer Fahrt über Land irgendmo aufsteigen sehen oder roenn mir Photos in die Hand bekommen die uns die Menge der Kampfflugzeuge auf den schwimmenden Flugplätzen, den Flugzeugträgern, zeigen, wenn demnächst der erste deutsche Flugzeugträger vom Stapel läuft, dann wird unsere Erinnerung an jene Riesen der Luft wach, die sich 1914 erhoben, um die gen Westen marschierenden Truppen zu begleiten und mit ihren wohlgezielten Bomben dem Gegner schwere Verluste beizubringen.
Nicht nur die Armee, a u ch die Marine verfügte über Kriegslustschifse, die nicht weniger als 200 Angriffe und 1148 Aufklärungen durchführten. Sie bildeten das weitsehende Auge der Kampfflotte, sie standen über der Nordsee, um jedes Herannahen feindlicher Seestreitkräfte zu verhindern, sie griffen aber auch immer wieder England an, das sie zwangen, eine riesige Luftverteidigung für die Inseln zu schaffen, die nicht weniger als 500 000 Mann der Front entzog, ganz zu schweigen von den Munitionsvorräten, die an den Küsten gestapelt werden mußten, von den Scheinwerfern, die nicht an die Front abgegeben, sondern in Der Umgebung aller wichtigen Städte ausgestellt wurden. Flugzeuge in erheblicher Zahl mußten wegen der deutschen Marinelustschiffe auf den Inseln bleiben. Die britische Marine mußte zum Schutze der ständig aus der Luft bedrohten englischen Süd- Südost- und Ostküste ganze Kriegsschittgeschwader mit rund 200 Offizieren und 20 000 Mann allein für den Küstenschutz bereithalten.
Der Mann, der die deutschen Marineluftschiffe befehligte, der diese Waffe aufbaute, sie immer wieder ansetzte und auch selbst Angriffe befehligte, war der 1918 zum Fregattenkapitän ernannte „FdL." Peter Strasser, der Führer der Luftschiffe Er, der wie jeder andere Seeoffizier Dienst an Bord der verschiedensten Kriegsschiffe tat, bevor er mit den Luftschiffen in Berührung tarn', interessierte sich lebhaft für die Zeppeline Ihm sihwebtt die Idee vor, sie m großem Umfange der
Kriegsmarine nutzbar zu machen. Auf dem Luftschiff „Sachsen" lernte er wie jeder anDere Lust- schsiser. Etwa zur gleichen Zett setzte sich Prinz Heinrich lebhaft dafür ein, auch die Marine am
(Scherl-Bilderdienst-M.)
Luftschiffen zu beteiligen, nachdem man ftch entschieden hatte, das Heer mit einigen dieser Fahrzeuge auszurüsten Aber mehrere Jahre vergingen. bis das erste Schift in Auftrag gegeben unb ein M flrincluftfdpffbetadjement mit Dem Standort Johannisthal bei Berlin ae- fdyaffen mürbe „L 1", das erste Marineluttschiff unter Kapitanleutnant Hanne erhielt aber bald Nordholz bei Cuxhaven als Station angewiesen. (Es geriet am 9 September 1913 mit Kommandant und Mannschaft über der Nordsee in Verlust
®°.^en später erlitt „L 2" em ähnliches ^^1. Niemand kehrte zurück. Inzwischen war der Auftrag für den Bau von „L 3" hi naus- gegangen, gleichzeitig wurde Korvettenkapitän Petex
Strasser mit der Leitung der vergrößerten Marineluftschiffabteilung betraut. Damit wurde ihm Die Gesamtführung aller noch zu bauenden Luftschiffe übertragen. Strasser, den niemals der Glaube .an seine Luftschiffe verließ, auch nicht, als die Verlustziffern immer größer wurden und eine Katastrophe die andere ablöste, gin- mit Feuereifer daran, Der Marine eine Luftschisswaffs zu geben, die sich sehen lassen konnte.
Bei Kriegsausbruch, der für ihn und fein Vorhaben viel zu früh kam, besaß er nur ein Schiff, aber drei ausgebildete Besatzungen und bereits eine Fülle von Erfahrungen. Nichts ließ er bei dem nun einsetzenden stürmischen Aufbauwerk außer Acht, um Den Schiffen alles zu geben, was geeignet fein konnte, Deren Leistung zu steigern. Ader Strasser, Der Dann vor dem Feinde fiel, war nicht der Mann der nur Pläne entwarf, er ging hinaus, wenn es galt, einen neuen Gedanken - zu verwirklichen. So wäre er beinahe beim Ausprobieren eines Spähkorbes ums Leben gekommen. Dieser Korb sollte aus Der Gondel herausgelassen und bei starker Wolkenbildung durch Die WolkenDecke hindurchmanövriert werden. Ein Späher im Korb hatte seine Entdeckungen telephonisch dem über Den Wolken segelnden Luftschiff mitzuteilen. Beim Erproben dieses Korbes, Den Strasser als erster bestieg, rollten Die Seile nicht richtig ab, so Daß Der Korb sich schief stellte, bann aber plötzlich ruckartig viele Meter in Die Tiefe sauste. Strasser, Der von allen Männern Der Marineluftwaffe Den höchsten Einsatz forderte, zögerte niemals, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, sei es, wie hier, beim Erproben einer neuen Einrichtung ober bei einer Angriffsfahrt gegen England, mit leuchtendem Beispiel voranzugehen.
Unter seiner Führung wurde bas Marineluftschiff zu einer scharfen Waffe, die alle fürchteten Die mit ihr Bekanntschaft machten. Er erreichte daß alle drei Wochen ein neues Luftschiff in Dienst gestellt wurde Allerdings war auch Der Abgang an Luftschiffen recht erheblich. Natürlich war Straffer bestrebt, den Lufttchiffen eine stets, wachsende Geschwindigkeit und vor allem auch Steigfähigkeit zu geben, zumal die Engländer immer leistungsfähigere Abwehrflugzeuge heraus- brachten. L 1 hatte ein Fassungsvermögen von 22 500 cbm, L 57 von 68 500 cbm; bei L 1 hatten die drei Motoren eine Antriebskraft von je 160 PS bei L 7 waren es sieben Motoren nut je 260 PS' L 3 bis L 8 brachten es auf eine Steigeleistuna bis ZU 2500 Meter. £ 71 konnte bis 7000 Meter hoch steigen. Insgesamt wurden für die Marine 78 Luftschiffe gebaut, für Angriff und Aufklärung kamen aber nur 72 Schiffe in Frage. 52 Luftschiffe gingen verloren, unb zwar 26 Schifte durch feindliche Ein
wirkung, 14 Schiffe durch Unwetter und 12 Schiffe durch Explosion. 17 Schifte wurden außer Dienst gestellt. 9 Schifte waren am 9. November 1918 vorhanden. Auf der B e r l u st l i st e Der Marinelustschiffahrt stehen Die Namen von 40 Offizieren, Darunter Der Name Strassers, und von 396 Deckoffizieren, Unteroffizieren und Mannschaften.
Aus Den Einzelunternehmungen Der Marinelustschiffe wurden vom Herbst 1915 ab GeschwaDer- an griffe auf England, die ein Jahr später mit nicht weniger als zehn Luftschiffen durchgeführt wurden. Immer und überall war Straffer die treibende und zündende Kraft, immer war es Strasser, der seine Lustschiffe hinausschickte, um Dorpostendienst für die Küsten der Heimat zu versehen oder feindliche Schiffe unD Anlagen an den englischen Küsten zu zerstören. Strasser fand bet einer dieser Angriffsfahrten den Heldentod. Im Juni 1918 wurde L 70 in Dienst gestellt. Es war das schnellste bis dahin gebaute Schiff. Bei einer Probefahrt erreichte es eine Geschwindigkeit von fast 140 Kilometer. Kommandant wurde Kapitänleutnant Lößnitzer. Dieses Schift setzte der in- zwischen zum Fregattenkapitän beförderte Führer der Luftschiffe, Strasser, mit vier anderen Schiften zu einem Geschwaderangrift, an Dem er sich an BorD von L 70 beteiligte, auf Die großen Munitionsfabriken Englands an. Wie sich später herausstellte, hatten die Engländer 33 Flugzeuge auf- steigen lassen, die sich Den Zeppelinen entgegenwerfen sollten Unter diesen Maschinen befanden sich ganz neue Hochleistungsmaschinen. Eines dieser Flugzeuge kam bis 5200 Meter hoch und konnte hier L 70 von vorn mit Brandgeschossen angreifen. Das Luftschiff fing sofort Feuer und stürzte ins Meer, wo Peter Straffer mit seinen Getreuen den Tod in den Wellen unter einem glühenden und brennenden Wrack fand
Deutschlands Marineluftflotte hatte ihren Führer verloren das Rückgrat war ihr gebrochen.
Der Chef der Hochseeflotte, Admiral Scheer, widmete dem Toten folgenden Nachruf:
„Das Luftschiff, von Graf Zeppelin mit Erfindergeist und zähem Ausharren geschaften, ist von Fregattenkapitän Peter Straffer als Führer der Lufftchifte in nie erlahmendem Schneid, allen Rückschlägen zum Trotz, zu einer scharfen Ängriftswaffe gestaltet. Den Geist, Den er auf vielen Angrifts- fahrten in seiner Waffe großzog und hochhielt, hat er nun mit dem Heldentod über England besiegelt. Wie Graf Zeppelin als Erfinder fortleben wird in des dankbaren deutschen Volkes Gedächtms, so bleibt unvergessen Fregattenkapitän Straffer, der die Luftschiffe zum Siege geführt."
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