Ausgabe 
7.9.1938
 
Einzelbild herunterladen

Motorgruppe Seffen für Nürnberg gerüstet.

Nie Vorbereitungen für den Reichsparteitag 1938 und die NS.-Kampfspiele.

Die Vorbereitungen der Motorgruppe Hessen für den diesjährigen Reichsparteitag können als ab­geschlossen bezeichnen werden.

Der Marschblock der Motorgruppe Hessen wird mit 420 Mann in Nürnberg am Führer vorbei­marschieren. Für den Verkehrs-Erzlehungsdienst stellt die Motorgruppe Hessen 12 Mann ab, ein Arbeitsvorkommando mit vier Mann wird früh­zeitig in Nürnberg zur Stelle sein, 8 Verwaltungs- sührer werden für die verwaltungsmäßige Abwick­lung, Verpflegung usw. sorgen, und schließlich wer­den noch insgesamt 18 Mann die Feldzeichen der Matargruppe Hessen tragen und begleiten sowie weitere 27 Mann, die die Stander der Formationen der Gruppe in Nürnberg tragen werden.

21m Freitag, 9. September, werden alle Nürn- bergfahrer der Motorgruppe Hessen in Frankfurt eintreffen, wo sie im Haus der Jugend an der Eschersheimer Landstraße ihre vorbildliche Unter- tun ft und Verpflegung finden werden. Am Nach­mittag desselben Tages findet eine letzte Besichti­gung von Führern und Männern durch den Ober- sichrer Römer statt. Dann bekommen alle Teil­nehmer eine letzte wohlverdiente Ruhe bis zum Wecken am 10. Septemder, 1 Uhr- und gegen 3 Uhr verlassen die Nürnbergfahrer der Motor­gruppe Hessen Frankfurt, um bereits um 10 Uhr in Nürnberg an Ort und Stelle zu sein, wo sich zunächst das übliche ßa gerieben üb spielen wird.

Am Samstagnachmittag nimmt der Korpsführer die Verleihung der Beiwagenkräder an die «Äcger- ftürme des Reichswettkampfes vor, unter denen auch die Motorgruppe Hessen zu finden ist. Bei dieser Verleihung wird das gesamte Führerkorps des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps anwesend sein. Den Abend des 10. September beschließt ein großes Feuerwerk. Dann werden die Lagerfeuer entzündet, und die Teilnehmer der Motorgruppe Hessen werden sich zur Ruhe begeben, um am Sonntag, 11. September, 4 Uhr, wieder geweckt zu werden, zum Tage ihres großen Erlebnisses in Nürnberg 1938.

Wie alljährlich werden die Teilnehmer der Motor- aruppe Hessen zum Luitpoldhain marschieren, um schließlich, nachdem die Weihe der Feldzeichen unter denen sich in diesem Jahre auch die Stan­darten 46 (Hanau) und 146 (Aschaffenburg) befin­

den werden vom Führer vorgenommen wurde, an dem traditionellen Vorbeimarsch vor dem Führer Adolf Hitler teilzunehmen.

Daraufhin erfolgt der Rückmarsch zum Lager, und der offizielle Dienst für die Führer und Männer der Motorgruppe Hessen ist beendet.

Am Montag, 12. September, werden sie noch die Gelegenheit wahrnehmen, die diesjährigen großen Wehrmachtsvorführungen mit anzusehen, und am selben Tage, 21 Uhr, werden sie die Rückfahrt von Nürnberg nach Frankfurt antreten, wo sie am 13. September gegen 3 Uhr wieder eintreffen wer­den.

Ganz besonders erwähnenswert ist es, daß die Motorgruppe Hessen anläßlich des diesjährigen Reichsparteitages insgesamt 24 Mayn zu den NS- Kampfspielen entsendet. Uno zwar handelt es sich:

1. Um eine Fechtmannschaft der Motorstandarte 49 Frankfurt in Stärke von sechs Mann, in deren Reihen sich ganz bekannte Fechter, wie Jörger und Eisenecker, befinden. Es ist dies die erste Fechtmannschaft des NSKK. überhaupt, die nach Nürnberg entsandt wird:

2. eine Basketballmannschaft in Stärke von zehn Mann, die die Motor standarte 14 7 Gie­ßen stellt. Damit ist die Motorgruppe Hessen die einzige Motorgruppe Deutschlands, die eine derartige Mannschaft, die sich übrigesn bereits in Breslau in diesem Jahre außerordentlich bewährt hat, ent­sendet;

3. eine Mannschaft für den Mannschafts-Orien- tierungslauf in Stärke von sechs Mann, die die Motorstandarte 146 Aschaffenburg stellt, und die bei den Korpsausscheidungskämpfen ;n Nordhausen in diesem Jahre beste Erfolge hatte;

4. zwei Einzelkämpfer, und zwar den NSKK.« Mann U eh lein von M. 146 Aschaffenburg für den 400-Meter-Hindernislauf, und den NSKK. - Mann Luh von M. 147 Gießen für das Handgranaten-Weitwerfen, beides bewährte Sports­leute mit guten Erfolgsaussichten.

Alle Teilnehmer der NS.-Kampfspiele von der Motorgruppe Hessen wurden beim Sportfest der Motorstandarte 47 Kassel und bei den Korpsaus­scheidungskämpfen in Nordhausen sorgfältig aus- gewählt.

halten, da er fernen Gehilfen vorher zur Genehmi­gung angemelbet hatte. Er mußte sich aber beleh­ren lassen, daß nicht der Zeitpunkt der Anmeldung, sondern der der Genehmigung maßgebend ist. Ueberdies hatte das Kreisamt die Genehmigung für den Gehilfen versagt. Es verblieb daher bei der im Strafbefehl erkannten Geldstrafe von 30 Mark.,

Auszeichnungen für Verdienste in der Rote-Kreuz-Arbeit.

Mit Zustimmung des Führers und Reichskanzlers hat der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes zum Reichsparteitag 1938 Herrn Dr. Neumann- S p e n g e l in Gießen und Herrn Decbant Kahn in Lich das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes II. Klasse, ferner Frau Karoline Gänge- r i ch in Lich bas Frauenkreuz des Deutschen Roten Kreuzes verliehen.

Die Aushändigung der Auszeichnungen erfolgte in feierlicher Weise durch den Kreisführer, Oberfeld- sührer Dr. Lotz.

Aus der engeren Heimat.

50 Jahre Treue bei der Arbeit.

Der Führer und Reichskanzler hat den Arbeitsjubilaren Ludwig Erbe und Philipp Z e - cher zu Lollar, Heinrich Müller I. und Heinrich Seitz zu Birklar, Ernst Häfner zu Lich, Katha­rine R ü h l zu Grünberg, Philipp V ö l z e l IX. zu Wiefeck und Heinrich W i n t e r zu Neuhof bei Leih­gestern, die ein und demselben Dienstherrn 50 Jahre lang in Treue gedient haben, das Treudienst-Ehren­zeichen der Sonderstufe verliehen. t

Die Ehrenzeichen wurden am 2. September den Arbeitsveteranen durch den Kreisdirektor des Krei­ses Gießen Dr. Lotz persönlich unter llebermittlung seiner Glückwünsche überreicht. Die vom Führer mit dieser hohen Ehrung für die ihren Arbeitgebern während 50 Jahren bewahrte Treue bedachten Ju- bilare verdienen die Achtung und Wertschätzung aller Volksgenossen.

Abbau des Kreisamts Schotten.

* S ch o t t e n, 7. Sept. Da mit dem 30. September 1038 der Kreis Schotten zu bestehen auf = hört und feine Gemeinden auf die benachbarten Kreise aufgeteilt werden, sind nunmehr die Abbau- maßnahmen auch hinsichtlich derVersetzungdes Kreisamtspersonals in die Wege geleitet worden. Die Beamten und Angestellten des Kreis­amts Schotten werden mit Wirkung vom 1. Oft. 1938 ab in der Hauptsache nach Büdingen, zum Teil aber auch nach Gießen, Alsfeld, Lauterbach, Offenbach und Darmstadt versetzt.

Schweres Autounglück zwischen Alsfeld und Grünberg.

* Grünberg, 6. Sept. Auf der Landstraße zwischen Alsfeld und Grünberg fuhr am Montag­morgen ein mit vier Personen besetzter Kraft­wagen aus Gießen im dichten Nebel gegen einen Baum. Bei dem starken An­prall erlitt ein Insasse, ein 23 Jahre alter Mann, einen sch w e r e n Schädelbasisbruch, an dem er einige Stunden später in der Chirurgischen Klinik in Gießen oerftarb. Die drei anderen Insassen kamen zum Glück mit leichteren Ver­letzungen daoon, sie mußten jedoch auch der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden. Wie man hört, ist das Befinden dieser drei Männer den Umständen entsprechend zuftiedenstellend.

Bereicherung des Alsfelder Museums.

§ Alsfeld, 3. Sept. Von dem geschäftsführen­den Beirat des Geschichts - und Altertums­vereins der Stadt Alsfeld unter Leitung von Oberstudiendirektor Dr. Hainer wurden sämt­liche Räume des Museums einer eingehenden Besichtigung unterzogen zwecks Erweiterung der Ausstellungsräume, die infolge des ständigen Zuwachses an Ausstellungsgegenständen nicht mehr ousreichen. Auch soll künftig in den Räumen eine gruppenweise, nach sinngemäßer Zu-

Kamst dvWülk, Sore?

Vornan von Hedda Lindner.

Copyright by Earl Duncker Verlag, Berkin W 35.

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Rudolf empfing sie in der Halle, die 'Uhr in der Hand.Man hat schon angefangen aufzütragen", stellte er mißbilligend fest.

Verzeih!" sagte sie nur kurz und ging vor ihm her in den Saal. *

Daß Frauen doch nie pünktlich sein können!" murmelte er tadelnd, während er ihr folgte.

Aber dann wich der Merger sehr rasch aus seinem Gesicht. Sie sah doch sehr gut aus, wie sie so vor ihm herging in ihrem schwarzen, etwas schleppen­den Abendkleid, zu dem das kleine weiße Strauß­federncape einen wirkungsvollen Gegensatz bildete. Unwillkürlich hoben sie die Köpfe, als sie an den Tischen vorüberschritt, und es gab diese kleine kurze Sekunde des Verstummens, die oft ein größeres Kompliment ist als Worte.

Und welcher Mann bliebe unempfindlich, wenn die Frau, die allgemeine Bewunderung findet, ihm gehört! Dr. Niemeyer sah die anerkennenden und neidvollen Blicke, die Dores Erscheinung galten, und seine Mißstimmung verflog. Wenn' man so aussieht, kann man schon mal ein paar Minuten länger zum Anziehen brauchen, und außerdem werde ich ihr die Unpünktlichkeit abgewöhnen, wenn wir erst verheiratet sind, dachte er.

Er ahnte nicht, wie sehr die Verspätung der sonst pünktlichen Dore mit den Gedanken über diese Hei­rat zusammenhing. Er hatte auch fein sonderliches Feingefühl für Stimmungen, für die leisen Unter­töne, die doch so wichtig sind im Verkehr der Men­schen untereinander. Sonst hätte er nicht gerade diesen Abend zu einer Aussprache über das Heirats­thema benutzt.

Er leitete die Unterhaltung nicht sehr geschickt damit ein, daß er über feinen verstauchten Daumen klagte. Nun ist ein verstauchter Daumen sicher sehr störend und schmerzhaft, heroisch wirkt er indessen nicht, und Dores Gesicht zeigte durchaus nicht den Ausdruck, den man von einer liebenden Braut er­warten konnte.

Sie musterte das Publikum; viel gut angezogene Leute. Wann hatte sie das letztemal so neben einem Manne im Speifesaal eines großen Hotels gesessen? Wieder gab es einen feinen Stich in Grindel­

sammengehörigkeit geordnete Gliederung der einzel­nen Gegenstände vorgenommen werden. Hierzu soll das seither als Lager- und Geräteraum benutzte Erdgeschoß des Museumsgebäudes (Hochzeitshaus) in Anspruch genommen werden. Die Stadtverwal­tung hat in dankenswerter Weise ihre Bereitwillig­keit erklärt, den Raum bis zum nächsten Frühjahr freizumachen, der dann wieder in feiner ursprüng­lichen, architektonischen Schönheit hergestellt werden soll. Damit wird das Alsfelder Museum eine wert­volle Ergänzung und Bereicherung erfahren. Durch die Freilegung der vier mächtigen tragenden Säu­len und der Bogennischen in dem Gewölbe der Wände wird eine besonders schöne Wirkung erzielt werden. Nachdem inzwischen sämtliche Museums­räume mit elektrischem Licht versehen sind und der Anschluß an die Wasserleitung hergestellt wurde, ist nunmehr eine würdige Ausstattung der Räume er­reicht. Der derzeitige Leiter des Museums, Schul­rat i. R. R a u f ch , hat in anerkennenswerter Weise die Aufgabe der Umgruppierung des gesamten Mu­seums in der angegebenen Weise übernommen.

Unfälle auf dem Lande.

Dem Landwirt Ludwig Weller in Rödgen (Kreis Gießen) wurde bei der Arbeit an der Dresch­maschine mit der Getreidegabel in die Hand ge­stochen. Einige Tage später trat eine schwere In­fektion an der Stichwunde auf. In Staufen­berg fiel die Frau Heibertshausen so un­glücklich von einem Stuhl herab, daß sie einen Bruch des rechten Unterarms davontrug. Beim Abladen von Frucht fiel dem Landwirt Karl Haas in Watzenborn-Steinberg ein Eisenstück so unglücklich auf den linken Fuß, daß dieser gebro­

wald, im Parkhotel um Gottes willen, nicht mehr daran denken!

Schon kam die Ablenkung:Könntest du mir bitte das Fleisch schneiden? Mein Daumen stört mich sehr."

Gewiß, gern", antwortete Dore sehr höflich. Diese Anstellerei, dachte sie unfreundlich dabei.

Gerald hätte einen verstauchten Daumen über­haupt nicht erwähnt. Das war ungerecht, aber wir sind immer ungerecht gegen einen Menschen, der beginnt, uns auf die Nerven zu fallen.

Bis jetzt hatte Dore für ihren Verlobten doch so viel Zuneigung empfunden, daß sie sich zeitweise mit Erfolg einreden konnte, ihn zu lieben. Beson­ders in seiner Abwesenheit dann umkleidete ihn ihre Phantasie mit so viel schmückendem Beiwerk, daß sie zuletzt fast Sehnsucht nach ihm verspürte; und solange es ihm gelang, ihre Phantasie zu be­schäftigen, war alles gut. Gerald Hilgers Bild zu verdrängen, es möglichst auszulöschen, das sollte Niemeyers Aufgabe sein, und heute ahnte sie, daß er diese Aufgabe nicht gelöst hatte und vielleicht nie­mals lösen konnte. Es war nicht seine Schuld, aber es machte sie nervös und stimmte sie ungerecht gegen ihn.

Nach dem Essen besserte sich ihre Stimmung etwas. Sie tanzten in der Halle. Niemeyer tanzte gut, und da Gerald nie getanzt hatte, konnte sich fein störender Vergleich dazwischendrängen. Sie wurde heiter und lebhaft, und das steigerte seine Verliebtheit.

Ich hoffe doch, bald auf unserer Hochzeit mit dir zu tanzen, Liebling", flüsterte er, während er sie nach den Klängen eines Tangos durch den Saal führte.

Ihr Körper, der bis dahin weich und gelöst dem Rhythmus der Musik gefolgt war, steifte sich.Wir haben uns doch gerade erst verlobt", murmelte sie.

Er antwortete nicht gleich. Die Musik hörte auf, und er führte sie auf ihren Platz zurück.Wir sind fast zwei Monate verlobt, und ich wüßte wirklich nicht, worauf wir warten sollen. Ein langer Braut- l'tanb zwischen zwei reifen Menschen ist ein Unding, wenn feine äußeren Gründe oorliegen."

Das war vollkommen berechtigt leider!Man muß sich doch ein bißchen an den Gedanken ge­wöhnen", entgegnete sie zögernd. Sie fühlte selbst, wie fadenscheinig diese Ausrede klang.

Er sah sie verblüfft an.An welchen Gedanken? Verheiratet zu sein? Das kommt doch bei dir nicht in Betracht."

Er hatte recht, aber dennoch ärgerte sie sich über diese Feststellung.

chen wurde. Bei der Arbeit an der Dresch­maschine verunglückte die Landwirtsfrau Ottilie Wagner in Eberstadt dadurch schwer, daß ihr ein Rohr auf den Kops fiel. Die bedauernswerte Frau erlitt dabei eine starke Gehirnerschütterung. In Wallernhausen (Kreis Büdingen) stürzte ein Gefäß mit kochendem Wasser über das ein Jahr alte Söhnchen des Schuhmachermeisters Müller, das dadurch schwere Brandwunden er­litt. In Frankenbach (Kreis Wetzlar) stürzte die Landwirtsfrau Elisabeth Bernhard beim Ab­laden von Frucht von einer Leiter herab. Dis be» dauernswerte Frau trug dabei schwere innere Ver­letzungen davon. Der 44jährige Landwirt Ludwig Harnisch in Hausen (Kreis Gießen) wurde im Stalle von einem Bullen an die Wand gedrückt und erlitt dabei einen Bruch der rechten Hand. Durch einen Sturz vorn Wagen zog sich der 25jährige Lcmd- roirb Friedrich Lenz in Lützellinden einen Bruch des linken Armes zu. Der Schäfer Georg I b e l aus Hausen (Kreis Friedberg), der sich gegen­wärtig mit seiner Herde im Westerwald befindet, war von einem Hunde gebissen worden und mußte jetzt mit Blutvergiftungserscheinungen in ärztliche Behandlung gebracht werden. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen ge­bracht.

Landkreis Gießen.

# Mainzlar, 5. Sept. Der Turnverein hielt im Saale von Müller eine Versammlung ab. Vereinsführer Grölz erstattete zunächst einen. Bericht über den Erfolg des Opfertages. Anschlie­ßend sprach der Mitarbeiter der Deutschen Sport­hilfe, Kern, über Aufgaben und Zwecke der Sport-

Me. Im Verlaufe der Versammlung wurde be­schlossen, das Unterkreisturnen in Holzheim mit 18 Aktiven zu besuchen. Zur Zeit sieht matt täglich viele Volksgenossen in den Wald pilgern, um die Brombeerernte zu bergen. *

Holzheim, 5. Sept. Nachdem vor etwa zwei Jahren unterhalb des Ortes nach Wasser ge­bohrt und auch in jüngster Zeit ein Versuch in der Nähe des Sportplatzes unternommen worden mar, der aber ergebnislos verlief, wurde nun in der Richtung nach Eberstadt zu in etwa 7 Meter Tiefe eine Quelle erbohrt, die geeignet fein dürfte, den Wasserbedarf d e s Dorfes sicherzustellen. Mit dem Bau einer Wasser, leitung wird voraussichtlich im nächsten Jahre be­gonnen werden.

* Birklar, 5. Sept. Dieser Tage wurden zwei hiesige Arbeitsjubilare, der Gärtner Hein- rich M ü 11 e r I. und der Gespannführer Heinrich Seitz, mit dem Treudienstabzeichen für 50jährige Arbeitszeit ausgezeichnet. Das Geschenk des Führers wurde durch Kreisdirektor Dr. Lotz überreicht. Beide Jubilare erfreuen sich noch aller Rüstigkeit.

* Hungen, 3. Sevt. Der diesjährige Tages, ausflug der Oberschule Hungen führte am Donnerstag nach Bad Münster am Stein. Die schöne Fahrt, die von herrlichem Wetter begün. stigt war und reibungslos verlief, wird Lehrern und Schülern in bester Erinnerung bleiben.

Wirtschaft.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Biehversteige« rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 9 Ochsen, 2 Bullen, 27 Kühe, 34 Färsen, 118 Kälber, 162 Schweine, 7 Schafe aufgetrieben.

Preise: Ochsen 35 bis 44, Bullen 37 bis 41, ,Kühe 12 bis 42, Färsen 35 bis 43, Kälber 46 bis 63, Schafe 40 bis 42 Pf. je V2 kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 116, bl (135 bis 149,5 kg) 114, b2 (120 bis 134,5 kg) 112, c (100 bis 119,5 kg) 108, df (unter 100 kg) 102, gl (fette Specksauen und i Altschneider) HO, g2 und h (andere Sauen und Eber) 106 Mark.

Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt, Kälber und Schafe rege.

Rhein-Mainische Börse.

INittagsbörse: schwacher.

F r a n k f u r t a. M., 6. Sept. Die Börse verstärkte ihre Zurückhaltung, da keine geeigneten Anregungen Vorlagen, insbesondere fehlten Aufträge der Kund­schaft. Die Kulisse hatte weiteres Glattstellungs- bedürfnis, auch sollen von der Kundschaft einige Verkäufe erfolgt fein. Inwieweit dabei der Geld­bedarf zu dem bevorstehenden großen Steuertermin mitgewirkt haben mag, war nicht zu erkennen. Ob­wohl die Abgaben keinen drängenden Charakter hatten und auch keinen besonderen Umfang erreich­ten, lösten sie an den Aktienmärkten infolge der schwachen Unternehmungslust durchschnittliche Rückgänge von 1 bis 2 n. H. aus. Eine Reihe von Werten waren darüber hinaus bis zu 3,50 v H. niedriger. Der Montanmarkt brachte durchweg Ein­bußen von 1,50 bis 2 v. H., Klöckner verloren 3,50 v. H. auf 111,90, gut behauptet blieben Buderus mit 108,13 (108). Maschinen- und Autowerte gingen um 1 bis 1,50 v. H. zurück. Von chemischen Werten bröckelten IG.-Farben auf 146,25 (147), Scheide­anstalt auf 204 (205) ab, Metallgesellschaft gaben 1,75 v. H. nach. Am Elektromarkt ermäßigten sich Akkumulatoren um 3 v. H. auf 206, ©esfürel um 2,50 v.H. auf 126, Felten um 1,75 v. H auf 127 und Lahmeyer nach unv. 122 auf 121. Von Ver­kehrswerten schwächten sich Allg. Lokal und Kraft auf 135,50 (138), AG. für Verkehr auf 116,25 (118,50) ab. Im einzelnen gingen Reichsbank auf 179,40 (180,75), Conti Gummi auf 196,50 (200), Vemberg und Zement Heidelberg um je 1 v. H. zurück.

Der Rentenmarkt lag still und im ganzen wenig verändert. Reichsaltbesitz lagen 20 Pf. höher mit 429,70, während Kommunal-Umschuldung auf 94,40 (94,45) abbröckelten. Fest blieben Reichsbahn-

Es tut dir wohl leid, daß ich kein junges Mäd­chen mehr bin?" fragte sie spitz.

Er rückte an seiner Brille, diese direkte Frage machte ihn verlegen.

Die Tatsache, daß ich dich gebeten habe, meine Frau zu werden, dürfte dir als Antwort genügen."

Du weichst mir aus. Man kann eine Frau hei­raten wollen und trotzdem bedauern, daß man nicht der erste ist", beharrte Dore eigensinnig auf dem Thema.

Liebes Kind, an sich wird jeder Mann den Wunsch haben, bei der geliebten Frau der erste zu sein. Aber ebenso wird sich jeder Mann damit abfinden, es nicht zu fein, wenn der Fall so liegt wie bei dir. Ich jedenfalls werde dich niemals hin­dern, das Andenken deines Mannes in Ehren zu halten."

Es war genau die Antwort, die ein anständiger Mensch in dieser Lage zu geben hatte. Dore sah es durchaus ein, und doch trieb diese merkwürdige in­nere Gereiztheit sie, an dem Thema festzuhalten.

Aber wenn mein Mann noch lebte und ich ge­schieden wäre, das wäre etwas anderes?"

Er nahm mit einer heftigen Bewegung die Brille ab und rieb sich über die Augen, ein Zeichen, daß diese Unterhaltung anfing, ihn nervös zu machen.

Natürlich wäre das etwas anderes. Das Be­wußtsein, da lebt irgendwo ein Mann, der meiner Frau nahegestanden hat, lebt und kann ihr jederzeit begegnen, ich danke schön, das würde wohl manchen stören. Im übrigen finde ich aber, daß dies wirk­lich keine Unterhaltung für einen Ballabend ist. Laß uns lieber tanzen."

Dore stand gehorsam auf. Sie plauderte den gan­zen Abend heiter und angeregt von allen möglichen Dingen und versprach auch, den Zeitpunkt der Hoch­zeit nunmehr ernsthaft in Aussicht zu nehmen.

Die Bemerkung ihres Verlobten hatte sie tfe| erschreckt, denn sie zeigte ihr die Dinge in ganz neuer Beleuchtung. Bisher hatte sie ihr Erlebnis in der Schweiz als ihre ureigenste Angelegenheit betrachtet, über die sie niemand Rechenschaft schul­dete. Jetzt wurde sie unsicher. Hatte Niemeyer nicht ein Recht darauf, zu wissen, daß noch ein Mann außer Orivius in ihrem Leben gewesen war? Und wenn er es erfuhr, wie würde er es aufnehmen nach den Ansichten, die er geäußert hatte? Es war gewiß aus diesem Schiausflug nichts Besonderes vorgefallen, und doch mar alles anders geworden. Vorbei war die beruhigende Sicherheit, nun einen ebenen glatten Weg an der Seite dieses Marnies weitergehen zu können.

Asußerlich blieb alles beim alten; ihr Zusammen­

lebten setzte sich fort wie vorher, aber innerlich hatte I

sich unendlich viel geändert, so sehr sich auch Dore Mühe gab, dagegen anzukämpfen.

Nicht nur, daß der Gedanke sie quälte, ob sie von ihrem Erlebnis sprechen müßte, auch ihrem Ver­lobten war sie fernergerückt, sie stand ihm fremder, unbeteiligter gegenüber und begriff setzt erst, daß er ihr in all den Wochen ihrer Verlobung nie so nahe gekommen war wie Gerald Hilger schon nach wenigen Tagen. Begriff auch, daß es das Fehlen dieses letzten geheimnisvollen Kontaktes war, das sie unbewußt immer wieder von der Festsetzung eines Hochzeitstevmins zurückschrecken ließ.

Dieses Begreifen kam nicht von heute auf mor­gen. Weihnachten ging darüber hin, sie verlebte ba£ Fest allein mit ihrem Vater und empfand es als Erleichterung, daß Rudolf zu feiner Mutter gereift war.

Das gab ihr für ein paar Tage Ruhe, aber kaum war er zurück, da fetzte der Kampf von neuem ein. Kampf gegen das Phantom, das sich Erinnerung nannte, Kampf gegen die wachsende Gereiztheit, wenn er so selbstverständlich von ihrem gemein­samen Leben sprach, Kampf auch gegen die innere Unsicherheit, ob er ein Recht darauf hatte, von ihrem Erlebnis mit Gerald Hilger zu wissen.

Einmal war sie entschlossen, ihm alles zu sagen; bann wieder machte sie sich klar, daß der Sinn dieser vierzehn Tage, aus ihrem Leben völlig her­ausgelöst zu werden, in dem Augenblick verloren war, in dem sie davon sprach. Kein Dritter würde verstehen, wie alles gekommen war, begreifen, daß sie tatsächlich geglaubt hatte, in ihr Leben zurück­kehren zu können, als ob diese vierzehn Tage nie Wirklichkeit gewesen wären. Kein Dritter

Am wenigsten Rudolf Niemeyer. Wenn sie dar­über noch im Zweifel war, so half der Zufall, die­sen Zweifel gründlich zu lösen.

Ein junges Mädchen der Grünhagener Gesellschaft war in eine bloßstellende Geschichte verwickelt wor­den, und man sprach abends bei Bertrams darüber, so wie in allen Häusern darüber gesprochen wird.

Dore war erstaunt über die Schärfe, mit der ihr Verlobter urteilte.

Ich begreife dich nicht, Liebling", erregte er sich, als sie versuchte, das Mädchen in Schutz ZU nehmen.Für ein Mädchen, das so leichtfertig mit seiner Ehre umgeht, gibt es keine Entschuldigung "

Ehre! Hängt die Ehre einer Frau wirklich so sehr von dieser einen Sache ab?"

Er sah sie an; in seinem Blick lag offenes De« freittben.Ich verstehe dich nicht", antwortete ef steif.

(Fortsetzung folgt!)