Nr. 209 (Elftes Blatt
188. Zahrgang
Mittwoch, 7. September 1938
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Der Parteitag Großdeutschlands.
Die Verkündung der Proklamation des Führers am ersten Tage des Nürnberger Parteikongreffes.
SS ist recht getan!
Der Parteitag Großdeutschland hat mit der feierlichen Stunde, in der die Proklamation des Führers verlesen wurde, seinen ersten Höhepunkt erreicht. Denn wer unter uns.empfände nicht das Bekenntnis, das Rudolf Heß im Namen der deutschen Nation zum Führer, zu seiner Sendung und seinen Taten ablegte, als sein eigenes? Wer von uns wäre nicht selber erfüllt von dem unerschütterlichen Glauben an Adolf Hitler, wer trüge nicht in sich das feste Wissen, daß alles das, was der Führer tut, recht getan ist uriö notwendig getan werden muß? Wer spürte nicht in seinem Innern die Gemeinschaft der Treue, die uns alle mit der. Persönlichkeit des Führers unlöslich verbindet und die es erst zuwege gebracht hat, daß alle jene herrlichen Erfolge heranreiften, die uns Adolf Hitler in seiner Botschaft vor Augen führte? Der Dank, den Rudolf Heß aussprach, war unser aller Dank, und er enthielt zugleich den Entschluß, auch weiterhin mitzuarbeiten und mitzukämpfen für das große Werk des Führers, das ja nicht um unsertwillen oder seinetwillen, sondern um D e u t s ch - lands willen vollendet werden soll. Was uns aber vorwärts treibt, das ist letzten Endes nicht die inzwischen erfolgte Bewährung der nationalsozialistischen Politik, sondern immer wieder der aus den Urtiefen unserer deutschen Seele kommende Glaube an den Führer und seine Idee, an em ewiges Volk und ein einiges Reich. Nur darum sagen und bekennen wir: Es ist recht getan, wenn Adolf Hitler die Ostmärker heimgeführt hat ins Deutsche Reich, wenn er unferm Volke eine neue Führungsorganisation gegeben, wenn er Deutschland von
allen politischen und wirtschaftlichen Fesseln der Umwelt frei gemacht und es so gestärkt hat, daß es nun in ruhigem Vertrauen auf seine Kraft und im Bunde mit anderen, gleichgesinnten Weltmächten der jüdisch-bolschewistischen Zerstörungswut die Stirn bieten kann.
Nicht umsonst stand am Beginn der Proklamation die Erinerung an jene Zeit, als Adolf Hitler in sich selbst und in seinen ersten Getreuen die Fundamente jenes politischen Glaubensbekenntnisses legte, das heute einem Volk von 75 Millionen zu eigen ist Immer bleibt die Erkenntnis des völkischen Wertes die Wurzel und der Ausgangspunkt jener großartigen Entwicklung des Reiches, die alle Welt in den letzten fünf Jahren staunend miterlebt hat. Was heute an „Wundern" geschieht, das war im Keim bereits vor zwanzig Jahren vorhanden, als der unbekannte Soldat den unerhörten Entschluß faßte, die damalige volksfremde Regierung durch eine volkseigene Regierung zu ersetzen. Daran sollen wir immer denken, wenn der eine oder andere unter uns vielleicht vor dem Uebermaß glücklicher Erfolge erschrecken und bange Fragen an die Zukunft stellen möchte. Ein Deutschland, das von der Autorität des Führes gelenkt wird und in sich keine volkszerspaltende Gegensätze duldet, wird immer unbesiegbar sein und die Garantie seines Fortbestandes, seines Blühens^und Gedeihens besitzen! In diesem Geiste vernehmen wir mit hoher Freude die proklamierten Erfolgstatsachen: die schnelle Ueberwindung der Arbeitslosenkrise in der Ostmark, die gesicherte Nahrungsversorgung auf Jahre hinaus, die steigende Produktion und Lebenshaltung, die endgültige Beseitigung der Blockadegefahr, den Gewinn der italienischen Freundschaft und vor allem — die Schaffung Großdeutschlands! H. Evers.
3n der Mrnderger Kongreßhalle.
Nürnberg, B. Sept. (DNB) Das große Ereignis des Dienstag ist die feierliche Eröffnurig des Parteikongresses der NSDAP. Er bringt die Proklamation des Führers, die in Rückschau und Ausblick, Besinnung und Ausrichtung eine Manifestation des deutschen Lebenswillens darstellt. Der Parteikongreß 1938 ist der erste Kongreß der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei i m Grohd eutschen Reich. Zum erstenmal nehmen in der Kongreßhalle auch d'e Vertreter der sieben Gaue der Ostmark Platz. Schon eine Stunde vor Beginn des Kongresses ist die geroa/ige Halle, die 46 000 Zuhörer faßt, bis auf die für das Führerkorps der Partei und die Ehrengäste freigehaltenen Plätze gefüllt. Dicht an dicht drängen sich Zehntcrusende aus allen Gauen des Reiches. Die Uniformen aller Gliederungen der Bewegung und zahlreiche bunte Volkstrachten beleben das eindrucksvolle Bild. „Ein Volk, ein Reich, ein Wille" verkünden über der Eingangshalle goldene Lettern. In kurzer Zeit ist die Halle überfüllt. Aber auch die Tausende, die keinen Einlaß finden konnten, haben an einer Lautsprecheranlage vor der Halle Gelegenheit, die Stunde mitzuerleben. Namentlich an dem Eingangstor, das von von der Höhe der Halle lang herabwallenden gewaltigen Hakenkreuzbannern flankiert wird, drängt sich eine unübersehbare Menschenmenge, die der Ankunft des Führers harrt.
Oer Führer trifft ein.
Unter unbeschreiblichen Ovationen betritt um 11.30 Uhr der Führe die Halle, nachdem ihn am Eingang unter dem Jubel der draußen harrenden Massen die gesamte Führerschaft der Partei und des Staates mit dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, und Generalfeldmarschall Göring an der Spitze, den Willkommensgruß entboten hatte. Gefolgt von seinen Getreuen durchschreitet der Führer den breiten Mittelgang.
Eine Minute später: Die Standarten und Stander halten Einzug. Unter den Klängen des Nibelungenmarsches nehmen sie ihren Weg durch den Mittelgang, um sich dann ganz am Ende der Halle, unter dem allen sichtbaren in strahlendem Licht erglänzenden hohen Symbol auf ansteigenden Stufen zu einem geschlossenen Block zu vereinen. Mitten unter den Standarten des Altreiches stehen nun auch die Standarten und Stander der deutschen Ostmark.
Die Ouvertüre zu Wagners Oper „Rienzi", meisterlich vorgetragen unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Adam, leitet zum Niederländischen Dankgebet über, das in einer für den Parteitag geschaffenen Bearbeitung von Arno Rentsch unter Leitung von Professor Bruno Kittel vom
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Der Führer wurde r^r der Kongreßhalle von der gesamten Führerschaft, der Pattei und des Staates mit dem Stellvertreter des Führers, Rudolf 5)- h - und
Göring an der Spitze empfangen. Rechts Reichs°rgan,,°^i°nsle,ter vr, L e y Retchsoutzen Minister v o n R16 b e n t r o p und Reichsmmister R u st^Lmks Stabsches Lutze.
(Bildtelegramm Scherl-Bilderdlenst-M.)
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Nach den einleitenden Worten des Stellvertreters des Führers verlas der Stabschef der SA. die Namen der gefallenen Nationalsozialisten. — (Bildtelegramm Scherl-Bilderdienst-M.)
Bruno-Kittelschen-Chor, vorn Kölner Männergesangverein und von der Singschule Nürnberg zu Gehör gebracht wird. Die Kongreßteilnehmer haben sich von den Plätzen erhoben. Von der Orgel begleitet rauschen die gewaltigen, weihevollen Klange dieses Liedes durch die Halle: „Im Streite zur Seite ist Gott uns gestanden ..."
Rudolf Heß eröffnet denKongreß.
Dann tritt der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, an das Podium, um den Kongreß zu eröffnen. Der Kongreß des ersten Großdeu-tschen Parteitages — des 10. Reichsparteitages der NSDAP. — ist eröffnet. Unser erstes Gedenken gilt — wie es zur Tradition geworden — zu Beginn des Kongresses unseren Toten. Die Namen der Nationalsozialisten, die im Kampf um die Macht gefallen sind,, die auf ostmärkischer Erde ihr Leben für Großdeutschland Hingaben, die im Ausland wegen ihrer Gesinnung bolschewistischer Mordgier zum Opfer fielen — ihre Namen verliest der Stabschef. Der Stabschef tritt an das Rednerpult. Während die Blutfahne hinter ihm Aufstellung nimmt und die Zehntausende sich in ehrfürchtigem Schweigen von den Plätzen erheben, erklingen die Namen der Männer, die ihre Treue zu Führer ujib Volk mit dem Tode besiegelten, zum ersten Male werden auch die Namen der Blutzeugen der Bewegung in der Ostmark mit denen ihrer Kameraden im Altreich verlesen. „Sie marschieren im Geist in unseren Reihen mit!" Feierlich verkündet es die Stimme eines Sprechers, als der Stabschef geendet.
Rudolf Heß fetzt feine Rede fort: Wir haben derer gedacht, so sagt er u. a., die ihr Leben geopfert für ihren politischen Glauben, der auch uns beseelt. Ihr Opfer soll uns und allen, die noch uns kommen, Verpflichtung fein, unerschütterlich festzuhalten an diesem politischen Glauben, für den sie gestorben. Unsere erste Begrüßung gilt den hier anwesenden Angehörigen unserer Gefallenen. Ich begrüße ferner im Namen der Partei Deutschlands die Gäste aus dem In- und Ausland, an deren Spitze die hohen Vertreter fremder Mächte. Ich begrüße die anwesenden Delegationen anderer Völker, ganz besonders die Abordnung der Faschistischen Partei des befreundeten Italiens, an ihrer Spitze den alten Kämpfer des Duce, das Mitglied des Großen Faschistischen Rates F a r i n a c c i. Ihre Teilnahme am Reichsparteitag ist der erneute sichtbare Ausdruck der engen Verbundenheit zwischen den beiden großen Bollwerken gegen die Bolschewisie- rung Europas. Mein Gruß gilt weiter den hier anwesenden Vertretern der spanischen falan- g i st i s ch e n Partei, der wir Nationalsozialisten in aufrichtiger Sympathie mit der Hoffnung gegenüberstehen, daß der Bürgerkrieg in ihrem so gequälten Lande bald mit dem Siege der Kräfte der Ordnung und dem Siege Francos über die Zerstörung enden möge. Es ist mir ein Bedürfnis, von dieser Stelle aus den Gruß der Partei zu übermitteln an zwei der ältesten Mitkämpfer des Führers, die Krankheit zwang, zum ersten Male darauf zu verzichten, am Reichsparteitag teilzunehmen: Reichsschatzmeister Schwarz und Gauleiter M u t s ch m a n n.
Nach dem Willen des Führers heißt der diesjährige Parteitag: „Parteitag Grohdeutfch- lands!" Welch anderen Namen könnte auch ein Parteitag tragen, dem wenige Monate zuvor das Ereignis voranging, das Generationen ersehnten, das sie im Liede besungen, um das sie im Kampfe gerungen: das größere Deutschland. Dank der Erfüllung des alten Hoffens konnte auf diesem Parteitag zum erffen- mate der Stabschef die Namen der Toten verlesen, deren wir bisher nur still gedachten — die Toten des letzten schweren Ringens der deutschen Ostmark um bfe Verwirklichung ihrer und unserer Sehnsucht. Den Gedanken d'er Toten der Ostmark fügen wir den Dank an alle diejenigen an, welche ihr Leben eingesetzt haben im Kampf um das Selbstbestimmungsrecht ihrer osimärkischen Heimat. Wir gedenken der Frauen der Ostmark, die mit ihren Männern Leid und Not, Verfolgung, Gefängnis, Demütigung und hunger geteilt haben. Den Müttern der Ostmark danken wir, daß auch dort die junge deutsche Generation die Bewährung ihres Glaubens in Opfer und Kampf so bewundernswert gezeigt, daß Kinder schon zu bewußten Kämpfern des Deutschtums wurden, daß ein starkes fanatisches junges Geschlecht in der Ostmark aufwächst.
Die Gedanken der alten Kämpfer, sie gehen zurück die Reihe der Parteitage bis zu dem e r st e n aus dem Marsfeld zu München am 28. Januar 1923. An jenem kalten Wintertage versammelten Sie, mein Führer, die noch so kleine Zahl ihrer Kampftruppen und Übergaben die vier ersten Standarten der Bewegung. Standarten, die heute wieder, wie so oft schon an der Spitze van Hunderten anderer, für die diese ersten Standarten zum Vorbild wurden, ihren Einzug in diese Halle hielten.
Stets ging die Bewegung aus dem Kampfe hervor, stets stärker im Vertrauen zum Führer. Immer unerschütterlicher wurde dieses Vertrauen und der Glaube an den Führer, den Führer, den dis Voi> sehung gesandt zur Errettung des deutschen Volkes und der deutschen Nation. Der Glaube an die Sendungdes Führers hat seine alten Kämpfer nie verlassen. Er wurde durch die Zeit und die Ereignisse nur immer gefestigter. Die Machtergreifung und das Wunder des Aufstiegs Deutschlands hat unseren Glauben unerschütterlich gemacht. Dieser Glaube ist inzwischen zum Glauben eines ganzen Volkes geworden.
Das deutsche Volk weiß, daß alles, was der Führer tut, recht getan ist. Das deutsche Volk weiß, daß alles, was der Führer tut, notwendig ist für das Volk und für Deutschland. Das deutsche Volk weih, daß alles Handeln des Führers stets zum Guten ausschlug und alle Böswilligkeit der Gegner nur beitrug zum Erfolg.. Das deutsche Volk hat den Glauben, daß auch künftig alles Handeln des Führers getragen fein wird vom Segen des Höchsten.
Mein Führer! An jenem ersten Parteitage erhoben Sie die Fahnen und Standarten zum Symbol der künftigen Fahne des Reiches. Angesichts dieser


