brandete über Deutschland, wie sie bis dahin noch niemals ein Erfinder erlebt hatte. Rasch waren mehr als 6 Millionen Mark beisammen. Die Werst in Friedrichshafen konnte vergrößert, der Bau der Luftschiffe fortgesetzt werden. Immer vollkommenere Luftfahrzeuge gingen aus Zeppelins Werkstätten hervor; die Neubauten wurden teils für Heer und Marine, teils für die eigens für den Zeppelin- verkehr gegründete „Delag" (Deutsche Luftschiffahrts- 21®.) geliefert. Auch dann blieben Rückschläge nicht aus, aber eine glänzende Reihe erfolgreicher Fahrten des Luftschiffes „Schwaben" unter Dr. Hugo Eckeners Führung festigte das Vertrauen der Oeffentlichkeit derart, daß sich im Lorknegs-Deutsch- land schon ein beachtlicher Luftverkehr mit Zeppelin- schifsen entwickelte. 1910 hatte die „Delag" 41 Passagierfahrten ausgeführt. Im Jahre 1913 leisteten ihre Schiffe schon 737 Fahrten von zusammen mehr als 1100 Stunden Dauer!
Der Weltkrieg zerschlug jäh diesen kraftvoll erblühenden Verkehr mit Zeppelittschiffen. Im Kriege hatten die Luftschiffe schwere Aufgaben zu lösen und viele gingen samt ihrer heldenhaften Besatzung zugrunde. Es war schmerzlich für den Grafen, erleben zu müssen, daß die rasende Entwicklung des Flugzeuges seinen Luftschiffen die Kriegsbrauchbarkeit mehr und mehr nahm. Doch Zeppelin war ein zu großzügiger Charakter, als daß er sich in die Alleingültigkeit seiner Luftschiffidee verrannt hätte. Er schenkte auch dem Flugzeug als Mittel der Luft- beherrschunq volle Aufmerksamkeit und regte während des Krieges den Bau von RiesenstUgzeugen bisher unbekannter Größe an. Das Werk Staaken
des „Luftschiffbau Zeppelin" baute schon 1917 Doppeldecker von 48 Meter Spannweite mit Kompressormotoren und Verstellpropellern, Kolosse von 13 000 Kilogramm Gewicht und über 1000 PS Maschinenleistuna! Einen seiner Mitarbeiter beauftragte der Graf, Riesenflugboote in Ganzmetallbauweise zu entwerfen. Er hieß Claudius Dornier und wurde einer der führenden Köpfe des Flugzeugbaues unserer Zeit. Auch in der Wahl seiner Mitarbeiter bewies Zeppelin allezeit sein Genie.
Rastlos an der Vervollkommnung seiner Luftschiffe und Flugboote tätig, hoffte der alte Graf noch das Ende des Krieges und die erste Fahrt, eines Zeppelinschiffes über den Atlantik zu erleben. Seine unverwüstliche Spannkraft ließ diese Hoffnung berechtigt erscheinen. Jedoch am 8. März 1917 riß der Tod den Unermüdlichen aus seinen Plänen für die friedliche Verwendung seiner Starrschiffe im Weltverkehr. Auf dem Parkfriedhof zu Stuttgart wurde Graf. Ferdinand von Zeppelin bestattet.
Zeppelins unbeirrbarer Glaube an sein Werk lebt in der Gemeinschaft seiner Mitarbeiter fort. Er ließ sie über die Zeiten völligen Erliegens des Luftschiffbaues nach dem Kriegsende hinweg Mut und Kraft zu neuem Aufbau finden. Er verkörperte sich in Großtaten wie der Amerikafahrt des „ZR III — Los Angeles" vom 12. bis 15. Oktober 1924, den zahlreichen planmäßigen Atlantiküberquerungen der Luftschiffe „Graf Zeppelin" und „Hindenburg", wie auch in der unbeugsamen Zuversicht, mit der die Zeppelinleute Len Schlag von Lakehurst über wanden.
Aus der StadtGießen.
Himbeersegen - Himbeersorgen.
ZdR. Die Zeit der ersten Früchtereife ist herangekommen. Das bedeutet, daß bald jeder Tag mit neuen Köstlichkeiten unserer heimischen Obstsorten lockt. Jeder verbraucht dann gern und viel. Da ist es überflüssig, noch besonders auf die gesundheitlichen Vorteile des reichlichen Obstgenusses hinzuweisen. Wenn auch nicht bei allen Obstsorten die Ernte so ausgefallen ist, wie wir es gerne sehen würden, so haben wir doch bei einzelnen Sorten einen reichen Segen zu erwarten. Wieviel Beerenobst reift da jetzt heran, entweder als mühsam gezogene Gartenfrucht, oder in Feld und Wald *=> Wildfrucht. Gerade die Fülle ist es, die auch den unaufmerksamsten Verbraucher auf den Segen der Erde aufmerksam macht. Die gleiche Fülle aber beschwört für viele in der Obsterzeugung tätige Menschen allerlei Sorgen herauf. An sich leiden gerade die Beerenftüchte darunter, daß sie noch leichter verderblich sind, als das Kern- und Steinobst. Ein Glück, daß heute durch die straffe Organisation innerhalb der vom Reichsnährstand aufgebauten Marktordnung bei der Erdbeerernte kaum noch Verluste deswegen eintreten, weil die reifen Früchte nicht schnell genug ihre Verwertung finden.
Inzwischen ist die Himbeere ebenfalls herangereist. Wir möchten diese Frucht nicht missen, dazu schmeckt sie zu gut, im rohen Zustande ebenso wie bei der Verwertung zu allerhand erfrischenden Speisen. Darüber hinaus aber wird gerade die Himbeere bei der Herstellung von Fruchtsaft, Fruchtsyrup und Fruchtwein außerordentlich geschätzt. Dementsprechend ist der Anbau von Himbeersträuchern im Deutschen Reich recht umfangreich, nicht zuletzt in den Kleingärten vor den Toren der Städte, Leider reifen die Früchte bei warmer und trockener Witterung sehr rasch, oft so rasch, daß gar nicht genügend Arbeitskräfte zur Ernte eingesetzt werden können. Da bringt der Himbeersegen denn seine Himbeersorgen. Die Hersteller von Himbeersyrup schätzen die Wildart besonders, weil sie noch aromattscher als die Gartenhimbeere ist und den feinsten Syrup geben soll. Man möchte doppelt soviel Hände haben, um die reiche Ernte schnell zu bergen und rechtzeitig zu versenden, denn auch- beim Versand macht die Himbeere allerlei Schwierigkeiten, weil sie sehr empfindlich ist.
Wie wäre es, wenn nun die vielen Sommerfrischler beim Waldspaziergang das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden würden? Eine so ungewohnte Tätigkeit wie das Himbeerpflücken ist ja für den
Urlauber aus der Stadt keine Arbeit. Also ruhig einmal den fleißigen Menschen geholfen, die sich mit dem Beerenpflücken ein paar Groschen verdienen wollen, geholfen nach Aschenputtels „Dienstanweisung": Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen! Wobei die „schlechten" die überreifen, nicht mehr transportfähigen Himbeeren sind, die frisch vom Sttauch köstlich schmecken^ und genug Belohnung für eine freiwillige Hilfe darstellen.
Deutschlands Bedarf an Himbeeren ist beträchtlich. Nicht allein, weil sie so gut schmecken, sondern weil der Verbrauch an Himbeersyrup im Haushalt und für Sonderzwecke in der Ernährungswirtschaft außerordentlich groß ist. Meist ist es notwendig, daß noch Pflückhimbeeren oder Himbeerpulpe vom Ausland eingeführt werden müssen. Deswegen darf auch nicht die kleinste Menge unserer Wildfrüchte verderben! Der Himbeersegen darf nicht zu Himbeersorgen werden!
Vonwiizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Die kleine und die große Liebe".
Hitler-Jugend Bann 116
Betr.: hessen-Nassau-Fahrk 1938.
Alle Teilnehmer an der Hessen-Nassau-Fahrl 1938 haben am kommenden Freitag, 8. Juli, um 10 Uhr, an der Dienststelle des Vannes 116, Gießen, Bahnhofstraße 92, anzutreten.
*
An alle Fahrtteilnehmer der Fahrtenabteilung B.
Alle Fahrtteilnehmer der Fährtenabteilung B, Standorte Heuchelheim, Klein-Linden, Allendorf (Lahn), treten am Freitag, 8. Juli, 8.30 Uhr, in Klein-Linden vor dem HJ.-Heim an.
Alle Wilddecken und Bälge für unsere Rohstoffversorgung.
LPD. Der Reichsjägermeister stellt fest, daß ein großer Teil der einheimischen Decken und Bälge der Wirtschaft überhaupt nicht zugeführt wird. Zur Sicherung der Rohstoffversorgung sei es aber notwendig, sämtliche Decken und Bälge sachgemäß zu verwerten. Der Erlaß ersucht daher die Mitglieder der Deutschen Jägerschaft, Schalenwilddecken, Sau- und Dachsschwarten und Niederwildbälge, soweit sie Nicht für eigene Zwecke Verwendung finden, der
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Vornan von Hans von Hülsen.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.
21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Er sagte, daß sie ihn glücklich machen werde, indem sie ihm das Kind ihrer Liebe anvertraue. Und dann sagte er noch (und das hatte er gar nicht sagen wollen, aber es brach ihm unaufhaltsam aus dem Herzen hervor), daß er eigentlich fortan seinen Namen ändern und sich „Renatus" nennen müßte, weil diese Liebe ihm und dem Besten in ihm eine Wiedergeburt gegeben habe. „Aber das würden meine Agenten nicht erlauben", setzte er lachend hinzu.
Im Garten erschien der Baron; er hatte Mittagsschlaf gehalten, er hatte erst jetzt von der überraschenden Ankunft der beiden erfahren — er wollte sie begrüßen, herzlich begrüßen, so treue Gäste, die immer wieder kämen. —
„Ja, ja, Torbole hat für uns eine große Anziehungskraft", sagte Renata und lachte dazu.
Für uns? Leutstetten zog seine Stirn in Falten. Was meinte sie damit: Für uns? Aber er erfuhr es erst am späten Abend, und da auch nur, weil Otten- rieth sein Glück nicht mehr bei sich behalten konnte.
„Sie sind ja ein Mordskerl, Sie Jndustriedirek- tor!" rief er und schlug ihm auf die Schulter. „Können Sie denn alles?"
„Ach", sagte Ottenrieth, „lassen Sie uns lieber ein Glas Sekt trinken!"
*
Fritz Armbruster drehte seinen kugelrunden Kopf auf den Polstern des Schnellzuges Wien—München. Salzburg und die bayerische Grenze lagen hinter ihm; die nächste Station war Rosenheim; eine Stunde später würde er in München fein.
Er versicherte sich zum soundsovielten Male, daß er die Partitur in der Handtasche habe, und schaute zerstreut und unruhig zum Fenster hinaus, an dem die oberbayerische Landschaft vorüberflog. Zur Linken türmten sich die Alpen auf — und hinter den Alpen, zum Kuckuck, da war ein blauer See — und da waren sie jetzt, die beiden; zwei Telephonanrufe vor der Abreise von Wien hatte ihn über die sehr wenig erfreuliche Tatsache belehrt.
Er dachte zurück, überdachte die beiden letzten Tage, hörte immer wieder Frau Armbrusters Stimme im Ohr: „Du bist ein Narr! Fabre meinetwegen! Reise deiner fixen Idee nach. Aber wenn
du mir das Geschäft verdirbst, bist du enterbt!" Selten im Leben hatte er die Tante so aufgebracht gesehen.
Und warum eigentlich? Begriff sie denn gar nicht) daß er die Wahrheit wissen wollte?
Nur biß Wahrheit zu erfahren? Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Nein, nein, nicht nur das! Auch dem Kerl die Beute wieder abzujagen — auch das! In allererster Linie das!
Kurz nach fünf Uhr kam er in München an und fuhr sofort, die Aktenmappe unter dem Arm, mit der Straßenbahn zur Giselastraße hinaus. Dort lag ziemlich weit in einem Garten zurückgebaut ein oillenartiges Haus — er kannte es gut, er war oft dort gewesen. Auf dem halbkreisförmigen Schild über der elektrischen Glocke, das peinlich sauber geputzt war, las er den Namen: Hagepreester.
Er war angemelbef, der Professor empfing ihn gleich.
Durch seine Brillengläser sah Hagepreester dem einstigen Schüler prüfend ins Gesicht. Das war ja ein richtiges pausbackiges Kindergesicht, das der kleine Armbruster sich zugelegt hatte. Das Phlegma war ihm gut bekommen! Für den war die Kunst offenbar keine aufreibende Angelegenheit! Nun, so ähnlich hatte er, Hagepreester, sich Armbrusters Entwicklung immer vorgestellt —
„Nett, mein lieber Freund", sagte er mit einer altersdünn gewordenen Stimmen, „daß Sie sich nach so langer Zeit wieder einmal sehen lassen. Ich war ja ganz überrascht, als ich plötzlich ihr Telegramm bekam, das fragte, ob ich zu Hause sei. Natürlich bin ich zu Hause — in meinen Jahren ist man seßhaft — übrigens, seßhaft — nehmen Sie den Sessel da, machen Sie sich's bequem — das haben Sie doch gern?" Und er zwinkerte ihm lustig mit den von vielen Fältchen umspielten Augen zu.
„Was macht die Kunst?" fragte er, als sie faßen.
„Ja, verehrter Herr Professor, was macht die Kunst? Sie geht nach Brot. Und ich gehe mit ihr. Sie wissen wohl nicht, daß ich meine Musik längst an den Nagel gehängt habe? Sie haben Ihre pädagogischen Künste an einen Unwürdigen verschwendet — Gott sei Dank, daß ich's noch zu rechter Zeit erkannte —"
„Und wann haben Sie's denn erkannt?" fragte der Professor mit einem ironischen Lächeln, das ungefähr ausdrücken mochte, er sei viel zu höflich, den sachlichen Feststellungen seines Besuchers zu widersprechen.
„Im vsychologisch richtigen Moment, Herr Professor' Als mir nämlich meine Frau Tante an- bot, ihr Prokurist in der Konzertdirektion Armbruster zu werden. Seitdem handle ich mit Musik,
Wirtschaft zuzuführen und an geeignete Händler abzugeben.
Der Abstammungsnachweis bei Unehelichen.
Lpd. Die Reichsstelle für Sippenforschung hat in einem Merkblatt die Bestimmungen über den Abstammungsnachweis bei außerehelicher Geburt zusammengefaßt (Allgemeines Suchblatt für Sippenforscher). Der Grundsatz des Bürgerlichen Gesetzbuches, daß das uneheliche Kind mit dem Erzeuger nicht verwandt ist, gilt hinsichtlich des Abstammungsnachweises nicht. Dieser soll die blutsmäßige Abstammung klarstellen. Es ist daher in jedem Falle der Nachweis zu erbringen, daß die natürlichen Eltern deutschen oder artverwandten Blutes sind. Erkennt bei der Eheschließung der Mann ein uneheliches Kind als von ihm erzeugt an und ist diese Anerkennung in der Heiratsurkunde der Eltern oder in der Geburtsurkunde des Kindes vermerkt, so ist damit der Nachweis der Abstammung von dem späteren Ehemann der Mutter erbracht und sind dessen Ahnen für den Abstammungsnachweis zu berücksichtigen. Anders ist es, wenn der Mann bei der Heirat dem unehelichen Kinde der Frau seinen Namen erteilt, ohne ausdrücklich das Kind als von ihm erzeugt anzuerkennen. Dann muß aus den Vormundschaftsakten usw. ermittelt werden, wer als Erzeuger in Betracht kommt. Ist der Erzeuger dem Namen und der Person nach bekannt» hat er aber nach der Geburt des Kindes die Vaterschaft nicht anerkannt, so ist einmal der Beweis zu führen, daß er auch wirklich der Erzeuger war, zum anderen nachzuweisen, daß er deutschen oder artverwandten Blutes ist. Steht fest, daß die Mutter in der Empfängniszeit mit mehreren Männern verkehrt hat, so ist von jedem der Abstammungsnachweis zu erbringen. Ist ein Teil der in Frage stehenden Personen jüdischer Abstammung, so ist eine Klärung der Rassenzugehörigkeit nur durch eine erd- und rassenkundliche Untersuchung möglich. Ein uneheliches Kind, das einen Nachweis über feine Abstammung väterlicherseits nicht beibringen kann, wird bei deutscher oder artverwandter Herkunft mütterlicherseits bis zum Beweise des Gegenteils, wenn nicht die besonderen Umstände des Falles dagegen sprechen, als deutsch- blütig oder artverwandt angesehen.
Gießener Wochenmarktpreise.
* (Sieben, 7.Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt fofteten: feine Molkereibutter, Z kg 1,52 Mk., Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf.,
Käse, das Stück 4 bis 8, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12Z, Klasse B 12, Klasse C 11/*, Klasse D 10/, Enteneier 11/ bis 12 Z, Wirsing, Z kg 16 bis 20, Weißkraut 20, Rotkraut 30, gelbe Rüben, das Bündel 12 bis 15, rote Ruben, Z kg 10 bis 15, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 30 bis 40, Erbsen 15 bis 30, Tomaten 35 bis 55, Zwiebeln 15 bis 18, das Bündel 10 bis 15, Rhabarber, Z kg 12 bis 15, Kartoffeln, alte, Z kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mk., neue, Z kg 9 bis 10 Pf., Frühäpfel 50 bis 60, Pfirsiche 50, Kirschen 70, Stachelbeeren 25 bis 45, Johannisbeeren 35 bis 45, Erdbeeren 40 bis 60 Pf., Hähne 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 70 Pf., Salat 5 bis 10, Salat- gurken 30 bis 50, Einmachgurken 8 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich, 5 bis 15, das Bündel 20, Radieschen, das Bündel 5 bis 10, Suppengrün, 5 Pf.
**,85. Geburtstag. Vor einigen Tagen konnte Frau Sophie S i e ck, Hammstraße 7 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische ihren 85. Geburtstag begehen. Nachträglich unseren herzlichen Glückwunsch.
** Brasilianische Gäste in Gießen. Im Laufe des heutigen Tages werden von Bad- Nauheim aus brasilianische Aerzte und Wissenschaftler nach Gießen kommen, die gegenwärtig auf einer Studienreise durch Deutschland begriffen sind. Die Gäste werden voraussichtlich auf einem Rund- gang die medizinischen Kliniken kennenlernen, das Liebigmuseum besuchen und auch dem Grab des Er- sinders der Röntgenstrahlen, Wilhelm Röntgen, auf dem Alten Kiedhof einen Besuch abstatten.
** Bauten d e s Elektrizitätswerks. Die Abteilung Elektrizitätswerk der Gießener städtischen Betriebe läßt in den kommenden Wochen eine Erweiterung der Kraftwagenhalle im Elektrizitätswerk, die Errichtung von zwei Transformatorenstationen in Heuchelheim und die Erweiterung eines Transformatorenhauses in Wiefeck vornehmen. Die Abbruch-, Erd-, Maurer-, Zimmer-, Dachdecker-, Klempner- und Weißbinderarbeiten sind bereits zur Vergebung ausgeschrieben.
** Nächster Wochenmarkt auf O s - waldsgarten. Am kommenden Samstag, dem 9. Juli, wird der Wochenmarkt wegen der Banner- Übergabe bei dem Gausängerfest ausnahmsweise auf Oswaldsgarten ftattfinben. Hinsichtlich der Verkaufsplätze für Fleisch- und Wurstwaren im Rahmen des Wochenmarktes tritt keine Aenderung ein.
Drittes Hessisches Gausängersest in Gießen.
Festlicke Äeranstaltungen und Konzerte.
Nun trennen uns nur noch wenige Stunden vom Gausängerfest. Wieder einmal wird das Wochenende für unsere Stadt im Zeichen der Festfreudigkeit stehen, weil das deutsche Volkslied den Grundton für die Veranstaltung gibt. In vielen Sälen und auf zahlreichen Plätzen werden die Lieder erschallen, und wer sich dem Feste mit ganzer Seele widmet, wird einen tiefen Blick tun können in den Liedreichtum, der unserem Volke gegeben ist. Vereine aus weitem Umkreis werden in edelstem Wettstreit chre Leistungen beweisen.
Das 3. Hessische Gausängerfest in Gießen findet seine feierliche Eröffnung bereits am morgigen Freitag mit einem Begrüßungsabend in der Volkshalle. Chorgruppen werden fingen, das Müsikkorps unseres Regiments wird konzertieren, die Tanzgruppe des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat wird sich zeigen, und Georg Heß ist auch mit dabei. Auch die Tanz- Spe des Turnvereins Wiefeck wird mit einer ideren Darbietung aufwarten.
In den frühen Morgenstunden des Samstag werden die Abordnungen für den Gausänger- tag empfangen werden, der anschließend die Vertreter der Vereine zu einer Arbeitstagung und zur Ausrichtung für die große Veranstaltung vereinigen wird. Chordarbietungen werden die Tagung verschönen.
Zu einer weiteren feierlichen Veranstaltung wird sich am Samstagnachmittag die Banner üb er
gäbe auf dem Br and platz gestalten. Kreisführer Fr./ Hofmann (Darmstadt) als Vertreter des Festortes des» vorausgegangenen Sängerfestes wird das Bundesbanner dem Oberbürgermeister unserer Stadt überreichen, der es bann an den Sängerkreisführer Müller (Gießen) wettergeben wird. Das Bqnner wird bann während der nächsten vier Jahre in Gießen auf bewahrt. Im Anschluß an die Bannerübergabe wird int Turmhaus am Brandplatz die Ausstellung „Singendes Oberhessen" eröffnet werden.
Der Samstagnachmittag wird in zehn Sälen 17 Sonderkonzerte bringen, die für die teilnehmenden Vereine zur Leistungsprüfung werden. Gleichzeitig wird gerade hier den Volksgenossen in Stadt und Land Gelegenheit gegeben sein, hochentwickelte deutsche Kunst des Männergesangs zu erleben.
Unter dem Titel „Singende Kolonnen — Singendes D.o lk" wird am Samstagabend die Gaufeierstunde Tausende von Festteilnehmern beisammensehen. Chöre, aus den Sängerkreisen Gießen, Solms-Wetzlar und Wetterau gebildet, ein Knabenchor der höheren Lehranstalten in Gießen, Einzelsprecher, der Musikzug der <921.= Standarte 116, Miederungen der Partei und Teile der Wehrmacht werden mitwirken.
Der Sonntagmorgen wird die Sänger für die breiteste Oeffentlichkeit auf den Plan rufen. An 14 bevorzugten Stellen unserer Stadt werden Platz-
und ich glaube, das ist besser, als wenn ich selber welche mache."
„Die Sterne, die begehrt man nicht?" drückte sich Hagepreester einigermaßen geheimnisvoll aus. „Aber was führt Sie denn heute zu mir? Ich habe mit dem Musikhanbelt doch gar nichts zu tun?"
„Ja, was mich hierherfuhrt — erwas Kurioses. Eine fixe Idee, wenn Sie so wollen. Die mir aber durchaus keine Ruhe läßt, wie das die fixen Ideen so an sich haben. Um diese Idee entweder totzuschlagen oder sie vor mir zu rehabilitieren, dazu brauche ich dringend Ihre Hilfe."
Der Professor lehnte sich im Sessel zurück, seine Finger spielten mit der Uhrkette, die ihm über die Samtweste hing.
„Sie machen mich neugierig, Armbruster. Wenn ich etwas tun -kann, so soll es gern geschehen. Aber vergessen Sie nicht, ich bin ein alter Mann und weiß und verstehe von der modernen Musik viel weniger als Sie, der Sie damit handeln. Seit ich in Pension gegangen bin, kümmere ich mich nur noch um meine Steckenpferde. Welche das sind, ist Ihnen ja bekannt."
„Weiß, weiß, Herr Professor! Bach, Palestrina — die Kunst der Fuge. Und da sind wir schon unmittelbar bei dem, was mich von Wien zu Ihnen geführt. Lesen Sie Zeitungen?"
„Was soll die Frage?"
„Weil Sie dann vielleicht von dem sensationellen Erfolg gelesen haben werden, den ein sonst nicht gerade mit höheren Weihen versehener Mann namens Ottenrieth neulich in Wien errungen hat — Sie kennen den Namen?"
„Ottenrieth? selbstverständlich habe ich das gelesen. Und es hat mich sogar besonders interessiert, weil es ja, wie Sie schon andeuteten, mein Spezialgebiet berührt. Hieß die Sache nicht: ,Liebesfuge am Gardasee^?"
„Ganz recht, Herr Professor. Sie kennen Herrn Ottenrieth?"
„Meinen Sie persönlich? Ich weiß nur, daß er bisher nichts Ernsthaftes geschrieben haben soll, das stand in dem Zeitungsbericht —"
„Weiß Gott nicht Zwei Operetten und ein bißchen Tanzmusik. Persönlich kennen Sie ihn also nicht?"
„Nein. Warum fragen Sie?"
„Well — Ihr Gedächtnis täuscht Sie auch nicht? Er ist nicht irgendwann, einmal Ihr Ähüler gewesen?"
„Nein, nein! Das würde ich doch wissen. So verkalkt bin ich denn doch nicht. Ich kenne ihn ganz bestimmt nicht persönlich und habe auch nie mit ihm 3U tun gehabt. Warum fragen Sie? Und was machen Sie denn für ein Gesicht?"
„Dann — dann ist mir die ganze Sache noch viel unerklärlicher", sagte Armburster und schüttelte betrübt den Kopf. „Hätten Sie mir gesagt: Jawohl, er ist mein Schüler gewesen, oder: Er ist mal bei mir hier im Hause gewesen — bann hätte ich bei mir gedacht: Na also! Und hätte meiner fixen Idee den Laufpaß gegeben. Aber jetzt —",
Nun war die Reihe, verwundert den Kopf zu schütteln, an dem Professor. Was machte der junge Mann für sonderbare Sprüche? Man wurde ja gar nicht aus ihm klug. Warum sollte denn dieser Ottenriech in irgendwelcher Verbindung mit ihm, Hagepreester, stehen? Er hatte den Namen vor ungefähr vierzehn Tagen zum ersten Male gehört. Und hätte höchstwahrscheinlich über ihn hinweggelesen, wäre er nicht mit dem Begriff „Fuge" verkoppelt gewesen.
Armbruster hatte seine Aktenmappe geöffnet und ein umfangreiches Notenwerk herausgenommen.
Hier ist die Partitur der ,ßiebesfuge‘. Vor etwa einer Woche erschienen. Ich habe sie genau studiert, und sie hat mir viel Kopfzerbrechen gemacht. Wärum, werde ich Ihnen gleich sagen."
Hagepreester nahm das Werk auf die Knie, blätterte es auf, betrachtete es lange. Seine Augen lasen Seite um Seite. Immer wieder blätterte er weiter. Armbruster folgte chm mit unruhigen Blicken.
„Fällt chnen nichts auf, Herr Professor?" sagte er endlich, als Hagepreester, einigermaßen versonnen, den weißhaarigen Kopf hob.
„Mir fällt auf, mein Lieber, daß das sehr gut ist. Besser als irgend etwas, was sonst von den neuen Sachen zu mir gedrungen ist. Finden Sie nicht auch?"
Armbruster ärgerte sich insgeheim gewaltig, aber er sagte sofort: „Ja, das fände er auch, und das habe die Presse ja auch einmütig festgestellt. Bei sich dachte er, das ist ja die Hohe, daß dieser Mann, der doch entschieden viel versteht, den Ottenrieth auch noch lobt!
„Aber fällt Ihnen sonst gar nichts auf, Herr Professor?" fragte er dringlich. „Wenn Sie sich die Mühe machen wollen, einmal die Stellen anzusehen, die ich rot angestrichen habe."
Wieder blätterte Hagepreester, wieder studierte er die Noten, wieder hob er derz Kopf und sah sein Gegenüber an.
„Sie meinen diese Motive?"
Und dann, als ob irgendeine 2lhnung in ihm her- aufbämmere, stand er auf, trug die Partitur zum Flügel und spielte vom Blatt ein paar Passagen.
(Fortsetzung folgt!)


