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(Sin schöne!- Abend bei benJ3l.3/1l6 Gießen Mitte.

Zum gestrigen Sonntag hatten die Jungmädels der Ortsgruppe Gießen-Mitte die Eltern der Jung­mädels zu einem Gemeinschaftsabend in die Turn­halle am Oswaldsgarten eingeladen. Die Gruppen­führerin der Jungmädels, Gertrud Hochstätter, begrüßte die zahlreich Erschienenen, wünschte einen frohen Abend im Kreise der Jungmädels, und sprach dann kurz aus der Arbeit der Jungmüdels.

Im Mittelpunkt des Abends stand ein buntes Pro­gramm, genannt Sendefolge, und es brachte viele Darbietungen vom Morgenlied und Morgenspruch angefangen bis zur Unterhaltung zur guten Nacht. Mit einer luftigen Frühgymnastikstunde nahm die Sendung" ihren Anfang. Bei demFrühkonzert", das die Singgruppe der Jungmädels unter Lei­tung von Anneliese Ritsert ausführte, hörte man Lieder und ein schönes Ziehharmonikakonzert. An­sager amRundfunksender" war Gertrud H och- stätter. Die Nachrichten des Drahtlosen Dienstes" gaben Gertrud Hochstätter und Anneliese Rit­sert durch. InteressanteLokalnachrichten", wie Altstadtsanierung zur Schaffung eines neuen Hei­mes, Wasserstand der Lahn und Wieseck, Schnee­bericht vom Eulenkopf und die übliche Glückwunsch­ecke konnten übertragen und gehört werden. Es folgte der Jugendfunk, der Aufklärung brachte über die Aufnahme in die Jungmädelgruppe. Nach der SendungHausfrau hör zu!", bei der über die heutigen Jungmädels berichtet wurde, folgte das Mittagskonzert". Ein Blockflötenkreis unter Lei­tung von Irmgard Will ich und die Singgruppe der Jungmädels bestritte» diesen Programmpunkt. ImKinderfunk" konnte man Schattenspiele von Max und Moritz bewundern, die einfach zusammen­gestellt und sehr nett gebracht wurden. Zwischen­durch kamen auchSondermeldungen" durch, die lebhaften Beifall fanden. ImNachmittagskonzert" spielte wieder die Ziehharmonikagruppe, und der Singkreis brachte Lieder. EinHörspiel", betitelt Dir Stummen sterben nicht aus", schloß sich an. Zum Schluß derSendefolge" kam nachUnter­haltung zur guten Nacht."'

Reicher Beifall belohnte das lustige und kurz­weilige Sendeprogramm. Rasch vergingen die Stun­den, und in üblicher Weise wurde der wohlgelun- gene Elternabend geschlossen. In einer Ecke der Tunhalle war eine Ausstellung aufgestellt, die Ar­beiten und Basteleien der Jungmädels zeigte.

Generalversammlung

der Lokomotivführer-Sänger.

Der Lokomotivführer-Gesangverein Gießen hielt am gestrigen Sonntagnachmittag imBayerischen Hof" feine diesjährige Generalversammlung ab, die einen guten Besuch aufwies.

Vereinsführer Karl gedachte nach den Begrü­ßungsworten zunächst des im vergangenen Jahre verstorbenen Sangesbruders Sauer, dessen An­denken in üblicher Weise geehrt wurde. Im weiteren Verlause seiner Ansprache teilte er mit, daß auch' im abgelaufenen Jahre der Besuch der Uebungs- stunden ein guter gewesen sei, trotz des schweren und unregelmäßigen Dienstes der Mitglieder. Wie schwer ostknals me Opfer waren, die der Sänger bringe, könne er am besten verstehen^ denn nicht selten komme es vor, daß ein Sangesbruder von einer über 500-Kilometer-Fahrt heimkomme und dennoch feine Singstunde besuche. Dies sei ihm Beweis dasür, mit welcher Liebe und Innigkeit die Sangesbrüder mit dem deutschen Lied verbunden seien. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Sängergeist auch im kommenden Vereinsjahr richtunggebend, sein möge zum Wohle des deutschen Liedes.

Sodann verlas Schriftführer R e e h den Vereins­bericht, aus dem besonders hervorzuheben ist, daß sich der Verein im Jahre 1937 sechzehnmal in den Dienst der Allgemeinheit stellte und dabei gute Er­folge erzielen konnte.

Hierauf gab der Vereinsführer den Rechenschafts­bericht über die Arbeit des geschäftsführenden Vor­standes und besprach die Arbeiten, die dem Verein für das bevorstehende große Gaufängerfest 1938 zufallen.

Rechnungsführer Müln legte Rechenschaftsbe­richt über die Kassenführung ab, nach deren Prü­fung durch die Sangesbrüder Erle und G o r r ihm Entlastung erteilt wurde. Nach den Satzungen des Vereins sind alle zwei Jahre neue Kassenprüfer zu wählen; hierzu wurden die Sangesbrüder Erle und I ü n g st bestimmt.

Der seitherige Vereinsführer Karl wurde ein­stimmig wiedergewählt, der den geschäftsführenden

Der Kameradschaftsbuird deutscher Polizeibeamten, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete am Samstag im Burghof" einen Schulung?- und Kamercrdfchafts- abend, zu dem sich alle dienstfreien Beamten der Gießener Polizei mit ihren Angehörigen zahlreich eingefunden hatten.

Eine Kapelle, bestehend aus Polizeibeamten, lei­tete die Veranstaltung mit flotter Musik ein. Orts» gruppenwart Pg. Lösch begrüßte die Kameraden und ihre Angehörigen mit herzlichen Worten. Sein besonderer Gruß galt den Kameraden der Partei, der ff, sowie dem Redner des Abends, ff-Sturm- bannführer Schwalm.

Nach dem gemeinsamen Lied.Volk ans Gewehr" sprach ff-Sturmbannführer Schwalm über Weltanschauung und Politik". Der Redner betonte zuerst, daß Polizei und ff Zusammenarbeiten und Zusammenleben müssen zum Schutz des Deutschen Reiches und der nationalsozialistischen Weltanschau­ung. Diese Weltanschauung fei das Gesetz unseres Lebens, ff und Polizei sollen nationalsozialistisch geschult werden und stets eintreten für das deutsche Volk nach den Befehlen unseres Führers. Sie sollen eine starke Stütze sein und weiter arbeiten und kämpfen für das deutsche Volk, ff und Polizei haben den festen Glauben an den Führer, und sie wollen die Aufgaben, die vom Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei gestellt werden, stets in treuer Pflichterfüllung für das deutsche Volk wahrnehmen. Sie wollen den Willen zum Nationalsozialismus durch ihren Einsatz für den deutschen Staat Adolf Hitlers beweisen, zur Sicherung des ewigen Lebens des deutschen Volkes.

Ortsgruppenwart Pg. Lösch dankte sodann dem Redner für seinen lehrreichen Vortrag. Anschließend sprach der Kommandeur der Gießener Schutzpolizei und stellv. Polizeidirektor Major Koch, als Vor­sitzender des Polizei-Sportvereins Gießen, über die

Auf Einladung des Laüdschaftsbundes Volkstum und Heimat hatte sich am gestrigen Sonntag eine stattliche Zahl von Freunden der Heimat im Geolo­gischen Institut zusarnmengefunden. Ortsringleiter Dr. Michel erkannte in seinen Begrüßungswor­ten dankbar an, daß die erdgeschichtliche Heimat­sammlung nicht nur dem Fachgelehrten, sondern auch jedem Volksgenossen unentgeltlich zugänglich sei. Denn gerade das Wissen vom Boden der Hei­mat fei besonders dazu angetan, das Band zwischen Volk und Scholle enger zu knüpfen.

Der Assistent des Geologischen Instituts, Dr. Jessen, bot zunächst in einem einführenden Vor­trag im Hörsaal die notwendigen Grundlagen zum Verständnis der Ausstellung. Ausgehend von einem auf der Tafel ausgezeichneten Schema führte er in das Werden und Vergehen der Gesteine ein. Durch Verwitterung bildet sich der lockere Boden. Dieser wird durch Wasser oder Wind verlagert und bildet zunächst Sande und Tone, die sich spater zu Schicht­gesteinen (Sandsteine, Tonschiefer usw.) verfestigen. Diese wieder erleiden Verlagerungen durch Ver­werfungen und Faltungen und werden dabei in größerer Tiefe durch Druck und Hitze in kristalline Schiefer verwandelt.

Vorstand in der seicherigen Besetzung wieder berief.

Die Tagesordnung wurde in rascher Weise ab- gewickelt, so daß schon in kurzer Zeit zu dem anschließenden Kameradschastsabend übergegangen werden konnte, in .dessen Verlauf der Frohsinn zur Geltung kam. Sangesbruder Ude, der den heiteren Teil übernommen hatte, sorgte in bester Weise da­für, daß alle Besucher einige frohe Stunden in echter Kameradschaft verlebten.

Körperschulung der Polizei. Er erwähnte, daß im Juli v. I. der Polizei-Sportverein Gießen gegrün­det wurde. Dieser Sportverein soll eine Pflegestätte deutscher Mannestugenden im nationalsozialistischen Sinne sein und soll neben der unerläßlichen Brei­tenarbeit den sportlichen Wettkampf, die Erreichung von Höchstleistungen, insbesondere im Mannnes- sport, erstreben. Major Koch betonte weiter, daß besonderer Wert gelegt werde auf gute kamerad­schaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, mit den Sportorganisationen der Gliederungen der Partei, insbesondere mit der Sportgemeinschaft der ff, und auf die würdige Vertretung der Ordnungspolizei bei sportlichen Wettkämpfen und Veranstaltungen. Be­reits im August 1937 nahm der Polizei-Sportver­ein am Hoherodskopf-Bergfest mit 10 Teilnehmern teil, wovon alle einen schönen Sieg nach Hause bringen konnten. Major,K o ch überreichte dann jedem Sieger eine Ehrenurkunde. Es waren folgende Sie­ger: Altersklasse 30 bis 40 Jahre: 7. Sieger Polizei- Büroassistent Weißmantel; 19. Sieger Kanzlist Reitz; 3Q. Sieger Oberleutnant g al ter und Polizei-Hptw. Mecky. Altersklasse 40 bis 50 I.: 4. Sieger Pol.-Hptw. Rink; 10. Sieger Pol.-Hptw. Raab; 19. Sieger Pol.-Hptw. Dauth; 20. Sie­ger Pol.- Obermeister Zimmer; 22. Sieger Pol.- Hptw. Bock; 29. Sieger Pol.-Obermeister Peter- mann. Ferner konnte die Abteilung für Kegeln aus den Wettkämpfen gegen die Vereine Kegelklub Humor" und KegelkubRechtebauer" als Sieger hervorgehen.

Ortsgruppenwart Pg. Lösch schloß dann den offiziellen Teil des Abends mit dem Sieg-Heil auf den Führer. Die Kameraden der ff und Polizei saßen anschließend mit ihren Angehörigen noch einige Stunden in echt kameradschaftlicher Weise frohgestimmt beisammen.

Dann erläuterte Dr. Jessen an Hand der Geo­logischen Heimatkarte die erdgeschichtliche Entwick­lung der Heimat. Alte vulkanische Gesteine bauen zusammen mit-den durch sie veränderten Schicht­gesteinen den nördlichen Odenwald auf. Taunus und Rheinisches Schiefergebirge bestehen aus Mee­resablagerungen und vulkanischen Gesteinen des Altertums der Erde, die nach ihrer Ablagerung auf- gefaltet wurden. Aus Schichten des Mittelalters der Erde (hauptsächlich Buntsandstein, daneben Muschel­kalk und Keuper) besteht die Umgebung des Vogel­bergs im Norden, Osten und Süden. In den Meeren der älteren Neuzeit der Erde gelangten die ver­steinerungsreichen Sande, Tone und Kalke in Rhein­hessen zum Absatz, während in der Umgebung Gie­ßens versteinerungsarme Sande und Tone abgela­gert wurden. Darüber liegt die Basaltlava des Do- gelsberges. In der Wetterau blieb der während der Eiszeit entstandene Löß erhalten. Odenwald, Rheinhessen, Taunus und Rheinisches Schiefer­gebirge, Vogelsberg und Wetterau sind durch den unterschiedlichen Gesteinsaufbau bedingte Einheiten des Heimatraumes. Jede von ihnen hat ihr eigenes Landschaftsbild, ihre eigenen nutzbaren Gesteine, ihren eigenen Boden, ja sogar ihren eigenen Men­

schenschlag. So vertieft das Wissen um die erd­geschichtliche Entwicklung, das die Heimatschausamm­lung durch die Schaustellung der Gesteine, ihrer Verwertung und ihres Bodens vermitteln will, das Verstehen unserer Heimat und damit unsere Liebe zu ihr.

Beim Rundgang durch die Ausstellung teilten sich die zahlreichen Hörer in zwei Gruppen, die unter Führung von Prof. Dr. Hummel und Dr. Jes­sen mit großem Interesse die reichhaltige Schau heimatlicher Gesteins- und Bodenproben mit Tier- und Pflanzenresten als Zeugen vergangener Jahr­millionen bewunderten. Die vorgeschichtliche Abtei­lung mit den Stein- und Knochengeräten des Eis­zeitmenschen bei Treis an der Lumda bildete den Abschluß der äußerst lehrreichen Führung.

Die Besichtigung der Heimatschau kann jedem Volksgenossen, besonders auch den Schulen, empfoh­len werden. Sie ist Mittwochs von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Dritter Kurs des Roten Kreuzes für den BDM. beendet.

NSG. In Bad Salzhausen fand der dritte Jnter- natskurs des Roten Kreuzes, der in Zusammenarbeit mit dem BDM.-Obergau durchgeführt wurde, feinen Abschluß. Fünfzehn Mädel legten ihre Prüfung ab; ein Teil davon hat sich bereits für den Schwestern- beruf entschieden. Im Laufe des Januars haben be­reits 45 Mädel in Bad Salzhausen ihre Prüfung als Helferinnen abgelegt. Sie werden künftig zweimal monatlich im Roten Kreuz Dienst tun und den BDM.-Einheiten als Unfalldienst-Mädel (UD.-Mädel) zur Verfügung stehen. Weitere Kurse werden in den nächsten Monaten folgen.

Kneipp-Kurbad Gießen eröffnet.

Im Rahmen einer Feier wurde am Samstag* nachmittag im Saale des Katholischen Vereinshaus die Einwechung des Kneipp-Kurbades Gießen be­gangen. Zahlreiche Mitglieder und Freunde der Kneippbewegung fanden sich dazu ein und wurden vom Leiter der Gruppe Gießen, Herrn Wagner, herzlich begrüßt. Er wies darauf hin, daß das neue Kneipp-Kurbad im Dienste der körperlichen und seelischen Gesundung für unsere Volksgemein­schaft stehen solle. Dem St. Josephs-Krankenhaus (Katholisches Schwesternhaus) sagte er für die Ein­richtung des Bades herzlichen Dank.

Anschließend sprach Dr. Rohrbach (Kassel- Wilhelm sh öhe) über die Art und das Wesen der Kneippschen Heilverfahren. Er wies einleitend dar­auf hin, daß sich der Mensch unserer Zeit allzu sehr den günstigen Reizwirkungen der Natur, den Einflüssen der Sonne, des Lichtes, des Wassers usw. entzogen habe. Die Kneippbewegung sei be­müht, diese Verbindung des Menschen mit den Kräften der Natur wiederherzustellen und ihre energiespendende Wirkung dem Menschen und sei­ner Gesundheit dienstbar zu machen. Wünschenswert fei es immer noch und zu jeder Zeit gewesen, daß die Behandlung nach der Kneippschen Heilbewegung in Händen des erfahrenen Arztes liege. Aerztliches Denken und Empfinden müsse die Anwendung be­stimmen. Mit billigen und natürlichen Methoden solle die Gesundung erreicht werden. Das Medika­ment sei nur Notbehelf Man sei sich aber auch in der Kneippschen Bewegung darüber klar, daß eine einseitige Inanspruchnahme der Kurmethoden nicht gewollt sei. Die Kneippschen Kurmethoden seien wis­senschaftlich durchforscht und anerkannt. Abschließend beglückwünschte er die Stadt Gießen zu der Neu­einrichtung eines Kneippkurbades. Dem Vortragen­den dankte herzlicher Beifall.

Im Anschluß daran wurden die Einrichtungen des nahegelegenen Kneipp-Kurbades besichtigt. Die Kurbad-Einrichtungen wurden nach den Grund­sätzen und Erfordernissen der Kneippschen Heilbewe­gung geschaffen und gestatten im Sinne dieser Be­wegung eine sachgemäße Behandlung. Das Kneipp- Kurbad Gießen wird unter die Leitung eines Arztes gestellt. Drei Schwestern werden für den Dienst in diesem Kurbad in Bad Wörrishosen ausgevildet. Für^das Kurbad wurden auch mehrere Kranken­zimmer mit insgesamt neun Betten vorbildlich ein­gerichtet.

Kameradschasts- und Schulungsabend der Gießener Polizei.

Me erdgeschichtliche HeimMausammlung ein Vand zwischen Volk nnd Scholle.

Eine lehrreiche Führung des Landschastsbundes Volkstum und Heimat.

Die Mädchen aus der Burgflraße.

Roman von Hilde R. Lest.

10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Viereck beschloß, mitzulachen, wo es was zu lachen gab. Fürs erste lachte er auf Vorschuß. Er lachte so laut, daß die Nachtigall im Klostergarten mitten im schönsten Schlagen steckenblieb und aus dem Jas- minbusch die Amsel zeternd hochflatterte. Es war nämlich schon späte Nacht, und Viereck hatte das ganz vergessen, weil er gar so vieje Gedanken wälzte, obwohl er sich fest vorgenommen hatte, dies nicht zu tun.

Er stand auf und schüttelte den Tau vom An­zug. Als er aber den Gartenpfad hinabschritt, re­dete ihn eine Stimme aus dem Dunkeln an, und er schrak ordentlich zusammen. Denn diese Stimme gehörte Carla Lenz.

Ihm war, als hätte sie ihn bei seinen Gedanken belauscht. Sie hatte aber nur fein lautes Lachen gehört, und das ärgerte sie mehr, als Vierecks Ge­danken sie wohl geärgert hätten. Denn das war ein unbekümmertes, sorgloses Lachen, gelacht von einem, dem alles, was um ihn vorgeht, so recht himmlisch wurst ist, also auch ein Mädel, das ein paar Schritte abseits auf einer Bank sitzt und sich viel­leicht einsam fühlt...

Wie kann man so herzlos in diese wundervolle Nacht hineinlachen?" hörte er sie sagen.

Viereck wandte sich nach der Richtung, aus der die Stimme kam, aber er sah im Schatten der Büsche nur Finsternis wie eine schwarze Wand. So streckte er also die Hände vor sich hin und tappte in die Dunkelheit hinein, bis er in einen Haarschopf griff und ein rundes, warmes Etwas in Händen hielt, das untrüglich ein Mädchenkopf war. Einen Augenblick nur durchzuckte ihn der Wille, festzuhalten, was sich diesmal nicht mit hochmütigen Blicken wehren konnte, dann erinnerte er sich des Neckteufels, ließ los und setzte sich neben Carla auf die Bank.

Verzeihen Sie die Handgreiflichkeit", sagte er, sie dient nur der Orientierung. Hoffentlich habe ich nichts beschädigt."

Sie haben die Stimmung dieses Abends be­schädigt", sagte Carla,man lacht nicht, wenn die Nachtigall schlägt."

Ich wußte nicht, daß Sie hier sind, und für mich schlägt keine Nachtigall. Nachtigallen schlagen nur für romantische junge Mädchen. Sind Sie eines? Das wäre mir neu."

Ihnen ist alles neu, was Sie nicht mit Händen fassen können."

Hm", meinte Viereck,ich glaube. Sie tun mir unrecht. Wenn ich so ein Tölpel wäre, würde ich festhalten, was ich nun einmal mit Händen fassen konnte."

Tun das nur Tölpel?"

Viereck lauschte dem Klang ihrer Stimme, er wollte ergründen, was sich darin verbarg. Er hätte nur den Arm auszustrecken brauchen, um Gewiß­heit zu haben, aber er fürchtete ihren Spott.Ich weiß es nicht", sagte er vorsichtig,ich habe meinen Verstand nie um solche Dinge bemüht. Man ver­läßt sich darin besser auf sein Gefühl. Sagt es: Pack zu! dann packe ich zu, dann lasse ich aber auch nicht mehr los. Sagt es aber: Vorsicht, Falle! schön, bann kann ich mich beherrschen."

Was habt ihr's.bequem, ihr Männer, ober wie bequem meint ihr es zu haben!" sagte Carla.Dar­in seib ihr alle gleich. Ihr wollt alle nur die Hand ausstrecken. Jl)r wollt euch nicht ein bißchen be­mühen. Ihr kennt nur schwarz oder weiß, ja ober nein."

Ich kenne einen", sagte Viereck lachenb,ber be­müht sich. Bemüht sich so redlich, daß unsereins sich verkriechen muß."

Sie meinen den Professor. Sie irren sich. Er bemüht sich gar nicht. Er kennt erst recht nur ja ober nein. Er hat mir heute schon einen Heirats­antrag gemacht, als hätte ich auf ihn gewartet."

Viereck pfiff burch bie Zähne.Würben Sie ja sagen, wenn er sich mehr bemüht hätte ? Nicht bar- an zu benfen. Man ist für einanber bestimmt ober man ist es nicht. Man versteht sich ober man ver­steht sich nicht. Also ist alles Mühen vergeblich. Das Mühen ber Männer macht den Frauen mitunter Spaß, bas gebe ich zu. Aber es kann ihre Ent- scheibung' nicht beeinflussen."

Woher wissen Sie", fragte Carla brohend,daß ich nicht ja gesagt habe?"

Viereck lachte hell auf, unb bas Echo hallte von ber Klostermauer wiber. Im Dorfe begannen die Hunbe zu bellen.

Können Sie sich nicht beherrschen?" zischte Carla. Was denkt er von uns, wenn er uns hört?"

Was so ein Bücherwurm von einem hübschen Möbel denkt, werde ich nie ergründen können, ver­mutlich nichts Richtiges, sonst täte er ihm keinen Antrag machen. Ich habe mir nur die Situation vorgestellt: Sie hätten ja gesagt und er hätte Ihnen

einen gelehrten, kunsthistorischen Kuß auf die Stirn gehaucht. Verzeihen Sie, liebes graulev. Carla, das ist zu schon, da bleibt kein Auge trocken!"

Barbar!" sagte Carla, konnte aber , ihr Lachen auch nicht verbeißen.

Also hab ich doch recht gehabt, also haben Sie nicht ja gejagt. Wir wollen also wieder Frieden schließen!" Er suchte ihre Hand.

Frieden?" sagte Carla gedehnt,hatten wir denn Krieg? Ich denke, zu beidem gehört mehr als die paar Worte, die wir miteinander gesprochen haben." Sie verbarg ihre Hand hinter dem Rücken.

Also immer die gleiche Tour", sagte Viereck ärgerlich,man hat sich zu wenig um Sie bemüht. Der Professor zu wenig, ich zu wenig. Man hat zu wenig die Augäpfel gerollt und zu wenig Worte gemacht..."

Seien Sie doch nicht so ungerecht"- bat Carla, ich denke, Sie wollten Frieden schließen."

Ja, zum Donnerwetter, ja!" sagte Viereck. Er hielt jetzt ihre Hand, die sich nicht mehr wehrte, und zog diese Hand langsam zu sich heran. Carla ließ es willenlos geschehen. Er beugte sich plötzlich herab und preßte die Hände an seine Lippen.

Carla stand auf und entzog ihm langsam ihre Hand. Sie stürmte nicht davon, sie stand ruhig unb nahe vor ihm und sagte nur drei Worte:Aber Herr Viereck...!"

Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, er fühlte nur ihren Blick auf sich ruhen, in dem der Neckteufel sein Wesen trieb. Da hatte er sich wieder in der Gewalt. Auch er erhob sich, stand breitbeinig vor ihr upb konnte nun ohne Scheu nach ihren Armen greifen, sie festhalten unb sagen:Sie sehen, Fräu­lein Carla, auch ein Barbar lernt die Bemühungen, wenn sie ihm auch nicht zu Gesicht stehen. Aber der Barbar geht jetzt doch lieber zu Pater Eosander, es ist möglich, daß dieser fromme Mann noch eine Pulle Roten in Bereitschaft hält. Ich wünsche Ihnen deshalb einen guten Schlaf!"

Carla hörte bie Schritte, bie sich entfernten, das Zuschlägen ber Gartentür. Die Schritte verloren sich, sie kehrten nicht zurück. Als sie zum Hause ging, rieb sie sich bie Oberarme unb bachte baran, daß sie morgen lange Aermel tragen müßte der blauen Flecke wegen.

VIII.

Bei Justizrats gab es eine Auseinanbersetzung. Währenb aber zu einer Auseinanbersetzung in ber Regel zwei Parteien gehören, kam hier nur eine zu Wart.

Der Justizrat hatte in seiner langen, einstmals

sehr bekannten unb erträgnisreichen Anwaltpraxis genug ftreitenbe Menschen gesehen, um zu wissen, baß Reben Silber, Schweigen aber Golb ist. In bie Praxis seiner Ehe übertragen, bedeutete das bie stillschweigende Unterwerfung unter bie Rebseligkeit ber Justizrätin. Er opferte ber Ruhe unb Beschau­lichkeit feines gesicherten Lebensabends gern den Ruhm, Wortführer in den eigenen vier Wänden zu sein.

Nun waren zwei Tage vergangen, seit bie Justiz­rätin von ihrem Ausflug in bie Burgstraße heim­gekehrt war, er sah ihre geschäftige Unruhe unb suhlte, daß sie nur des zündenden Funkens harrte, um explodieren zu können. So vermied er es be­dachtsam, den Namen seines Sohnes zu nennen, denn nur das Zerwürfnis mit ihrem Einzigen konnte ber Anlaß jener Erregung jein, die man im justizrätlichen Familienkreis mit den Wortensie hat ihre Zustände" bezeichnete. Am Abend des dritten Tages aber warenihre Zustände" so weit gediehen, daß die Explosion durch Selbstentzündung erfolgen mußte. Der Justizrat saß, bas schwarze Seidenkäppchen auf dem Kopf, bie Füße in Kamel-, Haarschuhen, bie lange Pfeife wie zur Abwehr vor sich hingestreckt, im Lehnstuhl vor dem Kamin unb harrte ber Dinge, bie da kommen sollten. Er war fest entschlossen, auch biesmal zu schweigen.

Die Explosion berZustänbe" begann mit ber Feststellung, baß man Walter eigentlich unrecht ge­tan habe.

Hm", sagte ber Justizrat.

Die Justizrätin nahm das als sträfliche Opposition hin.Ich wußte es immer", sagte sie,deine Strenge wird das Kind aus dem Hause treiben!"

Der Justizrat nahm bie Pfeife aus dem Mund unb wies damit wiber feine Brust, wobei er bie Augenbrauen hochzog. Die Justizrätin las daraus: Ich?"

Ja, bu!" fauchte sie,nur du. Wer denn sonst als er fei von ganz unb gar unzeitgemäßem Stan- desbünkel besessen. Wer benn sonst behandle einen fünfundzwanzigjährigen Sohn wie einen Tertianer. Wer benn sonst habe ein Mädchen als Schwieger­tochter abgelehnt, ohne es zu kennen, ohne es über­haupt gesehen zu haben? Wer benn sonst habe Walter, bas Kind, vor bie Entscheidung gestellt, sich entroeber dem väterlichen Willen zu beugen aber aus bem Hause zu gehen? Wer? Wer? Wer?"

Dem Justizrat versagte die Zeichensprache, er öffnete jetzt tatsächlich ben Mund unb fiel aus ber Rolle. Er sagte allen Ernstes:Ich habe überhaupt kein Wort geredet."

(Fortsetzung folgt.)