Stadttheater
an, die meist nur Wertzahl oder Landeswappen ayf ihren Marken darstellten. Das Bildnis eines Staatsoberhauptes ist dann — mit Ausnahme von Bayern und Württemberg, die bis 1920 postalische Sonderrechte genossen — auf deutschen Marken bis zu dem Reichspräsidenten-Satz von 1928 nicht wieder erschienen, dem das bis heute gebräuchliche Hindenburg-Medaillon und schließlich die neue, im Diererblock verkaufte Führer-Marke folgten.
Auch im Ausland war man, zum Teil schon vor dem Kriege, zu figürlichen und allegorischen Darstellungen übergegangen. Die ganze Reichhaltigkeit des Markenbild'es aber entfaltete sich, als man nach dem Kriege und besonders in den zahlreichen Nachfolgestaaten zu Werbezwecken Landschaftsbild^r, Kunstdenkmäler, Allegorien aller Art, Erzeugnisse und Eigenheiten des Landes, Tier- und Pflanzenwelt, Landkarten und Verkehrsmittel auf den Marken abbildete und so oft kleine Kunstwerke der Gebrauchgraphik aus ihnen schuf. So finden wir — um nur ein Beispiel zu nennen — oft Werke der Malerei, Plastik und Baukunst in bisweilen recht guten Reproduktionen auf den Marken; denken wir nur an die zahlreichen Bilder Goyas, die die spanische Post 1930 herausbrachte, an das Dürer- Selbstbildnis auf dem 80-Pfennig-Wert der deutschen Marken von 1926 oder an die Wiedergabe der „Staalmeesters" auf einer Marke zu Gunsten der niederländischen Rembrandt-Vereinigung. Für die Baukunst waren noch die W i n t e r h i l f s- m arten der letzten Ausgabe mit den Darstelluq- gen der Reichsautobahn und Parteibauten schöne Beispiele.
Die bildliche Verbindung zur Literatur hingegen scheint — wenn wir von den Abbildungen der Dichter und Denker absehen, die die Marken vieler Länder zieren und unter denen jüncht das Bild des Descartes auf einer französischen Marke durch einen interessanten Fehldruck auffiel — auf den ersten Blick nicht so einfach. Und dennoch hat gerade für sie die so markenfreudige italienische Post, jetzt schon mit verschiedenen Ausgaben, Beispiele geschaffen, die für die propagandistischen Möglichkeiten der Briefmarke kennzeichnend sind. Im Jahre 1930 feierte man in Italien den zweitausendsten Geburtstag Vergils, des römischen Schriftstellers, der in seiner Aeneis und in seinen klassischen Lehrgedichten unsterblich ist. Zu diesem Jubiläum brachte die italienische Post einen Satz von Briefmarken heraus, die neben der Ehrung Vergils eine politifch-propa-
der
die der
det oder Isabella, die Mitbegründerin spanischen Einheit.
Don deutschen Marken nannten wir bereits letzten Winterhilfsmarken, die die Bilder
gandiftifche Absicht klar erkennen lassen. Die Mar. ken, derer jede den lateinischen Sinnspruch „Such! die alte Mutter" trägt und schon damit auf die Vev lebendigung alten, römischen Erbes in der italieni« schen Politik hinweist, sind mit sinnbildlichen Dar. Stellungen aus den Werken Vergils geschmückt. Bei. gegeben sind Aussprüche des Dichters, die sich auch an das italienische Volk der Jetztzeit^wenden, jo darüber hinaus die Geltung Italiens in der Welt verkünden. Aehnlich verbinden die 1936 zur Zwei, tausenhjahrfeier des Horaz herausgegebenen Mar. ken oder die jüngsten A u g u ft u s - Marken die Ehrung altrömischer Vergangenheit mit propagam distischen Zielen des neuen Staates. Das nationale Spanien wendet in seinem Kampf um das spanische Volk gleiche Mittel an, wenn es auf feinen Marken die alten Heldengestalten des Cid abbil-
Reichsautobahnen in alle Welt trugen und so eine Art Kulturpropaganda für Deutschland trieben. So werben auch die neuen WHW.« Marken für die Weltgeltung deutscher Seefahrt. Die Markenblocks mit dem ersten Bildnis des Führers können über den Wert als Briefmarke hinaus auch für die deutsche Propaganda im Ausland ein nicht unwichtiges Hilfsmittel fein; und nehmen wir von den deutschen Marken noch die Sonderausgaben zu den Reichsparteitagen hinzu, die Gedenkmarken zum 9. November oder die in allen Sammlerkreisen des Auslandes so gesuchten Marken von der Berliner Olympiade, so wird uns schon an diesen Beispielen die Bedeutung klar, die ein so kleines Dokument für fein Land gewinnen kann,, besonders da es ja nicht nur auf die Empfänger der mit ihm freigemachten Postsendungen einwirkt, sondern in den Alben der Sammler eine ständig neue Wirksamkeit entfaltet.
Wenden wir dies auf alle Formen der politischen und kulturellen Propaganda an, wie es die olld- lich schönen Muttertagsmarken Oesterreichs ober der Vereinigten Staaten zeigen, so wird uns klar, wie sehr die sammelnde Beschäski« gung mit diesen Marken geeignet ist, einen kleinen, aber lebendigen und wirkungsreichen Spiegel der weiten Welt zu geben. Dr. Karl Bringmann.
„Die rote Mauritius."
Kulturgeschichte und Propaganda auf Briefmarken. — Zum „Tag der Briefmarke" am 9. Januar.
Im Jahre 1847, sieben Jahre nachdem Sir Row- land Hill in England als erste wirkliche Briefmarke Jie bekannte schwarze Ein-Penny- Marke mit dem Bild der Königin Viktoria herausgebracht hatte, dachte man auch auf der kleinen britischen Insel Mauritius, östlich von Madagaskar, daran, dem Beispiel des Mutterlandes zu folgen. Der Postmeister des Haupthafens Port Louis gab einem französilchen Uhrmacher, Bernard, den Auftrag, nach dem Vorbilde der englischen Marken eine Druckplatte zu stechen, auf deren Bild um den Kopf der Königin die Inschriften „One Penny“, „Postage“, die Landesbezeichnung Mauritius und der Freivermerk „Post paid“ stehen sollten. Die ersten Marken kamen gerade zurecht, um die Einladungen zu einem Fest freizumachen, das der Gouverneur der Insel veranstaltete. Erst nach dem Fest stellte es sich heraus, daß der Uhrmacher — statt des angegebenen Vermerks „Post office“, also „Postamt" auf die Marken gesetzt hatte. Die restliche Auflage konnte zurückgezogen werden; mit den bereits versandten Einladungen aber ging kurz nach der Einführung der Briefmarke überhaupt eine ihrer bekanntesten und kostbarsten Kuriositäten in die Welt: die roten und blauen Maurj- tius - Marken von 1847, die seitdem in der Geschichte des Markensammelns eine so große Rolle spielen und erst unlängst wieder durch die auf einer Hamburger Versteigerung erzielten Preise in aller Munde waren.
Erzählungen wie diese, Jagd nach Raritäten und Kuriositäten, haben das Briefmarkensammeln lange Zeit gekennzeichnet. Sie gaben ihm den Ruf des Absonderlichen und,ließen den Sammler als eine etwas verschrobene Persönlichkeit am Rande des Lebens erscheinen. In Wirklichkeit aber stellen sie — und nicht nur, weil die hohen Preise dieser Glanzstücke dem Durchschnittssammler unerschwinglich sind — nur eine Seite dieser wohl beliebtesten und verbreitetsten Art des Sammelns dar, der allein in Deutschland über eine halbe Million Menschen huldigen. Die andere Seite des Briefmarkensammelns finden wir bei jenen Liebhabern, die nicht um der Seltenheit
allein, auch nicht um des Geldwertes willen sammeln, sondern die sich an der Schönheit jener kleinsten Dokumente staatlicher Hoheit erfreuen und ihnen die vielfältigen Anregungen politischer und historischer, geographischer und kultureller Art entnehmen, die sie bieten können. Denn die über das einzelne Volk hinausreichenden, weltumspannenden Verkehrsbeziehungen der Poft vermitteln in diesen kleinen Quittungen ihrer Beförderungsgebühren Bilder und Ereignisse aus dem Leben aller Länder und Völker und bringen ihr Gepräge oft bis in kleinste Einzelheiten nahe. In neuerer Zeit ist dazu, besonders in der Aufmachung der Gedenk - und Sondermarken, ein noch wesentlicherer Zug festzustellen, der die Briefmarke zu einem Mittel der Werbung, ja zu einem Hilfsmittel der kulturellen und politischen Propaganda stempelt. Diese Möglichkeiten lassen das Briesmarkensammeln zu einem Anschauungsunterricht werden, wie wir ihn uns reizvoller, vielseitiger und lebendiger kaum denken können.
Stellen wir an den Beginn dieser Ueberlegung, um jeden Zweifel auszuschalten, daß sie übertrieben sei, die Tatsache, die die Briefmarken Englands von der ersten Ausgabe des Jahres 1840 bis zu den letzten Krönungsmarken des neuen Königs kennzeichnet. Sie alle tragen das Bild des jeweils regierenden Staatsoberhauptes, die Wertangabe und die Inschrift „Postage“; keine aber hat es nötig, den Namen des Ursprungslandes zu nennen, wie es die Marken aller übrigen Postoerwaltungen (mit ganz wenigen Ausnahmen aus der Frühzeit) tun. Diese Tatsache kennzeichnet aus der Briefmarke heraus die Mentalität des Engländers. Die meisten Staaten haben, dem englischen Vorbild folgend, das Bildnis ihrer Könige und Fürsten, allerdings mit der Landesangabe, auf ihre ersten Briefmarken genommen. In Frankreich griff man 1849 stattdessen zu einem stilisierten Kopf der „Liberte“, die bald dem Bild Napoleons III. wich, um 1870 dann wieder aufzutauchen. Auch die ersten preußischen Marken von 1850 tragen den Bildniskopf Friedrich Wilhelms IV.; feit 1861 aber schloß sich Preußen dem Gebrauch der anderen deutschen Kleinstaaten
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Für die beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen erwiesene Teilnahme und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers unseren herzlichsten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Elise Läufer Wwe. und Kinder.
Heute morgen 21 /4 Uhr hat Gott der Herr nach kurzer Krankheit unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter
Christine Gelzenleuchter, geb. Becker
im Alter von 76 Jahren heimgeholt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Hans Gelzenleuchter.
Gießen (Schulstraße 11), Marburg, den 6. Januar 1938.
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Diejenigen Wehrpflichtigen, die durch Krankheit ober sonstige körperliche Gebrechen nicht erscheinen können, haben ein Zeugnis bes behanbelnben Arztes hier vorzulegen.
Wehrpflichtige, bie ihrer Anmelbung nicht ober nicht pünktlich nachkommen, werben, wenn keine höhere Strafe verwirkt ist, mit Gelbstrafe bis zu 150 RM. ober mit Haft bestraft. Gegebenenfalls
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