Dienstag, 6. Dezember (958
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
ür.285 Zweites Blatt
Vorweihnachtlicher Eintopf.
Was bieten die Gaststätten am 11. Dezember?
Weit über 200 000 deutsche Gaststätten rüsten zum 11. Dezember, dem nächsten Eintopfsonn-- t a g. Wie bisher, werden sie auch an diesem Tage ihren Gästen mit einer Reihe schmackhafter und nahrhafter Gerichte aufwarten. Wir können uns heute die Eintopfsonntage gar nicht mehr aus unserem sozialen und völkischen Leben fortdenken, hat in ihnen doch das nationalsozialistische Gemein« schcrftsdenken seinen deutlichsten Ausdruck gefunden. Mit berechtigtem Stolz haben die Gaststätten immer wieder festgestellt, in welchem Umfange auch ausländische Gäste mit Freude und Appetit die Eintopfgerichte verzehren, nicht nur, um einmal an diesem Gemeinschaftsmahl des deutschen Volkes teilzunehmen, fyndern auch, weil unsere Gaststätten gerade auch auf diesem Gebiet der Kochkunst nicht zu schlagen sind. Der beste Beweis ist der Sieg der deutschen Köche auf der internationalen Kochkunstausstellung 1937 in Frankfurt, als es darauf ankam, die besten Eintopfgerichte zuzubereiten.
Eine neue Probe ihres Könnens werden die Gaststätten am 11. Dezember ablegen. Da die Ernte in säst allen Gemüsearten in diesem Jahre sehr gut war, sind viele Möglichkeiten vorhanden, auch den kommenden Eintopssonntag vielseitig zu gestalten. Wie immer werden zwei Gerichte reichseinheitlich, d. h. in allen deutschen Gaststätten zubereitet. An erster Stelle steht dieses Mal ein schmackhafter Dreiklang: Kohlsuppe mit Kartoffeln und Hammelfleischeinlage. Weißkohl, Wirsingkohl, Rotkohl, Rosenkohl, Blumenkohl, alles was an Kohl überhaupt denkbar ist, ist gegenwärtig vertreten. Für den Eintopf werden in diesem Falle
wohl vorwiegend Weiß- oder Wirsingkohl in Betracht kommen. Die Beigabe von Kartoffeln — daß wir auch in diesem Jahre ein überaus gute Ernte an Kartoffeln haben, ist ja überall bekannt — und die Hammelfleischeinlage machen dieses Gericht zum „idealen" Eintopf. Richt weniger Zuspruch wird das zweite Gericht finden, bei dem allerlei Kombinationen möglich sind: Pichelst ein er Fleisch! Alles, was es in diesen Wochen auf dem Gemüsemarkt gibt, eignet sich zu diesem Gericht. Mit großem .Erfolg läßt sich übrigens auch Seefisch beim Pichelstciner verwenden. Dazu natürlich ein gutes Maß Kartoffeln und ein kräftiges Stück Hammeloder Rindfleisch. Wie stets bildet der F i s ch e i n - topf die Nummer drei in der Reihe der Eintopfgerichte. Kabeljau, Rotbarsch, Seelachs, Schellfisch werden überaus reich vertreten sein, sofern nicht plötzlich durch Stürme eine Verringerung der Anlandungen erfolgt, da dann die Fischer nicht arbeiten können. Als letztes Gericht unter den Dezember- Eintöpfen wird wie immer der Gemüsetopf nach Wahl oder vegetarisch empfohlen. Dies Gericht ist als ein landsmannschaftliches Gericht unter bevorzugter Verwendung der in den betreffenden Gebieten besonders reichlich vorhandenen und durch die Landesbauernschaften bekanntgegebenen Gemüsesorten zuzubereiten.
In Anbetracht der reichen und vielseitigen Beschickung aller Gemüsemärkte in allen Gauen des Reiches wird die Zubereitung eines wirklich landsmannschaftlichen Eintopfes keine Schwierigkeiten machen, so daß auch der kommende Eintovfsonntag auf der ganzen Linie ein voller Erfolg werden wird.
„Alles fürs Herz!"
Theater der Wiener Gpielzeugschachtel kommt!
Die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" hat es übernommen, wieder einmal großangelegte Feierabendstunden zu vermitteln und unserer Gießener Bevölkerung ein Erlebnis zu schaffen, das nicht alltäglich sein kann. Das Theater der Wiener Spielzeugschachtel kommt zu einem mehrtägigen Besuch nach Gießen und wird an Frohsinn und Laune all das mitbringen, was man von einem original Wiener Ensemble erwarten und auch voraussetzen darf.
Die Revue, die nicht identisch ist mit Revuen früherer Zeit und nicht bester Erinnerung, hat nur die F o r m der Vorführung der Revue übernommen. Darüber hinaus will sie echte unverfälschte Kunst bringen. Das Künstler-Ensemble, das aus etwa 50 Mitwirkenden besteht, hat es gut vor! Es soll allerlei gezeigt werden und der Besucher- soll beim Verlassen des Gloria-Palastes das Empfinden haben, daß er für sein Geld etwas bekommen hat.
Das Programm bringt eine kaleidoskopartige Fülle der Darbietungen. Selbstverständlich steht der Humor an erster Stelle. Leo Stoll und Franz Jo- ham werden insbesondere dafür sorgen, daß die Lachmuskeln in Bewegung kommen. Selbverständ- lich ist, daß das Theater auch ein Ballett mitbringt, das sich sehen lassen kann. Da wird es dann Tänze zu sehen geben, in denen sich aller Wiener Charm verkörpert. Man wird die berühmten Walzer „An der schönen blauen Donau", den „Kaiser-Walzer", „Wiener Blut" und die Ungarische Rapfodie Nr. 5 (Brahms) hören und in tänzerischer Uebersetzung sehen. Die Wiener Mädel wollen aber auch in vielen anderen Auftritten allerlei unterhaltsame Szenen zeigen. Sie werden auftreten als Porzellan aus Delft, aus Venedig, aus Meißen und als Porzellan aus Japan und damit eine kultivierte Darbietung zu geben bestrebt sein. Aber sie haben auch vor, nicht nur Vergangenes wiederzuspiegeln, vielmehr werden sie sich auch auf sehr zeitgemäße Art, in
tänzerischer Körperschule zeigen und beweisen, daß sie bewußt in der Gegenwart leben. Mehr sei hier noch nicht verraten ..'.
Morgen also werden die Künstlerinnen und Künstler in Gießen eintreffen, Quartier beziehen und sobald es möglich ist; im Gloria-Palast erscheinen, um zu proben, sich mit der Bühne vertraut zu machen, auszupacken (sie haben nicht weniger als etwa 15 000 Kilogramm Gepäck dabei) und sich bereit machen für die erste Vorstellung am morgigen Abend.
Sicherlich wird es die Gießener Bevölkerung zu schätzen wissen, wieder einmal einige Stunden heiterer und doch kultivierter Muße verleben zu können.
Vornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Volksbildungsstätte Gießen in der NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 Uhr in der Aula der Universität Vortrag des Rennfahrers Rudolf Hasse „Kampf der Motoren in drei Erdteilen". — NS.-Reichskrie- gerbund. 20.30 Uhr, Cafe Leib, Lichtbildervortrag W. Kunde „Das Geheimnis der Marneschlacht 1914". — Stadttheater: 20 bis 22 Uhr „Spanische Nacht". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Mustergatte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Maja zwischen zwei Ehen". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Weihnachtsausstellung im Turmhaus am Brand.
Stadttheater Gießen.
In Anwesenheit des Komponisten gelangt heute abend die heitere Oper „Spanische Nacht" von Eugen Bodart zur Erstaufführung. Die Oper des jungen Komponisten wurde bei den Aufführungen in Köln und Mannheim mit großer Begeisterung ausgenommen. Musikalische Leitung Paul Wolter, Spielleitung Hans Geißler. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 10. Vor-
Aus Der Stadt Gießen.
Nikolaustag.
Für die Kinder bedeutet der 6. Dezember die Ein- cnngspforte in das Paradies der weihnachtlichen I Erwartungen und Wünsche. Ob im Osten oder im Kesten, ob im Süden oder im Norden, überall im Seid) ist dieser Tag das eigentliche Fest der Kinder, i)re fröhliche Vorfeier für Weihnachten. Noch vor Iran hundert Jahren war er in vielen Gegenden bedeutsamer als das Julfest selbst. Und wenn heute in großer TM der Industrie sich im ganzen Jahr iuf das Hauptgeschäft zu Weihnachten einstellt, so erbeutete damals der Nikolaustag für die arme Bevölkerung der deutschen Mittelgebirge den wirt- chaftlichen Höhepunkt des Jahres; denn für die Zpielwarenherstellung war er der wichtigste Termin. Auch Gevatter Schuster und Schneider, das Handwerk überhaupt, bekamen zu diesem Tage be- ■inbers viel z*» tun; wurden doch die Kinder von zren Eltern, reichlicher aber noch von ihren Taufpaten mit allerlei Gaben bedacht. Auch das Gesinde irhielt sein Geschenk.
Heute noch sind die alten sinnfälligen Bräuche jum Nikolaustag lebendig, in jedem Gau zwar Inders geprägt, immer aber der spiel- und liedfrohe lahmen zum vorläufigen Gabentisch der Jugend, ia, bis in die modernen Großstädte hinein üben t Zauber und Wirkung aus; denn auch hier füllen ich am Vorabend die an den Herd, vor die Tür iber vor das Bett gestellten Schuhe und Teller mit leckeren Süßigkeiten. Wenn an den Tagen vorder die ganz Kleinen fragen, wer denn der Nikolaus gewesen sei, dann hören sie wohl die Geschichte von lern gütigen Manne, der vor eintausendfünfhundert fahren Bischof von Myra in Kleinasien gewesen und nach seinem Tode als helfender Vater der llrmen, besonders aber als der gute, schenkfreudige Ne ist der Kinder beweint wurde. Ganz selten erzählt man ihnen vielleicht auch noch aus der Zeit, lange ehe Nikolaus lebte, bte Sage von dem ger- inanischen Gott Ruodebrecht, der damals schon die Kinder beschenkt haben soll. In Oberschlesien z. B., euch in Mähren, sagen die Ettern ihren Kindern, laß nach dem Abendläuten St. Nickel an einem xoldenen Seil herabste'ige, um die guten Kinder mit allerlei Gaben zu erfreuen, die bösen aber mit her Rute zu strafen. Und so knüpft die tätige Phantasie der Kleinen die liebsten und schönsten Erwar- ningen an diesen Tag. Mit besonderen Berschen and Sprüchen wird er von ihnen angerufen. In Ravensburg in Württemberg z. B. beten die Kinder am Vorabend:
Heiliger Niklaus leg mir ein, was dein guter Will' mag fein. Ich will nicht viel begehren, St. Niklaus könnte sonst unwillig werden.
Und manchmal kündigt er sich schon einige Tage >orher mit Aepfeln und Nüssen an, die er an lnbeachteten Ecken versteckt. In einigen Landschaften wird erzählt, daß er auf einem Schimmel oder auf tinem Esel geritten komme, und um sich ihn geneigt m machen, tun die Kinder Heu oder Hafer in ihre Schüssel, die sie vor die Tür, vor den Schornstein [>ber vor das Bett gestellt haben.
Der Niklaus ist ein launischer Gesell; in manchen Kegenden läßt er sich nie sehen und gibt stillschweigend und unerkannt seine Gaben aus, in anberert wieder hält er, von einer großen Kinder- stchar umringt, seinen festlichen Upizug und teilt seine Geschenke selbst aus. Er tritt dann oft, in ein weißes Laken vermummt, mit weißem Bart auf, vielfach von lärmenden Schreckgestalten begleitet. Wenn er lärmend mit Schellengeläut und Klingel- «zerassel oder Peitschenknallen erscheint, will er die lebensfeindlichen Mächte des Hauses verjagen.
Dieser Nikolaustag, als dessen Wahrzeichen gewissermaßen allerlei Gebildgebäck und Lebkuchen gelten, ist uns allen ein lieber Begriff in der Zeit her Weihnachtsrüste. Weil wir die Erinnerung an ihn aus dem Himmel der Kindheit nicht missen möchten, wollen wir ihn auch weiterhin mit unseren Kindern gebührend feiern. O.
Iubiläumskorizert des Gängerkranzes.
„Das Lied von der Glocke."
Wenn eine Vereinigung zur Pflege des Chorgesanges die 75jährige Wiederkehr ihres Gründungstages feiern kann, so ist damit ihre Lebensfähigkeit und Wirkungsberechtigung erwiesen. Kann man an diesem Tage zugleich aber auch Rückschau halten auf das, was der Verein in dieser langen Zeitspanne geleistet hat durch seinen Einsatz für das Sondergebiet des Oratoriums, so wird dieser Tag ein Ehrentag. Denn der „S ä n g e r k r a n z" Gießen hat in den vergangenen Jahrzehnten durch seine Aufführungen großer Chorwerke von Händel, Haydn, Robert Schumann, Gads bewiesen, daß ehrlicher Begeisterung und gründlichem Wollen der Erfolg nicht versagt bleibt. Ja, der „Sängerkranz" ist in den vergangenen Jahren zu einem nicht wegzuleugnenden Faktor des Gießener Musiklebens geworden durch die Pflege der chorischen Werke, indem er das Chorprogramm des Akademischen Gesangvereins wertvoll ergänzte.
Es konnte vor einigen Jahren gelegentlich des 25jährigen Dirigenten - Jzchiläums von Albert Kasten an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden, welche unermüdlich schaffende, verantwortungsbewußte, musikalische Führerpersönlichkeit dem Verein vorsteht. Das verdient auch am heutigen Tage aufs neue besonders herausgestellt zu werden; denn für den Hochstand der Leistungen eines Chores ist der Dirigent ebenso Bedingung wie die Gefolgschaftswilligkeit seiner Sänger.
Es ist für das Gießener Musikleben eine besonders erfreuliche Erscheinung, daß bei aller Anerkennung berechtigter Eigenziele jeder Vereinigung sich dennoch alle Kräfte zur großen Gernein- schaftsleiftung zusammenfinden. Die,Lahreszeiten"- Aufführung im vergangenen Frühjahr war das sichtbare Zeichen dafür. ' Und wenn die Kräfte, denen der „Sängerkranz" die Hand zur gemeinsamen Arbeit gereicht hatte, jetzt michalfen, seinem Ehrentage die zukommende Geltung und Bedeutung ZU sichern, so ist das die schönste Bestätigung für bie Ausrichtung im Gießener Chorleben, die angesichts des großen Zieles willige Bereitschaft zum Anteil am Werke beweist.
Die diesmalige Zusammenfassung der Kräfte galt der Vertonung von Schillers „Glocke" von Max Bruch. Der Komponist, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahre gefeiert werden konnte, hat be
sondere Verdienste um das weltliche Oratorium erworben; ein stark ins Volkstümliche weisender Zug hat seinem Werk eine weite Verbreitung gewährleistet. Der Text von Schillers „Glocke", ein Allgemeingut des deutschen Volkes, stellt mit der Fülle seines Gedankengehaltes den Musiker vor ein besonderes Problem. Max Bruch wählt vornehmlich die Momente aus, die ihn zur musikalischen Entfaltung besonders anregen und ihm für die musikalische Ausschöpfung ergibig erscheinen. Das Orchester wird zum Träger eines kräftigen Farbenkolorits; mit sachkundiger Hand (Bruch war lange Jahre Vorsteher der Meisterklasse für Komposition an der Hochschule Berlin) und wirkungssicher vermag er die musikalische Situation aufzuschließen. Ziehen wir die Entstehungszeit dieses Werkes in Betracht (1878), so wird gerade die Kenntnis dieses Zeitalters den Schlüssel für Max Bruchs Stil ergeben.
Die Aufführung unter Albert K a st e n ließ die Klangpracht des Orchesters ebenso wie die feine zeichnerische Illustration mit Plastik und anschaulicher Gestalt lebendig werden, bei schöner Wahrung des klanglichen Gleichmaßes, das sei besonders betont, angesichts der starken Bevorzugung von Posaunen und Tuba in der Instrumentation. So schuf das Orchester den klanglichen Untergrund für die Solisten und für den Chor.
Das Eingangsmotto („Vivos voco ...“) wurde zum Symbol in feiner sakralen Haltung und gemessenen Schönheit des Klanges im Widerspiel der Bläser. Die großen Chorgruppen zeigten eine füllige Rundung des .Klanges in schönem Ausgleich und feiner dynamischen Durchbildung. Willig folgte der Klangkörper den Angaben seines Führers; besonders find die Soprane hervorzuheben mit ihrer ergiebigen dynamisch fein beherrschten Höhe. Don ganz besonderer Schönheit aber entfaltete sich der „Tauf"-Chor und der Liebeschor. In feiner Austonung fand die Feuersbrunst durch den Chor ihren Ausklang. Im zweiten Teil des Oratoriums wurden der Ordnungschor und die Schluß-Apotheose zu prunkendem Chorerleben.
Das, was der Chor in geschlossener Gesamtstimmung zusammenfaßte, wuchs aus dem lebendigen Anteil der Solisten hervor, deren Part teils szenisch durch den Komponisten gefaßt ist und sich so arios ausströmen kann, teils mit der plastischen Durchbildung des deklamatorischen Akzentes das tönende Wort in seiner tiefen Bedeutung nahebringt. Der verantwortliche Leiter hatte mit glücklicher Hand eine Auswahl getroffen,, die den Anforderungen des Werkes an sich, wie auch seinem musikalischen Durch- gestaltungswillen in jeder Hinsicht entsprach. Das zeigte sich besonders in der Ausgeglichenheit der
Ensemblesätze („O zarte Sehnsucht" und im Schlußteil des Werkes). Da, wo Chor und Solisten mit- einandergingen, hoben sich die Solostimmen mit schönem Glanze hervor, besonders der bis irt die höchsten Lagen hinein äußerst weiche und dennoch sehr ergiebige Sopran Sophie Hoepsels (Frankfurt a. M). Mit gewinnender Anmut mischte sich ihre Stimme der idyllischen Szene der Brautglocke.
In besonderer Wärme bei ausgeglichenem Klange, aber auch mit starken dramatischen Akzenten erklang der- Alt von Gertrud Kranz (Ludwigs- Hafen), mit gefühlsbetonter Trauerklage der Begräbnisszene und dramatischer Intensität der Aufruhrverkündung.
Anton Knoll (Tenor), Frankfurt a. M., verlieh dem jugendlich stürmenden Drängen des Jünglings warme Töne. Seine dramatischen Einwürfe waren von sieghaftem Akzent, wenngleich die Anforderungen der Partie stellenweise die Grenzen seiner stimmlichen Mittel berührten. Im Ensemble hielt er sich mit schön quellender Linie hervor.
Gustav Bley (Gießen) war für den vorgesehenen auswärtigen Solisten eingesprungen. Als Träger der Meistersprüche ließ er das Menschliche besonders eindringlich heraustreten und in der Beherrschung der reichen Skala seiner stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten gewann gerade fein Part besonderes Gewicht durch die Schönheit des Klanges und die Fähigkeit bewußter musikalischer Einfügung.
So wurde die Wiedergabe des Werkes berechtigterweise zu einer Festaufftihrung des „Sängerkranzes", der in diesem Ausmaße sich über seine bisherigen trefflichen Leistungen stellte. Darum war der reiche Beifall begründeter Dank der ergriffenen Zuhörer.
Dr. Hermann Hering.
„Maja zwischen zwei Ehen."
Lichtspielhaus.
Wieder einmal das Enoch-Arden-Motiv, die alte Geschichte vom totgesagten Heimkehrer; aber das Schwergewicht der Entscheidung liegt diesmal weniger bei diesem, auch nicht bei der zum zweiten Male verheirateten Frau zwischen den beiden Männern (in welchem Falle das Gesetz gegen den ersten entscheidet) — sondern bei dem Kinde: der Kampf geht im Grunde allein um den Sohn aus erster Ehe, den der heimgekehrte Vater zu sich zu nehmen wünscht, und den die Mutter und der Stiefvater nicht hergeben wollen. Es ist ein erbitterter, ein zermürbender und nahezu hoffnungslofer Kannst; ganz zuletzt, als man schon nicht mehr an ein halbwegs gutes Ende zu glauben wagt, spricht das
ftellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr Cnde 22 Uhr.
Vortrag im Alpenverein.
Im Zweigverein Gießen-Oberhesfen des Deutschen Alpenvereins findet am morgigen Mittwochabend ein Lichtbildervortrag von Dr. Herzog, München, über „Beobachtungen eines Bergsteigers und Bergjägers" statt.
MvievkilBrMWniil
Achtung! kesielwärlerlehrgang!
Die Hessische Dampfkessel-Inspektion in Darmstadt führt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Arbeits-' front in Gießen demnächst wieder einen Kesselwärter-», lehrgang zur Vorbereitung auf die Kesfelwänerprü< fung durch. Der Lehrgang umfaßt 60 Stunden und kostet 30 RM. Nach erfolgreicher Prüfung wird das Zeugnis „Staatlich geprüfter Kesselwärter" ausge-^ stellt. 7897D
Anmeldungen sind sofort an die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, Abt. für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, Schanzens straße 18, mit genauer Personalangabe zu richten.
Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Am Dienstag, 6.12., findet, 20.30 Uhr, im „Burghof" ein Schulungsabend für die Politischen Leiter, Warte, Walter, Frauenschaftsmitglieder, sowie die Führer der HI. und BDM. statt. Es spricht Kreisschulungsleiter Pq. Michel. Das Erscheinen ist Pflicht!
Hitler-Zugend Bann 116.
Stamm 1/116.
Am kommenden Donnerstag, 8.12., spricht in decs Aula der Universität ein Stoßtruppredner des Reiches zur Jugend. Es nehmen daran von jeder Gesolgschast 50 Kameraden teil. Die befohlenen Einheiten werden vom Gefolgschastsführer geführt. Anzug ist HI.-Winter-Dienstanzug. Die Plätze müssen um 20.10 Uhr eingenommen sein,
ZM-Untergau 116 Gießen.
Die JM.-Gruppe 4/116 Gießen-Ost tritt am Diens-z, tag, 6. 12., um 14.15 Uhr am Ludwigsplatz zur Spielzeug- und Kinderwäschesammlung an.
Die Mädel, die einen Handwagen zur Verfügung stellen, sorgen dafür, daß dieser ordentlich geschmückt ist.
BDM.-!lntergau 116 Gießen.
VD2U.-Werkgruppe IV.
Der Dienst für die Dienstag-Werkschar fällt heute aus und findet dafür am Freitag, 9.12., 20.15 Uhr irt der Alicenschule, Steinstraße, statt.
Großartige Ergebnisse vom Tag der nationalen Solidarität.
Aus einer Uebersicht über die Sammelerfolge am Tag der nationalen Solidarität im Gau Hessen- Nassau tragen wir, in Ergänzung unserer gestrigen Mitteilung über das Gesamtergebnis des Gaues und über das Ergebnis des Kreises Wetterau, noch die Sammelerfolge in den Kreisen unseres engeren Heimatgebietes nach. Es wurden gesammelt im Kreis Alsfeld-Lauterbach 11693,95 NM., Büdingen 10 900 RM., Wetzlar 24 444,71 RM. Unser Kreis Wetterau mit feinem (gestern von uns schon gemeldeten) Ergebnis von 34 228,53 RM. steht im ganzen Gaugebiet an dritter Stelle; vor ihm stehen nur Mainz mit 65 466,40 RM. und Frankfurt a. M. mit 148 375 RM. Wiesbaden mit 33 000 RM. folgt erst hinter unserem Kreis.
Die diesjährigen Weihnachtsfeiern.
NSG. Da das deutsche Weihnachtsfest in erster Linie ein Fest der Familie ist, besteht die sinnvollste
Kind selbst ahnungslos das entscheidende Wort, dem auch der Vater sich fügt, indem er geht, ohne weiter auf seinem Anspruch zu beharren. Als Vorlage für das Drehbuch von Fritz Kirchhoff gibt das Programmheft an: Stoff von Helmuth Brand is und Otto Linnekogel nach Motiven des gleichnamigen Romans von Günther Hocheisen; es ist nach diesen Angaben für den Betrachter schwierig, sich über den geistigen Anteil der Bearbeiter an dem, was als endgültige Form auf der Leinwand erscheint, Klarheit zu verschaffen. Kirchhoff, der auch Regie führte, bemühte sich spürbar um Dämpfung und Vermeidung jeder geräuschvollen Sensa- hon, um einen Kammerspielton, der zweifellos dem delikaten Thema am ehesten gerecht zu werden oer^ mochte. Allerdings wird eben dieser halblaute Kammerspielstil durch den hastigen Bildwechsel und häufige Ueberblenbung meist kurzer Szenen naturgemäß beeinträchtigt. Uebrigens hat man die Berliner Philharmoniker eingesetzt, um dem Spiel eine (überaus kultivierte) musikalische Untermalung und Begleitung zu verschaffen; daß diese Musik im Grunde mit dem Problem nichts zu tun hat, wird niemandem verborgen bleiben. Und die Frage, ob ein solcher Stofs überhaupt gerade für eine filmische Gestaltung geeignet sei, möchten wir unbeantwortet lassen. Der schauspielerisch intensivste Eindruck geht von Peter Petersen aus, der den heimkehrenden Vater darstellt, und zwar im ganzen auf der Linie seiner früheren großen Rollen, mit: einer vollkommen glaubwürdigen, hartnäckigen, aber jederzeit beherrschten Anspannung des Willens auf das eine Ziel. Maja ist Lil D a g o d e r : ein schö-« nes, sparsam bewegtes Bild. Schoen hals, bet* uns kürzlich hier in Gießen von dieser neuen Rolle- erzählte, spielt mit nobeln Mitteln den zweitem Mann, den Stiefvater, innerlich w'e äußerlich dasc' feinfühlig empfundene Gegenbild Petersens; übri^/ gens musiziert er so hingegeben, daß es ein Genuß' ist. ihm zuzuhören. Die gefährliche Kinderrolle int Zentrum des Konfliktes bewältigt der kleine Peten Dann mit entwaffnender Unbesonnenheit. Vom wohlabgestimmten Ensemble sind Mario Kop-« p e n b ö f c r , Mnrieluise Claudius, Winter* st e i n und vor ollem Hilde Körber zu nennen* deren darstellerische Vielseitigkeit und geschmeidige Einfühlungsgabe man an der an sich belanglosen Nebenrolle einer (Thanfonfänaerin wieder einmal feststellen muß. — (Märkische-Panorama-Schneider.)i
*
Im Beiprogramm: die neue Tobis-Wochenschan* ein Kulturfilm „Sttoßen der Zukunft" und e::?j Kulturfilm „Tierpflege im Zoo" mit Icbenbigci» und instruktiven Aufnahmen.
Hans Thyriotk


