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anders wurde jetzt im Auslande behauvtet, die Stimmung im Sudetenlande sei erheblich umge­schlagen und die kleine tschechische Minderheit befinde sich in der schlimmsten Lage.

Das deutsche Volk hat sich um die Lügenmär­chen ausländischer Kriegshetzer wenig gekümmert. Es freut sich seiner Arbeit, seiner Ordnung und seines neuen staatlichen Aufstiegs. Als es auch jetzt wieder zum Tag der Nationalen Solidarität auf­gerufen wurde, ist es in selbstverständlicher prächti­ger Bereitschaft gefolgt. Niemand hat es dazu ge­zwungen, die Straßen zu passieren, wo die Män- ner und Frauen mit den Sammelbüchsen standen, niemand hat kontrollieren können, wie groß oder wie klein die Spende des einzelnen war. Wenn aus­ländische Pressevertreter das Straßenbild in deut­schen Städten gesehen haben, so werden sie nicht bezweifeln können, daß dieser Tag einem Volks­fest glich. Die führenden Männer der Partei und des Staates mären, umdrängt von den endlosen Scharen freiwilliger Spender, sie wurden mit be­sonderem Jubel begrüßt, als sie in die Arbeiter­viertel des Berliner Nordens und Ostens kamen, um auch hier die Fülle kleiner und kleinster Be­träge zu empfangen, die ein Beweis der Dankbar­keit des arbeitenden Volkes an seine Staatssührung sein sollte. Die Frage ist nicht überflüssig, in wel­chen derdemokratischen" Staaten eine solche Verbundenheit von Volk und Führung mög­lich wäre. Welcher Minister in solchen Ländern könnte sich inmitten einer Volksmenge an eine Straßenecke stellen und von allen Passanten einen freiwilligen Beitrag fordern? Diese Frage stellen, heißt sie verneinen. Wie ganz anders ist dieses dort und in Deutschland. Man hätte nur gewünscht, daß viele ausländische Arbeiter sich von seiner Wir­kung hätten überzeugen können.

Unter der Herrschaft einer sogenanntenDemo­kratie" haben 3,5 Millionen deutsche Menschen zwanzig Jahre unter einem fremden Staat leben müssen, der eine Mißgeburt der Friedensdiktate ge­wesen ist. Bis zuletzt hat es im Auslande Stimmen gegeben, die der Welt klarmachen wollten, daß die Sudetendeutschen sich unter der tschechischen Regie­rung ganz wohl gesuhlt haben und keine Sehnsucht danach hätten, sich unter das Hakenkreuzbanner zu stellen. Die ganze Anschlußbewegung sei nichts an­deres als eine Agitation der Nazis, von der die weitesten Teile der Bevölkerung nichts wissen woll­ten. Wenn davon auch nur ein Wörtchen wahr gewesen wäre, so hätte sich das bei der geheimen Abstimmung ergeben müssen. Das sudetendeutsche Volk hat mit lachendem Gesicht und mit seinem Stimmzettel diese Unterstellungen zurückgewiesen. So wie beim Einmarsch der deutschen Truppen durch das ganze Land von Asch bis Znaim. von Eger bis Troppau ein einziger Jubelschrei brauste, so haben sich am Sonntag Städte und Dörfer des deutschen Sudetenlandes in festlicher Stimmung zum Werke der Befreiung und Einigung bekannt, vom heißen Dank erfüllt zu ihrem Führer Mols Hitler. Viele Landgemeinden wählten au hundert Prozent und einstimmig die nationalsozialistische Liste, aber auch bedeutende Städte sind zu verzeich­nen, in denen fern einziger Stimmzettel mit Nein abgegeben wurde. Das Gesamtergebnis von 98,9 v. H. spricht deutlicher als alle Worte. Auch die große Mehrheit der im Lande vereinzelt wohnenden Wähler tschechischen Volkstums hat ihr Ver­trauen zum neuen Deutschland bekundet. Der größte Anteil der etwa 27 000 Nein-Stimmen ist in den' tschechischen Dörfern zu finden, die in Mähnsch-Schle-, sien in den Bezirken von Troppau, Hohenstadt' Neu-Titichein vorhanden sind und dort im geschlos­senen Siedlungsgürtel die deutschen Bezirke von ihrem Mutterlande trennen sollten. Aber auch diese abweichenden Sttmmen haben in keinem Fall zehn v. H. des Ergebnisses in ihrem Kreise erreicht, im ganzen Sudetenland aber nur 1,10 v. H. aller Stim­men.

Das ist ein Ergebnis, das in feiner demokrattschen Wucht und Größe die Abstimmung Oesterreichs wiederholt und den Beweis liefert, daß jeder Deutsche unmittelbar sich dem Führer verbunden weiß und aus vollstem Herzen seiner Staatsführung zustimmt, die Deutschlands Träume der Vergangen­heit erfüllte, die alle Deutschen zu einem Groß­deutschland, zu einem stählernen Block zusammen­schweißte, gegen den die Demokratien uneins, zer­splittert und in ihren Bestrebungen sich verhalten wie ein Sandkorn gegenüber einer gewaltigen ehernen Geschlossenheit. Diese Antworten der deut­schen Nation sind nach dem alten deutschen Wort erfolgt:Schau um dich und hau um dich!" Wir haben erlebt, wie unter dem Einfluß von All-Juda die Meinung der Völker gegen uns in der gemein­

sten Weise aufgehetzt worden ist. Well wir das Judentum von den nationalen deutschen Interessen entfernen und well wir die jüdischen Mordtaten streng gesetzlich in Wahrung unserer Souveränität, über die niemand anders bestimmt als wir selbst, mit gerechten Repressalien beantworteten, sind die Klageweiber von Dan bis Berseba, von Neuyork bis London in Bewegung geraten und haben über DeutschlandRacha" geschrien. Die internationale jüdische Presse, die jüdischen Geldmächte, die von ihr direkt abhängigen politischen Faktoren sind zu einem Generalangriff gegen alles Deutsche geschnit­ten, sie haben versucht, eine Trennung Zwischen der deutschen Staatsführung und dem deutschen Volke nach dem berühmten englischen Dwster zu konstruieren. Nichts ist falscher als diese Konstruk­tion. Wir kennen die Weise und wir kennen die Verfasser, wir haben immer wieder die Fabel vom tiefen, geduldigen, tugendhaften Deutschland" ver­nommen, das passiv alles dulden müsse und werde, während alle Völker, vornehmlich die Briten, aktiv würden und diese Aktivität als ihr gutes Recht hinstellten, während eine deutsche Aktivität gerade­zu verbrecherisch wäre und den erhabenen Zielen der Weltdemokratien und des Genfer Vereins widerspräche. Noch im Juli 1920 forderte Churchill nicht Gerechtigkeit für die deutsche Nation, sondern stellte an sie das Ansinnen,durch einen erhabenen Aufwand an Fleiß, Nüchternheit, Festigkeit, Selbst­verleugnung und Mut einen Deich friedlicher, gesetz­licher, ausharrender Kraft zu bilden", wobei an die Selbstverleugnung der deutschen Nation Ansprüche gestellt wurden, die übermenschlich sind. Auch heute findet man noch diese Tugend bei anderen selbst­verständlich. Aber Großdeutschland hat gezeigt, daß gerade die Tiefe seiner Tugend und seine Kraft angewendet werden muß, um das eigene Wesen unbeeinflußt von ftemden und jüdischen Phrasen in der Welt zu behaupten. Großdeutschland bekannte sich zu der gewaltigen Idee und den erhabenen Taten seines Führers, und daß diese die Befreiung vom Mischen Ungeist voraussetzten, entspricht durch­aus dem einheittichen Willen des großen deutschen Volkes. D. S.

Die Gudeienwahl.

DieZahl derReichstagssitzc um 41 vermehrt

Berlin, 5. Dez. (DNB.) Die Zusatzwahl zum Großdeutschen Reichstag hat nach den vorläufi- gen amtlichen Errechnungen im Sude­tenland,AltreichundOe st erreich folgen­

des Ergebnis:

Wahlberechtigte, 2 532 863

Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 2 497 604

Ja-Stimmen 2 464 681

Nein-Stimmen 27 427

Ungültige Stimmen 5 496

Das bedeutet, daß die Prozentziffern mit 98,90 Ja-Stimmen und 1,10 Nein-Stimmen die gleichen geblieben sind gegenüber den vor­herigen Zählungen. DieZahlderReichstags- fitze vermehrt sich durch diese Ergänzungswahl um 41.

Gudeiendeuifcher Dank an den Führer.

Berlin, 5. Dez. (DNB.) Die freudige Begei­sterung, mit der sich das Sudetendeutschtum zum Führer bekennt, fand ihren Niederschlag in einer Fülle von Telegrammen an den Füh­rer, in denen am Tag der sudetendeutschen Wahl das Gefühl der Dankbarkeit und Treue in tief emp­fundenen, oft rührenden Worten Ausdruck fand. In der großen Zahl dieser Telegramme finden sich auch solche von Sudetendeutschen, die fern der S) ei­nt a t den Wunsch hatten, den Führer außer dem freudig aögegebenen Ja-Zettel ihr Treuebekennt­nis darzubringen. So lautet ein Telegramm:Die Sudetendeutschen aus Paris stimmten in der Grenzstadt Saarbrücken mit 100 v. H. Ja. Sie grüßen in dankbarer Treue ihren Führer. Lcmdes- gruppe Frankreich." Aus Triest ging dem Füh­rer folgendes Telegramm zu:Mit einstimmigem Ja danken 158 Sudetendeutsche der Provinzen Triest, Goerz, Pola, Udine an Bord des Hapag-Damp- fersHavenstein" dem Befteier ihrer Heimat." In gleicher Weise wird das dankbare Treugelöbnis in einer weiteren Anzahl von Telegrammen laut, die die Sudetendeutschen im Ausland dem Führer sandten, mögen sie nun in Holland, in Ru - mänien oder in der Türkei ihren Aufent­halt haben. Noch viel größer ist die Zahl der Tele­gramme, die von Volksgenossen aus dem be­freiten Sudetengau beim Führer einliefen.

Oie Arbeit der GPLl. in Frankreich.

Oie Entführung des Generals von Miller vor dem pariser Schwurgericht. Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

E. F. Paris, 6. Dezember.

Am Montag begann vor dem Pariser Schwur- gepicht die erste Verhandlung des Strafprozesses gegen Nadia Vinikowa. Das ist die unter dem KünstlernamenPlewitzkaja" bekannte Frau des russischen Generals Skoblin, der am 22. September 1937 den Führer der in Frankreich in der Emigration lebenden früheren national- russischen Frontkämpfer, General von Miller, entführte und diesen aller Wahrscheinlichkeit nach der GPU. in die Hände gespielt hat.

Im Januar 1930 war der Vorgänger des Gene­rals von Miller, der erste Präsident des national- russischen Frontkämpferoerbandes, General Kutie- p o f s, auf ebenfalls geheimnisvolle Weife ver­schwunden. Man nimmt an, daß er nachts an Bord eines an der französischen Küste im Aermelkanal vor Anker liegenden Sowjetdampfers verschleppt wurde. Ueber die Entführung des Generals Kutie- poff, der am hellichten Tage in Paris in einem Taxi verschleppt wurde, hat man heute noch keinerlei Anhaltspunkte. Im Fall Miller aber hält die Staatsanwaltschaft in der Person der unter der Anklage der Mittäterschaft an der Entführung von Millers stehenden Plewitzkaia vielleicht doch den Schlüssel in den Händen zur Aufdeckung des Ent­führungskomplottes, dessen eigentliche Urheber hin­ter den sowjetrussischen Grenzpfählen zu suchen sind.

Die Methode ist in beiden Fällen dieselbe, Gene- rat Kutieposf wird unter dem Vorwande einer wichtigen Besprechung in ein Taxi gelockt und bleibt fett diesem Augenblick für immer ver­schwunden. Miller begibt sich auf Veranlassung seines Kameraden" Skoblin zu einem Stelldichein irn Passyviertel und kehrt nicht wieder zu­rück. Spuren der Entführung werden in betben Fällen so sorgfältig verwischt, daß der Gedanke an das Eingreifen einer internationalenGeheim- organisation" durchaus nahe liegt. Die beiden Gene­rale waren zarentreue Männer, Leiter einer bedeutenden nationalrussischen Organisation

und daher den Komintern ein besonderer Dom tm Auge.

Miller hatte am Tage der Entführung einem Kameraden in einer dunklen Vorahnuna einen Bries hinterlassen, in dem sich das Stell- dichein mit Skoblin bestätigt fand und worin Miller die Befürchtung eines ihm gestellten Hinter­haltes ausfprach. Auch in den Tagebuchnotizen der Plewitzkaia, die diese bei ihrer Verhaftung ver­nichten wollte, ist von Zeit und Ort des Stelldich­eins die Rede. Die Plewitzkaja spielte im Leben Skoblins, ihres dritten Mannes, eine fatale Rolls. Sie hatte den früheren Zarengeneral, der, nachdem er auf weißrussischer Seite gegen die Roten ge­kämpft hatte, plötzlich Tuchfühlung mit den Kommu­nisten nahm, zu Beginn der Revolution in Sowjet­rußland kennengelernt und war auch später in Paris seine Vertraute und Ratgeberin inpoli­tischen" Missionen gewesen.

Jetzt hebt sich im Pariser Schwurgericht der Vor­hang über den ersten Akt eines Dramas, dessen eigentliche Drahtzieher bestimmt nicht zu fassen fein werden. Man glaubt, daß General Skoblin sich gegenwärtig in Sowjetrußland aufhält. Die Polizei ist überzeugt, daß die Plewitzkaja von der Ent­führung Millers und wahrscheinlich auch von der Kutiepoffs sehr viel weiß: aber man hat wenig Hoffnung, daß die Angeklagte sich zu sensationellen Enthüllungen herbeilassen wird. Etwa fünfzig Zeu­gen sind geladen, darunter auch der ehemalige sozia­listische Innenminister Marx D o r m o y, der jedoch der Vorladung nicht gefolgt ijL Frau von Miller ist als Privatklägerin zu dem Prozeß erschienen, der etwa acht Tage dauern wird. Man erwartet, daß im Verlaufe des Prozesses wichtige Enthüllun­gen über die Tätigkeit der GPU. in Frankreich gemacht werden. Die Verhandlung am Montag be­schränkte sich auf die Vernehmung der An­geklagten, die natürlich alles rundweg ableugnete. Fest steht bereits, daß d i e Ali­bis, die sie während der Voruntersuchung an­gegeben hat, falsch sind.

Heute Unterzeichnung in Paris.

Oie deutsch-französische Erklärung.

MSenirovS Meise.

Berlin. 5. Dez. (DAV.) Ans Einladung der französischen Regierung begab sich der Reichs­minister des Auswärtigen v. Ribbentrop am Montag um 21.25 Uhr mit dem Rordexpreß zu einem kurzen Aufenthalt nach Paris, um dort wie bereits gemeldet eine die deutsch-franzö­sischen Beziehungen betreffende gemeinsame Erklärung zu unterzeichnen. Der Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop ist begleitet von einigen Herren des Auswärtigen Amtes und den Herren seines persönlichen Stabes. Zur Verabschiedung des Reichsaußenministers hat­ten sich u.a. auf dem Bahnhof Friedrichstraße eln- gefunden vom Auswärtigen Amt Staatssekretär Keppler, Unterstaatssekretär Woermann, sowie der Leiter der Dienststelle Ribbentrop, Ober­gruppenführer Lorenz. Von der französischen Botschaft waren der Botschaftsrat Graf Mont- bas und der ehemalige französische handelsmarine- mlnister Llbel, der zu einem kurzen Aufenthalt in Deutschland wellt, erschienen.

Das pariser Programm.

E. F. Paris, 5. Dezember.

Vor der Ankunft des Reichsaußenministers von Ribbenttop findet am Dienstagoormittag unter Vorsitz des Präsidenten der Republik, Lebrun, im Ely sie-Palast ein Ministerrat statt, der den deutsch-französischen Beziehungen und damit der gesamteuropäischen Lage gewidmet sein wird. Die Sitzung wird jedoch nur sehr kurz fein, da Außen­minister Bonnet sich zum Empfang des Reichs­außenministers an den Invaliden-B cchnhof begeben

wird. Am Dienstagmittag wird Ministerpräsident Daladier zu Ehren des deutschen Gastes ein Frühstück geben; »um 15.30 Uhr findet dann im historischen Uhrensaal des Außenministeriums die feierliche Unterzeichnung der deutsch- französischen Erklärung statt. Um 18.15 Uhr ist ein Empsan g der deutschen imb fran­zösischen Presse im Quai d'Orsay vorgesehen, anschließend merken Erklärungen über den Rundfunk die Bedeutung der Unterzeichnung der deutsch-französischen Erklärung erläutern. Abends wird Außenminister Bonnet zu Ehren des deutschen Gastes ein Diner im Quai d'Or­say geben. Für den Mittwoch sind ein Früh­stück, das das Comits France-Allemagne geben wird, und ein Diner in der Deut­schen Botschaft, das der Reichsaußenminister für feine französischen Gastgeber geben wird, vor­gesehen. Der französische Botschafter in Berlin, Coulondre, ist bereits am Montagvormittag in Paris eingetroffen.

In diplomatischen Kreisen erklärt man, ursprüng­lich sei beabsichtigt gewesen, daß sich entweder der französische Außenminister Bonnet zur Unter­zeichnung dieser gemeinsamen Erklärung nach Deutschland begeben werde oder aber der Reichsaußenminister von Ribbentrop nach Paris komme. Als der neue französische Bot­schafter Coulondre am 21. November sein Be- glaubigungsschreiden dem Führer überreichte, habe er den Vorschlag seiner Regierung unterbreitet, daß der Reichsauhenminister nach Paris komme. Am 23. November habe der französische Ministerrat e i n ft i m m i g die deutsch-französische Erklärung gutgeheißen. Die englische Regierung sei stets auf dem laufenden gehalten worden und habe diese Erklärung gefördert. Ein

Spechte.

Von Karl Scherer.

In dem Wiesental, durch das sich wie eine Silber- schlänge ein Bächlein windet, liegt ein kleines Dorf mit fchindelgedeckten Dächern. Die grünen, von drei Seiten herabschauenden Hügel schützen die wenigen Häuser gegen Sturm und Unwetter.

Der Wald der Hügellehnen ist nicht alt. Weiße Birken und graustämmige Föhren steigen die Rücken hinauf, darunter stehen buschige Aspen und Ma­chandelbäume mit schwarzen Quackelbeeren. Aus der grünen Wildnis ragt eine Stieleiche über alle Wivfel hinaus; der Förster schätzt ihr Alter auf mehr als zwei Jahrhunderte. Nun muß sie der Zeit ihren Zoll zahlen: am Mark des massigen Stammes frißt die Rotfäule; bis über Mannshöhe hat sich der meterdicke Schaft in eine Höhle verwandelt, zu der die Kinder flüchten, wen sie beim Beerensuchen das Gewitter Überrascht. Weiter oben klaffen Spalte und Risse, einige der knorrigen Dürräste sind heraus« gebrochen; in einem der schwarzen Löcher herbergt Rotbäckchen, der Grünspecht, und wer mit offenen Augen den Wald durchstreift, erkennt schon aus den Spänen und Splittern am Fuß des Stammes: da hat derZimmermann" gewirkt, der alle Kanten der rauhen Höhlung glatthobelt und poliert.

Der Grünspecht ist einer unserer farbenschönsten Waldvogel. Den Namen gab iym das feine Grün, das Rücken und Schwingen deckt; meist ein kräftiges Oliv-, nicht selten auch ein tiefes Smaragdgrün von starker Leuchtkraft. Das Männchen trägt einen hoch­rot leuchtenden Wangenfleck, der prächtig absticht gegen das schwarze Gesicht und das grüne Kleid.

Gerade steckt er das Köpfchen zum Baumfenster hinaus und hält nach allen Seiten Umschau; denn schon einmal hätte ihn hier fast der Marder er­wischt, der flink und lautlos am Stamm herauf­huschte, um die Winkel des morschen Baumes nach Eichkatzen zu durchstöbern, und auch vor dem Tau­benstößer und dem Sperber muß man sich hüten. Doch es ist alles still, und im Wellenflug schießt der Höhlenbewohner mit durchdringendem ,Kliah, Kliäh" durch die Wipfel der Höhe zu, wo die Bir­ken an hohe rotbraune Fichten grenzen. Dort ist sein Revier. Unter der fpliffigen Rinde der alten Bäume niftet der Borkenkäfer und der Splinttäfer,

und auch die zahlreiche Sippe des schwarzen Rüssel­käfers, der die Nadelholztriebe zernagt und dessen Larve die Wurzeln anfrißt, ist hier in Menge zu finden. Ruckweise rutscht der Baumläufer an einer alten Rottanne hinauf, die scharfen Nägel der Klet- terfüße geben sicheren Halt. Mit heißem Eifer zer- trommelt der meißelförmige Schnabel die Borke. In schrägen Schraubenlinien geht die Fahrt rund um den Stamm, immer höher hinauf. Bald be­decken Rindensplitter den Boden rings um den Fuß der Fichte, denn der Specht ist ein gewissenhafter Arbeiter der ganze Schaft, Ast vor Ast, wird ab­geklopft. Er weiß genau, wo er einschlagen muß, um eine Käferbrut bloßzulegen. Dann hämmert der stahlharte Schnabel in so rascher Folge gegen Borke und Holz, als ob ein Motor liefe. Die Ernte ist meist nur spärlich, der große Vogel aber braucht Diel, um satt zu werden. Darum fliegt er von Baum zu Baum und Überall findet er etwas: eine Nonne, die Puppe eines Kiefernspanners, die Raupe eines Eichenwicklers, die Eier einer Holzwespe.

Unter den Randbäumen des weiten Fichtenbe­standes, dicht am Wege, hat die Große Waldameise sich angesiedelt. Aus Tannennadeln und kleinsten Reisern regellos geschichtet, erhebt sich ein fußhoher Hausen, auf dem es von fleißigen Arbeitern krib­belt und wimmelt. Die einen schleppen Holzstück­chen, andere füttern die kleinen weißen Puppen und tragen sie in die Sonne, andere holen Fichtennadeln zum Nestbau herbei; alle aber sind von Sonnenauf­gang bis -niedergang in Bewegung. Zwischen den Bäumen fliegt ein großer Vogel umher.Torrr, Torrr", hallt es durch den stillen Wald, die Borke wirbelt in Stücken herab, denn wo der dunkle Gast mit seinen wuchtigen Schnabelhieben anklopft, wird ihm aufgetan.

Schwarz wie die Kohle ist sein Gefieder, den Scheitel krönt eine blutrote Haube. Jetzt hat er den Ameisenhaufen entdeckt, lüstern beschaut er von einem niedrigen Ast das krause Gewimmel, dann läßt er sich fallen, hüpft herzu, und schon fährt die lange Zunge in den Haufen hinein, wo er am dich­testen ift An dem speichelfeuchten Muskel haftet ein Dutzend der winzigen Kerbtiere. Die Zunge schnellt zurück und speichert die Beute im Kropfe auf, dann zuckt sie wieder vor, und das Spiel wie- 'dexholt sich, bis der Kehlsack gefüllt ist. Nun fliegt

der Schwarze zum Nistbaum, wo die Spechtfrau auf den vier weißen Eiern sitzt, die ganze Ladung wird ausgeleert und von dem hungrigen Weibchen gierig verschlungen.

Der Schwarzspecht ist derWaldgeist", der in Sage und Ueberlieferung eine Rolle spielt. Sein tiefschwarzes Kleid mit der feuerroten Kappe gibt ihm etwas Geheimnisvolles. Thor, dem Beschützer des Ackerbaues, flog er im Zucken der Blitze und im Nollen des Donners voran, wenn der Gott in dunklen Gewitterwolken über die Erde fuhr und die Saaten mit befruchtendem Regen erfrischte; in Finnland ist er noch heute derRegenbringer". Wenn er, der sonst in walddunkler Einsamkeit lebt, unversehens bei einer menschlichen Behausung auf» taucht, kündigt er den Tod an; im Märchen hütet er die Springwurz und verborgene Schätze.

Das Laub ist vergilbt, Schlangenmoos und Wurmfarn sind verdorrt, welke Blätter bedecken den Boden. Aus dem Wald kommt ein farbenfroher Vogel durch den herbstlichen Sonnenglanz in die Obstgarten der Bauern geflogen und untersucht mit klopfenden Schlägen Apfel- und Kirfchbäume der Buntspecht, der wie der Stieglitz die ganze Farben­palette des Schöpfers zeigt. Sein Geschäft versteht er: wenn er oben heftig gepocht hat, rutscht er flink um den armdicken Ast, um auf der Unterseite die flüchtenden Schädlinge auszupicken. Doch er ist nicht allein, ein Schwarm kleiner Vögel folgt ihm von Baum zu Baum, Kleiber und Goldhähnchen, Meisen und Baumläufer. Was will das kleine Volk bei dem großen Herrn, der sie gutmütig duldet? Sie leben von den Brosamen, die von dessen Tische fallen, und halten fleißig Nachlese.

So geht es Herbst und Winter hindurch. Wenn aber die erste Amsel flötet und die Schlüsselblumen treiben, kehrt er aus den Obstpflanzungen der Dör­fer zu den alten Buchen und Tannen zurück, und die Wälder hallen wider von der raftlofen Arbeit der großen Sippe der Spechte.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Heinrich Harmjanz, Ordinarius kür Volkskunde und Volksforschung an der Univer­sität Königsberg, ist in gleicher Diensteigen- schast an die Universität Frankfurt berufen worden»

Rätselraten, ein einträglicher Beruf.

In den Vereinigten Staaten gibt es einen Beruf, den man in keinem anderen Lande in der Welt kennt, den des Rätselraters, der sehr gut davon lebt Sehr viele amerikanische Firmen schreiben zu Re­klamezwecken regelmäßig Wettbewerbe aus, bei denen eine Anzahl Kreuzworträtsel, Rebus oder Scharaden gelost werden müssen und für die richtige Losung ein Preis ausgesetzt wird. Nur die Wett­bewerbe, die mit großen Preisen ausgestattet wer­den, haben einen Einfluß auf den Verkauf, so daß die Unternehmungen, die sich dieses Mittels bedie­nen, außerordentlich große Summen dafür auf- i wenden müssen. Oft genug sind die Kosten solcher | Wettbewerbe größer als der Nutzen, den die Firmen durch die Vergrößerung ihres Umsatzes haben, aber in der überwiegenden Zahl der Falle ergibt sich doch ein leichter Vorteil. Wenn dieser Weg einmal beschritten ist, dann ist die Firma gezwungen, dabei 'zu bleiben, weil sonst die Konkurrenten auf dem Markt erscheinen und ihn fortnehmen würden.

Das Publikum verfolgt mit großer Aufmerksam­keit alle Ankündigungen von Wettbewerben. Meist sind die gestellten Aufgaben jedoch sehr schwierig, so daß es bald die Geduld verliert ober falsche Lösun­gen findet oder auch irgendeine der sehr komplizier» ten Regeln für die Teilnahme nicht berücksichtigt, so daß es die Anwartschaft auf einen Preis verliert. Dagegen gibt es Rätsellöser, die daraus einen Be­ruf gemacht haben und deren Zahl man auf 40 000 schätzt, die alle Regeln von Grund aus kennen, ganze Archive für die Lösungen zu ihrer Verfügung haben und sich so auch in Fällen zurechtfinden, in denen es zwei verschiedene Losungen gibt; sie kennen auch die von den Mitgliedern der Preisgerichte bevor­zugten Rätsel. So gelingt es ihnen natürlich, den größten Teil der Preise zu erobern, die sehr ver­schiedenartig sind, bald in großen Geldsummen be­stehen, bald ein Luxusautomobil vergeben, manch­mal aber auch nur eine Zahnbürste stiften. Diese berufsmäßigen Rätsellöser haben ihre eigene Zeit­schrift und ihren Klub, in dem sie ihre Erfahrungen und Kenntnisse austauschen. Man schätzt, daß sie im Durchschnitt 5000 Dollar im Jahre bei diesem Geschäft verdienen, aber die geschicktesten unter ihnen sollen sogar auf 20 000 Dollar kommen.