Ausgabe 
6.9.1938
 
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Dollsbad-Schwimmhalle neu hergerichtet.

In den vergangenen Wochen hat die Schwimm­halle in unserem städtischen Dolksbad eine gründ« liche Ueberholung erfahren. Der Raum hat einen neuen Anstrich erhalten, die Kabinen wurden neu gestrichen, zum Teil wurden neue Isolierungen an­gebracht, auch die Duschräume wurden neu herge­richtet, so daß sich nun alles wieder in blitzblankem Zustand befindet. Die Kabinen haben außerdem schmucke Vorhänge erhalten. Die Sommerpause wurde außerdem dazu benützt, die Wasser-Reini- gungsanlage zu Überholen und dabei so zu ver­bessern, daß in Zukunft selbst bei stärkster Bean­spruchung des Schwimmbades ein hygienisch ein­wandfreies Wasser vorhanden sein wird. Selbstver­ständlich hat man es sich angelegen sein lassen, bei den Ueberholungsarbeiten durchweg Helle Farben zu verwenden.

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** Ein Achtzigjähriger. Der Arbeitsinoa- lide Johann Rotz, Teufelslustgärtchen 5 wohnhaft, begeht am morgigen Mittwoch, 7. Sept., in körper­licher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar, einem treuen Bezieher des Gießener Anzeigers, unseren herzlichen Glückwunsch.

** A u t o z u s a m m e n st o ß. Am gestrigen Mon­tagnachmittag ereignete sich an der Kreuzung Bis- marckstraße/Stephonstraße ein Zusammenstoß zwi­schen einem Lastzug der Reichsbahn und einem Per­sonenauto aus Gießen. Dabei wurde der Personen­wagen von dem schweren Lastkraftwagen mehrere Meter rocif über die Fahrbahn geschoben und erheb­lich beschädigt. Von den beiden Insassen erlitt einer einige Hautabschürfungen am Kopfe, der andere blieb unverletzt.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 26.8. bis 1.9. ein: gegen Kraftfahr- zeugführer mit 10 Anzeigen und 4 Verwarnungen und Belehrungen: gegen sonstige Fahrzeugführer mit 4 Anzeigen; gegen Radfahrer mit 3 Anzeigen, 7 Verwarnungen und Belehrungen.

Unsere Hitler-Jugend ist marschbereit!

Dorappell der Reichsparteitagteilnehmer.

100 Hitlerjungen aus dem Kreise Wetterau fahren nach Nürnberg.

Dom Bann 116 der Hitler-Jugend wird uns berichtet:

Am Sonntag sanden die Dorappelle der Reichsparteitag-Teilnehmer der Hit­ler-Jugend des Bannes 116 (Wet­terau) durch den stellv. Bannführer Volzing in Gießen und in Friedhera statt. Hundert H i t l e r j u n g e n des Kreises Wetterau werden om diesjährigen Reichsparteitag teilnehmen. Es sind dies alles Kameraden, die am Reichsparteitag 1938 m die Partei ausgenommen werden. Der Sonderzug, der unsere HiLerjungen nach Nürnberg bringen wird, fährt am Donnerstag, 8. September, 9.45 Uhr, ab Gießen.

Nürnberg i st bereit? Das Zeltlager Langwasser liegt vor einem Kiefernwald mit weit über 1000 Zelten, durchzogen von breiten Lager­stratzen, umstanden von Baumpflanzungen, verstreut über einen weiten Wiesenplan. Das Arbeitskom­mando des Arbeitsdienstes, das mit 40 Mann die Zelte errichtet hat, ist längst wieder abgezogen, und man muß schon sehr genau Hinsehen, um das HJ - Arbeitskommando von 100 Mannzusammenzube­kommen", das schon vor einigen Wochen ins Lager eingerückt ist und mit Unterstützung des Reichs­arbeitsdienstes den Lageraufbau durchgeführt hat. Es war keine Kleinigkeit, 1200 große Rechteckzelte und 160 Rundzelte aufzubauen, dazu 39 Sanitäter­stationen einzurichten, in denen 444 Aerzte und Feldschere die gesundheitliche Betreuung des halben Hunderttausend der Lagerteilnehmer durchführen werden.

Wenn Zahlen eine Vorstellung von dem Umfang der HI.-Zeltstadt geben können, dann mögen die folgenden Angaben dafür sprechen: 70 Waschanlagen in einer Länge von 3200 Meter sind im Lager verlegt und aufgestellt worben. Die Lichtleitungen haben eine Länge von über 13 Kilometer. Ein Netz von 120 Lautsprechern üb erzieht das Lageraelände, ein wichtiger Bestandteil für die Befehlsübermitt­lung, für An- und Abmarsch in und aus dem Lager. 12 Mikrophone können von den verschieden­sten Punktenbesprochen" werden. Die Telephon- zentrale allein verfügt über 8 Haupt- und 50 Neben- anichlüsse.

Der Hilfszug Bayern wird kochen? Die Ver­pflegung der gesamten Lagermannschaft erfolgt durch den Hilfszug Bayern der NSDAP., dessen hervorragend eingespielte Organisation ebenfalls wieder den 48 000 Hitlersungen von ßangroaffer Proben seiner Leistungsfähigkeit geben wird.

Das Zeltlager steht. Die letzten Handgriffe wer­den getan. Am 28. August sind die ersten Tausende angekommen, nämlich 5700 Sportteilnehmer, dazu 900 Jungen aus Fanfarenzügen. Zwei Tage später erschienen Spielmannszüge im Lager. Am 4. Sep­tember wurde vom Gebiet Berlin der Chor er­wartet, der bei der Jugendkundgebung im Stadion vor dem Führer fingen wird. Am 8. September

ziehen die 9000 Parteianwärter ins Laaer Sang» wasser ein, die auf dem Parteitag durch den Stell­vertreter des Führers, Rudolf Heß, vereidigt werden. Das Hauptkontingent der Hitlersungen, 22 200 Mann, reist am 9. September an.

Nürnberg wird wieder der Festtag innerpolitischer Macht sein. Massenkundgebungen, wie sie kein Land auf der Welt mobilisieren kann, bezeugen das poli­tische Bekenntnis der Nation. Jeder Mann und jede Frau, vereint zu einem Heer vieler Hunderttausende, sind in der alten Reichsstadt Abgesandte für Hun­derte und Tausende ihrer Orte, Dörfer und Städte. In ihrem Jubel ist das ganze Reich, und in chrem Herzschlag ist der Herzschlag der Nation. Nürn­berg ist das Bekenntnisse st des Glaubens unseres Volkes. Es ist zu­gleich Manifestation der militärischen Macht. Wenn über den alten Zinnen und Türmen Nürnbergs die Fliegerstaffeln brummen, und wenn die Panzer- roaaen auffahren und der Marschtritt der Infanterie dröhnt, dann erkennt in diesem Volksheer Deutsch­land seine Macht. Und es erkennt in ihm die sichere Grundlage seines politischen Standortes und seines Selbstbewußtseins vor der Welt.

Nürnberg erlebte dazu auch die geschichtliche Stunde der Verkündigung des Vierjahresplanes durch den Führer. Damals nahm der Führer jedem Deutschen eine große, unheimliche Sorge um die wirtschaftliche Sicherung ab. Geist und Arbeits­kraft wurden zu letztem Einsatz aufgerufen. Und mutet es nicht wieder wie ein Wunder an, was in diesem vor der Geschichte so geringen Zeitraum geschaffen wurde?? Das Bild der Technik und der Wirtschaft hat sich seitdem verändert. Deutschland ist, unter dem Zwang der Welt, wirtschaftlich ver­selbständigt worden.

Wir stehen am Vorabend des 6. Parteitages im nationalsozialistischen Reich. Er wird wieder seine Kraft über das Land verströmen und Widerhall in' jedem Deutschen finden. So stark sein Beweis innerpolitischer Macht ist, so deutlich sollte auch sein Anruf für die Welt sein: Hier steht ein starkes Volk, das seine Rechte ver­tritt. Es kann nur in Stolz und Würde leben, weil es an die Jugend denkt, die heute und morgen und übermorgen heranwächst?

Der Tag, an dem die Jugend vor ihrem Führer steht, ist der Tag ihrer großen Bewährungsprobe. Hier tritt sie vor diesem einen Mann und vor den Kämpen der Bewegung den Beweis an, daß sie in dem Jahre, das zwischen dem letzten Appell und dem neuen liegt, an sich gearbeitet fjat, um ihre Herzen und Hände für das Erbe vom 9. November bereit zu machen. Der Führer und feine Kameraden sehen bann, daß wir, ohne auf Erreichtem auszu- tuhen, immer straffer und noch disziplinierter, noch gläubiger und bereiter werden. Li.

©.Uport

Deutschland

beste Leichtathletiknation Europas.

Abschluß der Luropa-rNeislerschaflen in Paris.

Die zweiten Europa-Meisterschaften der Leicht­athleten sind vorüber. Sie haben uns das gebracht, was wir erhofften: Eine Bestätigung der Tatsache, daß Deutschland in der europäischen Leichtathletik unbedingt an der Spitze steht. Genau wie 1934 in Turin, haben unsere Vertreter auch diesmal sieben Titel nach Hause gebracht. Nach Leichum, Sutter, Harbig und Hein schmückte sich auch der Weltrekord­mann Willy Schröder am Montag mit dem Titel eines Europameisters. Und schließlich brachten auch unsere Sprinter und Mittelstreckler die beiden Staffeln über 4X100 Meter und 4X400 Meter an sich. Fünf Europa-Meisterschaften er­rangen die Finnen und vier die Engländer; dann folgen Schweden (3), Holland (2), Frankreich und Estland (je. 1). Auch in der inoffiziellen Länder­wertung liegen die Deutschen mit 103 Punkten ganz überlegen an der Spitze vor Finnland (78), Schwe­den (74) und England (53). Zu drei Erfolgen kamen am letzten Tag die bisher leer ausgegangenen Schweden, von denen B e x e l l den 'Zehnkampf mit 7 214 Punkten gewann, während sich Lars- s o n im 3000-Meter-Hindernislauf in 9:16,2 Min. nor Karndl (Deutschland) durchsetzte und Lund-- qvist mit 1,97 Meter den ersten Platz im Hoch­sprung belegte. Den siebenten Wettbewerb des letz­ten Tages holte schließlich der große englische Mittelstreckler Sydney Woodeyson, der die 1500 Meter überaus sicher in 3:53,6 an sich brachte. Vorher hatte der finnische Olympiasieger Sal- minen den fünften Titel für sein Laiw erkämpft, und zwar im 10 000 - Meter-Lauf, den er in 30:52,4 Minuten gewann.

Fußballkämpfe des Opfertages.

In Süddeutschland gab es eine Unmenge von Opfertagspielen. Sie waren fast alle ansprechend besucht und so dürften sie ihren Hauptzweck auch erfüllt haben.

In Hessen kam Fulda zu einem schönen Er­folg über Hersfeld (2:1), während Hanau gegen Friedberg (5:2) erfolgreich war. Im Treffen Kassel rechts" gegenlirfts" waren die Spieler von 03 und VC. Sport, also die Elf von rechts der Fulda, mit ß:0 erfolgreich. Der VfB. Groß-Auheim gab dem SD.' Steinheim mit 4:1 das Nachsehen.

Im Gau Südwest kämpften die Mainhessen im Zweifrontenkampf gegen Saarpfalz überaus er» olgreich. Die ^.-Mannschaft siegte in Frankfurt mit 4:1 und die B-Eli war in Saarbrücken mit 7:1 er« olgreich. Während aber in Saarbrücken das Ergeb­nis auch in dieser Höhe den Leistungen entsprach, kam in Frankfurt die saarpfälzische Vertretung etwas schlecht weg.

Im Gau Baden hatten die Gauliga-Spitzen­mannschaften gegen die Vertreter der Bezirksklasse auf der ganzen Linie schwer zu kämpfen. Der VfR. Mannheim bezwang in Heidelberg eine Stadtelf nur mit 4:3, der SV. Waldhof kam in Viernheim mit Mühe und Not zu einem 2:1-Sieg über eine Viernheim-Weinheimer Elf, und der Freiburger FC. siegte auch erst im Endspurt mit 3:1 über den FV. Lahr. Die Spvgg. Sandhofen mußte in Sand­haufen sogar eine 2:1-Niederlage einstecken.

In Württemberg schlug sich die Gauliga recht erfolgreich. Eine Gauauswahl kam in Reut­lingen zu einem 5:1« (3:1)-Sieg, der Meister VfB. Stuttgart siegte in Tübingen mit 4:0 und die Stutt­garter Kickers hatten in Heilbronn mit 3:2 das bessere Ende für sich. Auch SSV. Ulm, Ulm 94 und Stuttgarter SC. blieben siegreich, lediglich Union Böckingen mußte in Eßlingen eine glatte Nieder­lage hinnehmen.

Im Gau Bayern zeigte sich der FC. 05 Schweinfurt auch ohne Kupfer und Kitzinger einer Würzburger Stadtelf mit 5:1 überlegen. Eine zweite Würzburger Elf verlor in Kitzingen mit 2:3. Viel Glück entwickelte der VfB. Koburg bei seinem Gast­spiel in Bamberg, das er 4:3 gewann. Regensburg

schlug Ingolstadt mit 5:3 und Augsburg verlor gegen München mit 1:5. Eine zweite Augsburger Elf mar in Ulm mit 2:1 erfolgreich. Die Nürnberg« Fürther Stadtelf gastierte in Wien und verlor vor 12 000 Zuschauern glatt mit 1:5 (0:3) Toren.

Geländefahrt und Degenfechten.

Der Moderne Fünfkampf bd den JtS.-ßampf- spielen.

Am Sonntagnachmittag erledigten auf dem Trup« penübungsplatz Tennenlohe die Teilnehmer am Modernen Fünfkampf der Klasse B ihre 7,5 Kilo­meter lange Motorrad-Geländefahrt, die unge­heuere Anforderungen stellte und schließlich nur 13 Fahrer am Ziel sah. Vier tarnen fehlerfrei über die Strecke, aber nur drei ohne Strafpunkte, da der vierte Fahrer wegen Zeitüberschreitung mit Punk» ten belegt werden mußte. Es galt, Steilhänge zu überwinden, ein Geröllbett zu durchqueren und em sumpfiges Wiesenstück zu durchqueren. Einige der Fahrer blieben im Sumpf stecken, so daß der Wett^ bewerb für kurze Zeit neutralisiert werden mußte. Diele gaben, durch die Schwierigkeiten entmutigt, auf. Sieger wurde fit. Auhn (Luftwaffe) mit 0 Feh­lern in der hervorragenden Zeit von 16:07 Mi­nuten.

Am Montag gab es dann das Degenfechten. In rund sechs Stunden wurden die 561 Gefechte in der Klasse A abgewickelt. Als erfolgreichster Fechter er­wies sich ^-Ustuf. Hildebrandt (Berlin), der 23 Siege verzeichnete und damit in dieser Hebung die Platzziffer 1 erhielt. In der Gesamtwertung lag nach zwei Wettbewerben (Geländeritt und Fech­ten) ^-Scharf. Rhinow (Berlin) mit Platzziffer 8 in Front. Der beste Reiter, Pol.-OWM. Schlömp, konnte im Fechten nur Zwölfter werden und fiel dadurch in der Gesamtwertung auf den vierten Platz zurück.

Am Nachmittag erledigten die 22 Teilnehmer am Modernen Fünfkampf der, Klasse B das Degen­fechten. Leider mußte der Dorjahrssieger, Oblt. Scharte (Essen), wegen einer Drüsenentzündung auf die weitere Teilnahme verzichten. Als bester Fechter erwies sich Lt. Schultze-Petzold (Magdeburg) mit 16 Siegen, aber in der Gesamtwertung kam NSKK.-Stuf. Schultze (Schloß Hof) auf den ersten Platz.

Gießen Marburg - Wetzlar.

Sfäbfe-lBdffampf der Schützen.

Am gestrigen Sonntag wurde auf den Ständen des Schützenvereins Gießen wieder einmal der Städte-Wettkarnpf Gießen-Marburg-Wetzlar aus« gefochten. Die Städte stellten ihre besten Schützen, so daß es zu einem harten Ringen kam, das mit verhältnismäßig geringen Ringzahlen-Unterschiedon endete. Wieder einmal sicherten sich dabei die Gie­ßener Schützen den Sieg mit 2192 Ringen vor Mar«, bürg mit 2150 Ringen und Wetzlar mit 1924 Rin­gen. Geschossen wurde mit Wehrmanngewehr, 30 Schuß auf die 20er-Ringscheibe in drei Anschlags­arten. Gleichzeitig wurde um die Otto-Köster-Ge» dächtnis-Ehrenscheibe geschossen, die Georg Schil­ling (Gießen) errang.

Die besten Schützen des Städte-Wettkampfes Gießen-Marburg-Wetzlar waren: Appel, Gießen, 473 Ringe; W. Schilling, Gießen, 473; Gg. Schilling, Gießen, 459; K r u m p e n , Gießen, 453; Manegold, Marburg, 450; Dula, Marburg, 437; Kraft, Marburg, 437; Kraus, Marburg, 421; Henning, Wetzlar, 405; Briel, Marburg, 405; Hei­nen, Wetzlar, 396; Heller, Wetzlar, 396, Axt, Wetz­lar, 391; Dr. Wilhelmi, Gießen, 333; Jäger, Wetzlar, 289 Ringe.

23f8.<R. beim Internationalen Frauensportfest in Bad-Nauheim.

Eine hohe Ehre ist den Frauen des DfB.-R. zu­teil geworden. Die 4X100-Meter-Gaumeisterstaffel ist zum Nationalen Frauensportfest in Bad-Nau» heim am morgigen Mittwoch eingeladen. Die Staf­fel steht vor einer sehr schweren Aufgabe, denn als

Capriccio."

3m Gießener Gloria-Palast.

Einen Jux will er sich machen" mit diesem Nestroy-Zitat kann man den Eindruck zusaminensas- fen: Karl Ritter, einer unserer fähigsten, phanta- sieoollsten Regisseure, dem wirPatrioten",Ver­räter",Unternehmen Michael" undUrlaub auf Ehrenwort" verdanken, hatte sich oorgenommen, uns einmal ganz leicht und locker, ganz heiter und unbeschwert zu kommen, nur mit Ulk, Ironie und Parodie aufzuwarten, als ob er sich eine Entlastungs­pause habe gönnen wollen zwischen jenen großen und ernsten Filmen, die wir genannt haben, und dem nicht minder großen und ernstem Kriegsflieger- FilmPour le m^rite", an dem er eben arbeitet. Er inszenierte dieses Capriccio mit einem äußeren Aufwande und mit einem Einsatz stilistischer Mittel, die beinahe schon zu bombastisch anmuten für ein 1° kapriziöses Thema. Das kommt daher im Ge­wände der großen Oper und der barocken Komödien des 17. Jahrhunderts, das klingt manchmal und sieht sich an, als habe die Spielleitung, die hier nichts ernst nimmt und all und jedes durch die parodistische Brille sieht, selbst den aus zahllosen Filmen bekannten Historien-Stil der Ufa parodieren wollen. Bestürzend und verwirrend ist bas Tempo, bas Ritter angeschlagen und bis zum Ende durch­gehalten hat, verblüffend die an den unmöglichsten Stellen auftauchenden klassischen Zitate: auch in der non Alois Melichar spritzig und temperament­voll instrumentierten Musik, zu der Franz Bau­mann Gesangstexte lieferte. Das Drehbuch schrie- ben der Dramatiker Felix Lützkendorf und s et l ri *G r ' un& es W ziemlich aussichtslos, ten Inhalt zu erzählen, den Gang der Handlung, der sich in der ©tegreifmpnier der commedia dell arte entwickelt und immer wieder in -Musik und Tonz verflüchtigt, an den Höhepunkten sogar in regelrechte Opernpartien aufgelöst wird. Abenteuer eines jungen Herrn, der eigentlich eine junge Dame 'st- das wäre etwa das Stichwort für einen stür­mischen Szenenwirbel, in d-m sich alles entfaltet was die Ufa an Personal, Kostüm und Architektur bei solchen, meist freilich ernsteren Anlässen eituu« Mjen pflegt. Ausgeprägt filmisch daran ist der schnelle Schauplatzwechsel, die Verwandlung einer tfigur in eine andere, der hübsche Einfall mit dem sprechenden und singenden Buche, mit dem im Rah­men lebendig bewegten, aus dem Rahmen leibhaftig heraustretenden Porträt. Einmal geht es, wie nicht verschwiegen werden soll, hart an die Grenzen des

guten Geschmacks (in der Hochzeitsszene mit der vertauschten Braut), anderes, wie die große paro­distische Arie der ausgezeichneten Kabarettistin Kate Kühl, wirkt unwiderstehlich aufs Zwerchfell. Lilian Harvey, inmitten des übermütig ausgelassenen Wirbels, ist die junge Dame, verkleidet als pagen» hast schlanker Junker in Stieseln, trinkend, tanzend, singend, reitend, boxend, fechtend auf Tod und Leben mit gefährlicher Linksauslage, immer auf der Flucht, voller Angst, voller Verlegenheit und in die Enge getrieben, zuletzt aber wieder ein zartes, zärt­liches und ein wenig kokettes Fräulein, das nach vielen Umwegen endlich den Richtigen findet: er heißt Viktor Staat And ist ein seriöser, ritterlicher Kavalier. Aribert Wäscher dagegen erscheint als gewaltiger Polizeipräfekt, ein bombastischer Falstaff mit barock ausladenden Gebärden; Paul Kemp serviert, episodenhaft auftauchend, treffsicher die komischen Dialogpointen; Ursula Deiner! und die Geschwister Margot und Hedy Höpfner geben ihren Szenen die tänzerische Beschwingtheit, die ein Lebenselement des ganzen Spieles ist.

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Im Vorprogramm läuft die neue Ufa-Wochen- fchau mit Bildern vom Staatsbesuch Horthys, der Taufe des PanzerkreuzersPrinz Eugen" und der' großen Fottenschau. Hans Thyriot.

Wunderliche Naturgeschichte.

Bon $. Hansen.

eo das^ Stachelschwein gejagt wird, bringt es mit seiner Stimme zuwege, daß alle anderen seines­gleichen sich zusammenrotten, ihren Balg erschüttern und zu den Jägern ganz trutzlich mit ihren Stacheln schießen. Ist auch seiner Schüsse ganz und gar ge­wiß ..."

oo berichtet Konrad Geßner in seinem 1606 in großer Auflage erschienenen illustriertenTierbuch" unter anderem, was nicht weniger ergötzlich zu lesen, aber ebenfalls würdevoll ernst gemeint ist. Und in einer noch im 19. Jahrhundert verbreitetenNatur­geschichte" berichtet Raft von der List des Fuchses: ... Der Fuchs nähert sich dem Wespennest, das er ausnehmen will, nicht mit der Schnauze, sondern mit dem Schwänze. Die Wespen versuchen, ihren ^eind zu stechen und verwickeln sich dabei in die langen dichten Schwanzhaare. Der Fuchs peitscht nun mit dem Schwanz die ganze Wespenladung gegen einen Baum, damit die darin hängenden Wespen getötet werden und fährt so fort, bis er alle Bewohner de» Nestes tot beieinander hat und

sie in Ruhe auffressen kann."

Wir lachen. Doch den Verfassern, die damit zur Aufklärung des unwissenden Volkes beitragen woll­ten und sich sehr wissenschaftlich oorkomen, war es ernst mit ihrer Gelehrsamkeu. Weft kurioser aber sind die zoologischen Ansichten der antiken Wissen­schaft. Einige Proben klassischen Jägerlateins seien hier gegeben.

Don der Spitzmaus weiß man im Altertum zu berichten, daß sie zwar ein gewandtes Tier sei; käme sie aber in eiji Wagengeleise hinein, dann bliebe sie wie gebannt darin und ginge zugrunde. Als ein Tier höchst seltsamer Art, stark durch ma­gische Kräfte, wird allgemein die Hyäne von den alten Schriftstellern angesehen. Man sagt ihr aud) nach, daß sie sich beliebig in Männchen ober Weib­chen verwandeln könne. Außerdem weiß Plinius zu berichten, daß Hunde vor Schrecken stumm wür­den, wenn nur der Schatten einer Hyäne auf sie fiele. Eines antiken Dtünchhgusen würdig erscheint der Bericht über einen Löwen.Seine Haupt- krankheit", so schreibt Plinius,ist die Langeweile. Doch wird er von ihr durch die Assen geheilt. Sie treiben nämlich allerhand Possen vor seinen Augen, worüber er sich dann so ärgert, daß er sich aus sie stürzt. Nachdem er ihr Blut gekostet, fühlt er sich wieder wohl." Vom Luchs glaubte man, daß er nicht nur Edelsteine, sondern auch Gold erzeugen könne. Aelianus entdeckte neue Eigenschaften an den Mäusen, die er seinen Zeitgenossen als Muster vor­hielt. Er schreibt darüber:

Im Pontus liegt ein dem Herakles gehöriges Eiland. Die dortigen Mäuse verehren alle den Heros und was ihm geweiht ist. Nun befindet sich dort auch ein dem Herakles gehöriger Weinstock, dessen Trauben die Priester für ihre Opfer verwenden. Sobald die Trauben zu reifen beginnen, verlassen bte Mause die Insel, um sich nicht der Versuchung auszusehen, an den Früchten zu naschen. Solche Beherrschung sollten sich die Menschen zum Muster nehmen." Hier mischen sich richtige Beobachtungen seltsam mit falschen Schlüssen. Denn nie klettern Mause auf Weinstöcke, um Trauben zu naschen; daß aber die Mause im Herbst die Insel verließen, hatte seinen Grund darin, daß sie bei den Menschen auf dem Festlande besser überwintern konnten als im kalten einsamen Tempel, den nur zwei Priester betreuten. .

Don Wildschweinen schreibt Tenophon, daß sie bei ernstlicher Verfolgung ihre Hauer mit solcher Wucht aneinander wetzen, daß sie vor Hitze rauchten und die zupackenden Hunde es vor Glut nicht mehr in ihrer Nähe aushielten. Don den Hirschen aber wußte man zu berichten, daß sie Todfeinde der Schlangen waren

und die Reptilien in ihren Höhlen aufsuchten, wo sie sie töteten, indem sie das Gezücht durch tiefes Einatmen heraussaugten und dann mit den Hufen zerstampften ...

rooZahre Blutgericht in Königsberg.

Im Herbst dieses Jahres feiert dasBlut­gericht" in Königsberg fein 200jähriges Bestehen. Unter den vielen Besuchern, die je in Ostpreußens Landeshauptstadt wellten, gibt es wohl keinen, der nicht wenigstens einen Blick in diese romantischste Gaststätte der Provinz geworfen hätte. So mancher hat es bei diesem Blick nicht bewenden lassen, son­dern hier unten, in den Gewölben des ehrwürdigen Ordensschlosses, besinnliche, meist wohl auch feucht­fröhliche Stunden verlebt. Zwar klingt der Namen gruselig, aber vielleicht sitzt cs sich gerade deshalb zwischen den mete.rdicken Kellermauern, unter den niedrigen Wölbungen der wuchtigen, altersdunklen Decke, vor den kunstvoll geschnitzten Riesenfässern be­sonders gutr so gut, daß schon so mancher den Aufbruch vergaß. Im übrigen ist es nicht einmal er­wiesen, daß an dieser heute so gastlichen Stätte je­mals blutige Gerichtsbarkeit ausgeübt worden ist.

Hochschulnachrichten.

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den ordentlichen Professor der Universität Kiel Dr. Otto Höfler zum 1. Df» tober in gleicher Diensteigenschaft an die Universi­tät München berufen und ihm die Professur für Germanische Philologie und Volkskunde verliehen. Otto Höfler, 1901 in Wien geboren, begann seine Laufbahn 1928 als Lektor an der Universität Upsala. 1932 wurde er Privatdozent in Wien, 1934 folgte er. einem Ruf als o. Professor für Germanistik an der Universität Kiel. Höfler hat sich mit einem Buche über .Kultische Geheimbünde der Germanen" (1934) bekannt gemacht.

Der Führer und Reichskanzler hat den Dozen- ten, n.b. a. o. Professor, Oberarzt Dr. Arnold P a sow, unter Berufung in das BeamtenoerhaltniF zum ordentlichen Professor ernannt. Mit Wirkung vom 1.6.1938 ist ihm an der Universität Würz­burg die freie Planstelle eines ordentlichen Pro« feffors für Augenheilkunde verliehen worden. Gleich­zeitig hat ihn der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zum Direktor der Augenklinik und -Poliklinik der Universität Würz­burg ernannt.