Ausgabe 
6.9.1938
 
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Gegner stellen sich die Deutsche Nationalstaffel K-- und 8'Mannschaft, sowie die Meisterstoffel der Ein­tracht Frankfurt a. M. Die Frauen müssen also in Hochform sein, wenn sie ehrenvoll abschneiden wol­len. Es ist unbedingt erforderlich, eine gute Zeit zu laufen, denn an einen Erfolg kann man kaum glauben. Die Staffel läuft mit Luise Weber, Else Ludwig, Lotti Diehl, Elfriede Schmidt. Heber 100 Meter läuft Lotti Diehl. Heber 200 Me­ter Else Ludwig. Erna Repp wird Speerwerfen und Elfriede Schmidt und Gertrud Muhl sind beim Diskuswerfen vertreten.

Das Fachamt Handball bei den Opferspielen.

Klein nur war dos Programm der Handballer, mit dem sie am Opferspieltag aufwarteten. Aende- rungen in der ursprünglich vorgesehenen Folge, kurzfristige Absagen usw. machten es notwendig, daß verschiedene Treffen abgesetzt werden mußten. Es ist ober vorgesehen, diese schon am nächsten Sonntag nachzuholen, um wenigstens alle verfüg­baren Einheiten einzuspannen.

Die Treffen, deren Ausgang bis jetzt bekannt ist, haben einen vollen Erfolg gebracht. Nicht nur in 'rein sportlicher Beziehung, sondern auch in finan­zieller Hinsicht. Es war im Gegenteil fo,\ daß eine ganze Reihe von Vereinen die Spiele dazu benutzt hoben, um die Neu-Aufstellungen auszuprobieren und sich für die kommende Runde zu rüsten. Diese Versuche haben zweifellos gute Ergebnisse gezei­tigt und dazu beigetragen, die seitherige Unenb schlossenheit Hinwegzuräumen.

Tv. Lützellinden Tv. Hörnsheim 7:9

Tj)- Hochelheim To. Dornholzhausen 11:9 To. Atzbach Tv. Garbenheim 5:10 To. Katzenfurt W.-Niedergirmes 9:5 Tv. Katzenfurt Jgd. W.-Niedergirmes Jgd.

16:4.

Für viele wird der Ausgang des Lokalkampfes in Lützellinden überraschend kommen. Er geht aber in Ordnung, wenn man weiß, daß die Gäste erst-' malig seit langer Zeit wieder einmal eine spielstarke Einheit zur Stelle hatten und daß gerade Lützel­linden eine Anzahl neuer Kräfte ausprobieren wollte. Das Spiel selbst war sehr schön und sah auch spannende Momente. Hochelheim gab eine recht gute Antrittsoorstellung. Die Mannschaft war in Ordnung und konnte ihr Spiel verdient gewin­nen. Ätzbach war vollkommendaneben" und gab nur einen sehr schwachen Gegner ab, während Garbenheim, verstärkt antretend, eine gut zusam­menspielende Mannschaft zur Stelle hatte. Nau­born hielt sich gegen die sehr spielstarken Münch- holzhäuscr recht' gut und verlor nur knapp 9:12. Katzenfurt bewies erneut seine ausgezeichnete Form und siegte wie es wollte. Auch die Jugend war ihrem Gegner um eine Klasse überlegen.

Teutonia Steinberg I. - Leihgestern/Sroßen-Linden 7:1.

Eine stattliche Zuschauermenge hatte sich gestern auf dem Teutonen-Platze eingefunden, um Zeuge eines schönen Spieles zu sein. Die Kombinierten- er­füllten nicht ganz die Erwartungen, die man in sie gesetzt hatte. Wohl waren sie alle mit großem Eifer bei der Sache und versuchten immer wieder, die Steinberger Abwehr zu überrennen, doch vergebens. Es mangelte eben an dem gegenseitigen Verständnis.

Anders dagegen war es bei den Teutonen, die gestern wieder einmal fast alle Spieler zur Verfü­gung hatten. Oft wurden Schulbeispiele an Kombi­nation gezeigt. Hauptsächlich Lang fiel hierbei auf. Schiedsrichter war Zitzer (Gießen).

Schon in der vierten Minute fiel das erste Tor. Haas umspielte die Verteidigung und sandte un­haltbar ein. Unentmutigt griffen die Gäste weiter an. Die Platzbesitzer behielten aber das Heft in der Hand. Lang war es vergönnt, in der 20. Minute ein wei­teres Tor zu erzielen. Arnold auf der Gegenseite konnte in der 30. Minute Happel schlagen. Angefeuert durch die zahlreichen Anhänger kämpften die Kom­binierten verbissen um den Ausgleich, doch sollte er ihnen nicht gelingen! Der gefährlichste Stürmer Ar­nold mar gut bewacht, und konnte nicht zum Zuge kommen. Allmählich erkämpften die Teutc en wie­der eine kleine Heberlegenheit und wiederum war es Lang, der in der 37. Minute ein weiteres Tor erzielte.

Kannst du zurück, Dore?

Vornan von Hedda Lindner.

Copyright by Earl Dunrfer Verlag, Berlin W 35.

7. Fortsetzung (Nachdruck verboten!)

In ihrem hübschen warmen Zimmer sitzen mit einem guten Buch, während draußen der Regen gegen die Fenster prasselte, das hatte sie sonst durch den Gegensatz immer besonders behaglich gefunden. Heute hielt sie diese Ruhe und Stille einfach nicht aus. Sie lief in ihr Schlafzimmer, zog sich ein Paar herbe Schuhe an, nahm Regenmantel und Kappe' und lief in den Wald. De; Regen schlug gegen ihr Gesicht, der Wind zerrte in plötzlichen, heftigen Stößen an ihrem Mantel, es störte sie nicht. Im Gegenteil, sie empfand es wohltuend, sich körperlich anstrengen zu- müssen, es lockerte etwas den dumpfen Druck, der auf ihr lag.

So ging es nicht weiter. Hier in der Einsamkeit des regennassen Waldes versuchte Dore sich ehrlich Rechenschaft zu geben, was eigentlich mit ihr los war.

Das Ergebnis dieses Versuches war niederschmet­ternd. Es war die Erkenntnis, daß sie nun nach gut vier Monaten immer noch nicht die kleine Episode überwunden hatte, die Gerald Hilger hieß. Es war sicher nur das Hngewöhnliche dieser ganzen Sache daran schuld, daß ihre Phantasie sich immer noch damit beschäftigte, aber dennoch, es mußte etwas geschehen.

Hnd zwar etwas so Gründliches, daß ein für alte­rn gl diese unbequeme Erinnerung ausgeschaltet wurde. Etwas, das sie zwang, ihre Gedanken aus anderes zu lenken, etwas, das ihr Pflichten gab und sie dadurch ausfüllte.

Hnd wenn man die Erinnerung an einen Mann auslöschen will und muß, so ist das beste Mittel dazu ein anderer Mann.

Zwei Tage nach diesem Waldspaziergang verlobte sich Dore Orivius mit Dr. Rudolf Niemeyer.

In den ersten vier Wochen ihres Brautstandes war sie felsenfest davon' überzeugt, das einzig Rich­tige getan zu haben. Rudolf war ein sehr aufmerk­samer Verlobter und widmete ihr viel Zeit. Bis auf zwei Tage der Woche, an denen sie selbst durch ihren englischen Klub in Anspruch genommen war, ver­brachte er fast stets die Abende bei Bertrams. Manchmal musizierte man ein wenig, Dore hatte

Genau wie in her ersten Halste, begannen die ®äfte auch die zweite Halbzeit mit schnellen Angriff fen, ohne jedoch zu Erfolgen zu kommen. Ungefähr 10 Minuten waren gespielt, als wieder Lang zum vierten Tor einsandte. Don diesem Zeitpunkt an stand der Sieg endgültig sicher und das Spiel ver­lor an Reiz. Trotzdem fielen noch drei Tore, von denen Buß das erste in schönem Alleingang erzielte. Eine feine Kombination des gesamten Sturmes be­endete Däublin mit feinem Flachschuß. Das letzte Tor brachte noch Lang auf fein Konto. Steinberg verließ als verdienten Sieger den Platz. Den Gästen ge­bührt ein Gesamtlob für ihr aufopferndes Spiel. Teutonia Jugend Grohen-Linden Jgd. 4:3 (2:1).

Das Ergebnis bedeutet eine Heberraschung. Man hätte es der Jugend nicht zugetraut, diesen Gegner zu schlagen.

Fußball ber Hitler-Zugenb.

o Gef. 4/118 Gef. 3/116 5:0 (1:0).

Wie man es vermuten konnte, ist es der Fußball-' mannschaft der Gef. 4/116 gelungen, die Mannschaft der Gef. 3/116 überzeugend zu schlagen. Man sah einen in der ersten Halbzeit ausgeglichenen Kampf, der erst seine Wendung nahm, als kurz vor Halb? zeit der Rechtsaußen der Gef. 4/116 den Führungs­treffer schoß. Mit diesem Ergebnis ging man in die Halbzeit.

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit gingen die 4/116er zum Generalangriff über. Doch auch die Fußballmannschaft der Gef. 3/116 versuchte dies, doch ihre Angriffe scheiterten an der ausgezeichneten Läuferreihe und Verteidigung des Gegners. Der beste Mann bei der Gef. 4/1'16 war Kraft, während es bei der Mannschaft der Gef. 3/116 Schlitz war.

Die Gesos 4/116 bestritt das Spiel in nachstehen­der Aufstellung: Walter (Mtv.); Ludwig (VfB.-R.), Knaus (vereinslos): Fiedler (1900), Kraft (1900), Möckel (Mtv.): Stork (1900). Cawein (VfB.-R.), Theis (1900), Kraft II (1900), Bötz (1900).

Gau-preisschießen im TlS.-Marinebund.

Wie alljährlich wird auch in diesem Jahre im NS.-Marinebund das Schießjahr mit einem Preis - schießen in den einzelnen Gauen abgeschlossen, ein­mal, um den Leistungsstand innerhalb der Kamerad­schaften festzustellen, und zweitens, um die besten Mannschaften zu ermitteln. Als Preise sind vom NS.-Marinebund Gewehre und Munition ausgesetzt. Eingeteilt sind die Kameradschaften in Schieß- gruppen. Aus dem Stärkeverhältnis der Kaknerad- schaften ergibt sich die Größe der zu stellenden Mannschaft. Bei der Bewertung wird nicht nur die Schießleistung der Mannschaft beachtet, eine wesentliche Rolle spielt die Beteiligung der gesamten Kameradschaft am Schießstand. Die Mannschaften der Marinekameradschaften einzelner Städte werden zusammengezogen und schießen unter dex Leitung des Gauschießwartes. So schossen gestern auf den Ständen des Schützenvereins Gießen die Marine­kameradschaften Siegen, Dillenburg, Wetz­lar, Marburg und Gießen. Die Mann­schaft der Marinekameradschaft Gießen setzte sich zu­sammen aus den Kameraden: Knapp, Stauf}, Heß, Althof, Paulus, Eckhardt, Heinemann, Koch, Haber­land, Bcnderath.

Dank der fleißigen Jahresarbeit des Schießwortes Kamerad Benderoth gelqng es der Gießener Mannschaft, sich mit einer Durchschnittsringzahl von 37 für den Einzelschützen an die Spitze der in Gießen schießenden Mannschaften zu setzen. Bester Schütze war der Schießwart Heinrich Benderoth (Gießen) mit46 Ringen, der auch bereits im Vor­jahre unter den 12 besten Schützen des Gaues Hessen zu finden war.

Kraftwagen ranifte fünf Radfahrer um.

Lpd. Biedenkopf, 5. Sept. Bei der Begeg­nung mit einem entgegenkommenden Wagen geriet ein Kraftwagen aus dem Ruhrgebiet auf der Straße nach Gladenbach zu weit nach rechts und fuhr in eine Gruppe von fünf Radfah­rern. Alle fünf kamen zu Fall. Drei von ihnen er­litten fo erhebliche Verletzungen, daß sie in die Mar­burger Klinik gebracht werden mußten. Die Fahr­räder wurden total zertrümmert.

eine hübsche Altstimme, und er spielte recht gut Kla­vier, manchmal saß er mit Bertram am Schachbrett, und sie handarbeitete, oder auch man unterhielt sich zu britt über alle möglichen Tagesfragen. Und vor allem war nun ein Mensch da, der sie jeden Tag in Anspruch nahm, es war eine Wirklichkeit vorhanden, die ihrer Phantasie nicht mehr erlaubte, sich in Träume zu verirren.

In diesen ersten vier Wochen glaubte Dore sich völlig glücklich und zufrieden.

Wer weiß, vielleicht hätte sich alles ganz ord­nungsgemäß entwickelt, wenn im Dezember dieses Jahres nicht sehr viel Schnee gefallen märe, so viel, daß auch die Kurorte des kleinen Riittelgebirges gute Sportmöglichkeiten boten. Das brachte Nie­meyer auf die unglückselige Idee, seiner Braut einen Schiausflug vorzuschlagen, weil er auf diese Weise mehr mit ihr allein zu sein hoffte. Don diesem Alleinsein erwartete er vor allem, daß sie etwas mehr aus der Zurückhaltung herausgehen würde, die sie bei aller Liebenswürdigkeit ihm gegenüber zeigte. Sie war schließlich schon einmal verheiratet gewesen zu ihm war sie scheu wie ein unerfah­rener Backfisch.

Hnd vor allem hätte er gern diese Reise benutzt, um über den Zeitpunkt der Heirat zu sprechen: bisher war sie der Festsetzung eines bestimmten Ter­mins immer ausgewichen.

Dore war gern zu dem Ausflug bereit, obwohl ihr wintersportliches Können sich auf Schlittschuh­laufen beschränkte. Programmgemäß fuhren sie zu­sammen los.

Nach ihrer Ankunft gingen sie zuerst auf die Schi­wiese, Dore zu Fuß, um sich die Sache anzusehen. Niemeyer trug seine Schier auf der Schulter und sah in seinem blauen Norwegeranzug sehr sportlich aus. Er war auch fein schlechter Läufer, nur ziem­lich aus der Hebung, und leider verleitete ihn die Eitelkeit, vor einem kurzen aber (teilen Abhang >u sagen:Warte, bitte, einen Augenblick, ich will rasch "eine kleine Schlußfahrt machen." Während er die Schier anschnallte, kletterte Dore seitlich an einer bequemen Stelle etwas hinunter, um besser schen zu können.

Er stieß sich ab, Hatte aber wohl das Tempo nicht richtig berechnet, jedenfalls kam er aus dem Gleich­gewicht, ruderte wild mit den Stöcken durch die Luft, aber es half nichts. Dore (ah nur noch auf- stiebenden Schnee, aus dem Schier, Arme und Beine abwechselnd hervorragten. Dann lag er schließlich in einer umfangreichenBadewanne".

Sie lief eilig hinterher, wenn es auch jtmas mühsam war, aber immerhin reichte der Schnee

Vorhang ans! Oie Spielzeit beginnt!

Vorschau aus die (Spielpläne der Berliner Theater.

Berlin, Ende August.

Der Beginn der Spielzeit steht nahe bevor, die Berliner Theater haben ihre Spielpläne bekannt­gegeben, die Proben zu den ersten Aufführungen Haden begonnen. Was werden die Berliner Bühnen bringen?

Am wenigsten ist von dem künstlerischen Vor­haben der beiden Staatslheater (Schauspiel­haus am Gendarmenmarkt und Kleines Hays) unter dem Intendanten Staatsrat Gustaf Gründgens bekannt. Lothar Müthcl hat kürzlich bekanntgege­ben, daß er GrillparzersKönig Ottokars Glück und Ende" einstudieren wolle, außer dem dürfte eine Aufführung von Shakespeares Romeo und Julia" durch Jürgen Feh­ling mit Gründgens als Romeo und Käthe Gold als Julia ein außergewöhnliches Ereignis bedeuten, das vielleicht eine ebenso starke An­ziehungskraft ausstrahlen wird wie Müthel.- H a m l c t" - Inszenierung, die nun schon weit über die hundertste Aufführung bei immer ausverkauf­tem Hause erlebt hat.

Heinz Hilpert, der zwei benachbarte Bühnen leitet, das Deutsche Theater und die Kam­mer spiele, stellt das große klassische Schauspiel an die Spitze seines Programms: Shakespeares Othello" undCymbeline", Goethes Faust", dessen beide Teile an einem Abend ge­spielt werden sollen, undStella". Daneben die neuzeitlichen Dichter: Gerhart Hauptmann (Bo­gen des Odysseus"), Emil Strauß (mit feinem 1914 geschriebenenDon Pedro"), Max Melis Spiel von den deutschen Ahnen", Hjalmar Berg- m a n 5Der Weber von Bagdad", Dh ünen s Die Sonne Irlands", Penzo 1 bts Komödie So war Herr Brumme!", Juliane Kays Ehe­lustspielDer Birnbaum", das Schauspiel des su­detendeutschen Dramatikers F r a n ch ySumma cum laude", undMensch und Hebermensch" von Bernhard Shaw. In den Kammerspielen nimmt die ausländische Komödie einen weiten Raum ein: Balzacs fast unbekannte KomödieWir haben alle Schulden" in der Neubearbeitung/durch Wolfgang D r e w s , den Dramaturgen der Hilpert- schen Bühnen, zwei Komödien des Engländers Maugham und das LustspielFamilie" von Denis A m i e I.

Das Schillertheater, das während des letz­ten Jahres umgebaut ist, wird in dieser Spielzeit als die Bühne Heinrich Georges eröffnet werden. GoethesU r g ö tz", ShakespearesHeinrich IV." (beide Teile), CalderonsRichter von Zala- m e a" repräsentieren in diesem Hause das klas­sische Drama. Zwei Uraufführungen sind vorge­sehen: des Berliner Schausvielers Ernst Legal Gott über Göttern" und DaradysGeschöpfe Gottes". IbsensB ran d" tritt als selten gespieltes Werk der neueren Bühnendichtung hinzu.

Generalintendant Eugen K l ö p f e r leitet zwei Bühnen, die Volksbühne am Hör st-Wes­sel-PI atz und das Theater in der Saarlanb- straße. Die Volksbühne kündet an: Hanns Godf ch' SchauspielDer Thron zwischen den Erdteilen", des Ungarn Imre M a d a chDie Tragödie des Men­schen" (der ungarischeFaust"), Hauptmanns Fuhrmann Henschel" und AnzengrubersKreuzl- schreiber". Als Uraufführung wird Sigmund GraffsDie Prüfung des Meister Tilmann" er­scheinen. Das Theater in der Saar­land st raße ist bis auf BüchnersWoy- zek" dem ^gepflegten, wertvollen Lustspiel Vor­behalten. Wir finden als deutsche Uraufführungen des Ungarn Kalman von CsathoMeine Tochter tut das nicht" und des hier schon bekannten Polen NiewiarowiczDer Manager". Daneben stehen Shaws historische KomödieCäsar und Kleopatra", Z u ch a r d t sFrisch verloren halb gewonnen" undDer Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare auf dem Spielplan.

Das Komödienhaus am Schiffbauer- damm kündigt das stets erfolgreiche Schauspiel Revslutionshochzeit" von Michaelis und CaillavetsDer König in Paris" in der Be­arbeitung von Viktor d e K o w a an. Das R e -

naiffance Theater verspricht zunächst IbsensFrau vom Meer", das KleineThea» t e r Unter den Linden Nicodemis bekannte Ko­mödieScampolo", das Theater a m Kur­fürstendammGroßer Mann privat" von Ha­rald B r a t t.

Nur ein kleiner Ausschnitt aus den umfangreichen und sehr vielseitigen Spielvorhaben der Berliner Bühnen. Ader auch er mag zeigen, daß sich die hie* sigen Theater nicht engstirnig von dem europäischen Theaterwesen absperren, sondern daß sie dankbar aufnehmen, was ihnen die ausländische Dramatik an wertvollen Gütern bietet, daß sie, auf deutscher Bühnentradition aufbauend, das klassische ^chau« spiel pflegen und zugleich auch der zeitgenössischen Dramatik ihren Raum gewähren. O.

Ebenso vielseitig und abwechslungsvoll wie die Spielpläne der Schauspieltheater sind auch die der Opernhäuser aufgebaut. Die Staatsoper Un­ter den Linden bringt zum 70. Geburtstage Hans Pfitzners seine OperPalestrina" in neuer Inszenierung und zum 75. Geburtstage Richard Strauß' seine neuen OpernDer Frie« denstag" undDaphne", die in München und Dres­den uraufgeführt wurden, wie auch das Ballett Schlagobers" für Berlin neu ist, dazuDie Frau ohne Schatten". Zwei Mozart-Opern werden neu in­szeniert:D i e 3 a u b e r f l ö t e" undFigaros Hochzei t", und die Uraufführungen dreier mo­dernen Werke runden den Spielplan ab: Werner Egks neue OperPeer Gynt", Ermanno Wolf- Ferraris heitere OperDonna Boba" und Ru­dolf .W a g n e r - R e g e n y sDie Bürger von Ca­lais". Dazwischen reihen sich die Neueinstudierungen bewährter und erfolgreicher Werke: Mussorgskys Boris G o d u n o f f" erscheint in der Bearbei­tung von Rimsky-Korsakow, und BizefsCar- m e n", VerdisA i 5 a", Eugen d'AlbertsTief­land", RossinisBarbier von Sevilla" und DonizettisDon Pasquale" werden in neuer Gestaltung den Spielplan beleben. Als Dirigenten werden neben denen der Opernbühne Clemens Krauß, Victor de Sabata und Her­bert von Karajan (Aachen) tätig sein.

Das Deutsche Opernhaus hat folgende Ur­aufführungen vorgesehen: Artur K u st e r e r s Oper Katharina", ein Werk von Wagner-Regeny und das BallettDer tanzende Traum", das von Raue-Kölling nach einer Idee des General­intendanten Wilhelm Rode geschaffen wurde; auch LeharsLuftige Witwe" kann als Urauf­führung gelten, da der Komponist seine erfolgreichste Operette, ganz umgearbeitet und mit neuen Melo­dien ausgeftattet hat. Neu einstudiert werden Wag­nersParsifal", BizetsCarmen", Webers Euryanthe",Das Glöckchen des Ere­miten" von Maillard,Der Zigeuner- bar o n von Johann Strauß' und zwei Verdi- Opern:Die Macht des Schicksals" unb Othe11 o". Ein besonderes Schauspiel wird Mo- zartsZ-a u b e r f l ö t e" gewähren, da sie mit den alten Original-Dekorationen ausgestattet fein wird, die Schinkel im Jahre 1815 im Auftrage des In- tenbanten Grafen Brühl für die Berliner König­liche Bühne entworfen hat. Diese Ausstattung, die am Beginn von über dreißig Dekorationen steht, die Schinkel für Oper und Schauspiel geschaffen hat, ist seine berühmteste Leistung auf dem Gebiete der Bühnenbildkunst geblieben.

Die Volksoper setzt ihren Spielplan aus den Schätzen der bewährten Spielopern und klassischen großen Opern zusammen. Wir finden auch hier Mo­zartsZ a u b e r f I ö t e" und DonizettisD o n $05 quäle", ferner3 ar und Zimmer­mann" von Lortzing, GlucksA l c e ft e", Gou- nodsM a r g a r e t h e" und den Italiener Franco Alfano mit feiner OperAuferstehung". Ver­dis ,,2uife Miller" (Kabale -und Liebe") roitb neu einftubiert, ebenso wie bie KurzopernDer Herr von Gegenüber" von Ernst S ch l i e p e unb Der Gonboliere bes Dogen", bie an einem Abend gespielt werden sollen..

nicht bis zu ihren hohen Russenstiefeln; unterwegs sammelte sie die Stöcke auf, unb als sie unter an- langte, war Rubolf gerabe dabei, sich wieder auf­zurappeln.Hast du dir wehgetan?" war ihre erste Frage; denn sie war sehr erschrocken, als sie ihn in der Schneewolke hinunterkugeln sah. Er brum­melte etwas, was sie nicht verstand.

Na, das wäre ja nochmal gut gegangen", meinte er schließlich mit etwas verlegenem Lachen.Ich habe von oben gar nicht gesehen, daß der Abhang so steil ist. Heute ist leider Schluß, eine Bindung ist gerissen,..bie muß ich im Dorf machen lassen." Er griff nach den Brettern,au", sagte er dabei.

Haft du dir wehgetan?" fragte sie darauf noch­mals, aber es klang sehr viel kühler als das erste­mal. Er besah prüfend seine linke Hand.

Ich weiß nicht, es scheint, daß ich mir den Dau­men etwas verstaucht habe, vielleicht bist du so gut unb nimmst bie Stöcke."

Als sie schon fast wieder am Dorf waren, wandte Dore den Kopf und blickte nochmals nach dem Ab­hang zurück. Warum, wußte sie selbst nicht, aber irgendwie erschien er ihr plötzlich von Bedeutung.

Hat der Wert eines Mannes auch nur das ge­ringste damit zu tun, wie er Schiläufen fann9 Können nicht auch Meisterläufer stürzen? Tun sie es nicht sogar ziemlich oft, ohne dabei lächerlich zu wirken? Ist eine Frau nicht sträflich ober­flächlich, die sich dadurch beeinflussen läßt, daß sie ihren Verlobten als ein etwas unglückliches Knäuel einen Abhang hat hinunterkugeln sehen?

Nun aber wäre Dore Orivius eigentlich nicht oberflächlich, und wenn in diesem kurzen Augen­blick sich ihre Einstellung zu dem Dr. Niemeyer geändert hatte, fo hatte das qani andere und be­trübliche Gründe: in diesem Augenblick war etwas aufgewacht, was sie mit aller Gewalt niedergezwun- gen hatte, so sehr, daß sie es vergessen glaubte.

Als sie hilfsbereit neben ihm stand, war sie zu­gleich unendlich weit fort von ihm. Sie stand oben auf dem Jungfraujoch. Sie sah eine Gestalt in die weiße Tiefe sausen, und mit einem Schlag war alles wieder da, was sie endgültig überwunden wähnte, gleich als ob eine Wunde, bie man geheilt unb vernarbt glaubt, plötzlich aufs neue zu bluten be­ginnt.

Wäre ich nur nicht zu biefem unseligen Aus­flug mitgeFommen, buchte sie erbittert, währenb sie sich zum Abenb umzog, unb gleich darauf: was ich doch für eine Gans bin, mich an solchen Aeußer- lichkeiten zu stoßen. Werde ich nun womöglich bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten

daran denken müssen, wie komisch es aussab^ als er ...

Pfui, Dore, schäm dich! schalt sie sich selbst unb knöpfte mit solch heftigem Ruck ihren Seibenschuh zu, baß ber Knopf absprang. Auch bas noch sie suchte nervös Nabel unb Faden nun würde sie zu spät zum Essen kommen, Rubolf würbe warten, unb bas würde seine Laune verderben; er wartete sehr ungern, war pedantisch in seiner Pünktlichkeit.

Gerald war auch pünktlich gewesen, aber Pedan­terie lag ihm darum doch nicht. Wie er damals den Abhang hinuntergesauft war! Wenn er gestürzt wäre, b« hätte gefährlich ausgesehen, aber nie­mals lächerlich. Sie suchte krampfhaft nach Um­ständen, in denen Gerald Hilger lächerlich wirken könnte, sie wollte ihn lächerlich sehen und sah doch nur die hohe schlanke Gestalt, der jeder Muskel bis ins kleinste gehorchte, das dunkle hagere Gesicht mit den grauen Augen mal finster, mal spöttisch, mal freundlich mit verstecktem Humor in den Augen- winkeln wie in den letzten Tagen ihres Zusammen­seins, aber lächerlich niemals.

So ber Schuh saß enblich. Nun hieß es eilen, sie wollte Rudolf nicht verstimmen, sie liebte ihn doch. Natürlich liebte sie ihn, warum hätte sie sich sonst mit ihm verlobt. Und nun wollte er heiraten, und bas möglichst halb.

Sie vergaß, baß sie Eile hatte, sie blieb mitten im Zimmer stehen, ihr Kleib in ber Hanb, unb starrte mit großen erschrockenen Augen vor sich hin.

Heiraten bas hieß, sich wieder in die Hanb eines Mannes geben, aber biesmal nicht für vier­zehn Tage, nein, für ein ganzes Leben, ihr gan­zes Leben. Jeben Tag, vom Morgen bis zum Abend unb roieber bis zum Morgen würbe Rubolf Nie­meyer neben ihr fein, sie würde aufpassen, daß seine Hemden gut gebügelt waren, daß keine Knöpfe fehlten, daß immer pünktlich bas Essen auf dem Tisch stand, jahrein, jahraus. Kann man sich das vorstellen, so Jahr für Jahr neben einem Menschen herzugehen? ...

Er würde gut zu ihr sein, sicher. Und in den Ferien würden sie verreisen, wahrscheinlich im Auto, und Sorgen würden sie kaum haben; denn er war sehr tüchtig, und eine gute Laufbahn lag vor ihm, sagte ber Vater unb taufenb und aber tausend Frauen würben sie beneiben um bi es es Los. Warum nur erschreckte sie dieser Gedanke mit einem Male so?---

Mit einem energischen Ruck warf sie rhr Kleid über. Nun aber Schluß mit diesen Albernheiten.

(Fortsetzung folgt!)