Gegner stellen sich die Deutsche Nationalstaffel K-- und 8'Mannschaft, sowie die Meisterstoffel der Eintracht Frankfurt a. M. Die Frauen müssen also in Hochform sein, wenn sie ehrenvoll abschneiden wollen. Es ist unbedingt erforderlich, eine gute Zeit zu laufen, denn an einen Erfolg kann man kaum glauben. Die Staffel läuft mit Luise Weber, Else Ludwig, Lotti Diehl, Elfriede Schmidt. Heber 100 Meter läuft Lotti Diehl. Heber 200 Meter Else Ludwig. Erna Repp wird Speerwerfen und Elfriede Schmidt und Gertrud Muhl sind beim Diskuswerfen vertreten.
Das Fachamt Handball bei den Opferspielen.
Klein nur war dos Programm der Handballer, mit dem sie am Opferspieltag aufwarteten. Aende- rungen in der ursprünglich vorgesehenen Folge, kurzfristige Absagen usw. machten es notwendig, daß verschiedene Treffen abgesetzt werden mußten. Es ist ober vorgesehen, diese schon am nächsten Sonntag nachzuholen, um wenigstens alle verfügbaren Einheiten einzuspannen.
Die Treffen, deren Ausgang bis jetzt bekannt ist, haben einen vollen Erfolg gebracht. Nicht nur in 'rein sportlicher Beziehung, sondern auch in finanzieller Hinsicht. Es war im Gegenteil fo,\ daß eine ganze Reihe von Vereinen die Spiele dazu benutzt hoben, um die Neu-Aufstellungen auszuprobieren und sich für die kommende Runde zu rüsten. Diese Versuche haben zweifellos gute Ergebnisse gezeitigt und dazu beigetragen, die seitherige Unenb schlossenheit Hinwegzuräumen.
Tv. Lützellinden — Tv. Hörnsheim 7:9
Tj)- Hochelheim — To. Dornholzhausen 11:9 To. Atzbach — Tv. Garbenheim 5:10 To. Katzenfurt — W.-Niedergirmes 9:5 Tv. Katzenfurt Jgd. — W.-Niedergirmes Jgd.
16:4.
Für viele wird der Ausgang des Lokalkampfes in Lützellinden überraschend kommen. Er geht aber in Ordnung, wenn man weiß, daß die Gäste erst-' malig seit langer Zeit wieder einmal eine spielstarke Einheit zur Stelle hatten und daß gerade Lützellinden eine Anzahl neuer Kräfte ausprobieren wollte. Das Spiel selbst war sehr schön und sah auch spannende Momente. — Hochelheim gab eine recht gute Antrittsoorstellung. Die Mannschaft war in Ordnung und konnte ihr Spiel verdient gewinnen. — Ätzbach war vollkommen „daneben" und gab nur einen sehr schwachen Gegner ab, während Garbenheim, verstärkt antretend, eine gut zusammenspielende Mannschaft zur Stelle hatte. — Nauborn hielt sich gegen die sehr spielstarken Münch- holzhäuscr recht' gut und verlor nur knapp 9:12. — Katzenfurt bewies erneut seine ausgezeichnete Form und siegte wie es wollte. Auch die Jugend war ihrem Gegner um eine Klasse überlegen.
Teutonia Steinberg I. - Leihgestern/Sroßen-Linden 7:1.
Eine stattliche Zuschauermenge hatte sich gestern auf dem Teutonen-Platze eingefunden, um Zeuge eines schönen Spieles zu sein. Die Kombinierten- erfüllten nicht ganz die Erwartungen, die man in sie gesetzt hatte. Wohl waren sie alle mit großem Eifer bei der Sache und versuchten immer wieder, die Steinberger Abwehr zu überrennen, doch vergebens. Es mangelte eben an dem gegenseitigen Verständnis.
Anders dagegen war es bei den Teutonen, die gestern wieder einmal fast alle Spieler zur Verfügung hatten. Oft wurden Schulbeispiele an Kombination gezeigt. Hauptsächlich Lang fiel hierbei auf. Schiedsrichter war Zitzer (Gießen).
Schon in der vierten Minute fiel das erste Tor. Haas umspielte die Verteidigung und sandte unhaltbar ein. Unentmutigt griffen die Gäste weiter an. Die Platzbesitzer behielten aber das Heft in der Hand. Lang war es vergönnt, in der 20. Minute ein weiteres Tor zu erzielen. Arnold auf der Gegenseite konnte in der 30. Minute Happel schlagen. Angefeuert durch die zahlreichen Anhänger kämpften die Kombinierten verbissen um den Ausgleich, doch sollte er ihnen nicht gelingen! Der gefährlichste Stürmer Arnold mar gut bewacht, und konnte nicht zum Zuge kommen. Allmählich erkämpften die Teutc en wieder eine kleine Heberlegenheit und wiederum war es Lang, der in der 37. Minute ein weiteres Tor erzielte.
Kannst du zurück, Dore?
Vornan von Hedda Lindner.
Copyright by Earl Dunrfer Verlag, Berlin W 35.
7. Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
In ihrem hübschen warmen Zimmer sitzen mit einem guten Buch, während draußen der Regen gegen die Fenster prasselte, das hatte sie sonst durch den Gegensatz immer besonders behaglich gefunden. Heute hielt sie diese Ruhe und Stille einfach nicht aus. Sie lief in ihr Schlafzimmer, zog sich ein Paar herbe Schuhe an, nahm Regenmantel und Kappe' und lief in den Wald. De; Regen schlug gegen ihr Gesicht, der Wind zerrte in plötzlichen, heftigen Stößen an ihrem Mantel, es störte sie nicht. Im Gegenteil, sie empfand es wohltuend, sich körperlich anstrengen zu- müssen, es lockerte etwas den dumpfen Druck, der auf ihr lag.
So ging es nicht weiter. Hier in der Einsamkeit des regennassen Waldes versuchte Dore sich ehrlich Rechenschaft zu geben, was eigentlich mit ihr los war.
Das Ergebnis dieses Versuches war niederschmetternd. Es war die Erkenntnis, daß sie nun nach gut vier Monaten immer noch nicht die kleine Episode überwunden hatte, die Gerald Hilger hieß. Es war sicher nur das Hngewöhnliche dieser ganzen Sache daran schuld, daß ihre Phantasie sich immer noch damit beschäftigte, aber dennoch, es mußte etwas geschehen. —
Hnd zwar etwas so Gründliches, daß ein für altern gl diese unbequeme Erinnerung ausgeschaltet wurde. Etwas, das sie zwang, ihre Gedanken aus anderes zu lenken, etwas, das ihr Pflichten gab und sie dadurch ausfüllte.
Hnd wenn man die Erinnerung an einen Mann auslöschen will und muß, so ist das beste Mittel dazu — ein anderer Mann.
Zwei Tage nach diesem Waldspaziergang verlobte sich Dore Orivius mit Dr. Rudolf Niemeyer.
In den ersten vier Wochen ihres Brautstandes war sie felsenfest davon' überzeugt, das einzig Richtige getan zu haben. Rudolf war ein sehr aufmerksamer Verlobter und widmete ihr viel Zeit. Bis auf zwei Tage der Woche, an denen sie selbst durch ihren englischen Klub in Anspruch genommen war, verbrachte er fast stets die Abende bei Bertrams. Manchmal musizierte man ein wenig, Dore hatte
Genau wie in her ersten Halste, begannen die ®äfte auch die zweite Halbzeit mit schnellen Angriff fen, ohne jedoch zu Erfolgen zu kommen. Ungefähr 10 Minuten waren gespielt, als wieder Lang zum vierten Tor einsandte. Don diesem Zeitpunkt an stand der Sieg endgültig sicher und das Spiel verlor an Reiz. Trotzdem fielen noch drei Tore, von denen Buß das erste in schönem Alleingang erzielte. Eine feine Kombination des gesamten Sturmes beendete Däublin mit feinem Flachschuß. Das letzte Tor brachte noch Lang auf fein Konto. Steinberg verließ als verdienten Sieger den Platz. Den Gästen gebührt ein Gesamtlob für ihr aufopferndes Spiel. Teutonia Jugend — Grohen-Linden Jgd. 4:3 (2:1).
Das Ergebnis bedeutet eine Heberraschung. Man hätte es der Jugend nicht zugetraut, diesen Gegner zu schlagen.
Fußball ber Hitler-Zugenb.
o Gef. 4/118 — Gef. 3/116 5:0 (1:0).
Wie man es vermuten konnte, ist es der Fußball-' mannschaft der Gef. 4/116 gelungen, die Mannschaft der Gef. 3/116 überzeugend zu schlagen. Man sah einen in der ersten Halbzeit ausgeglichenen Kampf, der erst seine Wendung nahm, als kurz vor Halb? zeit der Rechtsaußen der Gef. 4/116 den Führungstreffer schoß. Mit diesem Ergebnis ging man in die Halbzeit.
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit gingen die 4/116er zum Generalangriff über. Doch auch die Fußballmannschaft der Gef. 3/116 versuchte dies, doch ihre Angriffe scheiterten an der ausgezeichneten Läuferreihe und Verteidigung des Gegners. Der beste Mann bei der Gef. 4/1'16 war Kraft, während es bei der Mannschaft der Gef. 3/116 Schlitz war.
Die Gesos 4/116 bestritt das Spiel in nachstehender Aufstellung: Walter (Mtv.); Ludwig (VfB.-R.), Knaus (vereinslos): Fiedler (1900), Kraft (1900), Möckel (Mtv.): Stork (1900). Cawein (VfB.-R.), Theis (1900), Kraft II (1900), Bötz (1900).
Gau-preisschießen im TlS.-Marinebund.
Wie alljährlich wird auch in diesem Jahre im NS.-Marinebund das Schießjahr mit einem Preis - schießen in den einzelnen Gauen abgeschlossen, einmal, um den Leistungsstand innerhalb der Kameradschaften festzustellen, und zweitens, um die besten Mannschaften zu ermitteln. Als Preise sind vom NS.-Marinebund Gewehre und Munition ausgesetzt. Eingeteilt sind die Kameradschaften in Schieß- gruppen. Aus dem Stärkeverhältnis der Kaknerad- schaften ergibt sich die Größe der zu stellenden Mannschaft. Bei der Bewertung wird nicht nur die Schießleistung der Mannschaft beachtet, eine wesentliche Rolle spielt die Beteiligung der gesamten Kameradschaft am Schießstand. Die Mannschaften der Marinekameradschaften einzelner Städte werden zusammengezogen und schießen unter dex Leitung des Gauschießwartes. So schossen gestern auf den Ständen des Schützenvereins Gießen die Marinekameradschaften Siegen, Dillenburg, Wetzlar, Marburg und Gießen. Die Mannschaft der Marinekameradschaft Gießen setzte sich zusammen aus den Kameraden: Knapp, Stauf}, Heß, Althof, Paulus, Eckhardt, Heinemann, Koch, Haberland, Bcnderath.
Dank der fleißigen Jahresarbeit des Schießwortes Kamerad Benderoth gelqng es der Gießener Mannschaft, sich mit einer Durchschnittsringzahl von 37 für den Einzelschützen an die Spitze der in Gießen schießenden Mannschaften zu setzen. Bester Schütze war der Schießwart Heinrich Benderoth (Gießen) mit ‘46 Ringen, der auch bereits im Vorjahre unter den 12 besten Schützen des Gaues Hessen zu finden war.
Kraftwagen ranifte fünf Radfahrer um.
Lpd. Biedenkopf, 5. Sept. Bei der Begegnung mit einem entgegenkommenden Wagen geriet ein Kraftwagen aus dem Ruhrgebiet auf der Straße nach Gladenbach zu weit nach rechts und fuhr in eine Gruppe von fünf Radfahrern. Alle fünf kamen zu Fall. Drei von ihnen erlitten fo erhebliche Verletzungen, daß sie in die Marburger Klinik gebracht werden mußten. Die Fahrräder wurden total zertrümmert.
eine hübsche Altstimme, und er spielte recht gut Klavier, manchmal saß er mit Bertram am Schachbrett, und sie handarbeitete, oder auch — man unterhielt sich zu britt über alle möglichen Tagesfragen. Und vor allem war nun ein Mensch da, der sie jeden Tag in Anspruch nahm, es war eine Wirklichkeit vorhanden, die ihrer Phantasie nicht mehr erlaubte, sich in Träume zu verirren.
In diesen ersten vier Wochen glaubte Dore sich völlig glücklich und zufrieden.
Wer weiß, vielleicht hätte sich alles ganz ordnungsgemäß entwickelt, wenn im Dezember dieses Jahres nicht sehr viel Schnee gefallen märe, so viel, daß auch die Kurorte des kleinen Riittelgebirges gute Sportmöglichkeiten boten. Das brachte Niemeyer auf die unglückselige Idee, seiner Braut einen Schiausflug vorzuschlagen, weil er auf diese Weise mehr mit ihr allein zu sein hoffte. Don diesem Alleinsein erwartete er vor allem, daß sie etwas mehr aus der Zurückhaltung herausgehen würde, die sie bei aller Liebenswürdigkeit ihm gegenüber zeigte. Sie war schließlich schon einmal verheiratet gewesen — zu ihm war sie scheu wie ein unerfahrener Backfisch.
Hnd vor allem hätte er gern diese Reise benutzt, um über den Zeitpunkt der Heirat zu sprechen: bisher war sie der Festsetzung eines bestimmten Termins immer ausgewichen.
Dore war gern zu dem Ausflug bereit, obwohl ihr wintersportliches Können sich auf Schlittschuhlaufen beschränkte. Programmgemäß fuhren sie zusammen los.
Nach ihrer Ankunft gingen sie zuerst auf die Schiwiese, Dore zu Fuß, um sich die Sache anzusehen. Niemeyer trug seine Schier auf der Schulter und sah in seinem blauen Norwegeranzug sehr sportlich aus. Er war auch fein schlechter Läufer, nur ziemlich aus der Hebung, und leider verleitete ihn die Eitelkeit, vor einem kurzen aber (teilen Abhang >u sagen: „Warte, bitte, einen Augenblick, ich will rasch "eine kleine Schlußfahrt machen." Während er die Schier anschnallte, kletterte Dore seitlich an einer bequemen Stelle etwas hinunter, um besser schen zu können.
Er stieß sich ab, Hatte aber wohl das Tempo nicht richtig berechnet, jedenfalls kam er aus dem Gleichgewicht, ruderte wild mit den Stöcken durch die Luft, aber es half nichts. Dore (ah nur noch auf- stiebenden Schnee, aus dem Schier, Arme und Beine abwechselnd hervorragten. Dann lag er schließlich in einer umfangreichen „Badewanne".
Sie lief eilig hinterher, wenn es auch jtmas mühsam war, aber immerhin reichte der Schnee
Vorhang ans! Oie Spielzeit beginnt!
Vorschau aus die (Spielpläne der Berliner Theater.
Berlin, Ende August.
Der Beginn der Spielzeit steht nahe bevor, die Berliner Theater haben ihre Spielpläne bekanntgegeben, die Proben zu den ersten Aufführungen Haden begonnen. Was werden die Berliner Bühnen bringen?
Am wenigsten ist von dem künstlerischen Vorhaben der beiden Staatslheater (Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und Kleines Hays) unter dem Intendanten Staatsrat Gustaf Gründgens bekannt. Lothar Müthcl hat kürzlich bekanntgegeben, daß er Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende" einstudieren wolle, außer dem dürfte eine Aufführung von Shakespeares „Romeo und Julia" durch Jürgen Fehling mit Gründgens als Romeo und Käthe Gold als Julia ein außergewöhnliches Ereignis bedeuten, das vielleicht eine ebenso starke Anziehungskraft ausstrahlen wird wie Müthel.- „H a m l c t" - Inszenierung, die nun schon weit über die hundertste Aufführung bei immer ausverkauftem Hause erlebt hat.
Heinz Hilpert, der zwei benachbarte Bühnen leitet, das Deutsche Theater und die Kammer spiele, stellt das große klassische Schauspiel an die Spitze seines Programms: Shakespeares „Othello" und „Cymbeline", Goethes „Faust", dessen beide Teile an einem Abend gespielt werden sollen, und „Stella". Daneben die neuzeitlichen Dichter: Gerhart Hauptmann („Bogen des Odysseus"), Emil Strauß (mit feinem 1914 geschriebenen „Don Pedro"), Max Melis „Spiel von den deutschen Ahnen", Hjalmar Berg- m a n 5 „Der Weber von Bagdad", Dh ünen s „Die Sonne Irlands", Penzo 1 bts Komödie „So war Herr Brumme!", Juliane Kays Ehelustspiel „Der Birnbaum", das Schauspiel des sudetendeutschen Dramatikers F r a n ch y „Summa cum laude", und „Mensch und Hebermensch" von Bernhard Shaw. In den Kammerspielen nimmt die ausländische Komödie einen weiten Raum ein: Balzacs fast unbekannte Komödie „Wir haben alle Schulden" in der Neubearbeitung/durch Wolfgang D r e w s , den Dramaturgen der Hilpert- schen Bühnen, zwei Komödien des Engländers Maugham und das Lustspiel „Familie" von Denis A m i e I.
Das Schillertheater, das während des letzten Jahres umgebaut ist, wird in dieser Spielzeit als die Bühne Heinrich Georges eröffnet werden. Goethes „U r g ö tz", Shakespeares „Heinrich IV." (beide Teile), Calderons „Richter von Zala- m e a" repräsentieren in diesem Hause das klassische Drama. Zwei Uraufführungen sind vorgesehen: des Berliner Schausvielers Ernst Legal „Gott über Göttern" und Daradys „Geschöpfe Gottes". Ibsens „B ran d" tritt als selten gespieltes Werk der neueren Bühnendichtung hinzu.
Generalintendant Eugen K l ö p f e r leitet zwei Bühnen, die Volksbühne am Hör st-Wessel-PI atz und das Theater in der Saarlanb- straße. Die Volksbühne kündet an: Hanns Godf ch' Schauspiel „Der Thron zwischen den Erdteilen", des Ungarn Imre M a d a ch „Die Tragödie des Menschen" (der ungarische „Faust"), Hauptmanns „Fuhrmann Henschel" und Anzengrubers „Kreuzl- schreiber". Als Uraufführung wird Sigmund Graffs „Die Prüfung des Meister Tilmann" erscheinen. — Das Theater in der Saarland st raße ist — bis auf Büchners „Woy- zek" — dem ^gepflegten, wertvollen Lustspiel Vorbehalten. Wir finden als deutsche Uraufführungen des Ungarn Kalman von Csatho „Meine Tochter tut das nicht" und des hier schon bekannten Polen Niewiarowicz „Der Manager". Daneben stehen Shaws historische Komödie „Cäsar und Kleopatra", Z u ch a r d t s „Frisch verloren — halb gewonnen" und „Der Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare auf dem Spielplan.
Das Komödienhaus am Schiffbauer- damm kündigt das stets erfolgreiche Schauspiel „Revslutionshochzeit" von Michaelis und Caillavets „Der König in Paris" in der Bearbeitung von Viktor d e K o w a an. — Das R e -
naiffance • Theater verspricht zunächst Ibsens „Frau vom Meer", das KleineThea» t e r Unter den Linden Nicodemis bekannte Komödie „Scampolo", das Theater a m Kurfürstendamm „Großer Mann privat" von Harald B r a t t.
Nur ein kleiner Ausschnitt aus den umfangreichen und sehr vielseitigen Spielvorhaben der Berliner Bühnen. Ader auch er mag zeigen, daß sich die hie* sigen Theater nicht engstirnig von dem europäischen Theaterwesen absperren, sondern daß sie dankbar aufnehmen, was ihnen die ausländische Dramatik an wertvollen Gütern bietet, daß sie, auf deutscher Bühnentradition aufbauend, das klassische ^chau« spiel pflegen und zugleich auch der zeitgenössischen Dramatik ihren Raum gewähren. O.
Ebenso vielseitig und abwechslungsvoll wie die Spielpläne der Schauspieltheater sind auch die der Opernhäuser aufgebaut. Die Staatsoper Unter den Linden bringt zum 70. Geburtstage Hans Pfitzners seine Oper „Palestrina" in neuer Inszenierung und zum 75. Geburtstage Richard Strauß' seine neuen Opern „Der Frie« denstag" und „Daphne", die in München und Dresden uraufgeführt wurden, wie auch das Ballett „Schlagobers" für Berlin neu ist, dazu „Die Frau ohne Schatten". Zwei Mozart-Opern werden neu inszeniert: „D i e 3 a u b e r f l ö t e" und „Figaros Hochzei t", und die Uraufführungen dreier modernen Werke runden den Spielplan ab: Werner Egks neue Oper „Peer Gynt", Ermanno Wolf- Ferraris heitere Oper „Donna Boba" und Rudolf .W a g n e r - R e g e n y s „Die Bürger von Calais". Dazwischen reihen sich die Neueinstudierungen bewährter und erfolgreicher Werke: Mussorgskys „Boris G o d u n o f f" erscheint in der Bearbeitung von Rimsky-Korsakow, und Bizefs „Car- m e n", Verdis „A i 5 a", Eugen d'Alberts „Tiefland", Rossinis „Barbier von Sevilla" und Donizettis „Don Pasquale" werden in neuer Gestaltung den Spielplan beleben. — Als Dirigenten werden neben denen der Opernbühne Clemens Krauß, Victor de Sabata und Herbert von Karajan (Aachen) tätig sein.
Das Deutsche Opernhaus hat folgende Uraufführungen vorgesehen: Artur K u st e r e r s Oper „Katharina", ein Werk von Wagner-Regeny und das Ballett „Der tanzende Traum", das von Raue-Kölling nach einer Idee des Generalintendanten Wilhelm Rode geschaffen wurde; auch Lehars „Luftige Witwe" kann als Uraufführung gelten, da der Komponist seine erfolgreichste Operette, ganz umgearbeitet und mit neuen Melodien ausgeftattet hat. Neu einstudiert werden Wagners „Parsifal", Bizets „Carmen", Webers „Euryanthe", „Das Glöckchen des Eremiten" von Maillard, „Der Zigeuner- bar o n von Johann Strauß' und zwei Verdi- Opern: „Die Macht des Schicksals" unb „Othe11 o". Ein besonderes Schauspiel wird Mo- zarts „Z-a u b e r f l ö t e" gewähren, da sie mit den alten Original-Dekorationen ausgestattet fein wird, die Schinkel im Jahre 1815 im Auftrage des In- tenbanten Grafen Brühl für die Berliner Königliche Bühne entworfen hat. Diese Ausstattung, die am Beginn von über dreißig Dekorationen steht, die Schinkel für Oper und Schauspiel geschaffen hat, ist seine berühmteste Leistung auf dem Gebiete der Bühnenbildkunst geblieben.
Die Volksoper setzt ihren Spielplan aus den Schätzen der bewährten Spielopern und klassischen großen Opern zusammen. Wir finden auch hier Mozarts „Z a u b e r f I ö t e" und Donizettis „D o n $05 quäle", ferner „3 ar und Zimmermann" von Lortzing, Glucks „A l c e ft e", Gou- nods „M a r g a r e t h e" und den Italiener Franco Alfano mit feiner Oper „Auferstehung". Verdis ,,2uife Miller" („Kabale -und Liebe") roitb neu einftubiert, ebenso wie bie Kurzopern „Der Herr von Gegenüber" von Ernst S ch l i e p e unb „Der Gonboliere bes Dogen", bie an einem Abend gespielt werden sollen. Bü.
nicht bis zu ihren hohen Russenstiefeln; unterwegs sammelte sie die Stöcke auf, unb als sie unter an- langte, war Rubolf gerabe dabei, sich wieder aufzurappeln. „Hast du dir wehgetan?" war ihre erste Frage; denn sie war sehr erschrocken, als sie ihn in der Schneewolke hinunterkugeln sah. Er brummelte etwas, was sie nicht verstand.
„Na, das wäre ja nochmal gut gegangen", meinte er schließlich mit etwas verlegenem Lachen. „Ich habe von oben gar nicht gesehen, daß der Abhang so steil ist. Heute ist leider Schluß, eine Bindung ist gerissen,..bie muß ich im Dorf machen lassen." Er griff nach den Brettern, „au", sagte er dabei.
„Haft du dir wehgetan?" fragte sie darauf nochmals, aber es klang sehr viel kühler als das erstemal. Er besah prüfend seine linke Hand.
„Ich weiß nicht, es scheint, daß ich mir den Daumen etwas verstaucht habe, vielleicht bist du so gut unb nimmst bie Stöcke."
Als sie schon fast wieder am Dorf waren, wandte Dore den Kopf und blickte nochmals nach dem Abhang zurück. Warum, wußte sie selbst nicht, aber irgendwie erschien er ihr plötzlich von Bedeutung.
Hat der Wert eines Mannes auch nur das geringste damit zu tun, wie er Schiläufen fann9 — Können nicht auch Meisterläufer stürzen? — Tun sie es nicht sogar ziemlich oft, ohne dabei lächerlich zu wirken? — Ist eine Frau nicht sträflich oberflächlich, die sich dadurch beeinflussen läßt, daß sie ihren Verlobten als ein etwas unglückliches Knäuel einen Abhang hat hinunterkugeln sehen?
Nun aber wäre Dore Orivius eigentlich nicht oberflächlich, und wenn in diesem kurzen Augenblick sich ihre Einstellung zu dem Dr. Niemeyer geändert hatte, fo hatte das qani andere und betrübliche Gründe: in diesem Augenblick war etwas aufgewacht, was sie mit aller Gewalt niedergezwun- gen hatte, so sehr, daß sie es vergessen glaubte.
Als sie hilfsbereit neben ihm stand, war sie zugleich unendlich weit fort von ihm. Sie stand oben auf dem Jungfraujoch. Sie sah eine Gestalt in die weiße Tiefe sausen, und mit einem Schlag war alles wieder da, was sie endgültig überwunden wähnte, gleich als ob eine Wunde, bie man geheilt unb vernarbt glaubt, plötzlich aufs neue zu bluten beginnt.
Wäre ich nur nicht zu biefem unseligen Ausflug mitgeFommen, buchte sie erbittert, währenb sie sich zum Abenb umzog, — unb gleich darauf: was ich doch für eine Gans bin, mich an solchen Aeußer- lichkeiten zu stoßen. Werde ich nun womöglich bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten
daran denken müssen, wie komisch es aussab^ als er ...
Pfui, Dore, schäm dich! schalt sie sich selbst unb knöpfte mit solch heftigem Ruck ihren Seibenschuh zu, baß ber Knopf absprang. Auch bas noch — sie suchte nervös Nabel unb Faden — nun würde sie zu spät zum Essen kommen, Rubolf würbe warten, unb bas würde seine Laune verderben; er wartete sehr ungern, war pedantisch in seiner Pünktlichkeit.
Gerald war auch pünktlich gewesen, aber Pedanterie lag ihm darum doch nicht. Wie er damals den Abhang hinuntergesauft war! — Wenn er gestürzt wäre, b« hätte gefährlich ausgesehen, aber niemals — lächerlich. Sie suchte krampfhaft nach Umständen, in denen Gerald Hilger lächerlich wirken könnte, sie wollte ihn lächerlich sehen und sah doch nur die hohe schlanke Gestalt, der jeder Muskel bis ins kleinste gehorchte, das dunkle hagere Gesicht mit den grauen Augen mal finster, mal spöttisch, mal freundlich mit verstecktem Humor in den Augen- winkeln wie in den letzten Tagen ihres Zusammenseins, aber lächerlich — niemals.
So — ber Schuh saß enblich. Nun hieß es eilen, sie wollte Rudolf nicht verstimmen, sie liebte ihn doch. Natürlich liebte sie ihn, warum hätte sie sich sonst mit ihm verlobt. Und nun wollte er heiraten, und bas möglichst halb.
Sie vergaß, baß sie Eile hatte, sie blieb mitten im Zimmer stehen, ihr Kleib in ber Hanb, unb starrte mit großen erschrockenen Augen vor sich hin.
Heiraten — bas hieß, sich wieder in die Hanb eines Mannes geben, aber biesmal nicht für vierzehn Tage, nein, für ein ganzes Leben, ihr ganzes Leben. Jeben Tag, vom Morgen bis zum Abend unb roieber bis zum Morgen würbe Rubolf Niemeyer neben ihr fein, sie würde aufpassen, daß seine Hemden gut gebügelt waren, daß keine Knöpfe fehlten, daß immer pünktlich bas Essen auf dem Tisch stand, jahrein, jahraus. Kann man sich das vorstellen, so Jahr für Jahr neben einem Menschen herzugehen? ...
Er würde gut zu ihr sein, sicher. Und in den Ferien würden sie verreisen, wahrscheinlich im Auto, und Sorgen würden sie kaum haben; denn er war sehr tüchtig, und eine gute Laufbahn lag vor ihm, sagte ber Vater — unb taufenb und aber tausend Frauen würben sie beneiben um bi es es Los. Warum nur erschreckte sie dieser Gedanke mit einem Male so?---
Mit einem energischen Ruck warf sie rhr Kleid über. Nun aber Schluß mit diesen Albernheiten.
(Fortsetzung folgt!)


