Ausgabe 
6.9.1938
 
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ltr.208 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Dienstag, 6. Zeptember (938

Gießener Vauprojette auf der Van- und Siedlungsaus-ellung.

Interessante Modelle. Stadt-Sportfeld. Verwaltungs-Korum. Pläne und Photographien.

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Stadthalle mit Turm an der Moltkestraße; im Hintergrund

Schau.

Besuchern reges Interesse

Das große Sportfeld mit den drei Kamps- und Aufmarschbahnen.

Modell des geplanten Schwimmhalle-Baues im Gießener Sportfeld« .

Dann kam die Stadt, die zaubervolle, fröhliche ach, wie verwandelt!

Was war ein Portal, vor dem man 48 Stunden vorher noch stand, glühend in Bewunderung? Es war ein kalter, triefender, grämlicher Stein, den Barockfiguren lief das Wasser aus den Falten ihrer Gewänder. Was war selbst das berückende Rokoko- Haus, hinter dem man vor zwei Tagen noch Musik von Mozart erträumte, Kerzen, Menuette, ein Lachen hinter flatternden FäctDrn? Es sah nun aus, dieses glänzende Haus, wie eine Theaterkulisse, ver­gessen von einer wandernden Truppe. -

Grell, häßlich stachen die Lichter aus den Lokalen, die sonst so schumrig an warmen Abenden locken. Die Autos schlapsen dahin, wie alte Männer in Filzpantoffeln, vorsichtig, und doch bei jedem Tritt ins Wasser patschend.

Das Seltsame aber war, wie klein die Stadt im Regen war. Sie, die Weite und Fürstliche war auf einmal eng, trostlos und unwichtig. Und dafür hoben sich häßlich, ja drängten sich an allen Straßenfronten vor die Häuser des schlechten Geschmacks der 90er Jahre, schubsten die alten zurück, die wenig schönen.

Morgen, dachte man, morgen wird alles wieder anders sein. Aber das Herz glaubte es nicht. Das

der Aufmarschstraße rechts und links dekorative Bauten, an der Stirnseite ist ein Flaggenturm mit Rednerpodium vorgesehen. Die drei großen Felder des Stadion-Aufmarschgeländes werden von Baum­anlagen umrahmt sein.

Der zweite Teil des großen Modelles in devAus- stellung zeigt die projektierte bauliche Gestaltung desBerwaltungs-Forum s". Für diese An­lage, deren Umsetzung in die Tat zeitlich heute noch nicht festzulegen ist, hat man den Baublock zwischen Moltkestraße, Hitlerwall, Ecke Hindenburgwall- Gartenstraße, an der Wieseck entlang ostwärts bis zur Moltkestraße vorgesehen. In diesem Block wird an der Ecke Hindenburgwall/Gartenstraße das ge­plante neue Rathaus als zentraler Sitz der ge­samten städtischen Behörden seinen Platz haben. Nach Osten zu, also in Richtung Moltkestraße, sol­len, sobald die Zeit dafür gekommen ist, weitere

die Schwimmhalle. r

65. Lebensjahr keine Arbeitsgrenze.

NSG. Es herrscht bei den Unternehmern vielfach noch die Ansicht, daß eine Weiterbeschäftigung von Arbeitskameraden über das 65. Lebensjahr hinaus verboten sei. Es besteht darum Beranlassung, darauf hinzuweisen, daß eine gesetzliche Verpflichtung, Ar­beiter oder Angestellte nach Erreichung der Alters­grenze von 65 Jahren zu entlassen, nicht besteht. Bei dem heutigen Mangel an Arbeitskräften besteht großes Interesse, diese Arbeitskameraden weiter zu beschäftigen, wenn sie physisch dazu in der Lage sind. Es' entspricht dies auch vielfach dem Wunsche der Arbeitskameraden selbst, deren Invaliden- bzw. Altersrenten in der Mehrzahl der Fälle nicht zur Bestreitung des notwendigen Lebensunterhaltes ausreichen, so daß sie oftmals auf die Unterstützung ihrer Angehörigen angewiesen oder aber die öffent­liche Fürsorge zusätzlich in Anspruch zu nehmen ge­zwungen sind. Dies zu vermeiden, gehört auch zur Fürsorgepflicht der Betriebsführer. Es soll also die­sen Arbeitskameraden auch dann die Möglichkeit gegeben werden, nach Erreichung der Altersgrenze weiterzuarbeiten, wenn sie nicht mehr voll leistungs­fähig sind. Auf diese Weise wird zusätzlich, wenn auch nur in geringem Umfange, eine weitere Mög­lichkeit geschaffen, dem Arbeitermangel abzuhelfen.

Gietzener lvochenmarktprette.

* Gießen, 6. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matts 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse C ll1/», ausländische 12, Wirsing, % kg 8, bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 25 bis 30, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Kürbis 6 bis 8, Kartoffeln, XA. kg 5 Pf., 5 kg 40 bis 44 Pf., 50 kg 3,75 bis 4,20 Mark, Aepfel, Vi kg 25 bis 40 Pf., Falläpfel 16 bis 20, Birnen 30 bis 50, Pfirsiche 45, Brombeeren 40 bis 55, Zwetfchen 45 bis 48 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1.20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf.. Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 3 bis 6, Endivien 5 bis 15, Ober- kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 15 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.

Bauten für öffentliche Zwecke errichtet werden. Welcher Art diese öffentlichen Bauten einmal sind, d. h. für welche ^Verwaltungen, ist heute noch nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Es handelt sich hier zu­nächst um eine grundsätzliche städtebau- liche Projektierung auf weite Sicht mit dem Ziel, unserem Stadtbild im Mittelpunkt ein neuzeitliches, monumentales Gepräge zu geben.

In dem Ausstellungsstand der Stadt Gießen sind an Photographien Bilder von den Wohnhausbauten im Ostmarkenviertel, an der Curtmannstraße, an der oberen Bergstraße, am Leimenkauterweg, in der Schwarzlach, von der Krofdorfer Straße, vom Oswaldsgarten, von der Jahnstraße, Zeichnungen von der Altstadtsanierung I am Kirchenplatz-Linden­platz und von der geplanten Altstadtsanierung II am Seltersweg-Kreuzplatz, ferner Bilder von der Vieh- versteigerungshalle Rhein-Main zu sehen. Eine An­zahl Pläne über die Geländeverwertung und -um- legung usw. vervollständigt die reichhaltige Gießener

rend unseres Aufenthaltes daran erkennen, daß ständig Besucher kamen und mit großer Aufmerk­samkeit die Ausstellungsgegenstände unserer Stadt besichtigten. B.

Herz war traurig, und selbst der Gedanke an die weißen Wiesennebel, Wäldernebel, konnten es nicht trösten. Nur Schlaf rettet an solchen Tagen, nur Schlaf. r. k.

Der Lageplan für das Gießener Sportfeld im Raume Eichgärten Moltkestraße Marburger Straße Wiesecker Weg.

DasVerwaltungs-Forum" zwischen Adolf-Hitler-Wall und Moltkestraße. (Aufnahmen s5j: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Daß die Ausstellung der Stadt Gießen bei den findet, konnten wir wäh-

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Die deutschen Gemeinden stehen heute, nicht zuletzt infolge der Ausgaben, die ihnen das Dritte Reich gestellt hat, vor der Frage einer mehr oder weniger tiefgreifenden Neu­gestaltung ihres Lebensraumes. Dieses Pro­blem wirkt sich in einer ganzen Reihe ein­zelner Gestaltungsmaßnahmen aus, die an vielen Stellen zutage treten, in irgendeiner Form gleich ober ähnlich gelagert sind und eine ziemlich eindeutige Ausprägung haben. Im Vordergrund stehen hierbei städtische Er­weiterungsfragen, Siedlungsprobleme, innere Umgestaltungen, die sich aus Sanierungsauf­gaben und Verkehrsproblemen ergeben, stel­lenweise Gewinnung neuen Bodens, Schaf­fung von Aufmarschgelegenheiten und Sport­plätzen ... Deutsche Großstädte, Mittelstädte und Kleinstädte zeigen die städtebaulichen Probleme, die ihnen gestellt sind, die Wege und Methoden, mit denen sie sich bemühen, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden."

Mit diesen Worten kennzeichnet der amtliche Füh­rer durch dieDeutsche Bau- und Sied­lungs-Ausstellung" auf dem Festhallen­gelände in Frankfurt a. M. den Zweck der im Erd­geschoß der Halle V untergebrachten großen Son­derabteilung der AusstellungLe­bensräume deutscher Städte". In dieser Sonderabteilung hat auch die Stadt Gießen einen Ausstellungsstand mit dem Entwurf eines Stadt-Sportfeldes und eines Ver­waltungs-Forums errichtet, dem sie eine Reihe von Plänen, Skizzen und guten photographi­schen Aufnahmen über die Bauten während der letz­ten Jahre beigefügt hat. Der Ausstellungsstand der Stadt Gießen, den wir am gestrigen Montagnach­mittag besuchten, hat einen sehr günstigen Platz ge­funden, auf dem die Modelle der projektier­ten Monumentalbauten und Anlagen, sowie die Photographien und Skizzen vor den Augen der Besucher sehr gut zur Geltung kommen. Bei einer vergleichenden Umschau in der Sonder­abteilung für die Ausstellung der Städte kann man, auch ohne Lokalpatriotirmus, die erfreuliche Fest­stellung machen, daß Gießen mit seinen projektier­ten großen Bauten sich im Kreise der zahlreichen Ausstellerstädte sehr gut sehen lassen kann unb mit der räumlichen unb baulichen Gestaltung Hervor- ragenbes zu leisten verspricht.

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Das Haupt- und Kernstück der Gießener Ausstel­lung ist das große Modell des Stadt-Sport­feldes und des nach dem Stabtinnern zu angren- zenben projektierten Verwaltungs-Forums.

Für das Stadt-Sportfelb ist das Gelände vorgesehen, das umgrenzt wird von der Schlageter- anlage, der Moltkestraße, hinter den Gebäuden am Hitlerwall und der Marburger Straße, Wiesecker Weg, dann hinüber zum Philosophenwald mit An- . fchluß zur Schlageteranlage. Der Eichgärtenteich (in dem Projekt alsBootsteich" bezeichnet) ist in diesen Entwurf einbezogen. Unser Bild zeigt die Einzelheiten dieser Anlage. DerEntwurf zum Ausbau des Wiesecktales", wie er amtlich genannt wird, ist im Maßstab 1:2000 gehalten. Im Vorder­gründe unserer photographischen Wiedergabe der Entwurfszeichnung sieht man die zum Teil bereits ^bestehenden, zum Teil geplanten Bauten von der ^Wolfstraße her, entlang der Schlageteranlage. Der schmale schwarze Streifen auf der gegenüberliegen­den Seite der Schlageteranlage stellt eine Baum­anlage in Form einer Allee dar. Auf der westlichen Seite des Projekts an der Moltkestraße bei dem jetzigen Eisbahngelände, ist (mit der Zahl 8 bezeich­net) die Errichtung der neuen Stadt-Halle vorgesehen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Bootsteiches (12) ist der Bau eines Restau­rants mit Bootshaus und Anlegestelle pro­jektiert. Nördlich vom Bootsteich, am westlichen Teil des Geländes (9), soll die neue Schwimm- Halle ihren Platz erhalten. Nach Osten zu wird davor eine Liegewiese mit anschließendem Schwimm becken, dieses in der Größe von 100:50 Meter bzw. 20:50 Meter, geschaffen werden. Weiterhin soll sich nach Osten zu eine Sport­wiese anschließen, die ihren Abschluß finden wird mit der neuen Sporthall (10), hinter die sich Sportplätze, umrahmt von Grünanlagen und Bäumen, dem Ganzen harmonisch einfügen werden.

Bei der Betrachtung unseres Bildes ist man nun bis zu der breiten Querstraße gekommen. Anhalts­punkt für diese Querstraße ist der jetzige Wiesenweg zum Philosophenwald. Jenseits davon soll in der Mitte der großen Fläche das neue Stadion und Aufmarschgelände (11) feinen Platz finden. Die Mittelachse der gesamten Anlage wird zugleich als A u f m a r s ch st r a ß e zu diesem Ge­lände, das in dem amtlichen Ausstellungsführer als großes Maifeld" bezeichnet wird, dienen. Während die westliche Nachbarschaft dieser Stadion- und Auf- marsch'anlage die Wohnhausvauten an der Mar­burger Straße und in der Bückiügstraße bilden, soll auf der östlichen Seite der Anlage eine parkartige Geländegestaltung verwirklicht werden. Das Mittel­feld der Stadion- und Aufmarschanlagen enthält an

Verwandlung einer Stadt.

Es fügte sich so, daß wir in zwei Tagen die Stadt wiedersahen, die wir in lauter Sonne ver­lassen hatten; nun regnete es. Sie war verwandelt.

Schon die Hinfahrt. Waren alle Sonnenblumen tot? Das Land soff sich toll und voll mit Regen. Das Getreide saß bedauernswert naß auf den Aeckern. Friedhofsmauern waren selbstmörderisch melancholisch. Nur die Gänse auf den Dorfgaffen ließen den Regen über ihre Federn rinnen, als sei nichts. Wie graue, schwere Fahnen schlug der Regen das Land.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Capriccio". Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):La Habanera". Cafd Leib, 20 Uhr, Werbe-Veranstaltung:Mit Wasser wird getrocknet."

politische Leiter fahren morgen nach Nürnberg.

350 Politische Leiter aus dem Kreise Wetterall werden am morgigen Mittwochfrüh die Fahrt zum Reichsparteitag antreten. Der Zug wird den Bahn- Hof Gießen um 5.15 Uhr verlassen und über Hun­genNiddaGelnhausen seinen Weg nach Nürn­berg nehmen. Unterwegs durch Oberhessen werden weitere Fahrtteilnehmer in den Zug zusteigen.

Mrnberg-Werkschar Ziehen.

Wie im Vorjahr, so nehmen auch am diesjährigen Reichsparteitag wieder 8000 Werkscharmänner teil. Im Kreise Wetterau wurde ebenfalls eine Nürn- bergzWerkschar ausgestellt, die als Abordnung der Betriebe in unserem Kreis und als Gast der Par­tei am Reichsparteitag teilnimmt. Die Abfahrt er­folgte am gestrigen Montag nach Frankfurt a. M., wo die Werkscharen des Gaues Hessen-Nassau ge« sammelt werden und unter Führung des Gaubeauf­tragten in Sonderzügen nach Nürnberg fahren. Aus unserem Kreis wurden bewährte Werkscharmänner hierzu bereitgestellt, Die Mcmner sehen dem großen Erlebnis besonders freudig entgegen, da sie bisher noch an keinem Reichsparteitag teilgenommen haben.

Bis jetzt keine Kinderlähmung.

Wie mir vom Staatlichen Gesundheitsamt be<$ Kreises Gießen hören, sinb bis jetzt in ber Stadt unb in ben Landorten bes Kreises Gießen keinerlei Fälle von spinaler Kinberlähmung zu verzeichnen. Gerüchte, die von dem Auftreten dieser Krankheit in Stabt und Kreis Gießen wissen wollen, sind völlig unzutreffend.

Der Amtsarzt des Staatlichen Gesundheitsamtes in Schotten teilt amtlich mit, daß auch die Gerüchts über Kinderlähmung im Kreise Schotten nicht zu­treffen.