Nr. 208 Erstes Statt
188. Jahrgang
Dienstag, 0. September 1938
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Die Stadt der Reichsparieilage empfangt den Führer.
Ankunst in Nürnberg.
N ü r n b e rg, 5. Sept. (DNB.) Einige Stunden früher als in den Vorjahren traf am Montagvor- mittag der Führer, mit Sonderzug von München kommend, in Nürnberg ein. Auf dem reich geschmückten Bahnhof wurde der Führer von seinem Stellvertreter Reichsminister Rudolf Heß, dem Gauleiter von Franken, Julius Streicher, und Oberbürgermeister Liebel willkommen geheißen. Jubelnde Begeisterung grüßte den Führer auch bei der Fahrt nach dem „Deutschen Hof". Mit der Ankunft des Führers nimmt der Reichsparteitag 1938, der zehnte seit dem Bestehen der Partei, der erste im Großdeutschen Reich, seinen Anfang.
Zum Auftakt des Reichsparteitages läuten die Glocken sämtlicher Kirchen Nürnbergs. Das erste ferne, langsam zu einer mächtigen Glockensinfonie anschwellende Tönen greift an die Herzen der Tausende, die seit den frühen Morgenstunden in unaufhörlicher Flut durch die Straßen dsr Stadt wogen. Jubelnde Zurufe begrüßen die Ehrengäste, die sich zum Empfang des Führers und Reichskanzlers zum Rathaus begeben. Dort ist vor dem Hauptportal eine Ehrenbereitschaft Politischer Leiter angetreten. Schräg gegenüber dem Rathaus vor der „Alten Schau" hat eine Kompanie der Wehrmacht Aufstellung genommen, ebenso eine Kompanie der Leibstandarte Adolf Hitler mit dem weißen Koppelzeug in Paradeuniform. Als kurz vor 16 Uhr der Führer den „Deutschen Hof" verläßt, umbrandet ihn der Jubelsturm der begeisterten Volksmenge. In das feierliche Läuten der Gocken hallen die Heilrufe. Kurz vor dem Rathaus verlaßt der Führer den Wagen und schreitet die Front der Ehrenformationen ab.
Der Führer grüßt vom Balkon des „Deutschen Hofs" die Menge. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Mmbergs Willkommgruß.
Der festliche Empfang im Rathaus.
Nürnberg empfing in dem alten Saal des Rathauses den Führer. Der Saal mit den herrlichen Fresken nach Entwürfen Albrecht Dürers ist ohne Schmuck geblieben, und nur ein schmaler Saum roter Nelken auf der Holzvertäfelung und große Kübel leuchtender Gladiolen in den Fensternischen sind mit den schimmernden Kerzen auf den Kandelabern der schmucke Zierat. Blickpunkt des Saales ist ein hoher Glasschrein an der Stirnseite. Er birgt die äußeren Zeichen deutscher Macht und Herrlichkeit, die Reichskleinodien Krone, Zepter, Reichsapfel und Schwert, die nun, nach der Schöpfung Großdeutfchlands, in des Reiches Dritte zurückgekehrt sind. ^-Männer halten zu beiden Seiten des Schreines die Ehrenwacht. Auf der Empore steh n in den alten Nürnberger Heroldstrachten die Faufaren- blä\er.
In Resern festlichen Rahmen erwarten das gesamte Führerkorps der Bewegung, die Reichsleiter und Gauleiter, die Obergruppenführer und Gruppenführer der Kampfformationen, die Gebietsführer und Amtschefs der Hitler-Jugend, die leitenden Männer aller Gliederungen der Bewegung und mit ihnen die höchsten Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, die Generalität und Admiralität den Führer, der, geleitet von Oberbürgermeister Liebel und begleitet von seinem Stellvertreter Rudolf Heß, dem Gauleiter Frankens, Julius Streicher, dem Reichsführer ff Himmler, dem Reichspressechef Dr. Dietrich und feiner ständigen Begleitung den Saal betritt. Feierlich durchströmen die Akkorde des „Festlichen Aufklanges" von Ludwig Lü r m a n n , die das Städtische Orchester unter Generalmusikdirektor Al
fons Dresse! spielt, den Raum. Der herrliche „Wach-auf"-Chor aus den /Meistersingern", von dem Regensburger Domchor unter Domkapellmeister Professor Dr. Theobald Sch re mb wundervoll gesungen, erfüllt Ohr und Herz. Nun wendet sich das Oberhaupt der Stadt, Oberbürgermeister Liebel, an den Führer:
Aus heißem, übervollem, dankerfülltem Herzen grüßt Sie diese deutscheste aller deutschen Städte am Vorabend der wohl bislang größten Festtage des einigen deutschen Volkes als den Schöpfer Grvß- d-utfchlands, den Befreier der deutschen Ostmark, den Führer der großen, stolzen, mächtigen und in der Welt wieder geachteten, durch Sie allein zu I neuem Leben erweckten deutschen Nation! Durch die weltgeschichtlich so bedeutungsvolle und einmalige Tat der Wiedervereinigung der deutschen Ostmark •mit dem alten Reich im März d. I. haben Sie, mein Führer, unser liebes altes Nürnberg wieder zu der „Stadt in Deutschlands Mitte" gemacht, die es dereinst schon durch Jahrhunderte hindurch war — damals ebenso wie heute wieder ein Bollwerk deutschen Geistes, ein Hort deutscher Kunst und deutscher Kultur und ein gewaltiges steinernes Denkmal deutscher Größe. Schoner als je hat sich die Stadt auch diesmal wieder geschmückt zu Ihrem Empfang! Zum ersten Male grüßen Sie, mein Führer, und mit Ihnen die Zehntausenden von Männern und Frauen, die aus der befreiten deutschen Ostmark glückselig und jubelnd zu diesem Reichsparteitag strömen, in den Straßen der Stadt auch die Fahnen der alten Städte der deutschen Ostmark. Sie sollen auch äußerlich die
großdeutsche Einigung sichtbar unter Beweis stellen. Sie sollen aber auch gleichzeitig eine Ehrung jener tapferen Männer und Frauen bedeuten, die heuer zum ersten Male nach schweren Jahren des Kampfes, der Unterdrückung, der Not und der Opfer als freie Deutsche bekenntnisfroh in die Stadt der Reichsparteitage gekommen find, um hier den größten und eindrucksvollsten aller Parteitage mitzu- erleben.
Vor einem halben Jahrtausend wurden der Stadt die äußeren Zeichen deutscher Macht und Gröhe, der Pracht und Herrlichkeit des tausendjährigen Reiches: die Reichsinsignien und Reichskleinodien auf ewige Zeiten urkundlich vermacht. Vor nunmehr 142 Jahren mußten sie, um sie vor frechem Raub und Plünderung zu schützen, aus der Stadt gebracht und verborgen werden. Run ist durch Ihre Tat, mein Führer, ein neues, einiges Großdeutsches Reich erstanden. Die hehren Reichssymbole kehren zurück „in des Reiches Mitte", die ihnen, wie einst nach der Meinung der deutschen Kurfürsten, so auch heute noch, beste Gewähr für freue Obhut verbürgt, und in der sie nun endgültig „unwiderruflich, ewiglich und unanfechtbar verbleiben sollen", wie es die deutschen Kaiser schon vor 500 Jahren für alle Zeiten bestimmt hatten. Daß Sie, mein Führer, nun auch dies ermöglicht und Ihrer freuen deutschen Stadt Nürnberg damit abermals einen so hochherzigen neuerlichen Beweis Ihres großen Wohlwollens und Ihrer unendlichen Güte gegeben haben, erfüllt uns aufs neue mit tiefgefühltem unauslöschlichen Dank.
Des Führers Dank.
Dann spricht der Führer:
„In dieser Stunde, in der die Glocken der Stadt Nürnberg den 10. Reichsparteitag unserer nationalsozialistischen Bewegung einläuten, möchte ich Ihnen, Herr Oberbürgermeister,..meinen tiefempfundenen Dank sagen für ihren Willkommgruß und den so überaus herzlichen Empfang, den mir die Bevölkerung Ihrer Stadt bereitet hat.
'Wieder einmal haben sich die Nationalsozialistische Partei und das in ihr geeinte deutsche Volk zusammengefunden, um aus dem Erlebnis dieser erhebenden Tage, aus den Stunden des Bekenntnisses zur Gemeinschaft die Kraft zu schöpfen für die Arbeit und die Aufgaben des neuen Jahres.
Mit Nürnberg, der alten deutschen Reichsstadt, deren altehrwürdige Herrlichkeit dem Wesen des neuen Reiches so "tief verwandt ist, verbinden uns Nationalsozialisten beglückende Erinnerungen an herrliche Kampfjahre unserer Bewegung. In den Mauern dieser Stadt erlebten wir vor " 15 Jahren den ersten Deutschen Tag, und seitdem hat sie viele kämpferische und glanzvolle Parteitage der Bewegung gesehen. Sie, Herr Oberbürgermeister, haben auf die besondere Bedeutung des diesjährigen Parteitages hingewiesen. Wir alle sind glücklich, d i e Volksgenossen der heimgekehrten deutschen O st m a r k in diesem Jahre erstmals im Reiche vereint in unserer Mitte zu wissen.
In keiner anderen deutschen Stadt verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart des Großdeutschen Reiches zu solch symbolischer Einheit und Ausdruckskraft wie in Nürnberg, der alten und zugleich der neuen Reichsstadt. Diese Stadt, die das alte Deutsche Reich für würdig befand, die Reichs- k l e i n o d i e n in ihren Mauern zu bergen, hat die Symbole, die von der Macht und Größe des alten
Dez Führers Einzug in Nürnberg. (Scherl-Bllderdienst-MJ
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Reiches zeugen, nun aufs neue in ihren Besitz genommen.
heule ist Nürnberg, die Stabt der Reichsparfei- tage, der steingewordene Ausdruck deutscher Kraft und deutscher Gröhe in einem neuen Deutschen
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Indem ich Ihnen, Herr Oberbürgermeister, für diesen Empfang danke und Sie bitte, diesen Dank der Bevölkerung der ganzen Stadt zu übermitteln, grüße ich das Nürnberg der Reichsparteitage wieder mit unserem alten Ruf: Nürnberg Sieg-Heil!"
Die Teilnehmer stimmen in das Sieg-Heil auf Nürnberg ein und singen die Lieder der Nation. Dann durchschreitet der Führer unter schmetternden Fanfarenklängen die Reihen.
Die Stimme der Zeit.
Begieriger und erwartungsvoller als je zuvor blickt die Welt, blicken Völker und (Staatsmänner -w trotz kriegerischer Konflikte, aufregender Zwischenfälle und machtpolitischer Spannungen in fast allen Erdteilen — auf Nürnberg. Und doch ist der Reichsparteitag kein Problem der internationalen Politik, sondern die wichtigste Funktion des innerdeutschen Lebens? Das, was in Nürnberg an Parolen und Rechenschaftsberichten jeder Art ausgegeben wird, enthält Verpflichtungen nur für das oeutsche Volk, aber keine Vorschrift und keine Einflußnahme irgendeiner anderen Nation gegenüber. Um so erstaunlicher und erfreulicher die Tatsache, daß das Interesse des Auslandes an dieser wesentlichsten Veranstaltung des nationalsozialistischen Reiches von Jahr zu Jahr gewachsen ist und nun einen bisher unerreichten Höhepunkt erklommen hat!
Mit welcher Spannung man in der Fremde das Nürnberger Geschehen beobachtet und verfolgt, das haben wix bereits aus verschiedenen Anzeichen deutlich genug ersehen können: die in Berlin affre* Zitierten Diplomaten sind, fast vollzählig der Einladung nach Nürnberg gefolgt,, die ausländischen Pressevertreter haben sich, in außerordentlicher Stärke in der Stadt der Reichsparteitage eingefunden und die Weltpresse, ganz gleich in welcher Sprache oder Mundart sie" geschrieben wird, he- schäftigt sich seit Tagen mit den Vorbereitungen und mit allerdings häufig mißglückten Voraussagen zur diesjährigen nationalsozialistischen Heerschau. Dabei sind es keineswegs nur die mit uns befreundeten Nationen, in deren Blättern die Nürnberger Veranstaltung fo ausführlich gewürdigt und bewundert wird, sondern auch die von „demokratischen" und „antifaschistischen" Kräften beherrschten Länder können nicht umhin, den Vorgängen In der alten deutschen Kaiserstadt eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Wie soll man sich diese Wirkung erklären, die gegenwärtig von der alten Noris, dem augenblicklichen Kraftmittelpunkt des Dritten Reiches ausgeht? Ist es nur Neugier, ist es das mehr berufsmäßige Interesse der Diplomaten und Politiker, die sich als Augenzeugen ein Bild von der militärischen, machtmäßigen und moralischen Stärke des europäischen Kernlandes machen wollen, die zu erfahren suchen, welche Absichten und Ziele das machtvoll gewachsene Großdeutschland in Zukunft verfolgen wird? Ein nationalspanisches Blatt hat die seltsame Anziehungskraft, die von dem Ort der Reichsparteitage ausstrahlt, mit diesem Wort zu deuten versucht: „Für uns ist Nürnberg eine Lehre und eine Offenbarung." Und Rejchspresse- chef Dr. Dietrich, der zu Beginn des Parteitages die in- und ausländischen Schriftleiter empfing, erklärte ihnen den Zweck und Sinn dieses Festes in der Weise, daß sie auf dem Kongreß der Partei „die Stimme der Zeit" vernähmen.
Hier liegt offenbar das Geheimnis jener Kraft, mit der sich Nürnberg plötzlich in den Mittelpunkt der Welt stellt. Man will, wie Dr. Dietrich schon vorher ausführte, in Nürnberg das Geschehen der Zeit von der Warte der großen Entwicklungen und aus der Perspektive geschichtlicher Aufgaben sehen, und man hofft, aus der richtig gedeuteten Gegenwart auch einen Blick in die Zukunft tun zu können, — ein Verlangen, das naturgemäß die ausländischen Pressegäste ebenso sehr beherrscht wie die deutschen Schriftleiter. Der Verlauf der deutschen Geschichte in den letzten fünf Jahren aber hat Gegnern und Freunden zur Genüge bewiesen, daß das, was in Nürnberg schon immer verkündet wurde, nicht in den Wind gesprochen worden ist, sondern im Bereich der praktischen Politik sehr bald seine Verwirklichung, seine Bestätigung und Rechtfertigung erfuhr.
Die nationalsozialistische Weltanschauung, die auf den jeweiligen Reichsparteitagen so sichtbar manifestiert wird, ist zwar eine rein deutsche und nur unser Volk bindende Angelegenheit, aber die Erkenntnisse, auf denen sie sich aufbaut, haben zum Teil auch eine absolute, nicht durch Staatsgrenzen beschränkte Gültigkeit. Gerade während des letzten Jahres konnten wir mit Genugtuung feststellen, wie diese Erkenntnisse (beispielsweise in der Rassenfrage, in der Frage der sozialen GerechtiakeiU in zunehmendem Maße auch von anderen Gtaatsführunqen — ohne unser Zutun — beherzigt und in die Tat umgesetzt wurden. Es gehen von dem Ort, ,,wo unsere Ideen marschieren", geistig-weltanschauliche Kraftströme aus, die schon durch ihr bloßes Dasein und ihre Bewährung den Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts zeigen, daß sie hier die Stimme ihrer Zeit, ihres neuen Zeitalters vernehmen werden. Im großen geschichtlichen Ringen der Weltanschauungen, im Kampf zwischen Ordnung und Chaos bildet daher Nürnberg immer wieder den Ort der Entscheidung, den Ziel- und Treffpunkt aller Menschen, die irgendwie den Hauch dieser Zeit verspürten. H. Evers.


