Hrj82 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
b./7. August M8
mer
und durch dich.
Es sind schwere Fragen, die uns da bedrängen. Wie sollen wir einen Pfad finden, um sie zu lösen? Wir könnten es uns kid)t machen und, im Sinne eines falschen biologisch-typologischen Denkens, antworten:. Die einen sind eben schwach, sie gewinnen keine neue Willenskraft, selbst wenn sie zu Gott flehen würden. Die anderen sind von Natur stark, und sie werden „immer wieder oben
hältnismäßig kleinen Teil der heimischen Landschaft betroffen. Es tobte auch über Großen-Buseck, wo es sich eine Stunde lang unter Blitz, Bonner und heftigem Regen entlud. Dort fiel aber kein Hagelkorn. In der Gemarkung Reiskirchen war vom Unwetter nicht viel zu spüren. Es regnete lediglich etwas; auch in der Richtung nach Grünberg äußerte sich das Wetter nur sehr wenig. Nördlich schien die Gewitterfront ebenfalls eng begrestzt gewesen zu fein; so fiel in Heuchelheim, in Wieseck und Lollar nur sehr wenig Regen und vor allem kein Hagel.
dachte der Ober, ob es Zeit sei, zu — kassieren, denn ohne daß es die Gäste wollten, hatten sie schon mehr als einmal den Mann in der weißen Jacke um Geld gebracht, wenn sie vor einem losbrechenden Platz-
Trotz Derkehrserziehungswoche und umfangreicher Aufklärung in Wort und Schrift herrscht im Radfahrerverkehr leider immer noch ein großes Maß von Disziplinlosigkeit. Oft genug ist den Radfahrern und Radlerinnen gesagt worden, daß sie nicht nebeneinander, sondern nur hintereinander fahren dürfen, wenn sie den Anordnungen der neuen Straßenverkehrsordnung entsprechen wollen. Diese Bestimmung gilt nicht nur für das Radeln in den verkehrsreichen Straßen der Stadt, sondern sie hat auch für das Radfahren in den Dorfstraßen und auf den freien Landstraßen Gültigkeit, auf den Landstraßen selbst dann, wenn zufällig auch einmal für kurze Zeit der Radler ober die Radlerinnen sich „allein auf weiter Flur" befinden.
Täglich kann man aber in der Stadt sowohl, als auch auf den Landstraßen und in den Dörfern die Wahrnehmung machen, daß gegen diese bindende Vorschrift des Hintereinanderfah- rens der Radfahrer immer noch stark verstoßen wird. Zu zweit, ja zu dritt gondelt man unbekümmert um die anderen Derkehrsteilnemer in
Dem Auge das Beste!
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Vorgewitter-pastell.'
Um den Turm der Kirche kroch es blau; das schieferne Dach bekam Konkurrenz in Wolken, die sich gewittrig ballten. Ueber das grelle, heiße Quadrat des Marktplatzes flog eine weiße Wolke und wurde von der Wetterwand verschluckt. In diesem Augenblick verlor die erstarrte Landschaft der Stadt ihre groteske Unwirklichkeit. Ein Windzug ging durch die Gassen.
Ein Fenster flog klirrend zu und wurde im nächsten Augenblick wieder geöffnet. Ueber den roten Geranien tauchte für Augenblicke ein Ko'pf auf und drehte sich himmelwärts. In der kleinen Wirtschaft, die ein paar Stühle auf der Gasse stehen hatte, be-
Aus Der Stadt Gießen.
Som unbeugsamen Willen.
Von Hans Hartmann.
Neulich las ich e\n Wort des Führers: „Es gilt der ! ewige Grundsatz, daß dort, wo ein unbeugsamer | Wille herrscht, auch eine Not gebrochen werden kann. ' Unmöglich ist gar nichts, und es geht alles, wenn i man will." Das Wort ist ebenso hochgespannt wie i das, das Alcest in Goethes „Mitschuldigen" spricht: : „Wer will, ist dem nicht alles möglich^" Und wie es ' dann so geht, bald stellten sich noch ähnliche Wo^te ein. Ein deutsches Sprichwort: „Man kann alles, was man will", ein anderes: „Der Wille ist und tut alles", und ein drittes: „Der Wille ist des Werkes Seele". Denken wir noch an den Willen als Mittelpunkt der Schopenhauerschen Lehre, die so viele Anhänger gefunden hat, wohl mehr als die eines anderen Philosophen, so rundet sich das Bild: bedeutende und führende Menschen haben ebenso wie das Volksgefühl von der unbezwinglichen Kraft eines zielbewußten Willens gewußt.
Wir sind alle Menschen, denen der Wille zu schaffen gemacht hat und zu schaffen macht. Er nimmt ja leider so oft die Form des ,.Wider"-Willens an. Ein Plan wird gefaßt: zu Anfang geht alles gut, frisch ist die Kraft, Hindernisse werden spielend genommen. Aber dann wird es ernst. Es kommen die Zeiten der Prüfung und des Standhaltens. Hindernisse, Schicksalsschläge nehmen dem Willen die Kraft. Wir versagen. Und zu dem Leid des nichtvollendeten Plans'kommt das größere des versagenden Willens; denn da leidet unser Selbstvertrauen, und wir haben das Gefühl, ins Leere zu gehen. z
, Da trifft uns solch ein Wort: Unmöglich ist gar nichts! Das haben wir ja auch gemeint, und darum hatten wir unseren Weg frisch begonnen. Aber es kam die große Enttäuschung, und sie wurde zur großen Flucht.
Vielleicht gelingt es uns, noch einmal einen Anlauf zu nehmend Wir sagen uns: Was Tausende vermochten, warum sollst du das nicht können?
Aber nicht immer hilft das. Es lauert noch ein anderer Feind; er flüstert uns ein: Mach deinen Willen nicht zum Götzen! Er macht dich fanatisch und halsstarrig. Das gibt verkrampfte Menschen, die durch dick und dünn wollen, die nicht rechts noch links sehen, die von sich und anderen das Unmögliche verlangen. Und wenn du unter Aufbietung der letzten Willenskräfte dein Ziel erreichst, was haft du bann? Dann bist du wie der Marathonläufer, her als Erster durchs Tor gebt,, aber dein Herz ist leer, zwischen Kraft und Werk ist kein Gleichklang, und das innerste Wesen der Welt, das doch Güte sein soll, hat sich nicht erfüllt an dir
stillzuschweigen, sondern dem anderen Verkehrsteilnehmer noch Dank zu wissen dafür, daß er sie auf ihren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung aufmerksam machte, bevor diese Erziehungsarbeit vielleicht in Gestalt eines gesalzenen polizeilichen. Strafmandats geleistet wird.
Alle Radler und Radlerinnen mögen sich eindringlich folgende Aufklärung von maßgeblicher Seite über die Strafbarkeit nebeneinander; fahrender Radfahrer vor Augen halten: „Wenn zwei Radfahrer auf der Fahrbahn einer Reichsstraße (das gilt sinngemäß natürlich auch für die Straßen in der Stadt) nebeneinanderfahren, |o werden sie nach der verkehrspolizeilichen Praxis beide wegen Verstoßes gegen § 28 letzter Satz der Straßenverkehrsordnung bestraft. Schon aus der Fassung der Verordnung geht klar hervor, daß jeden einzelnen Radfahrer die Verpflichtung trifft, einzeln hinter einem anderen Radfahrer herzufahren. Wenn zwei Radfahrer nebenein- andersahren, so verstoßen sie beide gegen diese Vorschrift. Auch der auf der rechten Seite fahrende Radfahrer hat die Möglichkeit, durch Vorfahren oder Zurückbleiben den Vorschriften des Gesetzes zu entsprechen."
Diese Rechtslage sieht die Behörde als maßgeblich für ihre Behandlung solcher Verstoße von Radfahrern an. Polizei und Gendarmerie werden daher in solchen Fällen, in denen Radfahrer zu zweit oder zu dritt nebeneinanderfahren, auch auf der Landstraße, gegen alle Sünder vorgehen. Wir glauben zuverlässig zu wissen, daß künftighin alle diese Fälle voni den'Sicherheitsorganen mit größerem Nachdruck als bisher behandelt werden, um endlich auch leichtfertige Radler zur Achtung vor den Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung zu erziehen. Wer sich vor Unannehmlichkeiten und vor Strafe schützen, zugleich sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht in Gefahr bringen will, der handle beim Radfahren in der Stadt, auf den Landstraßen und in den Landorten immer nach der Vorschrift: Hintereinander — nicht neben- einand erfahren!
Höhlen und Abgründe, die ihr draußen im Lande vergeblich sucht, in mich herein genommen, da wird sich schon ein Versteck für euch finden." Und fie nahm richtig die Gefährdeten in ihre unerforsch- bar^n Gänge auf.
Als sich die Gefahr wieder verzogen hatte, dankte Maria der Nuß aufs innigste und sagte: „Wenn ich dich mit etwas beschenken kann, das liebste Ding, das mein eigen ist, soll mich nicht reuen, es dir für deine Gastfreundschaft zu geben."
„Nun", brummte die Nuß, „so gib es mir nur auch, das liebste Ding, das du haft."
Da dachte die heilige Maria ein klein wenig nach, und dann erfüllte sie ihr Versprechen.
Und seither ist das Kreuz in der Nuß.
Zeitschriften.
— „Das Innere R e i ch." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgebern Paul Alverdes. Albert Langen-Georg Müller Verlag, München. — Das Augustheft beginnt mit Georg Brittings Erzählung „Das Bild", unverwechselbar in der Besonderheit des Brittingschen Erzähltones; es schließt sich, nach zwei sommerlichen Gedichten von Kilian Kerst, eine ergreifende Erzählung von Bruno Brehm an: „Francesco Per- lini" — Darstellung eines Menschenschicksals aus dem alten Oesterreich. Dann wieder ein Stück aus Wilhelm Schäfers „Theuderich", und zwischen diesen Seiten mit der Darstellung germanischen Schicksals die erhabenen „Sinrchilder des Reiches", denen Hubert Schrade, der Heidelberger Kunstgelehrte, tiefgründige Darlegungen widmet. Gedichte von Hermann Claudius, Weinheber und Emil Lorenz. Ein Wiedersehen mit Salzburg, der Festspielstadt, schildert Paul Alverdes. Die Betrachtungen über Bildnisse Holbeins und über Filme von Sascha Guitry seien der Aufmerksamkeit des Lesers empfohlen.
— Das August-Heft der im Verlag F. Bruckmann, München, erscheinenden Zeitschrift „Die Kunst" bringt in einem wohlgelungenen Farbdruck das heiter-beschauliche Gemälde „Wäsche am Zaun" von Anton Leibi. Den Aufsatz Ernst Kammerers „Ueber den Maler Anton Leidl" schmücken weitere Bilder dieses begabten jungen Münchner Künstlers. Die „XXI. Biennale, Venedig 1938", über die Dr. Wilhelm Rüdiger referiert, gibt einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens aller europäischen Nationen. Unter den in der „Kunst" veröffentlichten Werken sei vor allem die weibliche Bildnisbüste von Alfred Janniot (Frankreich) hervorgehoben sowie das Porträt des flämischen Dichters Felix Timmermans von I. Opsomer und ein Kinderbildnis von Rudolf Hermann Eisenmenger (Deutschland). Eine ganzseitige Abbildung zeigt den Diskuswerfer des Myron, das Geschenk des Führers an die Glyptothek in München. Im zweiten Teil des Heftes sehen wir in Innen- und Außenaufnahmen „Ein Haus ohne Treppen von Architekt Alfred Kicherer" foroie em „Haus am Waldrand" der Architekten Prof. Ernst Wagner und Dipl.-Jng. Werner Commichau, Stuttgart Aus der Gestaltungsarbeit des Amtes „Schönheit der Arbeit" berichtet Dr. Wilhelm Lotz. 23er» schiebens Bildbeifpiele erläutern feine Ausführungen. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein ^Zeitgemäßer Aufsatz Goethes" über Kunst und Handwerk. Manche der darin gestellten Forderungen scheinen heute dev Erfüllung Zuzustreb em
Hintereinander — nicht nebeneinander
Immer noch viele Radfahrer als Verkehrssünder.
wohl behalten."
Das erlaubte die heilige Maria gern, und darum wirst du die Fäden, mein Lieber, schon manchmal in dem Essen, das deine Mutter vor dich hm- gestellt hat, gefunden habey. Aber da mußt du nachsichtig sein und deshalb nicht schelten mit deiner Mutter. Daß damals das heilige Paar und der Heiland nicht ausgetilgt worden, mit dem Leben daoongekommen sind, muß dir so eine kleine Unannehmlichkeit schon wert sein!
Noch ein drittes Mal kamen die Häscher den Flüchtigen nahe, und jetzt wäre es ihnen wohl übel gegangen, wenn nicht ein Nußbaum auf dem Feld gestanden hätte. Die Gottesmuter wußte m ihrer Verzweiflung keinen Ausweg mehr, als eine Nutz zu bitten, sie aufzunehmen.
„Nun, nun", brummte die Nuß, „1 , .
Gelviiler uud Hagelschlag über dem Wecker Tal
Glücklicherweise engbegrenzte Llnwetterzone.
graugrüne Laub Der Kastanien regte |iaj.
Eine Schwalbe kurvte schräg und nieder dahin. In den Wohnungen fiel dasselbe Wort, wurde der gleiche Gedanke wach: „Ein Gewitter kommt. Wie schön!" Die Augen der Kranken gingen sehnsüchtig nach Kühle zu den halbgeschlossenen Läden. Die Männer im eisernen Sattel der Mähmaschinen schauten bedächtig auf. „Es geht vorbei", sagte einer. Die Landleute wissen besser Bescheid mit dem Wetter.
Die blaue Wolkenwand rutschte hinweg, als wäre sie nie gewesen. In der Nacht aber schlug das Gewitter wie mit Keulen zu. r- k.
regen flohen.
Die Radfahrer, die eben noch unendlich müde dahinkurbelten, ja so, als ob ihrs grauen Reifen im Asphalt fleben blieben, richteten sich ein wenig höher auf und traten um eine Spur feftef in die Pedale. Die Autofahrer spürten, wie der Fahrwind kühler wurde. Das Gold der Kirchturmuhrzeiger blitzte.
Es war noch früh am Nachmittag. In einem Fabriksaal sagte ein Mann: „Gerade jetzt, heut, wo ich zum erstenmal nur in Hemdsärmeln bin." Vom Fluß her tarnen erste, ängstliche Badende in die im- noch schwer sonngeheizte Stadt geflüchtet. Das grüne Laub der Kastanien regte sich.
die noch auf dem Halm stand, wie gewalzt an den Boden drückte und vernichtete., Getreide, das aus Haufen stand, wurde unkgeworfen und vom Hagel- schlaa so bearbeitet, daß 'hie Aehren wie gedroschen am Boden lagen. Don den Bäumen wurden die spärlichen Obstansätze restlos abgeschlagen. Der Hagel, der kurz nach 19.30 Uhr einsetzte und geraume Zeit wütete, brachte Hagelkörner von Taubeneigröße, die bald in einer IO- Zentimeter dicken Schicht die Landschaft bedeckten und wie in ein winterliches Kleid emhullten. Groß ist auch der Schaden, der an Kartoffeläckern entstand. Das Kartoffelkraut wurde 3erfd)lagen und zum Teil die Kartoffeln freigelegt. Der nachfolgende Regen schwemmte die Kartoffeln aus dem Erdreich. So wie die Kartoffeln, so wurden von dem etwa eine Stunde anhaltenden wolkenbruchartigen Regen auch die Rüben ausgeschwemmt. Der Blitz schlug in zwei Getreidehaufen ein, die in Flammen aufgingen. Unweit dem Dorfe, nach Bollnbach zu, wurde ein Baum durch den heftigen Sturm, der das Gewitter begleitete, entwurzelt.
Im Dorfe selbst richteten Hagelschlag und wolkenbruchartiger Regen ebenfalls Schaden an. In den Gärten wurde fast alles völlig zerstört; an mehreren Häusern wurden Fenster eingeschlagen, auf den Straßen floß das Wasser in Strömen und drang in Ställe und Scheunen em.
Das Unwetter hat im übrigen nur einen ver-
Der gestrige, saft unerträglich heiße Tag, der unserer Stadt und dem Land wiederum Temperaturen bis zu 34 Grad im Schatten brachte, ließ erwarten, daß es in den Abendstunden zu Gewitterbildungen kommen mußte. Zwar: die Stadt Gießen, die für einen abkühlenden Regen recht dankbar gewesen wäre, bekam nicht viel davon zu spüren! Wohs brachten die gestrigen Abendstunden und die Stunden der vergangenen Nacht Blitz und Donner, aber beides äußerte sich für die Stadt nicht sehr stark. Vielmehr war für jedermann ersichtlich, daß sich das Gewitter in erster Linie über dem Busecker Tal austobte und in unzähligen Blitzen immer wieder den abendlichen und den nächtlichen Himmel flammend erhellte. Noch bis spät in die Nacht, ja faft die ganze Nacht hindurch hielt ringsum das heftige Wetterleuchten an, bis sich heute morgen, beim Aufgang der Sonne, einige Beruhigung durchsetzte. In unserer Stadt fielen kaum einiae Regentropfen, kaum spürte man ein kühles Lüftchen und — heute morgen herrscht nun wieder jene Hitze, an die man sich nun allmählich zu gewöhnen beginnt.
Wir hielten heute morgen telephonische Umfrage und mußten hören, daß Gemarkungen im Osten und Nordosten unserer Stadt erheblich stärker unter dem Einfluß des Gewitters standen. Schwek wurde die Gemeinde Saasen betroffen. Ueber einem Teil der Gemarkung ging strichweise Hagelschlag • nieder, der in den betroffenen Teilen die Feldfrucht,
die Welt hinein. Dabei wird oft gescherzt und gelacht, fast in allen Fällen mindestens ein „Schwätzchen" gemacht. Junge und alte Radler machen sich in gleicher Weise dieses Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung schuldig. Sie lassen auch völlig 1 außer Acht, daß sie durch ihr verkehrswidriges Verhalten nicht nur s i ch selbst in Gefahr bringen, sondern ebenso für andere Verkehrsteilnehmer zu einer großen Gefahr werden, da aus ihrem unverantwortlichen Verhalten leicht schwere Unfälle entstehen können.
Wenn dann einmal — wie es vor einigen Tagen in der Nähe des Professoren-Ecks geschah — ein korrekter Kraftwagenfahrer solchen leichtfertigen Radlern durch einen kurzen Zuruf , ihr unstatthaftes Verhalten zum Bewußtsein bringen will, so muß man als unbeteiligter Zuschauer beobachten, daß die leichtfertigen Radler und Radlerinnen obendrein noch die Beleidigten spielen und „aufmucken" wollen. Dabei sind sie völlig im Unrecht; sie hätten I also allen Grund, in einem Falle wie hier nicht nur 1
schwimmen". .
Das wäre aber eine allzu billige Ausflucht; denn mir spüren, wie jeder von uns, auch der von Natur zart und sogar schwach Veranlagte, aufgerufen ist, an den Willen zu glauben, dem nichts unmöglich ist. So bietet sich eine andere Auskunft als bessere und weisere an: es kommt nicht auf den Willen als solchen an. Man kann mit zähem Willen Freveltaten vollbringen, man kann mit unbeugsamem Fanatismus in die Irre gehen und andere in die Irre leiten. Darum sehen wir uns die Worte, besonders das erste noch einmal an! Sein Kern ist nicht der, daß man Willensmensch um jeden Preis sein soll, sondern daß es gilt, mit unbeugsamem Willen Not zu lindern.
Wir müssen in unserem Herzen den Eindruck einer Not empfangen, die nach Lösung ruft. Dann fließen des Herzens Kräfte, und sie find die stärksten in un-,„ - - ... ~ .,
ferem Willen: und dann kann er Berge versetzen. > nieder, der in den betroffenen Hellen
Maria hatte ihr Wort gegeben, und so mußte sie seinen Wunsch erfüllen. Und seit damals hat der Mohn sein Krönlein. Nachher freilich fing er an, sich darüber zu ärgern, daß die Gäste nicht im Sommer gekommen waren und er es zu seinem roten Schürzchen erhalten hätte, damit er völlig einem König gliche. Und in seinem Aerger wurde er immer gelber und blasser, wovon auch das Krönlein seine Farbe und seinen Glanz verlor.
Die heiligen Wanderer setzten ihre Reise fort, und eine Weile ging sie günstig vonstatten. Allein die Häscher schwärmten überall im Lande umher und waren ihnen bald auf den Fersen. Und es kam dahin, daß sie ihnen abermals ausgeliefert schienen, weit und breit kein Versteck wahrnehmen konnten und abermals große Angst auszustehen hatten. Da gewahrte aber die heilige Jungfrau eine Bohnen- schote. „Die wird uns verbergen!" sagte sie froh, und wirklich zogen sie ein in die Schote, in die Gesellschaft der noch ganz jungen, unfertigen Bohnen, die behaglich in ihren glatten BeUchen lagen. Allein rechts und links ging die Schote nicht recht zu, und es bestand die Gefahr, daß die Häscher ste doch in ihrem Versteck erspähten. Da nahm hie heilige Jungfrau flugs ihr Nähzeug zur Hand und nähte sie auf beiden Seiten zusammen, so daß es hübsch dunkel und behaglich wurde in dem länglichen Raum. Die Knechte des Herodes beachteten denn auch die Schote nicht weiter, zogen vorüber, und als hie Luft wieher rein war, konnte sich auch das heilige Paar wieder auf seinen Weg machen. Maria aber fragte, wie sie her braven Schote den gewährten Schutz entgelten könnte.
„Oh, ich bitte um nichts", sagte die Schote bescheiden, „aber wie hu mich rechts und links zugeschlossen hast, das taugt mir für meine kleinen Bohnen. Wenn du gestattest, so mochte ich die Faden
Legende.
Äon Max Mett.
Als die heilige Maria mit dem Jesuskinde und dem Nährvater Joseph nach Aegypten floh, geschah es, daß die Kriegsknechte, die König Herodes zu ihrer Verfolgung ausgesandt hatte, ihnen schon ganz nahe kamen und es dem heiligen Joseph schon nicht mehr möglich dünkte, ihrem Dräuen zu entrinnen, zumal er weit und breit weder eine Hohle noch eines hohlen Baumes ansichtig wurde, sich dann zs verbergen.
Da stand am Wegende ein langer Stengel mit einem hocherhobenen grünen Mohnhaupte darauf. Und da Maria die Pftanze gewahr wurde, redete sie sie an und sprach: „Wir haben nirgend eine Zuflucht, uns vor unfern Widersachern zu retten; verbirg hu uns in hem Hohlraum heiner Frucht.
„Das will ich wohl tun", errpiherte her Mohn, „wenn ihr auch gewillt unh imstande seid, die Herberge, die ich euch biete, zu bezahlen. Jedes Bettelpack kann ich nicht aufnehmen; denn ich bin vornehm unh so gut wie ein König, ihr solltet nur im Sommer mein leuchtenhes Gewanh gesehen haben."
„Was hir gefällt von hen Habseligkeiten, hie wir mit uns führen", antwortete die heilige Maria, „soll dein sein, wenn wir die Gefahr nur gut überstehen." , , . „
„Daran wird kein Mangel sein, tretet nur ein , sagte her Mohn, „ich teil! inzwischen schon, nachhenken, was ich von euch verlangen werde. Uno so zogen die heiligen Wanderer in die kleine hustende Brutkammer ein, an deren gewölbten Wanden die Tausende von winzigen Körnchen in hohen Regalen ihre Reife abwarteten. Die Hascher kamen heran; sie hatten die Verfolgten, die ste schon erreicht glaubten, mit einmal aus den Augen verloren und waren nicht wenig verdrießlich darüber. Aber es half ihnen nichts, auf den Mohnkopf konnten sie keinen Verdacht haben, und so verloren sie sich allmählich, und das heilige Paar konnte daran denken, aus seinem Zufluchtsort hervorzugehen und die Reife fortzusetzen.
Vorher aber fragte die Gottesmutter noch ihren Wirt, was sie ihm schuldig wären. Dem hatte nun das Kronlein, das er auf Mariens Haupt wahrgenommen, sehr in die Augen gestochen^und er sagte: „Der Dienst, den ich euch erwiesen, ist kein kleiner gewesen, und so kommt ihm auch kein geringer Lohn zu. Gib mir das Kronlein, das du auf „hem Haupte trägst, es wird mir gewiß gut stehen."
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Eine Frau kommt in die Tropen"; Spätvorstellung, 22.45 Uhr: „Das Geheimnis her Marneschlacht 1914" unh „Volk an der Front". — Gießener Rabfahrer-Vereinigung: 20.30 Uhr, Begrüßungsabenb im „Burghof". — 31. Ruber-Regatta auf her Lahn: 9.30 Uhr Vorrennen; 16 Uhr Beginn her Rennen; 20 Uhr Begrüßungsabenb im unteren Bootshaus her GRG. 1877 e. 23.
Tageskalender für Sonntag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Eine Frau kommt in die Tropen"; Frühvorstellung 11.10 Uhr: „Das Geheimnis der Marneschlacht 1914" und „Volk an der Front". — Gießener Radfahrer-Vereinigung: 6 Uhr: Start zur Meisterschaft; 12 Uhr: Ziel her Meisterschaft; 15 Uhr im „Schützenhaus" Sieger- Ehrung, Konzert unh Tanz. — 31. Ruber-Regatta
Essig,aure Tonerde.
Wenn jemand auf eine Quetschung oder eine Wunde einen feuchten Verband legt, was nimmt er dazu? In mindestens 90 von 100 Fällen mehr oder weniger verdünnte, essigsaure Tonerde, öie ist im Volke bas Mittel zu „Umschlägen". In hen meisten Fällen geht es auch gut; die Wunde heilt, sagen wir, trotz der essigsauren Tonerde. Aber es geht nicht in allen Fällen gut. In der Deutschen Mcdi- ziniichen Wochenschrift berichtet Dr. St als aus der Gießener Chirurg i s ch e n Kll ni k zur Warnung über mehrere Fälle, in denen der Verband mit essigsaurer Tonerde zu schweren, ausgedehnten Verätzungen der Haut mit nachfolgenden Eiterungen und langwierigem Krankheitsverlaus geführt hat. Er ist nicht der erste Warner. Es ist beobachtet worden, daß Finger und Zehen durch essigsaure Tonerde ganz absterben können und entfernt werden müssen. Leider sind die Schäden Diel zu wenig bekannt. Der Ruf der essigsauren Tonerde ist so alt und so fest, daß er nicht leicht erschüttert werden kann. Das Sonderbare ist habet, daß er vollkommen undegriMdet ist. Der feuchte Verband ist gut, aber die essigsaure Tonerbe nutzt gar nichts dabei. Eine desinfizierende Kraft hat sie bei gehöriger Verdünnung nicht. Je konzentrierter sie aber angewandt wird, um so mehr steigert sich ihre Aetzwirkung. Dazu kommt noch etwas anderes. Der feuchte Verband soll die Wundabsonderung aufsaugen, damit sie sich nicht in der Wunde staut. Wenn der Verband mit essigsaurer Tonerde aber trocken wird, nimmt er keine Feuchtigkeit mehr an Diese Eigenschaft der essigsauren Tonerde verwertet man ja, um Gewebe regendicht zu machen. Man tut also gut, das Mittel, das nutzlos ist, Dabei leicht gefährlich werden kann, aus der Hausapotheke ober dem Verbandkasten herauszunehmen und nicht ,ich habe die 1 weiter zu Wundverbänben zu verwenden. -an-


