Alter Langsdorfer Bauernhof.
(xd Langsdorf, 5. Aug. Kürzlich hat der hiesige Landwirt Philipp Schiel IV. in der „Reichen Gasse" sein altes Haus mit neuem Verputz versehen lassen. Was Kundige schon lange vermutet hatten, wurde bestätigt: das Haus ist ein sehr schöner Holzbau, der nun wieder zu voller Wirkung gebracht worden ist. Das gibt uns Anlaß, von der Geschichte dieses hessischen Bauernhofes hier in Kürze zu berichten. Die ungeheueren Zerstörungen, die der 3<)jährige Krieg in Langsdorf angerichtet hatte, stellten die Väter vor gewaltige Aufgaben, denen nur starke Menschen gewachsen waren. Wir wissen, daß die Väter jener Aufbauzeit in der Tat ein sehr kraftvolles Geschlecht gewesen sind.
Unter ihnen ragt die heute noch blühende Sippe Roth besonders hervor. Ihr Stammvater, von dem alle Träger des Namens Herkommen, war Henrich R o t h I. Er lebte vermutlich etwa 1615—1680. Da er von der schon vor dem Kriege recht zahlreichen Roth-Sippe ganz allein übrig blieb, mußte er, besonders unter dem staatlichen Zwange der „Ausschätzung", den gesamten Grundbesitz seiner ausgestorbenen Gesippen übernehmen. Das war zunächst eine schwere Last, da er natürlich auch die steuerlichen Lasten und etwaigen hypothekarischen Verpflichtungen übernehmen mußte, die auf den betreffenden Grundstücken ruhten; aber für die weitere Zukunft bedeutete dieser Landerwerb die sichere Grundlage künftigen Wohlstands und Ansehens.
An Ansehen fehlte es Henrich Roth in der Tat nicht: er spielte eine führende Rolle im gesamten Gemeindeleben. Sein Name ist für alle Zeiten mit dem kirchlichen Aufbauwerk jener Zeiten verbunden, da er Kirchenbaumeister war, was dem heutigen Rechneramte nicht ganz entspricht, da der Baumeister die Aufsicht über den gesamten Besitz und das Bauwesen der Kirchenqemeinde führte. Darum fleht Henrichs Name mit Recht auf den alten Glocken.
Für seine Nachkommen ist es wichtiger, daß Henrich Roth auch in seinem Privatleben ein eifriger Bauherr war. Für den großen Ackerbesitz, der ihm zugefallen war, genügte eine Hofreite nicht; wir haben darum das Glück, daß von seiner Hand zwei Hofreiten in unserem Dorfe stehen. Im Jahre 1665 errichtete er das Haus Wilhelm Schiel II. Witwe auf der Obergasse — vql. „Heimat im Bild 1931, Nr. 38, Abb. 2. Man ist sich nicht ganz klar über die Besitzverhältnisse bei der Errichtung dieses Hauses; es scheint, daß damals der Licher Christophel Kann engi eße r der Geldgeber für diesen Bau gewesen ist. Aber die Inschriften weisen unseren Henrich Roth und seine Ehefrau Demuth zweifelsfrei als Besitzer aus. Die reichen Schnitzereien an diesem Hause verraten den guten Geschmack und die Kulturhöhe des Erbauers, die also durch die Greuel des Krieges nicht gelitten hatten. Von einer Besonderheit dieses Hauses werden wir noch zu red"n haben.
Schon einige Jahre vorher hatte Roth eine zweite Hofreite in der „Reichen Gasse" zi< bauen begonnen. Eine entsprechende Inschrift berichtet,' daß er mit seiner Gattin Demuth im Jahre 1659 eine für die damaligen Verhältnisse recht stattliche Scheuer erbaute. Sie zeigt als reiner Zweckbau keinerlei Zierformen und' begnügt sich mit der Namensnennung des Erbauers. Ob bei dieser Scheune damals noch ein älteres Wohngebäude vorhanden
war, ist zu vermuten, kann aber nicht bewiesen werden. Unser Dors hatte noch Jahrzehnte lang nach dem Kriege sogenannte „Hofplacken", d. h. Grundstücke, deren Gebäude im großen Kriege verbrannt und zerstört worden waren. Aus diesen beiden Höfen auf der Obergasse und in der Reichen
Gasse verbreitete sich die Gesamtsippe Roth in den folgenden Generationen.
Im Jahre 1676 erbaute Henrich das zu der vorhin erwähnten Scheuer gehörige Wohnhaus, es ist das nunmehr erneuerte Gebäude. Die besonders beachtenswerte Eigentümlichkeit der beiden von Henrich I. erbauten Wohnhäuser besteht darin, daß sie lateinische Inschriften haben. Die jetzt wieder freigelegte am Reichgässer Hause lautet: „Non est inopta timentibus Deum. Georg Borsich me fecit Anno 1676". Das heißt zu deutsch: „Die Gott fürchten, haben keinen Mangel. Georg Borsich errichtete mich im Jahre 1676".
Der Zimmermeister B o r si ch aus Muschenheim ist uns auch von anderen Gebäuden her als ein Meister seines Faches bekannt. Das Haus blieb nicht lange bei dem Namen seiner Erbauer, sondern ging durch Erbgang in weiblicher Linie auf den Stamm Scheid über. Die Stammfolge ist hier nicht ganz klar, da unsere schriftlichen Quellen leider versagen. Auch die Sippe Scheid hat nicht übermäßig lange in der Hofreite gewohnt: Antonius Scheld I., der im hohen Alter von 96 Jahren 1823 starb, vererbte den Hof an seine Tochter Gertraude. Nach ihr wird das Haus noch heute „Ger- träude-Haus" genannt. Sie heiratete 1776 Jakob Köhler XV., mit dem unsere stärkste Sippe in das Haus einzog. Im Unterschied zu den zahlreichen
anderen Tragern des Namens wurden sie amtlich „die Reichgässer" genannt, ohne Zweifel eine weit beseeltere Kennzeichnung, als die durch bloße Nummern.
Aber auch dieser Köhlerzweig sollte nur zwei Generationen in „Gerträude Hof" bestehen: Im Jahre 1839 heiratete Johann Henrich Schiel III. aus der Weidegasse in das nun schon alt gewordene Haus. Sein Stamm blüht noch jetzt in ihm, so daß die Sippe Schiel es auf fast 100 Jahre gebracht t)at. Die Reichgässer Köhler haben ihre Spuren in der Hofreite hinterlassen in einem 1804 errichteten Stallgebäude, bei dessen Inschrift her Zimmermeister leider der Hausfrau einen falschen Vornamen gegeben hat. Eigenartiger Weise ist diese Inschrift, wenigstens zum Teil, auch lateinisch; der Erbauer hat also die Gepflogenheit seines Ahnherrn fortgesetzt, wahrscheinlich, ohne es zu wissen. Es handelt
sich um das kurze Wort „Soli Deo gloria", „Gott allein die Ehre". Als Philipp Lchiel im Jahre 1935 dieses Gebäude abtragen ließ, um ein neues zu erbauen, hat er das alte Holz mit der Inschrift pietätvoll bei dem Neubau wieder verwendet.
Wie aus der Abbildung zu ersehen ist, hat der Besitzer des Hauses jetzt bei der Wiederherstellung die besonders schöne Giebelseite im Fachwerk wieder Herrichten lassen. Das Gießener Hochbauamt hat ihn dabei fachkundig beraten. Von anderen Zierformen abgesehen, sind besonders die Eckpfosten künstlerisch behandelt. Rebenranken und andere Blumengewinde sind in erhabener Arbeit gestaltet; in seiner kraftvollen Schönheit ist das alte Haus nun zu einer Zierde der Reichen Gasse geworden und erzählt uns von dem Geiste, der in seinem würdigen Erbauer lebte. —He—
Aus aller Well.
Uraufführung des Olympia-Filmes in Helsinki.
In Anwesenheit von Frau Leni R i e f e n st a h l fand in Helsinki die f i n n i s ch e U r a u f f ü h r u n g des Olympia-Films statt. Zu der Veranstaltung waren Vertreter der Regierung, hohe Militärs, die finnischen Sieger der Olympischen Spiele 1936, zahlreiche führende Persönlichkeiten des Sportleben, Vertreter des Diplomatischen Korps und der deutschen Kolonie erschienen. Die Vorführung des Films, mit dem sich die finnische Presse in der letzten Zeit eingehend beschäftigt hat, gestaltete sich zu einem ungewöhnlich großen Erfolg. Zu Beginn wurde Frau Riefenstahl von den olympischen Siegern Hoecker t und Iso Hollo im Namen der finnischen Sportwelt herzlich begrüßt. Der Film, der auf die sportbegeisterten Finnen ein?n tiefen Eindruck machte, wurde immer wieder ston spontanem Beifall begleitet. Besonders groß ist das Interesse der finnischen Sportwelt für diesen Film gerade jetzt, wo es gilt, Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1940 in Helsinki zu treffen. Nach Beendigung der Vorstellung wurde Leni Riefenstahl begeistert gefeiert.
Vorsicht beim Pilzsuchen!
Ein Neunkirchener Ehepaar hatte einen Ausflug nach Daun in der Eifel unternommen und dort ein Zeltlager aufaeschlagen. Während seines Aufenthaltes hatte es Pilze gesucht, zubereitet und gegessen. Als nach einigen Stunden ein anderes Ehepaar an dem Zeltlager vorbeikam, fand dieses die Neunkirchener Eheleute bewußtlos vor. Eine ärztliche Untersuchung ergab, daß die schwere Vergiftung auf den Genuß der Pilze zurückzuführen war. Die Ehefrau ist' bereits g e ft o r b e n, ihr Ehemann liegt noch immer schwer krank darnieder.
„Hawai-Llipper" endgültig verloren gegeben.
Die amerikanischen Kriegsschiffe und Flugzeuge stellten am Freitag ihre Suche nach dem seit einer Woche verschollenen Großflugboot „Hawai- Clipper" ein. Sie hatten auf Anweisung der Marine- und Armeebehörden eine Gesamtfläche von über 160 000 Quadratkilometer zwischen der Maria- nen-Jnsel Guam im Stillen Ozean und Manila abgesucht und erhielten jetzt die Anweisung, in die Manila-Bucht zurückzukehren. Die 15 Mann Be
satzung des Clipper-Flugzeuges werden verloren gegeben.
Zwei französische Kirchen durch Blitzschlag zerstört.
Die Gewitter Haden in verschiedenen Gegenden Frankreichs erheblichen Schaden angerichtet. Sv schlug der Blitz in die historische Kirche von Poissy ein und zertrümmerte den Glockenturm vollkommen. Der Sachschaden ist bedeutend. In Co- rancez in der Nähe von Charttes schlug der Blitz ebenfalls in den Glockenturm ein; die ganze Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Was sind eigentlich Stahl und Eisen?
Es wird sicherlich so mancher Leser in nicht geringe Verlegenheit kommen, wenn er diese Frage beantworten soll! Damit er aber künftig weiß, was eigentlich Stahl und Eisen sind, soll die Frage fachmännisch beantwortet werden. Die Begriffsbestimmungen von Stahl und Eisen sind so einfach, haß sie sich leicht einprägen. Stahl ist das ohne Nachbehandlung schmiedbare Eisen, und zwar gibt es Flußstahl, der im flüssigen Zustande gewonnen wurde, und S ch w e i ß st a h l, der im teigigen Zustande entstandene Stahl. Neben Flußstahl und Schweißstahl gibt es noch Stahlguß. Es ist das ein Stahl, der im Martinofen, im Tiegelofen ober im Elektroofen erzeugt, in Formen gegossen und ohne weitere Behandlung schmiedbar ist. Guß-, eisen kennen wir alle. Im Haushalt sind die Herdringe, die Ofentüren aus Gußeisen. Gußeisen ist Eisen, welches aus Roheisen allein ober mit Bruch-» eisen, Stahlabfällen unb anberen Schmelzzusätzen erschmolzen unb in Formen, gegossen würbe, jeboch keiner Nachbehanblung unterworfen wirb. Gußeisen unterscheibet sich von Stahlguß ober Stahl im wesentlichen baburch, baß es sich nicht schmieben läßt. Dann gibt es noch Temperguß, aus bem beispielsweise unsere Hausschlüssel gefertigt sinb. Früher würbe Temperguß auch schmiedbarer Guß genannt, womit er genügend gekennzeichnet ist. Er wird aus weißem Roheisen gegossen und durch bestimmte Glühverfahren entkohlt (Kohlenstoff entzogen). Hierdurch wird der Temperguß zäh, hämmerbar, leicht bearbeitbar unb bis zu einem gewissen Grabe schmiebbar. Unb jetzt werben Sie genau wissen, was Stahl unb Eisen sinb, unb werben künftig nicht mehr in Verlegenheit geraten!
Heuchelheim (Brauhausstr. 53), den 6. August 1938.
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In tiefem Schmerz:
Frau Marie Weller.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Ludwig Rinn XVI.
Rödgen, Grofeen-Buseck,Trohe,Reiskirchen, Bad Homburg, Darmstadt, den 5. August 1938.
Die Beerdigung findet Sonntag, 7. August, nachmittags 2Vß Uhr statt.
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Danksagung.
Allen denen, die uns beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen ihre Anteilnahme in Worten und Kranzspenden bewiesen und die uns während der Krankheit mit Liebe und Güte hilfreich zur Seite gestanden, sowie dem Herrn Pfarrer Weisel für seine trostreichen Worte herzlichen Dank.
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Heute morgen 51/« Uhr ist mein lieber, herzensguter Mann, der treu- sorgendeVater seines Kindes, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager
Karl Weller, Schuhmacher
nach kurzer Krankheit im blühenden Alter von 33 Jahren sanft entschlafen
Nach langem schweren Leiden entschlief sanft und gottergeben, wohlversehen mit den heiligen Sterbesakramenten, mein lieber Mann
Karl Hilz
im Alter von 62 Jahren.
In tiefem Schmerz:
Frau Margareta Hilz, geb. Spaar.
Gießen (Schillerstraße 7), Wiesbaden, Hagen, den 4. August 1938.
Beerdigung: Montag, den 8. August, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof.
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wie eS volkstümlich heißt, ohne daß ein organischer Herzfehler vorliegt, sollte in seiner Hausapotheke stets Klosterfrau-Melissengeist vorrätig halten und ihn gleich beim ersten Austreten von Beschwerden nach Gebrauchsanweisung an- wenden. Da Klosterfrau-Melissengeist eine beruhigende, krampslösende und regulierende Wirkung auf Herz und Herztätigkeit ausübt, hat er selbst bei bereits vorgeschrittenen Erkrankungen, besonders wenn sie mit nervösen Beschwerden verbunden waren, je und je bessernd gewirkt.
Erklärlich ist diese hervorragende Wirkung dadurch, daß . Klostersrau-Me- lissengeist als Heilkräuterdestillat außer der Melisse, die bereits seit Jahrhunderten als Herzstärkuna bekannt ist,.noch eine ganze Reihe anderer Heilpflanzen enthält. Beim Destillat werden die Heilkräuter in reinem Weingeist gekocht, die Dämpse aufgesangen und wieder verflüsiigt. Dadurch bleiben viele hochaktive Substanzen, auch die flüchtigen ätherischen Ole, erhalten, die bei ein«, sacken Teeabkochungen verlorengehen, weil sie nicht wasserlöslich sind.
Herr Heinrich Ahlers (Bild nebenstehend), Betriebswerkmeister i. R., Oldenburg i O., Haarenseid 8, berichtet am 19. 3. 37: „Im Jahre 1935 erlitt ich im Dezember eine ziemlich schwere Herzerkrankung,. die, trotz anderweitiger
Behandlung bisher, zu drei Anfällen führte. Im Juli 36 laS ich dann von Klosterfrau-Melissengeist. Schon nach kurzem Gebrauch fühlte ick, daß das Herzleiden gelindert wurde. Habe dann regelmäßig Klosterfrau-Melissengeist genommen, seit Juli keine Anfälle mehr gehabt und fühle überhaupt keine Beschwerden mehr. Ich kann Kloster srau-Melissengeist daher jedem, der es mit dem Herzen zu tun hat, empfehlen. Din 64 Jahre alt."
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