Ausgabe 
6.4.1938
 
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Nr.8I Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwochs. April 1938

Aus der Stadl Gießen.

Das schöne Notizbuch.

In letzter Zeit vergaß ich einiges. Einst prahlte ich mit meinem guten Gedächtnis. Es funktionierte tatsächlich. Aber selbstverständlich hatte ich meine Begründung für die plötzlichen Vergeßlichkeiten. Man wird älter. Man hat die Vierzig überschrit­ten. Ach ja

Im Ernst: ich vergaß wirklich zuviel. Es konnte nicht so weitergehen. In der Not frißt der Teufel Fliegen. In der Verzweiflung fällt einem manches ein. Ich dachte plötzlich an ein Notizbuch, das ich an Weihnachten geschenkt bekam. Es war aus rotem und schmiegsamem Leder, es hatte einen Goldschnitt und ein Buchzeichen, auf dem stand in zarter grü­ner Schrift:Heute zur Erledigung wann, wo?"

Dann waren alle Warnungszeichen für Auto­fahrer abgebildet. Ich überblätterte sie. Wächst mir ein Auto auf der flachen Hand? Es befinden sich die Rubrikenfür persönliche Notizen" da: Fern­ruf, Postscheck-Konto, Sparkassenkonto, dies alles mochte angehen, aber bei Krankenkassen-Nr. stockte ich schon. Ich hatte nicht gewußt, daß ich auch bei der Krankenkasse eine Nummer habe.

Dann kommt die Jahresübersicht, die Feiertage, die Auf- und Untergangszeiten der Sonne (bie ich schon immer mal kontrollieren wollte), der Tarif der Reichspost, die Zinsdivisorentabelle, Maße und Ge­wichte und dann, und dann: das Kalendarium.

Für jede Stunde des Tages eine ganze Zeile. Von 7 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Daß ein an­ständiger Mensch nach 10 Uhr noch etwas Vorhaben könnte, nahm das Register ohnehin nicht an. Dann war vor jedem Monat noch eine Reihe weißer Blätter:Vormerken für März!", hieß es da zum Beispiel.

Ich trug ein.Alte Tennisbälle für Friedeberts Paulchen mitbringen. Die Geschichte von der Fliege noch einmal schreiben. An Hanna schreiben, ent­schuldigen. Zehn Mark zurückgeben lassen. Ecker­mann zuende lesen."

Solche Notizen und viele andere trug ich ein. Sehr gewissenhaft, sehr stolz. Meine Brust war ge­schwellt. (Vom Notizbuch.)

Nur komisch, seit ich alles so treulich eintrage, vergesse ich nichts mehr. Woraus man ersieht, wie unrecht man einem Notizbuch täte, wollte man es als überflüssig bezeichnen. r. k.

Vornotizen.

Tageskalender für Mllwoch.

Gloria-Palast (Seltersweg):Verklungene Melo­die". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Juwelen­raub im West-Expreß." Zirkus F. Althoff: 20.15 Uhr Eröffnungsvorstellung.

Fra Diavolo" verschoben.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die für Samstag, 9. April, angesetzte Ausführung der OperFra Diavolo" ist wegen der Wahlkund­gebungen auf einen anderen Termin verschoben worden. Der Tag der Aufführung wird noch 'be­kanntgegeben.

^DitDüutronflrWfront

NS.-GemeinschaftKraft durch Hreude". Theaterring" Achtung!

Die für Samstag, den 9. April, angesehte Vor­stellung für Gruppe U fällt wegen der Wahlkund­gebungen aus.

Wann die Vorstellung nachgeholt werden kann, wird noch bekanntgegeben. Die auf 9.4.38 lautenden Theaterkarten sind sorgfältig aufzuheben.

Montag, den 11. April, 20 Ahr.

KdF."-7Niele Gruppe I: OperetteClivia".

Hierfür gelten die Karten vorn 31.3. 28. Karten zu 1, und 1,20 RM. in der Kartenoerkaufsstelle, Seltersweg 60. 2281V

Fünf Jahre Aufbau in Gießen.

Oie Entwicklung unserer Stadt im Spiegel der Haushaltspläne.

IIP.

Neben ihren finanz- und betriebswirtschaftlichen Aufgaben, sowie ihren städtebaulichen Pflichten hat die Stadtverwaltung bei ihrer Aufbauarbeit die kulturellen Belange der Gießener Bevölkerung eben­falls mit aller Kraft gefördert. Eindrucksvoll bewei­sen dies besonders die Haushaltspläne des Stadt­theaters, der Museen und der gemeinnützigen Bil- dungsoereine.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Haus­haltspläne des Stadttheaters, so finden die nachstehenden Zahlen als klare Zeugen des Auf­baues unser besonderes Interesse:

Städt. Zuschuß

des

von Ober-

Ausgabe 301 575 359 725 305 400 399 000 412 000

72 075

94 525

110 500

112 100

145 000

Wirken

Einnahme

RM. 229 500

265 200

194 900

286 900

267 000

1933:

1934:

1935:

1936:

1937:

In engem Zusammenhang mit dem Stadttheaters steht die Tätigkeit des bürgermeister Ritter im Jahre 1935 ins Leben gerufenen städtischen Orchesters. Für diese dankenswerte künstlerische Einrichtung unserer

Stadt sind seit 1935 folgende Zahlenangaben in den Haushaltsplänen zu verzeichnen:

Einnahme Ausgabe Städt. Zuschuß

1935: RM. 25 000

1936: 50 500 77 800 27 300

1937: 141300 203 800 62 500

Heber die Zahlen der Vorstellungen des Gießener Stadttheaters liegen uns von maßgebender Stelle die nachstehenden eindrucksvollen Angaben vor:

Spielzeit 1933/34: 208 Vorstellungen (davon in Bad-Nauheim 35, für KdF. 5, in anderen auswär­tigen Orten 18).

Spielzeit 1934/35: 223 Vorstellungen (davon in Bad-Nauheim 22, für KdF. 5, in anderen auswär­tigen Orten 14).

Spielzeit 1935/36 : 255 Vorstellungen (davon in Bad-Nauheim 20, für KdF. 3, Morgenfeiern 5, in anderen auswärtigen Orten 26).

Spielzeit 1936/37: 273 Vorstellungen (davon in Bad-Nauheim 33, für KdF. 20, Morgenfeiern 16, in anderen auswärtigen Orten 14).

Spielzeit 1937/38: 313 Vorstellungen (davon in Bad-Nauheim 41, für KdF. 43, Hitler-Jugend 10, Morgenfeiern 17, in anderen auswärtigen Orten 40, ferner 10 Aufführungen der Hutten-Festspiele auf der Steckelburg bei Schlüchtern).

Besonders hervorzuheben ist die Tätigkeit der NS.-G e m e i n sch a f tKraft durch Freude" in Verbindung mit dem Stadttheater.Kraft durch Freude" konnte im Jahre 1935 nur erst 5 Vorstellungen im Stadttheater mit je etwa 700 Besuchern veranstalten. Im Jahre 1937 dagegen stieg die Zahl dieser Veranstaltungen auf 20 mit etwa je 800 Besuchern. Für das Jahr 1938 sind 43 Vorstellungen im Stadttheater vorgesehen, an denen sich voraussichtlich je 600 Volksgenossen durch KdF." beteiligen werden; die geringere Zahl gegenüber 1937 ist damit zu erklären, daß bei den KdF."- Vorstellungen in diesem Jahre jedesmal ein erheblicher Teil der Eintrittskarten dem freien Tagesverkauf vorbehalten wird.

Diese Zahlen beweisen, daß unsere Stadt für diese beiden Stätten der Kunst alljährlich erhebliche Opfer bringt. Es wird wohl niemand behaupten wollen, daß die Aufwendungen dieser Art zur Pflege der künstlerischen Werte eigentlich nicht nötig seien. Man wird auch nicht behaupten können, diese bei­den Stätten der Kunst seien nur für eine bestimmte und engbegrenzte Bevölkerungsschicht vorhanden.

* I in Nr. 77 vom 1. 4., II in Nr. 78 vom

2. und 3. April. I

Seitdem die begrüßens- und dankenswerten Veran­staltungen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" in steigendem Maße auch im Stadttheater zur Geltung kommen, ferner die Sonntag-Morgen- oeranftaltungen ftattfinöen und der Jugend in den von der HI. veranlaßten Darbietungen Gelegenheit gegeben ist, die Schönheiten der darstellenden und musikalischen Kunst zu genießen, alle drei Veran­staltungsgruppen bei sehr annehmbaren Eintritts­preisen gegeben, kann man gewiß unwidersprochen die Behauptung aufstellen, daß das Stadt­theater und das städtische Orchester auch den geringer bemittelten Volks­genossen gehören und ihnen wertvolle Stun­den der Erholung bereiten. Daher sind denn auch die finanziellen Aufwendungen der Stadt für diese Pflegstätten der Kunst in vollem Umfange gerecht­fertigt, denn sie geben einer Aufbauarbeit, die außerordentlich wertvoll für das Volksganze ist, den erforderlichen starken Nährboden.

Als weiteren wichtigen kulturellen Faktor betrach­ten wir im Rahmen dieser Haushaltsschau die städ­tischen Aufwendungen für unsere Museen. Hier ergibt sich folgendes Bild:

Einnahme

1933: RM. 2 848,30

1934: 2 648,30

1935: 2 648,30

1936: 2 648,30

1937: 4 298,30

Ausgabe Städt. Zuschuß

11 876,23 9 027,93

10 921,25 8 272,95

12 162,90 9 514,60

12 846,70 10198,40

16 174,86 11 876,56

Daneben werden alljährlich andere gemeinnützige kulturelle Einrichtungen, wie das Städtische Archiv, der Oberhessische Kun st verein, die Volks-Lesehalle und eine Anzahl ge­meinnütziger kultureller Vereine und Vereinigungen (dabei auch der Gießener Konzertverern) lausend mit städtischen Beihilfen bedacht, die all-

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auch den Her.f

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jährlich manche Tausende von Mark ausmachen, ohne auf der anderen Seite Einnahmen überhaupt oder zum Teil zu haben. Auch hier werden von der Stadt alle diese Aufwendungen für wichtige kultu­relle Einrichtungen gern geleistet in der Erkenntnis, daß die Ausgaben wertvolle Faktoren des Aufbaues und der Vertiefung der Verbun­denheit aller deutschen Menschen mit den großen Werten der deutschen Kultur und der deutschen Ge­schichte sind. B.

Zwei neue Motorspritzen (ür die Gießener Feuerwehr.

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f) I ß > > g, fr <

Der Ausrüstungsbestand unserer Gießener Städti­schen Feuerwehr, der nach der Anschaffung der bei­den großen Wagen (Leiter und Motorspritze) an sich schon als ausgezeichnet betrachtet werden durfte, hat eine bedeutsame Erweiterung erfahren. In die­

sen Tagen wurden nämlich zwei neue Motorspritzen abgenommen und in den Dienst unserer Städtischen Feuerwehr gestellt. Bei diesen neuen Geräten han­delt es sich um zwei Magirus-Motorspritzen, die für eine Leistung von 800 Liter je Minute Wasserabgabe eingerichtet sind. Der Wasserstrahl kann dabei bis auf eine Höhe von 60 Meter getrieben werden. Die Kraft für diese Leistung liefert ein 500-cem-Benzin- motor, der unmittelbar mit der Pumpe gekuppelt ist. Für die beiden neuen Motorspritzen sind eigens dafür konstruierte geschlossene Wagen vorhanden, in die die Pumpen eingestellt werden. Durch die Schaffung von Anhängevorrichtungen können diese beiden Wagen an den neuen großen Löschzug an- gehängt werden. Durch die Möglichkeit der Mitfüh- rung der neuen 800-Liter-Motorspritze kann der Wagen mit der großen Steigleiter auch als Lösch­halbzug angesehen und tatkräftig eingesetzt werden.

Der große Vorteil, der in der Anschaffung der neuen kleinen Pumpen besteht, liegt darin, daß es nunmehr möglich ist, mit einem wertvollen Motor­löschgerät selbst in engsten Straßen und Gassen nahe an den Brandherd heranzukommen, sofern eine Wasseranschlußmöglichkeit gegeben ist. Hier dürften sich die kleinen neuen Pumpen als eine wertvolle Ergänzung der großen Motorspritze erweisen. Die neuen Geräte sind mit vier Handgriffen ausgestattet, so daß einige Mann das Gerät überallhin trans­portieren können.

Für die Kameraden unserer Gießener Feuerwehr ergab sich die Notwendigkeit, sich mit dem neuen Löschgerät vertraut zu machen. Zu diesem Zwecke war man gestern ausgerückt und übte mit einer der neuen Pumpen hinter dem Schlachthof unmittelbar an der Lahn. Die Aufgaben wurden dabei von Brandinspektor Lenz und von Oberfeuerwehr­mann Happel besonders knifflich gestellt insofern, ols absichtlich an dem Gerät (an Motor, wie an Pumpe) Veränderungen vorgenommen wurden, die

Abenteuer in Paris.

Vornan von Hans Hiriharnrner.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau t. (5a.

27. Fortsetzung, (Nachdruck verboten!)

27.

Armand Larusse ließ vor Verblüffung ein Ei fallen, das er eben zu verzehren im Begriffe war. Gleich darauf packte ihn Helle Empörung.

Was hat man aus meinem russischen Bauern­mädchen gemacht? Einen Vamp hat man aus ihr gemacht, eine Giftschlange aus der Rue Georgette! Ich finde nicht die Worte, meiner Entrüstung wür­digen Ausdruck zu geben!"

Desto besser!" lachte Heinz Stadler.Denn dann kannst du dich geräuschlos austoben. Wenn du da­mit fertig bist, darfst du dich zu uns an den Tisch setzen!"

Wunderbar siehst du aus, Pawla!" rief Armand, dessen Abscheu urplötzlich in Helle Begeisterung um» geschlagen war. Er griff nach Bleistift und Papier­block.Ich muß dich sofort skizzieren, Vorarbeit für ein neues Bild. Ich werde esParis" nennen, ein­fachPar!^". Wie findest du das, Stadler?"

Genial natürlich, wie alles, was deinem begna­deten Gehirn entspringt. Wie ist es, hat sich der Taxichauffeur noch nicht gemeldete

Nein, bis jetzt hat sich noch niemand sehen lassen. Oh, Pawla, welch ein Mädchen hat uns der Himmel an dir geschenkt! Meine arme Hütte ist es nicht wert, von der Sonne deiner Gegenwart erhellt zu werden. Segne uns, Göttin, mit einem Kuß!"

Stadler blickte seinen Freund von der Seite an und kratzte sich das Kinn. Plötzlich kam ihm eine Erleuchtung. Er trat auf das Fenster zu, hob den Vorhang weg natürlich!

Die Weinflaschen, die er auf das Fensterbrett gestellt hatte, waren verschwunden. Dieser unbe­kümmerte Kunstjünger hatte den ganzen Wein­vorrat erbarmungslos ausgerottet. Damit war auch sein merkwürdiges Benehmen hinreichend er­klärt.

Armand schielte mißtrauisch zu ihm herüber. Suchst du etwas, geliebter Freund, oder willst du nur nach dem Wetter sehen?"

Ich suche etwas, aber ich kann es nicht finden. Mir war doch so, als wenn ich vorhin ein paar Flaschen hier eingelagert hätte Oder sollte ich mich getäuscht habend"

^Sicher hast du dich getäuscht, mein Armer!

Es trübte sich dein Blick und schauernd sahst du das dunkle Nichts, des Orkus leere Schatten!"

Hör um Gottes willen auf!" schrie Heinz und hielt sich die Ohren zu.

Ich verstehe deinen Schmerz, geliebter Freund? Gib mir von deinem Mammon, daß ich schleunigst eile, beim Händler unten das ersehnte Naß dir zu besorgen!"

Wenn du anfängst im Versmaß zu sprechen, bin ich geschlagen." Heinz zog die Geldbörse.Aber mach dir keine Hoffnungen, daß du auch nur einen Tropfen davon noch zu schmecken bekommst! Hebrigens könntest du die Gelegenheit benützen und dich einmal nach dem Verbleib des Chauffeurs um­sehen."

Armand nahm das Geld in Empfang und zog schmollend ab.

Pawla dachte nach, was sie dazu bewogen hatte, für diesen Mann, den sie kaum kannte, ein so schweres und gefährliches Spiel zu wagen. Sie wußte ganz genau, daß sie sich auf keinen Fall zu einer so tollen Komödie hergegeben hätte, wenn etwa Armand Larusse den Einfall gehabt hätte, derartiges von ihr zu fordern.

Warum aber war bei diesem anderen Manne kaum ein Widerspruch in ihr laut geworden?

Pawla wußte keine Antwort oder vielleicht wußte sie eine und vermied es nur, sich die Wahr­heit einzugestehen?...

Heinz legte ihr mit einer zärtlichen kurzen Geste die Hand ermunternd auf die Schulter.

Sie find so nachdenklich, Pawla Werzewna! Hat sich schon das Lampensieber eingestellt? Da sind ein paar Schlucke Alkohol das beste Gegenmittel!"

Sie lächelte schwach.Ich habe nicht das geringste Lampenfieber mehr. Im Gegenteil, ich sehe mit einer Art von prickelnder Spannung den kommen­den Ereignissen entgegen."

Ja, ich glaube, daß Sie Ihre Sache gut machen werden. Aber jetzt müssen Sie erst einmal tüchtig essen."

Ich habe eigentlich gar keinen Hunger!"

Trotzdem! Es wird nachher nicht zu vermeiden sein, daß Sie eine gewisse Trinkfestigkeit unter Be­weis stellen müssen. Dazu bedarf es eines wohl­versorgten Magens."

Da stand sie auf und ging zum Eßtisch hinüber. Aber das gleiche gilt auch für Sie. Ich hoffe also, daß Sie tüchtig mithalten!"

Gern!" lachte er.Obgleich Sie, was mich be­trifft, keine Sorge zu haben brauchen. Ich bin ziemlich abgehärtet gegen alkoholische Einflüsse."

Inzwischen kam Armand mit dem Wein zurück Als er die beiden mit dem Abendbr^ beschäftigt

sah, wollte er sich sacht mit den Flaschen ins Schlaf­zimmer zurückziehen; aber Heinz hielt ihn mit einem warnenden Zuruf zurück.

Nein, nein, mein Lieber, so haben wir nicht gewettet. Diesmal wollen wir schon auch ein bißchen davon haben."

Was denkst du von mir!... Ich wollte doch die Flaschen nur kalt stellen."

Ach so! Dann entschuldige meinen abscheulichen Verdacht! Hnd wo steckt der Chauffeur? Hast du dich erkundigt?"

Habe ich! Aber der Mann, mit dem wir ge­sprochen hatten, war gerade nicht da. Aber sein Kollege sagte mir, daß unser Mann seitdem nicht wieder zurückgekommen sei."

Das ist ärgerlich! Ich bin sehr beunruhigt wegen Fräulein Bosch. Zu dumm, daß ich mich dieser Sache jetzt nicht widmen kann! Wenn du nicht so vollkommen untauglich für ernsthafte Aufgaben wärest, könntest du das in die Hand nehmen"

Armand brummelte etwas Hnverständliches vor sich hin. Dann setzte er sich zu den beiden an den Tisch und begann zu essen.

Pawla hatte einen gesunden Appetit und griff herzhaft zu. Stadlers Mahnung schien auf frucht­baren Boden gefallen zu fein.

Nun, Armand, streng dich mal an! Vielleicht findest du unter deinen Schätzen irgend etwas, das sich zum Eingießen des Weines eignet."

Natürlich! Es wäre aber wunderschön, wenn du mich jetzt für eine Weile in Ruhe lassen würdest. Ihr könnt doch aus der Flasche trinken! Ich habe keine Gläser."

Aber ein paar Tassen wirst du wohl haben?"

Der Maler kramte brummend aus der vollge­stellten Ofenecke etwas hervor, das man zur Not als Taffen ansehen konnte. Bei der einen mar der Rand abgestoßen, die zweite hatte keinen Henkel und die dritte mußte erst gereinigt werden.

Es wäre wahrhaftig kein Ünglücf, Armand, wenn du dich gelegentlich nach einer tüchtigen Haus­frau umsehen würdest."

Der Himmel bewahre mich! Ich fühle mich noch nicht so vertrottelt, um unter Aufsicht gestellt zu werden."

Haben Sie gehört? Pawla? So sprach der Fuchs, als er die Trauben nicht erreichen konnte!"

Armand zuckte verächtlich die Schultern.Pah. flenug könnte ich haben; aber ich denke nicht daran. Weiß ganz gut, wie es kommen würde: Ach, Schatzi, sieh doch diesen schönen Hut? Liebling, ich habe wirklich nichts 3um Anziehen, und das Kleid ist doch so billig! ..."

Er brachte das in einer derart drolligen Entrü­stung heraus, daß die beiden Zuhörer hellauf lachen mußten.

Das könnte man ja noch hinnehmen. Aber da die Frauen sich berufen fühlen, in allen Dingen dreinzureden, von denen sie nichts verstehen, wäre ich auch bei meiner Arbeit nicht mehr sicher: Das solltest du anders machen, Liebling. Dieses Rot im Hintergrund finde ich viel zu grell. Hnd das soll eine Venus fein? Der Hals ist doch viel zu dick! Hnd die Arme- solltest du nicht zu dünn malen. Hnd die Haltung, was ist das für eine Hal­tung! Hnd warum wählst du überhaupt so was Hnanständiges? Mal ihr wenigstens hier einen Schleier darüber. Hnd wo ist überhaupt die Schlange? Wenn es schon eine Eva sein soll, dann gehört auch die Schlange mit dazu! Ach, mein lieber Heinz, und dann die ewige Eifersucht! Ich dürfte mir bloß lauter alte Weiber als Modelle nehmen! Nein, brr! Danke ergebenst!"

Heinz Stadler konnte nicht mehr essen, so schüt­telte es ihn vor Lachen. Mit fuchtelnden Armen ge­bot er dem Redefluß des Freundes Einhalt.

Er wendete sich immer noch lachend Pawla Wer­zewna zu.Sagen Sie, Pawla, sind denn dia Frauen wirklich so schlimm?"

Sie antwortete mit einem ernsthaften Nicken. Immerhin soll es einige Ausnahmen geben!"

Hörst du, Armand, nach einer solchen Ausnahme mußt du suchen."

Verdammt, sucht ihr doch, wenn ihr solchen Wert darauflegt, mich als Sklaven auszuliefern."

Nach einer Weile blickte Heinz Stadler auf dis Hhr und warf dann dem Mädchen einen auffordern­den Blick zu.Es wird Zeit, Pawla Werzewna, wir wollen aufbrechen!"

Wenn nun aber der Chauffeur doch noch kom­men sollte?"

Dann schreibe dir seine Aussage auf und gib die Meldung an die Kriminalpolizei durch?"

Er half Pawta Werzewna in den Mantel, und dann verabschiedeten sich die beiden von Armand.

Er drückte ihnen, soweit es sein Zustand noch zuließ, tüchtig die Hände.Ihr habt leider nur son paar Andeutungen gemacht; aber nach dem, was ich mir so zusammenreime, scheint sich da eine hitzige Angelegenheit zu ... zu ... Also laaaßt euch nicht totschießen, Kinder, tut mir das nicht an?" Hnd auf einmal begann er zu heulen.

Weine nicht, mein armer Junge! tröstete Heinz und klopfte dem betrunkenen Freund auf die Schul­ter.Wir werden es schon schaffen."

(Fortsetzung folgt.)