Ausgabe 
6.4.1938
 
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Begeisterndes Graz.

Drn Wichard Euringer.

Es ist Graz in diesen Tonen nicht nur eine be­geisterte. sondern begeisternde Stadt! Das liegt nicht etwa am Häuserschmuck; einem Schmuck, wie wir ihn fast nur vom Reichsparteitag aus dem fest­lichen Nürnberg kennen. Es liegt auch nicht nur am Besuch des Führers, dem die Hauptstadt Steier- marks mit glühender Liebe entgegeneiferte und der nun in allen Herzen nachklingt. Es ist auch nicht allein dieStimmung, wie sie in überwältigter und überwältigender Freude überall sich im Reich entlädt, nein, es ist d ie Art der Menschen, die hier litten, trotzten, kämpften, ihre ungebrochene Art, ihre Haltung, ihr unwiderstehliches Men­schentum.Wildfremd^ noch vor Stunden, sind wir uns förmlich um den Hals gefallen. Der Leiter des Landesmuseums, der erste, den ich aufgesucht, ließ alles andere liegen und stehen und hat mich bis spät in die Nacht hinein zu lauter lieben Menschen geschleppt", im Wagen, einfach von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung, und überall war ich gleich daheim, überall erzählten ffe, Männer und Frauen, die seit Wochen nicht mehr richtig zum Schlafen gekommen vor Hochspannung, vor

webte, oder der Schlägel des Kithara-Spielers von selbst die rechten Saiten träfe, dann würden Men­schenhände bei keiner Kunst zur Ausübung nötig sein. Ein Baumeister würde keiner Zimmerleute und Handlanger, ein Werkmeister keiner Gehilfen, und ebensowenig ein Herr und Hausvater der Dienstboten und Sklaven bedürfen."

Es hat fast zwei Jahrtausende gedauert, bis die Schau des Aristoteles Wirklichkeit wurde, sehr wider Willen einer trägen Materie und einer konser­vativen und maschinenfeindlichen Welt.

' H. Sch-r« i

Kunst und Wissenschaft.

Die Darrings, zweiter Teil.

Wie wir den Mitteilungen des Rütten & Loe- ning Verlags, Potsdam, entnehmen, erscheint im Herbst dieses Jahres die Fortsetzung des erfolg­reichen Ostpreußen-RomansDie Barrings" von W. v. Simpson. Der zweite Band, der den TitelDer Enkel" trägt, behandelt das Schick- sal des jungen Archibald von Barring, den die Mutter um das Erbe betrogen hatte und der sich nun in eine neue Welt finden und sich darin bewäh­ren muß. Zeitgeschichtlich greift der Roman in die Aera Wilhelms II. hinüber.

Fachbuch-Ausstellung im Frankfurter Römer.

Die Reichsschrifttumskammer, Landesstelle Hessen- Nassau, veranstaltet in Frankfurt im Römer in Verbindung mit dem Reichsnährstand eine Aus­stellungDas Fachbuch ein Weg z u L e i st u n g und Erfol g", die durch den Landes­obmann der Reichsschrifttumskammer Karl B ö h l e eröfnet wurde. Bühle kam auf die Bedeutung des Fachbuches für die Steigerung und Verbreitung des Wissens zu sprechen; diesem Umstande müsse gerade angesichts der Aufgaben des Vierjahrespla- nes größte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Die Ausstellung gliedert sich in vier Abteilungen, näm­lich in Fachbücher für die Forstwirtschaft, die Land­wirtschaft, den Gartenbau und die Fischerei. Inter­essant ist auch die Ausstellung älterer Fachliteratur auf diesen Gebieten.

Deine Stimme dem Führer,

denn er hat unser kulturelles Leben zu neuer Blüte gebracht. Kunst und Wissenschaft erfreuen sich eines Aufstiegs wie nie zuvor. Theater, Wuseen und Aus­stellungen sind heute nicht mehr Dinge, die nur eine kleine Oberschicht angehen, sondern das ganze deutsche Volk nimmt an ihnen Anteil. Die großen Bauten des Dritten Reiches sowie die Reichsauto­bahnen geben, Kunde von dem Schöpferwillen und dem Schäpfergeisi des deutschen Rlenschen, der stolz darauf ist, nun wieder eine schöne und große Auf­gabe erfüllen zu können.

Erregung, vor Arbeit.Nachts sind wir auf die Gassen gegangen", sagt die Frau des verewigten Arktisforschers Wegener. Ihr klares Auge lacht vor Stolz, daß sie seit jener historischen Berchtes­gadener Stunde das Abzeichen nicht mehr abgelegt. Mit der Hakenkreuzbinde am Arm sind die Grazer trotz Terror, Verbot, Militäraufge- b o t offen durch die Straßen gelaufen. Die Reak­tion kam nicht mehr durch.

Auf dem Landhaus schildern sie mir, wie der Kern der Bevölkerung den Bürgermeister gezwun­gen, Schuschniggs Rede abzuschalten und wäh­rend er.noch sein Angstpamphlet aufreizend in die Welt hinausschrie d i e Hakenkreuzflagge zu entrollen! Ein Rechtsanwalt zeigt mir. Licht­bilder regelrecht uniformierter SA., die offen auf der Straßenbahn winkt, aus Tagen, da auf dem GrußHeil Hitler" mindestens noch Gefängnis stand! Schulkinder sind in unbändigen Scharen gegen Militär angestürmt, das man von auswärts nach Graz geworfen, weil die einheimische Truppe schon nationalsozialistischzersetzt" schien. Mit Stahlruten undGummiwürsten" sind Knaben und Mädels geschlagen worden. Durch eineKommu­nistengasse" fahren wir in die Außenstadt. Ein Mädelein in einem Zeitungslädchen, ein rankes, liebes Menschenkind, das eben sein Maturum macht, erzählt, wie ihr Gymnasialprofessor, der Obernazi an der Schule, die Schüler immer /rechtzeitig ge­warnt hat, wenn wieder eine Haussuchung drohte. Jetzt hält er die Abschlußprüfung abl (Da kann es mit derReife" nicht fehlen.)

Wir fallen bei einer feschen Frau ein, die sagt: Man hat bei den Dienstmädeln immer nur danach fragen brauchen, ob der Schatz.bei den Nazis steht. Wenn ja, dann ging alles gut. Ging er aber mit den andern, dann mußte man sehen, die Person rasch wieder aus dem Hause zu bringen. Zu Zeiten, da man nicht mehr wußte, wie es glücklich enden könnte, hat man fest damit gerechnet, daß minde­stens zwanzig, dreißig Menschen beim ersten Um­bruch erschlagen würden aus Erbitterung und Rach­sucht. Einem hochmögenden Herrn, den man nun über die Grenze geschabt, hat der, der ihn rechtens verhaftet, sein künstliches Gebiß gewiesen und ihm gesagt:Das verdanke ich Ihnen. Und nun 1 chlagen mir S i e nidjt tot. Bedanke^ Sie sich bei Adolf Hitler!"

Einer, ein alter Parteigenosse, der im Kerker saß, hat wochenlang um ein frisches Hemd gebettelt. Der Sckuschniggkujon, der dem Gefängnis Vor­stand, aber hat es ihm verweigert. Jetzt, da sich das Blatt gewandt, hat ihm der befreite Mann am zweiten Tag ein Hemd ausgehändigt, daß er lerne, sich zu schämen. Eine schmerzliche Einzelheit erzählt mir einer aus der Zeit des >,erftert Aufstands", der sich gegen Dollfuß erhob. Schau­dernd muhten die Männer sehen, daß es ihnen nicht gelungen, der Tyrannei das Kreuz zu brechen. Die Erhängungen setzten ein. Man wußte nicht, wer- verhaftet war, wer gefallen. Hinter verschlosse­nen Türen rettete man sich ans Rundfunkgerät, um vielleicht vom Münchener Sender näheren Aufschluß zu erfahren.

Manchmal sind wir fast verzweifelt", sagt mir eine Grazerin, ein liebes Menschenkind von Frau, der das verfluchte Schuschniggsystem für immer ein Ehrenmal der Schande mit der Stahlrute auf- gestriemt hat,neulich noch, als man bangen mußte, nun wird noch einmal alles zertreten, nieder- geknüppelt und zerbleut, hab' ich fast nicht mehr getonnt. Uyd nun ist es doch geworden! Ach, Kinder, es ist so schön, so schön!"

Man kann es kaum glauben.Lieber Gott, mach mich taub!" hat der Stoßseufzer gelautet, den man jahrelanggebetet",Lieber Gott, mach mich taub! Daß ich alles dem Dollfuß glaub! Lieber Gott, mach mich blind, daß ich alles herrlich find!

Lieber Gott, mach mich stumm, daß ich nicht nach Wöllersdorf fumm! Lieber Gott, mach mich taub, blind, stumm zugleich! Dann bin ich reif für Oesterreich!"

Ein Grazer aber hat in sein Tagebuch geschrieben: Was du verwünscht, was du/verwarfst, das sagst du, bis du reden darfst!"

Es sind erschütternde Bilder des Jammers, die sich auftun, nun da man wiederreden" darf. Aber es find auch ergreifende Bilder eines verbissenen Widerstands. Man weiß davon im Reich noch nicht, oder doch nicht in weiten Kreisen, die das Wesen Oesterreichs nur aus schiefer Literatur, ausWiener Walzern", aus schmalzigen Filmen und Witzblättern kennen". Hier ist beispielhaft gestanden, helden­haft erstanden worden. So wie wir es von den Tirolern wissen, vom Sandwirt im Passeiertal, so werden wir es aus Steiermark, so werden wir es aus Kärnten lernen, und nicht nur aus Kärnten und Steiermark. Im Landeszeughaus zu Graz, der gewaltigsten Waffensammlung vielleicht Europas, wo heute noch an die dreißigtausend Schutz- und Trutzwaffen aus alten Südostmark-Kämpfen lagern, ahnt es sich, daß dieser Geist nicht von ungefähr dort weht; es ist altoererbter, es ist blutver­erb t e r G e ist, Grenzlandtrutz von bestem Schlag. Er wird die Mission erfüllen, die ihm der Führer und Befreier wieder zugewiesen hat, weiter zugewiesen hat, im Rahmen des geeinten Reiches: Bollwerk zu fein für alle Zeit!

Aus der engeren Heimat.

25 Sabre Hebamme.

ch Haufen, 5. April. Am 1. April waren es 2 5 Jahre, daß Fräulein Marie Schäfer von Hausen das Amt der Hebamme versieht. Seit fünf Jahren versieht sie dieses Amt auch für die Gemeinde Garbenteich mit,, nachdem die dortige Hebamme aus Altersrücksichten von ihrem Amt zu­rücktreten mußte. An die 400 mal hat Frl. S ch ü - fer bei Geburten helfen dürfen. Ihr vielseitiges Wissen sand dadurch nach außen hin Anerkennung, daß sie bereits seit zehn Jahren die Fachschafts­leiterin des Hebarnrnenvereins für den hiesigen Kreis ist. Am Sonntag fand eine kleine Feier statt, in der die Liebe und Verehrung zum Ausdruck kam, die 5rl. S ch ä f e r sich in den 25 Jahren ihrer Wirksamkeit erworben hatte. Der größte Teil der Gemeinde hatte sich gegen Abend an ihrer Woh­nung versammelt. Der Frauenchor eröffnete die Ehrung mit einem Lied, worauf Pfarrer Stei­ne r im Namen des Frauenchors und der Kirchen­gemeinde herzlichen Dank und Glückwünsche aus­sprach und ein Bild der Kirche Überreichte. Nach einem weiteren Lied des Chores ergriff dann Bür­germeister Göbel das Wort, um Frl. Schäfer für allen treuen Dienst an der Gemeinde zu dan­ken. Ein kostbares Geschenk, eine Porzellanfigur, Mutter und Kind darstellend, brachte diesen Dank sinnig zum Ausdruck. Für die Frauenschaft, deren Führerin Frl. Schäfer ist, sprach Frau Christine Schardt unter Überreichung eines Führer-Bil­des und eines Blumenkorbes. Für die politischen Organisationen übermittelte Stützpunktleiter Philipp Schardt III. die Glückwünsche. Aus all diesen Glückwünschen sprach die Verehrung, welche Frl. Schäfer sich erworben hatte, flupial sie eben auch, wie dse einzelnen Sprecher betonten, außerhalb ihres eigentlichen Berufes überall, wo Hilfe im Dorf nötig war, stets hilfsbereit zur Stelle war.

Schwimmunterricht in der Schule.

00 Klein-Linden, 5. April. Wie in den verflossenen Jahren, so wurde auch im letzten Schul­jahr . an unserer Volksschule wieder der Schwimmunterricht durchgeführt. Die Schule benutzte dazu das Schwimmbad der Gemeinde Lützellinden. Die zur Entlassung gekommenen Kna-, ben des achten Schuljahres lernten sämtlich schwim­men und erhielten alle das Freischwimmerzeugnis bis auf drei,, die die Bedingung, eine Viertelstunde selbständig zu schwimmen, nicht refflos erfüllten. Von den zur Entlassung kommenden Mädchen sind vier im Besitz des Freischwimmerzeugnisses. Die Zeugnisse wurden bei der Schulschlußfeier am letzten Samstag ausgegeben. Seit Einführung der Frei- schwimmerzeugnisse im Jahre 1935 wurden bis jetzt in unserer Volksschule 37 Zeugnisse an Freischwim­mer ausgegeben. Die Durchführung des Schwimm­unterrichts liegt in Händen eines Lehrers der hie­sigen Volksschule. Im kommenden Sommer kann

der Unterricht im eigenen Schwimmbad unserer Gemeinde, das gegenwärtig errichtet wird, durch­geführt werden.

<5d)ulfinöerfpeifung.

00 Klein-Linden, 5. April. Die im ver­flossenen Winter in unserer Schule durchgeführte Schulkinderspeisung erfaßte diesmal fast die doppelte Zahl der Kinder als in den früheren Jahren. Die Kinder erhielten jeden Tag einen Viertelliter warmer Milch oder Kakao. Die Speisung begann am 15. November vorigen Jahres und endete am 2. April. Sie erstreckte sich mithin auf 103 Tage. Gespeist wurden täglich 66 Kinder, mit­hin im ganzen 6798 Portionen ausgegeben. Die dazu benötigten 1699,5 Liter Milch lieferte die hiesige Milchverteilungsstelle zu einem Vorzugs­preis von 18 Pfennig für das Liter. Es wurden ferner noch 34 Pfund Zucker und 10 Pfund Kakao benötigt. Die Gesamtkosten, einschließlich der Zu­bereitung, betragen rund 400 Mark. Sie werden von der NSV., der Kreisfürsorge und der Gemeinde getragen. Die Organisation und Leitung der Schul­speisung war einem der hiesigen Lehrer übertragen worden.

Unfälle auf dem Lande.

Die 45 Jahre alte Ehefrau Anna des Schaffners Lotz aus W i e s e ck kam auf der Treppe ihres Hauses au Fall und mußte unter dem Verdacht auf innere Verletzungen in ärztliche Behandlung ge­bracht werden. Eine schwere Schulterverletzung erlitt dis 67jährige Frau Elisabeth Schäfer von Li n d e n st r u t h. Die bedauernswerte Frau war im Hofe unglücklich zu Fall gekommen. Der Eisendreher Älbert Schneider von Holzheim erlitt bei seiner Arbeit einen Unfall. Mit erheb­lichen Knie- und Rippenverletzungen mußte er zum Arzt gebracht werden. Das siebenjährige Söhn­chen Alfred des Zimmermanns Wie st er aus Königsberg stürzte am Samstagnachmittag von einem Gartenzaun sehr unglücklich ab. Der Junge erlitt einen Schädelbruch. Sämtliche Ver­unglückte wurden in die Chirurgische Klinik einge­liefert.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden, 4. April. Dem Ehepaar Wilhelm Weigel II. und Ehefrau Elisabeth, geb. Spieß, wurden aus Anlaß ihrer goldenen Hochzeit zahlreiche Ehrungen zuteil. Für die evangelische Kirchengemeinde übermittelte Pfarrer König unter Überreichung eines Gedenkblattes die Glückwünsche. Die Propstei Oberhessen und die Landeskirche Nassau-Hessen hatten durch Propst Knodt (Gießen) ihre Glückwünsche übermittelt. Für die örtliche Kriegerkameradschaft brachte Ka­meradschaftsführer Friedrich S ch i m m e 1 die Glück­wünsche dar. Auch der Kreisführer des Kreisver­bands Gießen des NS.-Deutschen Kriegerbundes chatte ein Glückwunschschreiben übersandt. Am Abend

erschien der GesangvereinEintracht", zu dessen Ehrenmitgliedern Herr Weigel zählt, und brachte ein Ständchen. Vereinsführer Wilhelm Rinn roür- bigte die Verdienste des Ehejubilars um das deut­sche Lied. Tief gerührt dankte Herr Weigel für dis Ehrung.

§ Burkhardsfelden, 4. April. Unerwartet wurde Altbürgermeister Johannes A l b a ch X. in die Ewigkeit abberufen. Viele Jahre lang leitete er die Geschicke unserer Gemeinde zu deren Wohl. Der Kirchenchor verliert in ihm seinen unermüdlichen und hochbegabten langjährigen Chormeister. 28 Jahre lang war er dem Chor ein guter Leiter, und als es vor nunmehr drei Jahren galt, das 50. Ver­einsjubiläum, verbunden mit dem Dekanatskirchen­gesangvereinsfest, zu begehen, da war es der Ver­storbene, der sich mit aller Kraft für das gute Ge­lingen des Festes einsetzte.

wg. Großen-Buseck, 5. April. An der Ecke Zeilstraße und Wilhelmstraße ereignete sich ein V e r k e h r s u n s a l l, der zum Glück noch ghrnpf- lich abüef. Von einem Lastwagen des Sägewerkes Nuhn in Lollar loste sich am Anhänger, der für Langholzfuhren eingerichtet war, der Verschluß der Langwinde. So wurde der Vorderteil des Anhän­gers unter dem Holz weggezogen. Pie ganze La­dung fiel dabei während der Fahrt auseinander und die Stämme bohrten sich zum Teil in die Erde. Glücklichertveise war zur Zeit des Unfalles niemand in der Nähe, so daß Personen nicht zu Schaden kamen. Der Langholztransportwagen war ganz neu und erst am Tage des Unfalles in Betrieb genom­men worden. Bei dem orkanartigen Sturm, der am Sonntag auch über unsere Land­schaft hinwegging, wurde mancherlei Schaden an den Häusern angerichtet. In der neuerbauten Hof- reite des Landwirts und Schmiedemeisters Heinrich- Döring riß der Sturm die Einfriedigungsmauer des Hofes zwischen Wohnhaus und Scheuer auf einer Länge von 20 Meter um. Glücklicherweise kam auch hierbei niemand zu Schaden.

Beuern, 5. April. Die hiesige Volks­schule veranstaltete im Saale Sommerlad einen sehr gutbesuchten Elternabend. Lehrer M ü1» l e r begrüßte die Eltern und ermahnte sie, auch ihr Teil dazu beizutragen, die Kinder zu tüchtigen Men­schen zu erziehen. Ein Choral 'der Schüler leitete dann zu den unterhaltsamen Darbietungen des Abends über. Sprechchöre, Lieder und ein Weihe­spiel fanden lebhaften Beifall. Nach einer Pause zeigten sodann die Schüler der Mittelklasse unter der Leitung von Lehrer Schmand ihr Können. Die Reigen, Gedichte und Lieder wurden mit großer Freude aufgenommen. Lehrer Müller dankte zum Schluß den Lehrern Schmand und Dön­ges für ihre Arbeit im Dienste der Schule und wünschte ihnen, da beide versetzt wurden, alles Gute auf ihrem ferneren Lebensweg. Im Anschluß daran wurde allen Kindern, die in diesem Jahre die Schule verlassen, je ein von der Gemeinde gestifte­tes Bild des Führers überreicht..

# A11 endori (L a h n), 5. April. Dieser Tage konnten unsere Mitbürger Jakob Am end und Frau Marie, geb. Volk, im Kreise ihrer Angehöri­gen (5 Kinder und 15 Enkelkinder) das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar erfreut fnh noch außerordentlicher körperlicher und geistiger Frische. Jakob Amend ist Mitbegründer des hiesigen Kirchenchores.

Kreis Wetzlar.

= Wißm ar, 4. April. Der älteste Ein­wohner unserer Gemeinde, Johannes Leib, Krosdorfer Straße, konnte am vergangenen Sonn­tag seinen 8 8. Geburtstag feiern.

Amtsgericht Gießen.

Der K. B. aus Nieder-Ofleiden hatte wegen fahr­lässiger Körperverletzung und Transportgefährdung einen Strafbefehl in Höhe von 25 Mark Geldstrafe erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Der K. V. fuhr am 12. Dezember 1937 mit seinem Per­sonenkraftwagen die Plockstraße in Richtung (Selters- weg und wollte in diesen einbiegen; hierbei be­achtete er nicht das Vorfahrtsrecht der von rechts kommenden Straßenbahn. Es erfolgte ein Zusam­menstoß der beiden Fahrzeuge, wodurch der Ange­klagte fahrlässigerweise den Transport gefährdete. Da der Angeklagte hierbei auch noch eine Passantin anfuhr und verletzte, hatte er sich ferner wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten. Die Hauptverhandlung ergab, daß allein das fahrlässige Verhalten des K. B. den Zusammenstoß und die Körperverletzung verursachten. Sein Einspruch wurde daher verworfen.

Erfinder ans Zufall und wider Willen.

Der Einfall in der Badewanne. -

Den Edison der alten Welt nannte man den genialen Archimedes, der fast 300 Jahre vor Christi zu Syrakus lebte. Nach seinem Wunsch sollte sein Grab eine Kugel, verbunden mit einem Zylin­der, tragen. Denn er war der erste Mensch, der Inhalt und Fläche einer Kugel, die bis­her als Sinnbild des Welträtsels galt, zu berechnen den Mut hatte. Ein recht merkwürdiger und kühner Einfall dieses mathematische Grabmal. Als ob der nunmehr erwachte wissenschaftliche Geist, der in methodischer Bemühung ans Erfinden ging, sich selbst ein Denkmal setzen wollte.

Allein Archimedes war es auch, der zum ersten Male jenen erstaunten Ausruf machte, der dann für alle Erfinder zum Ausdruck ihrer Ueberrafcht- heit wurde:Heureka ichhab's gefunden!" Und dies kam so. Eines schönen Tages entdeckte Ar­chimedes beim Baden, er hatte dies schon tau­sendmal erlebt daß sein lahmes Bein im Wasser sich leichter schleppen ließ als in der Luft. Infolge dieserman" würde gern sagenzufälligen" Beobachtung schoß ihm, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die Idee des spezifischen Gewichts der Dinge durch den Kopf. Das hat ihn so über­rascht und überwältigt, daß er völlig weltvergessen, ganz hingegeben seinem schöpferischen Einfall man" wurde gern bemerken, wie ein Verrückter aus der Badewanne sprang und völlig nackt durch die Straßen von Syrakus lief, laut rufend: Heureka!" In eine solche Ekstase müssen nicht alle Erfinder geraten, weil eine Eingebung sie alsdas nicht gesuchte, sondern sich selbst aufdrängende Re­sultat" (Werner von Siemens) überraschte.

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Seine mathematischen Kenntnisse stellt er seiner Vaterstadt zur Verfügung als der erste große Kriegs­ingenieur. Er ersann und konstruierte wunderbare Kriegsmaschinen, die auf der Torsionswir­kung zusammengedrehter Sehnenbündel beruhten.

»Störe mir meine Kreise nicht!"

Man weiß: dennoch fiel Syrakus, wenn auch dank der Geschütze des Archimedes erst nach langjähri­gem Ansturm der wütenden Römer. Schließlich drangen sie ein und fanden den Gelehrten mitten im Lärm der Schlacht sinnend über seineKreise" sitzend. Dem Soldaten, der mit erhobenem Schwert auf ihn eindrang, sagte er in völliger Verken­nung der bedroüchen Situation nur:(Stör mir mei ne Kreise nich t." So fiel ein Träu­mer und ein Tatsachenmensch. In seiner Gestalt hat die Ueberlieferung in klassischer Art zum Aus­druck gebracht jene innere Doppelheit des erfinde­rischen Menschen, die in dem ewigen In- und Mit­einander bewußter erfinderischer Anstrengung und ungesucht sich aufdrängender Einfälle.

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Es hat Historiker der Technik gegeben, die auch in Archimedes einen der Urerfinder der Dampf­maschine sehen wollten. Sie bezogen sich hierbei weniger auf seine Schriften als auf Aufzeichnungen des Leonardo da Vinci. Er beschrieb eine Art Dampfkanone als Erfindung des Archimedes. Erhitztes Wasserverwandelt sich sofort in Rauch. Das geschieht so bedeutend und so stark, daß es wunderbar ist, die Wut dieses Rauches zu sehen und das hervorgebrachte Geräusch zu hören". Ge­schossen wurde mit solchen Dampfkanonen nicht. Sie haben auch nichts mit der Erfindung der Dampf­maschine zu tun. Aber, als die späteren Feuer- geschütze des Mittelalters schon seit einem Jahrhun­dert die kriegführenden Völker erschreckt hatten, kam man wieder auf die Torsionsgeschütze des Archi­medes zurück. Man hielt sie für wirksamer als die damaligen Pulverkanonen.

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Auch den Baumeister Anthemius im 6. Jahr­hundert n. Chr. hat man als einen der Väter der Dampfmaschine angesprochen. Es wäre das eine

höchst wundersame Erfindung wider Wil­len. Im Hause des Anthemius, nur ein Stockwerk über ihm, wohnte der Redner Zeno. Anthemius aber konnte keine Redner leiden, und am wenigsten den Zeno. So sann der geniale und böswillige Mann auf schreckhafte Mittel, den Zeno zum Um­zug zu bewegen. Er kam dabei auf einen recht ungewöhnlichen Gedanken. Im Erdgeschoß stellte er große Waschkessel auf. Unter ihnen entfachte er mächtige Feuer. Bis an die Decke führte er Rohre aus Leder, über die Kessel gestülpt. Die Rohre verengten sich nach oben. Der Dampf rumpelte mit scheußlicher Gewalt gegen die Decke. Bald lief Zeno, im Glaubest, es fei ein Erdbeben ausge­brochen,läut schreiend und von der Schwere des Unglücks erschüttert auf die Straße". Die heutigen Historiker der Dampfmaschine bezweifeln, daß diese Erdbebenmaschine als Vorläufer der Dampf­maschine betrachtet werden könne. Sie ist keine Maschine in unserem Sinne, eher ein Spielzeug für große und gelehrte Leute.

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Ueberhaupt spielten die Alten mit Dampf. Wozu brauchten sie arbeitsparende Maschinen, wenn sie Armeen von Sklaven beschäftigen konnten? Wenn man aber die Geschichte der Erfindungen als Gan­zes betrachtet, erscheint das Spielen der Alten mit dem Dampf oder anderen Elementen der Maschine als höchst sinnvoll. Sie waren dann Erfinder wider Willen. Ihre schöpferische Phantasie hat technische Elemente geboren, die als Keime kommender Ent­wicklung gewertet werden müssen.

Noch war die Zeit nicht reif für die Verwirk­lichung jener Prophetie des Aristoteles, dessen Vision aber unbewußt den Geist kommender 'Er­finder antrieb. Der große Philisoph tat '400 Jahre v. Ehr. einen Blick in die Zukunft und schrieb die­ses:Wenn jedes Werkzeug auf Geheiß oder auch vorausahnend das ihm zukommende Werk verrich­ten konnte, wie des Dädalus Kunstwerke sich von selbst bewegten oder die Dreifüße des Hephästos aus eigenem Antrieb an die heilige Arbeit gingen, wenn so bas Weberschiff von selbst zwischen Zettel und Einschlag hin und her liefe und von selbst

Dein Bekenntnis znm Werk des Führers: Dein Za am IV.April.