Krisensiimmung in Paris.
Die französische Presse kündigt den bevorstehenden Sturz Blums an.
Paris, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Die Frage einer bevorstehenden Regierungskrise ist heute wieder akuter denn je. Die Auseinandersetzungen, die der Finanzplan der Regierung Blum in allen politischen und wirtschaftlichen Kreisen ausgelöst hat, sind ein sicherer Wegweiser dafür, daß die vom Kabinett vorgeschlagenen Methoden bei dem größeren Teil der Bevölkerung auf energische Ablehnung stoßen. Die gestrige Aussprache in der Kammer, in deren Verlauf es in den Wandelgängen zu regelrechten Schlägereien kam, beweist die allgemeine Spannung. Das beste Barometer für die Aussichten des Kabinetts ist aber auch diesmal der Senat. Man kann mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die Pläne Leon Blums von den Senatoren ohne viel Federlesens ab gelehnt werden. Die größte Senatsfraktion, die „Demokratische Link e", die der rcrdikalsozialen Fraktion der Kammer entspricht, hat fast einstimmig beschlossen, gegen die Vorlage zu stimmen. Dadurch ist deren Schicksal bereits besiegelt.
In der Pariser Morgenpresse, selbst in den der Regierung freundlich gesinnten Organen, hält man den Sturz des Kabinetts für unvermeidlich. „Die Welle der Unzufriedenheit", so schreibt das „Journal", „steigt von Stunde zu Stunde. Leon Blum, der sich über sein Schicksal keinen Illusionen hingibt, rechnet damit, vom Senat gestürzt zu werden, um vor den Augen seiner Partei mit Glanz abzutreten und gleichzeitig seinen Parteifreunden ein neues Argument für deren Feldzug gegen den Senat liefern zu können." — Der „Petit Parisien" erklärt, daß es Leon Blum gar nicht er st so weit kommen lassen werde. Er wolle vielmehr nach der geringen Mehrheit, die seine Vorlage in der Ka mmer finden dürfte, noch vor dem Zusammentritt des Senats seinen Rücktritt erklären. Das linksstehende „Oeuvre" stellt fest, daß es nach dem Beschluß der stärksten Senatsgruppe, gegen die Vorlage zu stimmen, keinem Zweifel unterliege, daß Leon Blum g e st ü r z t werde. Die Frage sei lediglich, wer seine Nachfolgeschaft antreten werde. — Alle anderen großen Informationsblätter sind ebenfalls der festen lieber» zeugung, daß d i e Tage des Kabinetts gezählt sind, der Ruf nach einer Regierung des öffentlichen Wohles wird immer lauter.
Der zehnte deutsche Lehrer in Neutomischel entlasten.
Posen, 5. April. (DNB.) Neutomischel, das durch d^n polnisch-deutschen Schul st reit
unrühmlich bekannt geworden ist, hat wiederum den Verlust eines deutschen Lehrers zu beklagen. Dem deutschen Lehrer Großklaus wurde vom polnischen Kultusministerium mitgeteilt, daß er mit Ende des laufenden Schuljahres vollkommen aus dem Schuldienst entlassen sei. Damit wird der zehnte deutsche Lehrer aus dem Kreis Neutomischel entfernt. Großklaus ist 50 Jahre alt und hat 5 Kinder, von denen drei noch versorgungsbedürftig sind. Großklaus hat den Weltkrieg vier Jahre lang mit Auszeichnungen mitgemacht. Durch die Entlassung des deutschbewußten Lehrers Großklaus verlieren 37 deutsche Kinder ihren Lehrer.
Kleine politische Nachrichten.
Die ,f r a n z ö s i s ch e Botschaft hat das Exequatur für einen Leiter des französischen Generalkonsulats in Wien erbeten, das an Stelle der bisherigen französischen Gesandschaft treten soll.
Die rumänische Gesandtschaft hat dem Auswärtigen Amt mitgeteilt, daß die rumänische Regierung beschlossen habe, ihre bisherige Gesandtschaft in Wien aufzulösen und dafür ein Generalkonsulat zu errichten.
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Die polnische Regierung hat ihre^ Gesandtschaft in Wien aufgelöst und ihr dortiges Konsulat in ein Generalkonsulat umgewandelt. Ebenso hat die belgische Regierung ihre Gesandtschaft in Wien aufgelöst und ein Generalkonsulat errichtet.
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Im Auftrage des Führers und Reichskanzlers hat der deutsche Gesandte Kronprinz Frede- rik von Dänemark und Island, der dänischer Delegationsführer auf der Berliner Internationalen Jagdausstellung im vorigen Jahr war, das Großkreuz des Ordens vom Deutschen Adler überreicht.
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Im Auftrage des Reichsjägermeisters General- feldmarschall Göring hat der deutsche Gesandte König Christian X. von Dänemark und Island, der sich an der Berliner Internationalen Iagdausstellung im vorigen Jahre beteiligt hatte, eine Ehrenurkunde der Deutschen Jäger s ch a f t in besonders künstlerischer Ausführung und Ausstattung überreicht.
Im Zuge der englisch-italienischen Besprechungen hat am Dienstagabend eine neue Unterredung zwischen dem italienischen Außenminister Graf C i a n o und dem englischen Botschafter Lord Perth stattgefunden.
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Der italienische Außenminister, Graf C i a n o , hat den türkischen Botschafter und den grie
chischen Gesandten empfangen, die ihm mitteilten, daß ihre Regierungen ihre Vertreter in Rom als bei Seiner Majestät dem König von Italien und Kaiser von Aethiopien beglaubigt betrachten. Graf Ciano hat erwidert, daß die faschistische Regierung diesen Schritt zu schätzen wisse.
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Die drei nordischen Außenminister, Munch aus Dänemark, Sandler aus Schweden und Holst i aus Finnland trafen in Oslo ein. Die Beratungen mit dem norwegischen Außenminister K o h t werden die nordische Neutralität und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den nordischen Ländern zum Hauptthema haben.
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In einer Denkschrift an die Zweite Kammer teilte der niederländische Finanz mini st er mit, daß die Regierung zur Deckung der Rü- stungsausgaben außer den bereits bekanntgegebenen Erhöhungen der Einkommensteuer und der Dividendensteuer weitere Steuererhöhungen vorbereite. Die Sätze der Umsatzsteuer und der Personensteuer sollen zu diesem Zweck erhöht werden. Ferner soll ein besonderer Verteidigungsfonds zur Deckung der Rüstungsausgaben geschaffen werden.
Aus aller Wett.
Vier SA.-Männer der Gruppe Nordmark auf einer Dienftfahrl tödlich verunglückt.
Auf einer Dienstfahrt zur Hilfeleistung bei Hochwassergefahr auf Fehmarn verunglückte in einer scharfen Kurve vor Heiligenhafen ein Wehrmachtkraftwagen mit SA.-Männern. Dabei verunglückten vier SA.-Männer tödlich, sechs wurden schwer und sieben leichter verletzt. Die Schwerverletzten befinden sich außer Lebensgefahr. Die toten SA.-Männer starben im Dienste für Volk und Reich. Die SA.-Gruppe Nordmark senkt voll Trauer ihre Fahnen, um ihr Andenken zu ehren. Die übrigen SA.-Männer konnten noch rechtzeitig zur Hilfeleistung bei den Deicharbeiten eingesetzt werden.
Fünf Tote beim Absturz eines englischen Bombers.
Ein neuer schwerer Unglücksfall hat die britische Luftwaffe betroffen. In der Nähe von Drif- üelb in der Grafschaft Porkshire stürzte ein schwerer Bomber bei einem Nachtübungsflug ab. Sämtliche fünf Insassen des Apparates fanden den Tod.
3n der Luft zusammengestoßen, abgestürzt ... und gerettet.
In der Nähe des Militärflugplatzes von Chartres sind zwei Flugzeuge des französischen 6. Jagdgeschwaders bei Uebungsflügen in der Luft zusam - menge st yßen und abgestürzt. Die Piloten der beiden Maschinen konnten sich im letzten Augenblick durch Fallschirmabsprung retten.
Zwei Jahre Gefängnis für einen betrunkenen Autofahrer.
Schweres Unheil richtete nach einer durchzechten Nacht ein Mann aus Kassel an. Mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 90 Kilometer raste er in einem Auto durch Kassel und überfuhr einen Familienvater, der rechts auf einem Rade fuhr. Der Mann erlitt so schwere Verletzungen, daß er ihnen bald erlag. Der Betrunkene überfuhr kurz darauf einen Jungen, der einen Wagen mit Milchflaschen zog, sowie einen jungen Radfahrer, der neben Prellungen eine Gehirnerschütterung erlitt. Das Schpf- fengericht verurteilte den Angeklagten wegen fahr, lässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, wegen' Fahrerflucht und [Übertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung zu zwei Jahren Gefängnis.
Wetterbericht
Um das Hochdruckgebiet über dem östlichen Atlantik hat vonWesten her in verstärktem Maße Warmluftzufuhr eingesetzt, so daß die Temperatur über England meist zwischen 10 und 15 Grad liegt. Die Kaltluftmassen über Osteuropa werden weiter zurückgedrängt. Da die vom Atlantik ausgehende Störungstätigkeit jetzt weiter nördlich ihre Bahn nimmt, Dürften wir mit mehr Aufheiterung und höchstens geringfügigen Niederschlägen zu rechnen haben. Die Warmluftmassen werden sich bei uns durchsetzen.
Aussichten für Donnerstg: Morgens vielfach dunstig, tagsüber wolkig bis heiter, nur geringe Niederschlagsneigung, bei westlichen Winden zunehmende Erwärmung.
Aussichten für Freitag: Wieder etwas milderes und beständigeres Wetter.
Lufttemperaturen am 5. April: mittags 9,2 Grad Celsius, abends 2,7 Grad: am 6. April: morgens 4 Grad. Maximum 10,5 Grad, Minimum heute nacht — 0,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. April: abends 7 Grad: am 6. April: morgens 5,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 0,9 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. III./38: 10 355. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei R. Länge, K.-G., fämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
Meine liebe Frau, unsere herzensgute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Schwägerin
Frau Karoline Schmidt
geb. Müller
ist heute nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 76 Jahren von uns gegangen.
Die trauernden Hinterbliebenen. In deren Namen:
C. Schmidt, Schuhmachermeister.
Gießen (Bahnhofstraße 64), Offenbach, Berlin, den 5. April 1938.
Die Beerdigung findet in aller Stille statt — Es wird gebeten, von Beileidsbesuchen abzusehen.
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Nach langen, schweren, mit Geduld ertragenen Leiden entschlief am 6. April meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante
Frau Sophie Bues
geb. Klinge
im 57. Lebensjahr.
In tiefem Schmerz:
August Bues und alle Angehörigen.
Bad-Nauheijn, Gießen, den 6. April 1938.
Die Einäscherung findet am Freitag, dem 8. ApriL nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof in Gießen statt.
________________________________2296D
Bekanntmachung.
Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und Heber» landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Stromgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Gasgelder noch innerhalb 10 Tagen ohne kosten an die Kasse der Städtischen Betriebe Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 27707 oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Überschreiten der Zahlungstermine müssen die Beitreibungskosten berechnet werden. 2272A
Dom 20. April 1938 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für Monat Februar 1938 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben.
Gießen, den 4. April 1938.
Direktion der Städtischen Betriebe.
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Die Wahlhandlung zur Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag findet am Sonntag, dem 10. April 1938, ununterbrochen von 8 bis 17 Uhr statt. Zur Stimmabgabe dürfen nur amtlich hergestellte Stimmzettel verwendet werden. Die Ausgabe der amtlichen Stimmzettel und Wahlumschläge erfolgt im Wahlraum. Die Abstimmung ist so vor- zunehmen, daß der Wille des Stimmberechtigten unzweideutig zum Ausdruck kommt.
Die Abstimmungsbezirke der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald, die Abstimmungsräume, die Namen der Abstimmungsvorsteher und deren Stellvertreter sind aus dem Aushang in den amtlichen Aushängekästen und aus dem Aushang im Liebigbau, Liebigstraße 16, im Alten Rathaus, Marktplatz 14, im Stadthaus, Gartenstraße 2, und im Stadthaus, Bergstraße 20, zu ersehen; außerdem sind am Wahltage am Eingang zu den Abstimmungsräumen ebensolck)e Übersichten ausgehängt.
Es wird ferner noch darauf hingewiesen, daß
1. der Absiimmungsraum für den 14. Abstimmungsbezirk, seither im Verwaltungsgebäude des Landes-Alters- und Pflegeheims Gießen, Licher Straße 74, in die Gastwirtschaft „Zur Stadt Lich", Licher Straße 59 (Eingang von der Gartenseite) verlegt worden ist.
2. Für die österreichischen Stimmberechtigten, die m der Stadt oder im kreise Gießen wohnen oder im Besitze eines Stimmscheines sind, ist nur ein Abstimmungsraum eingerichtet worden, und zwar befindet sich dieser im Regierungsgebäude, Landgras-Philipp-Plah Rr. 3, Sitzungssaal, in dem auch gleichzeitig die Abstimmung für den Stimmbezirk 16 stattfindet. Die österreichischen Stimmberechtigten vollziehen ihre Abstimmung auf grünen Stimmzetteln.
Das Wahlergebnis für den 19. und 20. Abstim- mungsbezirk (Kliniken, Kranken- und Pflegeanftal- ten) wird nach beendeter Wahlhandlung im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 8/9 und 3/4 fest- gestellt. 2276C
Die Ausstellung von Stimmscheinen erfolgt bis einschließlich Freitag, den 8. April 1938, 17 Ahr, für Ausländsdeutsche bis Samstag, den 9. April 1938, 13 Ähr, durch das Städtische 'Wahlamt, Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 18.
Gießen, den 6. April 1938.
Der Oberbürgermeister: Ritter.
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Mitgliederstand am 31. Dezember 1937. 618
Die Rechnung liegt 8 Tage zur Einsicht im Ge« schäftszimmer Kornblumenstraße 12 offen.
Die Generalversammlung ffndet statt am Mittwoch, 13.April, abends 8.30 Uhr,beiGastwirtDöringer.
Tages.ordnung:
1. Jahresbericht und Bilanz.
2. Verteilung des Reingewinns.
3. Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrats.
4. Ausschließung von Mitgliedern.
5. Verschiedenes. 2270V
Ter Aufsichtsrat. Der Vorstand.
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