Ur. 260 Erstes Statt
188. Jahrgang
Samstag, 5./Sonntag, 6. November 1938
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Vier neue Teilstrecken der Reichsautobahn.
Dem 3000. Kilometer entgegen. — Neue Möglichkeiten für den Ferngüterverkehr. Dr. Todt über die Erweiterung des Autobahnnehes.
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Uebersicht über das westdeutsche Netz der Reichsauto- baijn mit der 125 Kilometer' langen Strecke vom Ruhrgebiet nach Bielefeld, deren Freigabe am 12. November erfolgt. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Dreieck am Berliner Ring bis zur Einmündung in die Autobahn Halle — Leipzig und das Teilstück München — Ingolstadt, so daß dann die gesamte Strecke Berlin —München freigegeben ist, 10 Kilometer auf der Autobahn Köln — Wuppertal, 34 Kilometer zwischen Stuttgart und Karlsruhe und 20 Kilometer zwischen Stuttgart und Heilbronn. Eröffnet werden ferner am 12. November etwa 100 Kilometer der Autobahnstrecke Berlin — Rhein- Ian d — so daß dann nur noch das kurze Bindeglied zwischen Bielefeld und Hannover fehlt —, am 14. November weitere 250 und schließlich Mitte Dezember weitere 170 Kilometer. Damit ist der 3000. Kilometer erreicht.
Als besonders bemerkenswert hob der Generalinspektor die Tatsache hervor, daß es trotz der ungeheuren Inanspruchnahme der Bauwirtschaft durch die Befestigungsarbeiten im Westen möglich gewesen ist, die großen, bereits begonnenen Autobahnarbeiten weiterzuführen und im Dezember, zum vorgesehenen Zeitpunkt also, mit dem 3 0 0 0. Kilometer große und wichtige Aernstrecken der Oeffentlich- keit zu übergeben. Diese Wetterführung der Arbeit an den Straßen Adolf Hitlers ist vor allem durch den verständnisvollen und tatkräftigen Einsatz unserer Autobahner ermöglicht worden, die den durch die anderen Arbeiten bedingten Ausfall an Arbeitskräften durch verdoppelten Einsatz wieder wettgemacht haben.
Von dem großen Ring durch Deutschland, der von Berlin über Hannover, das Rheinland, Frankfurt a. M., Karlsruhe, München und Nürnberg zur Reichshauptstadt zurückführt, werden also am Ende des Jahres nur noch ganz wenige Teilstrecken, die 1939 eröffnet werden, nicht vollendet sein. Don der großen Fernverbindung Berlin — Breslau wird bis zum Jahresende nur noch die Strecke vom Berliner Ring bis in die Gegend von Cottbus fehlen.
Wie der Generalinspektor weiter ausführte, wird die Erweiterung des Autobahnnetzes vor allem auch dem Kraftverkehr über Land neue wichtige Transportwege erschließen. Die hinzukommenden Autobahnstrecken werden der im Vergleich zur Ge- samtmotorisier»ng in den letzten Jahren etwas zurückgebliebenen Motorisierung des Güterverkehrs im Interesse der Volkswirtschaft einen wünschenswerten Auftrieb geben, stehen doch dann auch dem Güterfernverkehr mit nur unwesentlichen Unterbrechungen durchgehende Verbindun- gen beispielsweise von Stettin bis Salzburg, von Breslau bis Weimar und zwischen anderen wichtigen Verkehrsknotenpunkten des Reiches zur Verfügung. Der Einsatz des Lastautos wird üa-
Auf der Reichsautobahnstrecke Schkeuditz — Berliner Ring, die am Samstag mit der Gesamtstrecke Berlin—München dem Verkehr freigegeben wird, wurde auch ein 14 Kilometer langes Stück als Rekord st recke ausgebaut. Dieser Abschnitt liegt zwischen der Anschlußstelle Dessau-Süd und Bitterfeld und besitzt in der Mitte keinen Rasenstreifen, vielmehr ist hier die Fahrbahn dunkel eingefärbt. Damit bei den künftigen Rekordfahrten unter den Brücken die sehr gefährliche Veränderung des Fahrwindes vermieden wird, weisen die Brücken über diese Rekordstrecke keine Mittelpfeiler auf, sondern bestehen aus einer geschweißten Stahlkonstruktion. Die Breite der Bahn beträgt 32 Meter. — (Scherl-M.)
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„Roch immer mit dem Kops auf dem Tornister."
Der Dvce spricht zu den italienischen Frontkämpfern.
Rom, 4. Nov. (DNB.) Der 20. Jahrestag des italienischen Sieges über die Habsburger Monarchie wurde in ganz Italien mit militärischen Feiern begangen. In Rom, wo hunterttausend Frontkämpfer aus ganz Italien zusammengekommen waren, fand auf den Stufen des Siegesdenkwals beim Grabmal des Unbekannten Soldaten in Gegenwart des Königs und Kaisers und Mussolinis eine feierliche Feldmesse statt. Sämtliche Truppen der römischen Garnison und Fahnenabordnungen aus ganz Italien waren mit über 8000 Fahnen angetreten. Nach der Rückkehr des Herrscherpaares in den Quirinal marschierten die Fahnenabordnungen vor dem Palazzo Venezia auf. Hier kam es zu stürmischen Ovationen für den Duce, der schließlich folgende Worte an die Menschenmenge richtete:
Frontkameraden! Aus den 98 Provinzen Italiens seid ihr nach Rom gekommen, um den 2 0. Jahrestag des Sieges zu feiern, den die italienische Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft im November 1918 daoongetragen und damit das Ende des Weltkrieges gebracht hat. 20 Schlachten, 40 Monate heldenmütiger und schwerster Kraftproben! Sie waren notwendig, um ein Kaiserreich Zu zerschlagen, das der säkulare Feind Italiens gewesen war, und um unsere Fahnen an die heiligen und natürlichen Grenzen des Vaterlandes zu tragen. Blut von 700 000 in den Schlachten gefallenen Kameraden, deren unsterblicher Geist in dieser Stunde über uns schwebt, ist also nicht u m s o n st geflossen. Ihr habt den Krieg Tag für Tag erlebt und tragt die Erinnerung daran auf eurem vernarbtem ßeib, aber mehr noch in euren
Herzen. Dieser Stolz ist berechtigt; denn ihr habt nicht gegen feige Völker gekämpft, sondern gegen glänzend organisierte Heere. Unsere Gegner von gestern haben wiederholt feierlich den Mut des italienischen Soldaten bezeugt.
Nach 20 Jahren hat der Sieg Italiens , d u r ch den Sieg des Faschismus eine neue feierliche Bekräftigung erfahren, der sich mit dem wahren Frieden nach dem Grundsatz der Gerechtigkeit für alle deckt. Das Blau des Himmels am politischen Horizont Europas scheint sich ausdehnen zu wollen. Die verantwortlichen Männer arbeiten für dieses Ziel. Es wäre aber unvorsichtig und wenig faschistisch, sich einem übertriebenen und verfrühten Optimismus hinzugeben. Es gibt Leute, die sich durch die gradlinige, wahrhaft friedliche europäische und humane Politik der Achse besonders betroffen fühlen und nun von einer gewagten und unmöglichen Revanche träumen. Wir müssen also immer noch mit dem Kopf auf dem Tornister schlafen, wie wir das im Schützengraben taten. Frontkameraden! Wenn ihr nach der Siegesfeier von Rom wieder zurückkehrt zu euren Familien, so seid darauf bedacht, diesen Geist auf eure Söhne zu übertragen, die das unschätzbare Glück haben, im Klima des Faschismus und des Imperiums zu leben, damit sie glauben an den unbesiegbaren Geist des Faschismus und an den Sieg der Ehre, des Mutes und der absoluten Hingabe an das Vaterland. — Der Duce, der seine Ansprache mit dem von der Menge stürmisch aufgenommenen „Gruß dem König" schloß, mußte sich noch wiederholt auf dem Balkon zeigen.
Rekordstrecke aus der Vertin-Leipziger Autobahn
Berlin, 5. Nov. (DNB.) Gelegentlich einer Besichtigungsfahrt über die vom Berliner Ring nach Schkeuditz führende Autobahnstrecke machte der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Dr. Todt der Presse be-' merkenswerte Ausführungen über die grundsätzliche Bedeutung dieser bevorstehenden Erweiterung des Autobahnnetzes. Wie Dr. Todt zunächst mitteilte, werden heute folgende Teil st recken mit einer Gesamtlänge von 222 Kilometer eröffnet: Die 116 Kilometer lange Strecke vom Leipziger
mit lohnender, und es verringern sich zu gleicher Zeit die durch Ueberlastung hervorgerufenen Transportschwierigkeiten.
Zum Abschluß wies Generalinspektor Dr. Todt auf die besondere wirtschaftliche Bedeutung der Strecke Berlin — Leipzig hin. Umfangreiche Verkehrszählungen im letzten Jahre haben, wie er betonte, gezeigt, daß die aus dem Halle-Leipziger Wirtschaftsgebiet nach Berlin führende Reichsstraße 96 von allen Anfahrtsftraßen zur Reichshauptstadt am stärksten benutzt worden ist. Deshalb werde gerade diese neue Autobahnstrecke fühlbare Erleichterungen auch im Güterverkehr mit sich bringen.
Erste großdeutsche Fremdenverkehrs- taqung.
Graz, 4. Nov. (DNB.) Der Leiter des deutschen Fremdenverkehrswesens, Staatsminister a.D.- Elfer, hatte den Reichsausschuß für Fremdenverkehr, den Großen Werbeausschuß des Reichsfremdenverkehrsverbandes und die Leiter und Geschäftsführer der Landesverkehrsoerbände zur ersten großdeutschen Fremdenverkehrstagung nach Graz berufen. Die Werbung muß vor allem der Friedenspolitik des Führers dienen und damit den Austauschreise-
verkehrvon Volk zu Volk besonders fördern. Großdeutschland darf auf Grund seiner landschaftlichen Schönheiten, seiner Heilschätze der Natur, seiner einzigdastehenden Kulturwerte und seiner überragenden technischen Leistungen mit einem stets steigenden Fremdenverkehr rechnen. Nach wie vor fei die wirtschaftlich beste Aufteilung der Ferienordnung und die Verteilung der Freizeit auf das ganze Jahr anzustreben, damit die Verkehrsmittel das ganze Jahr Über voll ausgenützt werden und das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe mit verlängerter Saison rechnen könne. Die gutgemeinte Aufbaufreudigkeit müsse sich den Bedürfnissen anpassen. Darum kein Hotelneubau, solange die bestehenden Hotels nicht voll besetzt sind, darum keine Mehrung der Unterkünfte, solange die vorhandenen ausreichen. Die Privatzimmeroermietung werde in Bälde geregelt werden. Die Werbeschriften müßten zu einem großen Teil eine gründliche U m - und Neubearbeitung erfahren. „Großdeutschland ist dank der Staatsführung Adolf Hitlers", so schloß Präsident Esser, „in Wahrheit e i n Land des Friedens und der Freude geworden." So kann die Werbeparole für 1939 nur lauten: „Reist nach Deutschland, dem Land des Friedens und der Freude!"
MW
Oer Zrie-ensfpruch.
Im Wiener Belvedere, dem Sommerschloß des Prinzen Eugen, haben die Außenminister Deutschlands und Italiens den Schiedsspruch gefällt, bet als Schlußstein der Münchener Vereinbarungen dein mitteleuropäischen Raum jene gesicherte Friedensordnung geben wird, für die auch Prinz Eugen vor 200 Jahren schon als Feldmarschall des Reiches und Ratgeber deutscher Kaiser gekämpft hat. Wenn damals Eugen Franzosen und Türken abwechselnd ober gemeinsam zu Feinden hatte, so hat der Wiener Schiedsspruch eindeutig bemonjtriert, daß Mitteleuropa heute mächtig genug ist, seine Angelegenheiten unter sich zu regeln. Nur weil nach dem Willen aller Beteiligten fremde Einflüsse ausgeschaltet blieben, konnte so rasch ein Schiedsspruch ergehen, l der, gemessen an der Schwierigkeit der zu lösenden Probleme auch von den beiden betroffenen Ländern als gerecht und billig empfunden wird. In München war das Recht des Volkstums, in dessen Zeichen das nationalsozialistische Reich Adolf Hitlers seinen friedlichen Kampf für die Rückgliederung der deutschen Ostmark und des Sudetenlandes geführt hatte, zum Leitsatz auch für die Erfüllung der territorialen Ansprüche aufgestellt worden, die Polen und Ungarn an die Tschecho-Slowakei zu richten hatten. Während Polen in direkten Verhandlungen mit Prag eine Befriedigung seiner Wünsche hatte durchsetzen können, war es zwischen Ungarn und den tschechoslowakischen Unterhändlern nicht zu einer Einigung gekommen. Wenn auch Ungarn von seinem Verlangen nach Wiederherstellung der alten „historischen Grenze" des Reiches König Stephans I. angesichts des deutlichen Hinweises aus Berlin und Rom, daß bei der Grenzziehung nur ethnographische Gesichtspunkte maßgebend sein könnten, Abstand nahm und damit auch auf die in Warschau wie in Budapest gleichermaßen sehnlich gewünschte Herstellung einer gemeinsames Grenze mit Polen verzichtete — der Besuch des polnischen Äußenminifters Beck in Galatz hatte beide Mächte davon überzeugen müssen, daß Rumänien ein entschiedener Gegner dieses Planes war — so blieben doch die tschecho-slowakischen Angebote immer noch weit hinter den ungarischen Forderungen zurück, da man in Prag und Preßburg glaubte, daß sich die Verkehrs- und wirtschaftspolitischen Interessen des Landes mit den von Ungarn geforderten Gebietsabtretungen nicht in Einklang' bringen ließen. Zudem legten beide Verhandlungspartner der Beurteilung des ethnographischen Gesichtspunkts zwei ganz verschiedene Volkszählungen Zugrunde, sodaß sich schon daraus weit auseinandergehende Auflassungen ergeben mußten, da die von den Slowaken ins Feld geführte Zählung von 1930 natürlich die Ergebnisse der Zuwanderung und Entnationalisierung mährend der letzten beiden Jahrzehnte voll berücksichtigt, während die von den Ungarn als Maßstab geforderte Zählung von 1910 ein Bild des Standes der Nationalitätenfrage in den strittigen Gebieten vor ihrer Abtrennung von Ungarn gibt. In diesem Punkte vermochte man nicht,zueinander zu kommen, und da eine Volksabstimmung in Preßburg nicht für opportun gehalten wurde, wandten beide Länder sich mit der Bitte um einen Schiedsspruch an diejenigen Großmächte, die von den Unterzeichnern des Münchener Abkommens art einer schnellen, friedlichen und bauerversprechenden Regelung aller noch strittigen Fragen im mitteleuropäischen Raum direkt interessiert sind: Deutschland und Italien. Beide haben den Auftrag angenommen, nachdem sowohl Ungarn wie die Tschecho-Slowakei versichert hatten, daß sie den Schiedsspruch, wie er auch ausfallen würde, von vornherein als bindend betrachten und unverzüglich burchfübren würden.
Den Schiedsspruch, den Reichsaußenminister von Ribbentrop und der italienische Außenminister Graf Ciano nach Anhören'der beiden Parteien gefällt haben, konnte sich nur streng an ethnoara- phische Grundsätze halten. Soweit die strittigen Gebiete dem Volkstum nach stark gemischt sind, mußte ein billiger Ausgleich gesucht werden und dafür gesorgt werden, daß den zu beiden Seiten der neuen Grenzen verbleibenden beträchtlichen Minderheiten ein ausreichender Schutz ihres Volkstums gewährleistet wird. Auf dieser Grundlage wurden durch den Schiedsspruch den Ungarn alle jene Gebiete zugesprochen, deren Bevölkerung unzweifelhaft eine ungarische- Mehrheit aufweist. A b g e l e h n t wurde jedoch die ungarische Forderung auf Preßburg mit der oberen Ecke der Großen Schütt-Jnlel, ba hier bie Ungarn gegenüber Deutschen und Slowaken erheblich in der Minderheit sind. Preßburg mit feinen 124 000 Einwohnern die wichtigste Jnbustrie- unb Handelsstadt der Slowakei, bleibt also slowakische Hauptstadt und nunmehr einziger Donouhafen der neuen Tschecho-Slowakei. Aboelehnt wurde auch der ungarische Anlvruch auf Neutra, einem Städtchen von 21 000 meist slowakischen Einwohnern am Fuß ertragreicher Weinberge, und schließlich bleibt auch entgegen den ungarischen Wünschen der an Rumänien stoßende Grembezirk von Sev- l j u s bei der Karpatbo-Ukraine Den weitaus größten Teil seiner Ansprüche hat Ungarn jedoch durchsetzen können, weil sie sich ethnoaranhifch wohl begründen ließen und dem Wiener Schiedsfvruch die Dor- kriegsvolkszählung gls gerechter Maßstab zugrundegelegt wurde. So wurde Ungarn ein Grenzstreifen von 45 bis 50 Kilometer Tiefe zuoefprochen, der, abgesehen von den obengenannten, alle größeren Städte einschließt, auf deren Rückgliederung Ungarn besonderen Wert legte. Insgesamt sind es 12 400 Ouadratkilometer mit 1 064 000 Einwohnern, fo daß das Königreich Ungarn nach der Wiedervereinigung dieser Gebiete des Oberlandes 105 500 Quadratkilometer mit mehr als 10 Millionen Einwohnern umfassen wird. Mit K o m o r n erhärt Ungarn einen bedeutenden Donauhafen, die Stadt, die 20 000 Einwohner zählt, beherbergt auch bedeut


