Ausgabe 
5.10.1938
 
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weise von dem Beifall der Kommunisten unterstützt, erklärte er, daß er der Regierung seine Stimme versagen müsse. Der ehemalige Minister F r o s - sard (Sozialrepublikanische Vereinigung) verlangte für die Zukunft ein Höchstmatz der französischen Einigkeit. Der rechtsstehende Abgeordnete V b a r . negaray als Sprecher der Sozialpartei de la Rocques befürwortete die Entsendung von Bot­schaftern nach Italien und Nationalspanien. Der Abgeordnete B e r g e r tj erweckte bei den Kommu­nisten höchst unangenehme Erinnerungen, als er unter allgemeinem Gelächter des Hauses daran erinnerte, daß der kommunistische Abgeordnete P6ri im Jahre 1933 in einer Kammerrede diear­beitende Bevölkerung der Tschecho-Slowakei sowie der Slowakei und der ungarischen^Minderheiten der Sympathien seiner Partei versicherte,^ weil sie von der Zentralgewalt unterdrückt würden"

Die Kammer stimmte mit 5 3 5 gegen 7 5 Stimmen bei 3 Enthaltungen dem An­trag der Regierung zu. Außer den 73 kommunisti­schen Abgeordneten haben nur 2 andere Abgeord­nete, worunter sich auch der Deutschenhasser de Ke° rillis befindet, gegen die Regierung gestimmt.

Auch die Amanzvollmacht für Daladier.

Kammermehrheit nach rechts verlagert.

Paris, 5. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Ent­scheidung über den Antrag der Regierung Dala- diers auf Erteilung von Vollmachten zur Wiederaufrichtung der wirtschaftlichen und finan­ziellen Lage ist nach einer ausgedehnten Nacht- sitzung der Kammer am Mittwochfrüh gefallen. 331 Stimmen ergaben sich für und 78 Stimmen gegen die Regierungsvorlage bei etwa 200 Stimmenthal­tungen, davon rund 170 Sozialdemokraten. Das Endergebnis bedeutet eine Verlagerung der Mehrheit von links nach rechts. Nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses brachten die Abgeordneten der radikalsozialen Kammergruppe, der Mitte und der Rechten dem Ministerpräsidenten stürmische Beifallskundgebungen dar. Daladier hatte am Schluß der Sitzung erklärt, daß er an alle Energien und alle Kreise Frankreichs appelliere. Ohne Annahme des Ermächtigungsge­setzes könne er nicht eine Stunde mehr seine Aufgabe erfüllen. Keinesfalls plane er eine De­visenkontrolle oder eine Zwangskünoertierung der Renten. Er wolle eine Steigerung der E r - zeugung, aber nicht etwa zum Nachteil einer Klasse. Alle müßten dem allgemeinen Wohl Opfer bringen. Es sei keine Stunde mehr zu verlieren, andernfalls könne Frankreich der Zukunft nicht ruhig entgegensehen. Der Friede müsse Tag um Tag erneut errungen werden. Daladier schloß, daß er tage- und nächte­lang gekämpft habe, um d e n Frieden zu sichern, und nun auch bereit sei, tage- und nächtelang zu kämpfen, um d i e Finanzlage zu bessern. Da­zu brauche er aber die Ermächtigung.

In den Wandelgängen der Kammer erklärt man, daß Daladier den rechtsgerichteten Abgeord­neten erklärt haben soll, daß er mit jeder Kam­mermehrheit weiterregieren würde. Er werde sich auch weiterhin für den Grundsatz der 40-Stundenwoche einsetzen, doch glaube er, dieses Gesetz den Umständen anpassen zu müssen. Er sei bereit eine Begrenzung der Regie- rungsvollmacht anzunehmen und das Parlament zur Haushaltsaussprache in der zweiten Novemberhälfte einzuberufen. Darauf beschloß bann die rechtsgerich­tete Minderheit, für die Regierungsvor­lage zu stimmen.

Daladier kündigt Ernennung eines französischen Notschalters in Hom an

R o m , 4. Okt. (DNB.) Nach einer Pariser Stefani- Meldung hat Ministerpräsident Daladier dem ita« lienischen Geschäftsträger mitgeteilt,daß der Mini­sterrat einstimmig beschlossen hat, dem Duce B e - nitoMussolinidenAusdruckdertiefen Dankbarkeit der Regierung und des französi- schen Volkes für das große, von tiefem Verständnis getragene Werk der Vermittlung und des Friedens, das er in München vollbracht hat, übermitteln zu lassen, sowie ihm von deck Willen Frankreichs Kenntnis zu geben, ohne Verzug die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern vor­zunehmen, indem sie ohne Umstände die Ernen­nung eines Botschafters bei Seiner Ma­jestät, dem König und Kaiser Viktor Erna- nuel III. vornehmen wird".

©er 8. Doliakongreß in Kom eröffnet

Im Iulius-Cäsar-Saal des Capitols wurde der 8. Volta-Kongreß eröffnet, der unter das Thema Afrik a" gestellt ist. Auf dem Kongreß sind 48 Nationen vertreten. Der Gouverneur von Rom, Fürst Colonna, begrüßte die Teilnehmer im Namen der Hauptstadt. Der Präsident der König­lichen Akademie von Italien, F e de rzoni, er­klärte, es gelte, das Problem Afrika unter Berück­sichtigung des heutigen Standes der geschichtlichen,

bevölkerungspolitischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Entwicklung, als Feld der zivilisatorischen Tätigkeit Europas und als Ergänzungskontinent für Europa zu klären. Die weihe Raffe stehe vor der Aufgabe, entweder ihre Fähigkeit zur Beherrschung und Hilfeleistung gegenüber der Bevölkerung Afri­kas zu beweisen oder für immer auf ihre Zivili- sierungsmission zu verzichten. Italien sei durch die Eroberung seines Kolonialreiches in die Lage ver­setzt morden, bei der Aktion Europas in bedeuten­dem Maße mitzuwirken. Darauf eröffnete Unter» richtsminisier Bo11ai den Kongreß. Die Sitzung

schloß mit einer Rede des Kongreßvorsitzenden Orestano, der die zivilisatorische Rolle Europas in Afrika näher behandelte. Europa, das in jahr­hundertelanger Kolonisierungstätigkeit große Opfer, besonders auch an Menschenleben, für Afrika ge­bracht habe, habe Rechte auf dieseüi Kontinent und werde durch die Verpflanzung großer europäischer Massen nach Afrika dort einen neuen Men­sch e n t y p schaffen und damit zugleich seine Vor- machtstellung auf dem schwarzen Kontinent zurück­erobern.

Der Führer im Gudetenland

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Der Führer und Reichskanzler unterbrach zwischen Franzensbad und Eger die Fahrt, um gemeinsam mit der Wehrmacht das Mittagessen einzunehmen. Unser Bild zeigt (von rechts) den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht General der Artillerie Keitel, Konrad Henlein, den Führer, den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe IV General von Reichenau und Reichsführer ff Himmler. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Gudetendeutsche Industrie.

Im alten Oe st erreich ohne Ungarn entfielen 1910 nach einer Darstellung O. Becks rund 65 v. H. aller Fabrikbetriebe auf die bisherige Tschecho- Slowakei. Im Jahre 1912 arbeiteten dort, d. h. hauptsächlich in Böhmen, 1 537 000 Dampf-P'erde- kräfte, in ganz Oesterreich 2312000, Also entfielen 66 v. H. aller Maschinen auf Böhmen. Diese böh­mische Industrie war zu einem überwältigenden Teil auf der sudetendeutschen Arbeit aufge­baut. Die Tschechen hatten bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nur wenige Betriebsleiter und Ingenieure, und auch in der tschecho-slowakischen Republik haben die Sudetendeutschen einen Prozent­satz zu diesen Berufen gestellt, der weitaus höher ist, als ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung des Staates entsprach. Die eigentlich tschechischen Gebiete sind vorwiegend landwirtschaftlich orientiert, mit Aus­nahme der Industrie bei Prag und Pilsen, während

die Sudetendeutschen den schlechten Gebirgsboden haben und sich deshalb seit alteraher auf die Berufe warfen, die Kunst- und Industriesertigkeit erfordern und einen intelligenten Mann wohl ernähren kön­nen. Die Schattenseiten zeigten sich während des Krieges, als die fanatisierten Tschechen sich ben Su- detendeutschen gegenüber absolut feindlich verhiel­ten und in Getreide, Butter und Fleisch schwelgten, während der Hunger durch die Fabrikorte Sudeten­deutschlands zog und zahlreiche deutsche Opfer for­derte. Immerhin haben die Sudetendeutschen, 3Zj Millionen gegenüber rund 7 Millionen Tschechen, im 15-Millionen°Staat der Tschecho-Slowakei auch in den letzten Jahren trotz ihrer weitgehenden Ver­elendung rund 60 v. H. aller Staatsein­nahmen aufgebracht, ein geradezu groteskes Ver­hältnis, das zeigt, wo eigentlich die Arbeitsamkeit, die Treue zum Heimatboden und -gewerde, wo die

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größten Opfer für diesen Gemengsklstaat zu finden waren: in den sudetendeutschen Gebieten.

Durch die Zerreißung des alten österreichisch- ungarischen Wirtschaftsgebietes wurde die I n d u ft r i e des neuen Gemengselftaates zunächst stark betroffen, aber da das entstehende Oesterreich nach wie vor Hauptabnehmer fein mußte, machte die In- dustrie zunächst gute Geschäfte. Neben den welt­bekannten Bädern wie Teplitz, Karlsbad, Io- hannisbad, die im sudetendeutsä^en Gebiet liegen, sind die Braunkohlenlager bei Karlsbad und Eger von besonderer Bedeutung. Auf ihnen er- wuchs eine bodenständige Industrie. Das Betriebs­kapital des Braunkohlenbergbaues war durchweg deutsch, der tschechische Anteil betrug etwa ein Zwan­zigstel. Für die Entwicklung der sudetendeutschen t e r t i I i n b u ft r i c waren die weichen reinen Wäs­ser der kristallinischen sudetendeutschen Randgebirge von besonderer Bedeutung, ebenso wie sie für die Glasindustrie die notwendigen Rohstoffe und für die Porzellanindustrie das erforderliche Kaolin beim sudetendeutschen Karlsbad boten. Ein Ueberblick über die Industrien ergibt, daß der Hauptteil in sudetendeutschen Händen lag. Im Erzgebirge blühte die Musik warenindu- ftrie, die Textil industrie besonders um Reichen- berg, Braunau, Strick, und Webwaren wer­den in Teplitz und Asch, Mollwaren in Brünn und imReidjenberger Gebiet hergestellt. In der Wollweberei sind Iägerndorf und Asch füh­rend, in der Fabrikation von Möbel st offen und Teppichen Rumburg und Reichenberg. Spitzen, Stickereien und Posamentierwaren liefert das sudetendeutsche Erzgebirge, vornehmlich in der Gegend von Gravlitz. Die deutsche Textil­industrie wurde durch den Allgemeinen Deutschen Textilverband in Reick)enberg vertreten. Die be­rühmte böhmische G l a s i n d u st r i e ist sudeten- deutsch. Sie hatte ihre vom Holz unabhängigen Standorte aus dem fubetenbeutfdyen Wald in die sudetendeutschen Braunkohlengebiete um Teplitz ver­schoben, bezog aber ihren Glassand zumeist aus Sachsen. Die berühmte Gablonzer Glasexportindu- ftrie liegt in den Händen der Sudetendeutschen Sie verfertigte Perlen, Knöpfe, Spangen, Steine, Fran­zen und ist eng verbunden mit der Gablonzer Bi- jouterieroareninbuftrie.

Die Tschechisierung der sudetendeutschen Industrie wurde geradezu planmäßig von Prag aus betrieben, und zwar u. a. durch die Zivnostenska- Bank, die mit den Steuergeldern der Allgemeinheit, zu denen die Deutfdjen den Hauptanteil geben muß­ten, die sudetendeutschen Sd)assenden geradezu ab» würgte. Dieser Riesenkonzern hat mit staatlicher Stütze Immer mehr um sich gegriffen und die Ge­fahr war nahe, daß die schon sehr geschwächte sude­tendeutsche Industrie bald vollkommen tschechisiert werden würde. Allein im Berg, und Hüttenwesen hatte die Bank von fünfzehn allein elf große beutfdje Gesellschaften in den letzten Jahren über- geschluckt. Es erzeugte in Millionen Zentnern im Jahresdurchschnitt

Braun- Stein-

Stahl Eisen kohle kohle die Tschecho-Slowakei 15 10 150 123

davon der Zivnokonzern 3,3 7,8 50 84

davon Anteil der ehemals

deutschen Werke 3,3 7,5 29,5 74

Von diesem Tschechenkonzern wurden verschluckt: in der Maschinen-Jndustrie ehemals sudetendeutsche Werke 8, tschechische 2; in der chemischen Industrie 5 deutsche und 6 tschechische Werke; in der kerami­schen Industrie 3 deutsche und 2 tschechische Werke. Aus dem Gebiete der Zuckerindustrie waren die gleichen Erscheinungen ju beobachten. Der tschecho- slowakische Staat benutzte die Notlage der Sude- tenbeutschen, um mit ihren Steuergeldefn sich in 'ben Besitz ber nichttschechischen Inbustrie zu brin­gen. Der Verkauf ber fubetenbeutschen Braunkohlen- selber bes Petscheck-Konzern an die Zivnobank brachte die Tschechisierungstendezen aller Welt zum Bewußtsein. Aber darüber hinaus kontrollierte die Bank bzw. die. Prager Regierung die Spiritus-, die Textil», die Elektromaterialfabriken, die Fluß­schiffahrt, die großen Versicherungsanstalten. Was sudetendeutsche Energie und Kraft in jahrzehnte­langem Aufbau geleistet hatte, das nahmen die Tsd)echen, und die Sudetendeutschen konnten betteln gehen ober verhungern. Das war bie Tragödie eines Volkes, bas im Namen bemokratischer Phra­sen ausgerottet werden sollte.

Kleine politische Nachrichten.

Der Leiter ber Wirtschaftsgruppe Elektro- i n b u ft r i c hat dem Führer und Reichskanzler eine Stiftung von 300 000 Mark, unb ber Leiter ber Fach- gruppe Braunkohlenbergbau eine Spende in Höhe von 250 000 Mark zur Linderung ber Not ber Sudetenbeutschen zur Verfügung gestellt.

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Der auf Einladung des Reichsjägermeisters Her­mann Göring in Deutschland weilende Chef des ita­lienischen Forstverbandes, General A g o st i n i, be­suchte in Begleitung des Generalsorstmeisters Alpers die Hermann-Göring-Stiftung unb ben Reichsjäger­hof in Braunschweig.

An lichtvollen Arbeitsplätzen fühlt der Mensch sich wohler,- er wird mit mehr Lust und Liebe seine Arbeit vollbringen. Durum braucht der schaffende Mensch möglichst viel Licht. Neben guter Allgemeinbeleuchtung verwende man am Reißbrett eine schwenk­bare Leuchte mit einer75'Watt'W>Lampe. Verlangen Sie immer die innenmattierten