Ausgabe 
5.10.1938
 
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gen werde. Die Uniform werde aus blauem Anzug im Zivilschnitt mit dunkelblauem Polizeimantel und einer blauen Schirmmütze bestehen. Außerdem werde die Legion Aumbinden und Schlips in den blau-goldenen Farben der Legion sowie die Ab­zeichen der Legion tragen. Ehemalige Offiziere und Mannschaften werden tn dieser Polizeitruppe Seite an Seite Dienst tun Die Barlöhnung ist auf 3 Pfund 15 Schillinge für Verheiratete und 3 Pfund 5 Schillinge für Ledige wöchentlich bemessen (also, etwa 40 bis 46 Mark).

Oie weitere Besetzung.

Berlin, 4. Okt. (DNB.) Die militärische Be­setzunader sudetendeutschen Gebiete wird auf Grund des Münchener Abkommens in folgenden weiteren Abschnitten erfolgen:

1. Gebietszone III. Am 5. Oktober der Rest der Gebietszone III, also das Gebiet bis zur Linie Haselbach (5 Kilometer nordostwärts Waldmünchen) Luditz Radonitz Gebirgsneudorf (2 Kilo­meter ostwärts Katharinabera).

2. Gebietszone IV. Am 6. Oktober bis zur Linie Oberlindewiese Niederlindewiese Frei- waldau Niederhillersdorf Olbersdorf. Am 7. Oktober der Rest der Gebietszone IV, also das Gebiet bis zur Linie Niederlipka (1 Kilometer nörd­lich Grulich Nicklesdorf Reitendorf Wild- qrub Freudenthal Wockendorf Lobenstein). Alle angeführten Orte liegen innerhalb der vorher genannten Linien.

3. Bis zum 10. Oktober wird das restliche Gebiet, dessen sofortige Abtretung vorgesehen ist, militärisch besetzt werden. Die Grenzen dieses Gebietes werden noch bekanntgegeben.

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Das Oberkommando der Wehrmacht gibt be­kannt: Die Truppen des Generals der Artillerie v. Reichenau haben im Laufe des 4. 10. den Gebietsabschnitt III bis zur Linie Eisendorf Haid Leskau Tepl Petschau Karlsbad Wiesenthal besetzt und sind am 5.10. um 8 Uhr eingetreten, um den Rest des Ge­bt e t s a b s ch n i t t e s III zu besetzen.

Die Forderungen der Slowaken.

Belgrad, 4. Okt. (DNB.) WiePolitico" aus Prag berichtet, macht das tschecho-slowakische Pro­blem der Prager Regierung größte Schwierigkeiten. Die Hlinka-Partei habe ein Ultimatum ge­stellt, in dem gefordert werde: Anerkennung der slowakischen nationalen Individualität. Slowa­kisch als einzige Amtssprache in dem slo­wakischen Staatsgebiet- Schaffung einer gesetz­gebenden slowakischen Körperschaft und einer völlig autonomen slowakischen Regierung, von deren Geltungsbereich nur Fragen der Außenpolitik, der nationalen Verteidi­gung und der Landesfinanzen ausgenommen fein sollen. Sofortige Uebergabe der gesamten Regierungsgewalt in der Slowakei an die von der Slowakischen Volkspartei bestimmten Ver­treter.

Aus einem Artikel des Abgeordneten Sidor geht die Ursache der Differenzen hervor. In dem Aufsatz heißt es:In der Anerkennung der Indi­vidualität des slowakischen Volkes und der aus­schließlichen Verwendung des Slowakischen als Staatssprache in der Slowakei, und zwar in Schu­len, Aemtem und Unternehmungen konnten wir uns einigen. Wir haben uns auch in der Ange­legenheit des gesetzgebenden slowakischen Landtages geeinigt, aber wir konnten uns nicht einigen in den Fragen der Sicherung des ständigen Brotes und der ständigen Arbeit für die Slowaken in der Slowakei. Uns ging es um Brot und Arbeit, so daß wir darauf bestanden, in unsere slowakischen Hände die Entscheidungsgewalt dafür zu bekommen, daß nicht Prag, sondern wir Slowaken zu bestimmen haben, wer in der Slowakei in den Schulen und Aemtern, bei der Post, Eisen­bahn, Polizei, Gendarmerie, Finanzbehörde usw. beschäftigt sein wird. Andere slowakische Blät­ter ergänzen den Bericht dahin, daß sich auch Schwierigkeiten ergaben, als es sich darum handelte, festzustellen, was unter d i°e Rechtsgewalt der slowakischen Landesregierung bzw. der Prager Zentralregierung fallen soll. Die Slowakische Volks­partei wollte die Rechtsgewalt der einzelnen Pra­ger Ministerien vollkommen auf die Landes­ministerien übertragen.

Dor Lösung her ungarischen Frage.

Für Donnerstag Verhandlungen vorgeschlagen.

Budapest, 4. Okt. (Europapreß.) Die ungarische « Regierung hat in ihrer am Montag in Prag über­reichten Note folgende Maßnahmen gefordert als Garantie für die freundschaftliche Durchführung der geplanten ungarisch-tschecho-slowakischen Regelung: Sofortige Enthaftung aller ungarischen politi­schen Häftlinge, sofortige Entlassung aller im tschecho-slowakischen Heeresverband dienenden Sol­daten ungarischer Nationalität, Aufstellung von Ordnungs- und Sicherheitsabteilun­gen in den rein ungarischen und in den gemischt­sprachigen Gebieten, sofortige Besetzung zweier Grenzstädte in dem von Ungarn be­wohnten Gebiet der Tschecho-Slowakei durch un­garische Truppen als Symbol der Bereitwil­ligkeit zur Uebergabe der von Ungarn geforderten Gebiete. Die ungarische Regierung schlägt nach Er­füllung dieser Forderungen als Termin für den Be­ginn der Verhandlungen den 6. Oktober in der teils auf ungarischem, teils auf tschechischem Gebiet lie­genden Stadt K o m o r n vor. Führer der ungari­schen Abordnung ist Außenminister K a n y a.

Wie von der ungarisch-slowakischen Grenze ge­meldet wird, haben die Tschechen bereits mit der Räumung des gesamten Ungarn zu überlassen- den Gebietes auf der ganzen 700 Kilometer langen Grenze von Preßburg bis Ungvar begonnen. Die in. den letzten Wochen errichteten Drahtverhaue und spanischen Reiter wurden a b g e b a u t und die in den vordersten Stellungen ausgestellten Maschi­nengewehre abtransportiert. Die Besatzungs­truppen zogen sich in das Innere des Landes zu­rück. Es wurden nur einzelne Wachtposten ungari» scher Nationalität zurückgelassen, die Ruhe und Ordnung in dem geräumten Grenzgebiet aufrecht erhalten sollen. Die tschechischen Beamten und Ansiedler haben die rein ungarischen Grenzgebiete verlassen, ihre Besitztümer ab­transportiert und den Grundbesitz verkauft. Die tschechischen Fabriken wurden abmontiert; in den tschechischen Läden wurde ausverkauft. Alle Ort­schaften des etwa 12 000 Quadratkilometer großen ungarischen Oberlandes sind in den ungari­schen Farben beflaggt und erwarten voll Freude den Einmarsch der ungarischen Truppen.

Ich habeja" gesagt und ich bedauere nichts."

Oie französische Kammer billigt mit überwältigender Mehrheit die Außenpolitik Oaladiers.

Paris, 4. Oktober. (Europapreß.) Die Kammer hatte am Dienstag ihren großen Tag, wie er seit Jahren nicht mehr erlebt worden war. Bereits lange vor Abgabe der Regierungserklärung, die gleichzeitig im Senat durch Staatsminister Ehau- temps verlesen wurde, waren die Pressetribünen Überfüllt. Fast alle 600 Abgeordneten waren an­wesend. Dor dem Palais Bourbon drängten sich Hunderte von Menschen, die Zutritt zum Kammer­gebäude erhalten wollten. . In der überfüllten Diplomatenloge sah man den amerikanischen Bot­schafter Bullitt. Die Ministerbänke waren ,did)t be­setzt. Der Führer öer Rechten, F la n d i n, wurde bei seinem Erscheinen von zahlreichen Abgeordneten mit Handschlag begrüßt.

Als Ministerpräsident D a l a d i e r erschien und neben Außenminister Bonnet Platz nahm, wurde ihm eine minutenlange Huldigung bereitet. Kam­merpräsident H e r r i o t gab von der Einbringung des Regierungsentwurfs für die Erteilung von fi­nanziellen und wirtschaftlichen Vollmachten Kennt­nis. Dann verlas D a l a d i e r die Regierungs­erklärung.

Daladier stellte mit ^Befriedigung fest, daß nach Wochen, in denen man einen Krieg befürchten mußte, er heute sagen könne, der Friede sei gerettet worden. In diesen Wochen habe er wenig gesprochen, denn er habe viel handeln müs­sen. In der augenblicklichen Ppuse, die die Ein­leitung einer neuen Aktion sein müsse, wolle er über die Ereignisse der letzten Wochen ausführlich berichten.

Der Ministerpräsident betonte, Frankreich habe in friedlichem Geiste der tschecho-slowakischen Re­gierung angeraten, den Sudetendeutschen durch rasche Zugeständnisse bedeutsame Rechte im Rahmen des Staates zu gewähren. Die Mission Lord Run- cimans habe ebenfalls zunächst zu Hoffnungen be­rechtigt. Adolf Hitler habe auf dem Nürnberger Kongreß das Selbstbestimmungsrecht der Völker angerufen. Durch die Schilderungen der deutschen Presse über den Terror in den sudetendeutschen Ge­bieten sei das Weltgewissen wachgerufen worden. Daladier zollte dann der Initiative Cham­berlains Anerkennung, die zu dem Zusammen­treffen von Berchtesgaden geführt habe.

Zum ersten Male vielleicht in der Geschichte", so führte Daladier aus,ist in voller Oef- fenttichkeit gehandelt und unter den Augen der Völker diskutiert worden. Und ich glaube sagen zu können, daß, wenn der Frie­den aufrechlerhalten und gewahrt worden ist, dies darum möglich war, weil wir nicht zu Kombinationen und zur Geheimdiplomatie griffen. Dir haben in vollem Lichte und unter der Kontrolle der Völker gehandelt, und ich will hier versichern, daß die Völker, und zwar alle Völker, den Frie­den wolle n."

Wir befanden uns vor folgender Alternative: Ent­weder nein zu den sudetendeutschen Forderungen zu agen und dadurch die tschechische Regierung zur Un- beugsarnkeit zu treiben und die deutsche Regierung zu zwingen, einen bewaffneten Konflikt heraufzubeschwören, der die Vernichtung der Tschecho-Slowakei zur schnellen Folge gehabt hätte, ober aber ein Kompromiß zu finden. Wenn ich die erste Hypothese bewahrheitet hätte, wer hätte glauben können, daß die Integrität der Tschecho- Slowakei nach einem schrecklichen Koalitionskriege, elbst nach einem siegreichen, hätte erhalten werden können? Wir haben daher den Frieden ge­wählt. Chamberlain schlug eine äußerste An- trengung für die Zusammenkunft der Regierungs­chefs der vier großen Westmächte vor. Musso­lini unterstützte diesen Antrag mit Nachdruck und Erfolg. Ich habe diese Einladung angenommen. Es handelte sich nicht darum, Gegenvorschläge zu for­mulieren, sondern es handelte sich darum, den Frieden zu retten, den einige bereits für end­gültig zerstört halten konnten. Ich habeJa" g e- agt, und i ch bedauere nichts. Ich hätte oorgezogen, daß alle die interessierten Mächte ver­treten sein würden, aber man mußte sehr schnell machen, die geringste Frist konnte fatal werden.

Eine freimütige Unterhaltung mit Herrn Hitler und Mussolini, war sie nicht mehr wert als alle Vorschläge oder alle schriftlichen Diskussionen? Wir haben in dieser Hinsicht besteht kein Zweifel in vier Ländern einen Vorentscheid fürden Frieden hervor­gerufen. Auf Grund der spontanen Wärme des

Empfanges, der durch die Völker der vier Haupte ftädte in Berlin, in Rom, in London und Paris allen Chefs der vier Regierungen zuteil wurde, und auf Grund der unzähligen Beweise, die allen Regierungschefs aus den Städten und Dörfern ihrer Länder zugingen, kann man keinen Augenblick an dem riesigen Vefreiungs- gefuhl der Menschen und an ihrer Anhänglich­keit an dem Frieden zweifeln. Ein tatsächlicher Sieg des Friedens!

Nach einer Würdigung des Opfers, das die Tschecho-Slowakei im Interesse des Friedens ge­bracht habe, fuhr der Ministerpräsident fort:

Und nun, warum ist es uns gelungen, den Krieg zu vermeiden in einem Augenblick, wo er auszu­brechen drohte? Warum haben wir in Anbetracht der ideellen Opfer, die wir zugestanden haben, auf der anderen Seite eine gewisse Zahl von Garantien und nicht weniger reellen Vorteilen auf. der Aktiv­seite buchen können? Weil wir in diesen schwierigen Verhandlungen stets unseren Willen nach Gerechtigkeit und Loyalität betont haben, weil wir wie Männer verhandelt haben, für die die Verhandlung nicht mehr eine un­vermeidliche Phase dieses großen internationalen Dramas bedeutete, sondern der einzige wirk­liche Weg zum Frieden. Man kann ebenso wenig daran denken, Deutschland einzuschüchtern, wie man etwa daran denken könnte, Frankreich einzuschüchtern.

Wau kann nicht mit einem Mann oder mit einer Ration diskutieren, wenn man nicht vor­her seine Achtung erworben hat. Die Achtung Deutschlands für Frankreich aber konnte ich schon bei meiner Ankunft in München füh­len. Die Achtung, die unser Vaterland während dieser Tage allen Völkern, die es umgeben, auferlegte, diese Achtung, die sich aufbaut auf der Erinnerung an die Kämpfe, die uns ver­einte oder einander entgegensetzte, diese Achtung, die kein Frontkämpfer einem ande­ren Frontkämpfer absprechen kann, welches auch die Farbe oder die Uniform wäh­rend des großen Krieges gewesen sein mag, diese Achtung, die stets eine männliche und zu­gleich friedfertige Ration gebietet, diese Achtung müssen wir auch für das große Volk empfinden, das u n f e r R a ch b a r ist und

das unser Gegner war und mit dem wir hoffen, einen dauerhaften Frieden bauen zu können.

Zweifellos ist unsere Weltanschauung von den­jenigen, die das Deutschland und Italien von heute beseelen, sehr verschieden. Aber auch andere Länder, deren Weltanschauungen von den unseren verschie­den sind, leben mit uns in, gutem Einvernehmen. Welch auch die Formen der Regierung sein mögen, die sich die Völker gegeben haben, siehabenalle für den Frieden die gleiche Liebe. Was zur augenblicklichen Stunde wichtig ist, das ist die Notwendigkeit, alle guten friedliebenden Willen zu vereinigen, die es, in der Welt gibt. Wenn ich an diese Gefühle erinnere, die das französische Volk für das deutsche Volk empfindet, und die von dieser Tribüne herab viele meiner Vorgänger bereits so oft prozediert haben, so bedeutet das nicht, daß wir auf schon bestehende Zusammenarbeit zu verzichten beabsichtigen. Für uns handelt es sich nicht darum, die alten Freundschaften durch neue zu ersetzen. Im Interesse des Friedens wollen wir diesen alten er­probten Freundschaften den B e i st a n d er­neuerter und neuer Freundschaften hinzufügen."

Zum Schluß rief Daladier alle Franzosen zur Einigkeit und zur Zusammenfassung aller mora­lischen und wirtschaftlichen Kräfte auf und betonte, daß die Erhaltung des Friedens keineswegs dazu verleiten dürfe, die notwendigen Rüstungen zu ver­nachlässigen. Nachdem er geendet hatte, sprach der Vorsitzende des Heeresausschusses der Kammer als Vertreter der Frontkämpfer Daladier den Dank für feine Friedensbemühungen aus. Der elsässische Abgeordnete Walter dankte im Namen seiner elsässischen und lothringischen Kollegen dem Ministerpräsidenten und dem Außenminister für ihre Friedensarbeit und betonte im übrigen unter Bezugnahme auf das deutsch-französische Verhält­nis, daß beide Völker dazu da seien, sich zu ver­stehen und zusammenzuarbeiten. Der kommunistische Abgeordnete P 6 ri kündigte der Re­gierung das Vertrauen seiner Partei auf und be­werte sich bitter über dasDiktat von München". Der rechtsstehende Abgeordnete Marin und der sozialdemokratische Abgeordnete L6on Blum er­klärten unter verschiedenen Vorbehalten, daß ihre Freunde für die Regierung stimmen würden.

Dann hielt, von häufiaen Zwischenrufen unter­brochen, der berüchtigte Hetzjournalist. Abgeordne­ter de Kerillis eine Brandrede. Bezeichnender-

Regierungsumbildung in Prag.

Ein neuer Außenminister. Beneschs Einstuß vermindert.

Prag, 5. Okt. (DNB.) In dem am Dienstag­abend ungebildeten Prager Kabinett hat General Syrovy wiederum den Vorsitz und zugleich die Leitung des Ministeriums für^ natio­nale Verteidigung. Außer Syrovy blieben Finanz­minister Ka'lfus, Innenminister Cerny und Justizminister Fajnor auf ihren Posten. Ebenfalls wurden aus dem früheren Kabinett die Minister ohne Portefeuille übernommen. Der Ober­bürgermeister von Prag, Zen kl, erhielt die Mi­nisterien für soziale Fürsorge sowie für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung, der Sokvl- führer Bukofsky wurde mit der provisorischen Leitung des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur betraut. Der Minister ohne Portefeuille, Vavrecka, der Leiter des Agitationsausschusses der Regierung, wurde als Minister bestätigt.

Neu eingetreten find in das Kabinett der Gesandte in Rom Dr. Franz Chvalkovsky als Außenminister, Universitätsprofessor Dr. Jmrich Warnas als Industrie-, Handels- und Gewerbe­minister und der Divisionsgeneral Husarec als Minister für öffentliche Arbeiten. Der neueingetre­tene Eisenbahnminister Brigadegeneral Wladimir K a j d o s erhielt zugleich die Leitung des Ministe­riums für Post und Telegraph, das Landwirtschafts- mini'fterium wurde mit dem Vorsitzenden der tschecho­slowakischen Getreidegesellschaft, Dr. F e i e r a b e n d, neu besetzt. Dr. Iwan Parkanyi trat als Mini­ster ohne Portefeuille ein. Bei der Regierungsum­bildung wurde im letzten Augenblick von der Er­nennung des Abgeordneten Sokol zum M i n i« ft e r für die Slowakei Abstand genom­men, da keine Einigung mit den Slo­waken erzielt werden konnte. Dadurch ist neuer­

dings bewiesen, daß die slowakische Frage sich in zunehmendem Maße zuspitzt.

Am bedeutsamsten ist die Neubesetzung der' Außenmini st erium s. An die Stelle des per­sönlichen Exponenten Dr. Beneschs, des Professors Krofta, tritt der bisherige Gesandte in Rom, Dr. Chvalkovsky, der seinerzeit dem verstorben nen Vorsitzenden der Agrarpartei Schwehla nahe- gestanden hatte und von diesem in die Innenpolitik gebracht worden war. Nach Niederlegung feines Ab­geordnetenmandats wurde er Gesandter in Berlin zu einer Zeit, als erstmalig deutsche Minister 1926 in eine Prager Regierung eintraten. Er ist als ausgesprochener Vertreter der Agrarier anzusehen. Seine Ernennung wird als Zeichen für die Verstärkung des Einflusses jener Kreise im tsche­chischen Lager angesehen, die eine Neuorien­tierung des Reststaates im Sinne einer Annähe­rung an Deutschland verlangen.

In dem neuen Kabinett ist kein Sozial­demokrat vertreten und nur ein einziger Ver­treter der Partei Dr. Beneschs, der Volkssozia- I i ft e n , der Prager Oberbürgermeister Zenkl. Da der Außenminister, der Innenminister, der Land­wirtschafts- und Handelsminister Agrarier sind und die Generäle Husarek und Kajdos den Agrariern nahestehen sollen, ist damit ein eindeutiger Ruck nach rechts festzustellen. Von dieser (Ent- Wicklung könnte man eine Aenderung der tschecho­slowakischen Haltung gegenüber dem Reich erwarten. Allerdings steht noch immer im Hintergründe die ungelöste Frage, ob sich die Gerüchte von einem in Aussicht genommenen Rücktritt Beneschs be­stätigen werden, von dem das Verhältnis zwischen den beiden Staaten bestimmt werden wird.

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Unser Bild links machte unser Bildberichterstatter an der Spitze der deutschen Vormarsch kolonnen in der Nähe von Schönau in der I.Zone: Eine tschechische Offizierspatrouille erklärt deutschen Offizieren den Weg zum nächsten Vormarschziel. Unser rechtes Bild zeigt einen Vater, der vor Wochen vor der tschechischen Soldateska in die Wälder geflüchtet war, weil er nicht auf tschechischer Seite gegen seine deutschen Brüder kämpfen wollte. Nun, nach wochenlanger Trennung und Ungewißheit, konnte er endlich in Schönau fein Töchterchen begrüßen. (Scherl-M.^