Ausgabe 
5.9.1938
 
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Olympische Winterspiele 1940 in et Moritz.

Der Vollzug«usschuh des Internationalen Oltjrn- pifchen Komitees beschloß in Brüssel unter Vorsitz des Präsidenten Graf Vaillet-Latour. die Olym- pifchen Winterspiele 1940 an die Schweiz zu er­geben. Gleichzeitig wurden weitere Beschlüsse über die Sommerspiele in Finnland gefahk.

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Für die Winterspiele lagen drei Bewerbungen vor. Lake Placid, Lahti und St. Moritz. Der amerikanische Wintersportplatz schied wegen zu großer Abgelegenheit aus der engeren Wahl aus. Lahti kam nicht in Frage, weil Finnland nicht in der Lage war, die olympischen Bobrennen zu ver­anstalten. So fiel die Wahl endgültig auf St. Moritz, das schon vor zehn Jahren Schauplatz der 2. Olympischen Winterspiele war. Das Programm der 5. Olympischen Winterspiele umfaßt Bobretmen, Eishokey, Eiskunstlauf und Schnellauf sowie als Vorführungswettbewerbe Militär - Patrouillenlauf, Torlauf unfo Sprunglauf als einzige Schikämpfe.

Der Beginn der Olympischen Sommer­spiele in Helsinki wurde auf den 20. Juli

Mgesetzt. Die Wettkämpfe dauern bis zum 5. August, ote erstrecken sich, wie schon gemeldet, nicht nur auf die obligatorischen Sportarten, sondern auch auf Fußball, Wasserball und »Kanu, während Handball, Hockey und Basketball aus Gründen der Unter» bringungsmöglichkeiten nicht stattfinden werden. Die ^chießwettbewerbe wurden auf Prüfungen mit dem Armeegewehr erweitert.

Erste Musterung unserer Fußball-Nationalen.

Die erste Musterung unserer Fußball-Nationalen m der neuen Spielzeit dürfte im Hinblick auf die bevorstehenden Länderkämpfe gegen Polen und Ru­mänien ihren Zweck voll erfüllt haben. Im Berliner Olympia-Stadion lieferten sich zwei Ländermann- schäften am Sonntag einen zeitweilig sehr schönen Kampf, in dem man Leistungen zu sehen bekam, die höchst erfreuliche Ausblicke für die kommende Spielzeit eröffnen.

Wenn das Treffen 1:1 (0:1) endete, so gibt dieses Ergebnis auch den Spielverlauf wieder. Die A=(£lf hatte in Janes, Mock und dem linken Flügel Peffer- Schön überragende Einzelspieler und wirkte dar­über hinaus als Mannschaft reifer, während die junge B-Elf elanvoller und einsatzbereiter war.

Auftakt der AS.-Kampfspiele.

Geländerill zum Modernen Fünfkampf.

Die II. NS.'Kampfspiele begannen am Sonntag auf dem Truppenübungsplatz Hohenlohe mit dem 5-Kilometer-Geländeritt der Klasse A für den Mo­dernen Fünfkampf. 36 Bewerber nahmen den Kampf über den mit 20 Hindernissen gespickten Kurs auf. Der Wehrmachtmeister Dblt. Lemp blieb als zwei­ter Starter mit einer Zeit von 9:57 Min. nicht lange an der Spitze, denn. ^-Scharf. Rhinow legte die Strecke sofort im Anschluß in 9:49 Min. zurück. Im weiteren Verlauf wurde die Bestzeit immer weiter unterboten. Sieger blieb schließlich Polizei- Wachtmeister Schloemp (Berlin) mit 0 F. und 9:13 Min.

Deutsche Schwimmersiege in Portugal.

In dem mit über 5000 Zuschauern besetzten Schwimmstadion des Klubs Alges Dafundo in Lis­sabon wurden am Freitagabend die ersten deutsch­portugiesischen Schwimmwettkämpfe gestartet. Sämt­liche Wettbewerbe des Schwimm-Länderkampfes wurden von Deutschland gewonnen. Höhepunkt der Veranstaltung war das Schauspringen des deutschen und Europameisters Erhard Weiß, dessen über­ragendes Können die Zuschauermenge zu jubelndem Beifall hinriß. Das zum Schluß durchgeführte Was­serballspiel war eine einseitige Angelegenheit .zu­gunsten ber Deutschen, die mit 14:1 Toren siegten.

Europas beste Leichtathleten in Titelkämpfen.

Die Titelkämpfe der besten europäischen Leicht­athleten nahmen am Samstag im Pariser Colom- bes-Stadion ihren Anfang. Das Interesse war leider nicht sehr groß. Nur 6000 Zuschauer füllten die wei­ten Ränge. Die Organisation verlief nicht immer reibungslos. In ausgezeichnetem Zustand befanden sich dagegen die Bahnen. Die kleine deutsche Kolonie, an ihrer Spitze der deutsche Botschafter in Paris, Graf Welczek, erlebte einen hocherfreulichen Auftakt für ihre Landsleute. Brachte doch bereits der erste Tag, an dem vier Wettbewerbe entschieden wurden, zwei deutsche Europameister.

Wllhelm L e i ch u m , der Weitsprung-Sieger von 1934 in Turin, verteidigte seinen Titel erfolgreich

mit einem Sprung von 7,65 vor dem Italiener Maffei (7,61 Meter) und dem Leipziger Luz Lang (7,56 Meter). Etwas überraschend kam aber der Sieg des Freiburgers Sutter, der seine aus­gezeichnete Leistung von Stockholm wiederholte und den Stabhochsprung mit 4,05 Meter gewann- hinter ihm belegten drei Mann mit je 4,00 Meter die Platze. Im 10 0-Meter-Laus setzte sich der favorisierte Holländer Osendarp im Endlauf in 10,5 Sek. durch und verteidigte damit das Erde seines großen Landsmannes *" Berger. Aus dem Zweikampf der beiden Finnen im Speerwerfen ging der erfahrene Matti I ä r d i n c n mit einem Pracht- wurf von 76,87.Meter als Sieger hervor; sein Landsmann Nikkanen kam auf 75,00 Meter.

weHkommen. Bei den mit letzter Energie durch- gefuhrten Versuchen machte sich wieder die alte Sehnenzerrung bei Sievert fo stark bemerkbar, daß er den Kampf aufstecken mußte.

Großes Pech hatte Deutschland auch im Mara­thonlauf. Der Stuttgarter Bertsch über­nahm auf halber Strecke, zusammen mit seinem Kameraden Puch, die Führung, die er nach einem aufregenden Kampf mit dem starken Franzosen Leriche erobert hatte. Beim 37. Kilometer wurde Bertsch bann von einem Radfahrer so schwer an- aefahren, daß er das Ziel nur noch mit äußerster Kraftanstrengung erreichte und dabei auf den sech­sten Platz zurückfiel. Auch Puch konnte zum Schluß nicht mehr ganz mithalten und wurde Fünfter. Der Sieg fiel an den Finnen Muinonen mit 2:37:28,8 Stunden und Darrow (England).

Wölke geschlagen.

Die Kämpfe des Sonntags

Der Sonntagvormittag der Leichtathletik-Europa­meisterschaften im Pariser Colombes-Stadion ge­hörte den Zehnkämpfern und 200-m-Läufem. Meister Hans-Heinz Sievert lag nach den ersten drei Hebungen (100-m-Lauf, Weitsprung und Kugel- -stoßen) schon weit in Front vor Bexell und Plawczyk. Auch unser zweiter Mann, Glötzner, hielt sich gut in dieser erstklassigen Gesellschaft. Die Lei­stungen dieser vier Mann waren nach den ersten drei Hebungen: Sievert (11,3 + 6,68 m 4-14,39 m); Bexell (11,5 + 6,67 m + 13,62 m); Plawczyk (11,4 + 6,56 m + 11,12m); Glötzner (11,6+ 6,50m + 12,42 m).

In den Nachmittagsstunden hatten sich rund 25 000 Zuschauer im Stadion eingefunden, um die End- kämpfe in elf Wettbewerben zu erleben. Die etjte Entscheidung fiel in der langen Hür­de n st r e ck e, die der Franzose I o y e in 53,1 Sek. vor Kovacs (Ungarn) in 53,3 und Areskoug (Schwe­den) in 53,6 gewann. Nach einem Fehlstart des Deutschen Glaw setzte sich Joye beim zweiten Start­schuß sofort an die Spitze des Feldes und behielt die Führung während der ganzen 400 m. Ebenso sicher, wie der favorisierte Franzose siegte, belegten Kovacs, der ungarische Titelverteidiger, und Ares- koua die nächsten Plätze. Holling, auf den wir einige Hoffnungen setzten, sprang schlecht und lag lange Zeit an letzter Stelle, bis er im Endspurt noch den fünften Platz hinter Glaw eroberte.

Die große deutsche Heberlegenheit im Hammer- werfen kam auch in Paris wieder zum Ausdruck. Heber sechs Meter trennten unsere beiden Vertreter von dem Dritten, dem Schweden Malmbrandt. Wäh­rend Blask in Stockholm feinen Kameraden Hein hinter sich lassen konnte, siegte diesmal wieder der Hamburger mit einem großartigen Wurf von 58,77 m vor Blask (57,34 m), während Malmbrandt nur auf 51,23 m kam.

Heber 4 00 m hatte der Berliner Linnhoff die Außenbahn. In scharfem Tempo zog der glänzend laufende Engländer Brown davon.'Aber Linnhoff hielt ausgezeichnet mit, übernahm sogar eine Zeit- lang die Führung. Auf den letzten 100 m mußte der Deutsche aber feinen Gegner ziehen lassen, der in 47,6 Sek. vor Baumgarten (Holland) gewann, der zum Schluß noch an Linnhoff. vorbeiging.

Hervorragende Zeiten wurden im Endkampf der 5 00 0 m erzielt; die ersten sechs Läufer blieben sämt­lich unter der 15-Minuten-Grenze. Nach anfäng­licher Führung des französischen Titelverteidigers Rochard übernahmen die beiden Finnen Mäki und Pekuri die Spitze und liefen ein Rennen für sich; nur der Schwede Henry Jonsson und der Pole Noji konnten in den Endkampf eingreifen, während Ro­chard nach 2000 m rettungslos geschlagen mar. In der Zielgeraden unternahm Johnsson einen Angriff auf die beiden Finnen, konnte auch Pekuri pas- fieren, doch Mäki nicht mehr erreichen, der in 14:26,8 Minuten vor Johnsson (14:27,4) und Pekuri (14:29,2) sicher siegte.

Harbigs Rekordlauf in 1:50,6!

Den wohl mit der größten Spannung erwarteten Wettbewerb bildete der 800-Meter-Lauf, der das Duell Har big Lanzi (Italien) brachte. Nach seiner großen Beständigkeit in diesem Jahr und den Siegen über die Amerikaner galt der Dres­dener als Favorit, aber Lanzi war von feinem prächtigen Kampf bei den Olympischen Spielen in Berlin noch in bester Erinnerung. Nun, Harbig erwies.sich einwandfrei als der Bessere. Zunächst übernahm der Franzose Leveque die Führung, wurde aber bald von Lanzi abgelöst, in dessen Fahrwasser Harbig das scharfe Tempo mühelos mitging. In der Kurve vor dem Ziel trat der Deutsche an, schloß zu dem Italiener auf und ging spielend an ihm vorbei, Meter auf Meter gewin­nend. In der neuen deutschen Rekordzeit von 1:50,6 Minuten die alte Bestleistung hielt Hm/big mit 1:50,9 Minuten ging der Dresdener unangefoch­ten durchs Ziel, während hinter ihm der erschöpfte Lanzi noch von dem überraschend gut gelaufenen Leveque auf den dritten Platz verdrängt wurde.

Der Holländer Osendarp erwies sich als würdiger Nachfolger seines großen Landsmannes Berger, der 1934 in Turin beide Sprintstrecken ge­wonnen hatte. Auch Osendarp holte sich nach den 100 Meter am Samstag nun am Sonntag noch

die 2 0 0 Meter. Jakob Scheuring hielt bis zum Beginn der Zielgeraden wacker mit, konnte aber dem Endspurt des Holländers, der in 21,2 Sekunden siegte, nicht mehr folgen. Immerhin hielt Scheuring in 21,6 den zweiten Platz vor dem in gleicher Zeit einkommenden Engländer Pennington.

Mit einem finnischen Doppelsieg endete der Dreisprung. Sowohl Rajasaari (15,32 Meter) wie auch Noren (14,93 Meter) waren besser als unser Kotratschek, der nur 14,73 Meter be­wältigte.

Die 110 Meter Hürden entwickelten sich zu dem erwarteten Zweikampf Finlay (Eng­land) Lidman (Schweden), den der Engländer in 14,3 Sekunden ebenso erwartungsgemäß zu seinen Gunsten entschied.

Sievert verletzt ausgeschieden.

Leider erlebte die Deutsche Kolonie am Sonntag­nachmittag das Ausscheiden eines unserer besten Leute, des Zehnkämpfers Hans-Heinz Sievert, der als hoher Favorit in den Kampf gegangen war. Der Hamburger, der im Hochsprung 1,75 Meter bewältigt hatte, wollte auch über die von dem Polen Gierutto oorgelegten 1,83 Meter noch hin-

Der deutsche Olympiasieger Hans- Wöllke unterlag in diesem Jahre erheblichen Formschwankungsn. In Paris blieb er mit 15,52 Meter genau um einen Meter hinter der Weite von Stockholm zurück und kam dadurch nur auf den dritten Platz im Kugel­stoßen hinter dem Esten K r e e k mit 15,83 Meter und dem gerade in dieser Hebung sehr be­ständigen Stöck (15,59 Meter).

Um fo angenehmer überrascht wurden wir da­gegen von unseren Gehern, die sich auf der langen Strecke von 50 Kilometer in einem aus­erlesenen Felde sehr gut hielten. Der deutsche Mei­ster Dill belegte in 4:43,54 Stunden den zweiten Platz hinter dem heißen Favoriten Whitlock, dem englischen Olympiasieger.

Deutschland führt in der Länderwertung.

Nachdem die deutschen Leichtathleten nach den vier Entscheidungen des ersten Tages mit 16 Punk­ten t>or Finnland und Italien (je 13) in Front gelegen hatten, vergrößerte sich der Abstand zwischen Deutschland und den übrigen Nationen am Sonntag ganz erheblich. Deutschlands Führung am Sonntag­abend betrug 73 Punkte vor den beiden schärfsten Rivalen Finnland (48) und Schweden (38).

Vier Europameisterschaften für Deutschland.

Die Kämpfe der ZRuöerer in Mailand.

Deutschlands Vorherrschaft im Rudersport bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin geschaffen und dann bei den Europameisterschaften des Vorjahres verteidigt, ist unbestritten. Das haben die Titel­kämpfe 1938" auf dem Mailänder Wasserflughasen Jdrescalo" klar genug bewiesen. Wieder gab es vier glanzvolle deutsche Siege, die uns abermals den ersten Platz in der Nationenwertung, dem begehrten Glandaz-Pokal, einbrachten.

Der Wiener Hasenöhrl beherrschte das Sechser­feld im Einer vollkommen! Eckstein-Stelzer (Berl. RK. am Wannsee) holten sich den Zweierohne", ruhig und energisch rudernd überlegen, Wra- tislaoia Breslau sicherte uns im Vierer mit Steuer­mann den Titel und der überhaupt wertvollste Er­folg der Mailänder Kämpfe fiel gleichfalls an Deutschland: der feine Achtersieg des Berliner RE., der schließlich auch den Ausschlag gab für unseren Triumph in der Nationenwertung.

Der Tag begann für Deutschland überaus erfreu­lich, da Wratislavia Breslau im einleiten­den Vierer-Rennen mit Steuermann siegreich fein konnte. Deutschland, Italien, Ungarn, Jugoslawien lagen im Kamps. Nach halber Strecke lagen die vier Boote noch gleichauf, dann aber schoben sich die Breslauer in Front vor Italien, Ungarn und Jugoslawien.

Im Zweierohne" blieb das Feld bis 1000 Meter ziemlich geschlossen, dann gewannen E ck« ftein-Stelzer zusehends an Boden und in ruhigem 30er-Schlag, rein nnd zügig rudernd streb­ten sie unangefochten dem Ziele zu. Italien holte sich den zweiten Platz vor Dänemark

Vom Start weg setzte sich der Wiener Hasen- ö h r l im Einer auf der Außenbahn an die Spitze. Mit seinem wuchtigen, langen Schlag war er die Ruhe selbst. Bei 600 Meter hatte der deutsche Meister bereits zwei Längen gegenüber Rufli (Schweiz) herausgerudert. Frankreich, Italien, Po­len und die Tschechoslowakei folgten auf den Plätzen. Ohne die Schlagzahl zu erhöhen, vergrößerte Hasen­öhrl feinen Vorsprung. Sicher überlegen siegte der Wiener.

Im Zweiermit" vertraten die Oli)mpia-Sie- gcr und Europameister Gustmann-Adamski (Friesen Berlin) unsere Farben. Aufregend war der Kampf bis zur letzten Sekunde. Die Deutschen führ­ten fast über die ganze Strecke, aber zum Schluß holten die Italiener mächtig auf und erzwangen schließlich auch noch mit einer Zehntelsekunde Vor­sprung den Sieg.

Bereits vor vier Jahren stellte der FC. Zürich im Viererohne" einen Europameister. In Mailand nun war wiederum die Schweizer Mannschaft sieg- reich. Die deutsche Mannschaft des Regensbur­

ger R V. wehrte sich aber; aber es reichte nur zum vierten Platz.

Im Doppelzweier gaben sich unsere Ver­treter Marquardt-Paul (RV. Germania Frankfurt) alle Mühe, aber sie mußten sich schließ­lich doch geschlagen geben. Die Italiener Scherl- Brosch ruderten kräftig und machtvoll, ließen sich während des ganzen Rennens nicht beirren und siegten mit gut drei Längen vor den Deutschen.

Außerordentliche Bedeutung kam dem Achter zu, was schon allein daraus hervorging, daß diesem Rennen im Kampf um den Glandazpokal zwei Punkte gutgeschrieben wurden. Italien hatte durch einen Sieg in diesem Kampf also noch die Mög­lichkeit in der Länderwertung Deutschland vom erstes Platz zu verdrängen. Der Berliner RE. rechtfertigte aber das auf ihn gesetzte Vertrauen. Er riß die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin und wies alle Angriffe meisterlich ab. Italien führte bald vor Ungarn, Deutschland und Dänemark. Nach der Hälfte der Strecke gingen die Berliner zum entscheidenden Angriff über, passierten Italien und Ungarn und ließen nur für kurze Zeit noch einmal Ungarn an sich vorbei. Ohne wesentliche Erhöhung der Schlagzahl holten die Berliner eins halbe Länge gegenüber Ungarn heraus, während Italiens Achter 'die Dänen sicher halten konnte.

Radfahrer-Weltmeisterschaft.

Schweizer Ooppelsieg bei den Amateuren.

Die Rad-Weltmeisterschaften in Amsterdam brach­ten eine Ueberraschung: Der Titelkampf der Ama­teure wurde am Samstag auf der 10 Kilometer langen Rundstrecke bei Valkenburg in Südholland nicht etwa von einem der starken italienischen, fran­zösischen oder dänischen Fahrer gewonnen, sondern von einem Schweizer. Und noch mehr: die Eidge­nossen eroberten sich sogar ganz überlegen die bei­den ersten Plätze. Franz Knecht, der in großen internationalen Rennen bisher eigentlich nur wenig hervortreten konnte, schlug im Spurt seinen Weg­gefährten Josef Wagner glatt mit einer Rad­länge in 4:51:49,4 für die 170 Kilometer. Bester Deutscher war diesmal erwartungsgemäß der starke Schweinfurter Heller, der als einer der regsamsten Kämpfer des Feldes schließlich einen schönen sie­benten Platz herausfuhr. Meurer und Irr- gang tarnen auf dem 11. und 12. Rang ein.

20 000 Zuschauer hatten sich längs der 10-Kilo- mcter-Strecke eingefunden, als der Start um 13 Uhr für die 49 Fahrer aus 14 Nationen freigegeben

wurde. Der Franzose Talle zog zusammen mit dem Schweizer Wagner und dem Luxemburger Orth in der vierten Runde davon, nach langer Jagd schlossen aber die Verfolger, von dem Deutschen Meurer an­geführt, wieder auf. Der Berliner Willi Jrrgang enteilte in der achten Runde dem Felde. Er selbst und seine beiden Begleiter Dumoulin /Belgien) und Diggeimann (Schweiz) wurden aber gleichfalls bald wieder gestoppt. In der 11. Runde fiel bereits die Entscheidung, als Heller, die beiden Schweizer Wag­ner und Diggelmann, Engel (Holland) und Ericsson (Schweden) mit mächtigen Tritten das Weite such­ten und bald auch 45 Sekunden Vorsprung erobert hatten. Verbissen kämpften die Zurückgebliebenen um den Anschluß. Schließlich rückten noch sieben Mann zu den Führenden auf, darunter auch die Deutschen Jrrgang und Meurer sowie der spätere Sieger Knecht. Knecht und Wagner stoben dann in der vorletzten Runde mit dem Holländer Demmenie davon, während das Hinterfeld im har­ten Kampfe zusehends auseinandergerissen wurde. Die beiden Schweizer ließen schließlich auch noch den Holländer stehen und rüsteten am Fuß des Cauderges zum Endkampf, den dann Knecht sicher zu seinen Gunsten entschied. Demmenie rettete noch den dritten Platz. Der Belgier Bruneel führte über eine Minute später eine weitere Gruppe ins Ziel. Berufsfahrer-WelimeisterKint-Belgren

Zu einem gewaltigen Erfolg für den Radsport gestaltete sich der Schlußtag der Rad-Weltmeister­schaften, der auf der 10 Kilometer langen Rund­strecke in dem kleinen südholländischen Ort Dalken- bürg den Titelkampf der Berufsstraßenfahrer brachte. Trotz regnerischen Wetters umsäumten mehr als 100 000 Zuschauer die Rennstrecke, auf der sich erbitterte Kämpfe abspielten sollten. Auf der schwie­rigen Strecke, die schon am Tage vorher den Ama­teuren manche Sorge bereitet hatte, hatten die Be­rufsfahrer 270 Kilometer zurückzulegen. 27 Runden mußten also zurückgelegt werden ein schweres Stück Arbeit für die 35 Mann aus 11 Nationen. Den Titel errang schließlich der Belgier Marcel Kint, der damit nach den beiden Erfolgen von Ronsse sowie den Siegen von Kaers, Aerts und Meulenberg seinem Lande zur sechsten Weltmeister­schaft in diesem Wettbewerb verhalf. Die beiden Schweizer Egli und Amberg belegten die nächsten Plätze, abermals ein großer Erfolg der Eidgenossen.

Die vier Deutschen waren schon auf halbem Wege ausgeschieden. Arents und Umben« Hauer fielen Defekten zum Opfer, Schild war gesundheitlich nicht auf dem Posten und streckte gleichfalls vorzeitig die Waffen. Als Letzter gab dann auch noch Scheller auf, der ebenso wie ver­schiedene andere Fahrer durch die zuletzt nur noch eine enge Gasse bildenden Zuschauer aufgehalten worden war und immer wieder abstoppen mußte, um einen Sturz zu vermeiden. Nur acht Fahrer beendeten das schwere Rennen und vier blieben bis zum Schluß zusammen. Der Endkampf war dann nicht ganz einwandfrei, da die Zuschauer auf der Zielstrecke immer dichter zUsammengerückt waren und den Fahrern so kaum Bewegungsfreiheit ließen.

Generalversammlung des ÄfÄ.-Neichsbahn Gießen.

Am Samstag hielt her VfB.-Reichshahn feine Generalversammlung imSchipkapaß" ab. Ge­schäftsführer Luh erstattete Bericht und betonte, daß der Verein durch den Weggang seines Führers, Pg. Niederstraßer, lange Zeit ohne Führer mar, je­doch hatte er eine tatkräftige Stütze an den Mit­arbeitern, denen er feinen Dank aussprach.

Die Handballabteilung wftd wieder aufgebaut, die Kegel- und Schießabteilung hatte durch mangelnde Beteiligung in letzter Zeit ihren Betrieb eingestellt. Die finanzielle Lage des Vereins hat sich im ver­gangenen Jahre verbessert, die Zahl der Mitglieder ist fast die gleiche wie die des Vorjahres, die Zahl der Aktiven betrug 380.

Anschließend kamen die Abteilungsleiter zu Wort. Kamerad Overbeck, der sich dem Verein wieder jur Verfügung gestellt hat, berichtete über die Fuß- fcaUabteilung. Die 1 Mannschaft mußte im vergan­genen Jahre aus der Bezirksklasse absteigen, hat sich aber die Meisterschaft und damit den Aufstieg ge­sichert, so haß man in der Spielserie 1938/39 wieder in der Bezirksklasse spielt. Die 1. Mannschaft konnte mit einem Torergebnis von 96:18 ihre Spiele be­enden und steht damit an zweiter Stelle aller Ver­eine im Reich. Erwähnenswert ist das gute Ab­schneiden gegen den Hessischen Gaumeister, der mit 2:0 verlor. Auch in den Gesellschaftsspielen schnitt die Mannschaft gut ab. Die 2. Mannschaft sicherte sich in der gleichen Spielklasse den Meistertitel, wäh­rend die dritte Mannschaft den zweiten Tabellen­platz errang. Die beiden ersten Mannschaften rour* den mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.

Kamerad Fehling berichtete über die Erfolgs der Jugendmannschaften. Kein Verein im Sport­kreis Gießen konnte vier Jugendmannschaften stel­len, die 1. und 2. Mannschaft errang den Meister- lltel in ihrer Gruppe, während die dritte und vierte Mannschaft wenig Gelegenheit hatte, sich auszuzeich- nen, da ihr die Gegner fehlten.

Kamerad Fischer berichtete über die Abteilung Leichtathletik. Im Jahre 1937 errang die Abteilung 118 erste, 112 zweite und 76 dritte Siege. Die Ab­teilung konnte bei den Deutschen Vereinsmeister­schaften an zweiter Stelle im ganzen Reiche in der Klqsse B rangieren mit einem Punktverhäitnis von 5236,15. Die Jugendabteilung wurde ebenfalls Gau- und Kreissieger mit einer Punktzahl von 3869,95. Die Frauen und Mädchen kamen nicht so gut in Fahrt. Emmi Arnold -konnte beim 1000-Meter- Schwimmen den ersten Sieg erzielen. Im Jahrs 1938 konnten bis jetzt 96 erste, 57 zweite und 53 dritte Preise geholt werden. Bei den Gaumeist'er« schäften wurden alleine 10 Gaumeisterschaften er­rungen. In Breslau gelang es, gut abzuschneiden.

Kamerad Brühl erstattete Bericht über bid Kasse, die Prüfer fanden keinerlei Beanstandungen, und mit Zuversicht kann man der Zukunft entgegen» sehen. Die Wahl des Vereinsführers ergab einstim­mig, daß nunmehr Reichsbahnrat Köehne den VfB.-Reichsbahn Gießen führt. Er dankte dem Ka­meraden Luh für feine bisherige aufopfernde Tätig­keit und bestimmte dann folgende Mitarbeiters Stellvertr. Vereinsführer Overbeck, Geschäfts­führer L u h , Schriftführer Schütz, Kassenprüfer Weigel und Fleischhauer, Dietmart Zitzer, Geldverwalter Brühl, Platz- und Gerätewart Kreiling, Presse- und Werbewart Z i tz e r , Ver* einsjugendwart Mootz, Fußball Erb, Fullball* fugend Fehling, Handball Koch, Handball« fügend Büdenbender.

Reichsbahnrat Köehne betonte in feiner Ansprache, daß der Reichsbahn-Turn- und Sportverein stolz auf seine Erfolge sein kann. Unter dem Punkt Verschje* denes setzte eine lebhafte Aussprache über interne» Verelnsangelegeyheiley. wn.