Tolle Lungs!
Aus dem Winterlager des Gießener Jungvolks.
Oberjungzugführer Gustyv Hofmann, Stamm 1/116, Gießen, stellt uns die Erlebnis-Schilderung eines Teilnehmers am Winterlager des Stammes 1/116 im südlichen Schwarzwald zur Verfügung. Wir entnehmen daraus die folgenden Abschnitte.
„Einsteigen!" — Krach! schlägt die Tür zu, ein Ruck, wir fahren. — Das also ist eine Seilbahn.— Bald schweben wir hoch über den Bäumen, tauchen in den dichten Nebel, der den Gipfel des Schau- i n s l a n d umgibt. Vergebens schauen wir nach Schnee aus; keine Spur! — Das kann gut werden! Mancher fragende Blick gilt den Brettern, die außen an die Gondel geschnallt sind. — Schauinsland! — Der Nebel lichtet sich ein wenig — wir staunen. 20 bis 30 Zentimeter Schnee, und in der Luft wirbeln kleine weiße Flocken — gewonnen! Die Fahrt nach dem Belchen kann beginnen. Schnell die Bretter an, der eine oder andere noch einen Schlitten auf den Rücken und dann los! Schon gibt es die ersten Stürze, denn es befindet sich so mancher blutige Anfänger unter uns. Doch das ist noch gar nichts gegen das, was noch kommen soll. — Ueber vereiste Straßen und schneebedeckte Hänge geht es rasch vorwärts. Ueberall in den Tälern und auf den Bergen braut dichter Nebel, es hat aufgehört zu schneien, und die Dämmerung beginnt hereinzubrechen. Wir haben uns einmal schon beinahe verlaufen, sind einen steilen Berg umsonst hinaufgestiegen und müssen nun wieder hinunter. Es setzt das erste Kleinholz. Schlitten, Bretter und Menschenleiber wirbeln in wildem Durcheinander in dichte Schneewolken gehüllt talabwärts. Der Koffer meiner armen Quetschkommode hat den Schlag. Er muß auf einem Schlitten befestigt werden. Wird die ärmste Musika jemals heil ankommen?
Weiter geht's in den sinkenden Tag, in Nebel und Schnee, in dunkle Wälder und... ungezählte kleine Abenteuer! — Bergauf, bergab, unermüdlich kämpft sich die kleine Schar durch die Wildnis. Kaum erkennt man den Vordermann, und oft fährt einer den anderen unversehens über den Haufen.— Den Berg hinauf fließt der Schweiß in Strömen, daß der Schnee Gefahr läuft, zu schmelzen. Oft wollen die Bretter nicht so wie ihr Besitzer, beide Teile fahren rückwärts, und der Bedauernswerte landet in irgendeinem verschneiten Graben. — Ist man glücklich oben angelangt, dann geht's in sausender Schußfahrt bergab, doch nicht ohne Zwischenfälle. Ohren steif und weiter. Wieder geht es über Hügel und Berge, und dann kommt die große denkwürdige Talfahrt über einen gewalttgen, freien Hang, weit hinab in eine große Mulde. — Mit Hurra brausen wir los tief in die Nacht, aus der
die Schneedecke weiß ünd hell blinkt. Ich bin ganz begeistert, daß die Fahrt so schnell und glatt oon- statten geht, und brause in tollkühner Todesverachtung ins Tal. Ich sehe keine zehn Schritte weit, sehe nicht den tiefen Kessel, der die stetige Schneedecke jäh unterbricht. Das Unheil ist unabwendbar. Mit unverminderter, rasender Geschwindigkeit pfeife ich durch die Luft, die 'Skier wühlen sich in den Schnee, ein Ruck, ein Schlag, ich haue mit dem Gesicht auf die harte Schneekruste. Die Mütze fliegt davon, der Affe platzt ab — eine saubere Bescherung. — Mühsam rappele ich mich auf und klettere aus dem verfluchten Loch heraus. Meinen Tornister muß ich auf einen'Schlitten packen, denn der eine Tragriemen ist geplatzt. Gerade bin ich bei der Arbeit, da bekommen meine Skier, die bis dahin noch ganz geblieben sind, plötzlich Reiselust, und fahren alleine los. Einen kann ich gerade noch erwischen, während der andere in Nacht und Nebel verschwindet. Was tun? — Mit den übrigen Sachen wandere ich in reichlich gedrückter Stimmung den Kameraden nach, die in der Ferne auf mich warten. Unten im Tal sehe ich plötzlich vor mir einen dunklen läna- lichen Gegenstand im Schnee. Ich bücke mich, greife zu und... wer beschreibt meine Freude, ich habe meinen verlorenen Ski in der Hand! — Schwein gehabt!
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Unaufhaltsam fährt unsere Gruppe vorwärts. Sie ist inzwischen merklich- kleiner geworden. Vor uns fahren zwei Mann voraus, um so schnell wie möglich Multen, unser Endziel zu erreichen. — Hinter uns keucht eine Abteilung zu Fuß mit den Schlitten. Der Weg senkt sich bergab. Wieder stürzt so mancher. Hinter mir wälzt sich mein Bruder im Schnee. Beschwerlich ist der Marsch. Endlich blinkt ein Licht durch die Tannen: das „Wiedener Eck"! Mittlerweile zeigt die Uhr 22.30 Uhr. Um 14 Uhr sind wir abgefahren. Im „Wiedener Eck" lassen wir ein tüchtiges Abendessen auffahren, und auf den Mann kommt £ine Tasse Kaffee. Wie das schmeckt!
Die Nacht bringen mit in einem Bauernhof, der zum Gasthaus gehört, zu. Wir schlafen in Feldbetten und frieren hundemäßig, trotz der vielen Decken, Kissen und Matratzen, die wir uns auf den Bauch gewälzt haben. —
Am andern Morgen gehts die letzte Wegstrecke nach Multen zu. Die Sonne lacht am blauen Himmel. Noch einmal gibt es eine wilde, halsbrecherische Talfahrt einen schmalen Zickzackweg hinunter, dann sind wir glücklich am Ziel. Die mächtige, schneebedeckte Kuppe des Belchen grüßt zu uns herüber, wir haben's geschafft! —
Oie deutschen Wasserstraßen.
Das Jahr 1937 brachte für die deutsche Binnenschiffahrt eine Rekordentwicklung, deren Der- kehrsziffern die des Jahres 1929 teilweise noch übertreffen. So hat sich der Durchgangsverkehr i m Kaiser-Wilhelm-Kanal (für die Monate, für die Ziffern vorliegen) um 24 v. H. der Tonnage gegenüber dem Vorjahre gehoben. Der See- d i e n st O st p r e u ß e n hat mit über 160 000 Fahrgästen gegenüber 1935, dem letzten vergleichbaren Jahr, einen Verkehrszuwachs von rund 60 v. H. aufzuweisen. Der Betrieb wurde in der Hauptreisezeit mit vier Schiffen durchgeführt. Die Ein- und Ausladungen in den Häfen^ stieaen bis Ende Oktober um 13 v. H. gegen die gleiche Zeitspanne 1936. Ganz besonders verstärkte sich der Verkehr des Rheingebietes, nämlich um 27 o. H. Er überstieg den Verkehr des ganzen Jahres 1936 bereits Ende Oktober um mehr als zwei Millionen Tonnen. Die mitteldeutschen und ö st l i ch e n Wasserstraßen zeigten allerdings eine .etwas geringere Verkehrssteigerung. So stieg Hamburgs Oberelbeoerkehr um 11 v. H., der Berlins und Königsbergs nur um 1 v. H., während der
Verkehr Kosels um 18 v. H. anstieg. Verstärkte Getreidezufuhren aus den Donauländern verursachten eine Verdoppelung des Verkehrs der deutschen Donauhäfen. Hier dürfte der Gesamtverkehr gegenüber 1936 eine mehr als lOprozentige Steigerung erreichen.
Auch der K ü st e n v e r k e h r der deutschen Handelsflotte war 1936 bereits auf das Zweieinhalbfache von 1932 (10,2 Millionen Tonnen) gestiegen. In den ersten acht Monaten des Jahres 1937 hat er die Höhe von 9,2 Millionen Tonnen erreicht, so daß das Ergebnis von 1936 weit überschritten wird. Der Verkehr mit dem Ausland stieg in den ersten 8 Monaten des Jahres 1937 auf 29,4 Millionen Tonnen gegenüber 18,4 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Obwohl die deutschen Werften durch ausländische Aufträge stark in Anspruch genommen waren, konnten 1937 bisher rund 170 000 Brutto-Register-Tonnen neuen Schiffsraumes in die deutsche Handelsflotte eingegliedert werden. Der Auftragsbestand der deutschen Werften für deutsche Rechnung belief sich am 1. Oktober auf fast 500 000 Brutto-Register-
Die Hasenjagd.
Von Karl Scherer.
Wo das Buchenhochholz auf dem schmalen Basaltrücken über dem verlassenen Steinbruch endet, zieht sich eine Fichtenschonung zur Feldmark hinab; nur ein ausgesahrener Ackerweg trennt die jungen Rottannen von dem Kleestück, auf dem allabendlich ein Gespann des Hofbauern zum Futterschnitt erscheint. Sonst ist es dort einsam und ruhig.
In der dichten Fichtenjugend hat Kohlbeißer, der alte Rammler, sein Lager. Die Kleebreite nährt ihn schlecht und recht, das nahe Roggenstück gibt Deckung gegen Fuchs und Dorfköter, und wenn es stürmt und regnet, schiebt er sich in seine warme trockene Sasse unter einer kräftigen Jungfichte inmitten der Schonung ein.
Aber gegen Ende August wurde es in der Frühe eines heißen Morgens im Feld lebendig. Ein Trecker schleppte eine Mähmaschine um die reife Kornbreite, Frauen und Mädchen mit weißen Kopftüchern rafften die fruchtschweren Halme zusammen, banden sie mit Strohseilen und bauten die Garben zum Nachreifen auf; und als Kohlbeißer in der Nacht den Schaden besah, war ihm der Brotkorb höher gehängt. Freilich, noch hatte er das Kleestück; doch das wurde von Tag zu Tag schmäler, und wenn auch die abgemähte Fläche allmählich nachwuchs — so behaglich wie im Juli konnte er nicht mehr aus dem Vollen schöpfen.
Die Tage wurden kürzer, Rasenschmiele und Wiesenfuchsschwanz wurden dürr, die Kartoffelfelder wurden leer, hin und wieder lag in der Frühe silbergrauer Reif auf Kraut und Gras, und eines Morgens im Windmonat wehten Flocken vom grauen Himmel. Als zur Weihnachtszeit Frost kam, blieb der Schnee liegen und deckte Flur und Wald mit fußhohen Wehen; über Berg und Tal lag weiße Stille. Da wuchs die Not für alles Wild; kaum daß die Kohlgärten den Löffelmännern das Leben fristeten; wenn sie nicht der Hunger auf die oben Felder hinaustrieb, blieben sie bei Tage in ihrem Lager.
Dann kam ein eisiger Morgen, wo auf der Landstraße ein Dutzend Schlitten vorüberklingelte. Heller Sonnenschein lag auf der blitzenden Flur. Nach einer Stunde sah man in weiter Ferne auf der glitzernden Ackerfläche, über der am Himmelsrand ein duftverschleierter Föhrenwald stand, eine lange Reihe fingerlanger schwarzer Striche sich fortbewegen, sich auseinanderziehen und schließlich in einem mächtigen Bogen gegen den Steinbruch einschwenken — das waren die Zweibeine aus der Stadt, je ein Jägersmann mit zwei Treibern, die gekommen waren, ein Kesseltreiben gegen Familie
Lampe zu unternehmen, und eine andere Kette hatte lautlos den Hügelrücken umwandert, vereinigte ihre Spitzenmänner mit den Herankommenden und schloß den weit ausladenden Kreis.
Ein Hornruf, von dem unendlichen Raum eingeschluckt, zieht über die Ebene. Da und dort steigt ein Rauchwölkchen auf, dem ein schwacher Knall folgt. Dann aber, je mehr der Kessel allmählich sich verengt, beginnt das Leben in der todbringenden Umschließung sich zu regen. Die Treiber rühren ihre Klappern. Schatten huschen über die weißen Sturzäcker, aus den deckenden Schollen der Furchen fahren aufgestörte Krumme heraus, flüchten in wilder Eile, stoßen rings auf die feuerspeiende Rund und hasten zurück, überschlagen sich im Knall und bleiben liegen oder kriechen noch einige Schritte, um klagend unter den Hunden zu, verenden.
Kohlbeißer saß in seiner Sasse, als der Hexensabbat anhob und ahnte nichts Böses. Nun aber begann die Schützenkette über den Hügelhang herabzusteigen, der Lärm rückte näher, Schüsse krachten; er hörte das Kläffen der Hunde und das Kriegsgeschrei der Treiber: „Haas! Haas!", das er von früher her in peinlicher Erinnerung hatte, und wußte: jetzt geht's um Kopf und Kragen! Ob er sitzenblieb und das wilde Heer vorüberziehen ließ? Denn in die schneeüberhangene Dickung traute sich kein Treiber hinein. Doch da vernahm er vom Rand der Schonung das Joppen und Hecheln eines hetzenden Köters, es fegte durch die schlagenden Fichten, Schnee iftäubte auf. Da^ hielt es ihn nicht länger — mit einem Satz fuhr er aus dem Lager und flüchtete gegen dos 'freie Feld.
Als der lange Bankier den eiligen Rammler zehn Schritte neben sich auftauchen sah, funkte er zweimal hinter ihm her; doch er hatte in beiden Rohren krummes Schrot, und, von einem durchlöcherten Löffel abgesehen, flüchtete Kohlbeißer gesund weiter. In höchster Fahrt ging's den Hügel hinunter, die Landstraße lag hinter ihm. Ueberall sah er versprengte Hasen, die um ihr Leben liefen, und rote Spritzer im Schnee. Er schlug einen Haken links, einen Haken rechts, machte einen Kegel, um Ausschau zu halten, wo der Zimmermann das Loch gelassen hatte, raste verzeifelt eine Ackerfurche entlang und landete auf einer kleinen Höhe. Da sah er die lange Kette gerade auf sich zukommen. Also seitwärts durch die Lappen! Auch dort tauchten die Gestalten mit den Röhren auf. aus denen der knallende Tod kommt, und er flüchtete wieder nach der anderen Seite...
Bis gegen Mittag hatte die Wintersonne grell über der Ebene gestanden, das war vieler Hasen Tod gewesen. Nun aber schoben sich niedrige graue ! Wolken herauf, und es begann zu schneien; ein
Tonnen. Entsprechend der allgemeinen Lage am deutschen Arbeitsmarkt stellte sich auch eine Knappheit an Seeleuten heraus.
Die Reichswasserstraßen-Verwaltung baute die Kanäle weiter aus oder neu und brachte wichtige Wirtschaftsgebiete durch Zubringerkanäle an die Ströme heran. Im Rhein-Main-Donau- gebiet wurde oberhalb Kehls durch Niedrigwasserregulierung die Fahrwassertiefe vergrößert. Der Ausbau des ersten Teilstückes des Rhein- Moin-Donau-Kanals ist soweit gediehen, daß im Jahre 1938 Würzburg für Oie Großschijfahrt erreichbar ist. An der Neckarwasserstraße wurde an der Fortsetzung der Kanalisierung bis Plochingen gearbeitet. Für die westdeutschen Kanäle wurden zum ersten Mal größere Mittel bereitgestellt, so für den Dortmund-Ems-Karl al 24 Millionen Mark. Im Wesergebiet wurde die Kanalisierung der Mittelweser von Minden bis Bremen für das Tausend-Tonnen- Schiff fortgesetzt. Die Schleusenkanäle der Staustufen Petershagen und Drakenburg wurden fertig- gestellt und andere in Angriff genommen. Die Kanalisierung der Werra wurde von Münden bis Wartha begonnen. Im Stromgebiet der Elbe wurde auf der Weser-Elbe-Strecke die
Schleuse Allerbüttel-Sülseld vollendet, 1938 wird das Hebewerk Rothensee errichtet sein. Der Ausbau der Saale, des Elster-Saale-Kanals wurde weiter in Angriff genommen. Auf den märkischen und mecklenburgischen Wasserstraßen wurde der Ausbau der Anlagen vorgenommen und die Umgestaltung der Berliner Wasser st raßen im Hinblick auf die Heranführung des Mittellandver- kehrs an Berlin weiter durchheführt. In Mecklenburg wurde der Umbau der Staustufe Parchim begonnen. Im Odergebiet wurde das Staubecken bei Turawa weiter gefördert, ebenso der Bau des Adolf-Hitler-Kanals, der Gleivritz und Kofel verbindet. In Ostpreußen wurde der Bau des Masurischen Kanals, der Masuren an den Königsberger Seehafen anschließen soll, fortgesetzt. Die Seehäfen-Anlagen wurden verstärkt, insbesondere infolge des Anwachsens der deutschen Hochseefischerei die Anlagen in Wesermünde und Cuxhaven. Weiter wird in Büsum der Fischereihafen ausgebaut.' Der Kaiser-Wilhelm- Kanal wird auf 11,33 Meter vertieft, die Elbe und die Weser wurden unterhalb Hamburgs bzw. Bremens ausgebaut, und auf der Insel Borkum, in Pommern usw. wurden die Ufer weiter befestigt.
Wir suchen Sternbilder.
Oer Sternenhimmel im Januar.
Von Or. Erwin Kossinna.
Der Januar ist ein rechter Wintermonat; gewöhnlich bringt er einige Tage, manchmal auch einige Wochen strenge Kälte mit Schnee unb wunderbar klarer Luft. Wer das Glück hat, um diese Zeit fern auf dem Lande oder im Gebirge zu weilen, dem wird auch der winterliche ^Sternenhimmel zum tiefen Erlebnis.
Wir treten hinaus in die frostklare Winternacht. Unter unseren Füßen leuchten Millionen Eiskristalle; über uns funkeln die Sterne. Während der ganzen Nacht beherrscht der Orion, das großartigste aller Sternbilder, den Südhimmel, das einzige, das zwei Sterne erster Größe aufweist. In dem langgestreckten Viereck sehen wir oben die rötliche Beteigeuze, unten rechts Rigel mit bläuliche weißem Licht. Stört kein Mondschein, so bemerken wir unter den drei, in einer geraden Linie stehenden Gürtclsternen einen Hellen Lichtsteck, hen berühmten Orionnebel. Schon ein Blick durch ein gutes Fernglas zeigt uns zahlreiche weiße Sterne in dem Nebel. Photographische Aufnahmen dieser Himmelsgegend lassen erkennen, daß die Verteilung dieser Sterne mit der Anordnung der Nebelmasscn in enger Beziehung steht, daß also die Sterne in die leuchtende Gaswolke eingebettet stnd.
Gegen 20 Uhr geht im Südosten Sirius, der Hauptstern des Großen Hundes und hellste aller Fixsterne, auf. Wie das Feuer eines Diamanten funkelt fein blauweißes Licht durch die Winternacht. Zu Beginn des neuen Jahres steht der Hundsstern genau im Süden auf dem höchsten Punkt feiner Himmelsbahn, weshalb man ihn auch Neujahrsstern genannt hat. Von den bei uns mit freiem Auge sichtbaren Fixsternen ist Sirius der nächste. Trotzdem ist sein Licht nahezu neun Jahre unterwegs, bis es die Erde erreicht. Rund 83 Billionen Kilometer trennen uns vom Sirius, der 550 000mal weiter entfernt ist als die Sonne. Im Vergleich zur Sonnentemperatur von 5900 Grad hat Sirius eine Oberflächentemperatur von 10 000 bis 11000 Grad und feine Leuchtkraft ist 27mal größer als die der Sonne. In der Entfernung des Sirius würde unsere Sonne daher 27mal jchwächer erscheinen und nur etwa so hell wie die Gürtelsterne des Orion.
Links über dem Großen Hund bemerken wir Prokyon, den Hauptstern des Kleinen Hundes, darüber das langgestreckte Sternbild der Zwillinge mit den Hauptsternen Castor und Pollux, die sich deutlich durch ihre Farbe unterscheiden. Ea- stor ist weiß, Pollux gelblich. Rechts anschließend folgt der Stier, wo sich um den roten Riesenstern Aldebaran die weißen Lichtpunkte der Hya- d e n scharen. Diese bilden einen ziemlich weit zer
streuten Sternhaufen in 130 Lichtjahren Abstand, während Aldebaran nur 57 Lichtjahre entfernt ist und nicht zu dem «Sternhaufen gehört. Viel gedrängter .als die Hyaden erscheinen uns die Ple« jaden oder das Siebengestirn, das allerdings mindestens viermal so weit entfernt ist wie die Hyaden. Nahe dem Zenit glänzt die helle gelbliche Kapella im Fuhrmann.
Mustern wir die Himmelsgegend vom Orion bis zum Fuhrmann und Perseus mit einem lichtstarken Fernglas, so fällt sogleich der große Sternenreichtum dieser Himmelsgegend auf, die zur Milch» st raße gehört. Tausende von Lichtpunkten drängen sich in dem schmalen Lichtband der Milchstraße zusammen, die steil im Südosten aufsteigt, zwischen Prokyon und Orion hindurchzieht und sich über Zwillinge, Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia und Kepheus bis zum Schwan verfolgen läßt. Zu Beginn der Dunkelheit ist im Nordwesten am nördlichen Rande der Milchstraße auch noch die Wega in der Leier zu sehen.
Zwischen Perseus und der Wurmigen Kassiopeia bemerken wir zwei kleine Sternhaufen scheinbar dicht nebeneinander. Auch" hier lohnt es sich, das Fernglas auf diesen Doppelsternhaufen zu richten, der über 3000 Lichtjahre entjernt ist und mehrere hundert Sterne enthält. Der optisch veränderliche Stern Algol im Perseus, dessen Licht alle 69 Stunden durch den umlaufenden Begleiter stark ge- schwächt wird, zeigt günstig zu beobachtende Licht- minima am 17. Januar um 23 Uhr und am 20. Januar um 20 Uhr. Rechts vom Algol sehen wir die Andromeda als eine leicht geschwungene Linie von vier Hellen Sternen, über der wir unschwer den berühmten Andromedanebel als matten Lichtfleck erkennen, ein Milchstraßensystem, in der unvorstellbaren Entfernung von 900 000 Lichtjahren, das zwei bis drei Milliarden Sterne in sich vereinigt.
Nach Westen schließt sich an die Andromeda das Pegasusquadrat, während südlich das Dreieck unb der durch zwei Helle Sterne gekennzeichnete Widder stehen. Den Südwesthimmel nehmen dis Sternbilder Fische, Walfisch und Eridanus ein. V
Am Nordhimmel sehen wir den Wagen im Großen Bären auf seiner Fahrt um den Pol mit nach unten gerichteter Deichsel aufwärtssteigen. Um den Kleinen Bären windet sich der Drache, dessen Kopf nach unten auf die horizontale Wega zeigt.
Der Mond zeigt folgende Lichtgestalten: Neumond 1. Januar; erstes Viertel 9., Vollmond 16., letztes Viertel* 23., Neumond 31. Januar. Der Kalendermonat stimmt also genau mit dem Mondmonat überein, was sehr selten ist.
scharfer Nord peitschte feine Flocken in dichten Wirbeln vor sich her und blies Schauer spitzer Eisnadeln über das Feld. Kohlbeißer faßte neuen Mut. Mit einem halben Dutzend oerängfteter Hoppelmänner fegte der Rammler an der undeutlich gewordenen Schützenlinie außer Schußweite entlang.
Auf das Wetter fluchend, waren an,einem verschneiten Hagebuttenstrauch zwei Jägersleute zusammengetreten und putzten sich die angelaufenen Brillengläser. Da winkte Rettung! Denn wat dem ee'n sin Uhl, is dem annern fin Nachtigall! Und wenn auch die Treiber ein wildes Geschrei erhoben und wie toll mit ihren Stecken und Klappern fuchtelten — eine ganze Kavalkade gehetzter Langohre fuhr durch die Lücke aus dem Höllenkessel hinaus! Mit letzter Kraft über eine verwehte Rübenbreite in die tiefe Bachsenke — Kohlbeißer war gerettet.
Am andern Morgen saß er wieder in feiner warmen Sasse. Einnial in jedem Jahr, fand die große Hasenschlacht statt, und, bis zum nächsten Winter tvar's noch weit...
Zum „Tag der Briefmarke".
Wie im Vorjahre begehen die deutschen Briefmarkensammler auch diesmal wieder den „Tag der Briefmarke" an dem auf den Geburtstag des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan (geboren 7. Januar 1831 in Stolp, gestorben 8. April 1897 in Berlin, Staatssekretär des deutschen Reichspostamtes und Schöpfer des Postmuseums in Berlin) folgenden Sonntag. Am 9. Januar 1938 werden zahlreiche Vereine durch Briefmarkenausstellungen ihre Verbundenheit bekunden; überall stehen die Werbeveranstaltungen im Zeichen der deutschen Philatelie und der Opferwilligkeit für das deutsche Winterhilfswerk, dessen Zuschlag-Freimarken überall vertrieben werden. Im Einvernehmen mit der „F£döration internationale de Philatelie“ gibt der Reichsbund der Philatelisten auch in diesem Jahre eine Fe st po st karte heraus, die in zwei Farben, blau und orange, erscheint und als Darstellung das Denkmal des Weltpostvereins in Berlin zeigt, dessen Gründung das Verdienst der tatkräftigen Anregung des Generalpostmeisters Stephan ist. In zahlreichen deutschen Städten wird dazu der einheitliche Sonder stempel die Bedeutung des Tages erkennen lassen.
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NSG. In Frankfurt a. M. wird eine Werbeschau im Steinernen Haus allen Interessenten offenstehen. Neben dem klassischen Material werden neuere und neueste Gebiete zu sehen sein. Der Landesverband Südwestdeutschland des Reichsbundes der Philate
listen bringt eine Fälschungssammlung, die Deutsche Sammler-Gemeinschaft der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, zeigt außer ausgewählten Kapiteln aus dem Gebiet der Briefmarke auch in einem besonderen Abschnitt Ausschnitte aus den von ihr betreuten sonstigen Sammelgebieten: Münzen, Notgeld, NS.-Plaketten. Eine fast vollständige Sammlung von Briefmarken unserer Auslandsgeschwader aus dem Weltkrieg verdient hervorgehoben zu werden, die zum Teil die letzte Heimatpost vor dem ruhmreichen Untergang des Geschwaders des Grafen Spee enthält. Auch die Fachschaft Briefmarken der Bezirksgruppe Hessen ist an d?r Veranstaltung beteiligt; sie wird die Sammler-Bedarfsartikel bringen und auch sonst manches 3eigen, was des Sammlers Herz begehrt. 309 Lose werden zugunsten des Winterhilfswerkes zu 0,50 Mark je Los verkauft und Briefmarken mindestens in dem gleichen Verkaufswert enthalten. Ein Sonderpoftamt im Steinernen Haus verwendet Sonderstempel, die nur an diesen beiden Tagen in Gebrauch sind. Die Arbeitsgemeinschaft der Frankfurter, Offenbacher und Hanauer Briefmarken, sammler-Vereine bringt zum Gedächtnis des am 6. Mai 1937 verunglückten Luftschiffes „Hindenburg" zwei Sonderpostkarten, die den Untergang des Luftriesen in Lakehurst zeigen unb als Zeichen der Erneuerung den sich aus den Flammen erhebenden Phönix. 'Diese Karten sind auf der Ausstellung erhältlich. Am Sonntag, 9. Januar, spricht Dr. E. Dub (Oberstein), der Spezialprüfer der Marken des Saargebietes, in einem Lichtbildervortrag über „Die Marken des Saargebietes unb die Fremdherrschaft". Die Winterhilfsmarken 1937/38 werden auf der Ausstellung ohne Aufschlag verkauft, das-heißt zum Postpreis von 2 Mark für den vollständigen Satz.
Ein neuer Gpihtveg.
Ein neuentdeckter Spitzweg wird im Januarheft von Velhagen & KlafiAgs Monats,- heften zum erstenmal abgebitbet. Das Gemälde gehört zu der Reihe der Soldatenbilder des Meisters unb stellt ein Wachtposten-Jbyll bar. Der Bieder- meierfolbat hat sich im Schutz bes Wachtturms unb der Stadtmauer schlafen gelegt unb an bie Brüstung als Spatzen- unb Menschenschreck Tschako unb Uni-. form gelehnt. Nach Ansicht der Kenner handelt es" sich um ein frühes Werk Spitzwegs. Dafür spricht eine gewisse satirische Zuspitzung, die in späteren ähnlichen Werken einem mehr behaglichen Humor Platz gemacht hat. Das Gemälde war viele Jahre im Ausland unb ist erst jetzt wieder nach Deutschland gekommen, und zwar in hannoverschen Privatbesitz.


