Ausgabe 
5.1.1938
 
Einzelbild herunterladen

Nr.3 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeioer für Oberbeffen)

Mittwoch 5. Januar 1938

Aus dem Reiche der Krau.

Winterliche Vlütenwunder.

Unser Sorgenkind: das Alpenveilchen.

Sicher hat der Weihnachtsmann bei! Blumen­freundin auch in diesem Jahr wieder em kleines winterliches Blütenwunder beschert Zuerst stand unser Blumentopf in herrlicher Pracht, aber, o Schrecken, bereits nach wenigen Tagen wurden die Blätter gelb oder eine Blüte fiel gar ab. Welches ist nun der beste Platz, und wie muß man sie pflegen, damit all die Knospen zur Entfaltung kom­men? Frauen, vor allem Mütter, werden begreifen, daß man auch die Kinder in der Pflanzenwelt nicht alle nach dem gleichen Grundsatz großziehen kann. Jede Blume will ihre besondere Pflege.

Die Königin der Winterpflanzen ist die C h r l st - rose. Der Gärtner zieht sie in Stauden in den verschiedensten Färbungen vom schneeigen Weiß bis zum Purpurrot. Uns ist die Christrose hauptsächlich als Topf- oder Schnittblume bekannt. Für die fest­liche Tafel ist die Christrose besonders wirkungs­voll, wenn man die abgeschnittenen Blüten in einer flachen Schale, mit wenig Wasser gefüllt, anordnet, während einige Stiele zartes Grüns über den Schalenrand auf das Tischtuch fallen. An die Sitte, die abgeschnitt'e^en Blüten als Schmuck zu "benutzen, ' knüpft sich ein alter Aberglaube, der noch heute in der Schweiz lebt. Man legt in der Neujahrsnacht 12 Christrosenknospen, von denen jede einen Monat des kommenden Jahres verkörpert, in eine Wasser­schale. Diejenigen Blüten, die in der Folgezeit auf­gehen, sollen für den betreffenden Monat Glück . und dem Ballern gutes Wetter bringen.

Während der sogenannte Weihnachtsstern meist bereits vor dem Fest verblüht ist, beginnt der Weih­nachts-Kaktus 'ober Gliederkaktus erst nach den Festtagen seine leuchtenden, zart lila-rosa Blüten zu treiben. Der Gliederkaktus (Epiphyllum) ist ein Kind der tropischen Urwälder Brasiliens. Daher be­darf er in der deutschen zweiten Heimat besonderer Pflege. Der beste Platz für ihn ist in der Nähe des Fensters, bei guter Zimmertemperatur und möglichst feuchter Luft. Während der Blütezeit darf man nicht zu viel gießen. Bei sachgemäßer Pflege kann man den Weihnachtskaktus auch im nächsten Jahr wieder zum Blühen bringen. Sind alle Blüten abgefallen, dann werden auch die Glieder matt und ein wenig schrumpelig. Damit zeigt der Kaktus die erwünschte Ruhezeit an, die bis etwa Mai-Juni dauert. In dieser Zeit kann man ihn in mittel- schwere Erde umpflanzen. Kommen nun die ersten Triebe, beginnt man auch wieder reichlicher zu gießen und zu spritzen. Der Platz des Weihnachts- Kaktus ist auch in den Sommermonaten das Zim­mer bzw. das Doppelfenster. Im November zeigen sich dann die ersten Knospen als Lohn für eine liebevolle Pflege.

Unser Sorgenkind ist das Alpenveilchen. Wie oft hört man gerade bei ihm die Klage:Bei mir will es nicht gedeihen!" Versuchen Sie es noch einmal nach dem bewährten Rezept: Der liebste Aufenthalt ist das Doppelfenster, denn das Alpen­veilchen muß kühl stehen und braucht vor allem viel Licht. Zeigen sich trotzdem die ärgerlichen gelben Blätter, so heißt dasSOS, mit mir ist etwas nicht richtig!" Also, Achtung auch mit dem Gießen! Wäh­rend der Blüte nicht zu reichlich, vor allem aber darf das Wasser niemals mit der Knolle in Be­rührung kommen. Auf solche Art gepflegt, wird das Alpenveilchen, das den ganzen Winter hindurch blüht, zum schönsten Zimmerschmuck. P. T. D.

Finanzierung der Aussteuer.

V. A. Wenn früher selbst das ärmste Dienst­mädchen mit Hilfe kleiner Ersparnisse und Beihil­fen ihrer Herrschaft ganz von sich aus einen beschei­denen Hausstand aufbauen konnte, so haben heute weder die Eltern noch die meist berufs­tätigen Bräute kaum noch die für einen beschei­denen Wäschevorrat erforderlichen Aussteuererspar- niffe. Deshalb konnte sich ja auch das Ehestands­darlehen so segensreich auswir.ken, da es über­haupt erst die 'Grundlage für die Finanzierung eines neuen Hausstandes schuf. Die Höhe dieses Ehestandsdarlehens, das zwischen 600 und 1000 Mark schwankt, ist nun aber auch wieder nicht groß genug, um einen auch nur einfachen Hausstand mit allen' seinen unzähligen Kleinigkeiten restlos zu finanzieren. Begnügen sich die jungen Leute aller­dings mit den minderwertigsten Qualitäten, so mag der Betrag des Ehesckindsdarlehens zur Not viel­leicht noch'ausreichen. Die jungen Leute wissen aber viel zu gut, daß das billigste bei weitem nicht im­mer das beste ist. Die Ausstattung soll schließlich für das ganze zukünftige Leben Bestand haben. Wenn schön keine weiteren Mittel als das Ehe­standsdarlehen zur Verfügung stehen, ist es gewiß das beste, zunächst nur das Allernotwen­dig st e anzuschaffen und den neuen Haushalt auf spätere Erweiterung einzustellen. Was zunächst nicht unbedingt erforderlich ist, also z. B. ein besonderes Wohn- oder Eßzimmer, ein großer Wäsche- ober Geschirrbestanb. wirb eine verständige Braut zweck­mäßig zurückstellen. Es ist ja auch zu bedenken, daß das Ehestandsdarlehen nur eine geborgte üumme ist, die zur Rückerstattung verpflichtet.

Ebenso verkehrt wie der Versuch, unter Verzicht auf Qualität nun alles aus dem Ehestandsdarlehen bestreiten zu wollen, ebenso verfehlt wäre es aber auch, das ganze Ehestandsdarlehen etwa zur Au­sschaffung lediglich eines möglichst luxuriösen Schlaf­zimmers zu verwenden. Die von der Kammer der bildenden Künste in Zusammenarbeit mit den be­teiligten Wirtschaftskreisen kürzlich durchgefuhrte Werbeschau des deutschen Mabels hat bereits die gediegenen und neuzeitlichen Möbelformen heraus- qeftellt. Wir haben nicht nur den Muschel- und Jugendstil unserer Eltern, sondern auch die neuen Nachahmungen pompöser Möbel für den prakti­schen Haushalt einigermaßen überwunden. Unter weiser Beschränkung auf das unbedingt notwendige Mobiliar und Hausgerät in einfacher und guter Qualiät wird sich beshalb das Brautpaar ohne eigenes Vermögen nötigenfalls zunächst mit ent­behrlichen Stücken aus den elte r lich en Haushaltung en behelfen. Entsprechen diese oft auch nicht mehr dem heutigen Geschmack/ so können sie, unter Umständen für weniges Geld moderni­siert werden. Das Sofa z. B. braucht nur feines Umbaues, feiner Fransen und Quasten entkleidet und mit einem neuen Bezug versehen zu werden.

Die noch guterhaltene Sprungfedermatratze ist leicht zu einer Couch umgebaut, und selbst die alte Kom­mode kann sich im neuzeitlichen Haushalt sehen las­sen, wenn ihre Kugelfüße durch glatte schmale Fuß­klötze ersetzt worden sind und ihre Kästen dicke kugelförmige Holzgriffe erhalten haben. Eine ge­schickte Hand und ein wenig Geschmack können auf diese Weise erhebliche Ersparnisse schaffen, die dann für Neuanschaffungen an anderer Stelle dienen können. Natürlich, die Modernisierung ist doch nur in engen Grenzen möglich. Neues läßt sich aus Altem hier schwer schaffen. Es soll ja aber auch nur ein Behelf sein.

Hat der so eingerichtete Neuhaushalt gleich von Anfang an die Erweiterungsmöglichkei- t e n berücksichtigt, so wi'rd der allmähliche Ausbau des Haushalts weniger finanzielle Schwierigkeiten machen, zumal da heute die Gewährung des Ehe­standsdarlehens nicht mehr von der Aufgabe der Berufstätigkeit der jungen Frau abhängt. In grö­ßerem Umfangt als früher kann nunmehr die junge Frau einen Teil ihres Einkommens für den Aus­bau ihres Haushalts einfetzen und wenigstens mit

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE

der Zeit das erreichen, was ihrer Mutter und Großmutter an ihrem Hochzeitstage fix und fertig hingestellt werden konnte. Mag diese neuartige Aus­steuerbeschaffung auch beschwerlicher sein, ein Gutes hat sie bestimmt, und zwar das, daß die junge Frau viel stärker das Bewußtsein des Selbst- erworbenen hat und sie ihren Haushalt weit stärker als je eine Generation vor ihr selbständig ausge­stalten kann. ' 1

Die Möglichkeit der.allmählichen Haushaltserwei­terung ist zudem heute sehr erleichtert durch die Kombinations m o glichkeiten des Mo-! biliars. Das Möbelgewerbe bietet heute vorzugs­weise Anbau- und Ausbaumöbel, die nach und nach beschafft werden können. Durch angestellte schmale Seitenschränke z. B. wird der bisherige Küchenschrank zum Mittelschrank einer geräumigen Küche. Auch Schreib- und Wäscheschränke finden durch Ansatzschränke jede gewünschte Erweiterung für die 'wachsende Bücherzahl und die umfang­reichere Garderobe. Hierbei wird auch wiederum1 erkennbar, welche Bedeutung die Qualität der zu­erst angeschafften Möbelteile hat.

wir tragen ?

INS ERES MODEZEICHNERS

W

»'i

Zu breite Schultern werden durch im Raglan- schnitt eingesetzte Aermel verkürzt, zu schmale durch tief angesetzte Aermel, vorstehende kleine Patten und ähnliches verbreitert Große, breite Hände wer- I den anmutiger, wenn man den Kleiderärmel schräg,

Modisches a u s P e l z für die verschiedensten Gelegenheiten zeigt unsere heutige Skizze.

Zunächst in der Mitte Krawatte, Muff und Mütze aus Indlschlamm. Die drei Teile er­gänzen'gut den einfachen Mantel oder das Jacken­kleid. Der Muff ist in drei Teilen gearbeitet, die Krawatte zeigt die neuartige Fächerform.

Der breite Gürtel und die g r o ß e Muff­tasche (links unten) sind aus Ozelot, der Gür­tel ist mit dem Material des Kleides, in unserem Falle mit moosgrünem Wollstoff, eingefaßt.

Die Abendjacke (rechts oben) in Boleroform aus braunem Seidensamt hat einen Besatz aus langhaarigem, braunem Pelz. Der Streifen läuft in einem Stück um Jacke und Aermel.

Die W e ft e zum Schlittschuhlaufen aus blauer Affenhaut (Duvetine) hat einen Besatz aus grauem Lammfell und Verschnürungen aus roter Kor­del. Der gleiche Besatz und die gleiche Verschnü­rung wiederholt sich an der Mütze und an den Handschuhen aus dem gleichen Stoff. H.

Willst für die Hamsthmderei.

Aus Ersparnisgründen lassen viele Hausfrauen ihren und der Kinder Kleiderbedarf trotz der iürjie damit verbundenen Mühe im Hause arbeiten. Sol­len die etwas gefürchteten läge reibungslos vor­übergehen, sind einige Vorbereitungen nötig.

Zuerst hat man sich, unter Durchmusterung alter Kleider, die geändert werden sollen, dar­über klar zu sein, was man gearbeitet haben will. Selbstverständlich hat man diese Stücke und auch die Lappen aus dem Flickenkorb vorher gereinigt und gebügelt, damit nicht eist, mpnn die Schnei­derin dies oder jenes braucht, die Reinigung vor-

Beschaffenheit bereit. Wichtig für das Gelingen der Arbeit ist auch, daß der Schneiderin ein Platz an­gewiesen wird, an dem sie nicht gestört wird. Sie muß ihre Gedanken auf ihre Arbeit konzentrieren und darf nicht durch lebhafte Kinder oder dauernde Unterbrechungen durch die Hausfrau gestört werden.

Soweit die äußeren Dinge. Aber auch für sich s e 1 b st überlege sich die Hausfrau einiges, ehe sie mit der Arbeit beginnen läßt. Vor allem prüfe sie ehrlich ihre Erscheinung, ob der Stil, der gerade modern" ist, zu ihr paßt, ober ob sie nicht diese ober jene kleine Deränberung vornehmen muß. Nicht jedes Kleid, das auf dem Modebild reizend aussah, sieht dann auf der Trägerin ebenso reizend aus.

Gedrungene Gestalten vermeiden am besten die Teilung des Kleides in Rock und Bluse. Langgehal­ten, durchgehend mit schräger Nahtaufteilung ge­arbeitet, wirkt für sie viel besser. Breite Hüften vertragen keine oder nur ganz schmale Gürtel auch wenn handbreite modern sind. Ein kurzer Hals soll seitlich gedeckt und der Halsausschnitt spitz sein; ein zu langer Hals scheint durch eine hoch ange­setzte Garnitur kürzer

genommen werden muß .

Die Nähmaschine muß aus ihren tadellosen Laus geprüft, und muß gründlich geölt werden auch nicht erst, wenn die Näherin da ist. Man sorge auch für Reservemaschinennadeln in verschiedener Stärke nichts ärgerlicher, als wenn das Nähen un­terbrochen und erst in der Nachbarschaft nach Na­deln herumgeschickt werden muß Auch die Schnei­derin arbeitet gerne planmäßig, und kann nur bann ruhig babeibleiben, wenn nicht balb < btes, halb jenes Versäumnis nachgeholt werden muß.

Wenn sie auch ihr Handwerkszeug: Schere usw. mitbringt, kann es doch nicht schien, wenn die täüf fcn^ft&°b amH °fte*b ei° ber Wtbilf e il)^ eigenes 1 auf dem.Handrücken verlaufen läßt. Eine stäche ® e »uo in Drbnunq bat. Da-- Süqcleifen Stuft wird durch w°ll.g° Garnituren verdeckt, °m° ^att ein. Mr die Bu.qelei halte man auch üppig-.zeichne mckn Nicht Mit enger Lmie nach - piniae taubere nahtlose Tücher aus weichem Leinen eine mäßig glockige Garnierung ist in solchem ^alle 6s1 ml.,mmn'i\ftntf bereit 1 besser angebracht. Ueberhaupt sollen starke Figuren

Ob9rii? Waten- verschiedenfarbige Nähseiden, > nicht durch enge Kleidung markiert werden etwas Einchtzband Druckknöpse in mehreren Grützen Ivie gehaltene Machart steht ihnen v.el belfer; es Nähgarn seien in genügender Menge und guter! ist em Irrtum, zu denken, ste trage auf. D.S.

Wer feinen Hammel ißt...

V A Die Metzger sind eigentlich ungerecht. Sie nennen ihren Betrieb gewöhnlich Rind- und Schweineschlächterei und lassen den Hammel, J)en sie ebenfalls schlachten, babei ganz außer acht. Kem Wunber, wenn bann ber Hammel ber faufenben Hausfraunicht so ms Auge springt". Zeitweise ift er ja auch wirklich nicht im Fleischerlaben ver­treten. Das liegt aber baran, baß ber Hammel hauptsächlich im Winter geschlachtet wirb, wenn er sich ben Sommer über auf ber Weibe fett gefressen hat unb im Winter ber Weibegang nicht recht möglich ist. Auch liefert ja ber Hammel die wertvolle deutsche Wolle Bekanntlich ift int Interesse dieser Erzeugung die in Deutschland schon beinahe verschwundene Schafhaltung wieder auf einen Hochstand gebracht worden.

Was hat man eigentlich gegen das Hammel­fleisch? Hausfrauen, die das meinen, Hammelfleisch habe infolge des Hammelfetts einen etwas unbe­liebten Geruch, haben von der richtigen Zu­bereitung des Hammelfleisches doch etwas zu bescheidene Kenntnisse. Hammelfleisch, das nach der Schlachtung acht bis zehn Tage gelagert hat, und von dem Haut und Fett richtig entfernt sind, wird ohne jedes andere Fett im eigenen Fett ge­braten. Es wird auch ohne Butter zu einem Lecker­bissen. Das Hammelfett wird zuerst etwas aus= gebraten, und dann wird das wie üblich gesalzene und gepfefferte Fleisch auf allen Seiten darin scharf angebraten. Man darf es nur nicht zu früh loschen. Es soll überhaupt nur so viel Wasser zugesetzt wer­den, um das Anbrennen zu verhindern. Anderen­falls wird das Fleisch zu sehr ausgelaugt und be­kommt bann ben unbeliebten Hammelfettgeruch. Bei richtigem Braten unter Verwenbung natürlicher Ge» würze wie Lorbeer, Wacholber, Salbei, Nelken, Zwiebeln unb Knoblauch, ift nicht bet geringste unangenehme Geschmack ober Geruch zu bemerken.

Wer sich biese Bratenkunst noch nicht recht zu- traut, versuche es zunächst einmal mitHammel- schlegel auf Wildart" unb lege bas Fleisch vier Tage in eine Wilbdretbeize. Hammelfleisch kann übrigens auch w i e Sauerbraten zubereitet werben. Es gibt überhaupt eine so große Fülle von Berwenbungsmöglichkeiten für Lamm- und Schaffleisch, daß es jeder kochlustigen Hausfrau ein Vergnügen ist, sie der Reihe nach auszuprobieren. Selbst zu Eintopfgerichten ist Hammelfleisch vorzüglich geeignet. Aus ben beigegebenen Knochen läßt sich mit Hilfe von Wurzelwerk, Zwiebeln unb Grünzeug eine schmackhafte Fleischbrühe kochen. Hammelfleischgerichte müssen aüerbings stets auf heißer Platte aufgetragen und von vorgewärmten Tellern gegessen werden. Nur weniger beschlagene Hausfrauen verlangen vom Metzger immer nur Hammelkeule oder Hammelrippchen. Gute Köchin­nen bagegen/roiffen, baß auch aus all ben anberen Stücken bes Hammels vortreffliche Gerichte zu bereiten finb.

Wer also jetzt immer stoch keinen Hammel ißt, ist selber ...

Aber bas mag sich die unbelehrbare Hausfrau selber sagen. T. W.

Der Aerger

mit dem VuchseliWer.

V. A. Wer hätte es noch nicht erlebt, daß ihm beim Deffnen einer Büchse Qelsardinen nach mühe­vollem Anfang' der Deckel oder der dazugehörige Schlüssel abbrach und die ganze Büchse sich so ver­bog, daß ein Teil des Doseninhalts verschüttet wurde? Diesen ewigen Aerger hat man jetzt zu­nächst einmal dadurch abgestellt, daß man den Fischkonservenbüchsen keine Schlüssel mehr beigibt, die doch nur in Ausnahmefällen funktionieren. Ge­rade weil wir heute viel mehr als früher Fifch- konferven effen, wäre es auch eine sinnlose Material­verschwendung, wenn jeder Büchse ein noch dazu unbrauchbarer Büchsenöffner beigegeben würde.

Natürlich sind die Büchsen nun nicht so einge­richtet, daß sie sich ohne Schlüssel oder mit jedem beliebigen Handwerkszeug öffnen ließen. Man muß sich schon zur Anschaffung eines dauerhaften Dosenöffners entschließen. Der macht sich aber auch in jeder Hinsicht bald bezahlt. Brauch­bare Dosenöffner sowohl für den kleinen als auch für den großen Haushalt hat die Industrie herge- stellt.

Für den kleinen Haushalt genüat in der Regel ein Schlüssel, ber bem vorhin erwähnten un­zulänglichen Dosenöffner äußerlich ähnlich sieht, jeboch viel stabiler ist (nämlich aus Stahl) unb bei bem ber Einschnitt unten bffen ist so baß sich bas eingerollte Blech ber Dose aus ihm leicht mieber entfernen läßt. Durch eine geschickte Kombination bient ber Schlüssel aber gleichzeitig auch noch einem weiteren Zweck. Auf ihn wirb nämlich eine Hülse aufgesteckt, bie sich nach vorn gabelförmig ver­breitert und dazu bestimmt ist, die Konserven be­quem aus ber Dose herausnehmen zu können. Natürlich ist bieser Schlüssel nur für flache Fisch- tonservenbosen verwenbbar, bereu Deckel mit einer Blechzunge versehen finb. Für anbere Konserven­dosen gibt es schon seit «langem brauchbare Büchsen­öffner. Die früher viel von ben Lebensmittelhänb- lern verwendeten Deffner, bei benen ber Büchsen- ranb scharfkantig stehenblied, finb wegen ber Mög­lichkeit von Verletzungen nicht zu empfehlen. Sehr zweckmäßig finb bagegen bie Deffner, bei benen durch ein einfaches Rechtsdrehen einer Flügel­schraube ein kleines spitzes Mester automatisch in ben Büchsenbeckel einbringt. Jebe Büchse, ob rund, eckig oder oval, wird damit schnell und so sauber geöffnet, daß sie einen glatten Schnittrand behält und noch zu anderen Zwecken, z. B. auch zum Ein-- dosen selbstkonservierter Lebensrnittel dienen kann.

Für große Haushalte, die täglich viele Büchsen zu öffnen haben, empfiehlt sich ein stabil gebauter Apparat. Er wird an den Tisch angeschraubt und ist zum Deffnen sämtlicher Dosen verwendbar. Von dem Apparat wird die Büchse gehalten, automatisch gedreht und geöffnet. Der Deckel wird von oben ausgeschnitten, so daß ber Doseninhalt vom schneibenben Messer gar nicht berührt wirb. Messer unb Zahnräber lassen sich leicht auswechseln. Auch biese Apparate schnetben bie Büchsen so sauber auf, daß sie zur weiteren Konservierung verwendet wer­ben können.