Ausgabe 
4.7.1938
 
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Deutsche Zoologische Gesellschaft lagt in Gießen.

Begrüßungsabend

In den Tagen vom 4. bis 6. Juli tagt in unserer Stadt die Deutsche Zoologische Gesellschaft. Sie hält hier ihre 4 0. Jahreshauptversammlung ob und damit eine große wissenschaftliche Tagung, die über 20 Referate aus den verschiedensten Spe­zialgebieten bringen wird. Im Lause des gestrigen Sonntags trafen nun hier die Teilnehmer an dieser Jahreshauptversammlung in Gießen ein und ver­sammelten sich abenhs im Studentenhaus am Leih- gesterner Weg zu einer Begrüßungsfeier. Die Gaste aus dem Reich fanden die Tische im Saal des Stu­dentenheimes in schönem Schmucke vieler Rosen vor und fühlten sich sicherlich rasch heimisch.

Der Leiter der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Hase (Berlin-Dahlem) eröffnete den Wend mit herzlichen Grußworten, insbesondere an den Vertreter des Herrn Reichsstatthalters und den Vertreter der Stadt Gießen. Oberschulrat Dr. Leip (Darmstadt) übermittelte die Grüße des Herrn Reichsstatthalters und der Abteilung 7 der Landes­regierung. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Tagung allen Teilnehmern das erbringen möchte, was sie sich erhoffen, wies aber auch hin, daß es für die Tagungsteilnehmer auch dankbar wäre, Füh­lung zu gewinnen mit der schönen hessischen Land- scbaft.

Bürgermeister Prof. Dr. Hamm überbrachte die Grüße der Stadt Gießen und gab den Kongreßteil­nehmern in kurzen Stichworten eine Uebersicht über das, was für sie in Gießen sehenswert ist. Er erin­nerte besonders an die reichen Sammlungen der Gießener Museen, kennzeichnete Gießen als die Gartenstadt, die aufbaufreudige Stadt und ließ in humorvoller Form den Gästen einen guten Eindruck gewinnen von unserem Gemeinwesen.

im Studentenhaus.

Für den am Erscheinen verhinderten Rektor un­serer Universität überbrachte Prof. Dr. G e r t h - s e n die besten Wünsche für die Tagung der Zoolo­gen. Er wies besonders darauf hin, welch bevorzugte Stellung gerade die Naturwissenschaften insbeson­dere die angewandten Naturwissenschaften an unse­rer Universität einnehmen. Er erinnerte daran, daß die Universität umfangreiche veterinäre Einrichtun- aen und Institute, ein bedeutendes landwirtschaft­liches Institut und das älteste for st wissen­schaftliche Institut der Welt habe. Der -Logen der Naturwissenschaften an unserer Universi­tät sei weit gespannt und die Zoologie nehme den Platz ein, der ihr ihrer hohen Bedeutung entspre­chend gebühre. In weiteren kurzen Darlegungen sprach der Redner über die naturwissenschaftliche Forschung als Pionierarbeit und zeigte deren man­nigfache Ziele auf. Die Universität und die Natur­wissenschaftliche Fakultät wünsche der Arbeit der Zoologischen Gesellschaft den besten Erfolg.

Der Leiter der Gesellschaft dankte für freundliche Willkommengrüße und die guten Wünsche zur Ta­gung und stellte sie in feinen abschließenden Wor­ten unter die großen'Linien eines gesunden und planmäßigen Aufbaues, wie ihn der Führer für unser Vaterland erstrebe, eines Aufbaues, dem auch die Arbeit der Wissenschaft gelte. Mit dem dreifachen Sieg-Heil!" auf den Führer fand die Feier der Begrüßung ihren offiziellen Abschluß.

In schöner Gemeinsamkeit und bei anregenden Gesprächen begann schon bei diesem Begrüßungs­abend ein reger Gedankenaustausch. Die zahlreichen wissenschaftlichen Vorträge der nächsten Tage werden die Kongreßteilnehmer in ernster Arbeit vereinigen.

Dornotizen.'

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Ballade".

7ISOAP. - Amt für Doltswohlfahrt.

Ortsgruppe Giehen-Ost.

Unsere Geschäftsräume befinden sich ab 1. Juli d. I. im Erdgeschoß des Hauses Kaiserallee 34.

Gaststätten und Verdunkelung.

Wenn vom 4. zum 5. Juli und vom 5. zum 6. Juli die die Stadt und den Kreis Gießen um­fassende Verdunkelungsübung stattfindet, werden Gaststätteninhaber und Ladenbesitzer eine besondere Aufgabe zu erfüllen haben. Sie müssen mancherlei mehr bedenken als die Volks­genossen, die sich lediglich um die Verdunkelung chrer Wohnung zu bekümmern haben. Es ist nötig, den Publikumsverkehr mit den Bedürfnissen der Hebung in Einklang zu bringen. Es handelt sich nicht nur um die Abblendung von Lichtstrahlen in den Wirt­schafts- und Nebenräumen, sowie auf Fluren und in Treppenhäusern, sondern ganz besonders auch um die Anlage einer Lichtschleuse, die den Zugang und Abgang von Gästen ermöglicht, ohne daß ein Licht­schein nach außen fallen kann.

Auch die Ladenbesitzer dürfen an beiden Uebungsabenden ihre Schaufensterlichtreklame nicht einschalten.

Gaststätteninhaber! Ladenbesitzer! Seid Euch der Verantwortung bewußt! Arbeitet am Selbstschutz der Zivilbevölkerung mit! Nehmt diese vaterländische Pflicht auf Euch! Ihr dient so mit dem ganzen deutschen Volke.

Ein Radfahrerweg Gießen-Steinbacb wird gebaut.

Dar Hessische Straßenbauamt schreibt in einer Bekanntmachung die Vergebung der Arbeiten für einen Radfahrerweg GießenSteinbach aus. Der Weg soll zwischen Kilometer 1,131 bis 6,181 ver­laufen.

Ein glücklicher Gewinner.

Am Samstagabend wurde in einer Gaststätte am Riegelpfad aus dem Kasten eines der braunen Glücksmänner (Arbeitsbeschaffungslotterie) ein Los gezogen, das über einen Gewinn von 500 Mart lautete. Der glückliche Gewinner ist ein Frifeur- meifter aus unserer Stadt.

Die Sommerschluhverkäuse 1938.

Am 25. Juli beginnen die Sommerschlußverkäufe für 1938. Sie sind zur Räumung der Lager von modeempfindlichen Waren bestimmt. Die Liste der­jenigen Waren des Textilfachgebietes, die Mode« fchwankunaen wenig oder gar nicht ausgesetzt und daher auch in diesem Halbjahr wieder von den Schlußverkäufen ausgenommen sind, wird in einer soeben im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger veröffentlichten Anordnung des Reichswirtfchaftsministers bekanntgegeben.

Pflichtabend

der Frauenschast Siehen-Mitte.

Ein inhaltsreicher Abend vereinte die Mitglieder des Deutschen Frauenwerks von Gießen-Mitte im Saal des GasthausesHindenburg". Die stellver­tretende Leiterin, Frau Lyncker, begrüßte die Frauen, dann sang Frau Casten einige Lieder, begleitet von Frau Fischer, die freudig aus­genommen wurden.

Der Vortrag des Abends, gehalten von Pg. B u r g e l e i t, handelte vom Berus der NS.- Schwester und war besonders wertvoll für die Mütter, deren Töchter sich jetzt für einen Beruf entschließen wollen. Einleitend berührte der Redner kurz die früher vorhandenen Organisationen der Wohlfahrtspflege, sprach dann von der NSV. und ihren Abteilungen und begründete den Totalitäts­anspruch der Partei auch auf diesem Gebiet. Der Redner gab dann einen HÜberblick auf die Aus­bildungszeit, die zwei Jahre dauert. Die Schülerin erhalte ein monatliches Taschengeld von 10 Mark. Dienstkleidung, Logis und Verpflegung und bekomme

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Vornan von Hans von Hülsen.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.

18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Das interessiert mich alles ungemein, wirklich unaemein, Herr Ottenrieth." Fritz Armbruster wurde wider Willen lebhaft, Renata sah es mit Ver­gnügen.Ich bin Ihnen direkt dankbar für die Mitteilungen, die Sie mir so freimütig machen, um so mehr, als ich offenbar der erste bin; wenigstens der erste Mann", setzte er rasch hinzu, und für eine Sekunde verdunkelte sich fein Blick,der davon etwas erfährt.. Darf man neugierig sein und nach dem Titel fragen?"

Statt einer Antwort nahm Ottenrieth die Noten­blätter vom Flügel, klappte sie zusammen und reichte sie Armbruster.

Liebesfuge vom Gardasee", lasen die unruhigen Augen. Alles verschwamm plötzlich vor seinem Blick, ihm war, als hätten Fäuste sein Herz gewalttätig gepackt und schüttelten es hin und her. Liebesfuge! Gardasee, dachte er, und da saß Renata und hatte ihn verlassen und vergessen und war zu diesem Kerl hinübergewechselt, der ihr seine Musik vorspielen durste. Woher nur sollte er die Kraft nehmen, feine kühle, höfliche Miene zu bewahren? Er mußte plötzlich an jenen Abend in Torbole denken, an dem sie mit Ottenrieth unter dem Haus- tor gestanden und ihn wie einen Schulbuben weg- geschickt hatte.

Ein ausgezeichneter Titel", sagte er,ein Titel, der schon allein den halben Erfolg macht! Uebrigens Erfolg: Sie sind doch wohl über eine Aufführung noch keine Bindungen eingegangen?"

Warum?-Es ist ja noch gar nicht ganz trocken! Ich habe wirklich noch nicht darüber nachgedacht."

Um so besser. Um so besser, Herr Ottenrieth. Weil ick Sie in diesem Fall nämlich bitten möchte, keine Abreden zu treffen, bevor"

Bevor?"

Nun, um es rund heraus zu sagen, bevor Sie die Vorschläge gehört haben, die Ihnen meine Firma zu machen bereit wäre. Sie werden das verstehen, Herr Ottenrieth, daß mir großes Inter­esse daran haben bei Ihrem Namen, der heute in der Musikwelt ich brauche das nicht weiter auszuführen. Wenn Sie heute mit einem ernsten.

jährlich 14 Tage Ferien. Den Schluß der Lehrzeit bilde eine staatliche Prüfung in Krankenpflege, Säuglings- und Wochenpflege, Ernährung, Chemie und Leibesübung. Als Krankenschwester steigt ihr Gehalt nach und nach. Als Gemeindeschwester, zu der die NS.-Schwester besonders verwandt wird, erhalte sie noch Leistungszuschläge und eine kleine Wohnung. Auch ihrem natürlichen Beruf als Frau und Mutter brauche die NS.-Schwester nicht zu entsagen. Ihre vielseitige Ausbildung befähige sie befonoets zur Hausfrau, und sie könne mit Ge­nehmigung auch als Verheiratete ihrem Schwestem- beruf treu bleiben.

Für die Ausnahme als Schülerin werde eine ein­wandfreie politische Gesinnung verlangt, außerdem die Mitgliedschaft im BDM. und die Ableistung eines Landdienst- oder Haushaltjahres, eine höhere Schulbildung oder die abgeschlossene Volksschulbil­dung. Der Vortrag wurde mit großer Aufmerksam­keit auf genommen.

Zum Abschluß wurden noch kurze Referate über die Außen-, Innen- und die Wirtschaftspolitik der letzten Zeit gegeben. Diese Ausführungen sollen von jetzt ab an jedem Pflichtabend gebracht werden, um den Hausstauen auch die wichtigsten politischen Tagesereignisse zu vermitteln. Gemeinsamer Gesang beendete den eindrucksvollen Abend. F. K.

Ariitteristen-Kameradschast 1895 Gießen

Am Samstag vereinigten sich die Mitglieder der Arttlleristen-Ka'meradschaft 1895 Gießen zu ihrem Juli-Kameradschaftsabend imHessischen Hof". Diese Zusammenkunft erhielt eine besondere Be­deutung dadurch, daß Kameradschaftsführer Mül- l e r den vielen Kameraden jetzt präzise Mitteilun- gen über den Neuaufbau der großen Organisation aller ehemaligen deutschen Soldaten machen fonnte.

Nach der Bekanntgabe einiger Eingänge aus Gießen, aus denen die Kameraden u. a. hörten, daß jetzt auch die Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften in der Auflösung begrif­fen ist und die Artillerie-Kameradschaft des frü­heren Soldatenbundes sich bereits aufgelöst hat, gab der Kameradschaftsführer die von dem Waffen- ringführer Generalleutnant a. D. von Matter verfügte Auflösung des Waffenringes der ehemali-

Werk bitte, mißverstehen Sie mich nicht, es soll darin keinerlei Geringschätzung Ihrer sonstigen Ar­beit liegen!, also mit einem ernsten Werk auf den Plan treten, das doch ganz gewiß von der technischen Meisterschaft Ihrer Bühnenwerke profi­tiert haben wird. Das Interesse muß ja groß sein. Und dabei sozusagen den Geburtshelfer zu spielen, das ist für meine Firma eine Selbstverständlichkeit. Das Werk wird im Druck erscheinen?"

Auch darüber habe ich noch gar nicht nachge- dacht."

Um so besser! Eine Aufführung aus der Hand­schrift, das zieht, das zieht noch mehr! Kurzum, wenn Sie geneigt wären, mit uns in Verbindung zu treten, ich bin überzeugt, daß Frau Armbruster das Menschenmögliche aufbieten wird, um eine glänzende Ausführung zustande zu bringen. Was meinst du, Reh?"

Renata merkte, wie Ottenrieth unter dieser plötz­lichen Vertrautheit zusammenzuckte, wie er für eine Sekunde qualvoll die Augen schloß. Fritz, du bleibst ein Esel, dachte sie lächelnd, daß du deine Sache auf diese blöde Weise gefährdest. Aber sie sagte:

Ich bin natürlich auch überzeugt, daß Frau Armbruster sich mit allen Kräften einsetzen würde. Und daß, wenn Herr Ottenrieth überhaupt-an Wien denkt, jedenfalls niemand größere Möglichkeiten hat."

,^anz gewiß niemand!" rief Armbruster.Das wissen Sie selber so gut wie irgendeiner!"

Ottenrieth hatte sich wieder gefaßt. Er sah dem Eifer des anderen belustigt zu. Er genoß diesen Augenblick. Die Hunderte von Ablehnungsbriefen fielen ihm ein, die er in den langen Jahren seines Ringens bekommen und heute noch in seinem Schreibtisch verwahrte wenn ihm damals jemand gesagt hätte, daß einmal der Prokurist des Hauses Armbruster sich persönlich zu ihm bemühen und ihn förmlich bitten würde, mit ihm in Verbindung zu treten!

Es ist wirklich unnötig, daß Sie mir den Ruf Ihrer Firma auseinanderfetzen, Herr Armbruster. Und ich danke Ihnen für Ihr Anerbieten, das ich überlegen will, wenn es soweit ist. Bitte, nehmen Sie doch noch eine Zigarette!"

Danke sehr", sagte Fritz Armbruster befriedigt und bediente sich aus der Dose auf dem Tisch. Aber zugleich ärgerte er sich über sich selbst. Denn hatte er sich nicht vorgenommen, sofort nach dem durch den Willen der Tante unvermeidlich gewordenen geschäftlichen Gespräch das Haus Ottenrieths zu verlassen? Und nun saß er hier, zusammen mit dem

gen deutschen Feldartillerie bekannt, die mit dem 30. Juni 1938 wirksam geworden ist, während die Abwicklung der Geschäfte bis Ende September 1938 erfolgen soll. Ferner wurden die Kameraden mit einer Abschiedsbotschaft des schwerkranken bisheri­gen Waffenringführers, Generalleutnant v. Mat­ter, bekanntgemacht, dem die Kameraden in dank­barer Verbundenheit eine herzliche Ehrung dar­brachten.

Sodann machte der Kameradschaftsführer auf­schlußreiche Mitteilungen aus den jetzt übersandten Richtlinien für den Aufbau des NS.-Reichskrieaer- bundes unter Leitung des NS.-Reichskrieaerfüh- rers. Die endgültigen Entscheidungen und Anord­nungen liegen zwar noch nicht vor, jedoch ist aus den jetzigen Mitteilungen der Reichskriegerführung der Aufbau dieser zukünftigen einzigen Organi­sation aller ehemaligen deutschen Soldaten bereits in großen Umriffen ersichtlich, ebenso geht daraus hervor, daß für alle Waffengattungen, mit Aus­nahme der Infanterie, zur Pflege der Waffentradi­tion, ein Reichsinspekteur eingesetzt wird. Die Aus­wirkungen dieser Neuordnung auf die einzelne Ka­meradschaft, auch in finanzieller Hinsicht, wurden berichtend dargelegt und von den Kameraden ad- wägend und prüfend betrachtet. Dabei stand bei allen Betrachtungen die soldatische Auflassung der Pflicht gegenüber Führer, Volk und Vaterland ebenso im Vordergrund wie die Bereitwilligkeit, in altgewohnter Soldatentreue freiwillig auch im Rah­men dieser neuen Organifaüo'n unserem Volk und Vaterland zu dienen im Geiste und nach dem Wil­len des Führers Adolf Hitler. Erfüllt von dieser Bereitschaft bekundeten die alten Artilleristen der Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen nach Be­fürwortung durch den Kameradschaftsführer ihren Entschluß, geschlossen in die Kolonnen des NS.- Reichskriegerbundes einzurücken, in dessen Rahmen als soldatisch pflichtbewußte Kameradschaft weiter­zuwirken und für die Aufrechterhaltung des bis­herigen bewährten Kameradfchaftslebens in der Ge­meinschaft der alten Artilleristen auch ein pekuniä­res Opfer nicht zu scheuen.

Nach Erledigung dieser wichtigen Angelegenheit des Kameradschaftsabends wurden noch einige kleine interne Angelegenheiten der Artilleristen-Ka- meradschast kurz besprochen. Dann folgte die ge-

Mädchen, das der andere ihm gestohlen hatte, und rauchte feine Zigaretten und plauderte harmlos, als ob es so etwas wie Haß gar nicht gäbe. Plauderte vom Gardasee, den er nur ein paar Stunden gesehen, als Renata ihn ganz im Bann des anderen, auf der Straße stehen ließ. Plauderte von Konzerten und Theaterbesuchen, bei denen er sie in Ottenrieths Gesellschaft gesehen hatte. Und das alles, damitFrau Armbruster" dieser Fisch nicht aus dem Netz schlüpfte, den sie in ihrer Ver­blendung für einen Goldfisch hielt.

, *

Um die Märzmitte fand die langerwartete Ur aufführung derLiebesfuge vom Gardasee" im* großen Musikoereinssaal statt. Es war ein Ereig­nis, wie das musikalische Wien es seit langem nicht erlebt hatte. Unerhört war schon die Tatsache, daß ein Komponist, der bisher nur zwei erfolgreiche Operetten harmlosester Machart geschrieben, sich plötzlich der höheren Kunst zuwandte und an ein großes, ernstes, schweres Orchesterwerk wagte.

Ottenrieth und Renata saßen zusammen in einer Loge. Er hatte sie darum gebeten, an ^diesem für ihn so dedeutunasoollen Abend, der über die ganze künftige Entwicklung seiner Musik entscheiden müsse, bei ihm zu fein, ynd sie mochte es ihm nicht a'b- schlagen. Insgeheim fürchtete sie wohl die Läster­zungen; auch war ihr bewußt, daß sie heute unter ihre Freundschaft mit Armbruster einen endgültigen Strich zog. Aber sie fragte heute nicht danach. Sie war - so fest verwachsen mit Ottenrieths neuem Werk, dessen Entstehen sie fast in allen Phasen miterlebt und an dessen endgültiger Gestaltung sie, ratend und urteilend, geradezu mitgearbeitet hatte; es übte eine solche Zauberkraft auf sie aus, daß sie alles andere darüber vergaß.

Stunden gab es, viele, besinnliche Stunden, in denen sie sich die Frage vorlegte, ob diese Zauber­kraft wohl nur von dem Werk auf sie strahlte, oder nicht auch von dem, der es geschaffen; und sie schalt sich bann feige, daß sie immer wieder der Antwort auswich, obwohl sie sie doch in allen Nerven fühlte.

Wie wenig ihr der Gefährte einer versunkenen Zeit noch bedeutete, das ward ihr zum ersten Male ganz klar, als Ottenrieth ihr eines Tages erzählte, daß er wahrscheinlich doch nicht mit der Konzert­direktion Armbruster abschließen werde, sondern mit Leupelt & Woßmüth, der Konkurrenz, die ihm ein in einigen Punkten günstigeres Angebot gemacht habe. Sie hatte kein Wort bagegen gesagt unb kein Wort für Armbruster gesprochen, es war ihr gleich­gültig. Wenn bie Konkurrenz bessere Bebingungen

RennenRundum Schotten".

An die Bevölkerung des Kreises Wetterau!

Am Sonntag, dem 10. Juli 1938, führt die Motor­gruppe Hessen des JISfift. unter der Schirmherr­schaft des Gauleiters das RennenRund um Schot­ten" durch. Mährend seither an dieser motorsport­lichen Veranstaltung nur Motorradfahrer beteiligt waren, wird in diesem Jahr erstmalig auch ein Spodroagenrenilen durchgeführt.

Ich erwarte, daß die Bevölkerung des Kreises Detterau in großer Zahl als Zuschauer dieses im Gau Hessen-Nassau bedeutendste motorsportliche Ereignis miterleben wird.

Um möglichst vielen Volksgenossen die Gelegen­heit hierzu zu geben, wird die RS.-Gemeinschaft K.d.F." mehrere Omnibusse nach Schotten entsen­den. Die Karten für diese Fahrten können auf den verschiedenen Dienststellen vonK.d.F." erworben werden.

Kreisleitung Metterau der RSDAP.

Backhaus, kreisleiter.

wohnte soldatisch-frohe gesellige Unterhaltung, die allen Kameraden schöne Stunden brachte.

Den erlittenen Verletzungen erlegen.

Vor einigen Tagen verunglückte der bei der Firma Himmelsbach in Nidda beschäftigte Arbeiter Kurzmann so schwer, daß er sofort in die Klinik nach Gießen eingebracht und operiert werden mußte. Der Verunglückte hatte sich schwere innere Verletzungen zugezogen, deren Folgen er jetzt er­lag. Auch der an der Reichsautobahn beschäftigt gewesene Arbeiter I m m e r v o l l, der mit einer Schlagaderverletzung eingeliefert worden war, erlag der schweren Verletzung.

Das Iahrestreffen der ÖHL. auf dem Schiffenberg.

Zu Fuß und mit dem Omnibus tarnen am Sams­tagabend die Schüler und Schülerinnen mit den ehe­maligen Angehörigen der Oeffentlichen Handelslehr­anstalt auf dem Schiffenberg, um das große Jahres­treffen zu feiern. In den letzten Jahren haben diese Zusammenkünfte zunehmendes Interesse gefunden. Der Direktor der Lehranstalt Dr. Kruse begrüßte die vielen Teilnehmer. Er erinnerte daran, wie schwer bie Anfänge waren und stellte nun mit Ge­nugtuung fest, baß bas Interesse an diesen Zusam­menkünften immer reger werde und so der Anstalt aus der Praxis für bie Praxis manche Anregung zuteil werbe. Dieser Verbundenheit der Ehemaligen mit ihrer Lehranstalt trete auch durch die Spenden in Erscheinung, durch bie nicht nur die Jahresver­anstaltungen ausgebaut, sondern auch Lehrmateria­lien und Sportgeräte angeschafft werden könnten. Dr. Kruse bankte für diese Anteilnahme an der Lehranstalt, die sich sehr gift entwickelt hat, so daß sie jetzt etwa 400 Schüler und Schülerinnen aus dem Bezirk der Handelskammer, also von der Lahn, au§ dem Vogelsberg unb der Wetterau zähle. Die Ver­bindung der Ehemaligen mit ihrer Schule werde in der nächsten Zeit gute Erfolge zeitigen; denn die Lehranstalt werde eine Vergrößerung auch in räum­licher Hinsicht erfahren. Der Lehrplan werde auf die Ausbildung von Spezialberusen ausgedehnt werben. Dementsprechend werde auch ein Saal mit moder­nen Büromaschinen eingerichtet. Die Verbesserungen unb Erweiterungen der Schule würden auch den Ehemaligen zum Vorteil gereichen, weil sie bann für ihre Praxis durch die Schule neue Anregungen empfangen würden. Der Direktor appellierte an bas Gemeinschaftsgefühl aller Ehemalige^ unb deren El­tern, bie der Anstalt nicht nur ihre Bekannten und Kinder zuführen, sondern ihr auch durch den Be­such der Jahresveranstaltungen die Treue halten. In den Räumen des Schiffenberges entwickelte sich bald ein buntes und reges Leben und Treiben, dem die Kapelle Krengel durch beschwingte Weisen die rechte Stimmung verlieh.

bot, warum sollte Ottenrieth nicht zugreifen? Sie wußte und fühlte nicht, daß er nicht ganz aufrichtig gewesen war, als er ihr nur von denbesseren Be- ' bingungen" sprach unb nicht von bem tiefsten unb geheimsten Wunsch, der ihn veranlaßte, sein halb gegebenes Wort gleich zu Beginn ernsthafter Per- hanblungen zurückzunehmen. Wad ihn trieb, war Eifersucht mochte Renata sich darüber täuschen, er selber täuschte sich nicht. Immer noch brannte auf seiner Haut der Rutenhieb, den er gespürt, als der junge Mensch es wagte, Renata in feiner Wohnung vor seinen OhrenReh" zu nennen und ihn dadurch zu erinnern, baß eine Verbindung zwischen ihnen beiden bestand, bie wenigstens in ben äußeren For­men vertraulicher war als feine Beziehungen zu ihr. Das konnte er nicht vergessen, unb bas wollte er nicht roieber erleben. Ader war eine solche Wieder­holung nicht unvermeidlich, wenn er in enge Be­ziehungen zu der Firma Armbruster trat? Wenn es enblos persönliche Verhandlungen gab? Wenn biefes pausbäckige Mondgesicht immer unb immer roieber in fein Haus kam? Darum war ihm das Angebot von Leupelt & Waßmuth, bas auf die erste Pressenotiz erfolgte, als Vorwanb sehr willkommen; unb sein Herz schlug heftiger, als Renata nicht bas leiseste. Wort für bie Armbrusters einlegte.

Fritz Armbruster, neben seiner Tante, sah wäh- renb ber ganzen Aufführung mit brennenben Blicken nach ber Loge hinüber, in ber Ottenrieth unb Re­nata faßen. In seinem Herzen war ein seltsames Durcheinander von Empfindungen. 6r gönnt* Frau Armbruster" von Herzen diese Schlappe, die es unleugbar für die Firma bedeutete, daß die Kon­kurrenz Siegerin geblieben war bas war schon klar gewesen, als man tagelang vor der Aufführung an allen Vorverkaufsstellen keine Karte mehr hatte bekommen können, unb bas mürbe noch klarer wer­ben, wenn der heutige Abend, wie es den Anschein hatte, sich zu einem großen Erfolg gestalten würde. Aber andererseits war er ja doch der Prokurist und der einstige Erbe ber Firma, unb barum traf diese Schlappe natürlich auch ihp persönlich.

Erfolg? Er gönnte diesem Ottenrieth keinen (Er­folg! Er haßte ihn!

Immer gewaltiger erhob die Fuge ihre dunkel- tönenbe Stimme. Die Orgel schwebte über allem wie ein Tabernakel aus kostbar heiligen Geweben. Geige unb Cello waren ihr dienstbar, Sturmwind brauste aus dem Orchester, bie großen Pauken dröhnten und verhallten. Unb im Verklingen sang eine Stimme, aus Fernen heranschwebend, bie ewige Frage: Liebst bu mich?

(Fortsetzung folgt!)