An
Bord „Wilhelm Gustloff", im Juni.
„Gchwerarbeit" der Fahrgäste.
Von Morgen bis Mitternacht auf einem Ozeanriesen.
Von unserem am Weltkongreß in Zftom teilnehmenden Mitarbeiter Dr. Buresch.
waren, Besitzer von Führerscheinen aus dem Jahre 1938 wie auch aus dem Jahre 1912 vertreten waren! Also auch hier: Alter schützt vor Torheit nicht! Den Unterricht erteilte ein NSKK.-Mann ehrenamtlich. Nach eingehender Belehrung wurden auch Fragen der Sonntagsschüler beantwortet, aus denen zu schließen war, daß noch manche „Lücke im Wissen" vorhanden war. Ja, ja: Gar mancher sitzt auf hohem Stuhle, und muß trotzdem zur Sonntagsschule! *
Noch ist die große Internationale Handwerksausstellung Berlin 1938 im besten Gange und lockt Tag für Tag neue Zehntausende zum Besuch, da meldet sich bereits eine Schau, diesmal eine Reichsausstellung an: „Gesundes Schaffen — F rotz e s L e b e n." Vom 24. September bis zum o. November wird sie ihre Tore offen halten. Sie soll der Gesundheitsführung des deutschen Menschen dienen. Aus der Fülle dessen, was sich bereits ankündigte, sei hier etwas ganz Besonderes herausgegriffen. Um nämlich auch den einzelnen Besucher unmittelbar und individuell anzusprechen, wird eine Halle geschaffen werden, die den Namen „Halle der Selbsterkenntnis" trägt und über deren Eingangstoren deshalb auch die alte griechische Weisheit „Erkenne dich selbst" geschrieben steht. Beim Betreten dieser Halle wird dem Besuchereine Karte überreicht, mit der er durch zwölf Raume zu gehen hat. Auf dem Wege durch diese Raume wird seine Größe, sein Gewicht und sein Blutdruck gemessen; werden seine Augen, sein Gehör, sein Herz untersucht und Farbenblindheit sowie Ermüdungserscheinungen durch sinnreiche Geräte festgestellt und noch manche andere geheimnisvolle Versuche an dem Besucher vorgenommen. Alle Ergebnisse werden in die Karte eingetragen, die ihm somit klaren Aufschluß gibt über seinen körperlichen Zustand. Zum Schluß erhält der Besucher dieser „Erkenntnishalle" noch eine Röntgenaufnahme seiner Lunge als — hoffentlich! — freundliches An- denken. Nachdem der Besucher so die Antwort auf die Frage „Hast du gesund gelebt?" be- kommen hat, sieht er in den anderen Hallen, was Partei, Staat und Wehrmacht für die Gesundheit jedes Volksgenossen tun und daß es ihr Ziel ist, einen gesunden, leistungsfähigen Menschen heranzubilden, der froh zum Besten seines Volkes lchaf- fen kann. 151
Berliner Brief.
Was will Berlin mit dem Heu? - Besuch in der „Sonntagsschule." - Oie Halle der Erkenntnis.
tiven und die Frontisten dagegen aussprachen. Doch gab es innerhalb der eidgenössischen Parteien eine große Anzahl Splittergruppen, die eine dem Beschluß der Partei entgegengesetzte Parole ausgegeben hatten. Die Einrichtung der Strafgerichte und die Durchführung der Verfahren obliegt auch m Zukunft den Kantonen. Sie haben ihre Ausfuh- rungsaesetze zu dem neuen Bundesgesetz 3U erlassen, rD x9af>ti erst am 1. Januar 1942 das heute angenommene Gesetzeswerk in Kraft treten kann.
Oer Vormarsch auf Sagunt.
Salamanca, 4. Juli. (DNB. Funksvr.) Der nationalspanische Heeresbericht meldet: An der Castellon-Front wurde im Abschnitt Bechi nach Abweisung feindlicher Angriffe der Vormarsch fortgesetzt. Im Abschnitt Tales wurden die eroberten Stellungen befestigt. Im Espadan-Gebirge kamen die Truppen bis auf 15 Kilometer an Segorbe, den wichtigsten Knotenpunkt auf der Strecke nach Sagunt, heran. An der T e r u e l - Fr o n t im Abschnitt Puebla Valverde eroberten die Nationalen wichtige Stellungen und machten über 400 Gefangene. Den Operationen General Varelas kommt große Bedeutung zu, da es seinen Truppen im schwierigsten Gelände nicht nur gelang, den Feind aus seinen Stellungen zu vertreiben, sondern darüber hinaus 17 Kilometer südlich bis in di e Nähe vonCubla vorzustoßen, wodurch die Straße nach Cuenca, die zu den Hauptverbindungen der Roten zählt und außerordentlich befestigt ist, bedroht wird. Die nationalen Truppen rücken weiter in breiter Front in Richtung auf Sagunt vor.
Kleine politische Nachrichten.
In Berlin traf der Oberbefehlshaber und Chef des Generalstabes des italienischen Heeres, General P a r i a n i, ein, der auf Einladung des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, verschiedene Heereseinrichtungen in der Umgebung von Berlin und Hannover sowie die Sehenswürdigkeiten Potsdams besichtigen wird. Zu seinem Empfang hatten sich Generaloberst von^ Brauchitfch und der Chef des Generalstabes, General der Artillerie Beck, eingefunden.
Auch über diesen Akt geht man zur Tagesordnung über. Sie lautet für die Zeit nach dem Mittagessen: „Nur ein V i e r tte l st ii n d ch e n." In den erdenklichsten und malerischsten Stellungen bevölkert alles die Liegestühle und wenn das Rauschen der Bugwelle es nicht mitleidig verschlucken würde, bei Gott, man würde glauben, das Schiff selbst finge an zu schnarchen. Dies ist „die stillste Stunde" auf Deck. Auch wer den Schlaf verpönt, tritt leise auf, wenn er des Weges kommt. Und ich habe mir sagen lassen, daß die große Schiffsirene sich höflicherweise um diese Zeit erst räuspert, ehe sie ihren Ruf über das Meer dröhnt, wenn es denn sein muß.
Nach dem Mittagsschlaf kommt die Stunde für die Zwischenakte und Einlagen. Da kann man die seltsamsten Dinge setzen. Tritt man durch eine Tür ahnungslos an Deck, dann steht man vlötz- lich in einem Mädchenhaufen, der wie befeffen schreit «nd herurnhopst. Sind sie alle verrückt geworden? Nein, weit gefehlt, sie üben Schuhplattler. Im Kreis, den sie bilden, steht ein Bayernbua und klatscht sich die Schenkel, daß es kracht. Und auf sein rauhes Kommando klatschen plötzlich zehn zierliche Mägdlein auf zwanzig runde nackte Schenkel und springen und singen dazu, daß es eine Freude ist. Die Schenkel sind krebsrot, den Mädchen tropft der Mühe Lohn von der Stirn, aber sie lassen nicht locker, hupf und klatsch und hoch das Bein und hupf und klatsch — es wird schon noch ein Schuhplattler werden... \ I
Um die sechste Stunde beginnt d i e eigentliche Kurpromenade. Man hat sich für das Abendessen umgezogen, und nun nutzt man die Spanne Zeit zwischen Umziehen und Gongschlagen zu einer mehr oder weniger sachlichen Unterhaltung. Jetzt wird man zuverlässig jeden wiedertreffen, der einem im Laufe des Tages aus den Augen kam. Ihn etwa zu suchen auf dem großen Schiff, das versucht man nur am ersten Tage. Diese Erfahrung genügt, um es nie zu wiederholen, denn so ein Schiff ist komplizierter als der raffinierteste Irrgarten. Man kann einen Menschen stundenlang suchen, man mag ihm auf den Fersen fein, jeder sagt: „Ja, ja, den habe ich eben dort gesehen, er ging gerade zum oberen Promenadendeck." Stürzt man bann hinterher, dann wandelt der Gesuchte unfehlbar auf der anderen Deckfeite just im gleichen Augenblick hinunter; ich habe Leute stundenlang durch fünf Stockwerke ohne Erfolg suchen werden. Nach ein paar Tagen weiß man: Bor dem Abendessen ist Stelldichein auf dem Promenadendeck, man geht einmal in der Runde, und siehe da, der Gesuchte findet sich von selbst.
Die schönste von allen Stunden auf Deck kommt um Mitternacht. Heißgetanzt und abgekämpft strömt alles aus den Tanzsälen ins Freie, em letzter Mal bevölkert sich die schwimmende Kurpromenade, man nimmt von allem etwas mit in die Kabine: von den Sternen, die unerhört hell und millionenfach schimmern, von der See, in die der Bug des Schiffes eine knisternde Schleppe schneidet, von der Salzluft, die den Lungen wohltut und vom nächtlichen Wind, der warm und wohlig um die Glieder streicht. Alles grüßt sich noch einmal, Hände werden geschüttelt, gute Träume beschworen. Der Vorhang fällt mit dem „letzten Mann", der zögernd und schweren Herzens die Bühne in Richtung seiner Kabine verläßt.
nur 54 v. H. mit 356 931 gegen 309 311 Stimmen knapp angenommen. Die, westschweizerischen Kantone sowie die Zentralschweiz haben die Vorlage zum größten Teil verworfen. Der Kamvs zwischen Föderalismus und Zentralismus, der in dem vorangegangenen Wahlfeldzua besonders stark in Erscheinung getreten war, ist somit zugunsten des Zentralismus entschieden worden. Für das Gesetz stimmten vor allem die Freisinnigen, die Sozialisten und die Kommunisten, während sich die Katholisch-Konserva-
Jn jedem Jahre, wenn der Sommer in Berlin seinen Einzug hält, erscheint ein kleines, unauffälliges Taschenbuch, das es aber gewaltig in sich hat: „Berlin in Zahlen." Es birgt wahre Köstlichkeiten. Denn wer möchte etwa nicht wissen, was alles in der deutschen Reichshauptstadt vor sich geht, so zum Beispiel, daß in ihr ständig über 100 000 Ausländer wohnen, an deren Spitze die Polen und die Tschechoslowaken (!) stehen? Oder daß in einer einzigen Straße Berlins, in der im Osten gelegenen Frankfurter Allee, 17 677 Personen wohnen, was der Einwohnerschaft einer deutschen Kleinstadt entspricht? Oder daß im Jahre 1937 nur 2600 „Alkoholfälle" polizeilich registriert wurden, was deshalb etwas verwunderlich ist, weil Berlin im letzten Jahre den zehnten Teil des gesamten deutschen Bierausstoßes braute, was auf den Maßstrich genau 400 Millionen Liter ausmachte. Aber nicht nur Bier braute die deutsche Reichshauptstadt in „rauhen Mengen", die einen Münchener neidisch machen können, sondern sie erntete auch 350000 Rentner Wiesenheu! Und das im Steinmeer Berlin! Jedoch so erfreulich diese Rohkosterzeugung auch sein mag, man fragt sich doch unwillkürlich: Was will Berlin mit einer solchen Unmenge Heu? Da niemand Antwort darauf zu geben vermag, bleibt nur die Hoffnung auf die nächstjährige Ausgabe des Taschenbuches des Statistischen Amtes der Reichshauptstadt, in der dann vielleicht eine Statistik darüber erscheint, wieviel — Ochsen* es in Berlin gibt.
An einem der letzten Sonntage hat die Berliner Polizei endlich wahr gemacht, was sie seit langem angedroht hatte. Fast 100 Verkehrssünder hatten vom Polizeipräsidium, Abteilung 3, Kraftoerkehrs- amt, eine „Einladung" erhalten, an einer Ver - kehrsunterrichtsstunde am Sonntagmorgen, pünktlich 8 Uhr, teilzunehmen. Da halfen keine Ausreden und kein Zuspätkommen, was sich besonders jene Verkehrssünder merken werden, die 40 Minuten zu spät kamen und die nun noch einmal „antreten" müssen. Wer gehörte nun zu diesen Verkehrssündern? Kurz gesagt: jung und alte, reich und arm, hoch und niedrig und — Mann und Frau! Rechtsanwälte saßen neben Kutschern, Arbeiter neben Ingenieuren, Fuhrherren neben Angestellten, und auch eine erkleckliche Zahl Beruss- chaufseure hatte sich einfinben müssen. Für die Frage „alt und jung" ergab sich, daß unter denen, die zum Besuch der Sonntagsschule „verdonnert
3opan warnt vor einer Besetzung Hainans durch fremde Truppen.
Tokio, 4. Juli. (DNB. Funkspruch. Ostasien- dienst.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes nahm heute zu Gerüchten Stellung, die von einer Besetzung der südlich von der Insel Hainan gelegenen Paracel-Gruppe durch franzo- ; fische und anamitische Truppen wissen wollten. Der Sprecher erklärte, daß die japanische 1 Regierung von einer Besetzung b i s h e r nicht . unterrichtet sei und auch keinerlei Nachrichten über eine solche Tatsache vorliegen habe. Aus alle Fälle werde aber die japanische Flotte Oie Dor- gängt im Bezirk von Hainan mit aller Aufmerksamkeit verfolgen und bereit fein, die au, den betreffenden Inseln ansässigen Japaner zu schützen. Japan werde nicht davor zurückschrecken, gegebenenfalls die fremden Truppen zu entwaffnen. Japan bestreite ganz entschieden dritten Staaten das Recht, die unter chinesischer Oberhoheit stehenden Inseln zu besetzen ober sonstwie in Anspruch zu nehmen.
Oie amerikanische Lustrüstung.
Neuyork, 2.Juli. (Europapreß.) Der amerikanische Kriegsminister hat mit einer Reihe amerikanischer Flugzeugfabriken VerträgezurLiefe- r un g von Flugzeugen abgeschlossen, die sich auf 14 443196 Dollar (rund 36 Millionen Mark) belaufen. Bei den Verträgen ist die Lieferung von 13 „fliegenden Festungen" vom Typ Boeing vorge- sehen. Flugzeuge dieses Typs, di- -in- Stundeng-- schwindiqkeit von 400 Kilometer entwickeln und mit sechs schweren Maschinengewehren ausgerüstet sind, hatten zu Beginn des Jahres tn 34 ^6stund en einen 6000-Kilometer-Flug bereinigte Staaten Buenos Aires und zurück ausgefuhrt. Mit diesen Bestellungen werden die Einheiten dieses Typs in ben Vereinigten Staaten auf 52 erhöht. Die zwett- wi ästigste Bestellung umfaßt 78 Douglas-Bomber, bie bie Einheiten dieses Typs m den Vereinigten Staaten auf 250 erhöhen.
5 Milliarden Hubel Zwangsanleihe für Sowjetrüstungen.
Warschau, 2. Juli. (DNB.) . In Moskau wurde die alljährlich fällige S o w j et an leihe aufgelegt. Es ist die Staatsanleihe des ersten wahres des dritten Fünfjahresplanes. Der Betrag ist erneut erhöht worden, und zwar gegenüber demVorjahr von vier auf fünf Milliarden Rubel. In der Aus- bringung der Zeichnungsbeträge hat sich nichts geändert. Es ist also wieder eine Zwangs anleihe, bie die Bevölkerung wie eine Steuer belastet. Leitartikel der mafcgebenben Sowjetblatttr geben zm daß auch dies« Anleihe dem weiteren Wachstum Oer
S o w j e t l a ri d e s v e r t e i d i g u n g ^ne. handelt sich also um neue Steuern für die Rüstungen Sowjetrußlands.
Einheitliches Strafrecht in der Schweiz
B-rn, Wuropapreß.) Das Sch«°iz-r- volk 5B°l’sab!ttmmung vom Sonntag d>- Vorlage Einführung
p i d g e n o s 11 s ch en Strafgesetzbuches bei einer durchschnittlichen Abstimmungsbeteiligung von
Schöner als alle Promenaden der Welt ist das Promenadendeck eines Ozeanriesen. Und erregender, als alle Vorgänge auf den „Brettern, bie die Welt bedeuten", ist das stündliche Geschehen auf den Decksplanken, das immer wechselt, wie die Szenerie auf einer Drehbühne.
Frühmorgens, wenn die Planken noch feucht sind vom Frühnebel, erscheinen die ersten Akteure. Es sind die I m m e r f o r s ch e n , die das faule Leben auf See mit einem wackeren Dauerlauf bekämpfen, und es sind die unverbesserlichen Schwärmer, die keinen Sonnenaufgang verpassen wollen. Wenn die anderen ausstehen, haben sie schon den ersten Akt hinter sich.
Nach dem ersten Frühstück kommen die Gewissenhaften. Sie machen mit Riesenschritten ihren unabdingbaren Verdauungsspaziergang, dreimal ums Schiff = ein Kilometer. Ob es stürmt oder weht, ob eine Hitze von 40 Grad schon am Vormittag alle anderen in die schattigsten Eckchen scheucht, sie wandern, wandern und niemand hält sie auf. Sv richt man sie an, so muß man entweder mit Riesenschritten neben ihnen herlaufen, ober sie wehren ab mit der lakonischen Erklärung: „Ich muß, sonst werde ich zu dick."
Nach und nach kommen die Faulen. Sie haben den besten Teil erwählt, aufahnenb sinken sie in den nächsten freien Liegestuhl, und da liegen ie dann, stundenlang, angeregt ober apathisch, je nach Veranlagung, unb lassen das Völkchen an sich vorbeitreiben. Alles trifft sich hier, man flirtet, man lacht unb zeigt sich. Letzteres ist die Spezialität der Damenwelt, die es sich angelegen fein läßt, jeden Tag neue Reize zu entwickeln. Es ist eine Dauer - modenschau, die der Liegestuhlinhaber täglich geboten bekommt. Unb in dem Maße, wie das Schiff sich südlichen Gefilden nähert und in ihnen verweilt, wird die Mode immer freigebiger bis hart an die Grenze des Paradiesischen. Kein Wunder, daß für manchen Beschauer der Vormittag gar nicht lang genug sein kann.
Das Promenadendeck ist die längste Läster- allee der Welt. Sie ist oval und hört deshalb gar nicht auf. Dabei ist es gleichgültig, wer über was lästert. Die Faulen lästern über die Vorüberwandelnden, und diese wiederum lästern über den Inhalt der Liegestühle. Dabei wirft man sich gegenseitig herzliche Blicke zu und versichert sich dadurch der aufrichtigen Zuneigung. Es wirb auch nicht etwa aus moralischen ober ähnlich gehässigen Gründen gelästert — sondern rein zum Zeitvertreib.
Dann kommt eine Zeit für die Krachmacher. Pünktlich wie der Wagen mit den Brötchen und der Fleischbrühe erscheinen sie an Deck, und schon beginnt der Umgang mit Gesang. Zuerst sind es drei oder vier, die ein Lied anstimmen und sich in Marsch setzen. Wie sollte das nicht ansteckend wirken? Der Rattenfänger von Hameln ist ein Waisenknabe gegen diese Anstifter. Im Nu hat sich ein Kometenschweif von singenden unb marschierenden Anhängern gebildet — er schwillt und schwillt und nun erzittern die Planken unter der Woge von Marschtritten und Gesang. Sogar die Ewigfaulen kommen ins Schwanken, der eine oder andere erhebt sich, wenn auch schwerfällig, unb schließt sich . an: „Wohlauf, bie Luft geht frisch und rein...
ist, sondern dem Willen der beiden Vol. f er entspreche. Der Duce überreichte dem Stabschef fein mit einer herzlichen Widmung versehenes Bild unb sprach ihm bie besten Wunsche für seine weitere Arbeit in der SA. unb für die Zusammenarbeit ber SA. unb der faschistischen Miliz aus. Stabschef Lutze hat sich am Samstag von Neapel aus an Bord des italienischen Zerstörers „Saetta" nach Capri begeben und am Nachmittag nach einer Rundfahrt im Golf von Neapel Pompeji besichtigt. Der Abordnung der SA. wurde überall ein außerordentlich herzlicher Empfang zuteil.
Türkische Truppen im Sandschak eingerückt.
Paris, 3. Juli. (Europapreß.) In Antiochia wurde am Sonntagmorgen die französisch-türkische Generalstabskonvention über die militärische Zusammenarbeit im Sandschak Alexandrette unterzeichnet für Frankreich durch den Dioisionsgene- ?al Huntzinger, Mitglied des Obersten Kriegsrats und Oberkommandierenden der Levantetruppen, für t>ie Türkei von General Haffim Gunduz, stellvertretenden Generalstabschef. Die beiderseitige Truppenstärke soll je 2500 Mann betragen. Die türkischen Truppen sollen in dem vorwiegend von Türken bewohnten nördlichen Teil des Sandschaks untergebracht werden, während die Stadt Antiochia je zur Hälfte von türkischen und französischen Truppen besetzt werden wird. Nach einer Meldung aus Istanbul sind die türkischen Truppen am Sonntagmittag im Sandschak Alexandrette einmarschiert. Die türkische Grenzbevölkerung des Sandschaks bereitete den einmarschierenden Truppen einen begeisterten Empfang; die Dörfer waren festlich geschmückt. Zu Ehren ber türkischen Soldaten wurden zahlreiche Schafe geschlachtet.
Frankreich und Ostasien.
Paris bestreitet Waffenlieferungen an China.
Paris, 2. Juli. (Europapreß.) Der französische Botschafter in Tokio, Henry, hat dem japanischen Außenminister Ugaki mitgeteilt, die französische Regierung habe auf Grund der in der japanischen Presse aufgetauchten Behauptungen, über Jndochina seien Waffen an Tschicmgkaischek geliefert worden, eingehende Untersuchungen angestellt. Diese Untersuchungen hätten ergeben, daß von französischer Seite keine Waffen an die chinefifchen Armeen geliefert worden feien.
Die Erörterungen des japanifch-französifchen Verhältnisses und die Befürchtungen, die Insel Hainan könne von den Japanern besetzt werden, hat in der französischen Presse erneut die Frage auftauchen lassen, ob für Jndochina ausreichende Derteidigungsmaßnahmen getroffen worden feien. Diese Frage wird von der Mehrzahl der Blätter verneint. Man verweist u. a. darauf, daß Frankreich zum Schutz seiner fernöstlichen Besitzungen weit geringere Seestreitkräfte unterhalte als beispielsweise Holland für feinen Kolonialbesitz. Frankreich als Großmacht dürfe sich im Fernen Osten aber nicht allein auf den Schutz Englands verlassen, sondern müsse auch hier England ein ebenbürtiger Partner sein. Wenn man die Entwicklung so weiter laufen lasse wie bisher, schreibt beispielsweise die „Republiguä", bann werbe Frankreich schon in wenigen Jahren zur Vertei- bigung des zweitgrößten Imperiums der Welt nur nob eine Flotte zur Verfügung haben, die an fünfter ober sechster Stelle stünde.
Nach Meldungen aus Mährisch-Ostrau finb sämtliche polnischen Blätter, die in der Tschecho-Slowakei erscheinen, beschlagnahmt worden. Der Führer der polnischen Minderheit in der Tschecho-Slowakei, Dr. Wolf, hat während der letzten Unterredung mit Hodza auf die Notwendigkeit einer radikalen Aenderung der Haltung der lokalen tschechischen Stellen gegenüber der polnischen Bevölkerung und der polnischen Presse hingewiesen..
Das Ergebnis der Voruntersuchung des Ueberfalles auf den Palast des brasilianischen Staatspräsidenten in ber Nacht zum 11. Mai stellt fest, daß ein A 11 e n t a t auf den Staatspräsidenten geplant gewesen sei. Als Anführer wird gegen den Leutnant Fournier Anklage erhoben. 22 Personen wurden als Mittäter bezeichnet. Gegen den Prinzen von Orleans und Braganza, der am 11. Mai in der Nähe des Präsidentenpalastes verhaftet worden war, istnichts ermittelt worden, so daß ber Verdacht seiner Teilnahme fallen gelassen worden ist.
Kunst und Wissenschaft.
Reichsführer ff Himmler regt eine Reuausgabe ber Werke klopsiocks an.
Im Zusammenhang mit ber Heinrich-Feier in Quedlinburg besuchte der Reichsführer ff Himmler, wie bereits gemeldet, das als Klopstock-Mu- feum eingerichtete Geburtshaus des Dichters. Nach einer eingehenden Besichtigung der Sammlungen und nach dem Vortrag einiger Werke des Dichters sprach ber Reichsführer ff den Wunsch nach einer Neuausgabe ber Werke Klopstocks aus. Der Anregung soll im Rahmen ber unter ber Schutzherrschaft des Reichserziehungsministers Rust stehen- ben Sammlung „Deutsche Literatur in Entwicklungsreihen" stattgegeben werben.
Aerztetagung in Alt-Rehse.
Vom 4. bis 11. Juli findet laut Melbung der NSK. in der Führerschule der Deutschen Aerzteschaft in Alt-Rehse eine Tagung der Reichsredner und der Sachbearbeiter für Biologische Medizin des Hauptamtes für Volksgesundheit statt. Auf ber Tagung werben ber Reichsärzseführer Dr. Wagner sowie Gauleiter Julius Streicher zu ben Fragen ber Gesunbheitsführung bes deutschen Volkes das Wort ergreifen. Weiter spricht der wissenschaftliche Leiter der Ausstellung „Gesundes Leben — Frohes Schaffen" Prof. Dr. P a k h e i f e r über die Durchführung der Reichsschau. Die Tagung vereint u. a. erstmalig die Aerzte des Hauptamtes für Volksgesundheit mit den Vertretern der Laienoerbände, die auf gesundheitlichem Gebiete tätig find und die vom Reichsärzteführer Dr. Wagner bei der Machtübernahme zur Mitarbeit im Sachverständigenbeirat für Volksgesundheit einberufen wurden.
Ausstellung „Strahlen und Heilkunde" in München.
In München wurde die unter der Schirmherrschaft von Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner stehende Ausstellung „Strahlen und Heilkunde München 19 3 8" eröffnet. Die Ausstel- lung gibt erstmals einen umfassenden Ueberblick über die in ben letzten 50 Jahren durch Wissenschaft und Forschung erschlossene Welt der Strahlen und ihre Anwendung. Sie zeigt Wesen, Wirkung und Anwendung der Lichtstrahlen, der radioaktiven Strahlen, der elektrischen Wellen und der Röntgenstrahlen. Der Ausstellung ist eine Jndustrieschau technisch-wissenschaftlichen Charakters angegliedert. Die Deutsche Röntgengesellschast hält vom 2. bis 7. Juli in der großen Tagungshalle der Ausstellung ihre 29. Tagung ab.
Tagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Bayreuth.
Die 16. Tagung ber Deutschen Ge- sellschast für Psychologie wurde in Bayreuth eröffnet. Der Vorsitzende, Professor Dr. E. Jaensch (Marburg), dankte Gauleiter Wächt- ler für die Hebern ahme der Schirmherrschaft. Dann legte Professor Jaensch zu Ehren Hans S ch e m m s einen prächtigen Lorbeerkranz nieder. Der kommissarische Reichsgeschäftsführer bes NSLB., Friebmann, hieß bie Tagungsteilnehmer willkommen. Professor Dr. Jaensch hielt dann einen grundlegenden Vortrag über das Thema „Wozu Psychologie?" Professor H. Volkert (Leipzig) sprach über den Einsatz der Psychologie in der deutschen Erziehung und Bildung, Professor O. Kroh (Tübingen) über „Psychologie im Dienste völkischer Erziehung" unb Professor O. Tumlir (Graz) über das Generationsproblem und die Jugenderziehung. Weiter kamen mehrere Redner mit Bei- trägen zur Heerespsychologie zu Wort.
Pirc siegle im Harzburger Schachturnier.
Am Sonntag ließ der Großdeutsche Schachdund in Bad Harzburg bie Schlußrunde des interna- t i o n a I e n Schachturniers uusrragen. Das Endergebnis lautet: 1. Pirc (Jugoslawien) 6>5 Punkte, 2. Bogoljubow (Triberg) 6, 3. Kie- ninger (Köln) 5%, 4. und 5. Eliskases (Innsbruck) und Hein icke (Hamburg) je 5 P., 6. und 7. Lokoe np (Wien) und Petrow (Lett-


