Ausgabe 
4.3.1938
 
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60 Jahre unabhängiges Bulgarien

Äon unterem L.-Serichiersiatier

Nachdruck, auch Mit Quellenangabe, verboten!

Sofia, 1. März 1938. (Durch Luftpost.)

In diesen Tagen wurden es 60 Jahre, daß zu der europäischen Staatenfamilie eine neue Nation hinzutrat: Am 3. März 1878 wurde im Frie­den von San Stefano, der dem russisch- türkischen Krieg nach der Entscheidungsschlacht am Schipka-Paß ein Ende bereitete, das bisher unter türkischer Herrschaft stehende Bulgarien als selbständiges Fürstentum anerkannt. Jener 3. März war der Geburtstag des heutigen Königreichs Bulgarien, das in rascher Folge der geschichtlichen Eregnisse aus einem von Rußlands Gnaden abhängigen Fürstentum zu einem der ak­tivsten und stärksten Staaten des europäischen Süd­ostens werden sollte. Obgleich die verschiedenen Kriege, die die junge Nation um die staatliche und völkische Einigung führte, teilweise unglücklich aus­liefen, liegt doch bei mancher Tragik der geschicht­lichen Entwicklung Bulgariens soviel heroische Le­bensauffassung in diesem kurzen Zeitraum von sechs Jahrzehnten, daß die Bulgaren diesen Jubi- läumstag ihrer staatlichen Unabhängigkeit mit Stolz feiern.

Fast ein halbes Jahrtausend schlummerte das bul­garische Volkstum unter Halbmond und Sultans­herrschaft. Das bulgarische Zarenreich, das einst an drei Meere die Äegäis, die Adria und das Schwarze Meer grenzte und denen sich zeitweise die Herrscher von Byzanz unterordnen mußten, war von den aus Asien eingedrungenen Türken von der Karte hinweggewischt worden, seine Bevölke­rung als Rajah als Herde im weiten Reich des türkischen Herrenvolks untergetaucht. Die tür­kische Herrschaftsform einerseits und das zähe Fest­halten des bulgarischen Bauernvolkes an seinem Eigenen andererseits brachten es mit sich, daß sich das bulgarische Volkstum 483 Jahre hindurch erhielt, wenn auch nur unter der Oberfläche wuchernd. Es war immer wieder zur Wiederauf­richtung seines eigenen staatlichen Jchs bereit, doch jahrhundertelang erstanden ihm keine Führer und Erwecker, die dem geknechteten Volk seinen alten Willen und Glauben zur staatlichen und völkischen Selbständigkeit Wiedergaben.

Europas Interesse wurde erst wieder auf diesen Raum gerichtet, als die Aufstände und Revolten der Bulgaren nach 1870 die kriselnden Zustände in der Türkei aller Welt offenbarten. Der Pansla­wismus setzte sich für die unterdrückten bulgari-. schen Brüder ein und nahm erstmalig aktive For­men an. Gleichzeitig begann auch das Intri­genspiel der Großmächte. Der Frieden von San Stefano brachte Bulgarien neben der nationalen Wiedergeburt zugleich das Danaer­geschenk der russischen Vormundschaft, das sich in dem Augenblicke verhängnisvoll bemerk­bar machte, al<5 sich Bulgarien anschickte, sich von dem russischen Einfluß freizumachen. Den Preis mußte Alexander von Battenberg, der erste Fürst Bulgariens, mit seiner Herrschaft be­zahlen; außerdem setzte Rußland in Verfolg seiner panslawistischen Ziele von nun an auf die Karte Serbiens. Der Exponent der selbständigen Politik Bulgariens war der Koburger Ferdinand, zu­nächst Fürst und später König von Bulganen. In unerhörter Kraftanstrengung wurde das Versäumte nachgeholt, wurden Schulen und sonstige Bildungs- anstalten errichtet, um die Bevölkerung an die west­liche Kultur und Zivilisation heranzuführen. Bald zeigten sich bei diesem aufnahmefähigen und be­reiten Volke die günstigsten Ergebnisse.

Die Epoche der friedlichen Aufbauarbeit wurde erst durch den glücklich ausgehenden e r st e n Bal­kankrieg unterbrochen, dem bald der zweite Balkankrieg mit einer Niederlage und drei Jahre später der Weltkrieg folgte. Dieser sah Bul­garien an der Seite der Mittelmächte. Schulter an Schulter kämpften deutsche und bulgarische Sol­daten auf der Balkanhalbinsel. Der unglückliche Ausgang des Weltkrieges mit seinem Diktat von Neuilly stellte die Selbständigkeit des jungen Staa­tes fast in Frage, riß ihm wertvolle Landes- und Volksteile ab und verpflichtete es zu unerhörten Tributzahlungen. Nur das gesunde und willens­starke Element des bulgarischen Volkes bewahrten das Land, das auch innenpolitisch und wirtschaft­lich mehrmals vor der Katastrophe stand, vor dem Zusammenbruch.

Als nach der Abdankung seines Vaters ausgangs des Weltkrieges König Boris den Thron be­stieg, sah er sich vor schwierigste Aufgaben gestellt. Mit umsichtiger politischer Klarheit und erstaun­licher Energie hat es jedoch der junge Monarch verstanden, das Staatsschiff seines Landes sicher durch alle Stürme zu lenken. Allen Lockungen der Kleinen Entente und der großen Siegermächte ge- genüber hat sich Bulgarien die Selbständig­keit seiner Außenpolitik stets bewahrt. Auch in den schwierigsten Nachkriegsjahren hat Bul­garien eine Außenpolitik verfolgt, die der Ehre der Nation, ihrer Vergangenheit und ihren Lebensinter­essen entsprach. Die Bulgaren hielten sich daher auch vom Balkanpakt fern, weil dieses Gebilde und Instrument des Status quo den fundamentalen Forderungen ihrer Außenpolitik nicht entsprach. Die im Jahre 1933 von den Herrschern Bulgariens und Jugoslawiens eingeleitete Verständigungspolitik Zwischen beiden Brüdervölkern hat die zwischenstaat­liche' Lage im Südosten entspannt und in den letz­ten Jahren immer mehr gefestigt.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht hat Bul­garien, das unter der Weltkrise stark zu leiden hatte, seit 1935 unverkennbar große Fortschritte gemacht. Bulgarien hielt sich allen wirtschaftlichen Donau­raumspekulationen gewisser Großmächte fern, stellte aber dagegen seine Landwirtschaft auf die neuen Gegebenheiten und Absatzmärkte der bulgarischen Ausfuhr ein. Die Agrarerzeugung und die Aus­fuhrmengen wuchsen von Jahr zu Jahr an und fanden ihrenHauptab nehmer in Deutsch- land, das mehr als die Hälfte der gesamten bul- garischen Ausfuhr seit Jahren aufnimmt. Gerade Deutschland ist es, das für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Bulgariens stets ein offenes Ohr hatte und zu seiner fortschreiterü)en wirtschaftlichen Konsolidierung den größten Beitrag geliefert hat.

Der bulgarische Staat und das bulgarische Volk rüsten sich für eine würdige Feier der 60. Wieder­kehr des Jahrestages ihrer Unabhängigkeit. Heber- all im Lande werden am 3. März militärische, kirchliche und Dolksfeiern stattfinden. Die Feiern sollen an Gepränge das vor zehn Jahren beaan- gene goldene Staatsjübiläum weitaus übertreffen. Das verflossene Jahrzehnt stand für die Entwick­lung dex bulgarischen Nation unter einem gün-

Ein deutscher Protest in Moskau.

Oie Reichsregierung fordert Schließung der Sowjetkonsulate in Königsberg und Hamburg.

Begründete Vergeltung.

Berlin, 3. März. (DNB.) Der deutsche Ge­schäftsträger in Moskau, Botschaftsrat von Tip­pe l s k i r ch, hat heute im Auftrage der Reichs­regierung dem Außenkommissariat in Moskau mitgeteilt, daß wir infolge fortgesetzter Schikanierungen unse­rer Konsulate in Kiew und Nowosi­birsk, die trotz wiederholter Vorstellungen bisher nicht abgestellt wurden, und die wir infolgedessen nur als bewußte Störungen unserer Kon­sulartätigkeit ansehen können, bis zum 15. Mai dieses Jahres die Schließung der Sowjet- konsulate in Königsberg und Ham­burg verlangen. Unsere Konsulate in Kiew und Nowosibirsk werden bis zum gleichen Termin liquidiert werden. Die gesamte Konsulartätig­keit für die Sowjetunion wird fortan auf die Konsularabteilung der Botschaft in Moskau übergehen.

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Wir haben hier schon im Januar darauf hinge- wiesen, daß Moskau die Schließung fremder Kon­sulate im Bereich der Sowjetunion aus ganz be­stimmten Gründen verfolgt. Die Sowjetmachthaber, eie ihr eigenes System und seine Methoden bis zum völligen Wahnwitz übersteigert haben, können an­gesichts der furchtbaren Auswirkungen dieses Systems und angesichts der zunehmend turbulenten Zustände im Inneren Rußlands ausländische Beobachter weniger denn je gebrau­chen, ganz gleich, ob es sich um Konsuln, Journa­

listen oderReisende zu Studienzwecken" handelt. Diese bezeichnende Scheu der Sowjets vor der Weltöffentlichkeit gilt naturgemäß ganz besonders für solche Bezirke, in denen entweder eine selbst für Sowjetbegriffe außergewöhnliche Verelendung infolge der 20jährigen Greuel auftritt, oder in denen militärische Bauten und Maßnahmen von unverkennbarem Offensivcharakter durchgeführt wer­den. Nach Moskauer Manier erreichte man die Schließung der fremdländischen Konsulate vor allem aus dem Wege fortgesetzter Schikanierungen.

Wenn jetzt Deutschland die Schließung der Sowjetkonsulate in Königsberg und Hamburg ver­langt und dabei eine bestimmte Frist zur Liquidie­rung ihrer Geschäfte ansetzt, so ist das lediglich ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit. Deutschland hat in Sowjetrußland früher außer der Moskauer Botschaft noch Generalkonsulate in Tiflis, Charkow und Leningrad sowie Konsulate in Kiew, Nowo­sibirsk, Odessa und Wladiwostok unterhalten. Das Generalkonsulat in Leningrad wurde bereits Mitte Januar ebenso wie andere Konsulate ge­schlossen. Die Konsulate in Kiew und Nowosibirsk werden jetzt geschlossen. Deutschland hatte mit­hin keinerlei Anlaß mehr, die obengenannten sowjet­russischen Konsulate noch länger auf deutschem Boden zu dulden. Nachdem nunmehr fast sämtliche fremden Konsulate aus Sowjetruhland verschwun­den sind, und nachdem die militärische Evakuierung in den westlichen Grenzgebieten Sowjetrußlands mit Hochdruck betrieben wird, werden die Sowjets in Zukunst sowohl bei der militärischen Vorberei­tung derWeltrevolution" als auch bei der weiteren blutigen Austragung ihrer inneren Kämpfe so gut wie ganz unter sich sein. B. D.

Frankreich am Scheidewege.

»Wir müssen wissen, mit wem wir gehen wollend

Em Appell Flandms an die Vernunft der Franzosen.

Paris, 4. VJlätd. (DNB.) Der ehemalige Mi­nisterpräsident Flandin hielt einen Vortrag über das ThemaWeder Krieg noch Demüti- g u n g". Er stellte fest, daß die dynamische Entwick­lung in Deutschland und Italien diese Staaten nicht mit Frankreich zu einem Konflikt drängen müsse, Ministerpräsident Chamberlain werde diese Mei­nung teilen. Als ich in den Kammerreden der Re- gierungsvertreter die Lobgesänge und die Ergeben­heitserklärungen an die Genfer Liga, die kollektive Sicherheit und die Beistandspakte vernahm, hatte ich den Eindruck einer Totenwache in einem Sterbezimmer. Wir müssen wissen, was wir wollen und mit wem wir gehen sollen. Eine Politik, die die Demokratie gegen die ai^oritativen Staaten ausspielen und den Eintritt der Kommunisten in die französische Regierung predigen will, i st nur Sowjetpolitik und führt zum Kriege. Sie steht zur Politik Chamberlains im Gegensatz, der erklärt, daß die Genfer Liga in ihrer heutigen Form für niemanden kollektive Si­cherheit gewährt. Diejenigen, die nicht wahrneh­men, daß die ganze Aktion der Komintern auf die Schaffung eines europäischen Krieges gerichtet sei, müssen blind sein.

Wer repräsentiert heute in Frankreich die wahre französische Tradition? Sind es diejenigen, die das Land in den Krieg führen wollen oder sind es die­jenigen, die ein starkes Frankreich erstreben, das

seine Interessen ohne Großsprecherei vertritt, die Arbeiter und Dauern dem Einfluß der Agenten des Bürgerkrieges entreißt und das nationale Erbgut verteidigt, indem es sich weigert, blutige Abenteuer einzugehen. Die Größe und die Zukunft der fran­zösischen Nation sind heute mehr denn je an sein Weltreich geknüpft. Es würde verbrecherisch und verrückt sein, dieses Reich dadurch in Gefahr zu bringen, daß man die Kräfte Frankreichs i n d e n Dien st von Interessen stellt, die nicht die s e i n i g e n sind.

Wo bleibt Moskaus VündmsMgkeit?

Paris, 4. März. (DNB. Funkspruch.) Die JournSe Industrielle" wirst im Zusammenhang mit der innerpolitischen Lage in Sowjetrußland die Frage auf, welchen Wert die sowjetrus­sische Unterstützung im Kriegsfälle für Frankreich noch haben könne. Es sei unmöglich, die Frage der Landesverteidigung mit hohen Offizieren und Diplomaten zu besprechen, die sich später, wie man in Moskau mitteilt, als Agenten des Auslandes entpuppten. Man könne nicht auf ein Land rechnen, dessen polittsche und militärische Organisation zusammenzubrechen drohe, weil sie vorher durch Verrat untergraben worden sei. Die Untersuchung dieser Frage durch die fran­zösische Regierung könne natürlich nicht vor aller Öffentlichkeit geschehen, sei aber dringend not­wendig.

stigen Stern, im Zeichen eines neuen nationalen und völkischen Aufbruchs. So wie König Boris durch die Taufe des Thronfolgers im vergangenen Jahre auf den stolzesten Namen altbulgarischer Ge­schichte, des Zaren Simeon, bewußt an eine glorreiche und heldische Vergangenheit anknüpft, so ist diese Tradition auch dem ganzen Volke heut mehr denn je Vorbild und Ansporn zu einer neuen glücklicheren Zukunft.

Bulgariens Unabhängigkeitsfeier.

Sofia, 3. März. (DNB.) Der 60. Jahrestag des Friedens von San Stefano, der den rus­sisch-türkischen Krieg 1878 beendete und Bulgarien die Selbständigkeit als Fürstentum brachte, wurde im ganzen Lande festlich begangen. Dem Te Deurn in Sofia wohnten ein Beauftragter des Königs, die Regierung und obersten Behörden bei. Teilnehmer an dem bulgarischen Aufstand gegen die Türkenherrschaft, der den russisch-türkischen Krieg eingeleitet hatte, wurden bei den Feierlichkeiten als Veteranen des Freiheitskrieges geehrt.

O.e Totenfeier für d'Annunz'o.

Rom, 3. März. (DNB.) Ganz Italien, geführt vom Duce, hat in Gardone von Gabriele d'Annunzio Abschied genommen. Alle politi­schen und kulturellen Gliederungen der Faschisti- schen Partei waren bei dem Staatsbegräbnis ver­treten. Der König hat sich durch den Herzog von Bergamo vertreten lassen. Die Mitglieder der Re­gierung waren fast vollzählig zur Feier erschienen, ebenso sämtliche Mitglieder der Königlichen Ita­lienischen Akademie. Senat und Kammer haben ihre Abordnungen unter Führung des Präsidenten Federzoni und Graf Ciano entsandt. Eine Abordnung von Pescara, der Geburtsstadt des Dichters, gab dem Dichter den Lorbeer und eine Urne voll Erde vom Grabe seiner Mutter mit in den Sarg. Danach wurde in Anwesenheit des Duce der Sarg geschlossen und nach der Einsegnung in der Pfarrkirche auf einer Geschützlafette auf die Höhe Colle Maschio übergeführt, wo Mussolini zu Ehren seines toten Kameraden den faschistischen Appell vornahm. Tausende antworteten bei dem Namensaufruf des Toten mit ,J)ier".

Bolschewistische Milizen meutern.

Burgos, 4. März. (DNB. Funkspruch.) Die durch di« Niederlage von Teruel ausgeloste schwere Krise in den Rechen der Bolschewisten macht sich immer stärker bemerkbar. Die Zahl der roten Heb'erlaufet steigt weiter an allen Fronten, "klein an der Aragon-Front liefen während der letzten 24 Stunden wieder über 100 Milizen zu den Nationalen über. Sie machten interessante Aus­sagen über die zunehmenden Meutereien

unter den bolschewistischen Heerhaufen. Sogar die BrigadenDimitrvff" undLister", die zu 50 v. H. aus Ausländern zusammengesetzt sind, hätten sich geweigert, an die Front zu gehen. ZweiOffiziere" seien erschossen worden, weil sie sich geweigert hätten, ihre Leute sinnlos als Kanonenfutter zu vergeuden. Eine Division sei wegen ihrer aufsässigen Haltung neu organisiert worden, eine große Anzahl von Anarchosyndikalisten seien durch Sowjetrussen, Tschechen und Franzosen ersetzt worden.

Aussprache des Führers und Reichs­kanzlers mit dem britischen Botschafter

Berlin, 3. März. (DNB.) Der Iührer und Reichskanzler empfing heule den britischen Botschafter Sir Neville Henderson zu einer allgemeinen Aussprache über die beide Länder betreffenden Fragen.

Der amerilanische Votschaster überreichtseinVeglaubigungffchreiben Wahrung und Ausbau

der freundschaftlichen Beziehungen."

Berlin, 3. März. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing den neuernannten Bot­schafter der Bereinigten Staaten von Amerika, Hugh R. Wilson, zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Der Boffchafter wurde unter dem üblichen Zeremoniell zumSjaus des Reichspräsidenten" geleitet. Er überreichte die Hand­schreiben des Präsidenten Roosevett dem Führer und Reichskanzler mit einer Rede in englischer Sprache, in der er erklärte: Ich freue mich darauf, nun ein drittes M a l in diesem Lande zu leben, und es ist mein ernstlicher Wunsch, daß die Wahrung und der Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen und der Bande, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, während meines Aufent­haltes in Deutschland vertieft und gestärkt werden mögen.

Der Führer und Reichskanzler erwi­derte: Mit lebhafter Genugtuung begrüße ich es, daß Sie, Herr Botschafter, den ernstlichen Wunsch zum Ausdruck brachten, die freundschaftlichen Be­ziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, während Ihres Aufenthclltes in Deutsch- land zu verttefen und zu stärken. Der Umstand, daß Sie nicht zum ersten Male nach Deutschland kommen, und daß Sie das deutsche Volk aus Ihrer früheren diplomatischen Tätigkeit kennen, wird Ihnen Ihr Bestreben, dem gegenseitigen Verständ- nis der beiden Völker zu dienen, wesentlich erleich­tern. Hieran schloß sich eine längere Unterhal­

tung. Nach dem Empfang schritt der Führer und Reichskanzler die Front der im Ehrenhof ausge­stellten Ehrenkompanie ab, wobei er von der in der Wilhelmstraße versammelten Menge herz­lich begrüßt wurde.

Roosevelts Flottenvorlage imMrineausschußangenommen

Washington, 3. März. (DNB.) Nach wochen- langen Beratungen nahm der Marineausschuß des Abgeordnetenhauses die F l o 11 e n v o r l a g e der Regierung mit 20 gegen 3 Stimmen an. Ein Zusatz­antrag legt die Regierung auf die Unterhaltung einer genügend starken Flotte zum Schutz der atlantischen wie der pazifischen Küste fest, um gegen einen gleichzeitigen Angriff auf beide Küsten gerüstet zu sein. Eine weitere Bestimmung fordert den Ausbau der Werftanlagen an der pazifischen Küste. Die Vorlage ermächtigt die Bundesregierung zum Bau von insgesamt 46 Kriegsschiffen über die im ordentlichen Haushalt bereits bewilligten Fahrzeuge hinaus. Vorgesehen sind drei Schlachtschiffe, zwei Flugzeug­träger, neun Kreuzer, 23 Zerstörer, neun U-Boote, 22 Hilfsfahrzeuge und 950 Seeflugzeuge. Mit diesem Bauprogramm erfährt die amerikanische Flotte eine 20prozentige Erhöhung ihrer Kampf- stä r ke.

Englands Nüstnngssorgen.

Die finanzielle Seite.

Der fehlende Rekrutennachwuchs.

London, 4. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Times" stellt fest, daß die ursprünglich angesetzten Kosten des gesamten Rüstungspro- gramms von 1,5 Milliarden Pfund (18 Milliar­den Reichsmark) sicher überschritten werden müßten, falls die Lage sich nicht ändere. Freunde von Sicherheit und Frieden würden das als Be­ruhigung empfinden. Aber sei es unter finanziellen Gesichtspunkten nicht beängstigend? 1938/39 würden sich d i e gesamten Staatskosten ohne Be­rücksichtigung des Postministeriums auf rund 1,02 Milliarden Pfund belaufen, die sich durch Anleihen auf rund 930 Pfund ermäßigten. Es bliebe somit ein Fehlbetrag von 40 bis 50 Millio­nen Pfund (480 bis 600 Millionen Reichsmark). Der Fehlbetrag dürfe nicht auf Kosten der indu­striellen Betätigung gedeckt werden. Von ihr leite die Nation die Hoffnung ab, die finanzielle Bürde weiter leicht tragen zu können.

DerDaily Telegraph" drückt seine Sorge über den Rekrutennachwuchs für die Armee aus. Die Zahl neuer Rekruten für die reguläre Armee für 1936/37 dürfte sich auf nur 22 800 Mann belaufen. Die voraussichtliche Rekrutenziffer für 1937/38 auch nur auf 28 500. Die Zahl der aus­scheidenden Soldaten werde jedoch 32 000 betragen. Das Defizit von 1200 Offizieren und 22 000 Mann nehme hiermit ständig zu. Man brauche etwa 60 000 Mann, während man zur Zeit noch nicht einmal 30 000 Mann für die reguläre Armee bekomme.

Ausländische Greuelmärchen schnell widerlegt.

Wie Ossietzky von seinem Vertrauensmann begaunert wurde.

Berlin, 3. März. (DNB.) Arn Donnerstag- Dormittag wurde vor dem Berliner Schöffengericht die Verhandlung gegen den 51jährigen Dr. Kurt Wannow fortgesetzt, den der salonbolschewistische Schreiberling Karl von Ossietzky als Ver­trauensmann für den ihm als Demonstration gegen das nationalsozialistische Deutschland zuerkannten Friedens-Nobelpreis eingesetzt hatte. Wan­now hatte den größten Teil dieses Preises in Höhe von mehr als 100 000 Mark unterschlagen. Ossietzky als Zeuge erklärte, den Angeklagten Dr. Wannow zuerst für einen Rechtsanwalt gehalten zu haben. Nachdem er erkannt habe, daß sein Ver­trauensmann ein Schwindler war, habe er seinen Arzt Dr. D. um Rat gebeten. Dr. D. sei es dann gewesen, der die Geheime Staats­polizei in Kenntnis gesetzt habe. Die Polizei habe dann sofort den noch vorhandenen Rest von 16 500 Mark sichergestellt und sich um die Wieder­beschaffung der von Wannow veruntreuten Gelder bemüht. So seien von 40 000 Mark, die der Angeklagte seiner 17jährigen Geliebten zugesteckt hatte, 30 000 Mark durch die Geheime Staatspolizei ü r Ossietzky gerettet worden. Bemerkens­wert fft die Tatsache, daß dem Preisttäger seitens der deutschen Finanzbehörde sogar die Schen- fungsfteuer erlassen worden fft, obgleich dazu eigentlich gar keine Veranlassung vorlag.

Gegenüber Greuelnachrichten in der Auslands­presse, in denen behauptet worden war, daß der Angeklagte Wannow im Auftrage der Poli- z e i dem Preisträger Ossietzky das Geld vorenthalten habe, stellte ein Beamter der Geheimen Staats­polizei fest, daß die Staatspolizei erst durch diese Auslandshetze auf Wannow aufmerksam geworden sei und daß sie ihn sofort in Haft genommen habe, als sich herausstellte, daß der Angeklagte sich fälschlich als Rechtsanwalt ausgab. In dem Karlsbader Sudelblättchen emigrierter JudenNeuer Vorwärts" fand sich zur gleichen Zeit, in der sich die deutsche Polizei darum be­mühte, dem begaunerten Ossietzky zu helfen, folgen­der Beicht:Ossietzky wird zu Schanden gemartert und von seinen Peinigern mit kriminellen Mitteln um seinen Preis gebracht, weil er Menschheits­ideale nicht verraten will. Der ihm Auge teilte Preis verschwindet in den Kassen der Geheimen Staats­polizei." Dieses Pamphlet war bezeichnenderweise am nächsten Tage auch in anderen aus­ländischen Blättern zu finden eine Tat- fache, die lebhaftes Kopfschütteln bei den im Oe» nichtssaal anwesenden Auslandsjournalfften auslöste.

Ho< Verräter hingerichtet.

B e r I i n , 4. März. (DNB. Funkspruch.) Der vom Volksgerichtshof am 16. August 1937 wegen Dorbereitungeineshochverräterischen Unternehmens zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilte 32 Jahre aüe Ewald Funke aus Wuppertal-Elberfeld ist am Frettagmorgen h i n- gerichtet worden. Der Verurteilte hatte Im 21 uf« trage ausländischer Stellen der Ko­mintern versucht, in einer Großstadt Süddeuffch- lanbs eine kommunistische Organisation aufzurichten. Seine Verhaftung im Mai 1936 hat (einem Treiben ein Ziel gesetzt.