Ausgabe 
4.3.1938
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 53 Erstes Blatt

188. Jahrgang

§reitag,4-MärzM8

tri (Demi «äq Md), autzer Lonniaqs und ^eteriags Beilagen Dir Jlluftrierte (Biesenei ^amthenbldttei Heimai mBild Dieödjofl»

Monat» Vezugrpretr:

Mtt 4 'Beilagen NM I 95 Ohne .Uluftrierte . I 80 Zustellgebühr , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höhere» (Bemalt jierntvrechanschlüste anter Sammelnummer 2251 Anlchrifi tüt Drahinach» richten Hnjetger Steste» postschedtonlo:

KrenNurt am Main 11688

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühlsche Untverfitdlsörucferei R. Lange in Gießen. Schristle inng und Geschäftsstelle: Schulstraste 7

Annahme oon Anzetaen für Oie 'Dhttagsnummer bis8 ,,Uhr öesBormittaqs

(Brunöpretle für i mm höhe

für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Npf., für Iext­anzeigen oon 70mm Breite 5ONps.,'DlatzoorichriN nach oorb Dereinbg 25" n mehr.

Ermäßigte Srundpretfe:

Stellen-., Bereins», gemein­nützige Anzeigen lomie ein­spaltige Gelegenheltsonzei- gen 5 Npf., Familienanzet» gen,Bäder-, Unterricht-.» u. behördliche AnzeigenbNpf. Blengenabschlüsse Staffel B

Das entscheidende Filmjahr 4937."

vrüfideni Giaaisminister profeffor Lehnich eröffnet die Lahrestagung der Reichsfilmkammer.

Berlin, 3. März. (DNB.) In der Krolloper wurde die Jahrestagung der Reichsfilrn- k a m m e r in Gegenwart von Vertretern der Mi­nisterien und der Partei sowie Angehörigen aller Gruppen des Filmschaffens durch den Präsidenten der Kammer,

Siaaisminister a. D. Prof. Lehnich

eröffnet. Vor einem Jahr, auf der ersten Jahres­tagung wurde von Reichsminister Dr. Goebbels der Filmziroduktion, der Filmw'rtschaft und allen Filmschaffenden ein umfangreiches grundsätzliches Programm vorgetragen. Nach diesen Grundsätzen hat der deutsche Film im vergangenen Jahr ge­arbeitet. und der Erfolg des letztjährigen Schaffens hat bewiesen, daß er auf dem richtigen Wege ist. So konnte Präsident Lehnich das vergangene Jahr als das bedeutungsvollste des deutschen Films be­zeichnen. Er zeigte die Wege auf, die zur Gesun­dung des deutschen Filmes gegangen werden muß­ten. Eine der vornehmsten. Aufgaben der Reichsfilm- kammer fei eine positive Betreuung der Kammermitglieder. Ein bedeutungsvolles Gebiet im deutschen Film sei die Urheber- re ch t s f o r m , wozu die Vorarbeiten im wesent­lichen abgeschlossen seien. Auf filmtechnischem Gebiet werde mit Nachdruck gearbeitet. Mit dem struktu­rellen Umbau des deutschen Filmes sei auch die Möglichkeit gegeben, eine wirksame Planung der deutschen Filmproduktton durchzu- te. Weiter konnte ein schwieriges Problem in f genommen werden: die Planung des K u l- turfilmschaffens.

Präsident Lehnich gab dann einige Zahlen über die Entwicklung und die Erfolge des deut­schen Filmes im Jahre 1 9 3 7 bekannt:

Seit der erften Zabrestagung der Reichsfilm­kammer im März 1937 kamen insgesamt 91

deutsche Filme zur Uraufführung, davon wur­den 24 mit Prädikaten ausgezeichnet, zwei er­hielten das PrädikatStaatspolitifch und künst­lerisch besonders wertvoll" (Der Herrscher" undUrlaub auf Ehrenwort"), sechs das Prä­dikatStaatspolitisch und künstlerisch wertvoll" und sechzehn Filme das Prädikatkünstlerisch wertvoll".

Die qualitative höhe des deutschen Kultur- und Werbefilms finde allgemein die höchste Anerken­nung im In- und Auslande Eine ganze Reihe die­ser Filme wurde mit Prädikaten ausgezeichnet. Der Umsatz betrug im Jahre 1937 über 300 Millionen Mark gegen rund 17.6 Millionen Mark im Jahre 1932. Die Zahl der Filmtheaterbesucher beläuft sich auf über 400 Millionen gegenüber 237 Millionen im Jahre 1932.

Wenn das Ausland sich in den ersten Jahren nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus noch gestatten konnte, auf den deutschen Film zu verzichten, so liegt das heute anders

Fassen wir die Regelung unserer Auslands­beziehungen im Zusammenhang ins Auge, dann sehen wir, daß die Beziehungen sich ständig erweitern und daß dadurch die Stellung des deutschen Films auf dem Weltmarkt immer fester wird. Die Summe aus dem Export deut­scher Filme hat im Jahre 1937 die höhe von 7,6 Millionen erreicht und weist gegenüber den Vorjahren eine Steigerung von etwa einer Million auf.

Präsident Lehnich schloß mit den Worten: Mit tiefer Befriedigung sehen wir, in wie starkem Maße der deutsche Film'zu Deutschlands Weltgeltung bei­trägt Ueberblitfen wir noch emmal die Ereignisse des vergangenen Jahres, so ist festzustellen, daß mir

mit Recht von dem entscheidenden Filmjahr 1937 sprechen können.

Zum Schluß hielt

(Sp.eUeifor Karl Ziffer

einen VortragVom Wesen echter Filmkunst", in dem er u a. darauf hinwies, daß sich die Filmkunst heute nicht mehr nach den Richtlinien der Wirt­schaftler, nicht nach dem vermuteten Geschmack eines vermuteten Publikums, sondern einzig und allein nach den Erwartungen des Staates zu richten habe Der Film im neuen Deutschland müsse von F'lrn- künstlern und nicht oon Geschäftsmännern gemacht werden, das erwarte der Staat und mit ihm das immer feinfühliger werdende Volk Der Film fei zwar ein echtes Kind unseres technischen Zeitalters, aber das Primäre rnüsie immer das Künstlerische : bleiben. Die größte Verpflichtung aber liege in dem außerordentlichen Interesse, das der F ü hr e r dem Film entgegenbringe.

Das A u ste aus der Filmtechnik.

Im Rahmen der Jahrestagung der Reichsfilmkammer findet in der Krolloper eine filmtechnische Schau statt, die über die neuesten Erzeugnisse auf dem Gebiet der Filmtech­nik unterrichtet. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Mndellfchau der Fachgruppe Filmtheater. Zahlreiche Modelle zeigen das Streben, schon in der äußeren Gestaltung des modernen Lichtspiel­theaters die kulturelle Bedeutung des Films zu unterstreichen. In der kinotechnischen Schau führen maßgebende Firmen ihre neuesten Apparaturen vor, deren technische Vollkommenheit durch die Ver­leidung zahlreicher Grands Prix auf der Pariser Weltausstellung internationale Anerkennung gefun­den hat. hier wird auf allen Gebieten der neueste Stand der Entwicklung gezeigt.

Lieber raschen der Umfall Krestinskis.

weiter herauszuholen ist, muß der reumütige Krestinski jetzt mit neuenGeständnissen" her­halten. Krestinski erklärt auf Drängen des Staats­anwalts, daß ihm Trotzki bei der Zusammenkunft in Meran (die er nun plötzlich zugibt) bereits im Jahre 1933 auf Tuchatschewski aufmerksam gemacht und ihn auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, eine militärische Gruppe in dieVerschwö­rung" einzubeziehen. Krestinski will daraufhin mit Tuchatschewski Fühlung genommen haben, der sich ganz positiv zu den Anregunaen Trotzkis eingestellt hätte. Noch in den Jahren 1936 und 1937 will Kre­stinski mit Tuchatschewski mehrfach ver­handelt haben. Seit Ende 1936 habe jedoch Tuchatschewski auf eine Beschleunigung des Umsturzes hingearbeitet, ohne mehr den Fall ein-s Krieges gegen die Sowjetunion abwarten zu wol­len. da die Verschwörer, durch die ersten Vroz"sse gewarnt, ihre Entlarvung fürchteten. Mit die­sen Aussagen Krestinskis erklärt sich der Staats­anwalt und der Gerichtsvarsitzende befriedigt.

politische'- ^o6i»mu«.

DD Berlin, 3. Mörz 1938.

Eine grundsätzliche Feststellung als Ausgangs­punkt einiger Betrachtungen zu dem Moskauer Prozeß". Es gibt nur zwei Möalichkeiten: ent­weder diese Angeklagten wie ihre Vorgänger aus allen bisherigen Schaaprozesien und Derfabrenslofm Erschießungen haben diese Verbrechen der kindisch dummen Anklage begangen dann folgt dar­aus, daß das gesamte Sowietsystem bis in seine obersten Spitzen hinein ein Pfuhl beispiel­loser Korruption und Verbrecher­mentalität ist: oder die Angeklagten haben die Verbrechen n i ch t begangen dann sind die (augenblicklichen!!) Machthaber zum 100 000. Male als gemeingefährliche Verbrecher ent­larvt und es ergibt sich für den gesamten S->w- jetrummel genau die gleiche Schlußfolgerung wie oben In jedem Fall also stellt sich das jüdisch­marxistische Sowjetsristem einschließlich feiner Trä­ger als eine internationale Gangster-Organisation größten Ausmaßes in der Maskerade eines , Staa­tes" dar. Geoen internationale Schwerverbrecher von gemeingefährlicher Wirksamkeit gibt es zwi­schenstaatliche Abmachungen, auf Grund derer die Polizeibehörden der angeschlossenen Kulturländer zur Unschädlichmachung solcher Verbrecher mit nachweisbarem Erfolg Zusammenarbeiten Von einer solchen Zusammenarbeit der Kulturstaaten hat

*

,, -

veln, sondern vielmehr als Politiker zu er­scheinen, der zwar zu illegalen Methoden greifen

Staatsangehörigkeit zu erwerben und in die sozicr

offenbar das gramm der

gab nicht

der Sowjetregierung vorbereitet. Rykow jedoch nicht an, weshalb dieser Plan sich verwirklichen ließe.

Im zweiten Teil seiner Aussagen sollte

Rykow Pro - besten

mußte, ein bestimmtes Programm befolgte. Wenn Rykow, vom Staatsanwalt bedrängt, sich alsVer­brecher" bezeichnen muß, so tut er es mit geradezu verblüffendem Galgenhumor. Die Tätigkeit der Rechtsoppofition habe er, ferner Bucharin, Tomski (der bereits 1936 durch Selbstmord endete) und andere geleitet. Sie hättenOppositionsgrup­pen" an zahlreichen Orten des Landes gebildet.

In Verbindung mit der Rechtsopposition hätte auch der frühere stellvertretende Vorsitzende des Volkskommissarenrates, Antipow, gestanden.

bann will man natürlich dort solche Erklärungen und Selbstbezichtigungen nicht gerne haben, wie sie der politische Sadismus dort in Moskau bet

befehl. Sein zweiter Nachfolger, der Botschafter Genosse Sturitz, ließ sich in der Pariser Sowjetbot­schaft mit Zeitmangel entschuldigen, als der ehren«

diesem sog. Prozeß wieder einmal oorträgt. Wie lästig! Wie störend? Denn schließlich werden duich diese gebündelten Sowjetskandale nicht nur die Bundesgenossen und Freunde im Kreml als Ab­

schaum der Menschheit erneut bloßgestellt, sondern solche Affären können natürlich nicht ohne Rück­wirkung auf das eigene Prestige der mit den

man außerhalb der Dreimächtegruppe des Anti- komintern-Paktes noch nichts gehört. Im Gegenteil. Große Kulturstaaten, in Westeuropa vor allem, ar­beiten mit der internationalen Verbrecherorganisa­tion im Osten zusammen und bescheinigen sich setzt gegenseitig ihre gutbürgerliche Entrüstung über die Moskauer Justiztragikomödie. Als wenn diese Mos­kauer Methoden mit ihren drei bis fünf Millionen Ermordeter und Verhungerter nicht schon feit zwan­zig Jahren jedem älteren Schuljungen bekannt wären.

Die bolschewistische Inquisition ist von einer mit­leiderregenden Dummheit und Geistesarmut. Nicht einmal ihre westeuropäischen Freunde werden den Sowjets groteske Albernheiten glauben wie die. daß nationalsozialistische Politiker" sich mit politischen und kriminellen Schwerverbrechern bolschewistischer Sorte in irgendwelche Verhandlungen einlassen. Oder daß ein Krestinski die Ehre gehabt haben sollte, von deutschen Generälen zu höchst vertrau­lichen Verhandlungen empfangen zu werden. Nie­mand könnte sich nach solchen Albernheiten noch wundern, wenn der Verbrecherhäuptling Stalin sich eines Tages selbst beschuldigen wollte, er sei zur Anzettelung einer Attentatsverschwörung gegen Stalin bestächen worden...

Spaß muß sein. Und so haben alle möglichen marxistischen Verbände aus Westeuropa, darunter auch die übel bekannte Organisation zur Befreiung von Mördern, Sittlichkeitsverbrechern usw. aus den Händen der Justiz, dieLiga für Menschen­rechte", Telegramme und Protestresoluionen an die Moskauern Adresse zu leiten versucht. Diese Narren spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Sie haben seit zwanzig Jahren dem Bolschewismus direkt oder indirekt Hilfsstellung gegeben, haben nie einen Finger für die Millionen der Gemorde­ten gerührt, haben nicht das geringste gegen die viehischen Greuel des Sowjetkrieges in Spanien zu tun gewußt und bilden sich anscheinend ernstlich ein, ihre lächerlichen Papierproteste kämen überhaupt bis in die Büros des Kreml! Keine Hoffnung mehr für den intimen Freund des französischen Senators und Deutschlandhassers de Monzie, den Angeklagten

K r e st i n s k i. (Scherl-M.)

Bereits feit 1929 sei ferner Jagoda als Ehef der GPU. in Beziehung zu der Rechtsopposition getreten und habe feine schützende Hand über sie gehalten, ja ihr sogar wertvolle Informationen geliefert. Jagoda bestätigt die Erklärungen Rykows. Der Staatsanwalt befragt Jagoda weiter, ob er sich darüber klar fei, daß damit bereits ein hochverräterischer A k t von ihm als dem damaligen Leiter der GPU. be­gangen worden fei, wozu sich Jagoda mit einem nackten3a bekennt.

1930 bis 1933 sei, so fährt darauf Rykow fort, die Rechtsopposition allmählich zu schärferen Methoden des Kampfes gegen die Regierungspolitik übergegangen durch Gewaltmaßnahmen wie Ter­ror und Äusstandsbewegungen, ferner durch die Konzentration aller dem Regime feindlich gesinnter Kräfte wie z. B. der Trotzkisten, der Smowjewisten, der Ueberrefte der Sozialrevolutionäre und natio­naler Elemente in den verschiedensten Nationa­lität e n g e b i e t e n der Sowjetunion. In diesen Jahren der durch die Koll-ktivisierungsvolitik Sta­lins heroorgerufenen furchtbaren Erschütterungen

außenpolitische"

Verschwörer" zum

Oie GPLl Hai ihr Opfer gefiändnisbereit gemacht. Rykow über Üte Verbindung der RechtsOpposition" mit den militärischenVerschwörern".

der Sowjetunion habe die Rechtsopposition im Nordkaukasus und in Sibirien Bauern- aufftänöe angefacht, um mit offenem Aufruhr die Regierung niederzuwerfen. Damals habe die Op­position auch zum industriellen Terror gegriffen.

3m 3ahre 1932 seien bereits von der Rechts­opposition,gesteht" Rykow weiter, Atten­tate auf Statin und kaganowitsch versucht worden. 1934 jedoch sei die größte Verschwörung gegen die Regierung unternom­men worden, welche die Geschichte der Rechts­opposition zu verzeichnen habe, von den Lei­tern der Opposition dirigiert, vom G P U. - Ehef 3 a g o b a unterstützt und mit Wis­sen der Armeeführer Tuchalschew- s k i, Uberewitsch und anderen hatte der da­malige Kommandant des Kremls, Peterson, der Stadtkommandant von Moskau, ©erbat- fchow, und der Ehef der im Kremt stationier­ten Kriegsschule einen Gewalt st reich gegen Stalin und die übrigen Mitglieder

der Staatsanwalt nunmehr Krestinski auf­fordert, sich zu den Erklärungen Rakowskis zu äußern. Leichenblaß und wankend tritt Kre­stinski ein anderer Krestinski als der von Mittwoch ans Mikrophon und erklärt mit zitternder Stimme, daß seine gestrigen Aussagen fatsch gewesen seien! Das Gefühl einer falschen Scham, die furchtbare Er­regung, fid/ plötzlich im öffentlichen Prozeß auf der Anklagebank zu befinden und schließlich fein schwer angegriffener Gesundheitszustand hätten ihn angeblich dazu veranlaßt, vor Ge­richt feine Zugehörigkeit zu derVerfchwörung" zu leugnen.3ch konnte es gestern nicht über mich bringen, fo erklärt Krestinski jetzt,es ging über meine Kräfte, vor der Weltöffentlich­keit die Wahrheit zu sagen. Nunmehr be­kenne ich mich jedoch alter meiner Verbrechen voll und ganz schuldig und bestätige vorbehaltlos meine während der Voruntersuchung abgegebenen Aussagen." Triumphierend nehmen Staatsanwalt und Ge­richtshof oon den Erklärungen Krestinskis Kenntnis. Der Staatsanwalt, der wohl einen Rückfall des reuigen Sünders befürchten mag, verzichtet gern darauf weitere Fragen an Kreftinsti zu richten. Krestinski, dessen letzte Widerstandskraft gebrochen zu sein scheint, nimmt erschöpfe wieder feinen Platz aus der Anklagebank ein Aus welche Weise und mit welchen Methoden Krestinski im Lause der letz­ten Nacht zu einer so völligen Sinnesänderung ge­bracht worden ist, wird wohl für immer eines der Rätsel dieses Prozesses bleiben. Im übrigen vermag freilich der heutige Umfall des völlig zermürbten Krestinski an der Bedeutung seiner gestrigen Er­klärungen nichts zu ändern, die für die Beurteilung des gegenwärtigen Prozesses in vollem Umfange aufrecht erhalten bleiben.

Als nächster der Hauptangeklagten kommt der frühere Vorsitzende des Volkskommissarenrates der Sowjetunion und nachmalige Postkommissar R y - kow zu Wort Er ist ergeben in fein Schicksal und offensichtlich bestrebt, sich durch seine Aussagen,

der Stange zu halten, um ihm feine in der Vor- listische Partei Frankreichs einzutreten! Hätte er Untersuchung abgelegtenGeständnisse" des doch ... aber da kam der ominöse Abberufungs- Landesverrats, der Spionage usw. in Erinnerung l ~

Moskau, 3. März. (DNB) Die Donnerstag-1 nicht wie ein Teil der bisher verhörten Ange- nachmitagsfitzung des Moskauer Theaterprozeffes j klagten selbst zum gemeinen Verbrecher zu stem- foll mit der Vernehmung des früheren stellvertre-*"'** ' ' m ~ : 4:6......

Lenden Außenkommissars K r e st i n s k i beginnen, der am Mittwoch durch feinen sensationellen Wider­ruf die ganze Prozeßinszenierung durcheinander zu bringen drohte Bevor Krestinski jedoch ins Ver­hör genommen wird, läßt der Staatsanwalt durch den Angeklagten Rakowski, ..einen notorischen Trotzki-Anhänger", noch einmal bestätigen, daß Krestinski trotz seiner im Jahre 1927 erfolgten for­mellen Absage an Trotzki im Herzen immer ein Anhänger der trotzkiftischen Richtung geblieben sei. Rakowski sagt, er könne nicht glau­ben, daß Krestinski mit seinem Widerruf am Mitt­woch die Wahrheit gesprochen habe.

Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als

zu bringen.

Der eigentliche Sinn der völlig Zusammenhang-...... ......................

losen Aussagen Rykows sollte offenbar darin be- werte Genosse Leon Blum und 'der Herr Präsident stehen, einen bedeutsamen Nachtrag zur Affäre der französischen Kammer, Monsieur Herriot, in der Tuchatschewski zu liefern. Die Verschwörung Botschaft erschienen, um für den Genossen Ra­der Trotzkisten und Rechtsoppositionellen habe den kowski ein gutes Wort, einzulegen. Wenn man sich Zweck gehabt, eine bewaffnete Interven - mit den Sowjets politisch soweit eingelassen hat, wie tion ausländischer Staaten gegen die die beidengroßen Demokratien" in Westeuropa, Sowjetunion zu beschleunigen, um dadurch1 *" den Sturz der gegenwärtigen bolsche- wistischen Regierung herbeizuführen. Seit Jahren habe der Trotzkistenblock in enger Bezie­hung mit der militärischen Verschwörergruppe Tuchatschewski gestanden Zwar hätten die Poli­tiker dabei immer die Befürchtung gehabt, daß Tuchatschewski bei seinem Umschwung die ganze Macht an sich reißen könnte: sie hätten sich trotzdem zur Aufrechterhaltung bet Verbindung entschlossen. ..... ___ wv_

Da auch aus Rykow in dieser Richtung nichtsSowjets befreundeten Staaten bleiben..

geben. Während er sich bis dahin immerhin zum Teil an konkrete Vorgänge gehalten hatte, die auf die Machtkämpfe unter den bolschewistischen Gewalt­habern in den früheren Jahren ein überaus be­zeichnendes Licht warfen, geriet er im Zuge seiner außenpolitischen" Erklärungen völlig aus dem Konzept. Offenbar wollte Rykow diese Aus­sagen nicht ernsthaft aufgefaßt wissen, denn wieder-, holt unterbrach er seineGeständnisse" mit ironi-j Genossen Rakowski, der seinerzeit als Botschafter in schen Bemerkungen. Immer wieder mußte der. Paris bereits fest entschlossen war, die französische Staatsanwalt eingreifen, um den Angeklagten bei Staatsangehörigkeit zu erwerben und in die sozia-