Ausgabe 
4.1.1938
 
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Erster Gießener Schlachtvr'ehmarkt.

Ein guter Auftakt. - Gerechte Viehverteilung. Gutes Material am Markt.

Heute morgen fand in den Ställen der Gießener Viehoersteigerungshalle Rhein-Main der erste Gie­ßener Schlachtviehmarkt statt, der für die Zukunft in regelmäßigen Abständen in Gießen stattfinden soll und voraussichtlich für das Wirtschaftsleben in unserer Stadt von wesentlicher Bedeutung sein wird. Der erste Gießener Schlachtviehmarkt, der unter den gegenwärtigen Verhältnissen zwar nicht die Kennzeichen eines reinen Marktes, sondern zu­nächst die Merkmale einer Verteilungsstelle trägt, sichert den Metzgern von Gießen, Wieseck, Klein-Linden und Heuchelheim die gerechte Zutei­lung von Vieh und hat hier eine wichtige Aufgabe. Der Auftrieb zu diesem ersten Schlachtoiehmarkt entsprach im Wesentlichen dem Bedarf, wenngleich manchem Metzger eine reichlichere Zuteilung von Vieh erwünscht gewesen wäre. Großvieh und Schweine wurden nach einem bestimmten System verteilt. Die Kälber wurden frei gehandelt.

Der Träger des Schlachtoiehmarktes ist die Stadt Gießen. Die Durchführung obliegt dem Diehwirt- schaftsoerband Hessen. Die Leitung des ersten Schlachtviehmarktes lag in Händen des Außen­beamten des Viehwirtschaftsverbandes, Herdt (Fried­berg). Das aufgetriebene Vieh stammte zu 50 v. H. aus den Beständen der Zentralgenossenschaft Han­

nover, in der die Viehverwertungsgenossenschaften zusammengefaht sind, die übrigen 50 v. H. der auf­getriebenen Tiere wurden vom freien Handel gestellt.

Zu dem ersten Gießener Schlachtviehmarkt waren 8 Ochsen, 5 Bullen, 18 Kühe, 40 Färsen, 144 Schweine und 118 Kälber aufgetrieben. Die Tiere wurden zunächst von einer Preisbewertungskom- mission, die sich aus Vertretern der interessierten Gruppen zusammensetzte (Bauernschaft, Verteiler, Metzger und Genossenschaft), bewertet und für jedes Tier ein Richtpreis festgesetzt, der sowohl dem Verkäufer wie auch dem Käufer gerecht werden soll. Nach dieser Preisfestsetzung begann der eigentliche Handel. Die Handelspreise lagen bei Redaktions­schluß allerdings noch nicht vor.

Die Viehmarkthalle bot heute morgen ein Bild lebhaften Betriebes. Eingehend betrachteten sich die Metzger die Viehbestände, eingehend wurden Preise besprochen, die Tiere wurden zur Wage geführt und schließlich die Handelspreise bezahlt. Zum Markt selbst hatten sich außer den unmittelbaren Interessenten auch zahlreiche Besucher aus dem Kreise der Bauernschaft, der Behörden, des Tier­zuchtamtes usw. eingefunden, lieber den Marktoer­lauf und über die erzielten Preise werden wir noch berichten.

nung, Straße und Hausnummer und die genaue- Bezeichnung der Kohlensorte tragen muß. Nach dem 5. Januar eingereichte Scheine sind wertlos.

Hitler-Jugend Sonn 116 Gießen.

INarine-Gef. 116.

Der Dienst beginnt nicht, wie irrtümlich angesagt, am 16. Januar 1938, sondern am Dienstag, 4.1. 38, und zwar:

SH.: Turnhalle Gymnasium,

Schar 1: Viehversteigerungshalle, Schar 2: Heimabend.

* Heil Hitler!

Der Führer der Marine-Gef. 116. Ruppel, Gefolgschaftsführer.

Das Großseuer in Holzheim.

Leuchtpatronen...

Nach unserem gestrigen Bericht über das G r o ß - feuer in Holzheim ist heute weiter zu melden, daß der Brand aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Verwendung vorn Leuchtpatronen beim Neujahrsschießen durch mehrere Personen entstanden ist. Es haben sich nach dieser Richtung hin mancherlei Anhaltspunkte ergeben, die nunmehr weiter verfolgt werden.

Dem großen Brandunalück war auch von Anfang an die ganze Aufmerksamkeit an der leitenden Stelle des Gießener Feuerwehrdienstes zugewandt, um erforderlichenfalls zur Hilfeleistung sofort mit allen Kräften bereit zu sein. Der Leiter der Gie­ßener Feuerwehren, Brandinspektor Lenz, hatte sich sofort nach dem Eintreffen der Meldung von dem Brandunglück unmittelbar nach der Kreis­motorspritze gegen 0.30 Uhr im Kraftwagen nach Holzheim begeben, um sich dort selbst einen lieber« blick zu verschaffen. Er übernahm an der Brand­stätte bis zum Eintreffen des Kreisfeuerwehrführers Bouffier die Leitung der Löscharbeiten, die da­durch mit einheitlicher Stoßrichtung eingesetzt wur­den, rief zur Sicherheit auch noch die städtische Motorspritze der Gießener Feuerwache herbei, die jedoch nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte, und konnte schließlich dem Kreisfeuerwehrführer Bouffier nach dessen Ankunft die weitere Ober­leitung der Feuerwehrarbeit übergeben. Erfreulicher­weise zeigte sich der ^Einsatz der Gießener Feuer­wehrkräfte bei der Bekämpfung des Brandes aber Nicht mehr als notwendig.

Neichszufchüffe

für Neubauten von Wohnungen.

Lpd. Zum 6. Male seit der Machtübernahme hat die' Reichsregierung soeben wieder bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt zur Förderung der Wohnungsbeschaffung durch Umbauten oder Auf­stockungen bestehender Baulichkeiten. Diese sechste Reichszuschußaktion wird freudig begrüßt werden von allen, die zur Schaffung von Wohnungen burrh Umbauten Gelegenheit haben, ebenso wird sie auch den Wohnungsuchenden insbesondere auf dem Lande die Verbesserung ihrer Wohnungsverhältnisse er- möglichen.

Der Zuschuß, den der Staat den Bauherren gibt, beträgt 50 v. H. der Kosten für jede bis 31. März 1938 neu erstellte Wohnung, jedoch im Höchstfälle 600 RM. Die Auszahlung geschieht in derselben Weise wie bei den oorangegangenen Aktionen, wie überhaupt die Grundsätze für die Bezuschussung die gleichen geblieben sind. Lediglich eine Aenderung ist diesmal zu beachten, nämlich, daß Wohnungsauf- töilungen größerer Wohnungen in mehrere kleinere nicht mehr unter die Förderungsfähigkeit fallen. Die Interessenten, müssen sich nun beschleunigt an die zuständigen Stellen Landräte, bzw. Oberbürger« meister der Städte wenden, damit sie in den Genuß dieses schönen Weihnachtsgeschenkes des Staates gelangen.

Neuregelung der ©täten

der verheirateten Stäajsdienstanwärler in Hessen.

LPD. Das Hessische Regierungsblatt Nr. 22 vom 30. Dezember 1937 bringt ein Gesetz des Reichs­statthalters in Hessen als Führer der Landesregie­rung, in dem mit Zustimmung der Reichsregierung und rückwirkend ab 1. April 1937 festgelegt wird, daß für die Festsetzung-der Diäten der verheirateten Staatsdienstanwärter in Hessen die reichsgesetzlichen Vorschriften, nebst allen dazu erlassenen Durchfüh­rungsbestimmungen, mit der Maßgabe gelten, daß für die Höhe der Grundgehalte die Eingangsgruppe der Hessischen Besoldungsordnung vom 30. März

Diamantm-Komödie

Vornan von Horst Biernath.

21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

O bitte, Kapitän Zanten!" rief die Lenox her­über. Sie saß durch drei Stühle von Carola ge­trennt an der Tafel. Ihre dunkle Altstimme klirrte leicht, wie ein angesprungenes Glas: es war eine sehr schöne Stimme, eine verhaltene Trauer klang aus ihr. ,Eine Stimme, die an die innersten Sai­ten rührt', behauptete Herr Tupper, der Engel mit der goldenen Uhrkette.

Gnädige Frau?" fragte Zanten höflich.

Ist es wirklich wahr, oaß sich ein kostbarer Diamantenschatz an Bord befindet?"

Carola war es, als setze sekundenlang ihr Herz­schlag aus. Sie sah, daß Zanten seine Serviette unterm Tisch heftig zusammenpreßte, und sie wußte: Wenn ein Gesicht stumm bleiben kann wie eine Maske die Hände verraten sich stets. Sie bemerkte gleichzeitig, daß Humphrey und der Herr von der Minerva-Mine an seinem Seitentischchen sich halb von ihren Stühlen erhoben. Auch die an­deren Fahrgäste wurden aufmerksam. Sogar das junge Ehepaar Ternple, Hochzeitsreisende, zärtlich wie Turteltauben, hörte zu turteln auf.

Zanten schüttelte belustigt den Kop7:Wie kom­men Sie nur zu dieser seltsamen Frage? Ein Diamantenschatz auf meinem Schiff? Das erste­mal, daß ich davon höre!"

Carola sah fevpe gekrümmten Finger und fühlte mit einer pressenden Beklemmung, daß er die Un­wahrheit sprach.

Die Diva wandte sich, leicht verärgert, an Konsul Barrett:Sie waren es doch, der mir davon er­zählt hat?"

Der kleine, dicke Herr, der, trotz seiner Bemühun­gen um die Gunst der Lenox, die Tafelfreuden durchaus nicht vernachlässigt hatte, erwiderte unter leisem Schnaufen, er hätte diese Nachricht im guten Glauben wiedergegeben, daß sie richtig sei. War Tupper es nicht, der sie erzählt hatte? Oder Scrub?

Die beiden aufgerufenen Herren hatten sie jeden­falls ebenfalls gehört. Von wem? Sie sahen sich

1928 bestimmend ist, und daß kein verheirateter Anwärter in günstigere Gehaltssätze einrücken darf, als sie nach dem Reichsbesoldungsrecht für gleich­zubewertende Reichsbeamte zugelassen find. Alle ent­gegenstehenden Anordnungen werden hinsichtlich der verheirateten Staatsdienstanwärter von dem ge­nannten Zeitpunkt an aufgehoben.

KameradkchastSabend in der Kaserne.

Bei der Gefolgschaft des I. Bataillons 32L 116 und zugeteilten Regiments Einheiten.

Man berichtet uns: Die Gefolgschaft der Berg- kaserne hatte zum ersten Tag im neuen Jahr zu einem Kameradschaftsabend dem ersten seit Bc- stehen des Regiments eingeladen. Fast restlos waren alle Arbeitskameraden mit ihren nächsten Angehörigen dieser Einladung gefolgt. Dank dem Entgegenkommen des Bataillons-Kommandeurs I./116, Major Wiese, stand der große Wirt­schaftsraum im Wirtschaftsgebäude II der Berg­kaserne für die Feier zur Verfügung. Arbeitskame­raden hatten keine Mühe gescheut, den Raum wür­dig auszugestalten.

Mit militärischer Pünktlichkeit eröffnete schnei­dige Musik, ausgeführt von Angehörigen des Musik­korps des JR- 116, den Abend. Der Betriebs­obmann, Pg. Otto Volz, begrüßte den Betriebs­führer, Major Wiese, und dessen Stellvertreter, Stabszahlmeister Roth, sowie die zahlreichen Gäste und Arbeitskameraden und -kameradinnen herzlich. Zugleich dankte er allen, die in uneigen­nütziger Weise zur Verschönerung und Ausgestal­tung des Abends beigetragen haben. Sein Gruß galt dem Schöpfer der neuen Wehrmacht, dem Führer.

Nach dem Gesang der Nationallieder sprach der Betriebsführer, Major und Bataillons-Komman­deur Wiese. Er überbrachte zunächst die Grüße bes dienstlich verhinderten Regimentskommandeurs, und sprach bann in zu Herzen gehenden Worten zur Gefolgschaft. Obwohl das Regiment erst knapp ein Jahr bestehe und obwohl sich alle, vorher unbe­kannt, erst kennen lernen mußten, bestehe heute schon zwischen Truppe und Gefolgschaft ein Ver­trauensverhältnis, so wie es zur Erhaltung der Schlagfertigkeit der Truppe dringend erforderlich ist. Major Wiese gedachte dann der großen Leistun- gen des Führers. Das begonnene Jahr verlange wiederum von Truppe und Gefolgschaft Leistung und Arbeit ,fum Segen für das Vaterland. Mit den besten Wünschen für das neue Jahr beendete er seine Ausführungen.

Dann sprach der stellvertretende Betriebsführer, Stabszahlmeister Roth, allen Mitarbeitern seinen Dank aus für die im Aufbaujahr 1936/37 zur voll­sten Zufriedenheit geleistete Arbeit. Daß das anqe» bahnte- Vertrauensverhältnis auch im Jahre 1938 das gleiche bleibe, ist sein Wunsch.

Für den unterhaltenden Teil hatten sich einige Gefolgschaftsmitglieder zur Verfügung gestellt. Er­wähnung verdient der erst kürzlich zusammen-

suchend an der Tafel um, und Scrubs Blick blieb bei Humphrey hängen:Waren Sie es nicht, Sir?" Oder der Herr, mit dem Sie sich unterhalten haben?" fragte Tupper.

Humphrey bekam runde Augen.

Jedenfalls sind Sie auf eine Fehlnachricht her- eingefallen!" erklärte Zanten mit Entschiedenheit. Falls nicht einer von Ihnen unvorsichtig genug ist, einen Koffer voll Diamanten in seinen Klei­derschrank gestellt zu haben ..

Also wir sind es bestimmt nicht!" ließ sich Frau Reverend Smith mit ihrer schrillen Stimme ver­nehmen.Wir besitzen keine Schätze, die der Rost und die Motten fressen nicht wahr, lieber Wil­liam?"

Diamanten sind zwar, soviel ich davon ver­stehe, rost- und mottensicher", erwiderte scherzend der Reverend,dennoch--"

William!" rief seine Gattin streng.Du als Geistlicher müßtest es eigentlich wissen, daß es Worte gibt, die für einen profanen Scherz zu hoch stehen!"

Eine reizende Frau!" seufzte einer der drei be­trunkenen Rüpel und war Frau Smith verliebte Blicke zu.

Am unteren Ende der Mitteltafel erzählte Dr. Wilkens, der Schiffsarzt, einen Witz. Ob er als Arzt fo gut war wie als Anekdotenerzähler, ist eine andere Sache. Zanten behauptete, er kuriere ober­halb des Nabels ausschließlich mit Jod und unter­halb des Körpermittelpunktes ausschließlich mit Rizinus. Außerdem hielt er ihn für den faulsten Menschen unter der Sonne und beschwor, Wilkens fei so faul, daß er noch im Schlafe gähne. Ob das zutraf, ist schwer zu entscheiden. Auf jeden Fall hatte der Doktor einen Vorzug: Er forgfe für gute Laune, und seine Scherze waren für einen Me­diziner immerhin bemerkenswert zum größten Teil stubenrein. Worüber man auch reden mochte, Hühnerfarmen oder Tapetenleim Dr. Wilkens betrachtete jedes Gespräv) als Stichwort für einen Witz.

Carola entging es nicht, daß Zanten nur mit Mühe eine Innere Unruhe verbarg und froh war, als er sich von der Tafel erheben konnte. Er bot ihr den Arm. .Bridge oder Dar was ziehen Sie vor?" fragte er.

Einen halbstündigen Spaziergang."

gestellte Gefangschor, der unter Leitung feines Dirigenten, Musikunteroffizier R o n g e, schon recht Ersprießliches leistete. Zum Vortrag kam der Sängergruß",Hymne an die Nacht" undSchön ist die Jugend". Betriebsobmann V o l z trug durch die Wiedergabe zweier Lieder für Tenor sehr zum guten ©einigen des Abends bei. Mit einem Schwank, der in die unvergessene Vorkriegsmilitär­dienstzeit zurückführte, setzten die Gefolgschaftsmit­glieder Hofmann, Krebs, Möller und Syn o f zi k die Lachmuskeln der Zuschauer in Be­wegung. Groß war die Freude, als in der Pause jedem Gefolgschaftsmitglied ein wertvolles Geschenk überreicht wurde, nachdem bereits zu Beginn eine Verzehrkarte vorausgegangen war.

Gießener Wochenmorktprelse.

* Gießen, 4. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, V» kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stuck 5 bis 10, Wirsing, Vi kg 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Ka­rotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosen­kohl 28 bis 35, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 8 bis 9, Meerrettich 30 bis 70, Aepfel 10 bis 20, Birnen 15 bis 18, Blumenkohl, das Stück 35 bis 60, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10 Pf.

** Militärperfonalie. Oberstleutnant D ö - ring, Kommandeur der III. Abteilung Artillerie- Regiment 9 in Gießen, wurde gemäß Verfügung des OdH. mit Wirkung vom 1. Januar 1938 zum Standort Küstrm zur Verfügung des Oberbefehls­habers des Heeres versetzt. Zum Kommandeur der III. Abt. Art.-Rgt. 9 wurde Major Süden aus Küstrin ernannt.

** Fettverbilligungsscheine und Be­zugsscheine für Konsummargarine sind Gegenstand einer Bekanntmachung des Oberbürger­meisters (Wohlfahrtsamt). Die Zeiten der Ausgabe dieser Scheine find unbedingt einzuhalten.

ErpresseraufderIluchtniedergeschossen

Lpd. Frankfurt a. M., 3. Jan. Bei einem Hauswirt in Frankfurt-Griesheim ver­suchte ein 24jähriger junger Mann unter Drohun­gen einen Geldbetrag zu erpressen. Als er am Sil­vesterabend das Geld abholte, wurde er von Krimi­nalbeamten beobachtet. Seiner Festnahme wollte er sich durch die Flucht entziehen. Trotz wiederholter Anrufe, stehen zu bleiben, wobei auch Schreckschüsse abgegeben wurden, versuchte er durch die nahe- liegenden Gärten zu entkommen. Auf der Flucht wurde er durch zwei Schüsse verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der Täter hatte bereits früher bei dem Hausbesitzer einen Einbruch begangen, konnte aber damals nicht ermittelt werden, da er eine Gesichtsmaske trug.

Sie werden die Güte haben, mich zu entschul­digen, wenn ich an diesem gesunden Vergnügen nicht teilnehmen kann ..." Er sah sich suchend um und bemerkte Humphrey, der sich durch die kleinen Gruppen, die sich nach dem Dinner zur Beratung des Abenprogramms zusammengefunden hatten, zu Charola hmdurchschlängelte und Engelsmusik zu hören vermeinte, als er Zanten sich verabschieden sah.

Leider wurden seine schönen Hoffnungen auf einen Spaziergang unterm Sternenzelt grausam zerstört.Sie kommen wie gerufen, Humphrey!" rief der alte Herr und ergriff ihn am Rockaufschlag. Gerade wollt' ich Sie holen. Hab' nämlich mit Ihnen noch einiges zu besprechen, mein lieber Junge. Kommen Sie doch mal mit! Und daß Sie bei mir nicht trocken sitzen, verspreche ich Ihnen feierlich."

Muß es gleich fein, Onkel Paul?"

Die Bar läuft Ihnen nicht weg, Humphrey, und an irgendeinem Spieltisch wird ein vierter Mann auch noch nach der Viertelstunde gesucht werden, die ich Sie in Beschlag nehmen muß."

Er hakte sich bei Humphrey ein und zog ihn ein­fach mit sich fort. Es sah nicht anders aus, als führe der Hausherr einen besonders geschätzten Gast zu den edelsten Gewächsen seines Kellers.

Kaum jedoch hatte Zanten die Tür seiner Ka­bine hinter Humphrey geschlossen, als seine wohl­wollende Haltung auch schon wie eine Maske von seinem Gesicht fiel, und seine buschigen Brauen standen drohend wie zwei Gewitterwolken.Was fällt Ihnen eigentlich ein", grollte er,mein Ver­trauen so niederträchtig zu mißbrauchen? Wie, in Teufels Namen, kommen Sie dazu, den Leuten zu verraten, daß sich die Minerpa-Diamanlen an Bord befinden?"

Keine Silbe haben Sie mir gesagt!" wider­sprach Humphrey empört.Sie haben mir ledig­lich erzählt, der überfallene Transport habe aus Kieselsteinen bestanden, und die richtigen Steine hätten Kapstadt auf einem anderen Wege verlassen. Und ich schwöre Ihnen, Onkel Paul, daß ich über diese Geschichte selbstverständlich den Mund gehalten habe! Nur die Tatsache, daß man die Diamanten« räuber gefaßt hat, habe ich roeiterqegeben. Ich sehe auch jetzt noch keinen Grund dafür, daß ich diese Tatsache hätte verschweigen sollen, da sie ja bereits

Aus der engeren Heiniai.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 4. Jan. Der Landwirt Heinrich Weller XL, Kirchstraße 36, wird heute 7 9 I a h r e alt. Herr Weller befindet sich körperlich und geistig wohlauf. Er ist Vater von 7 Kindern, von denen noch 6 am Leben sind. 23 Enkel und 8 Urenkel kön­nen ihn am Geburtstag beglückwünschen. Seit über 50 Jahren ist er Bezieher seines Heimatblattes. Wir gratulieren.

Wieseck, 3. Jan. Der Turnverein W i e- s e ck veranstaltete, wie in allen Jahren bisher, in der Neujahrsnacht im Saale von Braun eine S i l- d e ft e r f e i e r, die zunächst nach musikalischen Dar­bietungen die Aufführung eines Theaterstückes brachte. Die Gesangsabteilung des Vereins brachte unter Stabführung von Chormeister Meyer einige Lieder zu Gehör. Kurz vor der Jahreswende hielt Dereinsführer Daupert eine Ansprache, bezeich­nete die Silvesterfeier als einen Auftakt für das neue Jahr und gab bann einen Rückblick auf die Arbeit des Vereins im vergangenen Jahre. Die Feier des 75jährigen Bestehens rief er in die Er­innerung zurück und gab der Hoffnung Ausdruck, > daß auch im kommenden Jahre mit gleichem Eifer meitergearbeitet werde. Anschließend wurden ver­diente langjährige Mitglieder ausgezeichnet. Für 50jährige Mitgliedschaft erhielten August Roden- hausen, Philipp Strack und Philipp Völ° z e l je eine Ehrenurkunde; mit Ehrenurkunden für 25jährige Mitgliedschaft wurden Otto Jung, Adolf Schäfer und Robert Eisenhut bedacht. Der- einsführer Daupert erinnerte zum Schluß an die Winterhilfe-Veranstaltung am 22. Januar und ent­bot dann die besten Grüße für bas neue Jahr.

# Mainzlar, 3. San. Zu Beginn bes neuen Jahres erhielt ber Lanbwirt Wilh. Bingel von hier ein Dankschreiben bes Lanbesbauernführers für 40jähr'ige vorbilbliche Berichterstattung über Anbau und Ernteflächenerhebung. Der G e = fangverein Mainzlar hielt bei Gastwirt Müller seine Generalversammlung ab. Der Rechner Wilh. Sommer konnte nach ber Begrüßung durch Vereinsführer Fuchs von einer günstigen Kassen­lage des Vereins berichten. Den'Bericht über die Jahresarbeit erstattete August Kern. Der Mitglie- berftanb bes Vereins hat sich erfreulicherweise um 17 junge Sänger gehoben. Der Vorstand blieb in seiner bisherigen Zusammensetzung bestehen. Ledig­lich der Sänger D e r n wurde als Schriftführer in den Vorstand gerufen.

* Garbenteich, 3. San.. Der Gesangver- einFrohsinn" hielt bei sehr gutem Besuch im Dereinslokal seine Generalversammlung ab. Vereinsführer Wahl gab einen Ueberblick über die Vereinsarbeit, erinnerte vor allem an das erfolg­reiche Singen des Chores im Reichssender Frank­furt unter Leitung von Chormeister Harnisch (Watzenborn-Steinberg) und an die schöne Weih­nachtsfeier. Der Kaffenbestand wies einen ange­messenen Ueberschuß auf. Den Sängern Karl Schöck und Karl Stumpf wurde für regel­mäßigen Besuch der Gesangstunden im verflossenen Jahre die silberne Ehrennadel überreicht. Für das neue Jahr sind bas Stiftungsfest am 5. Februar und ein größerer Ausflug im Juni vorgesehen.

<£ Leihgestern, 3. Jan. Nach ber im Neu- jahrsgottesbienst bekanntgegebenen kirchlichen Statistik wurden im Jahre 1937 insgesamt 37 Kinber getauft, bavon 17 in ben Gießener Kliniken. Kirchlich getraut wurden 18 Paare, beerdigt wur­den 17 Personen. Die kirchlichen Kollekten und son­stigen freiwilligen Zuwendungen, einschl. ber Bei­träge zum Kirchengesangverein, der Frauenhilfe und Kleinkinderschule, erbrachten die stattliche Summe von 2200 RM.

D Watzenborn-Steinberg, 3. Jan. Der seitherige Lagerhalter der Lagerstelle I der Bäuer­lichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Ludwig S ch ä f e r hat die Lagerstelle gekündigt. Zum neuen Lagerhalter wurde Ernst Harnisch ernannt. Der Führerrat der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr beschloß als Termin für den dies­jährigen Verbandstag und das Feuerwehrfest den 19. Juni.

4= Li ch, 3. San. Sn Steins Saalbau hielt am Neujahrsabend die Sängervereinigung Cäcilie" ihre Winterveranstaltung ab. Nach einem Musikvortrag der Kapelle Sommer eröffneten die Sänger mit einem Chorvortrag, geleitet von Chormeister Ernst SI g e, die Feier. Mitglieder, Freunde und Familienangehörige hatten Theodor KörnersNachtwächter" eingeübt und ernteten da­mit starken Beifall. Ein Quartett, aus Mitgliedern

über den Rundfunk gegangen und allgemein be­kanntgeworden ist."

Zanten ließ sich in einen Sessel fallen. Er paukte mit der Faust auf die gepolsterte Lehne.Dann hab' ich Ihnen also unrecht getan, Humphrey", sagte er verwirrt und ratlos.Bitte, verzeihen Sie mir! Aber dieses geschminkte Frauenzimmer hat mich mit ihrer verdammten Frage völlig aus dem Kurs geworfen. Sch bin wie vor den Kopf geschlagen. Wie ist das nur möglich, daß es sich an Bord her­umgesprochen hat? Sa, ja natürlich sind die Minerva-Diamanten auf der .Catharina*. Aber außer mir und ben beiden -Detektiven weiß kein Mensch was davon. Und daß von diesen beiden Leuten einer nicht dichtgehalten haben sollte, ist ausgeschlossen!"

Martini..sagte Humphrey lakonisch.

Martini! Martini! Smmer Martini!" knurrte Zanten.Wie soll ausgerechnet Martini es wissen?"

Humphrey nahm auf der Schreibtischkante Platz und sah auf seine baumelnden Füße herab.Im Vertrauen gesagt, Onkel Paul: Sch zum Beispiel habe es ebenfalls auch ohne Ihre Bestätigung gewußt, daß sich die echten Diamanten hier an Bord der ,Catharina* befinden."

Was, zum Teufel!"

Eine kleine Portion Verstand und ein wenig Kombinationsgabe braucht man natürlich", meinte Humphrey bescheiden,aber bann ist die Sache eigentlich sonnenklar. Vorausgesetzt allerdings, daß man die Vorgeschichte des falschen Transports auf irgendeine Weise tennengelernt hat. Sch erfuhr sie zufällig von Shnen. Aber ich könnte mir denken, daß es auch noch andere Leute an Bord gibt, die erfahren haben, baß ber überfallene Transport nur ein Scheintransport war; sie erhielten vollenbs Gewißheit, baß sich die echten Steine hier auf der »Catharina* befinden müßten, als sie die beiden Herren von ber Minerva-Mine ihren ,Urlaub* auf ber ,Catharina* antreten sahen."

Sie sind ein gescheiter Kerl, Humphrey!" ächzte ber alte Herr entsetzt.Ein verteufelt gescheiter Bursche sind Sie!"

^,Es hört sich nur so an", wehrt/ Humphrey großzügig ab.Wie gesagt: Nur ein wenig ge­sunder Menschenverstand ..."

(Fortsetzung folgt.)