Ausgabe 
3.12.1938
 
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rative Linie gestellt, die den wahren Charakter des tschecho-slowakischen Staates als eines Nationali­tätenstaates, den Benesch nicht wahr haben wollte, anerkennt und zum Fundament des Lerfasfungs- Neubaues macht. So werden Slowaken und Kar- patho-Ukrainer ihre eigenen Landesparlamente und eigenen Landesregierungen baden, im Praaer Zen­tralparlament werden die Abgeordneten der drei Nationalitäten getrennt abstimmen, so daß eine Majorisierung durch die zahlenmäßig natürlich am stärksten vertretenen Tschechen unmöglich ist. Bei der Wahl des neuen tschecho-slowakischen Staats­präsidenten am Donnerstag ist dieses Verfahren zum ersten Male angewandt worden. Auch die Regierungsgeschäfte sollen, ähnlich wie in der alten österreich-ungarischen Monarchie dergestalt geteilt werden, daß für den Gesamtstaat gemeinsam vor allem die auswärtigen Angelegenheiten, die Landes­verteidigung und die Finanzen der Zentralregie­rung vorbehalten bleiben, während Verwaltung, Wirtschafts- und sozialpolitische Ressorts und kul­turelle Angelegenheiten den Landesregierungen zu- fallen. Der föderalistische Charakter des neuen Staates, der drei weitgehend autonome Länder zu­sammenfaßt, kommt ja schon in der Zusammen­setzung des soeben durch den Abgeordneten Beran gebildeten neuen Kabinetts, das die Interimsregie­rung des Generals Sirovy abgelöst hat, zum Aus­druck. Neben den neugewählten Staatspräsidenten Dr. Hacha, der als bedeutender Jurist und kennt­nisreicher, erfahrener Verwaltungsbeamter seine Laufbahn hat den jetzt schon 66jährigen auch in den Derwaltungsgerichtshof der österreichischen Monarchie nach Wien geführt wegen seiner aufrechten und unbestechlichen Objektivität auch in den Zeiten des schwersten politischen Kampfes sich das Vertrauen der nichttschechischen Volksgruppen zu bewahren gewußt hat, tritt jetzt mit dem Mini­sterpräsidenten Beran ein Mann, der als Füh- rer der tschechischen Agrarier, der größten tschechi- schen Partei des alten Staates, bereits in der Zeit Masaryks und Beneschs oft genug der Gegenpol der drutfchfeindlichen, alles auf die Pariser und Moskauer Karte setzenden Clique im Regierungs- lager gewesen ist, ohne freilich mit feinen Warnungen vor den Folgen einer solchen verblendeten, den natürlichen Interessen der Tschecho-Slowakei zu- widerlaufenden Politik Gehör zu finden. Er gilt als nüchtern und klug genug, um von ihm erwarten zu können, daß er mit Entschlossenheit di« sich aus der neuen Lage seines Volkes notwendig ergeben­den Folgerungen zieht. Sie können außenpolitisch nur in der Anbahnung eines friedlichen Zusammen­lebens mit dem großen, deutschen Nachbarn be­stehen. Und diese gute Nachbarschaft wird auch die beste Gewähr dafür sein, daß die neue, auf ihre natürlichen Grenzen zu.rückgeführte und ihrem wah­ren Charakter entsprechend umgestaltete Tschecho- Slowakei auch ihre gewiß nicht leichten inner­politischen Probleme wird in aller Ruhe lösen können.

Einen neuen Abschnitt von diesmal weltpolitischer Bedeutung leitete auch die große Rede des italieni­schen Außenministers Graf Ciano vor der ita­lienischen Kammer ein. Der Minister hat noch ein­mal Italiens Haltung während der Septemberkrisis rekapituliert und durch die genaue Aufgliederung der einzelnen Phasen der diplomatischen Verhand­lungen, besonders aber durch die Bekanntgabe der Einzelheiten der vom Duce damals angeordnetcn und geräuschlos durchgeführten Teilmobilmachung der italienischen Wehrmacht alle jene Lügen ge­straft, die vor und nach München die Festigkeit der Achse BerlinRom angezweifelt und Italiens Hal­tung während der Septemberkrisis zweideutig ge­nannt haben. Wie Italien schon immer in Prag gewarnt hat, in der Nationalitätenfrage den Vogen nicht zu Überspannen, so trat es, als die Frage akut wurde, vorbehaltlos an die Seite Deutschlands. Es waren bereits gemeinsame Generalstabsbespre- chungen in München anberaumt, als Chamberlains Bitte, beim Führer eine Konferenz der vier Groß­mächte anzuregen, dem Duce die Möglichkeit gab, mit Vorschlägen nach München zu kommen, die dort dann die Grundlage für die Uebereinkunft ge­bildet haben. Aber Graf Ciano hat sich nicht auf die Erinnerung an diese in ihren Einzelheiten höchst dramatische Vorgeschichte des Münchener Abkom­mens beschränkt, er hat auch keinen Zweifel dar­über gelassen, daß Italien und Deutschland darin übereinstimmen, nicht zu dulden, daß die in der Münchener Uebereinkunft und im Wiener Schieds­spruch endgültig gelösten Probleme erneut zur Dis­kussion gestellt werden. Letzteres bezieht sich auf die Festsetzung der Grenzen der Karpatho- Ukraine, die den in gewissen Kreisen von War­schau und Budapest gehegten Wünschen nach einer gemeinsamen ungarisch-polnischen Grenze nicht ent-1 sprachen hat und auch nicht entsprechen konnte, weil «ine solche Grenzziehuna dem für den Wiener Schiedsspruch maßgebenden Grundsatz der Volks- tumsgrenze widersprochen hätte. Die Bestätigung des ungarischen Kabinetts Jmrödy in seinem Amt darf wohl als Zeichen dafür genommen werden, daß man sich inzwischen in Budapest darauf be­sonnen hat, was erreicht worden ist.

Graf Ciano hat zum Schluß seiner Red« in be­sonders herzlichen Worten der Inkraftsetzung des italienisch - britischenysterakkords ge­dacht, ohne jedoch auch nur mit einem Wort Frankreich, zu erwähnen, das durch die Be­glaubigung seines neuen Botschafters Francois- Poncet beim Kaiser und König das ostafrikanische Imperium Italiens ebenfalls anerkannt hat. Aber es gibt zwischen Paris und Rom noch eine Reihe weiterer strittiger Punkte namentlich im Bereich des Mittelmeerproblems wohl nicht nur in der spani­schen Frage, Punkte, die schon bei Chamberlains Besuch in Paris erörtert worden sind und gewiß auch bei dem soben für den Januar des kommenden Jahres angekündigten Besuch der englischen Mi­nister in Rom eine Rolle spielen werden. Das offi­ziöseGiornale d'Italia" hat in seinem Kommen­tar zur Rede des Grafen Ciano die Frage aufge­worfen, warum nicht die Münchener Uebereinkunft, der britisch-italienische Osterakkord und das deutsch- franzöfische Nichtangriffsabkommen, dessen Verwirk­lichung Ribbentrops Pariser Reise gilt, als Steine eines Fundamentes sich zusammenfügen ließen, auf dem ein umfassendes Befriedungswerk für Europa er­richtet werden könne. Es würde sich dabei um einen Plan handeln, so sagte das Blatt, in dem die In- teressen und Rechte aller Nationen, wenn auch mit Opfern, wahrhaft befriedigt werden könnten. Es würde die endgültige Bereinigung aller europäischen Meinungsverschiedenheiten und damit die Stabili- fierung eines echten europäischen Gleichgewichts be­deuten. Die wesentlichste Voraussetzung dafür ist, daß Frankreich, nachdem in der Machtprobe zwi- schen Staatsautorität und Marxismus letzterer dank

Oes Führers große Rede in Reichenberg

kann über sie jederzeit sein Urteil abgeben! Es hat dieses Urteil abgegeben, und es ist so ausgefallen, wie ich es nicht anders erwartet hatte!

was ist in diesen wenigen Jahren nickst alles geschehen! Die ungeheuersten Fragen find ge­löst, Probleme, an denen andere Staatsmänner, die fortgesetzt als Lehrmeister des allen Europa aufzutreteu pflegen, auch heule noch leiden und die sie nicht zu meistern vermögen! Wir haben sie bewältigt! Und zwar glän­zend! Fragen wirtschaftlicher und politischer Art, Fragen der Produktion, gewaltige nakio- nalpolitifche und außenpolitische Probleme wurden angepackt und gelöst. Ich glaube nicht, daß auch nur einer unserer Gegner von einst das für möglich gehalten hätte, was nun geschehen ist.

Schon 1933 beginnt der deutsche Aufstieg, die Beseitigung all der inneren Erscheinungen des Verfalls, die Ueberwindung unserer Klassen, Stände und Parteien, das Zurückdrängen aller Stören­friede, es erfolgt der Austritt aus dem Völkerbund.

1934 bereits vollzieht sich die Festigung des Reiches, der Kampf gegen den wirtschaftlichen Verfall, der Aufstieg unseres Verkehrswesens setzt ein, vor allem aber: Die Verdreifachung der deutschen Wehrmacht beginnt!

1935 wird der vielleicht entscheidendste Paragraph des Versailler Vertrages beseitigt: Die Wehr­pflicht wird eingeführt und damit zum ersten Male die neue deutsche Freiheit prokla­miert. (Die Massen bereiten dem Führer minuten­lange Beifallskundgebungen.) Der Kampf zur Schaffung unserer neuen deutschen Wirt­schaft wird erfolgreich weitergeführt.

1936 kann Deutschland bereits einen weiteren Zwangsparagraphen des Schanddiktats beseitigen: Das Rheinland wird unter die Souveränität des Reiches zurückgenommen! (Wieder minuten- lanäe stürmische Sieg-Heil-Rufe.) Noch im Herbst desselben Jahres werden die letzten Reste internationaler Beaufsichtigung in Deutschland ausgetilgt. Im gleichen Jahre tritt Deutschland auch zum ersten Male vor der Welt als eine Macht auf, die an außenpolitischen Vor­gängen nicht mehr desinteressiert ist, und schon ein Jahr später zeigt es sich entschlossen, wenn notwen­dig auch unter dem Appell an die Waffen d i e Rechte des deutschen Volkes wahrzu­nehmen! (Brausender Jubel.)

Dieses Jahr 1937 gilt aber auch dem gewaltig­sten Wirtschaftsaufbau, den eine Nation je vorge­nommen hat. Der Vierjahresplan beginnt sich zu verwirklichen: aus Theorien und Planungen wer- den nunmehr Realitäten. Die Wehrmacht wird auf das Außerordentlichste gestärkt.

Und dann kommt das Jahr 1938: das Jahr, das Sie nun selber in tiefster Erschütterung miterleben dürfen, ein Jahr, das Pläne und Hoffnun­gen von vielen Jahrhunderten ver­wirklichte !

Meine Volksgenofsen: Das alles ist das Ergeb­nis des Kampfes um die deutsche Volks­seele zu Gunsten einer deutschen Volksge­meinschaft! (Nicht endenwollende Heil-Rufe.) In diesem Jahre hat sich diese deutsche Bottsgemein-

(Schluß von der ersten Seite.)

In diesen Jahren habe ich vielen Menschen oft bitter weh getan, weil ich ihnen all das nehmen mußte, was' sie bis dahin vielleicht als richtig, ja manchesmal sogar als heilig angesehen hatten. Ich habe damals im Jahre 1918 zwei Ideale gefunden, die ohne Zweifel geeignet schienen, Menschen zu be­geistern und in ihren Bann zu ziehen: Das sozialistische und das nationali sti­ch e. Für diese beiden Ideale waren damals Menschen bereit, wenn notwendig auch zu sterben. Wenn ein Ideal nun einen Menschen so sehr zu begeistern vermag, daß er bereit ist, sein Leben da­für yinzugeben, dann liegt darin eine gewaltige und zündende Kraft. Und ich war nun entschlossen, gerade diese beiden Ideale in ein einziges zu verschmelzen. Wenn das gelang, dann konnte die Nation gerettet werden, wenn nicht, dann mußte sie sich immer mehr zerfleischen und endlich in Ohnmacht vergehen. Es war gam selbst­verständlich, daß ich nun dabei von anderen Gedanken ausging als meine parlamentarischen und parteipolitischen Vorgänger in Deutschland. Ich sah ja vor mir nicht Bürger, nicht Proletarier, nicht Katholiken, nicht Protestanten, nicht Bayern, Sach­sen, Preußen, sondern ich sah vor mir deutsche Volksgenossen, die durch Geburt, Blut und Schicksal zusammengehören und die durch falsche Erziehung und falsche Belehrung ausein­andergebracht worden waren. Aufgabe der Zukunft mußte es nun fein, f i e wieder zusammen- zu führ en. Diese Frage wurde im Laufe der Jahre nicht theoretisch erhoben, sondern praktisch durch die Erziehungsarbeit der Nationalsozialisti­schen Partei gelöst!

Langsam verschwinden aus dem Gesichtsfeld unserer heutigen Jugend alle die lächerlichen Vorurteile, unter denen vielleicht manche ihrer Väter noch leiden mögen. Und wenn mir einer sagt:Ja, da werden aber doch welche übrig- bleiben...", dann antworte ich: Der National­sozialismus steht nicht am Ende seiner Tage, sondern erst am Anfang! (Stürmische Sieg-heil!-Rufe.) Warten wir eine, zwei drei, fünf oder zehn Generationen, dann wird von diesen Versteinerungen der heutigen Zeit nichts mehr übrig sein! Aber ein Volk wird dann dastehen: Stark und gesund, geschlossen, einig und un­überwindlich. Es wird sich sein Leben gemeinsam gestalten und sein Recht vertreten gegen jedermann, der es ihm nehmen will!

Im übrigen aber können mir schon jetzt nach 20 Jahren mit den Ergebnissen unserer Arbeit z u frieden sein. Die Partei, die man «inst so ver­lacht hatte, hat sich in Deutschland nicht nur auf legalem Wege d i e Macht erobert, sie hat auch die Volksgemeinschaft, die ihr als Endziel vorfchwebte, in sich bereits ver­wirklicht. Als mich der verewigte Herr Reichs­präsident, Generalfeldmarschall von Hinden­burg, berief, da hatte ich schon hinter mir rund 13 Millionen Wähler, fast doppelt so viel als die stärkste nächste Partei! Die Nationalsozialistisch« Partei trägt nunmehr seit dem Jahre 1933 di« Ver­antwortung in Deutschland. Und das deutsche Volk

schast aber auch zum ersten Male gezeigt als eine Realität, die vor keiner Drohung und keiner Erpressung zurückweicht. (Erneut stürmisch« Jubel­kundgebungen.) Wir haben sehr maßvolle Begren­zungen unserer außenpolitischen Zielsetzung vorge­nommen, aber irgendwo hören internationale Rechte auf und das nationale Recht der Völker tritt in Ersckeinuna! Und für dieses nationale Le­bensrecht find wir heuer einaetreten, entschlos­sen auch zum schwersten und letzten Einsatz. Millio­nen Deutscher haben diesen Sommer und diesen Herbst nicht bei ihren Familien verbringen können. Viele Monate lang standen sie in den Kasernen oder auf den Truppenübungsplätzen. Sie alle haben damit das feierliche Bekenntnis abgelegt, daß ihnen bie deutsche Volksgemeinschaft mehr ist als ein bloßes Wort, als eine Phrase, eine heilige Verpflichtung, für die jeder ein­zelne bereit ist, wenn notwendig, auch sofort sein Leben einzusetzen, so wie das Millionen anderer vor uns aetan haben.

Aus dieser Entschlossenheit ist nun dieses Grohdeutsche Reich entstanden. Sie hat auch für euch, meine Volksgenossen, den Weg in dieses große Reich freigemacht, das euch nun­mehr bei sich aufgenommen hat (Stürmische Heil-Rufe.) Daß ihr mit eurem ganzen Herzen dieser großen Gemeinschaft angehört, dieser sozialsten Gemeinschaft, die es heute auf der Welt gibt, das weiß ich. Ihr habt aber nunmehr diesen Entschluß eures Herzens vor aller Welt zu bestätigen! Ich weiß, wie die­ses Bekenntnis ausfällt. Es wäre sachlich nicht notwendig. Es ist aber notwendig als Ab­schluß der Geburtsurkunde des Grohdeutfchen Reiches! (Abermals stür­mische Sieg-Heil-Rufe.) Die Geburtsurkunde des Zweiten Reiches wurde unterzeichnet von den deutschen Fürsten. Die Geburtsurkunde des Drillen Reiches wird ausgestellt und bestätigt durch das deutsche Volk! (Stürmische Sieg-Heil- Rufe.)

In diese Geburtsurkunde Großdeutschlanbs haben sich heuer bereits eingetragen alle die Männer und Frauen unserer deutschen Gaue, aus Ostpreußen, aus Pommern, aus Schlesien, aus Brandenburg, aus Berlin, aus Schleswig-Holstein, aus Hamburg, aus Hannover, aus Mitteldeutschland, aus Franken und Schwaben, vom Rhein, vom Süden, von un­serer Ostmark bis nach Wien. Und jetzt werdet auch ihr euch eintragen, auf daß sie für ewige Zeiten Gültigkeit habe! (Die Sudetendeutschen bereiten dem Führer eine überwältigende Kund­gebung.) Großdeutschland ist entstanden aus dem Willen der deutschen Nation! Das bestätigen alle Männer und Frauen dieses Volkes! Und darauf wird einst für ewig schwören die deutsche Jugend. Dazu fordere ich auch euch nun auf!

Den Schlußworten des Führers folgen Szenen jubelnder Freude und begeisterter Dankbarkeit. In stürmischem Wechsel brausen Sieg-Heil-Rufe, Sprech­chöre und Händeklatschen zum Führer empor, bis endlich das Niederländische Dankgebet, von den Zehntausenden ergriffen gesungen, die' Kundgebung beendet.

der Energie des Ministerpräsidenten Daladier kläg­lich gescheitert ist, auf dem Wege der Vernunft fort­schreitet und mit der inneren Gesundung auch außenpolitisch die Fesseln abstreift, die eine ibeolo- lisch verrannte Volksfrontpolitik ihm angelegt hat. Daladier und Bonnet stehen hier noch vor großen Aufgaben, von deren Lösung es auch abhängen wird, ob Frankreich zu dem von ihm so sehr er­sehnten Ausgleich mit Italien kommen wird.

Dr. Fr. W. Lange.

Oie Aufgaben

des deutschen Handwerks.

Berlin, 2. Dez. (DNB.) Auf einer Arbeits­tagung der Handwerksführung sprach Staatsrat Schmeer vom Reichswirtfckaftsministerium. Er ührte aus, die deutsche Wirtschaft habe in letzter Zeit den höchsten Anforderungen angepaßt werden müffen. Hierbei dürfe jedoch die Herstellung von Verbrauchsgütern keineswegs vermin­dert werden. Wenn nach herkömmlichen Begriffen dic Kapazität unserer Wirtschaft heute voll ausge­schöpft sei, so müsse sie rasch und dauerhaft aus- geweitet werden. Wir müßten mehr leisten, ohne daß darunter die Qualität der Leistung irgend­wie leiden dürfe. Wir müßten die Produktion ver­billigen, d. h. Arbeitskräfte und Material sparen. Eine weitere Aufgabe sei, einmal Menschen zu sparen und dann Menschen auf weniger wich­tigen Arbeitsplätzen frei zu machen, um sie an den Stellen des dringendsten Bedarfes einzusetzen. Durch Umschulung der bisher falsch eingesetzten Volks­genossen müßten wir die Lücken im Arbeitseinsatz füllen. Auch im Handwerk sei die Lehrzeitver - kür zu na unbedingt notwendig. Wir müßten rasch die Zahl der Facharbeiter vermehren und bann durch verkürzt« Lehrzeit einen Jahrgang mehr ge­winnen. Eine weitere Verkürzung der Lehrzeit über den Erlaß des Reichswirtschaftsministers hinaus sei nicht beabsichtigt abgesehen von Einielfällen der Förderung außerordentlich Begabter. Wir müßten auch im Handwerk zu einer st ä r k e r e n Durch- fämmung der Berufe kommen. Ende 1939 wurden diejenigen aus dem selbständigen Hand­werk auss ch e iden, die ihrer Verpflichtung, die M e l st e r p r ü f u n g abzulegen, nicht nachkom- men. Aber auch das Handwerk müsse von sich aus Mitarbeiten, die Ungeeigneten auszuscheiden. Das Handwerk werde beim Reichswirtschaftsministerium jebe Unterftütjuna ftnben. Ein Beispiel sei bie be- oorftebenbe Regelung der Altersversorgung des selbständigen Handwerkers.

Norwegen wehrt sich gegen die Inden.

. \2 2)651 Die in den letzten Tagen

m Erscheinung getretene Abwehraktion gegen die puben m Norweaen durch Plakate an übt» !-*? e I $ a. l! !n Oslo und Verteilung von Flugblättern hat die linksstehenden Blätter in großen Aufruhr versetzt. Andere Blätter vertreten den Standpunkt, daß die Juden in Norwegen nichts

wenigeralserwünscht sind. So schreibtNa­tionen": Wir haben keine Judenfrage in Norwegen, und mir wollen f i e auch nicht haben. Wir wünschen allerdings auch nicht, daß anderweitige Judenprobleme auf norwegischem Grund und Boden ausgetragen werden."Aftenposten" appelliert an die Behörden, daß keinerleiIudeninvasion zugelassen werde, denn, wie auch dieses Blatt erklärt: Ein Judenproblem wollen wir uns in Norwegen nicht aufhalsen."

Auch Uruguay nimmt keinerlei Einwanderungsantriige entgegen.

Hamburg, 2. Dez. (DNB.) Das Generalkon­sulat von Uruguay teilt mit, daß es zur Zeit keiner­lei Anträge auf Einreise nach Uruguay zum Zwecke der Niederlassung annimmt. Auch bie bereits vor­liegenden Anträge müssen bis auf weiteres zurück- gestellt werden. Aus diesen Maßnahmen ist zu entnehmen, daß Urugunn auch keinen Wert darauf leat, dem jüdischen Au sw ande­re rstrom seine Grenzen zu öffnen.

Regierungskrisis in Belgien.

Finanzminister Gerard zurückgetreten.

Brüssel, 3. Dez. (Europapreß.) Nach Schluß des Kabinettsrats am Freitagabend hat Minister- Präsident Spaak mitgeteilt, er werde am nächsten Dienstag in der Kammer eine Erklärung über die Finanzpolitik der Regierung abgeben. Darin werd« er betonen, daß die Regierung keine D « f I a . tionspolitik, sondern eine Sparpolitik im Rahmen des Möglichen treiben wolle und die Ar­beitslosen-Versicherung einzuführen so- wie eine wirksame Preispolitik zu treiben beabsichtige. Finanzminister @ (Starb habe sich dieser Erklärung nicht a n g e s ch l o s s e n. In ben Abendstunden wurde bekannt, daß der Finanz­minister seinen Rücktritt ein gereicht hat. Man hält es für möglich, daß Ministerpräsident Spaak versuchen wird, lediglich seinen Finanz­minister auszuwechseln.

Allerdings spielt nicht nur die Finanz-, sondern auch die Außenpolitik der Regierung eine beträchtliche Rolle. Am Montag nächster Woche tritt der sozialistische Landesrat zusammen. Man erwartet, daß er gegen ben Ministerpräsidenten heftige Vorwürfe wegen des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zu Bar­celona und her Entsendung eines Handelsver­treters nach Burgos erheben wird. Man hält es für möglich, daß der Landesrat die sozialistischen Minister auffordern wird, aus der Regierung aus­zutreten. Man glaubt jedoch nicht, daß Minister. Präsident Spaak, der selbst der Sozialistischen Par­tei angehört, sich derartigen Beschlüssen des Landes­rats fügen wird.

Großverdiener in Waffenschmuggel.

Der Blockadebrecher Billmeir verlegt seine Tätigkeit nach China.

Loudon, 2. Dez. (Europapreß.) Per zu Gunsten Sowjetspaniens arbeitende Blockadebrecher, der Reeder Jack Billmeir, hat sein Geschäft i n ben fernen £) ft « n »erlegt. In,der engli en Presse wird er bereits alsKönig von China^ be­zeichnet, da er mit einer Anzahl von erst kürzlich erworbenen Dampfern ein gutes Waffen- lchmuggelgefchäft mit China betreibt Er liefert feine Transporte, die zum größten Teil aus Sowjetrußland stammen, in Rangoon (der Hauptstadt der britischen Kolonie Birma) in Hinterindien ab, von wo sie ihren Weg nach China finden. Einig« Daten und Zahlen aus der Tätigkeit dieser modernen Kriegshyäne find von nicht gerin­gem Interesse. Billmeir war, als der Spanienkrieg begann, ein kleiner Reedereiangestellter, er gründete mit Geldern, deren Herkunft nur zu offensichtlich war, dieStanhope Steamship Com­pany", deren Schiffe sämtlich mitStan" anfan­gen. Aus zwei Dampfern wurden im Laufe der spanischen Kriegsjahre zweiundzwanzig. Er hatte, wie Reedereikreise wissen wollen, bisher eine Mil­lion Pfund Sterling am Waffenschmuggel nach Sowjetspanien verdient, die es ihm ermöAichte, sich in dem Londoner Stadtteil East Finchley eine pom­pöse Villa zu errichten, die in der sogenannten Avenue des Millionaires" gelegen ist. Da die Schiffe feiner Gesellschaft in sowjetspanischen Ge- wässern schlechte Erfahrungen gemacht haben- einige wurden von der nationalspanischen Luftwaffe versenkt hat er nunmehr seine Tätigkeit nach China verlegt, wohin er sowjetrussische M u - nition und Geschütze liefert Es wird von der Langmut der Japaner abhängen, wie lange der Blockabebrecher seine Tätigkeit im Fernen Osten aufrechterhalten kann.

Neubesetzung der kolumbianischen (Gesandtschaft in Berlin.

B e r l i n, 2. Dez. (DRV.) Reber eine Reube- seßung der kolumbianischen Gesandifchafl in Berlin erfahren wir:

Auf Grund eines vom neuer nannten kolumbia­nischen Gesandten Dr. Jaime Jaramillo A r a n g o und anderen Mitgliedern der kolumbianischen Ge­sandtschaft hervorgerufenen Zwischenfalles sah sich die deutsche Reichsregierung veranlaßt, der kolumbianischen Regierung mltzuteilen, daß der neuernannte kolumbianische Gesandte zur lieber- reichung seines Beglaubigungsschreibens beim Füh­rer und Reichskanzler nicht empfangen wer­den könne. Die deutsche Relchsregierung hat der kolumbianischen Regierung im Interesse der deutsch- ""lumbianischen Beziehungen weiterhin bedeutet.

Der Tag der AattonalenSolidaM ist derTag des VekenMisses zurVolksgememschast.