Ausgabe 
3.12.1938
 
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Nr. 285 Erstes Matt

188. Jahrgang

Somstag, 5./5onntag,4 Dezember 1958

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Das deutsche Volk unterzeichnet die Geburtsurkunde des Dritten Reiches.

Oer Führer spricht in Reichenberg zu den befreiten Gudetendeutschen.

sich als m a r x i st i s ch bezeichnete und den sozialisti­schen Begriff für sich in Anspruch nahm. Es.roar nicht abzusehen, welches Lager das andere würde überwinden können, und doch war das, meine Volks­genossen, die Schicksalsfrage für die ganze deutsche Zukunft. Denn zwei Welten können in einem Volk nicht bestehen.

Wer überhaupk noch an eine deutsche Wieder-- aufersiehung glauben wollte, mußte erkennen, daß die deutsche Ration nur durch eine gigantische firaftanftrengung ge-

Ribbentrops pariser Reise.

Berlin, 2. Dez. (DRB.) Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop wird sich am Montagabend auf Einladung der franzö­sischen Regierung zu einem kurzen Aufent­halt nach Paris begeben. Reichsaußenminister von Ribbentrop und der französische Außenminister Georges Bonnet werden in Paris eine die deutsch-französischen Beziehungen betreffende ge­meinsame Erklärung unterzeichnen.

*

Der PariserExcelsior" bemerkt, daß das genaue Programm für den Aufenthalt Ribbentrops noch nicht offiziell festgelegt sei. Außenminister B o n - n e t habe mit dem deutschen Botschafter Graf W e l c z e k eine Besprechung gehabt. Die Unterzeich­nung der deutsch-französischen Erklärung werde für Dienstag nachmittag erwartet. Das Blatt weist weiter darauf hin, daß Herr von Rib­bentrop in Frankreich zahlreiche persön­liche Freundschaften unterhalte, da er lange Zeit in Frankreich gelebt habe. DerMatin" hebt hervor, daß in Paris zahlreiche Veran- st a l t u n g e n stattfinden würden. In den wichti­gen diplomatischen Besprechungen werde die Mehr­zahl der schwebenden Probleme im Geiste von Mün­chen angeschnitten werden. Ohne Zweifel sei als Er­gebnis ein konstruktiver Beitrag zu dem Werk der Beruhigung und des europäischen Wieder- i aufbaues zu erwarten, für das sich auch die franzö­sisch-englische Zusammenarbeit einsetze. I

Lebhafte Zudendebaiie in der holländischen Kammer. Gegen die Deutschenhehe. Guayana für die Juden.

rettet werden konnte. Ein ganz neuer Weg mußte gegangen werden. Sein Ziel war eine neue deutsche Volksgemein­schaft aufzurichten und dadurch einen wahren homogenen Volkskörper herzustellen. Diesen Weg bin ich im Glauben an seine Rich­tigkeit, im Glauben an den natürlichen Instinkt, an die Kraft und den inneren Wert meines

Volkes 15 Jahre lang gegangen.

(Fortsetzung auf der zweiten Seite.)

Der Außenpolitiker des dem Quai d'Orsay nahe­stehendenPetit Parisien" erklärt, die in wenigen Sätzen zusammengefaßte deutsch-französische Erklä­rung stelle eine Verlängerung des Mün­chener Abkommens dar, wie es auch die deutsch-englische Erklärung gewesen sei, die im An­schluß an die Zusammenkunft in München von Adolf Hitler und Chamberlain unterzeichnet wurde. Sie drücke den Willen beider Länder aus, gute nachbarliche Beziehungen zu unterhal­ten und erkenne weiterhin die Unoersehrbar­keit der gegenseitigen Grenzen an. Der wirkliche Wert dieser Verpflichtung werde sich zwar erst richtig mit der Zeit erproben; aber man könne schon jetzt feststellen, daß eine bessere Atmo­sphäre geschaffen worden sei, worüber man sich auf beiden Seiten freue.

Der rechtsstehendeJour" sagt, durch die gemein­same deutsch-französische Erklärung solle vor allem das Klima geschaffen werden, in dem Frank­reich und Deutschland ihre Ansichten gegenüberstel­len können. Das Blatt zweifelt nickt daran, daß die französischen Minister dem Wunsche Chamber­lains gemäß sich bemühen werden, den Rahmen der Besprechungen zu erweitern und Zukunftsver­handlungen, vor allem wirtschaftlicher Natur, einzuleiten. Da die deutsch-französische Erklärung u. a. versichere, daß alle st^ webenden Fragen gelöst seien, womit also die Vergangen­heit abgeschlossen werde, müsse man nun die Zukunft bauen.

Des Sudetengaues großer Tag.

Reichenberg bereitet dem Führer einen begeisterten Empfang.

Reichenberg, 2. Dez. (DNB.) Schon viele Stunden vor der Ankunft des Führers im festlich geschmückten Reichenberg sind die Anfahrtstraßen zum Bahnhof bis auf den letzten Platz besetzt. Das Hauptportal des Reichenberger Bahnhofsgebäudes trägt reichen Flaggenschmuck. Auf dem Bahnhof bilden die Männer der ^-Verfügungstruppe Spa­lier. Kurz vor 14 Uhr rollt der Führerzug in die Bahnhofshalle ein. Nach der Begrüßung durch den Gauleiter und die übrigen Vertreter der Partei, des Staates und der Wehrmacht durch­schreitet der Führer die Halle. Ein einziger Auf­schrei der Freude empfängt den Befreier des Sude­tenlandes vor dem Hauptportal. Orkanartig pflanzt sich der Jubel durch die Straßen fort, als der Führer die Fahrt zum Reichskommissariat antritt. Zur selben Zeit erscheint in den Lüften das neue LuftschiffGraf Zeppelin". Nach einem kurzen Besuch im Reichskommissariat fuhr der Füh­rer zum Gewerbe museum. In fast einstün­digem Rundgang besichtigte Adolf Hitler seine wert­vollen kunstgeschichtlichen Sammlungen. Anschließend berechtigte der Führer das Reichenberger Thea­ter. Begleitet von dem brausenden Jubel der Reichenberger Bevölkerung begab sich der Führer sodann zu Fuß zum Rathaus. Bis zum Fest­saal hinauf stehen sudetendeutsche Frauen, die, wie ihre Kinder, zum Empfang des Führers ihre fd)müden, Trachten angelegt haben. Im großen Sitzungszimmer stellt darauf Gauleiter Henlein die Vertreter der Partei und chrer Gliederungen sowie die Vertreter des Staates, der Wehrmacht und der Polizei dem Führer vor. Als Geschenk der Stadt Reichenberg überreichte der Oberbürgermeister dem Mhrer einen wundervollen Wandbehang aus Goldbrokat, der in der weit über das Sudeten­land hinaus bekannten Reichenberger Textilschule nach einem allen italienischen Brokat gewebt wurde. Das Vorbild zu dieser künstlerisch schönen Arbeit wurde bei der Oeffnung der Königsgräber im Jahre 1928 im Veitsdom zu Prag gefunden und auf der Schule nachgebildet.

3n der Messehalle.

Konrad Henlein begrüßt den Führer.

Der Führer begibt sich dann zum M e s s e g e ° lande. Wieder empfängt ihn auf der Fahrt der gleiche unbeschreibliche Jubel und die g. iche Be­geisterung, die ihn schon im Laufe des Nachmittags viermal auf den Balkon des Rathauses gerufen hatte. Grüne Girlanden und goldene Lorbeerge­winde geben der Messehalle ein helles, freundliches Gepräge. Schon fast eine Stunde vor Beginn der Kundgebung haben oben auf der Tribüne Ehren­gäste Platz genommen, Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht. Ein Jubel ohnegleichen erfüllt den weiten Raum der Messehalle, als der Führer dann auf das Podium zuschreitet. Gauleiter Henlein begrüßt den Führer. Wenn in diesen Stunden die Wogen der hellsten Begeisterung emporschlagen, so führt er aus, wenn Hunderttausende sudetendeutsche Männer und Frauen an den Hörgeräten sitzen, dann wird dieser laute Jubel und diese tiefe Freude übertönt von dem Gefühl der unaussprech­lichen Dankbarkeit, die wir, mein Führer, für Sie empfinden. Das, was Sie uns und unseren Kin­dern getan haben, ist so viel und so groß, daß wir niemals diese Dankesschuld abstatten können. Die Jahrhunderte alte Sehnsucht erfüllten Sie, mein Führer. Sie haben uns h e i m g e h o l t ins große deut sch e Vaterland. Sie sind für immer in den Herzen dieser sudetendeutschen Men­schen. Sie gehören zu uns, und wir gehören zu Ihnen. Und das wird so bleiben bis zu unserem letzten Atemzug.

Der Führer forscht.

Nun nimmt der Führer selbst das Wort. Unter dem immer wieder sich erhebenden Jubel der Tau­sende führt er in seiner Rede u. a. aus:

Kaum zwanzig Jahre sind vergangen, seit sich der vielleicht tiefste Schatten über das deutsche Volk gelegt hat ein Zusammenbruch, der um so er­schütternder wirkte, als er ein Volk traf, das mitten in einem großen geschichtlichen Ausstieg begriffen zu sein schien. Dieser Zusammenbruch war nicht ein militärischer, wie man dies aus parteipolitischen Gründen gern behauptete, es war auch kein poli­tischer, es war im tiefsten Grunde ein allge­meiner gesellschaftlicher Zusammen­bruch. Das deutsche Volk befand sich mitten in einem Auflösungsprozeß. Bismarck schuf einst aus den Stämmen das DeutscheReich.die deutsche Volkwerdung aber hielt leider mit der Grün­dung des Reiches nicht Schritt! Im Gegenteil: in derselben Zeit, da das Reich an äußerer Macht zu gewinnen schien, sich weitete, stark und materiell reich wurde, begann der Volkskörper als solcher sich innerlich aufzulösen. Auf der einen Seite stand eine Welt, die sich als bürgerlich deklarierte und behauptete, den nationalen Begriff zu besitzen aus der anderen Seite eine Welt, die

Den Haag, 3. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Zweite Kammer des holländischen Parlaments be­schäftigte sich im Zusammenhang mit einer jüdi­schen Interpellation, die die Zulassung einer noch größeren Anzahl jüdischer Emi­granten forderte, mit der Judenfrage

In seiner Antwort stellte Ministerpräsident Colijn fest, daß Holland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bereits eine sehr große Zahl von Juden beherberge. Die Regie­rung könne ihre Haltung in dieser Frage im Inter­esse des holländischen Volkes nicht ändern. Grund­sätzlich sei der Zuzug von Juden ohne Erlaubnis verboten. Der Ministerpräsident teilte mit, daß er aus allen Kreisen der Bevölkerung zahlreiche Schreiben erhalten habe, in denen nachdrücklich vor einer lleberflutung Hol­lands durch fremde Juden gewarnt wird.

In einer sehr eindrucksvollen Rede wandte sich bann der Abgeordnete der NSB. Graf Mar­chant et d'Assembourg gegen bie deutschfeindliche Agitation. Ho"and habe bereits jetzt schon viel zu viel I u - d e n. Ihre Zahl müsse vermindert werben. Jeder weitere jüdische Zugang müsse aufhören.

Die Behandlung der Judenfrage habe sich in Holland zu einer ausgesprochenen Hetze gegen Deutschland ausgewachsen. Es gebe anscheinend gewisse Kräfte, die Holland in den vom Internationalismus ständig zitier­ten Krieg gegen Deutschland Hetzen wollten. Sei man denn völlig blind gegen diese Gefahren? Das Verbot des Fußball-Länderspiels Holland gegen Deutschland sei mehr als bezeichnend. In der deutschen Presse werde aus diesem Anlaß darauf hingewiesen, daß Holland nicht länger als neutrales Land angesehen werden könne, und von der Möglichkeit gesprochen, daß deut­sche Schiffe den Hafen Rotterdam melden würden. So weit habe man es also getrieben! Ls dürfe aber nicht geschehen, daß die Interessen des holländischen Volkes den Interessen Indas geopfert werden. Darum müß­ten die maßlosen Uebertreibungen und die hyste­rischen haßaesänge gegen das deutsche Volk, das dem niederländischen Volk niemals etwas ange­tan hat, endlich anfbören.

Der Sprecher geißelte bann die wüste Reklame

für eine Judenkollekte, die mit Hilfe eines gefälschten Fllms und verlogener Zeitungsberichte gemacht werben. Während so mit viel Tamtam eine Sammlung für Volksfrembe in Szene gesetzt werbe, werbe die große brennende Not im eige­nen Volk übersehen. Nach der Feststellung, baß in Holland eine Zusammenarbeit gewisser katholischer Elemente mit jüdischen Kommunist »n bestehe, forderte der 9tebner eine grundlegende Lo­sung der Jubenfrage, bie sich zu einer großen internationalen Gefahr ausgewachsen habe. Er entwickelte bann vor der Kammer ben vom Führer ber NSB., Mussert, entworfenen Plan. Dieser Plan geht dahin, einen Juden st aat zu schäften, in dem alle Juden, bie von europäischen Staaten nicht mehr beherbergt werben können, ab­geschoben werben sollen. Als geeignetes Gebiet werde Britisch-, Französisch- und Niederländisch- Guayana an ber Norbküste Südamerikas bezeich­net. Dieses Gebiet mit einer Gesamtoberfläche von etwa 500000 Quadratkilometer könne alle Ju­den der Welt beherbergen und ihnen ge­nügend Lebensmöglichkeiten bieten. Der Redner nannte es sehr bezeichnend, baß die jüdisch beein­flußte Presse Hollanbs diesen weitgehenden Plan totzusckweigen versuche. Sie tue es deshalb, weil dieser Plan brauchbar fei. Das gehe auch daraus hervor, daß Ministerpräsident Chamberlain Britisck-Guayana als jüdisches Kolonisationsgebiet vorgeschlagen habe.

*

Wir haben schon aus Anlaß der Absage des deutsch-holländischen Fußballänberspiels barnuf Hin­weisen müssen, baß bie jübi'che Hetze gegen Deutsch­land im benachbarten Holland einen Höhepunkt der Maßlosigkeit erreicht hat. Mit Genugtuung können wir nun sestftellen, baß es auch in Holland noch maßgebliche Kreise gibt, die bie Gefahr erken­nen, bie sich aus dieser hemmungslosen jüdischen Agitation für bas bislang burchaus gutnachbarliche Verhältnis ber beiben Völker ergibt. Man muß in Hollanb einsehen, baß gegen diese Gefahr es nur ein Mittel gibt, einen klaren Strich zwi­schen sich und ben jübischen Kriegshetzern zu ziehen. Es ist in biefem Zusammenhang von großem In­teresse zu hören, daß man auch in Holland für den Plan Chamberlains, bie Juden nach dem südameri­kanischen Guayana aburchieben, viel Svmpathie zeigt. Nur eine rabikale Lösung der Jubenfrage kann bas Zusammenleben der europäischen Völker von diesem Spaltpilz befreien.

Reue Ansätze.

Im jüngsten Gau des Großdeutschen Reiches, dem Sudetenland, finden morgen die Ergänzungs­wahlen zum Reichstag statt. Führende Männer der nationalsozialistischen Bewegung haben his in die kleinsten Orte hinein in überfüllten Ver­sammlungen gesprochen und überall begeistertes Echo gesunden. Das ist kein Wunder, konnten sie doch auf die ersten sichtbaren Erfolge einer auf allen Lebensgebieten tatfräftig und zielbewußt in Angriff genommenen Aufbauarbeit Hinweisen, die schon in den ersten 60 Tagen nach der Befreiung des Landes durch den Einmarsch deutscher Truppen allen Volksgenossen in irgendeiner Form am eigenen Leibe spürbar geworden ist. Jeder hat in dieser kur­zen Zeit schon das Bewußtsein bekommen, daß die starke Hand des großbeutschen Vaterlandes auch ihn hält und die belebende Kraft der großdeutschen Volksgemeinschaft auch ihn in seinem vielleicht har­ten Lebenskampf stützt. Wie bereits zusammen mit den deutschen Truppen die ersten Hilfskolonnen der NS.-Volkswohlfahrt über die ehemalige Grenze ge­rückt waren und im kleinsten Fleckchen ihre segens­reiche Tätigkeit ausgenommen hatten, so begann un­mittelbar nach Uebernahme der Verwaltung durch die deutschen Behörden, deren leitende Stellen inzwi­schen auch vielfach schon mit Persönlichkeiten des Sudetenlandes besetzt sind, die planmäßige Drgani* sierung des Angriffs auf die Arbeitslosigkeit, bereit verheerende wirtschaftliche und sittliche Folgen die Sudetenländer in den zwanzig Jahren einer syste- mattschen Verelendungspolitik der Tschechen zur Ge­nüge kennengelernt haben, um zu wissen, was es heißt, in zwei Monaten 50 000 Volksgenossen wie­der in Arbeit und Brot zu bringen und die vor­läufig noch Erwerbslosen des Segens der deutschen Reichsversicherung und ausreichender Arbeitslosen­hilfe zuteil werden zu lassen. Daß in diesen Tagen b't Stellvertreter des Führers bereits den ersten Spatenfttch zu den Anschlußstrecken der Reichsauto- bahn im Sudetengau tun kann, ist der sichtbarste Beweis dafür, daß hier genau wie im Frühjahr in der zurückg'wonnenen Ostmark bas, Reich alle in ben ersten fünf Jahren nationalsozialistischer Auf­bauarbeit gewonnenen Erfahrungen zur Ankur­belung der Wirtschaft nützen wird, um Schritt für Schritt das Wirtschaftsniveau des Sudetenlandes bem des Altreiches anzugliebern. Und Hand in Hand bamit geht die kulturelle Betreuung, die Reorgani­sation des Schulwesens, die Wiederherstellung ber Kunst- und Kulturdenkmäler, die tatkräftige För­derung der Theater und der Musikpflege, bie Reini­gung ber Presse unb der Aufbau des Rundfunk­wesens. Ueberall spürt der Sudetenländer den kräf­tigen Pulsschlag neuen Lebens, die mitreißende Energie einer großen Gemeinschaft, in der alle am gleichen Strang ziehen unb einer für den andern einsteht. Im Gefühl dieses tiefen Geborgenseins schreiten die Sudetendeutschen morgen zur Wahl, die für sie aleichzeitig ein vor aller Welt freudig abgelegtes Bekenntnis zu Adolf Hitler fein wird und ein aus übervollem Herzen strömender Dank, daß feine geniale Staatskunst nach dem Schrecken einer zwanzigjährigen Fremdherrschaft den alten Traum der Vereinigung mit dem Reich wahrge­macht hat.

Auch die Tschecho-Slowakei,die in diesen zwanzig Jahren irrtümlicherweise geglaubt hatte, auf der rücksichtslosen Ausnutzung einer einmaligen weltpolitischen Konstellation ein Staatswesen von Dauer gründen zu können, hat nach ben im Zeichen des Sellbstbestimmungsrechts der Völker notwendig gewordenen Amputationen in diesen Tagen die ersten Schritte zur Konsolidierung innerhalb der neuen Grenzen getan. Das innerpolitische Leben bat burch den Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien in einer nationalen Einheitspartei unter Führung der tschechischen Agrarier eine Bereinigung erfahren. Durch das Verbot der Kommunistischen Partei hat schon bas Jnterimskabinett des Gene­rals S i r o v y dem Bolschewismus, der in den kritiscken Septembertagen unter sachkunbiger Lei­tung Moskauer Agenten drauf unb bran war. über bie Eroberung ber Straße bie Macht im Staate an sich zu reißen, eine beutliche Absage erteilt, die auch keinen Zweifel darüber läßt, daß bie Tschecho- Slowakei ausgehört hat, eine Plattform, ober wie man es auch treffend genannt hat, einFlugzeug­träger" der Roten Armee im Herzen Mitteleurovas zu fein. Das war bie selbstoerstänbliche Voraus- feßung für eine fruchtbare Fühlungnahme mit den Mächten der Achse BerlinRom, die sich der neue tschecho-slowakische Außenminister Choalkowsky zum Ziel gesetzt hat. Der von ihm unterstützte An­trag, Deutschlanb unb Italien möchten in ber Frage ber ungarisch-slowakischen Grenzziehung bas Schieds« amt übernehmen, unterstrich diesen neuen Kurs der Prager Außenpolitik, der die alten Bündnisse über­flüssig macht, auch ohne daß sie bisher formell ge­kündigt wären. In der gleichen Linie liegen die mit Deutschland getroffenen Vereinbarungen über den gemeinsamen Bau eines Kanals und einer Autobahn, bie Schlesien mit Oesterreich verbinden sollen unb sowohl eine wesentliche Hilfe im Kampf gegen bie in ber Tschecho-Stowakei herrschende Ar­beitslosigkeit, wie eine wichtige Verkehrsaber der heute mehr denn je auf regen Güteraustausch mit ben Nachbarn angewiesenen tschechischen Wirtschaft sein werben. Das schwierigste Problem der neuen Tschecho-» Slowakei, der Einbau der Nationalitäten in den Staat, ist freilich noch nicht restlos gelöst. Dazu war die Zeit auch zu kurz, denn die endgültigen Grenzen ber Slowakei und ber Karpatho-Nkraine stehen ja erst seit Durchführung bes Wiener Schieds­spruches fest. Doch die Grundzüge der neuen Ver­fassung sind bereits klar erkennbar. Man hat in Prag aus dem eklatanten Zusammenbruch der uni« torischen Tendenzen des unglückseligen Denesch« Regimes gelernt und sich entschlossen auf eine föde-