Vor dem Einseifen die
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 258 Zweites Blatt
Donnerstag, Z. November 1938
E. L. St
genossen in der Ostmark und im Sudetenland helfen wird.
Haut mit NIVEA geschmeidig machen, dann Ist das Rasieren ebenso schmerzlos wie ein Haarschnitt
. NSG. Bei der zweiten Reichsstraßensammlung dieses Winterhilfswerkes treten die Männer der Kampfformationen SA., ff, NSKK. und NSFK. mit der Sammelbüchse an uns heran und bringen chöne gewebte Trachtenbilder aus der O st m a r k. Der Gau Tirol ist mit fünf Bildern, der Gau Kärnten mit vier Bildern, der Gau Salzburg mit drei Bildern, der Gau Steiermark mit einem Bild, der Gau Oberdonau mit vier Bildern und der Gau Niederdonau mit drei Bildern vertreten. Es war nicht einfach, aus der Fülle der schönen österreichischen Trachten diese kleine Auswahl zu treffen, denn fast jedes Tal dieses landschaftlich einzigartigen Gebirgslandes hat eine eigene Tracht. Wieder wird das ganze deutsche Volk am 5. und 6. November seine Verbundenheit mit den heimgekehrten Volksgenossen aus Oesterreich zum Ausdruck bringen und durch den Kauf der WHW.- Abzeichen den' Dank für die Mehrung des Reiches ab statten.
Das Abzeichen besteht aus deutschen Werkstoffen, und zwar das Gewebe aus Kunstseide und der kleine Rahmen aus einer Aluminiumlegierung. Kein Grundstoff würde sich für die Wiedergabe der kleinen Trachtenbilder so geeignet haben, wie der textile Faden, denn selbst bei maschineller Herstellung auf dem Webstuhl ist es noch möglich, kleine Einheiten und Einzelheiten wiederzugeben. Der Gesamtauftrag des Winterhilfswerkes betrug 23V2 Millionen Abzeichen, mit deren Herstellung Schlesien, das Bergische Land und ein Teil der Ostmark (Wien) bedacht wurden. Hunderte von fleißigen Händen waren lange Zeit für diese schmuckvollen Abzeichen tätig, nicht nur in der Industrie, sondern auch zu Hause, denn die Heimarbeiter wurden überall berücksichtigt.
Wenn nun diese Abzeichen am 5. und 6. November durch die Männer der SA., ff, NSKK. und des NSFK. zum Kauf angeboten werden, dann erfüllen sie drei Aufgaben. Sie haben zahlreichen Volksgenossen, die mit der Herstellung beschäftigt waren, einen zusätzlichen Verdienst gebracht. Das ganze deutsche Volk wird an diesen beiden Tagen erneut mit der für das Reich wiedergewonnenen Ostmark auf das stärkste verbunden sein, und schließlich hat jeder zu Gunsten des WHW. gern ein kleines Opfer gebracht, das besonders unseren Volks-
Goethe-Bund und Kaufmännische Verein den Münchener Dortragsmeister Ernst Kreuzträger zu einem heiteren Vortragsabend verpflichtet. Im bunten Wechsel wird Heiteres und Besinnliches von Walter von der Vogelweide, Hans Sachs, Peter Hebel, Busch, Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer zum Vortrag kommen und auch in unserer Stadt, wie überall, begeisterten Beifall finden.
Staatsschauspielerin Hermine Körner im Stadttheater Gießen.
Die Intendanz des Stadttheaters Gießen hat die Staatsschauspielerin Hermine Körner für ein einmaliges Gastspiel am Samstag, 5. November, verpflichtet. Die Staatsschauspielerin gastiert mit eigenem Berliner Ensemble in „Frau Warrens Gewerbe", Drama in 4 Akten von Bernard Shaw. Anfang des Gastspiels 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
Es wäre unverantwortlich, wenn . . .
*7* ... wenn man sich im Winter nicht durch warme Kleidung vor einer Erkältung schützen würde. Es wäre überhaupt unverantwortlich, wenn man sich nicht vor allen Gefahren des Lebens schützen wollte. Wir alle sind auch bestrebt, es zu tun. Man lebt nur einmal und lernt das Leben schätzen.
Zum Schutz des einzelnen und damit der Gesamtheit bei Luftangriffen wurde die Volksgasmaske geschaffen. Sie gewährt sicheren Schutz gegen alle
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Taqeskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Du und ich". — Lichtsvielhaus (Bahnhofstraße): „Liebelei und Liebe". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr Unioersitats- -Aula Lichtbilder-Vortrag Professor Lautensach „Raum und Volk in der politischen Entwicklung des Fernen Ostens".
Dichtung. Das kleine Buch aber, von dem im Besonderen die Rede ist, waren die ..Blumen-, Frucht- und Dornenstücke, oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten Siebenkäs" von Jean Paul Friedrich Richter aus Wunsiedel. Die Geschichte dieses sehr alten und zerflederten Reclambändchens ist mit persönlichen Erinnerungen und familiären Beziehungen auf eine wunderliche und ans Herz greifende Weise verknüpft: als gehütetes Besitztum des Vaters gelangt es an dessen Sterbetage aus den Händen eines Buchbinderoriginals in die der Dichterin zurück, die nun wohl reif geworden ist, sich mit dem Inhalt vertraut zu machen.
Hiernach las Agnes M i e g e l eine Reihe großer, überwiegend balladesker Gedichte: als einen Gruß an die Deutschen im Memelland zuerst die sehr bekannt gewordenen „Frauen von Nidden" „— und die Düne kam und deckte sie zu". Dann ein schönes, feierliches Gedicht „Hindenburg", in dem der Siegesjubel von Tannenberg zusammenklingt mit der Ehrfurcht vor dem großen Namen, „den unsre Not aus der Vergessenheit rief". Dann die Schluß- Strophen einer Hymne an Königsberg, die heimatliche, „ehrwürdige Ahnin junger Städte".
Die Spielschar des Untergaues 116 des BDM. bereicherte die Veranstaltung durch zwei Orchesterstücke für Streichinstrumente und Blockflöten und sang, als Gruß an die Dichterin, „Ostpreußen, Land der Wälder und der blauen Seen". Frau Annes M i e g e l dankte dafür mit einem Gedicht „Mutter Ostpreußen", das vielleicht die dichterisch be- glückendste Gabe des Abends war: aus tiefer Liebe besingen diese sehr schlichten Verse die heimatliche Landschaft, die ganz menschlich-persönlich empfunden und angeredet wird, — „rundlich und warm, wie sich's für Mütter gehört" — und kindlich verehrt in ihrer Schönheit und stillen Würde. Dann hörten wir die fast männlich herben, breit hinslu- tenden Strophen der „Nibelungen" und die von Lady Gwen und Sir Robert Landseer, worin man einen Nachklang des klassischen Balladentones von Strachwitz und Fontane her zu vernehmen meint, endlich als sinnvollen Abaesanq das „.Bekenntnis meines Lebens zum Buch", das die Lehr- und Wanderjahre begleitete, ein großes, aus der Fülle bes Daseins schöpfendes, figuren- und bilderreiches Gedicht.
Als der Beifall verrauscht war. schloß Professor Hamm mit D^nkesworten nn Annes Miegel und mit dem Gruß an den Führer die Kundgebung.
Hans Thyriot.
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rnst PlUW die Bilder: ins Thyriot; . zeigenleiter: ilt der An- 3143, W ii R. Lange, .preis NM lit der W , 10 Pf. und 5 Pf. mehr, tember 1937 '
lttags 10,5 November: Minimum t in 10 an , am 3. No- ischeindauer
Oer Tank.
Ein Geschichtchen von Bater und Sohn/
Der kleine Peter möchte einen Tank. Vater stellt sich zunächst unwissend: Was das sei, ein Tank? Nun, das fei so ein kleines Brumm-Auto, das über alles drüberklettern kann. Ein solches brauche er, wenn er mit seinen Soldaten spiele.
Peters Wunsch wurde erfüllt. Die Freude ist groß. Der rasselnde Tank mit Laufbändern aus gezacktem Gummi klettert ganz wirklichkeitsgetreu über alle Hindernisse. Unermüdlich erobert Peter damit neues Gelände. Selbst die beträchtlichen Unebenheiten der dem Nachmittagsschläfchen hingegebenen „Oma" bieten dem kleinen Brummkasten keinerlei Schwierigkeiten. Nur vor ganz schroffen Wänden muß er kapitulieren: doch selbst da vollführt er noch, unter Peters Freudengeheul, eigensinnige Purzelbäume, bis ihm die Puste ausgegangen ist. Als Peter den Tank gar über den Gemüseberg auf feinen Teller kriechen läßt, gibt es allerdings eine ernste Auseinandersetzung mit Mutti.
Eines Tages nun geschieht, was Vater schon lange befürchtet hat: Peter meldet ganz ruhig, der Tank lasse sich beim Aufziehen immer weiter drehen und wolle einfach nicht mehr laufen. Vater macht ein strenges Gesicht. Auf Peters treuherzige Frage, ob der Tank nicht wieder zu machen sei, erwidert er unbesonnen: „Vielleicht. Ich müßte einmal nachsehen." Er bereut sofort, eine Hoffnung erweckt zu haben, deren Nichterfüllung seinem Ansehen als Alleskönner ziemlich schaden würde. Aber Peter läßt nicht mehr locker, und Vater entschließt sich zur Reparatur.
Hochinteressiert schaut ihm Peter dabei zu. Er ist entzückt: Endlich darf er sehen, was innen „drin" ist. Der Schaden läßt sich, wie es scheint, leicht beheben. Vater kommt in beste Laune, und Peter lauscht voll Verwunderung den vielen zuversichtlichen Worten, mit denen er sein Tun verbrämt. Da schnellt plötzlich heimtückisch die Feder heraus, und sämtliche Zahnrädchen kollern durcheinander. Sogleich verfinstert sich Vaters heitere Miene. Peter dagegen findet es äußerst unterhaltsam, mit den Zahnrädchen Kreifel zu spielen. Er kann gar nicht verstehen, warum Vater ihm das brummig verwehrt.
Rasch ist die Feder wieder befestigt: aber nun er- meift es sich als schwierig, sie zusammen *mt den Rädchen einzubauen. Immer wieder gelingt ihr der
<&änfeauffauf.
Von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau wird uns mitgeteilt:
Die Gänsemästereien in Hessen-Nassau, die beauftragt sind, die Mast der Gänse zur Versorgung der Bevölkerung für die Weihnachtsfeiertage durchzuführen, haben mit dem Aufkauf der Magergänse beim Erzeuger begonnen.
Der Eierwirtschaftsoerband als marktordnende Stelle für die Geflugelwirtschaft nimmt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Preise laut Stoppverordnung des Reichspreiskommissars den früheren Stand nicht überschreiten dürfen. Ein Aufkaufspreis von 0,70 RM. ie Halbkilo ab Hof des Erzeugers gilt als angemessen und wird auch in dem Gebiet der übrigen Landesbauernschaften bezahlt.
Um evtl. Strafen wegen Höchstpreisüberschreitungen zu vermeiden, wird nochmals auf die Preisstoppoerordnung hingewiefen.
Aus der Stadt Gießen.
Katzen ...
„Es ist doch alles nur für die Katz'", ist ein unhöfliches Wort. Diese schmalen, geschmeidigen Tiere mit den grünlichen Augen, wie schön sind sie doch! Wenn eine Katze durchs Gras schleicht, sich duckt, lauert, dann sieht man unwillkürlich den größeren Bruder Panther, der im Dschungel eine Beute wittert.
Einmal kannte ich eine schwarze Angorakatze, die sprang wie ein kleiner Teufel durch sämtliche Räume des Hauses, der verwöhnte Liebling aller. M
Sprung in die Freiheit. Vater wird nervös. Trotz geduldigster Versuche will ihm keine Lösung des mechanischen Problems gelingen. Er ist nahe daran, den Kampf aufzugeben. Nur die pädagogische Erwägung, welch üblen Eindruck dies auf Peter machen müsse, läßt ihn verbissen weiterprobieren.
Dazwischen ruft Peter freudig aus: „Au, Vatt, deine Stirn steht aus wie vollgeregnet!" Seine Schaulust hat sich also, bereits Vaters Gesicht und Mienenspiel zugewandt. Dann kommt eine Frage: „Vatt, warum wachsen dir auf der Stirn keine Stacheln?" Gemeint find Bartstoppeln. Unwirsche Antwort: „Dummes Gerede! Das ist ja, als ob ich fragen wollte, warum dir nicht auch aus dem Kopf Beine wachsen!" Bübchen, nach einer Weile nachdenklichen Schweigens: „Vatt. warum wachsen denn keine Beine aus dem Kopf?"
Vater kann gerade nichts sagen, denn der aroße Augenblick des Gelingens seiner Bemühung scheint gekommen. Tatsächlich, das Werk ist beisammen. Rasch wird es eingebaut, aufgezogen, und wirklich: der Tank läuft!
Vater freut sich wie eit) Kind. Peter jedoch nimmt den Erfolg merkwürdig gelassen hin. Vater bemerkt mahnend: „Beinahe hätte man ihn nicht mehr machen können!" Darauf Peter: „Dann hätte ich halt mit den Zahnrädchen gespielt."
Joseph Baur.
Unverantwortlich und leichtfertig gehandelt wäre es auch, wenn man sich die Volksgasmaske erst dann beschaffen wollte, wenn sie gebraucht wird. Dann-ist vielleicht dazu keine Zeit mehr. Aber dann ist es auch für die Reue und Einficht zu spät.
An alle Volksgenossen, die noch nicht im Besitz einer Volksgasmaske sind, ergeht die dringende Mahnung: Es wäre unverantwortlich, wenn du keine Volksgasmaske erwirbst!
„Ein gelber Kater, ganz betroffen, ist immer hinterher geloffen, denn solche Anmut sah er nie, bei irgendeinem Katzenvieh!"
Oh, Kitty hat schon viel erlebt! Es gab nun Ich au erliche Duette im Mondschein und Gemeinsame nächtliche Raubzüae. Das Ende vom Lieder war, daß Kittn in die Klinik mußte. Kaiserschnitt. Ja. so
Diesmal SA., ff, NSKK und NSFK
Trachtenbilder aus der Ostmark für die WHW.-Straßensammlung.
Treue um Treue!
Der Führer der Standarte 116, Standartenführer L u 11 e r, hat an die SA. seiner Standarte zu dieser Straßensammlung folgenden Appell gerichtet:
Für die SA. ist der Leitsatz: „Treue um Treue — w i r grüßen die O st mark und Sudelendeutfch land".
Der Führer hat in diesem Zahre 10 Millionen deutsche Volksgenossen ins Reich zurückgeführl. Das )ahr 1938 wird als das ruhmreichste in die nationalsozialistische Geschichte eingehen. Auf Grund dieser Tatsache hat der Führer bei der Eröffnung des Winterhilfswerkes feine Erwartung ausgesprochen, daß das Opfer den diesjährigen unvergleichlichen außenpolitischen Erfolgen Deutschlands entspricht.
SA.-Männer! Ihr wißt, was das bedeutet. Mir haben hier wieder die beste Gelegenheit, unsere Einsatzbereitschaft für den Führer und das deutsche Volk unter Beweis zu stellen. Ich erwarte von Euch, daß Ihr alles daransetzt und der Sammlung zu einem noch nie dagewesenen großen Erfolg verhelft!
Der Sammeldienst in (ließen.
An dem Sammeldienst sind beteiligt: SA.-Stan- darte 116, SA.-Reiter-Standarte 147, 83. ff-Standarte, Marine-Sturmbann 11/34, NSKK. und NS.- Fliegerkorps mit ihren im Standort Gießen liegenden Einheiten.
Der Stadtbezirk wird in vier Sammelbezirke zerlegt, die sich mit den Ortsgruppenbezirken decken. Es sammeln in Gießen-Mitte: Stab der Brigade 147, Stab der Standarte 116, Sturm 11/116 und 14/116, sowie NSKK. und 83. ff-Standarte: in Gieß en-Nord: Reiterstandarte 147, Pi. 2/116, Pi. 3/116, Nachr. 116 und NS.-Fliegerkorps: in Gießen - Ost: R. 41/116, 42/116 und 43/116; in Gießen - Süd: Sanitäts-Sturm 116, Marine-Sturmbann 11/34.
Für die Sammlung ist folgende Zeit festgesetzt: Samstag von 15 bis 22 Uhr, Sonntag von 11 bis 22 Uhr.
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dozent und Assistent in Freiburg i. Br., von 1900 bis 1903 außerordentlicher Professor der klassischen Philologie in Rostock, von 1903 bis 1904 außerordentlicher Professor der klassischen Philologie in Marburg, wo er 1904 Ordinarius wurde und dort bis 1913 wirkte. Don Marburg kam er am 1. Oktober 1913 als Ordinarius der klassischen Philologie an die Universität Gießen, wo er vom 1. Januar bis 31. Dezember 1916 Dekan der Philosophischen Fakultät und im Umversitätsjahr 1919/20 Rektor unserer Ludoviciana war. Von der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock wurde er 1919 in Anerkennung seiner Verdienste zum Dr. med. h. c. ernannt. Im Jahre 1934 trat er in Gießen in den wohlverdienten Ruhestand.
Die wissenschaftlichen Arbeiten und Erfolge Kglb- fleischs liegen vor allem auf zwei Gebieten, der griechischen Medizin und der Papyrologie Seine Fähigkeit und Neigung, selbst hinter der behandelten Sache zurückzutreten, mit aller eigenen Leistung nichts zu erstreben als ein reines Bild und ein völliges Verständnis eines antiken Werkes wies ihn auf das entsagungsvolle Amt der Herausgabe griechischer Schriften und Papyri. Kalbfleisch ist Mitarbeiter an der Akademieausgabe der griechischen Aerzte, er schenkte der Wissenschaft eine Reihe ausgezeichneter Ausgaben von medizinischen und philosophischen Schriften /besonders Galens), die jedem Fachmann bekannt sind.
Man würde jedoch die Wirksamkeit Kalbfleischs nicht richtig einschätzen, wenn man nur seine eigenen Arbeiten im engeren Sinne betrachtete und nicht all das in Rechnung stellte, was er als akademischer Lehrer gewirkt, angeregt, gefördert, organisiert hat.So sind seiner Anregung z. B eine Reihe tüchtiger Dissertationen zu Galen zu verdanken.
Noch deutlicher wird die Wirksamkeit Kalbfleischs auf seine Schüler und sein wissenschaftliches Organisationstalent auf dem andern erwähnten Spezialgebiet, der Papyrologie. Seinem Interesse und seinen Bemühungen verdankt es Gießen zum großen Teil, daß es außer der Papyrussammlung des Mu-
(?tiMenbeuffcfoe Buckvrodukiion.
Auf Grund der „Deutschen Bibliographie. Veröffentlichungen in den Sudetenlanden", die in Reichenberg erscheint, werden im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" einige bemerkenswerte Zahlen mitgeteilt. Während im Jahre 1931 1336 Bücher von 520 Firmen und Stellen in 124 Ver- laasorten herausgeaeben wurden, erschienen im Jähre 1937 nur 994 bei 339 Firmen in 87 Verlagsorten. 305 Firmen in den Sudetenlanden waren dem deutschen Buchhandel angeschlossen: von diesen Verlagen wurden die meisten Bücher, 96, in Reichenberg veröffentlicht, dann folate Praa mit 59, Karlsbad mit 44 und Böbmisch-Leipa mit 15. Es gab außerdem Veröffentlichunaen rein tschechischer Verlage, die das Sudetendeutschtum angingen und die in diesen Zahlen mitenthalten sind: vor allem erschienen zahlreiche Schul- und Lehrbücher in tschechischen Verlagen. Bis vor kurzem, beoor die zahlreiche Belchlaanohm-'n einsetzttn, gab es rnnd zwei Duh-nd Zeitschriften im Dienste des Sudetendeutschtums.
In einem anderen Hause gab es gleich drei Katzen. Oder waren es vier? Zur Zeit der Geldentwertung ging es den Hausbewohnern nicht zum besten, aber täglich wurde besonderes Futter für die Katzen gekauft. Wollte man sich setzen, lag natürlich eine Katze auf dem Sessel, beim Bücherbetrachten strich eine über das Buchgestell. Na ja, die Freundschaft ging eines Tages in die Brüche. Wer war schuld? Die Katzen!
Da fällt mir ein anderes Erlebnis ein: Wir sitzen eines schönen Sommertages im Garten und beobachten ein Eichhörnchen, das sich merkwürdig aufgeregt gebärdet. Plötzlich ... ein zorniges Gebell! Husch, ist das Eichhörnchen weg! Im Nachbargarten aber sehen wir den Hund wütend einen Baum anspringen, auf dem eine dickköpfige, braungraue Katze ängstlich sitzt. O Himmel, es ist die siamesische Hauskatze vom Nachbarn, die einen eigenmächtigen Ausflug unternommen hat. Nur mit Gewalt kann der Hund entfernt werden, und die Katze ist gerettet!
Ein altes Märchen weiß von der Entstehung der Feindschaft zwischen Hund und Katze zu berichten: Es war einmal eine Tierversammlung einberufen. Aber das Kamel fehlte. Der Hund wurde ausge- schickt, es zu holen. „Wie erkenne ich es?" fragte er. „An seinem Buckel!" war die Antwort. Da traf der Hund eine Katze, die gerade buckelte, und nahm sie mit. Als sie zu den anderen Tieren kamen, sagte er: „Hier bringe ich das Kamel!" Da lachten sie alle sehr und seitdem ...
In unserem Hause lebt eine graue, schön gezeichnete Katzendame, Kitty benannt. Eines Tages, als wir morgens die Türe öffneten, stand sie davor, ein süßes, kleines Katzenbaby, hob ein Pfötchen und stolzierte unaufgefordert in die Küche, allwo sie sehr richtig etwas Genießbares vermutete. Als sie sittsam ihre Milch ausgeschleckt hatte, wollte das Kind, das natürlich hell begeistert war, das Kätzchen spazieren- ftchren. Zu diesem Zwecke bekam es ein Halsband, an dem eine Leine befestigt war. Aber — Kätzchen wollte nicht, wie Brigitte wollte. Es gab viel Bit- -ten, Locken, Zerrereien. ja sogar Tränen. Schließlich erbarmte sich die Nachbarin und nahm das Kätzchen als eigen an. Kätzchen ist nun eine Katze! Mit der Schäferhündin im Erdgeschoß verbindet sie eine -erbitterte Feindschaft, wie das unter Frauen zuweilen Vorkommen soll, wobei Britta, die Hündin, «den kürzeren zieht. Kitty nämlich springt ihr, wenn irgend möglich, auf den Rücken und gibt ihr von -dort aus wahlgezielte Ohrfeigen. Eines Frühjahres aber:
lleiOch- i= unö gen 1959.
ien:
ie ihre Lebre b Mort biä v, re Lehre sofort bis
ie ihre Lehre minder Zeit
§ ben Kreisen ;er Industrie« träfe 7, unter Vordrucke zu vorgenannten sich. Die Pr«' an der Kaust Lehrling, nrt LebrabsM' lifungsgebuhr
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Kundgebung zur Woche des deutschen Buches.
Agnes Miegel liest aus eigenen Werken.
Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, Goeche- Bund und Kaufmännischer Verein, sowie der örtliche Arbeitsausschuß zur Buchwoche hatten für gestern abend zu einer Kundgebung aus Anlaß der Woche des deutschen Buches aufgerufen und die Dichterin Agnes M i e g e l zu einer Borlesung aus eigenen Werken zu Gast gebeten. Die Aula war, soweit wir sehen konnten, bis auf den letzten Platz besetzt. Bürgermeister Professor Dr.
3u Beginn im Namen der Veranstalter die Erschie- nenen willkommen und richtete Worte herzlichen Dankes an die Dichterin, deren Besuch uns zu hoher Ehre gereiche: sie, die Künderin des deutschen Ostens, werde hier von einer treu ergebenen Gemeinde empfangen. Auf den eigentlichen Anlaß der Kundgebung eingehend, kennzeichnete Prof. Ha m m Las deutsche Buch als unersetzlichen, treuen Begleiter, Freund und Helfer im verzehrenden Alltag un- lerer gewaltig bewegten Zeit. Er sprach von der hohen Verantwortung dem Buche gegenüber unö von der brennenden Notwendigkeit, Zeit und Mutze zu schaffen für die Vertiefung in die ewigen Werte Les Buches, auf daß es ein Kraftguell werde im Leben der Nation.
Dann betrat Agnes Miegel, vom herzlichen Beifall der großen Zuhörerschaft empfangen, das Podium. Sie begann ihre Vorlesung mit drei Ge- Lichten: „ O ihr, aus deren Blut ich kam", „Cranz' unb „Gedenktag". Dies sind stille, klare, empfun- Lene Verse, der heimatlichen Landschaft, her „heilig vertrauten", und den menschlichen Kraftströmen tief verpflichtet, die das Wesen der Dichterin bilden und sich entfalten halfen. An diese Gedichte schloß sich am die kleine Geschichte eines Buches, das einzige Prosastück des Abends, dem Sinn und Ziel der Kundgebung innerlich zugewandt, eine Jugender- iinnerung von sehr persönlicher Haltung, im Svrach- Blang ganz leise ostpreußisch getönt. Frau M i e - V e l erzählt hier von ihrer ersten Bekanntschaft mit Lern elterlichen Bücherschrank daheim, dessen Schatze mach und nach zu treuen Begleitern durchs ganze Geben wurden, von der frühen Begegnung mit .Spiegel dem Kätzchen", Mörike-- schöner L-m 'm Bloutopf und manchen andern, längst unvergeßlich und tief vertraut gewordenen Gestalten deutscher
ist das Leben!
Vsrnoinen.
heiterer Vorkraasabend.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein , , schreibt uns: Am Montag, 7. November, hat der Kampfstoffe.
Der Führer an General Mohr.
Anläßlich des Tages ihrer Goldenen Hochzeit am vorigen Montag erhielten Generalmajor a. D. Rudolf Mohr und Frau in Gießen folgendes Telegramm des Führers:
„Der Führer und Reichskanzler.
Berlin, 30. Oktober 1938. Sehr geehrter Herr General!
Zu dem seltenen Fest der Goldenen Hochzeit sende ich Ihnen und Ihrer Gattin meine herzlichsten Glückwünsche. Ich hoffe und wünsche, daß Ihnen noch ein recht langer und ungetrübter Lebensabend im Kreise Ihrer Familie beschieden sein möge.
Mit deutschem Gruß!
Adolf Hitler."
Prof. Dr. Karl Kalbfleisch 70 Zahre alt.
Der langjährige ordentliche Professor der klassischen Philologie an der Universität Gießen, Prof. Dr. phil. et Dr. med. h. c. Karl Kalbfleisch, kann am heutigen 3. November in aller Frische seinen 70. Geburtstag feiern.
In Gelnhausen am 3. November 1868 geboren, besuchte Karl Kalbfleisch zunächst die Mittelschule und Privatunterricht in seiner Vaterstadt, dann von 1883 bis 1887 das humanistische Gymnasium in Hanau. Hierauf studierte er von 1887 bis 1889 in Leipzig klassische Philologie und Germanistik, von 1889 bis 1893 in Berlin klassische Philologie, Archäologie und Philosophie, von 1893 bis 1895 in Berlin Medizin. Er promovierte 1892 in Berlin zum Dr. phil. und habilitierte sich 1896 in Freiburg im Breisgau als Prioatdozent der klassischen Philologie. Dann war er von 1896 bis 1900 Privat-


