Gesellschaft Liebig-Museum Gießen.
Umbildung des Vorstands.
Die Gesellschaft Liebig-Museum hielt am gestrigen Mittwochabend un Physiologischen Institut Der Universität eine außerordentliche Jahreshauptversammlung ab, deren wichtigster Punkt die Neuwahl des Vorstandes war. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Dr. Fritz Merck (Darmstadt), begründete die Notwendigkeit der Neuwahl, für die u. a. auch Las Ausscheiden zweier verdienter Vorstandsmitglieder, des verstorbenen Ehrenvorsitzenden Geheimrat Professor Dr. Sommer und des gleichfalls verstorbenen Geheimerats Profesior Dr. Behaghel, maßgeblich war. Weiterhin hatten die Professoren Dr. Brand (Marburg) und Dr. Schaum (Gießen) um Entlassung aus dem Vorstand gebeten. Der neue Vorstand setzt sich nun zusammen aus Dr. Fritz Merck als 1. Vorsitzenden und dem Direktor des Chemischen Instituts der Universität Professor Dr. Weitz als Stellvertreter, Apotheker Adolph als Schriftführer, Bürgermeister Profesior Dr. Harn m, der für die Unterhaltung des Liebig-Museums großes Interesse bekundet, als Vertreter der Stadt, ferner aus Landgerichtsrat Jockel, Amtsgerichts- rat i. R. Gros, Universitätsprofesior Dr. Bür - ker, Karl Liebig aus Valparaiso, Regierungsbaurat Kuhlmann als Vertreter des Staates, Universitätsprofesior Dr. Otto B e h a g h e l, ferner
aus dem Profesior der Technischen Hochschule in Darmstadt Dr. Schöpf, der die Verbindung zu Darmstadt aufrechterhalten soll, unD aus dem Bruder des 1. Vorsitzenden, Georg Merck (Darmstadt).
Dr. Fritz Merck dankte dem bisherigen Vorstand und auch den Professoren Dr. Brand und Dr. Schaum für ihre langjährigen Dienste.
Unter „Verschiedenes" gab Dr. Merck oekannt, daß in diesem Winter die Briefsammlung Liebigs eingehend durchgearbeitet werden wird, um diese kostbaren Schätze in einer ähnlichen Sammlung zu veröffentlichen, wie es Profesior Berl mit den Briefen an Karl Liebig (Valparaiso) bereits getan hat. Die Bauarbeiten im Museum sind bereits durchgeführt bis auf eine Ausbesserung im Hör- saal, die in nächster Zeit vorgenommen werden wird. Das Museum hat von dem früheren Schriftführer der Gesellschaft, dem Arzt Dr. Werner in Bad Mergentheim, zwei weitere Briese Liebigs als Geschenk erhalten, wofür dem Spender öffentlicher Dank ausgesprochen wurde.
Anschließend hielt Profesior Dr. Bürter einen Vortrag über das Thema: Zur Kenntnis der Galle seit Liebigs Zeiten."
Tierschutz aus -em Transport.
ZdR. Nach § 1 des Tierschutzgesetzes vom 24. No- vember 1933 ist es verboten, ein Tier unnötig zu quälen oder roh zu mißhandeln. Weiter verbietet dieses Gesetz u. a., ein Tier in der Unterbringung oder Beförderung derart zu vernachlässigen, daß es dadurch erhebliche Schmerzen oder gar erheblichen Schaden erleidet. Jede andere Unterbringung und Beförderung eines Tieres als die nachfolgend beschriebene wird als Vernachlässigung gegenüber der Volkswirtschaft und im Sinne des Tierschutzgesetzes angesehen.
1. Die Wagenböden find zur Vermeidung von Unglücksfällen mit Einstreu (Sand, Sand und Stroh, Torfmull und bergt) zu versehen.
2. Die Tiere find in schonender, sie nicht beunruhigender Weise zu verladen.
3. Die Tiere dürfen nicht zu eng oerlaDen werden.
4. Großvieh muß bei Zusammenverladung in einem Wagen von Kleinvieh (Kälber unter drei Monaten, Schafe und Ziegen) und Jungvieh (Rinder bis ein Jahr) durch Bretter- oder Lattenver- schläge (Vorsatzgitter) getrennt werden.
5. Großvieh und Schweine müssen auch nach Geschlechtern getrennt werden, Großvieh durch Anbinden, Schweine durch Bretter- oder Lattenver- schläge( (Dorsatzgitter).
6. Jede Krch mit dem zu ihr gehörenden saugenden Kalb mutz von anderen Tieren abgegittert werden. Unterwegs geborene Kalber sind mit dem Muttertier bei nächster Gelegenheit von anderen Tieren abzygittern.
7. Rinder, bei denen das Abkalben in den nächsten Tagen zu erwarten ist, sollen nach Möglichkeit nicht befördert werden.
8. Frischmilchende Kühe sollen nicht früher als drei Tage nach dem Abkalben verladen werden.
9. Frischmilchende Kühe sind in jedem Falle kurz vor Beginn der Beförderung und während der Beförderung spätestens nach achtzehn Stunden zu melken.
10. Bei der Beförderung von hochtragenden und frischmilchenden Rindern soll ein Begleiter für einen Lastzug gestellt werden. 1
11. Lose verladenen Pferden, z. B. Schlachtpfer- den, sind zur Vermeidung von gefährlichen Schlagverletzungen die Hintereisen abzunehmen.
12. Die Beförderung altersschwacher ober gebrechlicher Pferde (z. B. Schlachtpferde) ist eine tierquälerische Handlung und deshalb zu Unterlasten.
13. Bei einer Transportdauer bis zu zwei Stunden können die Bestimmungen unter Nr. 7, 8, 10 und 12 außer Betracht bleiben.
Jeder am Tierversand Beteiligte hat die Pflicht, mit dafür zu sorgen, daß die Tiere ihren Bestimmungsort in bester Verfassung erreichen. Wer von den Tierversendern diese Richtlinien nicht beachtet, kann wegen Uebertretung der Bestimmungen des Tierschutzgesetzes bestraft werden. Bei Zuwiderhandlungen kann nach § 11 des Tierschutzgesetzes die berufsmäßige Beschäftigung oder der Handel mit Tieren untersagt werden.
seums über zwei ansehnliche Sammlungen verfügt, die der Universitätsbibliothek und die Janda-Pa- pyri. Diese Sammlung hat Kalbfleisch im Jahre 1906 begründet und nach dem Gelnhauser Buchdruckergeschlecht, dem seine Mutter entstammte, benannt. Die Janda-Papyri wurden von Kalbfleisch unter Mitwirkung seiner Schüler herausgegeben.
Als Gelehrter und Forscher, als Lehrender und als Förderer junger Talente, als Mensch und als Gießener Bürger hat sich der Jubilar Durch fein Wirken und durch sein allezeit liebenswürdiges und gewinnendes Wesen in weiten Bevölkerungskreisen große Sympathie erworben. Daher werden ihm an Seinem heutigen 70. Geburtstage sicherlich zahlreiche Ehrungen zuteil werden. Dem Jubilar bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche bar.
7!ur an den Gtanoortültesten.
Der Standortälteste Gießen bittet sämtliche Dienst, stellen, Gliederungen der Partei, Behörden, Körperschaften, Organisationen, Verbände und Vereine etwaige Anträge und Aufforderungen auf Gestellung von Abordnungen der Wehrmacht des Standorts Gießen (Offizierabordnungen oder Truppen- abordnungen ober „Vertreter der Wehrmacht^ bei wichtigen ober feierlichen Anlässen aller Art, einschließlich größeren geselligen Veranstaltungen: „An den Standortällesten, Gießen, Zeughauskaserne" zu richten.
Der Standortälteste wird fobann nach Maßgabe der dienstlichen Inanspruchnahme der Truppe über die etwaige Vertretung der Wehrmacht bes Stanb- orts Gießen entscheiben.
Gemäß Erlaß des Reichskriegsmimsters und Oberbefehlshabers der Wehrmacht kommt Gestellung von Ehrenformationen (also geschlossenen Truppenver- bänben) im allgemeinen nur bei ganz besonderen Anlässen in Frage.
Von obiger Regelung werben an Truppen-Kom- manbeure im Standort persönlich gerichtete Einzel- Einladungen nicht berührt.
Die Stäbe, Truppenteile und Dienststellen des Standorts find angewiesen worden, Einladungen und Aufforderungen zur Gestellung von Abordnungen ober Vertretern unbeantwortet dem Standortältesten oorzulegen.
»Kriegerälteste*'
im ND.-Neichskriegerbund.
Lpd. An allen Orten mit mehreren Kriegerkameradschaften, mit Ausnahme jener, wo ein Kreiskriegerführer ober höherer ©lieberungsfübrer seinen Sitz yat, werden hurch den Landeskriegerführer, im Landesverband Fulda-Werra, also durch ^-Oberführer, Generalleutnant a. D. Fett, ,K ri e g e r ä l te ste" bestimmt. Sie haben die Verbindung mit den Partei- und Wehrmachtsdienststellen aufrechtzuerhalten und sind dafür verantwortlich, daß außergewöhnliche wichtige Anordnungen schnell burchgesagt werben. Ihre weiteren Aufgaben bestehen in der Regelung gemeinsamer Veranstaltungen aller Kriegerkamerabschaften am Ort in enger Verbindung mit den örtlichen Partei- und Wehrmachtsdienststellen sowie mit den Ortsbehör- den, Gestellung von Abordnungen des NS.-Reichs- kriegerbundes bei feierlichen Anlässen, Sorge für die Unterbringung von auswärtigen Kameraden, Regelung eines einheillichen Auftretens der Krie- gerkamerabschasten, Vertretung des NS-Reichs- kriegerbundes bei örtlichen Veranstaltungen u. a. m. Jrgenbwelche Führerbefugnisse stehen ben Krieger- ältesten eines Standortes nicht zu. Ihre Anordnungen hn Rahmen ihrer Sonderausgaben sind jedoch siir alle Kriegerkamerabschaften am Ort und deren ÜRifglieDer bindend.
Odenwälder Heimatvereinigung.
Zur November-Tagung der Odenwälder Heimat- nereirrigung fand sich eine stattliche Anzahl gebürtiger Odenwälder aus unserer Stabt im Hotel Köhler zusammen. Der Dorsitzenbe Hch. Vetter gedachte in seinen Begrüßungsworten der gemeinsamen Heimat, ging auf Freud und Leid in einzelnen Familien der Heimatoereinigung ein und beglückwünschte Steuerinspektor A m e n d , ein besonders rühriges Mitglied der Heimatvereinigung, zur Verleihung des Treudienstehrenzeichens in GoQ. Unteroffizier Grünewald, gebürtig aus Bad König, gab
darauf einen anschaulichen Bericht über seine Erlebnisse bei der Besetzung des sudetendeutschen Gebiets. Er verstand es, seinen Landsleuten ein treffendes Bill» von den larLschaftlichen und kulturellen Verhältnissen in der Ostmark und Sudetendeutsch- lanb zu vermitteln. Ergänzend sprach Dr. M i ch e l über seine Eindrücke aus dem Waldviertel und würdigte besonders eingehend die Stätten, wo der Führer, seine Eltern und Vorfahren lebten und z. T. heute noch Verwandte Adolf Hitlers wohnen. Mit dem Dank an den Mann, der Sudetendeutschlanb heim ins Reich geführt hat, klang der Abend aus.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 3.Nov. Auf dem heutigen Wocken- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, 54 kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, ausländische Kühlhauseier, 11, Wirsing, % kg 8 bis 9 Pf., 50 kg 5 bis 8 Mark, Weißkraut, 54 kg 4 bis
5 Pf., 50 kg 4 Mark, Rotkraut, 54 kg 7 bis 8 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mark, gelbe Rüben und Karotten, 54 kg 7 bis 9 Pf., rote Rüben 10, Spinat 15, Römifchkohl 10, Bohnen, grün 30, Rosenkohl 15 bis 40, Feldsalat, 1/io 8 bis 10, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 8 bis 9, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 35 bis 40' Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel, 54 kg 30 bis 45 Pf., Birnen 25 dis 40 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Gänse 1,10 bis 1,25 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Nüsse, 54 kg 50, Blumenkohl, das Stück 10 bis 45, Salat 8 bis 10, Salatgurken 45 bis 50, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bündel 8*bis 12 Pf.
** Arb eitsjub iläum. Am heutigen 3. November kann der Lagerarbeiter Jean Meurer auf eine ununterbrochene Dienstzeit von 30 Jahren
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Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L 6a
23 Fortsetzung (Nachdruck verboten!,
,^ch danke Ihnen, Schorsch ... wir wollen doch ruhig bei dieser Anrede bleiben! Wenn Sie wollen. Sie auch, Güncher. Und nun helfen Sie mir! Sie sind beide Fachleute, der eine ist Techniker, Maschinenbauer, der andere Werbeleiter und Kaufmann ... kommen Sie zu uns und helfen Sie mit, gemeinsam ein neues Werk zu schaffen, ein Werk, das die Lebensarbeit eines Mannes verwirklichen soll, den mir alle miteinander gern haben. Ist das keine Ausgabe, die Sie reizen könnte?"
,Zst das Wahrheit? Ist es Ernst?"
„Mein voller Ernst. Hier gibt's doch nichts zu scherzen."
„Günther, du Frosch, wo ist deine rechte Hand eigentlich? Reich Sie 'rüber! So ... hier ist meine! Wir sind Ihre Leute! Und daß der Doktor Ihnen vorschriftsmäßig aus den Leim geht, dafür lassen Sie mich nur sorgen! Jetzt könnt Ihr mal erleben, wie Schorsch eine Sache organisiert!"
Hägebarth muß lachen.
„Ähre Zuversicht, mein Herr, möchte ich auch haben! Aber das soll mich nicht hindern, Ihnen alles Gute zu wünschen! Glück auf!"
„Glück auf!"
Dann reichen sie sich die Hände.
„Es muß sckön sein, so jung wieder anfangen zu können. Als ich damals mit dem alten Herrn Batten- feldt seligen Angedenkens die „Vereinigten" aufbaute ... seufzte Hägebarch, und bann beginnt er von den Gründerjahren zu erzählen. —
Au diesem Abend kommt niemand mehr nach Hause. Sie sitzen und erzählen und dann, als das Gespräch zu versiegen beginnt, als Hägebarth längst schlafen gegangen ist, setzt sich Karola an Den Flügel. Und nun hören Jic mit Erstaunen, daß in diesem Menschenkind mehr steckt als eine kühle kluge Rech- nerin, sie entdecken plötzlich, daß sie eine Künstlerin ist ... eine Frau, die liebt.
„Darum also", knurrt Schorsch vor sich hin, und es hört chn niemand, „darum also war sie die einzige, die wußte, wie sie den Doktor einfinq!" Und nun ist ihm auch auf einmal klar, weshalb Der Dok- tor gar nicht anDer$ konnte, als dieses Mädchen
liebzugewinnen. Die zwei gehörten zusammen wie durch Die Vorsehung bestimmt.
In Dieser Stunde, in Der er weiterhin entdeckt, Daß auch in seinem Herzen eine kleine zarte Flamme für Karola zu flackern beginnt — und wer kann oorübergehn an ihr, ohne sie zu lieben? — Da nimmt er sich vor, mit allen seinen Kräften Darüber xu wachen, daß dieses Glück dem Freunde nicht zerbricht, wie es ihm schon einmal geschehen ift Dafür will er Die Augen offen halten. Daß Diese zwei von Gott füreinander bestimmten Menschen ihr Glück finden und daß es Urnen unversehrt bleibe.
Ehe sie schlafen gehen, faßt Karola noch einmal das Ergebnis der Besprechung zusammen.
„Wir haben hier so etwas wie eine Verschwörung angezettelt", meint sie lächelnd, „eine Verschwörung, die uns allen zum Besten dienen soll und ganz besonders Dem Mann, Dem wir alle zugetan sind. Es hängt von unserer Geschicklichkeit und Verschwiegenheit ab, ob wir den rechten Erfolg für unsere Mühe haben. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß es sehr böse wäre, wenn einer von uns zur Unzeit den Mund auf tun wollte. — Schorsch, Sie können das Probestück Ihrer Begabung ablegen, indem Sie zwischen Karajan und Der Firma Die erste Verbindung Herstellen. Und Damit Sie auch wissen, daß ich Sie alle nicht nur als meine Mitarbeiter Der Form nach schätze, will ich Ihnen sagen, daß ich beschlosien habe, Sie alle als Gesellschafter in Die Firma aufzunehmen ... wenn Ihnen Das recht ist. Bitte ... lassen Sie mich zunächst noch einmal ausreden! Es ist auch ein klein wenig Selbstsucht dabei. Wenn ich verkaufe, ist es natürlich für mich ausgeschlossen, Die Firma unter anderm Namen wieder zu eröffnen. Das geht nicht. Darum halte ich das für die günstigste Lösung."
„Das ist unmöglich, Fräulein Karola! Wir können doch keine Geschenke von Ihnen annehmen!" protestiert Günther. Er hat ganze zwanzig Mark in der Tasche unb soll so mir nichts, dir nichts kurz vor zwölf Uhr Gesellschafter einer Firma werden, die noch nicht gegründet ist. Ulkig.
Aber Karola läßt das nicht gelten.
„Dieses Geschenk ist zunächst gar nichts wert. Sie können sich ein Paar Handschuhe Dafür kaufen. Wir müssen erst arbeiten, daß es seinen Wert erhält. Und weil ich in Ihnen allen ganze Arbeitskamera- den gewinnen möchte, darum'möchte ich, daß Sie mir auch helfen, einen Teil der Verantwortung zu tragen. Wollen Sie mir das abschlagen?"
„Nein, nein, das nicht ... aber ...
.Kein Aber. Sie sagen also ja! Einverstanden?" „Dann wird wohl nichts anderes übrig bleiben
... wir sind also Ihre Gesellschafter, Fräulein Karola!" seufzt Schorsch und macht ein Gesicht, als müßte er Essig trinken. Aber dann bricht die Freude durch bei ihm: „Wie heißt unsere Firma eigentlich? Man muß doch wenigstens den Namen wissen!"
„Wofür sitzt Du in Der Anzeigenabteilung einer Großstadtzeitung?" entgegnet Günther. „Das ist Deine Sache!"
„Er ist gefunden! Wir* werden gemeinsam Die ,Konkordia-Preßstoff Gmb H/ gründen", verkündet Schorsch feierlich.
„Konkordia? Wie kommst Du Denn Darauf?"
.Konkordia heißt Eintracht. Ich finde, das ist ein sehr schöner, passender Name. Oder meinst du nicht, Günther?"
,^)m. Du bist eben doch ein Dichter. Aber nun ist es wohl Zeit, schlafen zu gehen. Wir haben allerlei vor!" schließt Günther das Gespräch ab.
Schorsch reckt sich empor und lacht auf seine verschmitzte Weise. „Der gute Doktor hat von seinem Glück noch keine Ahnung! Kinder, was ist das eine ulkige Welt! Aber schön, Fräulein Karola ... wunderschön! Sie Dürfen mir glauben ... Das haben mir alle beide nicht hinter Dem Mädchen vermutet. Das Da vor uns ftanD, als wir aus dem Autobus stiegen!"
Als sich die Herren verabschiedet haben, geht Ka- rola noch einmal in ihr Arbeitszimmer. Schwer lagert der Qualm Der Zigarren und Zigaretten darin. Sie öffnet Die Fenster weit.
Draußen funkeln Die Sterne über dem Erzgebirge. Es ist ganz klar. Aus der Stabt, die sich wie ein dunkles, nur von seltenen Lichtpunkten unterbrochenes Meer unter ihr dehnt, tont der Warnruf eines Automobils. Dumpf poltert die Straßenbahn über Die Schillerbrücke.
„5)abe ich's gut gemacht?" fragt Karola in Die Nacht hinaus. „Wirst du mir nicht böse sein, Herbert, daß ich dich immer noch ein wenig belüge? ... Sieh, ich habe doch nur einen Gedanken bei allem, was ich tue: es ist für dich ... für uns zwei. Wir müssen doch zusammenwachsen zu einem Ganzen, das fest steht für ein ganzes Leben. Du bist Stamm und Gezweig... Du breitest dich weit aus in das Dunkel und in Das Helle, Den Strom des Lebens einzufangen. Ich aber bin ein Mädchen ... und durch dich ein Weib geworden. Ich will halten, will Wurzelwerk fein, das sich anklammert an die heilige Erde und Kraft und Sicherbeit gibt und Ausruhen, wenn her Sturm vorüber ist ... ach, Herbert, wieviel leichter wäre es, wenn ich schon bei dir fein könnte!"
Unfälle auf dem Lande.
Der 45jährige Heizer Karl Lind aus jungen erlitt bei einem unglücklichen Sturz von der Maschine einen Wirbelsäulenbruch, der feine sofortige Ueberführung m die Klinik nach Gießen notwendig machte. — Der Landwirt Willi B e l tz e r von Utphe, der mit seinem Motorrad unterwegs war, wurde von einem Bulldogg ungefähren und stürzte so unglücklich zu Boden, daß er dabei einen Schädelbasisbruch und einen Armbruch erlitt. Die Verunglückten wurden in die Chirurgische Klinik in Gießen aufgenommen.
irenen ausprobiert. Beim Ertönen dieses Alarm- ignals handelt es sich also nur um eine Probe, o daß kein Grund zur Beunruhigung gegeben ist.
** Geschäfts st enographenprüfung Herbst 19 3 8. Wie die Industrie, und Handelskammer Gießen nritteilt, fand am vorigen Sonntag Die Diesjährige Herbst-Geschäftsstenographenprüfung statt, Die in Der Abteilung 150 Süden von Fräulein Hilde Siebert, Fräulnn Ilse Wurm und Herrn Konr. Georg Emmerich, sämtlich aus Gießen, bestanden wurde. Ferner bestanden die 23orprühing in Der Geschwindigkeit von 120 Silben Herr Willi Arnold, Gießen, und Herr Karl Bender, Gießen.
** D i e Anmeldungen zu den indu« striellen Facharbeiter-, Lehrabschluß- und Kauf mannsgehilf enpruf ungen 1939 müssen jetzt erfolgen. An den Prüfungen nehmen sämtliche in Frage kommenden Lehrlinge der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach teil. Die industrielle Facharbeiterprüfung erfaßt alle LehrUnge, die einen anerkannten Lehrberuf erlernen, während für Lehrlinge zur Zeit nicht anerkannter Lehrberufe die Lehrabschlußprüfungen abgehalten werden.
bei dem städtischen Gas- und Wafferwerk zurück- blicken. Aus diesem Anlaß wurde der Jubilar im Kreise seiner Arbeitskameraden geehrt und ihm ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters überreicht.
** Das silberne Treudienst-Ehrenzeichen verliehen. Dem Derwaltungsinspektor Peter Jockel vom Versorgungsamt Gießen wurde vom Führer und Reichskanzler als Anerkennung für 25jährige treue Dienste das silberne Treudienst- Ehrenzeichen verli-ehen. Das ihm durch den Leiter der Behörde in würdiger Form am 1. November ausgebänDigt wurde.
** Probealarm Der Feuersirenen. Am morgigen Freitag, 4. November, von 12 Uhr ab werden Die in der Marburger Straße und in Der Liebig st raße errichteten neuen Feuer-
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der NSD-, h Mustergar • den. Möchten
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Rundfunkprogramm
Frelkag, 4. November.
6 Uhr: Fuga „Alla Handel", op. 49, von A. Gull« mant — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: 10: Schulfunk: Schwester sein, heißt mitten im Leben stehen. 10.30: Wir sind das Volk der Flieger. Aus Der Arbeit Der Flieger-HI. 11.45: Ruf ins Land. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund. 15: Kleines Konzert. 16: Nachmittagskonzert. 18: Sport Der Woche und für Den Sonntag. 18.15: Bucher, von Denen man spricht. 18.30: Mit JagDgesang unD Hörnerschall. Hörfolge. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Der Garnmacher Crompton. Erzählung. 20.30: Die Winterreise. Ein Liederkreis nach Gedichten. 22: Nachrichten. 22.30: Unterhaltungskonzert. 24 bis 2: Nachtkonzert.
Frau Kölzow liegt in ihrem Bett noch wach. Ihr Schlafzimmer im Kellergeschoß liegt gerade unter dem Musiksalon. Da hört sie, wie oben der Flügel zu klingen beginnt
Karola spielt. Was das ist, weiß sie nicht, aber sie hört es aern.
„Hörst bus? Sie spielt Klavier!" flüstert sie chrem Mann zu. Wenn sie Klavier spielt, so ganz für sich allein, Dann bars immer was gegeben. Vielleicht heiratet sie bald.
Aber Herr Kölzow hat für so etwas wenig Sinn. Er wendet sich unwillig auf Die andere Seite und brummelt verdrießlich: „Und deswegen weckst Du mich mitten in der Nacht?"
*
Am andern Tag sitzen Wernicke und Schorsch in Wangenheims Kanzlei.
Der Justizrat hört ihren Bericht von Anfang bis zu Ende, ohne eine Zwischen frage, an. Er macht sich nur manchmal kurze Notizen.
Endlich ist Schorsch fertig, Günther faßt alles noch einmal zusammen.
„Sie werden begreifen, Herr Justizrat, daß unsere Lage nicht ganz einfach ist. Wenn Doktor Karajar- aufmerksam wird unD erfährt, daß diese Dame, Der er so unendlich viel verdankt, seine eigentliche Geld geberin ist, daß eigentlich seine ganze Arbeit stehl uriD fällt mit dem bedingungslosen Vertrauen, Das dieses Mädchen in sein Wissen und Können setzt, Dann wird er nicht zögern, alles stehen- und liegen* zulasten und zu verschwinden. Er ist von einem ... ich möchte sagen, krankhaften Stolz. Es gibt Da gewisse Ereignisse in seinem Leben, Die chn empfindlich gemacht haben, wie es selten ein Mensch ist Wir kennen iyn gut"
,Hch auch", sagt der Justizrat und schnippt feine Brille auf die Stirn. „Ich muß aber vor allem das kleine Fräulein fennenlemen. Wissen Sie, warum?'
„3d) kann mir's denken. Sie wollen von ihr bestätigt haben, daß unsere Angaben stimmen."
„Unsinn. Ich glaube Ihnen. Nein, ich muß chre Bekanntschaft machen, well ein solches Mädchen st etwas Seltenes ist, daß mir's ganz unglaublich er- | scheint. Denn es ist keinesfalls sicher, daß Die i finbung Das hält, was sie verspricht. Theoretisch ist alles in OrDnung. Ob sich das aber vraktisch nut Dem Erfolg durch führen läßt, den Der Doktor Karajan erwartet, Das kann ich nicht sagen."
,^)aben Sie Das Dem Doktor auch gesagt?"
Der Justizrat winkt ab, fast ärgerlich Darüber daß man ihm soviel Torheit zutraue.
(Fortsetzung folgt!)
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Ortsgruppe relle Ausbaua Teil übertrag um Dolksgan rneinde und d Bürgermeister fcrffieni irrige Qaufe[ fom Jahre- lGrunberg) tot Kleisoereine m Even MM Wangen. Die E M18Z auf ^nggfinqer W Oben KSeiMer !,e>er ihres Aktien Mllng der 3%
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