nigreich Ungarn wurden die Städte Neubau- fei, Üewenz, Lutschenetz Kaschau, UzhoreD und M u n k a c s zugesprochen. Die neue Regelung bringt bas gesamte geschlossene ungarische Sied- lunasgebiet wiederum an bas Königreich Ungarn zurück. Dort, wo bie Verhältnisse eine genaue volks- mäßige Grenzziehung nicht ^uließen, hat eine sorgfältige Abwägung ber beiderseitigen Interessen statt- gesunden. \
Vie Achse Serlm-'Kom.
„EmFaktordesFriedensund derOrdmmg."
Der Presse gaben beibe Minister folgende Erklärung: Die Achse Rom —Berlin hat sich heute in einem internationalen Streifall von großer Bedeutung und außerordentlicher Kompliziertheit als erfolgreicher Schiedsrichter betätigt Sie hat damit erneut den Beweis geliefert, daß sie in der europäischen Politik ein Faktor des Friedens und ber Drbnung ist In diesem sübost- europäischen Raum war durch bas Unrecht der Verträge von 1919 ein dauernder U n - ruheherd entstanden. Diesem Zustand ist durch den nach eingehender Anhörung beiber Parteien und Beratung zwischen den beiden Außenministern Deutschlands und Italiens gefällten unparteiischen Schiedsspruch nunmehr ein Ende bereitet worden. Der Schiedsspruch ist aus dem Geiste beiderseitiger Freundschaft zwischen Italien und Deutschland und dem Derantwortungsbewußtsein gegenüber dem Frieden Europas entstanden. Wir hoffen, daß sich nunmehr die Beziehungen zwischen Ungarn und der Tschecho-Slowakei im Geiste friedlicher und guter nachbarlicher Zusammenarbeit neu gestalten werden, was um so eher möglich sein wird, als bie neue Epoche in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern sich auf dem Grundsatz voller Gerechtigkeit aufbaut.
Das Echo in Aalten.
„Die Achse Hai voll und ganz funktioniert."
Mailand, 3. Rov. (DNB. Funkspruch.) „Po- polo b'Jtalia" spricht von einer wesentlichen Revision des unheilvollen Vertrages von Trianon. Die deutsch-italienische Zusammenarbeit habe wieder dem Donauraum Gerechtigkeit und Frieden gebracht. Die Irrtümer von Versailles und Trianon, die infolge einer ungeheuren Unwissenheit über die geschichtlichen, geographischen und volksmäßigen Verhältnisse entstanden seien, seien nach den besten echnischen Grundsätzen berichtigt worden. Auch gegenüber der Tschecho-Slo- wakei sei die Handlungsweise Italiens von tiefem Verständnis getragen. Die Wiederangliederung bedeutender ungarischer Gebiete an das Mutterland werde jetzt ohne die Beschwernisse und Risiken eines Krieges erfolgen. Die Wiener Zusammenkunft festige bie Politik ber Achse bebeutenb. Italien und Deutschland stellten in enger Zusammenarbeit den Frieben auf ber Grundlage der Ordnung und der Gerechtigkeit wieder her.
„Cornere della Sera" erklärt, die Ungarn seien zusriebengestellt und begeistert/ da von ihren Forderungen, was chnen vom Schiedsgericht habe zu- gestanoen werden können, gegeben worden fei. Die Tschecho-Slowakei könne nicht unzufrieden sein, da ein äußerst schweres Problem des Zusammenlebens mit ihren Nachbarn im Süden mit für sie erträglichen Opfern feine Lösung gefunden habe. Die Achse habe mit einem Wort voll und ganz funktioniert. Während kein europäisches Problem gegen den Willen ber Doppelmacht Deutschland-Italien gelöst werden könne, gebe es im Gegenteil keine auch noch so schwierige Frage, die nicht bank bes einträchtigen Willens dieser beiden Staaten angemessen geregelt werden könne.
Die Grenzregeluug mit polen und der Tschecho-Slowakei.
Warschau, 3. Noo. (DNB.) Der regierungsfreundliche „Dobry Wieczor" weist darauf hin, daß
Das Unterhaus beschließt Ratifizierung des Osterabkommens mit Rom. Anerkennung des italienischen Imperiums in Osiafrika.- OieL'olierug der spanischen Frage.
London, 2. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Chamberlain brachte im Unterhaus den Antrag über bie Inkraftsetzung bes englisch-italienischen Abkommens ein. Er glaube, jo fuhr Chamberlain fort, daß es feit bem Abschluß bes Abkommens am 16. April zwischen England unb Italien keinerlei Differenzen mehr gebe.Der Inhalt des Abkommens fei im Mai mit großer Mehrheit angenommen worben. Man habe jetzt bie Lage zu prüfen, ob bie Zeit gekommen fei, bas Abkommen in Kraft zu setzen. Wenn ber britische Plan für die Zurückziehuna ber Frei- willigen jetzt noch nicht in Kraft sei, so fei das nicht die Schuld Italiens. In München habe Mussolini chm mitgeteilt, daß er 10 000 Mann ober die Hälfte der italienischen Infanterie-Legionäre aus Spanien zurückziehen werbe, das sei inzwischen tatsächlich erfolgt. Er habe weiter von Mussolini folgende Zusicherung erhallen, daß der R e ft der italienischen Legionäre aller Kategorien zurückgezogen würben, sobald ber Nichtein ° mifchungsplan i n Kraft trete; daß keine weiteren italienischen Legionäre nach Spanien gehen würben unb daß die italienische Regierung niemals daran gedacht habe, die zurückgezogenen Legionäre durch Luftstreitkräfte zu ersetzen. Diese Zusicherungen feien ein Beweis für die gute Absicht ber italienischen Regierung, unb ein beträchtlicher Beitrag zur Befriedung. Die Ansichten der Opposition, daß Deutschland unb Italien sich ständig in Spanien fest setzen wollten, seien gänzlich unbegründet. In München hätten sowohl Hiller wie Mussolini chm auf das bestimmteste versichert, daß sie keinerlei territorialen Ehrgeiz in Spanien hätten. Chamberlain betonte, daß die Anerkennung der italienischen Souveränität über Abessinien nach bem letzten Beschluß des Völkerbundes für jeden einzelnen Dölkerbunbs- ftaat zulässig fei. Hiervon hätten lediglich bisher Großbrttannien unb bie Sowjets keinen Gebrauch gemacht. Zuletzt habe Frankreich das italienische Kaiserreich anerkannt. Er beabsichtige, das gleiche Verjähren wie Frankreich einzuschlagen. Der britische Botschafter in Rom werbe daher ein Beglaubigungsschreiben erhalten, in bem England bie italienische Souveränität über Abessinien anerkennt. Chamberlain verlas hierauj zustimmende Telegramme Australiens und Südafrikas und schloß, er hoffe, daß bie von chm geforderte Maßnahme zur Förderung des Friedens beitragen werde.
Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterfrau tion. Greenwood, polemisierte gegen Chamberlain, ohne sachliche Einwände machen zu können. Er sagte: Er schäme sich nicht, zu sagen, daß er gern die Vernichtung der „Diktaturen" in Europa sehen mochte. Der frühere Außenminister Eben glaubte im Zusammenhang mit ber Aussprache über bas Sparnenproblem nochmals eine Rechtfertigung ür seinen Rücktritt im Februar dieses Jahres geben zu müssen. Im übrigen waren seine Ausführungen eine vollkommen abwegige Betrachtung zu ber Entwicklung ber Ereignisse. Der konservative Abgeorb- nete Sir Henry Page-Croft erklärte, Edens Rede beweise lediglich, baß er in keiner Weise mit ber Masse bes britischen Volkes fühle. Der Antrag auf Ratifizierung bes englisch-italienischen Abkommens rourb£ bann mit 345 gegen 138 Stimmen a n - genommen.
Zustimmung in der komervaliven presse.
London, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der überwiegende Tell der Presse begrüßt den Beschluß des Unterhauses, das englisch-italienische Abkommen in Kraft setzen zu lassen. „Ti m es" meint, daß das Kapitel „Spanien" nur ein kleiner Teil des enAifch-italienischen Abkommens sei. Dieses Abkom- men werde, wenn es erst in Kraft sei, ber Diplomatie beider Länder die Möglichkett geben, kleine, aber heftige Differenzen in verschiedenen Teilen Arabiens und Afrikas zu beheben. Außerdem eröffne es bie Aussicht auf engere Zusammenarbeit in allen kolonialen Sphären. Der Teil bes Abkommens, ber das Mittel- m e e r betrifft, fei von besonderer Bedeutung für
bie Dominions, für bie das Mittellneer eine große und unersetzliche Verkehrs st raße bilde.
„Daily Mail" meint, daß nach mehr als zwei Jahren gefährlicher Einmischung zugunsten beider Parteien in Spanien jetzt wemgstens Aussicht für bie Isolierung bes spanischen Krieges bestehe. Das fei etwas, was alle Vernünftigen begrüßen würden. Noch mehr aber werde man bie Ratifizierung eines Abkommens begrüßen, das dazu diene, eine neue Brücke zwischen Italien unb England zu schlagen.
„Daily Expreß" erklärt, baß England selbst einst die Unruhe mit Italien geschaffen habe. England habe den Sturm über bie Invasion in Abessinien entfacht, unb all bas habe unter ber Führung von Baldwin stattgefunden, so weit man bas Führung nennen könne. Jetzt bringe Chamberlain etwas in Ordnung, was längst in Ordnung hätte fein sollen.
Japans Endziel im China. Krieg.
Eine neue Ordnung in Ostafien.
Tokio, 2. Nov. (DNB.) Die japanische Regierung veröffenllichte eine Erklärung zur Besetzung Kantons und Hankaus. Es heißt in chr, wenn die chinesische Regierung, die schon jetzt nur noch eine Provinziattegierung ist, noch weiter auf ihrer kom- intemfreunbfid)en und antijapanischen Polillk besteht, bann wirb Japan s o lange seinen Kampf gegen China fortführen, bis der Wiber- stand gänzlich zusammengebrochen ist. Das Enbziel der jetzigen Strafexpebl» t i o n ist, baß Japan, Mandschukuo unb China Hanb in Hand auf allen Gebieten, in Politik, Wirtschaft unb Kultur, einen geschlossenen Block bilden. Dabei ist die Aufrechterhaltung ber internationalen Gerechtigkeit im Fernen Osten unb bie Durchführung ber gemeinsamen Abwehr gegen bie Komintern, bie Schaffung einer neuen Kultur unb bie Verwirklichung einer wirtschaftlichen Gemeinschaft beabsichtigt. Japan wünscht, daß China an ber Schaffung dieser neuen Ordnung im Fernen Osten teilnimmt und erwartet, daß das chinesische Volk bie wirklichen Absichten Japans versteht unb mit Japan zusammenwirkt.
Sollte die chinesische Nationalregierung von chrer bisherigen Politik ablassen unb eine personelle Umgestaltung durch führen, um dadurch ihren Willen zu beweisen, am Aufbau der neuen Ordnung teilzunehmen, dann ist Japan bereit, dies nicht abzulehnen. Japan ist fest davon überzeugt, daß auch die anderen Staaten seine Absichten klar erkennen unb ber neuen Lage im Fernen Osten zweifellos Rechnung tragen werden. Anderseits ist Japan von tiefem Dank gegen bie ihm befreundeten Mächte erfüllt Das große Werk ber Schaffung einer neuen Ordnung in Ost- asien ist die ehrenvollste Mission des japanischen Volkes. Japan wirb allen Schwierigkeiten zum Trotz an bie Erfüllung dieser Mission gehen, indem es im Lande Reformen durchführt und dadurch die nationalen Kräfte bes Landes stärkt.
•
Finanzminister Jkeda erklärte der Presse, gleichzeitig mit den militärischen Operationen in China sei die Hebung ber Produktion erforderlich, zu der Japan große Kapitalien und beträchtliche Mengen von Rohstoffen benötige. Die Wirtschafts
kontrolle müsse Angebot und Nachftage nach Kapttal und Rohstoffen regeln. Ferner werde eine Kontrolle bes Warenverbrauchs sowie die Aufrechterhattung des Preisniveaus für Lebensmittel und des Pen-Standes burchaeführt werden. Die Regierung erwarte, daß bas Volk alle Lasten willig tragen werde, da Erfolg ober Nichterfolg der japanischen Politik im Chinakonflikt von der Mitarbeit des Volkes abhänge.
Gegen den
„Wettsemd Komintern".
Ministerpräsident Fürst Konoe betonte in einer Rundfunkrebe, daß Japan nicht den Ruin Chinas, sondern seinen Aufbau wünsche, um in gemeinsamer Front mit dem chinesischen Volk, das zum Bewußtsein feiner Selbstbestimmung erwacht sei, zusammenzustehen. Japans Kampf im Fernen Osten richte sich gegen den „W elt - feind Komintern", dessen Ziel bie Bolsche- roifierung Asiens sei. Japan werde im Kampf gegen Tschiangkaischek nicht nachlassen, hin» ter dessen Widerstand sich der Bolschewismus verberge. Glücklicherweise Hätten die befreundeten Nationen Deutschland und Italien Japans Mission verstanden unb dem japanischen Volk uneingeschränkte moralische Hilfe erwiesen. Dafür schulde die japanische Nation beiden Ländern tief- sten Dank.
Die Geschichte Habe gelehrt, daß China das Opfer des imperialistischen Machtstrebens der Großmächte geworden fei, bie den Frieben unb die Unabhängigkeit Chinas bedroht hätten. Demgegenüber habe die japanische Nation die Notwendigkeit einer grundlegenden Klärung ber Lage im Fernen Osten unb die Schaffung eines auf Gerechtigkeit fußenden o ft« asiatischen Friebenssystems erkannt. Fürst Konoe warnte davor, den Fall Hankaus als Endpunkt des Fernost-Konfliktes anzusehen. Der Kampf habe er st begonnen, unb bie Lage erfordere, baß das Volk unb bie Regierung „von einem Willen unb einem Glauben beseelt , ulle Kräfte für bie Erreichung bes Endzieles einsetzen.
Zum „vierten Ufer" Italiens.
Mit den italienischen Siedlern an Bord der „Dulcania^. Don unserem X G -Korrespondenten.
die von gewissen polnischen vaterländischen Kreisen gestellten Ansprüche auf Gebiete ber Tscheche Slowakei erheblich weiter gegangen seien, als das tschechisch-polnische Grenz Übereinkommen vorsehe. Aber der polnischen Regierung fei es in ber Hauptsache darum gegangen, kein Faktum zu schaffen, bas die polnische Nation von der slowakischen, mit ber man in aufrichtiger unb dauerhafter Freundschaft leben möchte, trennen könnte. — Der rechtseingestellte „Wieczor War- cszawski" schreibt: Zu den Gefühlen ber Befriedigung komme auch ein gewisses Bedauern, denn viele polnische Gemeinden der Zips und des Arva- gebietes blieben in ber Slowakei. Dies fei der Preis, den Polen für gute Beziehungen mit dem slowakischen Staat zahle. Die Höhe dieses Preises werde zweifelsohne verringert werden, wenn der polnischen Bevölkerung in der Zips und im Arvagebiet geeignete Rechte für ihre kulturelle Entwicklung zuge- dilligt würden. Die Freundschaft für den jungen slowakischen Staat sei aber Opfer wert. — „Go- nice" weist darauf hin, daß jetzt Verhandlungen über Wiederaufnahme bes Eisenbahn- kehrs über Oderberg beginnen würden. Es gehe dabei um bie V e rb i n d u n g m i t Wien und Prag, an ber Deutschland, Polen und bie Tschecho-Slowakei interessiert seien.
Dor der Wahl des neuen tschechoslowakischen Staatspräsidenten.
Prag, 2. Nov. (Europapreh.) Die Wahl bes neuen ötaatspräfibenten wirb von der „Narodny Lisch" für bie kommende Woche oorausgesagt. Von ber Regierung sei bie Festlegung ber endgültigen Grenzen als Hauptvoraussetzung für bie Ausschreibung ber Präsibentenwahl bezeichnet worden, diese Voraussetzung sei nunmehr nach dem tschechoslowakisch-polnischen Gren^übereinkommen unb bem deutsch-italienischen Schiedsspruch vom Mittwoch hinsichtlich ber tschecho-slowakisch-ungarischen Grenze geschaffen worben. Ein Hinbernis, bas sich der Präsidentenwahl entgegenstellen könne, sei allerdings die Tatsache, daß sich die politischen Parteien auf einen Präsidentschaftskandidaten bisher nicht hätten einigen können.
Die Tschecho-Slowakei braucht Kohlen aus Deutschland.
Prag, 2. Nov. (Europapreh.) Infolge des drin- genben Kohlenbebarfes in ber Tschecho-Slowakei wurde die Ausfuhr von Kohlen aus bem Brüxer Re- vier noch vor Abschluß der schwebenden deutsch- tschecho-slowakischen Verhandlungen freigegeben. Don deutscher Seite wurde lediglich gefordert, daß die tschecho-slowakischen Staatsbahnen die erforderlichen Wagen und Lokomotiven zur Verfügung stellen. Die Einfuhr von Kohle aus bem Brürer Revier erfolgt zollftei und ohne besondere Ausfuhrbewilligung.
Vor Gaeta, 1. November.
Die „Siedlerflotte" dampft in lang auseinanber- gezogener Kiellinie dicht an der italienischen Küste entlang gen Süden. Die blauarüne See ist nur leicht beroeat, unb bas „Flaggschiff , die prächtige „Dul- rania", liegt so ruhig, daß man glauben könnte, auf bem Lande zu fein, wenn nicht bas leise Zittern ber Maschinen wäre. Alle nehmen bas wie ein willkommenes, aber unverhofftes Geschenk hin. Denn als bie Schiffe ben Hafen von Genua verließen, stauben bie Wetteraussichten nicht allzu günstig. Die Sonne hatte sich hinter bicken Wolken verkrochen, ein feiner, hartnäckiger Regen ging nieber, während Luftmarschall Bolbo von ber Mole aus der Ausfahrt ber Dampfer beiwohnte.
Die „Dulcania" lief als letztes Schift des Geschwaders aus, fuhr dann aber, da sie mit ihren 22 Knoten bas schnellste Fahrzeug der Flotte ist, rasch zwischen den in zwei Kiellinien formierten übrigen acht Dampfern hindurch und setzte sich, flanhert von ben beiden Torpedcyägern ber Eskorte, an bie Spitze des Zuges. Oben auf bem Beraub a- deck ber „Dulcania" stand während dieses Manövers Marschall Balbo. THt fröhlichem Lachen, mit blitzenden Augen wies er auf die Siedlerschiffe: „Meine Flotte? Ist sie nicht schön? Bello come poesia!" Unb dann plauderte ber Marschall in seiner ungezwungenen Weise mtt den Journalisten. Er erzählte, baß sich bie Passagiere „seiner" Flotte in der letzten Nacht wieder um fünf Köpje vermehrt haben. Eine ber Siedlerinnen hat sogar Zwillingen bas Leben geschenkt. Lachend meint der Marschall: „Wenn das so wettergeht, werden sich die 20 000 Siedler in fünf Jahren verdoppeln." 3m gleichen Augenblick werden ihm von einem Offizier zwei Telegramme gebracht. Wieder lacht Balbo vergnügt auf. „Mr haben fünf Familien 3 u oi e I an Bord! Wo diese ,blinben Passagiers Herkommen, weiß ich noch nicht. Aber ich werde sie schon in Libyen unterbringen. Zum Glück habe ich noch 35 ober 36 Bauernhöfe in Reserve." Es gibt unter den ausländischen Presseleuten, ganz gleich, ob sie Deutsche, Engländer, Amerikaner ober Franzosen find, nur ein Urteil über Marschall Balbo: Er ilt e i n g a n z e r K e r l!
Auf unserer „Dulcania" fahren etwa 60 Siedler- familien, rund 500 Menschen, mit. Sie sind in den Kabinen ber Touristen- unb der dritten Klasse untergebracht und fühlen sich äußerst wohl. Ä)re Mahl- zetten nehmen sie in zwei luftigen Speiseräumen an wcißgebeckten Tischen ein. So gut haben es nicht olle Siedler; auf ben übrigen Schiffen, besonders *auf denjenigen, die, wie die .Sardegna" und die
„Sicllia", als Truppentransportschifte gedient haben, mußten die Fahrgäste in Schlafsälen, nach Männern, Frauen unb Kindern getrennt, untergebracht werden. Aber die Verpflegung ist auf allen Schiffen gleich gut Die Vorratsräume ber Flotte bergen 90 000 kg Fleisch, 90 000 kg Gemüse, 80 000 kg Mehl, 80 000 kg Obst, 40 000 kg Teigwaren, 12 000 kg Reis, 90 000 kg Kartoffeln, 10 000 kg Olivenöl, 50 000 Liter Milch, 200 000 Eier, 100000 Liter Wein, 70000 Zitronen, 8000 Büchsen Fleisch, 5000 kg Schinken, 10 000 kg Käse, 8000 kg Fische unb größere Vorräte an Kaffee, Zucker, Butter, Marmelade usw. Auch das Sanitatswesen ist auf allen Schiffen glänzend organisiert. Jeder Dampfer hat einen Krankensaal, einen aber mehrere Aerzte, Sanitäter, Pflegerinnen und Hebammen. So ist für das leibliche Wohl der Siedler in jeder Hinsicht aufs Beste oorgesorgt
Die Navigation mit dieser Flotte, deren Schifte ganz verschiedene Geschwindigketten entwickeln, ist nicht immer leicht. Am schwersten hat es bie brave „Tembien", bie sich, wieble staubig ihrem Schornstein entfteigenbe schwarze Rauchwolke beweist, an» fttengt, mit ben anderen Dampfern Schritt zu hol- ten. Die „Dulcania", deren untere Geschwindigkeitsgrenze immer noch beträchtlich über der Höchstgrenze der anderen Schiffe liegt, muß hin unb wieder kehrtmachen unb bie ganze Flotte passieren lassen, um bann wieder bis zur Spitze aufzuholen. Am Sonntag nahm Marschall Balbo die dadurch gebotene Gelegenhett wahr, eine Generalprobe für bie Flottenschau vor dem Duce abzuhal- ten. Zweimal fuhr die „Dulcanica" an ber langen Kette ber acht Dampfer entlang, auf deren Decks bie Besatzungen angetreten unb Die Siebter versam- melt waren. Die Borbkapellen spielten unb die Menschen brachen immer wieder in Hochrufe aus, bie biesmal noch bem auf ber Kommanbobrücke der „Dul- canica" stehenden Marschall Balbo, bem Vater ber Siedler" gatten.
Am Montagmorgen ist bann endlich ber von allen, besonders aber von den Siedlern mtt Ungeduld erwartete Augenblick gekommen: Mussolini nimmt die Parade ber „F r i e d e n s f l o 11e" ab. Schon in ber Nacht sinb die sechs Schiffe aus Neapel, die etwa 250 aus Südttatten stammende Familien an Bord haben, zu unseren neun Dampfern gestoßen. Ms wir kurz nach sieben Uhr das Frühstück einnehmen, liegen fünfzehn Schifte in langer Kiellinie hinter ber „Dulcania" unter ber Küste von Gaeta. Im Norden "rbl'cken wir, scharf sich abhebend. das schroffe Massiv des Kaps Cir- ceo. In weitem Halbkreis ziehen sich bie Berge,
deren höchste Kuppen mit Schnee bedeckt find, nach Westen und Süden. Weiter rechts ragen mehrere Inseln, Ischia und bie Ponzagruppe, aus den heute bleigrau schimmernden Fluten. Nur hin und wieder bricht die Sonne durch die Wolken und malt blaugrüne Flächen in das düster-stimmungsvolle Bild. Gegen neun Uhr kündet ein tief über die Schiffe weitreichender Flieger das Heran nah en des Geschwaders der Kriegsflotte. Wenige Minuten später donnert eine Bomben st affel vorüber. Dann wachsen im Westen Rauchfahnen über dem Meer empor, und bald unterscheiden wir einen Kreuzer, ber, gefolgt von vier Torpedojägern, in einiger Entfernung an unserem Geschwader vor- beizieht. Auf der Höhe ber „Dulcania" menben die Kriegsschiffe.
An Borb unserer Dampfer ist es mittlerweile lebendig geworben; die Besatzungen beziehen chre Posten auf den verschiebenen Decks, und Die Siedler, von Denen bie meisten bie Uniformen ber Partei, ber Frauen- unb Jugendorganisationen tragen, nehmen an der Reeling Aufstellung. Halbrechts vor uns preschen jetzt die Kriegsschiffe heran, die Salutschüsse dröhnen über bas Wasser. An ber Spitze liegt immer noch ber Kreuzer. Es ist, wie wir jetzt erkennen, bie „Trie st e". Auf ber Kommandobrücke steht der Duce. Mtt bem römischen Gruß dankt er für die Hochrufe, die von unseren Schiffen zu ihm hinüberbringen. „Jl Re!", so rufen traditionsgemäß die Besatzungen, „A Noil", so hallt der Kampfruf der Faschisten aus vielen hundert Kehlen der Siedler.
Wenige Minuten nur dauert das Schauspiel, bann sind die Kriegsschiffe vorüber. Alles stürzt zum Heck, um Urnen nachzublicken, wie sie, eine smaragdgrün leuchtende Schaumspur hinter sich lassend, an ben uns folgenben Dampfern ber Siedlerflotte Darüber* fahren. Bald verschwinden sie am Horizont, und nur bie langsam abziehenben Rauchschwaden erinnern noch an bas denkwürdige Ereignis, bas sich hier abgespielt hat, an die Parade von 20 000 Menschen, bie, bevor sie hinausziehen zur Besiedlung ber nordafrikanischen Küste, ihrem Duce noch einmal Treue unb Pflichterfüllung geloben. Die Siedlerflotte beschreibt einen wetten Bogen in ber Bucht von Gaeta; sie nimmt den alten Kurs nach Süden wieder auf: bas Ziel ist Tripolis.
Die Siedle, flotteim Safenvon Tripolis.
Rom, 2. Nov. (DNB.) Die Siedlerflotte ist a m Mittwoch im Hafen von Tripolis ein getroffen, wo den Siedlern von ber italienischen wie ber eingeborenen Bevölkerung eine außerordentlich freundliche Aufnahme bereitet wurde. Am Donnerstagvormittag findet in Gegenwart des Generalgouverneurs Luftmarschall Balbo vor bem Regierungsgebäude eine Kundgebung statt. Dann werden die 1800 Bauernfamilien in ihre neue Heimat Weiterreisen und schon in den nächsten l Tagen ihre Pioniertätigkett aufnehmen.


