Ausgabe 
3.9.1938
 
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Ur. 206 Drittes Blati

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 3./4. September 1938

Aus der Stadt Gießen.

Gang zum Wochenmarkt

In aller Frühe ergreift die Hausfrau ihre Markt­tasche, um einkaufen zu gehen. Es ist kühl, und es riecht beinahe schon nach Herbst!Es ist doch erst Anfang September!" denkt sie und schaut vorwurfs­voll nach dem Himmel.

Auf ihrem Wege sieht sie nur Kinder die Bröt­chenjungen sind wohl schon fertig, die zur Schule strömen. Gesittet gehen die Mädels, während die Jungens laut und überzeugend reden, oder sich auch schon ein wenig knuffen. Biele Kinder radeln auch an ihr vorbei, die Zöpfe fliegen, dick und wichtig liegt die Schultasche hinten drauf. Was für eine Note wird heute in das englische Heft kommen?

Die Hausfrau fühlt sich plötzlich wieder als klei­nes Mädel, im wippenden Faltenröckchen, den Ran­zen auf dem Rücken, wie sie, von der Morgenkühle angenehm überschauert, mit etwas bänglichen Ge­fühlen der Schule zutrottet. Bis dann an einer Ecke die Freundin dazukommt und der Weg unter fröh­lichem Schwätzen geteilte Sorgen sind halbe Sorgen! gemeinsam fortgesetzt wird Au die Rechenarbeit heute!"Und ich hab' für Erdkunde nix gelernt!"

Äber«plötzlich ist das Schulmädel mit den langen Locken verschwunden, eine geplagte Hausfrau geht durch die Straßen, die nun flugs überlegt, was sie auf dem Markt alles einkaufen will.

Nur ein flüchtiger Blick schweift zu den roten Ebereschen in den Anlagen und zu dem in allen Farben leuchtenden Blumenbeet, das sich und an­dern auch noch gerne den Sommer Vortäuschen möchte!

Unter solchen und ähnlichen Gedanken ist die Hausfrau auf dem Markt angekommen. Ein buntes Brld zeigt sich ihr: grün und gelb leuchtet das Ge­müse, rot grellen die Tomaten dazwischen, golden lockeü Bananen und Apfelsinen. Wie appetitlich sehen die gelben, duftenden Käse aus! Trübselig hängen Hühnerchen. und Hähnchen, die gestern noch vergnügt auf dem Hofe herumpickten, auf den Tischen.

Der scheidende Sommer aber hat noch einmal seine ganze Blumenpracht aufgeboten, mit den herr­lichsten Rosen und Nelken ist er zur Stelle, mit Löwenmäulchen, Cinnien, Dahlien und Gladiolen; wer kennt sie alle, die bunte Pracht! Das Auge kann sich nicht sattsehen, aber denkt die Haus­frau davon werden die zu Hause nicht satt! Und eilig begibt sie sich daran, ihre Einkaufstasche mit allerlei Nahrhaften zu füllen.

Außer derLandessprache" schwirren noch aller­lei andere Mundarten an ihr Ohr: thüringisch und hannoveranisch, während ein Verkäufer den un­geduldigen Frauen im reinsten Berliner ausein­andersetzt:Die muß alleene abwiejen. da kann icke nich ooch noch rumfummeln!"

Dicht dabei ist ein Stand mit irdenen Töpfen. Sie tragende Jahreszahl 1938: wenn sie kaputt­gehen, weiß man wenigstens, wielange" sie ge­halten haben!

Da ein Schrei! Ein Auto, das auf den Markt einbiegen wollte, hat beinahe einen Jungen über­fahren. Der eine Fuß ist schon unter dem großen Rad. Die erschrockene Mutter zieht ihr Kind mit schnellem Griff zu sich heran wie die Affenmutter im Zoo, fällt der Hausfrau ein der Fahrer aber ein Glück für ihn, daß er sicher hinter seiner Scheibe sitzt ist minutenlang umbrandet von drohenden und schimpfenden Frauen. Als sich die AlUregung gelegt hat, geht das Einkäufen weiter.

Schwer hat nun die Hausfrau zu schleppen, als sie sich eilig auf den Heimweg macht. Nur gut, daß die leere. Geldtasche jetzt leicht ist!

E. L. St.

Vornoiizen

Tageskalender für Samstag:

Gloria-Palast (Seltersweg):Spiegel oes Lebens." Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):C '-eimzeichen

Wilderer-Prozeß vor -er Großen Strafkammer Gießen.

Arn kommenden Dienstag, 6. September, beginnt por der Großen Strafkammer in Gießen ein um-- langreicher Wilderer-Prozeß, der, wie wir auf An­frage an zuständiger Stelle hören, in Jägerkreisen mit besonderem Interesse erwartet wird. Der Pro­zeß richtet sich gegen die beiden Brüder Oben- weller -aus Kranzberg und gegen einige weitere Einwohner aus Kranzberg und Friedrichstal im Taunus. Ferner ist ein Kaufmann aus Frankfurt am Main angeklagt. Die Ermittlungen, die der An­klage zugrundeliegen, wurden seinerzeit von der Kri­minalpolizei in Frankfurt a. M. aus Anlaß einer umfangreichen Razzia in den Orten Kranzberg und Friedrichstal, wie auch in einigen anderen Gemein­den des Taunus, gewonnen.

Dabei wurde auch ein Mordversuch an dem Förster Nothnagel, der vor 20 Jahren unter­nommen worden war, aufgeklärt. Einer der beiden Brüder Odenweller hat zugestanden, daß er da­mals aus dem Dickicht auf den Förster geschossen habe. Der Wilderer verfehlte aber; die Kugel ging durch den Strohhut des Försters. Diesem Umstand war es zu verdanken, daß Förster

Nothnagel nicht erschossen wurde. Leider kann diese schwere Tat nicht mehr verfolgt werden, weil in dieser Strafverfolgung Verjährung eingetreten ist. Die Wilderer Odenweller standen außerdem im Ver­dacht, den Philipp Oden weller, der eben­falls vor etwa 20 Jahren auf dem Wege von Köp­pern nach Kranzberg verschwunden und nach meh­reren Jahren er st in einem Steinbruch tot aufgefunden worden war, erschossen zu haben. Doch führten die eingehenden Ermittlungen in dieser Richtung nicht zum Ziel. Die Verdächtigen bestreiten, etwas damit zu tun zu haben.

Neben den Wilderern ist auch ein Gastwirt aus Kranzberg angeklagt, der das van den Wilderern geschossene Wild verwertete. Er ist deshalb wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei ange­klagt. Die Jagdvergehen, die von den Brüdern Odenweller begangen worden sind, erstrecken sich über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren.

Der Prozeß wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Es sind 20 Zeugen geladen. Den Vorsitz fuhrt Landgerichtsrat Dr. Sei b. Die An­klage vertritt Staatsanwalt Dr. Finke.

Modell:

Erweiterungsbau physikalisches

Institut.

Gestern nachmittag wurde für die Deutsche Bau- und Siedlungs- Ausstellung ein weiteres Modell auf Veranlassung des Hessischen Hochbau­amts fertiggestellt. Das Modell, das wir hier im Bild zeigen, stellt den Erweiterungsbau desPhy- sikalifchen Instituts unse­rer Landesuniversität dar, der in der Stephanstraße erstehen soll.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

preiö der <Dtodf Gießen"

für die NS.-kampfspiele in Nürnberg.

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Unser Bild zeigt wir berichteten bereits gestern darüber denPreis der Stadt Gießen", der für die NS.-Kampffpiele in Nürnberg gestiftet worden ist. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

entgegengehen. Im vorderen Teil des Tannenwegs wurde ein neues Einfamilienhaus errichtet, tm Hin­teren Teil werden acht Doppelhäuser gebaut. In der benachbarten Fröbelstraße gehen ebenfalls einige Häuser der Vollendung entgegen. Im Ost- markenviertel werden die bis jetzt noch Vorhände-

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L. B. 17." Artillensten-Kameradschaft: 20.30 Uhr,Hessischer Hof", Kdmeradschaftsabend.

Tageskalender für Sonntag:

Gloria-Palast (Seltersweg):Spiegel des Lebens." Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Geheimzeichen L. B. 17." Gießener RuderklubHassia": 14.30 Uhr Wettkämpfe der Rudervereine GießenWetzlar. LandschaftsbundVolkstum und Heimat": 9 bis 12.30 Uhr Pilz gang.

Hitler-Iugend Bann 116.

Vekr.: Ausgleichsbeförderungen Führersiellen- befehung für den Monat September 1938.

.Ich mache hier nochmals darauf aufmerksam, daß die Ausgleichsbeförderüngen nur dann ausgegeben werden, wenn van den betr. Gefolgschaften die Führerstellenbesetzungsmeldung für den Monat September hier vorliegt.

Beae Wohnungsbautätigkeit in Gießen

Am stärksten ist gegenwärtig die Bautätigkeit im - < ... - i Schwarzlachgebiet. Ein Teil der etwa 200 Wohnun-

Vetr.: Vorappell für die Re.chsparteitagteilnehmer gen, die dort entstehen, ist im Rohbau fertig und am 4. September. , wird im Innern ausgebaut. Die anderen Häuser

Für alle Reichsparteitagteilnehmer (Parteianwär-; an der Marburger Straße und entlang dem Aster­ter), sowie Führerschaft findet am 4. September ein weg sind im Rohbau vollendet. Die neu angelegten Vorappell durch den stellv. Bannführer statt, und, Straßen werden aufgefüllt und Regen- und zwar für die Teilnehmer des Kreises Giesten am Schmutzwasserkanäle angelegt.

4- September um 10 Uhr (vormittags) an der j Die Brauerei Denninghoff hat ein neues Ver- Banndienststelle, für die Teilnehmer des Kreises , waltungs- und Wohnhaus erstellt, der Rohbau ist Friedberg am 4. September um 15 Uhr in Fried- - fertig Auch das Brauereigebäude wird erweitert. Perg (Burghof). Es ist zu diesem Vorappell im I Im Eichgärtengebiet wird ebenfalls lebhaft ge- Großen Dienstanzug und vollständiger Lageraus-1 baut. Die Baugenossenschaft 1894 hat im Laufe die- ruftung anzutreten. Von allen Teilnehmern am \ ses Sommers zwei Doppelhäuser bauen lassen die Reichsparteitag sind Ueberfallhosen und Winter-, eben ausgebaut und wohl zum Herbst bezugsfertig blusen mitzubringen. Ueberfallhosen und Winter- werden. Eine Baufirma erstellt dort eine Reihe von blusen sind zu den Vorappellen mitzubringen. I Kleinwohnungen, die ebenfalls ihrer Fertigstellung

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nen Baulücken mit einigen Einfamilienhäusern ge­schlossen, die beinahe fertig sind. In nächster Nähe entsteht ferner ein neuzeitliches Gärtnereigebäude und in der Bergstraße läßt eine Großfirma ein Verwaltungsgebäude errichten.

Auch im Südviertel und zwar im vorderen Leih- gesterner Weg ist man dabei, ein neues Einfami­lienhaus zur Ausführüng zu bringen.

Pilzgang

durch den Gchiffenberger Wald.

Landschaftsbund Volkstum und Heimat.

Wer seine Pilzkenntnisse erweitern will, beteilige sich am Sonntagvorrnittag am Pilzgang durch den Schiffenberger Wald unter der sachkundigen Füh­rung von Unioersitäts-Garteninspektor i. R. Reh- n e l t. Alle Volksgenossen sind dazu eingeladen.

Mitte,

Hochaltars im Münster zu Ueberlingcn die Än-

sondern' Kohlblätter gefressen. Nun hatten wirs. Sein Heb

Museen, ten und

Wenn geht, so die man

an alten städtischen oder patrizischen Bau- in Bürgerhäusern!

man ihnen hier an den Ufern einmal nach­gewinnt man feine Freunde unter ihnen, gern wieder und wieder besucht; bei denen

Aber neben diesem gibt es noch ein stilles Ge­schlecht von Uferbewohnern, in denen die Gemein­samkeit des alten ehrwürdigen Kulturkreises um den See sich dauernd und unveränderlich ausspricht.

wirklich zu Bewohnern dieses Landes, an die man immer denkt, wenn man die Kirchen und Kapellen

---7 I--- vu «US VH [4.C UHtZ, V0N einem Künstlerauge, einer Künstlerhand erfaßte und festgehallene Leben in ihnen suchen. Dem Kunstfor­scher enthüllen sie Geschichte. Aber es bedarf, um sie zu genießen und sich an ihnen zu freuen, keines kunsthistorischen Fachwissens nur des Gefühls für reines, klares, schlichtes Menschentum, das hier selbst aus der Arbeit ungelenker Hände noch spricht, und der Liebe zu diesem schwäbisch-alemannischen Stamm, der seinem Wesen nach von herb-inniger echter Deutschheit und seiner Begabung nach von so sicherer künstlerischer Erfassung des ewig gleichen Menschenlebens und seiner volkhaften Gestalten ist.

zwischen den Rebenhügeln liegen, die Türme der Dome aus dem Dächergewirr der alten Reichs-

fie ausdrücken, reglos und wortlos und still und un­veränderlich ist, so dürfen sie dauern, während wir Lauten und Redenden, Tätigen dahingehen.

Es sind die stillen Gestatten der Kunst, die heiligen oder weltlichen Männer und Frauen in den Domen und Münstern, den Dorfkirchen und Kapellen, in den

man verweilt und in deren vergangenes, doch non der Dauer spendenden Hand der Kunst festgehaltenes Leben man sich sinnend versenkt. Immer mehr wird man dessen inne, wie das Leben durch die Jahr­hunderte hier gleich und erfüllt hinging und diese Gestaltenbildör aus sich herausstellte, damit sie uns Künftigen erzählen, uns sagen, daß das Wesent­liche und Wichtige tm Leben vor Hunderten von Jahren nicht anders war als heute: ein klar um­schriebener Kreis zu tuender Aufgaben, Glück und Schmerz, Arbeit und Feiern, Dienst und Sorge.

Ob man sich in den leeren Bänken vor der be­rühmten holzgeschnitztenVerkündigung" nach der man ihren Meister benannt in der kleinen Unterstadtkirche in Meersburg niedergelassen hat und sich von dem schlicht-innigen Bildwerk den Vorgang der Versenkung in ein andachtsvoll ge­lesenes Buch und das greifbare Heraustreten des Wunders daraus in den Raum vor der lesenden Seele fast in eine nur regungslose Wirklichkeit ver­wandeln läßt; ober in der Heiligenberger Gruft- kavelle von der hoheitsvoll frhroeigenben Madmua mit ben halb herabgesenkten Augenlibern die Stille vor den ewig gleichen Gesetzen des Lebens in sich aufnimmt; oder in all den vielen von der Kunst geheiligten, doch erst von ihr ganz weltlich gemach­ten Gestalten einfach das umgebende Leben von einst und von heute gespiegelt sieht wie die Fa­milie, die Hirten und die Tiere des Jörg Zürnschen

Das Karlinchen.

Tanti, komm! Komm doch schnell! Das Karlin- chen sterbt, das Karlinchen ist ganz tot! Tanti! Tanti!"

Da standen sie alle zwölf in der hellen Sonne, im Glanz ihrer blonden und braunen Haare wie kleine bunte Fünkchen; und ihre hellen, hohen Stimmchen zeterten durcheinander, und mit ihren kleinen Patschhändchen winkten sie aufgeregt nach mir hin. Ich lief, was ich laufen konnte. Da stürz­ten sie mir auch schon entgegen, faßten mein Kleid, meine Schürze und erzählten mir alle zusammen völlig Unverständliches. Nur, daß es ein großer Jammer war, wurde mir klar. Die kleinen Gesichter waren ganz verzweifelt, ihre Köpfchen fchüttelten sie sorgenvoll, und dem Mariechen kugelten die Trä­nen über die dicken Bäckchen.

Das Karlinchen sterbt." Sie zerrten mich zu dem Stall, in dem das schöne weiße Pelzröckchen unter­gebracht war. Es hatte seinen niedlichen Namen von den Kindern bekommen, die wohl ein kleines Mäd­chen, das so hieß, kannten, aber noch nicht so weit im Tierreich vorgedrungen waren, um sich bei dem WortKaninchen" etwas vorzustellen. Wir guckten alle zu der engen Tür hinein, die Kleinen mit an­dächtigem Grausen; sie traten und schubsten sich und machten große Augen. Und wirklich, das Karlinchen war in einem beängstigendem Zustand. Es lag auf der Seite, hatte die Vorderpfoten an den Leib ge­zogen und konnte kaum mehr japsen. Seine glasi­gen Augen waren ganz verdreht. Es schien wirklich diesem Erdendasein Lebewohl zu sagen.

Vorsichtig zwängte ich mich in das Ställchen, was außer mir auch noch Fritzchen gelang, weil er noch so ganz klein und zart war. Da hockten wir uns auf den Boden und besahen uns den Schaden aus der Nähe, während die andern an meinem Rücken in die Höhe kletterten, um auch etwas zu sehm ...

Das Karlinchen hatte offensichtlich zuviel grüne

Die Bewohner der um die gleiche große den See, gesammelten Bodenseelandschaft stehen in einer lebhaft gefühlten Verbindung miteinander.

Die stillen Llserbewohner des Bodensees.

Von Wilhelm von Scholz

auch, können nicht anders -als wir Schmerz und I auch für die Betrachter, die das verfteinte, Lust, innerliche Versenkung und erregte Bewegung, ' r" ~- " ' ' ' ' '

Haß und Liebe ausdrücken. Aber weil alles, was

Ihr Leben ist nicht nur, wie das auch anderer charaktervoller Gegenden, in vielem gleich; ihrer aller Auge und ihr Herz, ihr Gedanke und ihr Schritt sind immer auf dies eine unveränderlich gerichtet, den See.

Heber ihn hinweg sehen Städte und Dörfer des einen Ufers die der anderen wie grüßend an das Wasser getretenen Ufer, die sich zum Ringe zusam­menschließen. So entsteht aus den Anwohnern, ohne daß sie sich 'kennen, eine Art Gemeinde, eine Kul- , turgemeinöe, die durch Jahrhunderte zurückreicht. ' Und es ist eine sehr äußerliche, in früherer Zeit gewaltsam vollzogene Trennung, daß gerade das überall deutschsprachige Randgebiet des wirklich ganz und gar schwäbischen Meeres durch Hoheits­grenzen zerschnitten ist.

Wir alle hier, die wir gewohnt sind, den See zu befahren und seine Uferlandschaft zu durchstreifen sei es auf dem Dampfer, dem Segelboot ober auch nur mit dem Rudernachen, sei es im Wagen, auf dem Rad ober zu Fuß wir wissen uns alle gleich in der Liebe zum See, in dem Verfallen- fein an den See (was mit feinen unendlichen Schönheiten und Lieblichkeiten nichts notwendig zu tun zu haben braucht, sondern eine viel elementarere Naturtatsache ist).

Rasch vergänglich sind die Geschlechter der Leben­den. Als Junge tummeln sie sich im Strandgewell, schleudern geschickt Flachsteine über die Wasser- Haut und lassen sie schnellen und springen; als Jünglinge und Mädchen treiben sie gemeinsamen Schwimm- und Segelsport ober klettern auf die hohen Alpenberge, von denen sie die ganze silberne Schale des Sees mit dem Blick überfliegen, als Gr-- \ . ..

wachsene dann bebauen sie hier bas Land, pflegen die' ziehungskrast dieser Bildwerke wachst mit jeher Weinberge; dienen der Wissenschaft, der Technik Stunde, die man sich ihnen hingibt und großen Industrie um wie bald! als Steife | Die Gestalten verbinden sich fast wie die Bauten von der Bank am Ufer wieder in das verglitzernde,^jt der Landschaft, in der sie stehen. Sie werden Schaumgewell zu schauen. wirklich zu Bewohnern dieses Landes, an die man

ftäbte aufragen sieht.

Sie sind den Vergänglichen verwandt und zu' ihrer | Nicht nur den vor diesen Bildwerken Betenden, Freude da. Sie haben kein anderes Leben als wir! zu ihnen Flehenden werden sie wirklich, (

ner Bauch war ganz dick und steinhart. Ganz sachte sing ich an, ihn zu massieren; nützte es nichts, scha- den konnte es auch nichts. Es war rührend, wie fritzchen voll Vertrauen mich ansah und sagte:

Tanti macht Karlinchen wieder ganz heil."

Ja, für dieses Mal schien das wirklich zu gelin­gen. Das gute Tier fing sehr energisch an, sich von allem inneren Unbehagen zu befreien.Töpfchen", sagte Fritzchen verständnisvoll und lachte mich mit seinem süßen Gesichtchen freundlich an.

Hinter meinem Rücken kollerte alles durcheinan­der. Karlchen hatte sich stürmisch aus der Gruppe gelöst.Ich auch Töpfchen", sagte er und strebte auf seinen dicken steifen Beinchen eiligst dem Hause zu. Nell, nett!" ermutigte er sich selbst. ,Lch auch, ich auch", riefen Lenchen und Herta, und im Nu waren meine luftigen Sommervögel weggeflattert. Karlin­chen schien zu genesen, denn es schnupperte schon wieder mit Interesse nach den saftigen Kohlblättern. Die nahm ich vorsichtigerweise mit, als ich ben Schauplatz meiner ärztlichen Tätigkeit verließ. K. H.

Zeitschriften.

1219 verlieh Kaiser Friedrich II. der Stadt Nürnberg den Freiheitsbrief 1933 erklärte Adolf Hitler Nürnberg für immer zur Stabt ber Reichs­parteitage. In diesem großen historischen Bogen erblicken wir die politische Bedeutung dieser Stadt, die in ber umfassenden Veröffentlichung des Sep­temberheftes berneuen l i n i e" im Hinblick auf ben Reichsparteitag gewürdigt wird. Im Zusam­menhang mit diesem Thema dürften vor allem die Porträts ber bekannten Bilbchronisten ber Bewe­gung, sowie eine Reise in die zauberhafteFrän­kische Schweiz" interessieren. Wieder ruft die neue linie" zur Beteiligung an Ihrem Erzähler- wettbewerb auf und gibt die Bedingungen bekannt. Die künstlerische Förderung, die mit diesem jähr- lichen Wettbewerb dem deutschen Schrifttum zuteil wurde, konnte die Zeitschrift auch erfolgreich auf die Baukunst ausdehnen, wie die Auflösung des Architekten-Wettbewerbs um das gute Eigenhaus zeigt. Eine Reihe vorbildlicher Entwürfe 'wurden mit Preisen ausgezeichnet; sie werden allen, die einen Hausbau planen, wertvolle Anregungen ver­mitteln. Das inhaltlich abwechslungsreiche Heft bringt ferner einen interessanten Aufsatz über den flämischen Dichterkreis und zeigt Timmermans, Streuvels, Verschaeve u. a. m. im Bild. Eine Aus­wahl reizender Vorschläge für neue Gesellschafts­spiele regt an, diese einzeln durchzuprobieren. Der Modeteil bringt herbstliche Modelle, vorwiegend Er­zeugnisse der deutschen Modeinbustrie. (Verlag Otto Beyer, Leipzig. Heftpreis 1 Mark.)