Ausgabe 
3.9.1938
 
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Nr. 206 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Samstag, 3^§onntag,4- September 1958

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Sie Mache der Slaalsknse.

Eine der Hauptursachen für die Spannung im tschecho-slowakischen Staat ist der seit 20 Jahren unternommene Versuch, diese rein deutschen Gebiete allmählich zu tschechisieren, um aus dem Ratio- n a l i t ä t e n st a a t allmählich einen tschechi­schen Nationalstaat zu machen und dadurch wenigstens nachträglich den Vorherrschastsanspruch der Tschechen zu rechtfertigen. Daß diese Absichten sich bisher nur zum Teil erfüllen ließen, lag an der Widerstandskraft der Sudetendeutschen Volks­gruppe, die im Bewußtsein ihres ethischen Rechtes auf nationales Eigenleben nur dem Zwange ge­folgt ist, der allerdings in vielen Fällen im Besitze aller staatlichen Machtmittel sich als der stärkere er­weisen mußte. Dieses heimtückische System der Entdeutschung des öffentlichen und pri­vaten Lebens in Sudetendeutschland ist die Quelle der Vergiftungserscheinungen, die sich im gesamten Staatsorganismus finden.

Systematisch wurden alle Stellen, die irgendwie vom Staate abhängig waren, vom leitenden Posten bis zum letzten Arbeiter, durch Tschechen besetzt. Das ist mit solcher Gründlichkeit üurchgeführt worden, daß heute in den sudetendeutschen Gebieten das Ver­hältnis der deutschen und der tschechischen Beamten in Staatsstellen meist das Umgekehrte der Beoölke- rungszusammensetzung ist. Besonders auffallend ist dabei, daß die Anfangsstellungen, also diejenigen, aus denen der Nachwuchs hervorgehen soll, fast aus­schließlich mit tschechischen jungen Leuten besetzt wur­den. In der Staatspolizei, deren Wichtigkeit.ange­sichts des gegen die Sudetendeutschen inszenierten Terrors besonders deutlich in die Augen springt, find fast gar keine Deutschen mehr tätig. Kürzlich wurde mit großem Pomp von den Tschechen ange­kündigt, daß sie sechs Postmeisterstellen an Deutsche vergeben wollten, und eine gewisse dienstfertige Presse hatte nichts Eiligeres zu tun, als diese An­kündigung als einen Ausdruck tschechischer Versöhn­lichkeiten auszuposaunen. Abgesehen davon, daß bis zum heutigen Tage die amtliche Ernennung der deutschen Postmeister immer noch nicht erfolgt ist, würden diese wenigen Stellen doch bei weitem nicht ausreichen, um das Unrecht gutzumachen, das den Deutschen in der Vergebung von Staatsstellen zuge­fügt wurde. Aehnlich ist es in der Justizverwaltung. Wenn man in Prag kürzlich ankündigte, daß in Eger ein deutscher Kreisgerichtspräsident ernannt werden würde, so ist auch das nur ein Täuschungsversuch, weil gar kein Zweifel darüber bestand, daß diese von einem Deutschen verlassene Stelle wieder von einem Deutschen besetzt werden würde.

Von den 18 Kreisgerichtspräsidenten, die es in Böhmen gibt, ist augenblicklich nur die Stelle in Brüx von einem ^Deutschen besetzt, während die anderen auf deutschem Gebiet liegenden Stellen, sieben an der Zahl, von tschechischen Richtern ein­genommen werden. Aber auch auf den unteren Richterstellen wird das Deutschtum immer weiter zurückgedrängt durch tschechische Richte die die deutsche Sprache meist nur sehr unvollkommen be­herrschen, so daß sie sich mit den Parteien kaum verständigen können. Bekannt ist auch die tschechische Schulpolitik, nach der in deutschen Gemeinden schon für wenige tschechische Kinder eigene Schulen er­richtet werden. Eine andere Entdeutschungsmaß- nahme besteht in der Heranziehung von tschechischen Arbeitern für alle staatlichen Neubauten und in der Ausübung eines Drucks auf fudetendeutfche Unter­nehmungen, tschechische Arbeiter aufzunehmen, falls sie auf Staatslieferungen Wert legen. Die tsche­chische Siedlungspolitik hat es ferner ermöglicht, daß rein deutsche Gebiete allmählich mit tschechischen Bauern durchsetzt wurden, die in frivoler Weise den NamenGrenzler" angenommen haben, obwohl sie aus dem Innern des Landes stammen. Aber gerade diese zusammen mit den tschechischen Beamten füh­len sich als Herren des Landes und treten dement­sprechend auf. Nur allzu verständlich ist es deshalb, daß Konrad Henlein die Forderung aufgestellt hat, daß den Sudetendeutschen in ihrem eigenen Lande das Hausrecht wiedergegeben wird, und daß all die schädlichen Folgen der Tschechisierungspolitik wieder­gutgemacht werden.

Natürlich ist es den Tschechen vollkommen klar, daß sie mit diesen Methoden gegen ihre viel ge­rühmten demokratischen Grundsätze verstoßen, und sie haben dann auch alle möglichen Versuche unter­nommen, um den Tatbestand zu verschleiern. Aber trotz der Krise und trotz ihrer Beteuerungen, daß sie den Forderungen der Dudetendeutschen Verständ­nis entgegenbringen wollten, haben sie nicht aufge­hört, ihre Methoden weiterhin anzuwenden, und zwar nicht nur in Einzelfällen, sondern ganz syste­matisch überall, wo Sudetendeutsche wohnen. Ge­rade in letzter Zeit sind wieder Maßnahmen be­kannt geworden, die die Ueberführung der im su­detendeutschen Gebiet gelegenen wirtschaftlichen Be­triebe in tschechische Hände bezwecken. Daß solchen Umgruppierungen weitere Entlassungen folgen wer­den, liegt auf der Hand. Die Verlegung der Verwal­tungen aus sudetendeutschen Orten nach Prag ist ebenfalls darauf berechnet, die Steuerkraft der Ge­meinden zu schwächen und außerdem die ortsein­gesessenen Lieferanten zu benachteiligen. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zeigt sich also diese für das Zusammenleben von Deutschen und Tsche­chen so abträgliche Erscheinung.

Daß die Tschechen ihre Absichten in keiner Weise aufgegeben Haden, ist am besten auch daraus er­sichtlich, daß in den bisher bekannt gewordenen Vorschlägen immer besondere Klauseln enthalten waren, durch die der unnatürliche Zustand der tschechischen Untersiedlung in den sudetendeutschen Gebieten aufrechterhalten, ja sogar durch besondere Bestimmunaen aeschützt werden soll.

Reue Belastungen in der Tschecho-Slowakei.

Immer wieder Ausschreitungen und Beleidigungen gegen das Deutschtum.

Zuchtlose tschechische Soldateska.

Prag, 2. Sept. (DNB.) Wie von zuverlässiger Seite bekannt wird, wurde in Zwickau bei Böh- misch-Leipa in einer tschechisch-kommunistischen Ver­sammlung in unerhört scharfer Weise gegen die Sudetendeutsche Partei und das Deutsche Reich ge­hetzt. G^nz übel tat sich dabei der Stabskapi- t ä n der Reserve Stanorvsky hervor, der im Verlauf seiner Hetztiraden u. a. behauptete, die SDP. habe nichts anderes zum Ziele, als den Staat zu zertrümmern. Ferner plane Deutschland, die Tschecho-Slowakei zu überfallen. Die Linksparteien müßten diesen Absichten jedoch zuvorkommen.

Man ist nachgerade bei der Unzahl der tschechi­schen Verleumdungen und Verdächtigungen übelster Art allerhand gewohnt. Was sich hier aber ein immerhin in höherem Range stehender Vertreter des tschechischen Militärs an schmutzigen Behaup­tungen leistet, erlaubt immerhin einen neuen tiefen Einblick in die Geistesverfassung gewisser tschechischer Kreise, die außer Haß und Ehrabschneiderei nichts anderes mehr zu kennen scheinen.

*

Wie aus sudetendeutschen Kreisen berichtet wird, kam es in Komotau erneut ^u bezeichnenden Zwischenfällen. Am 27. August versuchten einige tschechische Soldaten deutsche Gäste, meist sudetendeutsche Parteikameraden, im GasthausZur Stadt Leipzig" in Komotau durch herausfordernde Reden zu provozieren. Da diese plumpen Heraus­forderungen nicht beantwortet wurden, verließen die tschechischen Soldaten das Lokal, holten Verstärkun­gen herbei und belagerten das Gasthaus, wobei alle Fenster eingeschlagen und die Tür zer­trümmert wurde, und zwar mittels Steinwürfen oder durch Schläge mit dem Bajonett. Obgleich man einen der Angreifer feststellen konnte, gibt die Poli­zeibehörde an, von diesem Vorfall keine Kenntnis zu haben. Der Schaden, den der Wirt erleidet, ist beträchtlich.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat sich am 30. August in Komotau noch ein weiterer feiger lieber- fall tschechischer Soldaten auf Sude­ten d e u t s ch e ereignet. Als drei Angehörige der Sudetendeutschen Partei aus der Jahn-Turnhalle heimgingen, standen in der Nähe des Stadtparks zwei tschechische Soldaten, von denen der eine ohne jede Ursache einen der Sudetendeutschen mit einem Faustschlag ins Gesicht niederstreckte und den an­deren mit seinem Bajonett bedrohte, dann aber un­erkannt die Flucht ergriff. (Em zu Hilfe gerufener Polizist erklärte dem Angegriffenen, er ver - st ehe kein Deutsch, man müsse hier tschechisch sprechen (!). Erst nach Ansammlung einer größeren Menschenmenge begab sich der Polizist auf die Nach­forschung nach dem Täter, der natürlich nicht mehr sestgestellt werden konnte. Auf Grund dieses und der anderen Vorfälle, die sich in Komotau ereignet haben, hat die Sudetendeutsche Partei und das Bürgermeisteramt beim Polizeikommando schärf­

sten Einspruch gegen die Schutzlosigkeit der deutschen Bevölkerung erhoben.

*

In Tachau im südlichen Pöhmerwaldver­gnügten" sich tschechische Soldaten nachts damit, gröhlend und brüllend durch die stillen Gassen zu ziehen, die Einwohnerschaft aus dem Schlafe zu erschrecken und dann vor den ans Fen­ster Gestürzten höhnend mit ihren Bajonet­ten herumzufuchteln. Dann stachen sie wild auf deutsche Plakate ein und zerstückelten sie. Auch bas Abzeichen der Ortsleitung der SDP. versuchten sie herabzureißen.

Wieder Schüsse über die Grenze.

Dresden, 2. Sept. (DNB.) Am Donnerstag ereignete sich auf dem Wege vom Afchberg zum {□genannten Eisenstein in unmittelbarer Nähe der deutsch - tschecho - slowakischen Grenze ein Vorfall, der fast aufs Haar der am 31. August

gemeldeten Freveltat gleicht, bei der tschechische Uni­formierte an der Grenze bei Oelsen auf eine deutsche Zollwache schossen. Am Donnerstag versah auf dem Grenzweg der Zollassistent Rudolph aus Mühl­leiten den Streifendienst. Plötzlich wurde aus dem Walde von der tschechischen Seite aus ein Schuß abgegeben. Die Kugel flog dicht an dem Beamten vorüber. Der Schuß war sowohl von anderen in der Nähe diensttuenden Beamten, als auch von KdF.-Urlaudern und Ausflüglern, die sich auf dem viel begangenen Waldweg von Sachsen- berg-Georgenthal nach Mühlleiten befanden, gehört worden. Kurz, nachdem der Schuß gefallen war, wurden im Walde zwei tschechische Grenz­beamte beobachtet, die sich entfernten.

Die Ermittlungen wurden vom Leiter des Be­zirkszollkommissariats Klingenthal sofort an Ort und Stelle ausgenommen. Wie die Ermittlungen er­geben haben, steht einwandfrei fest, daß von tschechischerSeite aus über dieGrenze herübergeschossen worden ist.

Verhandlungen aus der ganzen Linie.

Henleins Besuch beim Führer.

Auf Wunsch Runcimans.

Berchtesgaden, 2. Sepf. (DRV.) Der Füh­rer empfing am Freitag auf dem Obersalzberg den Führer der Sudetendeutschen, Konrad Henlein, der ihm aus Wunsch Lord Runcimans einen Einblick in den derzeitigen Stand der Ver­handlungen mit der Prager Regierung geben sollte.

Der Führer nahm die Aufklärungen mit Inter­esse zur Kenntnis. Es ergab sich dabei eine voll­kommene lleberelnstimmung in der Be­urteilung der Lage.

Konrad Henlein, der noch am Mittagsttsch des Führers teilnahm, verließ am Rachmillag den Berghof.

Sudetendeutsche Vertreter bei Venesch.

Montag Fortsetzung der Verhandlungen.

Prag, 2. Sept. (DRV.) Das Sekretariat der Mission Lord Runcimans hat am 2. September, um 19.30 Uhr, folgenden Bericht ausgegeben:

Der Präsident der Republik, Dr. Eduard Be­ne s ch, empfing um 17 Uhr Lord Runciman und teilte ihm mit, daß er heute die Vertreter der Sudetendeutschen Partei empfing und mit ihnen von 10.30 Uhr bis 14.30 Uhr verhandelte. Die Verhandlungen wurden verschoben und werden am Montag fortgesetzt werden."

London wartet ab.

London, 3. Sept. (Europapreß. Die Londoner Blätter beschäftigen sich noch am Samstagmorgen mit der Besprechung des Führers Und Konrad Henleins auf dem Obersalzberg und glauben, darin eine weitere Besserung der Lage sehen zu dürfen, die die Weiterführung der Verhandlungen ermögliche. Soweit sich die Blätter weiter mit der Entwicklung beschäftigen, find ihre Ausführungen aus einen äufjerft zurückhaltenden Ton gestimmt.

Einmütigkeit und volles Vertrauen.

P r a g , 2. Sept. (DNB.) Das Presseamt der SDP. teilt mit: Unter Teilnahme des Stellvertreters Kon­rad Henleins, Abg. Frank, sowie von Haupt­leitern, Kreisleitern und Landesvertretern fand Freitag nachmittag im Deutschen Haus in Prag eine Sitzung des Parlamentarischen Klubs der Ab­geordneten und Senatoren der Sudetendeutfchen Partei und der Karpathendeutschen Partei statt.

Der Bericht des Kluboorsitzenden und Delega­tionsführers der SDP., Abgeordneten Kundt, zur politischen Lage und über die bisher von der sudetendeutschen Parteiführung in den Verhandlung gen eingehaltene politische Linie im Sinne der Ver­wirklichung der acht Karlsbader Forderungen Kon­rad Henleins wurde einmütig gebilligt. Insbesondere kam das volle Vertrauen der Klubsitzung zur Parteiführung und sudetendeutschen Parteidelegation $um Ausdruck. Abschließend gab Propagandaleiter Abg. Sandnerfür Sprecher bei. den bevorstehenden Parteiveranstaltungen Richtlinien bekannt.

Gau Hessen-Nassau zum Reichsparieiiag gerüstet.

Unterredung mit Gauleiter Sprenger.

NSG. Gauleiter Reichsstatthalter Spren­ge r gewährte unmittelbar vor Abschluß der Vorbereitungsarbeiten für den diesjährigen Reichsparteitag dem NS.-Gaudienst eine Unterredung, in der er besonders über das Zeltlager, das in diesem Jahr zum ersten- mal von den Politischen Leitern des Gaues Hessen-Nassau bezogen wird, Ausführungen machte.. Die Unterredung hatte folgenden Wortlaut:

Frage:Der Reichsparteitag erfordert alljähr­lich von den Gauen besondere Anstrengungen. Wird sich der Reichsparteitag 1938 für den Gau Hessen- Nassau irgendwie wesentlich oon den vorherge­gangenen Parteitagen unterscheiden?"

Gauleiter:Für uns ist in diesem Jahre in-' sofern eine Veränderung eingetreten, als wir dieses | Jahr erstmalig in einem Zeltlager und nicht mehr in Schulen untergebracht werden."

Frage:Das erfordert doch eine Umstellung der ganzen Vorbereitungsarbeiten gegenüber den früheren Jahren?"

Gauleiter:Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber vergessen Sie nicht, daß die Frage der Unter­bringung nur einen Teil der gesamten Vorberei­tungsarbeiten bildet. Gegenüber den teilweise sehr unzulänglichen Unterkunftsmöglichkeiten in den Schulen bedeutet dasLager eine erhebliche Verbesserung. Worauf ich entscheidenden Wert gelegt habe, ist die Ausstattung der Zelte. Es kam mir darauf an, sie so zu gestalten, daß auch bei schlechtem Wetter und Regen der Aufenthalt in ihnen erträglich ist. Eine Reihe von neuen An­schaffungen war notwendig."

Frage:Wo ist das Lager errichtet und wie sind die Verkehrsverbindungen zur Stadt?"

Gauleiter:Das Lager liegt in der Ge­markung Moorenbrunn, einige Kilometer vom Zeppelinfeld entfernt. Zum nächsten Bahnhof ist ein Omnibus-Pendelverkehr eingerichtet. Der

Aufmarschweg zum Zeppelinfeld ist vom Lager aus kürzer, als von den vorjährigen Quartieren aus. Für den Aufmarsch zum Fackelzug habe ich einen Sonderzug bis Nürnberg-Hauptbahnhof ein­legen lassen. Es wären sonst an diesem Abend von unseren Politischen Leitern etwa 30 Kilometer Marsch zu leisten gewesen."

Frage:Die Verpflegung wird wohl wie in den vergangenen Jahren gehandhabt werden?"

Gauleiter:Nein, auch hier ist eine Aende- rung eingetreten. Während wir uns in den ver­gangenen Jahren selbst verpflegten, hat diesmal der HilfszugBayern dieVerpflegung über­nommen. Der Hunger unserer Nürnberg-Fahrer wird aber dadurch nicht schlechter gestillt werden, als früher."

Frage:Es ist aber doch schwieriger, trotz der vorhandenen Verkehrsmittel, vom Lager aus in die Stadt Nürnberg hereinzukommen, als in den frühe­ren Jahren. Ist nicht unter diesen Umständen mit dem ständigen Aufenthalt einer großen Anzahl Poli­tischer Leiter im Lager zu rechnen?"

Gauleiter:Doch, aber auch dafür ist Vor­sorge getroffen. Bis zum Tage des Aufmarsches auf dem Zeppelinfeld, d. h. bis zum 9. September, wird uns die Vorbereitung des Aufmarsches noch in Anspruch nehmen. Für die Tage nach dem Auf­marsch ist für ständige Unterhaltung im Lager durch Musik, Filmvorführungen usw. Sorge getragen."

Frage:Wir haben schon, Gauleiter, über die Auswahl der Pistolenschützen des Gaues geschrieben. Wie beurteilen Sie die Aussichten unserer Mann­schaft?"

Gauleiter:Sie roiffen, daß man bei der­artigen Wettkämpfen kaum eine Prognose stellen kann. Ich habe mir die Auswahl der Schüt- zen besonders angelegen sein lassen und glaube, daß wir mit dem Ergebnis unserer Mann­schaft zuftieden jein können."

Frage:Sind noch besondere Anforderungen zu erwarten, die an die Nürnberg-Fahrer gestellt werden?"

Gauleiter:Ja, es sind oon uns 600 Mann für Absperrungen amTagderSA. ange­fordert."

Frage:So ist also alles vorbereitet, daß der Reichsparteitag 1938 für die Politischen Leiter Ihres Gaues auf der einen Seite wohl die gleichen An­strengungen, aber anderseits auch das gleiche un­erhörte Erlebnis bringen wird?"

(Bauleiter:Der äußere Ablauf unserer Nürn­berg-Fahrt ist so vorbereitet, daß es sich reibungs­los gestalten wird. Ich weiß, daß ich mich auf bit Politischen Leiter des Gaues Hessen-Nassau verlassen kann. Ich habe im Lager für mich einen Arbeits­raum einrichten lassen und werde mich täglich, so­weit es meine Zeit zuläßt, dort aufhalten. Wenn wir zurückkommen, wenn wir den Führer gehört und gesehen haben, wenn wir ihm unter die Augen getreten sind, dann werden wir daraus für da» kommende Arbeitsjahr neue Kraft ge­schöpft haben."

Genau beachten?

DNB. Zum bworstehenden Reichsparteitag, der Teilnehmer aus allen deutschen Gauen nach Nürn- berg fuhrt, wird erneut zur unbedingten Beachtung bekanntgegeben:

1. Das Werfen von Blumen in die Wagen des Fichrers und feiner Begleitung ist wegen der damit verbundenen Gefahr für die In­sassen der Wagen strengstens untersagt.

2. Den getroffenen Adsperrmaßnahmen ifk voll­stes Verständnis entgegenzubringen. Das Heran- fpringen an den Wagen des Führers ist unter allen Umständen z u unterlassen, da sonst schwere Unfälle verursacht werden können.